Montag, 8. August 2016

Gedanken zum Schwangerschaftsstatus

Aktueller Schwangerschaftsstatus: Ich glaube, ich bin echt schwanger. Es ist mittlerweile ziemlich eindeutig, obwohl ich noch gar nicht wirklich dazu gebloggt habe, insofern kann man ja nicht ganz sicher sein. Wenn es keinen Text dazu gibt, ist die Erfahrung vielleicht gar nicht real, sondern doch nur imaginär. Dazu kommt, dass ich mittlerweile so lange schwanger bin, dass nicht mal mehr die Kinder daran glauben, dass da noch ein Baby rauskommt. Ich habe schließlich was von "in den Ferien" erzählt und dann war der erste Ferientag da und kein Baby kam. Spätestens da habe ich meine Glaubwürdigkeit bei ihnen vollends verloren. 

Ich denke/glaube allerdings, da kommt schon noch was. Drei Wochen hab ich, auch wenn es mir so vor kommt, als wäre ich schon 45 Wochen schwanger, immer noch und so warten wir hier tatsächlich zum vierten Mal auf ein Kind. Ein echtes Kind. Das ist eigentlich sehr schwierig zu begreifen. 
Die Kinder fragen, wie kommt das Bébi in deinen Bauch, ich sage, "nunja, das haben der Papa und ich da halt irgendwie reingebastelt, lasst uns die Details ein anderes Mal besprechen". 
Die Kinder sagen "wenn das Baby nicht bald rauskommt, dann müssen wir halt zu ihr rein" und fragen mich in der Folge, welchen Eingang ich für den praktikableren halten würde. 
Die Kinder sagen, sie freuen sich auf "ihre schöne Schwester", aber es wäre noch schöner, wenn wir noch fünf weitere Geschwisterchen "basteln" könnten, denn wenn wir sowieso einen Bus kaufen wollen/müssen, dann könnten wir ja auch gleich so einen großen nehmen, wie der, mit dem sie immer die Kindergartenausflüge machen, das wäre doch fein. 
Das AuPair fragt, ob das Baby nicht doch schon früher kommen könnte, es wäre doch jetzt soweit und sie würde so gern noch ein bisschen mit ihr spielen, es bestaunen. 
Die Kinder sagen, wie kann das denn sein, mit diesem Baby da in meinem Bauch? Das wäre doch ganz und gar eigenartig und wo käme das denn bitte raus und ob man es nicht vielleicht irgendwie rausdrücken könne?! 
Der Mann sagt, er habe keine Illusionen, was die Ankunft dieses Babys betrifft, plant seinen Urlaub ab ET+X. Er sei schließlich der erfahrene Geburtshelfer und kenne sich aus, ich müsse nur Vertrauen haben und das Irrsinnige ist, das habe ich sogar.
Die Oma sagt, sie würde so gern helfen, jetzt schon und auch danach und überhaupt wäre es doch schön, wenn wir einfach näher zusammen sein könnten und nicht alles immer so kompliziert wäre durch die Entfernung, aber wie schön doch der Name wäre. 
Der Opa sagt, "Na, da seid ihr bald zu sechst, wa? Biste schon uffjereecht?" und ich sage, "Nee, gar nicht, warum auch? Naja, vielleicht doch ein ganz kleines bisschen. Also wenn ich ehrlich bin, hab ich..." und dann breche ich ab, weil ich nicht gerne über meine Ängste rede. Das machen die anderen schon genug. Die Nachbarin zum Beispiel, die mir zu einem neuen Anschluss-AuPair nach Geburt raten will, was etwas misslingt, indem sie formuliert, dass ich das nie allein schaffen werde, NIE, und darüber sollte ich mir doch im Klaren sein. Und ich überlege, was wohl dieses Nichtschaffen bedeutet und wie das dann genau aussieht, damit ich das dann auch im richtigen Moment erkenne und vor allem, was man in einem solchen Fall tut. Ein neues AuPair, das wächst nämlich auch nicht einfach so auf dem Baum. Und schon gar keins, das vier Kinder wuppt (die Autokorrektur wollte hier "wippt" schreiben und auch das käme der Wahrheit nicht unnah.)
Der ungarische Opa fragt, wie es mir gehe und wann wir wieder nach Budapest kommen, er hätte solche Sehnsucht und ich denke, 'och Mensch, ich auch'. Was die ungarische Oma sagen würde weiß ich genau und ich habe gestern, als ich den zehnten Hochzeitstag mit dem Mann bei einem Besuch von STOMP gefeiert habe, ausführlich an sie denken müssen. Wie schön sie waren, die vielen gemeinsamen Theaterabende. Und dann kullerten da auch Tränen. Weil sie von der Schwangerschaft zu Weihnachten ("Mensch, ihr Verrückten!") noch erfuhr, das Kind aber nicht mehr erlebt. 

Und was sage ich? Ich sage, das ist meine anstrengendste Schwangerschaft und auch ganz sicher meine letzte (oder nicht? Ach doch, ganz sicher.) Aber es ist auch die schönste irgendwie, weil die Kinder sie so bewusst erleben und weil sie trotz aller körperlichen Beschwerden so richtig erscheint. Weil wir inzwischen ein Haus, ein Heim gefunden haben, in das wir im nächsten Jahr einziehen werden und weil sich die Sechs-Personen-Familie so goldig anfühlt. Schon jetzt. Mit der großen Tochter, unserem aktuellen AuPair, das uns mit, vor oder kurz nach der Geburt verlassen wird, weil sie nur für den Sommer kommen konnte, und die wir schmerzlichst vermissen werden. 
Auch weil sie uns vor Augen geführt hat, wie schön das sein kann, wenn man in der Erziehung alles richtig macht. Wenn man einen Menschen schafft, der ein gutes Herz hat, der in sich ruht, der offen für viele neue Dinge ist, der geduldig ist und neugierig auf die Welt. Ein Mensch, der immer gute Laune hat und wenn er keine gute Laune hat, das offen ansprechen kann und auf die eigenen Bedürfnisse Rücksicht nimmt und sie formuliert. Wenn es gelingt, einen solchen Menschen zu schaffen, dann hat man viel richtig gemacht, in der Erziehung oder im Leben ganz allgemein. 

Ich bin mir nicht sicher, ob uns das gelingen wird. Weder bei unseren ersten drei Kindern noch bei dem Baby in meinem Bauch. Aber wir müssen es einfach versuchen. Es ist so schön zu sehen, wenn das jemand anderes geschafft hat.

Montag, 9. Mai 2016

Ein Spiel zum Muttertag #ichschenkdireinwort

Es ist kein Geheimnis, dass ich Wörter mag. Ich bin Sprachenlehrerin, alles andere wäre sicher eigenartig. Und ich bin auch nicht so streng bei der Auswahl, mir gefallen sehr viele Wörter. Auch die vermeintlich "bösen" Wörter kann ich mir im richtigen Moment mit dem passenden Getränk dazu sehr genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Aber wie so oft im Leben muss man sich um diese Wörter nicht so kümmern. Sie sind einfach da und laden sich selbst ein.

Die anderen Wörter aber, die sind sehr stille Geister. Häufig haben wir für sie keine Zeit oder auch gar keine Lust. Viele von ihnen sind uns zu kitschig, zu schleimig und zu flauschig. Ihre Verwendung macht uns nervös, weil sie Dinge transportieren, die uns nervös machen. Gefühle, Unsicherheit, Ängste. Das fängt als Kind an und wird manchmal richtig kompliziert, wenn die Kindheit zu Ende geht. Deswegen kümmere ich mich gern um diese Wörter und spiele dazu gern ein Spiel, das ich einmal in diesem Buch gefunden habe und seit Jahren immer wieder in verschiedenen Gruppen in der Muttersprache und sehr gern auch in der Fremdsprache spiele. Manche nennen das Psychohygiene, manche nennen das Blödsinn. Ich nenne das Spaß.

Ich schenk dir ein Wort. 

Bei diesem Spiel schenken sich die Mitglieder einer Gruppe, die sich gut kennen oder gut kennen gelernt haben, weil sie vielleicht eine sehr intensive Zeit miteinander hatten, die zu Ende geht oder vielleicht pausiert (man kann das auch sehr schön in Klassen am Jahresende spielen), ein schönes Wort. Ein Wort, das ihnen in den Sinn kommt, wenn sie an die jeweilige Person denken. Ein Wort, das ein Geschenk für diese Person sein soll. Und wie das mit Geschenken so ist - man gibt sich Mühe, etwas Schönes auszusuchen. Genau deshalb mag ich dieses Spiel. Weil es Menschen dazu bringt, sich mit Wörtern auseinanderzusetzen. Mit der Botschaft dahinter. Mit den Gefühlen, die das Wort vielleicht bei mir selbst auslöst oder damit, wie das Wort bei dem/der anderen vielleicht ankommt.

Besonders für Schülergruppen ist das häufig nicht leicht. "Muss das unbedingt positiv sein?", ist eine der häufigsten Fragen zu Beginn des Spiels. Ich habe dafür viel Verständnis. Wer mag schon alle Menschen? Und wem fällt schon zu jedem gleich als erstes was Nettes ein? Oft ist es ja eher andersherum. Aber genau darin liegt der Reiz des Spiels. Es kommt dabei im Verlauf des Spiels immer auch zu denselben ablehnenden Reaktionen: "Was soll die Schleimerei?", "Was soll das bringen?", "Mir fällt nichts ein?", "Mir fallen nur Schimpfwörter ein!", "So ein beklopptes Spiel!" Und das ist auch völlig ok. Was aber auch immer dabei passiert: Es werden Wörter verschenkt, die man ohne das Spiel dem/der anderen vielleicht nie gesagt/geschrieben hätte. Häufig sind es Wörter, die gut tun. Die überraschen, glücklich machen, sich besonders anfühlen. Wörter, die dir selbst nicht zu dir eingefallen wären. 

Gestern am Muttertag hatte ich Lust, das Spiel mit Müttern auf Twitter zu spielen. Denn ich lese sehr viel von Druck, von Konkurrenz, von Neid unter Müttern. Sehr harte Wörter. Dem wollte ich was entgegensetzen mit #ichschenkdireinwort. Hier sind ein paar der Wörter, die im Verlauf des Spiels gestern verschenkt worden sind. 


Vielen Dank an alle, die mitgespielt haben und viel Spaß noch mit euren Wörtern. 
Ich mochte meine jedenfalls sehr.

Mittwoch, 27. April 2016

Wohnraumsuche oder lebenslanges Lernen

Eine Wohnung zu finden, das war früher mal ganz einfach. Das stimmt natürlich nicht ganz, denn dieses Früher, wann soll das schon gewesen sein und auf wen soll sich das beziehen? Wenn ich auf mein eigenes Leben schaue, dann stelle ich fest, eins der größten Probleme war immer schon und wird es vielleicht hoffentlich auch bleiben, das Finden einer geeigneten Behausung für mich und inzwischen eben für meine Familie und mich. 

Als Studentin war die Wohnungssuche auch nicht einfach, denn da hatte ich keine Einnahmen. Und keine Sicherheiten. Mein popeliges Bafög interessierte Vermieter nicht besonders und für Makler hatte ich kein Geld. Aber wenigstens fand ich was. Denn es gab was. Das war rückblickend irgendwie doch ganz ein wenig erleichternd. 

Dann schloss ich mein Studium ab und, wild und ungestüm wie ich war, ging ich direkt nach dem ersten Staatsexamen nach Budapest, um dort zu unterrichten. Und ich lernte den Wohnungsmarkt in Budapest kennen. Das war ganz interessant zu sehen, ich habe dort viel gelernt. Zum Beispiel, dass man Wohnungen auch ganz ohne Mietvertrag mieten kann und dass man das Mieten einer ebenerdigen Wohnung ohne Sicherheitstüren vielleicht lieber vermeidet, weil es dann sein kann, dass man nachts, während man im Schlafzimmer - ein wenig unruhig zwar - aber dennoch unbekümmert schlummert, ausgeraubt werden kann, sodass man morgens aufsteht und vergeblich Handy, Laptop und Fotoapparate sucht. Und vor einer offenen Tür steht. Ich habe gelernt, dass man zur Not innerhalb weniger Stunden irgendwo ausziehen kann. Ich habe auch gelernt, dass man sich zu zweit sehr gut in einem Zimmer arrangieren kann. Und dass Alpträume, die man wegen Einbrechern hat, die einen im eigenen Heim um mehrere Tausend Euro erleichtern, irgendwann verschwinden. Ich habe gelernt, dass man sehr gut mit den eigenen Schwiegereltern unter einem Dach wohnen kann, ja sogar, dass man dies als großen Luxus empfinden kann. Und ich habe auch gelernt, dass eine Alarmanlage manchmal durch Katzen ausgelöst werden kann. Alles in allem eine sehr spannende Zeit. 

Dann sind wir nach Bayern gekommen. Die erste Station war Regensburg. Dort hab ich gelernt, dass man Immobilienmaklern um den Bart gehen muss. Ich habe gelernt, dass Kinder nicht so gern gesehen sind, wenn man sich nach Wohnungen umschaut und dass man eher eine Wohnungsvertrag unterschreibt, wenn man einen Hund hat, aber Single ist, als wenn man keine Haustiere hat, aber ein Kind im Bobbycaralter. Ich habe gelernt, dass man Wohnungen auch ohne Makler besichtigen kann, dass es dann aber manchmal ein Mietercasting gibt, für das man sich hübsch machen muss und am besten irgendwo sichtbar die aktuellen Einkommensnachweise ans Jackett pinnt. Ich habe gelernt, dass ein schnell wachsender Wohnungsmarkt durchaus Wohnraum bietet, dieser aber gerne mal schimmelt, weil schnell und billig gebaut, aber teuer vermietet werden soll, für Details in diesem Prozess aber eben manchmal die Zeit abhanden kam. Ich habe gelernt, dass man Innenwandtemperaturen mit Lasergeräten messen kann und dass man Wohnungen über Tiefgaragen vielleicht lieber nicht mietet. Ich habe gelernt, dass man mit vier Personen in einer Dreiraumwohnung von 73 qm gut zurecht kommt, dass die 1000 Euro Miete dafür dennoch irgendwie schmerzen. Ich habe gelernt, dass man sich darüber nicht beschweren darf, denn in München, also da wäre das ein Traum! Ich habe außerdem gelernt, dass viele Makler der Ansicht sind, Wohnungen von 120 qm wären für eine Familie von 4 Personen zu klein, sie mir aber die Wahrheit - dass ich unvermittelbar bin - einfach aus Höflichkeit verschweigen wollen. Ich habe gelernt, dass man auch in einer baubedingt schimmeligen Wohnung leben kann. Dass das Wohnfeeling dadurch zwar ein wenig reduziert ist, man sich aber vielleicht doch besser fühlt als im Zelt.


Unsere zweite Station auf dem bayerischen Wohnungsmarkt war ein kleines Dorf am Rande der Oberpfalz. Hierhin hat es uns verschlagen, weil mich das Ministerium versetzt hat, in eine Schule 80 km von meinem damaligen Wohnort entfernt. Ich habe darüber an anderer Stelle ausführlich berichtet. Pendeln wäre kein Problem, sagte man mir, Umzug auch nicht, ich müsse mich halt nur entscheiden. Wir entschieden uns für den Wohnortwechsel und wohnten nun auf dem Land. Auf dieser Station meiner Wohnraumreise habe ich gelernt, dass man Häuser mittlerweile gerne mit Belüftungsanlagen baut. Dann muss man die Fenster nicht mehr aufmachen. Wenn man ganz viel Pech hat, kann man das gar nicht, weil irgendein Schlaumeier die Belüftungsanlage für so dermaßen abgefahren hält, dass er dir Fenster einbaut, die nicht zu öffnen sind. Ich habe gelernt, dass die Luft in solchen Häusern gerne sehr trocken ist und dass man keine Heizungen hat, auf die man die nassen Sachen legen kann. Ich habe gelernt, dass Schimmel bei einer Luftfeuchtigkeit von 34 % keine Chance hat. Das ist eigentlich ganz schön. Weiterhin habe ich gelernt, dass meine Vorstellung nie mehr als 1000 Euro Miete zu zahlen ein naiver, absurder Traum war, von dem ich mich besser verabschiede. Außerdem habe ich gelernt, dass es Zeitverträge für Wohnraum gibt und dass man sich ganz genau überlegen sollte, ob man solche Verträge unterschreibt. Ich habe gelernt, dass mir 200 qm viel zu viel sind und ich mich auf 120 qm (auch mit vier Kindern) sehr wohl fühlen würde. Ich habe gelernt, dass mir 750 qm Rasenfläche zu viel zum Mähen sind, auch wenn es schön anzuschauen ist. Und ich habe gelernt, dass man auch auf 200 qm den Eindruck entstehen lassen kann, man bräuchte den ganzen Platz. 

Zur Zeit bin ich auf der Suche nach unserer nächsten Station, das haben sicher einige verfolgt. Was meine Lebenssituation angeht, habe ich derzeit Spitzenkarten.
- Ich habe einen Zeitvertrag für ein Haus, den ich frühestens im April 2017 kündigen kann. 
- Ich habe drei Kinder und das vierte sieht man mir an.
- Ich habe ein sehr gutes Beamtengehalt, bin aber schwanger und bekomme bald Elterngeld (Und wer weiß, ob ich danach je wieder arbeiten gehe!)
- Ich muss einen Versetzungsantrag stellen, kann dies im Oktober oder April tun. Der im Oktober würde im Januar bewilligt, der im April Mitte Juli.
- Egal, wo ich lande, ich muss einen Krippenplatz und zwei Kindergartenplätze finden, vorzugsweise in einer Einrichtung (ich träume schon wieder, lassen Sie mich!)
- Für den Versetzungsantrag brauche ich eine neue Adresse. Sonst wird der nicht genehmigt. Also erst Wohnung, dann Antrag. Es kann aber sein, dass ich dann wieder eine Schule bekomme, die 80 km weit weg ist vom selbst gewählten Wohnort. (Pech gehabt.)
- Miete ich eine Wohnung vor April 2017, zahle ich Doppelmiete.
- Kaufe ich eine Wohnung/ ein Haus vor April 2017, zahle ich Miete und Finanzierung.
- Ein Finanzierungsantrag zum jetzigen Zeitpunkt ist angeraten, denn ich bin zwar schwanger, aber ich habe noch echte Einkünfte (bloß die Raten kann ich dann nicht bezahlen, aber dafür kann ich ja einen Kredit aufnehmen)

Mit diesen Karten suche ich derzeit Wohnraum für meine Familie in einem Ort 140 km entfernt von unserem jetzigen Wohnort, was im Grunde einer Vollzeittätigkeit entspricht. Das Schöne daran: Ich lerne wieder so wahnsinnig viel. Heute habe ich zum Beispiel bei der dritten Finanzberatung diese Woche gelernt, dass mein Bauch zu dick ist, um ihn noch zu verstecken. Dass man aber bei großen Banken anonyme (im Sinne von die sehen mich ja nicht) Finanzierungsanfragen stellen kann und das vierte Kind dann gar nicht auffällt. Ist doch schön, dieses lebenslange Lernen, oder?

Dienstag, 26. April 2016

Zu schön, um geplant zu sein

Ich lese hier in diesem Internet immer mal wieder von Kinderplanung. Häufiger von geplanten, weniger häufig von ungeplanten Kindern. Einen Plan zu haben im Leben, das scheint mir ganz allgemein sehr wichtig zu sein. Ich finde das spannend. Sauspannend. 

Einfach drauf los oder erst planen? Wie macht ihr das so?
Bei uns ist die Sache mit der Kinderplanung ganz einfach. Sohn I kam 2010 auf die Welt. Geplant, Ende 2006 zum ersten Mal. Wir waren jung und romantisch und frisch verheiratet und überlegten in zahlreichen Gesprächen so laut zusammen herum, wann denn dieses, unser Kind kommen dürfte, könnte, sollte. Der Mann witzelte, er wolle Fußballmannschaften, mindestens aber einen Vierer-Kajak und ich überlegte viel daran herum, wie das wohl sei mit dem Schwangersein. Was ich mir gar nicht überlegte, war, ob es eventuell schwierig für mich werden könnte, auf dem Wohnungs-, Arbeits- oder sonst irgendwelchen Märkten. Ich romantisierte naiv herum und war dabei sehr glücklich. 
Ich machte mein Staatsexamen. Unschwanger. Ich fing an zu arbeiten. Unschwanger. Ich arbeitete das erste Jahr. Und blieb weiterhin unschwanger. Ich machte mir aber keine Gedanken. Wir hatten ja einen Plan. Ich romantisierte weiterhin naiv herum und amüsierte mich halt währenddessen sehr auf meinen Arbeitsstellen in Budapest. Nebenbei dachte ich manchmal, so in ganz stillen Momenten: Mensch, diese Kinderplanung, das ist aber auch nicht so leicht, wie man denkt. Aber ich ließ mich nicht verunsichern. 

Irgendwann 2009 erwähnte ich mein Nichtschwangerwerden einmal beim Frauenarzt. Zwei Jahre ohne Ergebnis? Dann sind sie eigentlich unfruchtbar, sagte man mir. Da müssen wir was machen. Relativ schnell landete ich in einer Kinderwunschklinik. Dort bot man mir einen Plan an. Einen Untersuchungsplan, der uns 2000 Euro kosten sollte, ohne Kinderwunschbehandlung wohlgemerkt und aus eigener Tasche. Ich lehnte das Angebot ab und wurde einfach weiter nicht schwanger. Das dritte Jahr. Wir hatten zwar ein Kind geplant. Aber offenbar war da irgendein Fehler im Konzept. Ich verdrängte und dachte, das wird schon. Und dann wurde es. Was wir im Jahr 2006 anfingen zu planen, wurde 2010 endlich Wirklichkeit. Vier Jahre von der ersten Planung bis hin zum fertigen Ergebnis: Ein hungriges, liebebedürftiges kleines Häufchen Glück. Klingt eigentlich nach einem schönen Ergebnis, aber der Plan, der war ja offenbar nicht so dolle. Ich meine, vier Jahre? 

Über diese Wartezeit haben wir uns so dermaßen erschrocken, dass wir resümierten, das mit der Planung hat ja nicht besonders funktioniert. Sohn I war 14 Wochen alt, da wurde ich schwanger mit Sohn II.  "Das war doch nicht geplant?", wurde ich gefragt und dachte: "Ach, ihr mit eurer Planung, wir machen das schon!" 
Mit 6 Monate altem Sohn II und 20 Monate altem Sohn I zogen wir von Budapest nach Deutschland. Nach weiteren 8 Monaten wurde ich - mitten im Referendariat - schwanger. Mit unserer Tochter. "Das war jetzt aber ganz sicher nicht geplant, oder? Das kannst du mir nicht erzählen!" Nun, was soll ich sagen, sie kam überraschend, das stimmt wohl. Aber wir hatten mit der Kinderplanung auch nicht so besonders gute Erfahrungen gemacht. Man möge das verstehen.

2015 wurde die Tochter ein Jahr alt und ich nahm mir Anfang des Jahres - ein wenig flapsig-scherzhaft, aber doch auch irgendwie ernsthaft vor, 2016 nicht schwanger zu werden. Gleichzeitig merkte ich von Woche zu Woche mehr, wie mich die Babysehnsucht packte. Hier liefen alle Kinder, hielten ihre Löffel selbstständig und schliefen nächtelang durch und ich arbeitete. Und irgendwann stellte ich fest: Es wird Zeit, dass wir unsere Kinderplanung abschließen. Mit einem geplanten Kind.  Und ich dachte noch so bei mir: Ohje, das können wir ja nicht so gut. Das mit dem Planen. Ein unschwangerer Zyklus reichte, um mir den Mut meiner eigenen Planung zu nehmen. Ich hatte sie noch gut in Erinnerung, diese dreieinhalb Jahre Kinderwunsch. Ich kann das nicht, sagte ich zu meinem Mann. Wenn es nächsten Monat nicht klappt, dann lassen wir das. Es klappte natürlich. Gut geplant, oder?

Wir planen nun, dass wir komplett sind, wenn wir zu sechst sind. Und als Paar und als Familie blicken wir zurück und denken dabei ganz oft: Das hätten wir niemals so planen können. Das ist viel zu schön, um geplant zu sein.