Donnerstag, 28. April 2011

Lassen Sie mich durch, ich muss nach Brandenburg.

P ist zur Zeit in seiner zweiten Heimat, Brandenburg, und stellt fest, dass nicht alle Menschen außer seiner Mama ungarisch reden. Er verkraftet das aber wunderbar :-) Wir sind zu Besuch bei seinen deutschen Großeltern in der wunderschönen Uckermark und nach einem Tag Jetlag hat P schon wieder wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert. Die superlange Autofahrt von 12 Stunden, auf der er drei Outfits durchgeschwitzt hat, hat er ganz gut genutzt, viel geschlafen, viel erzählt und am Ende sogar ganz laut gelacht. Er hat sich königlich amüsiert über die letzte Strophe von "Auf der Mauer, auf der Lauer". Der Witz funktioniert aber inzwischen auch nicht mehr. P lacht nicht lange über dasselbe und schon gar nicht für Publikum. Er hat wohl einen sehr feinen Humor, der Herr. 
In der Uckermark fühlt er sich augenscheinlich pudelwohl, der Möhrenbrei wird mir inzwischen aus der Hand gerissen, und die Restzeit mit Schlaf und Spiel verbracht. Insofern unterscheidet sich Deutschland für ihn nicht groß von seiner ungarichen Heimat, außer dass die Luft wohl etwas leichter zu atmen ist. 
Den biometrischen Reisepass hat er noch nicht gebraucht, schade eigentlich. Ich würde ihn doch so gern jemandem zeigen, das Wunderding. Aber morgen gehts ja erstmal nach Greifswald, vielleicht wird er ja da doch noch verlangt. Oma und Opa findet P genauso spannend wie zu Hause, die Betreuungstrategien unterscheiden sich ein bisschen. Während ungarische Opas gerne mit Wiegen einschläfern, hat der deutsche Opa P mit Kinderradio unterhalten. Mal sehen, wie die Unterhaltungsprogramme sich unterscheiden, wenn P erstmal läuft.

Dienstag, 12. April 2011

Und der Paul ja, der hat Zähne

Heimlich, still und leise hat sich bei Paul der erste Zahn gezeigt. Unten rechts...ein süßer (bis jetzt unübertroffen) kleiner Schneidezahn. Da kam das Gemüse wohl im richtigen Moment. Wer Zähne hat, will sie ja schließlich auch bald benutzen. Nutzbar ist das Kauwerkzeug zwar noch nicht, es kuckt ja nur gerade mal durch den Gaumen. Aber das wird sicher nicht mehr lange dauern, dann werden damit Fleischbatzen zermahlen. Ganz so still und leise kam der Zahn übrigens nicht, Paul hat in den letzten Tagen ziemlich viele Stimmübungen gemacht. Und hier ist der Soundtrack zum Zahn

Sonntag, 10. April 2011

Milch ist mein Gemüse

Gestern war mal wieder ein großer Tag im Leben des Pauls: der Tag, an dem Paul das Gemüse kennen lernt. Ich hätte jetzt auch schreiben können, "isst", aber mit Essen hatte das nicht so viel zu tun. Ich hab die wunderschönsten Möhren ausgesucht, die der Gemüsestand zu bieten hatte, püriert, feinstes Speiseöl hinzugefügt, vor den Augen der Kamera den Löffel ordnungsgemäß zum Paulschen Mund geführt. Und was hat Paul bei dem ganzen Spektakel gemacht? Er hat gestaunt. Mit großen Kulleraugen den Löffel angestaunt und den Papa und die Mama und den Opa. Und seine großen Kulleraugen sprachen: 'Was macht ihr alle hier? Und was wollt ihr mit dem Löffel? Und was ist das orange Zeug da drauf? Soll ich das etwa essen? Und was ist mit meiner Milch? Ich will Milch! Na gut....ich koste mal. Komisch. Also ich will lieber Milch.'
Und so nahm Paul zwei, drei Happen, insgesamt vielleicht einen Teelöffel. Danach wischte er sich mit dem Küchentuch den Mund nicht nur ab, sondern regelrecht aus, was nicht unbedingt für den Möhrenbrei, aber für seine Manieren spricht. Dennoch geben wir nicht auf, Paul. Schon bald wirst du mir die Schüssel mit dem Möhrenbrei aus der Hand reißen, da bin ich mir sicher. Auch wenn du zur Zeit noch denkst, Milch ist dein Gemüse.

Freitag, 8. April 2011

Warum schreit er jetzt

Endlich mal ein Eintrag zu meiner Lieblingsfrage seit Paul auf der Welt ist:
Warum schreit er? Diese tritt in verschiedenen Variationen auf, mal schleicht sie sich von hinten an, mal kommt sie wie ein Schlag ins Gesicht frontal ohne Vorwarnung.
Hier mal ein Beispieldialog:

-Warum schreit er?
Ich weiß nicht.
-Was hat er denn? Hat er Hunger?
Nein. Ich hab ihn grad gestillt.
-Aber vielleicht ist er ja trotzdem noch hungrig?
Das glaub ich nicht. Er hat sogar gespuckt.
-Na dann ist doch klar. Dann ist ja wieder Platz im Bauch. Aber vielleicht ist ihm auch kalt?
Nein. Sein Nacken ist ganz warm und der Rest auch.
-Na dann ist ihm vielleicht zu warm?
Nein, das kann nicht sein, dann würde er ja schwitzen!

-Wann hast du denn das letzte Mal die Windel gewechselt?
Eben gerade.
-Vielleicht kneift seine Hose?
Nein, die sitzt ganz locker.
-Er sabbert ja so, vielleicht bekommt er Zähne?
Ist eigentlich noch zu früh.
-Na dann hat er Bauchweh. Hast du vielleicht was Falsches gegessen.
Kann ich mir nicht vorstellen.
-Aber er schreit doch, Warum schreit er denn dann?

Ja warum denn, Paul? Warum sagst du nicht einfach, was du hast?

Alles falsch

Ich mache heute morgen mal wieder alles falsch. Eine Freundin hat heute morgen einen Artikel verlinkt, in dem es darum geht, wie man nach Jean Liedloff glückliche Menschen erzieht, indem man Babys glücklich macht. Jean Liedloff hat sich ihre Erkenntnisse vom Yequana-Stamm in Venezuala abgeschaut. Ihr Originalwerk ("Auf der Suche nach dem verlorenen Glück") hab ich nicht gelesen, aber der Artikel fasst die wesentlichen Erziehungspunkte wohl zusammen. Am besten gefallen mir die folgenden drei.
1. Babys wollen und sollen im Tuch herumgetragen werden, am liebsten den ganzen Tag.
2. Babys sollen in Körpernähe der Mama schlafen.
3. Babys sollen das Erwachsenenprogramm mitmachen, sie sollen kein eigenes Zimmer, keinen eigenen Spielbereich haben. Im Tuch oder in der Nähe der Erwachsenen sollen sie das Erwachsenenleben direkt erleben und mitmachen.
Nach dieser Theorie ist Paul gerade ziemlich unglücklich. Er schläft in seinem Bett, in Körperferne von Mama in seinem eigenen Zimmer. Dabei sieht er ziemlich friedlich aus. Wahrscheinlich hat ihn der Frust über seine ratgeberresistente Mutter müde gemacht.

Montag, 4. April 2011

Krankenhaus und Modeljob

Der letzte Eintrag ist mal wieder eine Weile her und das hat auch seinen Grund. Paul und ich, wir haben mal wieder eine Runde Krankenhaus gespielt. Was sich jetzt so lustig anhört, war im ersten Moment nicht so witzig, aber jetzt haben wir es hinter uns und da sieht die Welt schon bunter aus. Paul hat den Aufenthalt im Krankenhaus genossen...lauter Babys mit freundlichen Mamas und noch mehr Krankenschwestern, die ihm beim kleinsten Mucks wahlweise auf den Po klopften oder ihn ins Schwesternzimmer holten, wo er in der Wippe (immer schön in Bewegung versetzt von einer Schwester) gemütlich am Fäustchen lutschen konnte. Schreien lassen....das gabs hier nicht. Paul hat sich freundlich durch die Woche gelächelt, wovon selbst die Putzfrau schwärmte. Und die jungen Physiotherapeutinnen erzählten, er hätte sich genauso durch die täglichen Gymnastikeinheiten gelächelt.
Mir hat der Aufenthalt schon weniger gefallen, aber nachdem ich mich dazu entschlossen hatte, hab ich ebenfalls tapfer gelächelt. Ehrlich gelächelt hab ich erst, als klar war, dass diese "Behandlung" mal wieder völlig überzogen war.
In der U4 hat Pauls Kinderärztin gemeint, wir sollten ihn mal ihrer Freundin vorstellen, Säuglingsneurologin. Er würde sich nicht altersgerecht verhalten, den Kopf noch nicht heben. Dass das kritisiert wird, damit hatte ich ja auch schon gerechnet, aber dass sie gleich mit einer Überweisung wedelt, das traf mich wieder wie aus dem Nichts. Aber mal wieder bin ich in die Falle getappt..."zur Sicherheit" lieber nachschauen. Die Neurologin kuckte sich dann Paul an und schwups hatten wir eine Einweisung in der Hand für die Säuglingsneurologie, das beste Haus am Platze, aber wen interessiert das schon? Nach einigem Hin und Her haben Paul und ich uns letzte Woche dort eingefunden und eine Woche mit Klinikessen im Klinikrhythmus verbracht, die Schwestern sind beim Versuch ihn mit der Flasche zu füttern gescheitert und ich bin beim Versuch das Klinikessen zu essen. Am Donnerstag durften wir früher gehen...keine Auffälligkeiten, eine Trainingseinheit in der Tasche und um eine Krankenhausinnenansicht reicher. Auf weitere bin ich bereit zu verzichten. Allerdings ist Paul so zu seinem ersten und vielleicht letzten Modeljob gekommen. Der Herr Professer Katona veröffentlicht sein neues Buch zur Säuglingsneurologie mit Paul auf dem Cover. Das ist doch mal was. Das Foto hab ich noch nicht gesehen, aber ich bin mir sicher, Paul hat sein Köpfchen wild in die Kamera gehoben :-)