Freitag, 20. Mai 2011

Vorbei die Zeit...

wo man Paul irgendwo hinlegt und ihn beim späteren Nachschauen in der gleichen Position wiederfindet. Jetzt fängt es endlich an, spannend zu werden. 
Die Spannung fängt damit an, dass wir kürzlich Nächte hatten, in denen sich Paul auf den Bauch gedreht hat, um dann irgendwann anzufangen zu weinen (denn er liegt inzwischen zwar gern auf dem Bauch, aber schläft weiterhin nur auf dem Rücken), was zur Folge hatte, dass man ihn wieder zurückdrehen musste, was aber natürlich nicht ohne trösten, kuscheln, schaukeln etc. ablief. Als ich dann kurz gegoogelt hab (ich weiß, ich sollte nicht soviel googeln), was man da am schlauesten macht, um zu verhindern, dass man 10 Mal in der Nacht sein Baby zurückdrehen muss, hab ich einen lustigen Kommentar gefunden. Eine Mutter schrieb, 'ach, das kenn ich. Dagegen kannst du genau soviel tun: gaaaaaaaaar nichts. Erst ham sie ne Phase, in der sie sich auf den Bauch drehen und dann weinen, dann kommt die Phase, in der sie nachts im Bett sitzen und weinen, dann gehen sie in den Vierfüßlerstand und weinen und dann irgendwann stehen sie im Bett und weinen, weil sie aus der Position nicht zurückkommen.' Höhö, hab ich gedacht. Das wird ja lustig. 
Heute Morgen hab ich Paul jedenfalls, nachdem ich ihn gestern Abend auf den Rücken mit dem Kopf zur Wand gelegt habe, auf dem Bauch mit dem Kopf zum Fenster (genau 180°) vorgefunden. Geweint hat er nicht, sondern mich angestrahlt. Das finde ich persönlich die schönere Variante. Weiter so, Paul.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Fleisch ist mein Gemüse

Anstelle der Haushaltskekse bekommt Paul übrigens seit einer Woche Fleisch, Hühnerfleisch. Und was soll ich sagen, er verhält sich, was das angeht, wie ein richtiger Ungar: Er reißt es mir aus der Hand. Seitdem es Gemüse mit Fleisch gibt, ist das Gemüse ohne Fleisch nur noch halb so spannend und fleischiger Brei wird mit strahlendem Gesicht und weit aufgesperrtem Mund empfangen. Am besten würde es ihm wahrscheinlich gefallen wenn ich das Fleisch mit ein bisschen Fleisch kombinieren würde, so eine Art Brassoi. Aber damit warten wir noch. 
Angefangen haben wir ja mit Karotten, danach Karotten mit Kartoffeln und ein bisschen Obst in Form von zerquetschter Banane oder Birnenmus. Neuerdings bekommt er Zucchini und obwohl mir das überhaupt nicht schmeckt, isst er das auch mit viel Genuss. Nachdem ich tage - ach was wochenlang recherchiert habe, wie und wann man sein Baby so ernährt, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich es nicht den einen und richtigen Weg gibt, so wie es auch nicht den einen und richtigen Geschmack gibt. Ich hab mich entschieden geduldig und langsam auszuprobieren und Pauls und mein Gefühl entscheiden zu lassen, ob das so ok ist. Damit fahren wir wunderbar. Diese ganzen verschiedenen Theorien über Nahrungsmittel zur richtigen oder falschen Zeit machen einen ja kirre, mit dem Ergebnis, dass man sich hinterher gar nicht mehr traut irgendwas zu füttern. 
Wir füttern jetzt, mit viel Kuddelmuddelwissen im Hinterkopf, das, was uns schmeckt, und das, was verträglich erscheint, und fühlen uns wohl dabei. Wenn es eine Kategorie gegeben hätte bei der 6-Monatsuntersuchung gestern mit dem Titel: Élvezettel eszik ("isst mit Genuss") hätte ich das wunderbar mit Ja beantworten können. Das ist ein schönes Gefühl, besonders weil er immernoch so ein kleiner Zarter ist, der Paul.

Élvezettel gagyog - Brabbeln mit Genuss

Gestern hatte Paul seine 6-Monats-Untersuchung, bei der wieder bestimmte Dinge abgefragt worden sind. Was die Bauchlage angeht, ist er schon Profi; so sehr, dass er sich ständig auf den Bauch dreht. Zur Freude seiner Eltern macht er das auch nachts und wenn er dann müde wird, dann fängt er an zu weinen, sodass wir die Ehre haben, den jungen Mann wieder umzudrehen, so viermal pro Nacht, im schlimmsten Fall. Schön wäre, wenn er sich einfach zurückdrehen würde, aber das dauert wohl noch.
Bei der Untersuchung sollte Paul jetzt in Bauchlage gefälligst auch nach Spielzeug greifen und das von einer Hand in die andere geben. Was so ein halbjähriger Hosenmatz alles können muss. Man staunt. Zum Glück kann er das alles. Erspart uns weitere unnötige Krankenhausaufenthalte. Die schönste Kategorie der 6-Monats-Checkliste war im Hause Paul aber "élvezettel gagyog". Bevor wir zur Untersuchung gingen, hab ich mir angeschaut, was alles abgefragt wird, was der gute Junge alles können muss. Eine Kategorie ist die Kommunikation und da heißt es eben, dass er "mit Genuß/Freude brabbeln" können muss.
Bis eben kannte ich die Bedeutung des Wortes nicht so genau, aber ich war mir sicher, dass das, was Paul neuerdings den ganzen Tag macht, in diese Kategorie passt. Denn er brabbelt seit ein paar Tagen ununterbrochen: er brabbelt das Spielzeug an, mit Spielzeug im Mund, ohne Spielzeug, mit Füßen im Mund, mit der Hand im Mund, mit einem ausgewählten Fingerchen im Mund und in vielen emotionalen Varianten: wütend, erfreut, kichernd, verärgert und gelangweilt, sodass es eine Freude ist ihm zuzuhören. Ich bin schon gespannt auf den Moment, wenn aus diesem Gebrabbel Sprache wird. Und noch gespannter bin ich darauf, welche Sprache es wohl wird.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Haushaltskekse oder wie man mit komischen Ernährungsempfehlungen umgeht

Heute hatte ich mal wieder einen Termin bei meinen Lieblingsfreundinnen, seit Kind P auf der Welt ist: Seine Kinderärztin und die sogenannte Schutzfrau (wen die nun eigentlich vor wem schützt, ist mir bei ihren Methoden immernoch nicht ganz klar geworden). Und ich bekam natürlich, wie erwartet, Schimpfe. Ich schreibe Schimpfe, weil das echt ablief, wie im Kindergarten, wenn Tante Konni dem kleinen Kevin sagt, er soll Susi nicht mit seiner Portion Milchreis bewerfen und ihn endlich selber essen, denn der ist ja so gut für ihn.

Bei meinem letzten Termin war ich schlauer, da hab ich einfach, wie Kevin es wahrscheinlich tun würde, brav genickt und gelächelt (und mir gedacht, ich mach das dann sowieso so, wie ich es mir denke). Auf jeden Fall bekam ich beim letzten Mal die Empfehlung, nennen wir es mal lieber den Hinweis, Kind P jetzt aber auf jeden Fall was Richtiges zu essen zu geben. Die Milch würde doch jetzt nicht mehr ausreichen, wo er schon viereinhalb Monate ist. Und womit, himmelherrgesangsverein, sollte ich anfangen? Mit Keksen. Ich sollte Kind P ein bisschen Apfel reiben, mit Apfel mischen und dann Haushaltskekse dazuraspeln. Haushaltskekse bestehen übrigens aus Zucker, Fett und Weizenmehl. Damit sein junges Leben zu beginnen fand ich irgendwie hohl.

Als ich Kind P heute zum Termin schob, mit schuldbewusst gesenktem Kopf, hab ich überlegt, was sie wohl als nächstes vorschlägt: "Liebe Mutter (wenn man erstmal ein Kind hat, ist man nur noch Mutter, man hat keinen Namen mehr), wenn das mit den Keksen soweit klappt, dann können sie es  jetzt ja mal mit Schokolade oder Eis versuchen." Das hat sie nicht vorgeschlagen, soweit geht die Liebe zum Süßen nicht. Aber auf die Frage, wie das mit den Keksen denn klappen würde, hab ich leider die falsche ehrliche Antwort gegeben: gar nicht, er kriegt nämlich keine. Daraufhin sagte Tante Konni: "Aber Kevin, was hab ich dir gesagt, was du machen sollst? Warum kannst du nicht hören, wenn man dir was erklärt!!!" Dann hat sie noch über die Vorteile von Keksen geredet und mir erklärt, wenn ich wirklich keine Kekse geben will, kann ich auch bisschen Mehl reinrühren, das hat den gleichen Effekt.

Ich glaube beim nächsten Mal werde ich einfach wieder wie Kevin nach unten kucken und sagen: "Tante Konni, das mit den Keksen, das klappt super. Und das Mehl, das reißt er mir aus den Händen." Dann sind alle zufrieden.

Montag, 9. Mai 2011

Wieder zu Haus

Am Wochenende sind wir zurückgekehrt nach 14 Tagen Deutschlandreise und endlich wird wieder die ganze Zeit in Verkleinerungsformen geredet. Mein Süßchen, mein Schätzchen, mein Zuckerschnütchen.....so schön geht das im Deutschen gar nicht.
Paul hat die Reise gut gefallen, die Tage waren so aufregend für ihn, dass er gleich seine schönen Schlafgewohnheiten aufgegeben hat, weil er wahrscheinlich jede Nacht Aufarbeitungsträume geträumt hat, von den schönen Bäumen in der Uckermark, den Rehen auf der Kurmeile, der uckermärkischen Sonne, seinem wilden Cousin, den Ostereiern und Osterhasen und nicht zu vergessen von Oma und Opa, die ihn becirct, bekocht und bespaßt haben.
In Deutschland hat Paul außerdem seine ersten Bananen gegessen, beziehungsweise geschlungen, wie ein richtiger Ossi. Auch das hinterließ einen intensiven Eindruck, beziehungsweise hauptsächlich Druck, sodass wir den Bananenkonsum erstmal wieder eingeschränkt haben.
Für mich am beeindruckendsten war wohl der Moment, als Paul von seiner Oma vor einer Hummel gerettet worden ist. Die Hummel hatte sich, nachdem sie wahrscheinlich sehr lange im Wohnzimmer herumgeirrt ist, auf Pauls Kuscheldecke niedergelassen und Paul wollte sie gerade eingehender untersuchen. Da schritt beherzt die Oma ein. Zum Glück. Denn die Untersuchung wäre trotz augenscheinlich fortgeschrittenem Erschöpfungszustandes der Hummel wohl nicht so glücklich verlaufen. Vielen Dank Oma, dass der Moment nur für uns beeindruckend blieb. Paul hat von der Aufregung wohl eher nix gemerkt.
Seit wir wieder zu Hause sind, schläft Paul wieder durch. Im eigenen Bett schläft es sich wohl auch schon für kleine Babies am besten. Aber wir sind auch erst zwei Nächte zu Haus. Das reicht wohl noch nicht für eine Statistik :-)