Sonntag, 25. September 2011

Pauls Bistro

Gestern waren Paul und ich zum ersten Mal seit langem in der wunderschönen Budapester Innenstadt, wir haben Pauls Papa beim Fußball abgeliefert und sind dann über die Freiheitsbrücke zur Vaci Straße spaziert. Und als wir ein Stück auf der Vaci Straße gegangen waren, entdeckten wir, dass da klammheimlich ein Restaurant zu Pauls Ehren eröffnet hat, ohne dass man uns darüber informiert hat. Ich wollte erst Stress machen. Aber dann hab ich lieber ein Foto gemacht.

Freitag, 23. September 2011

Stillen zu dritt

Paul ist jetzt ein bisschen über zehn Monate alt, da beginnt langsam der Endspurt für sein Brüderchen in meinem Bauch. Endspurt ist zwar noch etwas übertrieben, es sind ja immerhin noch 15 Wochen, aber es fängt langsam an, sich danach anzufühlen, besonders beim Stillen. Als ich erfahren hab, dass Nummer zwei unterwegs ist, war Paul 4 Monate alt. Es wäre für mich also nicht in Frage gekommen, mit dem Stillen aufzuhören. Und das hab ich bis heute auch nicht getan. Allerdings werden unsere Still-sessions langsam immer lustiger.
Den Plan Stillen in der Schwangerschaft und/oder Tandemstillen bin ich von Anfang an so angegangen, dass ich einfach alles auf mich zukommen lasse. Sollte die Milch knapp werden, sollte die Milch nicht mehr schmecken, sollte Paul nicht mehr stillen wollen, dann wird eben nicht mehr gestillt. Ansonsten machen wir weiter wie bisher, auch wenn ich dieses Konzept manchmal wegen Übelkeit oder ähnlichen Schwangerschaftsfreuden am liebsten in die Ecke geschmissen hätte. Keiner dieser Fälle ist allerdings eingetreten und so stille ich Paul immernoch morgens, abends, nachts und tagsüber mal am Nachmittag oder am Vormittag. Mancheiner findet das schon absurd ganz ohne die Tatsache, dass ich schwanger bin, aber darum schere ich mich einen, wie sagt man so schön, feuchten Kehricht. 
Aber nun dazu, warum es langsam lustig wird: Das eine ist, mein Bauch hat mittlerweile eine solche Form angenommen, dass Paul Schwierigkeiten hat sich drumrum zu drapieren ohne von meinem Schoß zu rollen. Das andere ist, dass besonders beim abendlichen Stillen Paul und sein Brüderchen neuerdings miteinander zu kommunizieren scheinen. Während von drinnen kleine Tritte nach außen kommen, die sagen 'ey, mach dich mal nicht so schwer!' kommen von außen kleine Patschehändchen, die sagen 'komm du mal erstmal raus, dann kannst du hier auch mitreden'. Irgendwann mischt sich dann immer die Gebärmutter ein und bringt den Kleinen zum Schweigen, während der Große das Interesse am unbeweglichen harten Bauch verliert. Das ganze Spiel lässt erahnen, welche Freuden auf mich zukommen, wenn erstmal alle beide da sind und das "auf mich zukommen lassen" tatsächlich so abgelaufen ist, dass Paul immernoch kein Interesse am Abstillen hat. Man (also ICH, aber die passive Formulierung gibt mir an dieser Stelle ein beruhigendes Gefühl) darf gespannt sein.

Donnerstag, 22. September 2011

Putz, putz, putz, runter mit dem Schmutz

Während das tägliche Baden eines Säuglings völlig aus der Mode gekommen ist (in solchem Maße, dass ich mich regelmäßig verbalen Angriffen ausgesetzt sehe, weil ich dieses sträfliche Körperpflegeritual liebe und schätze und meinen mittlerweile durchaus abends schmutzigen Sohn abends wasche), gibt es ein anderes Körperpflegeritual, welches ganz gegensätzlich dazu an Bedeutung gewonnen hat: Das Zähneputzen. Wo früher galt, Zähne putzen macht nur Sinn, wenn man auch ne Zahnbürste halten kann und Zahnpasta ausspucken kann, so fängt die moderne Babyzahnpflege mit Beißringen, Massagebürsten und Fingerlingen an, mit denen man dem Baby über die Kauleiste (durchaus schon relativ zeitig nach der Geburt) schrubben soll. Und sollte man eventuell auf Widerstand stoßen, dann gilt es, das Zähneputzritual mit fröhlichen Liedern und Reimen zum Unterhaltungsprogramm zu gestalten. 
Paul hat ja nun schon 8 Zähne und ich hab mich mit dem Zahnputzthema schon mehrfach auseinandergesetzt, sodass Paul inzwischen mehr Zahnbürsten als Mama und Papa zusammen hat (weiche, nicht so weiche, Massagebürsten, Bürsten zum Spielen und Bürsten zum gemeinsamen Putzen usw.), schätzungsweise so viele Bürsten wie Zähne. Am Anfang hab ich mich für die Wattestäbchenmethode ohne Gesang und Erzählverse entschieden und hab ihm einfach morgens und abends mit Wattestäbchen über die Zähne gewischt, was er freudig mitgemacht hat. Beide wussten wir nicht so richtig, welchen Effekt das haben soll, aber das hat uns nicht gestört. Aber dann kam irgendwann die böse Zahnbürste mit den echten Borsten. Damit hat er sich ein paar Mal über die Hauer schrubben lassen (ich gebe zu, so formuliert, hört sich das aber auch brutal an), um ziemlich bald eine Technik zu entwickeln, die Lippen so fest aneinander zu pressen, dass ich auch mit dem besten Hebelwerkzeug Probleme bekommen hätte dazwischen zu gelangen, von einer Zahnbürste mal ganz abgesehen. Seitdem ist ein Einlass für Zahnbürsten im Mund von Paul nicht gestattet. Wattestäbchen ja. Bürsten nein. Und nun überleg ich die ganze Zeit, ob es vielleicht tatsächlich am Unterhaltungs- bzw. Ablenkungsprogramm liegt. Ob er sich mit diesen albernen Reimen dazu bringen lässt den Mund wieder zu öffnen? Oder liegt es vielleicht daran, dass wir keine Zahnpasta benutzen? Vielleicht sollte ich für jede Bürste auch noch eine passende Kinderzahnpasta kaufen (immer die gleiche ist sicher zu langweilig)? Und parallel dazu natürlich immer mitputzen, denn die Vorbildwirkung ist ja so wichtig. Hmmm....Paul, was machen wir bloß? Na jetzt hol ich dich erstmal aus dem Bett. Das ist im Vergleich dazu eine leichtere Übung.

Mittwoch, 21. September 2011

Inspired by....

Es scheint, als hätte sich Paul am Montag bei seinem um vier Monate älteren Kumpel Inspiration geholt, der schon steht und sich an Tischen und anderen Möbeln langhangelt, aber vor allem superschnell auf allen vieren unterwegs ist. Seit mehreren Wochen robbt sich Paul nun durch die Wohnung und legt dabei schon ein Tempo an den Tag, das auch schon mal ausreicht, um es vor der Mama zur Türschwelle zu schaffen, die zu übertreten verboten ist. Dieses Gerutsche hat zwei Konsequenzen: Einerseits werden auf Empfehlung der Oma jetzt vermehrt graue und erdfarbene Sachen gekauft und angezogen. Andererseits müssen trotz immernoch sehr angenehmer Temperaturen mehrere Schichten auf das Kind. Und die wohl wichtigste Konsequenz, ich sehe jetzt immer an meinem Sohn, wann es Zeit ist, den Boden zu wischen. Sieht er morgens um 9 schon aus wie ein Ferkel, dann ist das Wischen überfällig.
Zurück zum Anfang. Gestern hat Paul (meiner Meinung nach tatsächlich inspiriert durch seinen Freund) am Nachmittag ganz plötzlich angefangen sich in den Vierfüßlerstand zu begeben und da immer so hin und her zu wackeln. Den ganzen Nachmittag hat er das trainiert und heute Morgen gings gleich weiter. Mal sehen, wie lange es jetzt noch dauert, bis er das Ganze in Vorwärtsbewegungen umsetzt. Ich bin schon gespannt. Und dann muss vielleicht auch nicht mehr so viel gewaschen werden, weil die T-shirts ja nicht mehr den Boden berühren.

Kreuz im Kalender

Heute waren wir mit Paul beim Arzt zu einer Kontroll-Ultraschalluntersuchung und er hat sich benommen wie ein Deckchen (naja, er wollte immer die Kabel vom Ultraschallgerät rausziehen, aber sonst war er ganz brav). Aber das ist nicht das Wesentliche. 
Das Wichtige ist, dass wir jetzt endlich mal ein ärztliches Papier haben (von denen haben wir leider ja schon eine Menge), auf dem erstens steht, dass alles in Ordnung ist und zweitens nicht steht, dass mein kleiner Vielfraß unterernährt ist. Langsam würden sie sich auch lächerlich machen mit dieser Behauptung, denn der Junge hat sein Geburtsgewicht bald verdreifacht und wiegt jetzt 10,5 kg. Aber das letzte ärztliche Dokument mit dieser Behauptung ist noch keine sechs Wochen alt. Insofern ist der heutige Tag doch einen Eintrag wert. Und da ich keine Kreuze im Kalender mache und meine Rotstifte alle auf dem Dachboden sind, halte ich hiermit an dieser Stelle fest: Ab heute ist Paul auch von medizinischer Seite nicht mehr zu dünn. Menschen mit normalem Menschenverstand, so wie Mama zum Beispiel..., haben das auch vorher nie angenommen.

Dienstag, 20. September 2011

Geräusche sind zum Selbermachen da

Paul ist ein empfindliches Pflänzchen, was Geräusche angeht. Eine ganze Weile empfand er jegliche Geräusche, die von etwas unangenehmerer Art sind, als irgendwie gefährlich, was entweder zu massivem Blinkern führte oder im schlimmsten Fall zu Weinkrämpfen (und hier ist nicht das Getränk gemeint). So erschreckte er sich zum Beispiel vor Mixern, vor elektrischen Zahnbürsten (ganz berühmtes Beispiel) und anderen Elektrogeräten (mit Ausnahme vom Staubsauger, denn der hat ihn ja schon früh von Ansammlungen in der Nase befreit), vor quietschenden Türen oder Schubladen und klirrendem Geschirr. Und neulich fing er ganz bitterlich an zu weinen, als wir die alte quietschende Garagentür mit ihm öffneten. 
Was seine Geräuschempfindlichkeit angeht, gibt es aber ein Geräusch, was für ihn in Sachen Grausamkeit nicht zu übertreffen ist und das ist Babygeschrei. Und hier wird es interessant, denn natürlich ist es nicht sein eigenes Geschrei, das ihn nervt, das ist ja auch irgendwie unlogisch (und Paul weint ja auch nicht, er sagt einfach, was er will). Nein. Paul weint, wenn andere weinen (oder quietschen oder kreischen).
Einerseits kann man dieses Verhalten als positiv sehen: Paul hat eben eine große emotionale Intelligenz und weint aus Solidarität und Empathie. In manchen Fällen hat sich dieses Verhalten sogar als erfolgreich erwiesen, denn wenn die Originalquelle keinen richtigen Grund hatte zum Weinen und dann sieht, wie Paul weint, dann hört das Weinen an der Quelle meistens auf. Paul braucht dann meistens aber länger, um sich zu beruhigen. Andererseits könnte man Lust bekommen, Paul ins Geräuschtrainingslager zu stecken, um ihn auf die harte Geräuschrealität des Lebens besser vorzubereiten. Auch die Idee, ab und zu eine CD mit Babygeschrei einzulegen, kam schon auf.
Nach dem gestrigen Besuch bei einer Freundin mit Baby (14 Monate und gut laut) habe ich aber Hoffnung, dass sich das Problem auch ohne mein Zutun erledigt. Paul war nicht mehr ganz so solidarisch in Sachen weinen. Wenn er sich das bis Dezember ein bisschen abgewöhnen könnte, das wäre schon sehr praktisch. Denn sein Brüderchen wird vielleicht nicht ganz geräuschlos sein.

Donnerstag, 8. September 2011

Rockzipfel sind zum dran rumhängen da

Seit einer kleinen Weile, vielleicht so eins, zwei Wochen, hängt Paul mir mehr und mehr am Rockzipfel und zwar sowohl im übertragenen Sinne als auch im wörtlichen (hier waren ja bis vor kurzem noch regelmäßig 30 Grad, da gab es viele Röcke mit Zipfeln). Sitz ich auf dem Stuhl, dann liegt Paul unter dem Stuhl. Steh ich am Herd, dann liegt Paul mir zwischen, auf oder neben den Füßen. (Das gilt übrigens auch, wenn ich irgendwo anders stehe. Ich stehe, trotz dauernden Breigerühres, nicht den ganzen Tag am Herd) Verlass ich den Raum, während er im Laufgitter ist, fängt er an zu quietschen. Bleibe ich weg, fängt er an zu schreien. Verlass ich den Raum, während er auf dem Boden rumkrabbelt, dann kommt er mir hinterher. 
Was ich auch tue, der kleine Paul folgt mir auf Schritt und Tritt. Hintergrund für dieses Verhalten ist offenbar sein erweiterter Bewegungsradius, er robbt sich mittlerweile ziemlich schnell und unproblematisch durch die ganze Wohnung (ja, er robbt noch, nein, er läuft noch nicht, und ja, ich mache daraus kein Problem). Dieser Entdeckerdrang geht, wie es aussieht, mit ein bisschen Angst einher und dagegen geht er an, indem er sich immer wieder meiner versichert. 
Manche mögen diese Phase anstrengend finden. Manche finden sie vielleicht auch besonders süß (ist doch herzallerliebst, wenn er immer wieder signalisiert, dass er dich braucht - das ändert sich ja früh genug). Ich finde das von allem ein bisschen, süß, weil es so schön ist, zu beobachten, wie er hin- und hergerissen ist zwischen seinem Willen die Welt zu entdecken und seinem Unwillen die Mama zu verlassen; und anstrengend, weil ich höllisch aufpassen muss, wo ich hintrete, damit ich nicht auf kleine Hände oder Füße trete. Insgesamt ist Paul bei aller Rockzipfelliebe aber schon jetzt anzumerken, dass ihm selbige bald zu langweilig sein wird und er sich für die Welt außerhalb meiner Röcke entscheiden wird. Ein bisschen kann ich ihn dabei ab sofort unterstützen. Es wird Zeit für mehr Hosen, daran hängt es sich nur halb so gut.

Montag, 5. September 2011

Pauls Testverfahren

Im Hause Paul sind ein paar Dinge neuerdings verboten (sie sind nicht deswegen neuerdings verboten, obwohl sie früher mal erlaubt waren, sondern weil früher für ein solches Verbot kein Bedarf bestand) Darunter fallen unter anderem die folgenden Tätigkeiten:
- CDs aus dem Regal fischen und dann die Hülle auf den Boden schlagen, bis die CD rausfällt
- an den Türschwellen lutschen (das wird allerdings schon langsam wieder langweilig, muss also bald nicht mehr verboten werden)
- in den Flur krabbeln (da steht der Katzennapf und Flur bedeutet für Paul automatisch Katzenfutter kosten, das find ich nicht so artgerecht)
- ins Bad krabbeln (denn da kann man kopfüber in die Badewanne stürzen)

Paul hat im Zusammenhang mit diesen Tätigkeiten ein Testverfahren entwickelt. Und sein liebstes Testobjekt bin ich. Aber er schreckt auch nicht davor zurück, das Verfahren bei anderen Bezugspersonen anzuwenden. Was er testet? Meine Reaktion. Er probiert was Verbotenes oder setzt an das zu tun und kuckt dabei erstmal, wie ich reagiere und ob es wirklich immer noch verboten ist oder vielleicht inzwischen doch erlaubt. Manchmal ändert sich das ja. Kommt ja auch auf die Bezugsperson an. Was mich angeht, weiß er allerdings genau, dass diese vier Dinge tabu sind. Und deswegen läuft sein Testverfahren wie folgt ab:
1. die Tür zum Flur steht auf.
2. Paul sieht die offene Tür.
3. Paul krabbelt in Richtung offener Tür.
4. Mama sieht, dass die Tür offen steht und sagt "Paul - nein"
5. Paul dreht sich um, grinst mich an.
6. Mama wiederholt zum besseren Verständnis.
7. Paul grinst.
8. Paul krabbelt Richtung Tür.
9. Mama steht auf.
10. An dieser Stelle gibt es zwei Möglichkeiten:
10.a. Paul dreht um und krabbelt in eine andere Richtung, weil er entweder weiß, dass ich schneller sein werde und die Tür schließen werde oder weil er was anderes sieht, was interessanter ist.
10.b. Paul dreht sich um, grinst mich an und gibt noch mal richtig Krabbelgas.

Bis zum Katzennapf schafft er es nie und selten bis über die Türschwelle. Aber ich glaube, sein Vergnügen ist dadurch nicht getrübt. Sein Testverfahren macht ihm doch reichlich Spaß.