Sonntag, 30. Dezember 2012

Weihnachten 2012 in Bildern




Unseren Weihnachtsbaum haben wir erst am 23.12. in Budapest besorgt, am 24.12. mittags aufgestellt und nach dem Mittagessen geschmückt. An der Spitze eher dünn, ähnelte der Baum unten einem Busch. Was den Weihnachtsschmuck angeht, haben wir uns in diesem Jahr nicht verbessert. Sieht immernoch bisl kahl aus.



 Während in Bayern zu Heilig Abend bis zu 20 Grad waren, fiel in Budapest Schnee. Leider nicht genug zum Schlittenfahren.

 Zwei Weihnachtswichtel im Paket von der Oma. Weihnachtsdeko stand bei uns bis 24.12. in der Kiste auf dem Budapester Dachboden, und wurde erst dann schnell in der Wohnung verteilt: Weihnachtsstimmung aus dem Karton. Die Wichtel halfen ein wenig.
Weihnachtsferien waren Kletterferien. Moritz überall hinein, Paul überall hinaus. 
Moritz auf seinem Weihnachtsgeschenk. Hätt ich mir auch nie träumen lassen, dass bei mir mal rote Gummipferde rumstehen.
Paul öffnet inzwischen alle Türen, auch die mit hochgestellten Klinken, sowie die, für die man einen Schlüssel braucht. Er weiß auch, welcher Schlüssel in welches Schloss passt. Um zu verhindern, dass er einfach losgeht, wie es ihm gerade in den Kram passt, muss man die Tür abschließen und den Schlüssel weit weg legen. 
Die Ente hat in diesem Jahr der Papa gemacht - und wie auf dem Bild zu sehen, sogar gleich zwei. Leider ist sie nicht so geworden, wie erhofft. Aber er darf im nächsten Jahr trotzdem gerne wieder ran. Ich bin da nicht so.
Trinken war nicht so wichtig beim Weihnachtsmahl. Anstoßen schon. Prost! Egészségedre!

Heute spielen wir Mittagsschlaf


Seit wir in Budapest sind und die Jungs wegen der schlechteren Abdunkelungsmöglichkeiten mittags Probleme haben, einzuschlafen, ist die Organisation und Durchsetzung der Mittagsruhe in unserer Familie ein Schauspiel, zu dem wir getrost Gäste einladen könnten. Während ich das schreibe, höre ich Paul aus seinem Bett laut erzählen und hoffe dabei sehr, dass sich die Vorstellung von gestern nicht wiederholt:
29.12., Samstag
12.30 Uhr: Beide Jungs werden in ihr jeweiliges Bett gelegt, Paul im Schlafanzug mit Decke und Moritz im Schlafsack ohne Decke. Beide haben jeweils eine Wasserflasche und zwei bis drei Kuscheltiere im Bett.
12.31 Uhr: Die Tür schließt sich. Kurzes Beschweren, dann gefühltes Aufatmen bei den Kindern ("Endlich sind sie raus!") und gefühlte Hoffnung ("Endlich Ruhe!") bei uns. Wir legen uns im Schlafzimmer nieder, in der Hoffnung auf eigene Mittagsruhe.
12.45 Uhr: Paul und Moritz unterhalten sich lautstark miteinander. Da-da aus dem einen Bett, Na-Na aus dem anderen. Ein erster Verdacht kommt auf, dass die Jungs vielleicht Probleme mit dem Einschlafen haben werden.
12.50 Uhr: Ein krachendes Geräusch kommt aus dem Kinderzimmer. Dann noch ein zweites gleich hinterher. 
12.51 Uhr: Ich zum Papa: "Geh mal rein! Mach mal Ordnung da drin!" Der Papa daraufhin: "Geh du lieber, ich kann doch da nicht ernst bleiben." Daraufhin schicke ich ihn mit einem "Das schaffst du schon!" doch hinein. 
12.52 Uhr: Papa schafft es nicht. Mein Mann öffnet die Kinderzimmertür und fängt sofort mit Kichern an (diese unterdrückte Variante, wo man das versucht runterzuschlucken und am Ende meistens irgendwie losprustet). Nach kurzer Zeit steigen die Jungs mit ein und alle lachen feste. Paul hatte alles aus seinem Bett hinausbefördert, was er für überflüssig befand (Decke, Kuscheltiere, Kissen) und gegen 5 Bücher getauscht, die er sich vom Regal gehangelt hatte, um dann in aller Ruhe die Schutzumschläge zu entfernen. Gekracht hatte die Wasserflasche auf dem Parkettboden. Moritz hatte ebenso alle lästigen Kuscheltiere aus dem Bett entfernt und stand am Bettrand, um eben das Fensterbrett leer zu räumen. 
12.55 Uhr: Papa ist fertig, kommt raus. Kichert weiter. Erzählt alles kichernd und schaltet das Babyphon aus: 'Jetzt werden sie schon schlafen', denkt er, sagt er und irrt er.
13.15 Uhr: Immernoch laute Gespräche, Gekreische und Gekicher aus dem Kinderzimmer, ab und zu ein komisches Geräusch. Keine schlafenden Kinder in Sicht.
13.30 Uhr: Babyphon an oder aus, die Kinder hört man im Nachbarhaus. "Wo gehst du hin?", fragt mein Mann. "Jetzt mach ich da Ordnung. Du kannst das ja nicht." Also, ich ganz ernst, streng und pflichtbewusst. Aber dann stand ich im Zimmer: Paul hatte seine Pyjamahose und einen Socken ausgezogen und eine Kiste mit Autos vom Regal geangelt und versuchte die Autos vom Boden ins Bett zu befördern. Moritz hatte es geschafft seinen Schlafsack loszuwerden, saß in Body und Socken und versuchte eben Sonnenstrahlen mit der Hand einzufangen. Alle beide hatten wunderbare Laune und waren hocherfreut, dass ich zum Spielen gekommen war.
13.31 Uhr: Ich wieder raus, zum Papa. "Komm mit. Wir zeigen denen jetzt wie das geht." - "Hä, was?". - "Ja, komm, wir legen uns zu ihnen ins Zimmer und machen da unseren Mittagsschlaf, dann sehen die das und schlafen auch." Schöne Idee.
13.32 Uhr: Plan wird umgesetzt. Mama und Papa legen sich auf den Teppich im Kinderzimmer mit Decke, Kissen und aus den Kinderbetten geflogenen Kuscheltieren. Paul und Moritz kucken kurz doof, spielen dann aber einfach weiter.
13.40 Uhr: Paul versucht dem Papa die Decke wegzuziehen und amüsiert sich königlich. Moritz fängt weiter Sonnenstrahlen. 
13.50 Uhr: Papa gibt sich wirklich Mühe, den Schlaf zu demonstrieren, unter anderem deshalb, weil er echt Mittagsschlaf will. Paul unterhält sich mit Moritz über seine bekloppten Eltern. Moritz fängt an sich die Socken auszuziehen. Paul feuert ihn an. 
14.00 Uhr: Die Vorstellung endet, indem Mama den Mittagsschlaf für beendet erklärt: "Genug geschlafen! Raus hier, alle!"
Während dieses Blogeintrages ist im Kinderzimmer Ruhe eingekehrt. Ob die Kinder schlafen oder Sonnenstrahlen fangen, das weiß ich allerdings nicht.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Ich seh ihn! - Ich auch!

Wer auch immer da gekommen ist, gesehen hat ihn keiner. Aber er hat einiges dagelassen, was schön eingepackt war. Deswegen standen die Jungs gestern Nachmittag hier so neugierig am Treppengitter rum. Von den Geschenken waren sie allerdings beide überfordert. Moritz packte gar nicht aus, sondern räumte nur den Weihnachtsbaum von unten leer, und Paul hat zwei Geschenke ausgepackt und dann ist er lieber zum bunten Teller, um sich Lebkuchen und Kekse zu schnappen - der für ihn greifbarste Teil von Weihnachten.

Montag, 24. Dezember 2012

Weihnachtsmann oder Jesuschka

Es gibt Dinge, die muss man einfach vor der Hochzeit klären, das macht das Leben später viel leichter. Und damit meine ich jetzt nicht, wer den Abwasch macht und den Müll rausbringt, denn da findet sich schon wer, sondern die wichtigen Dinge des Lebens, z.B. wer am Weihnachtsabend die Geschenke bringt. In dieser Familie war das nie ein Problem, weil Pauls Geschenke letztes Jahr plötzlich einfach da waren und vorher nur Erwachsene Teil dieser Familie waren, die über die Herkunft der Geschenke bestens informiert waren, weil sie Bankauszüge lesen können. 
Gestern kam es hier allerdings zu Diskussionen. Wer bringt denn nun eigentlich die Geschenke? "Na der Weihnachtsmann", hab ich gesagt und stieß auf Gelächter. "Natürlich nicht", sagt mein Mann, sondern "das Christkind". Gegen Ende des Frühstücks drohte ich mit Scheidung und mein Mann erwiderte, der Scheidungsrichter würde mir wohl kaum die Kinder zusprechen, weil er nicht an den dicken, rot bekleideten Mann glauben will, der sich gerne Kinder auf den Schoß setzt. Christkind heißt auch nicht Christkind in Ungarn, sondern Jezuska (ausgesprochen: Jesuschka, bedeutet: kleiner Jesus), aber das hilft mir bei meiner Argumentation mit dem dicken Mann leider nicht. Und auch nicht bei meinem eigenen. Ich bin gespannt, wie die Geschichte ausgeht. Heute Abend kommt er, der eine oder andere.

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Kinderkrankheiten Folge 5

Eigentlich hab ich gar keine Lust mehr zu posten. Ist ja doch immer dasselbe. Ob nun diese Viren oder jene Bakterien, wen interessiert der Quatsch schon. Keiner will Jammerposts lesen. Aber ich muss das auch mal rauslassen, damit ich wieder Energie schöpfe.
Was so harmlos mit verschnupften Augen der Kinder am Samstag anfing (der einzige Harm an der Sache war eigentlich, dass die Kinder damit nicht in die Krippe dürfen, denn krank fühlten sie sich nicht), ging am Sonntag mit richtig verklebten Augen weiter, die nicht zu reagieren schienen auf Omas und Homö's Hausmittel (ja, ich weiß, über Nacht heilt kein Mensch sowas, aber ich wollte schleimfreie Augen am Montag). Nun, wir sind dann am Wochenende nochmal zum Bereitschaftsdienst, beiden Jungs wurden Augentropfen verschrieben, nebenbei hat der Arzt dort Moritz abgehört, der Junge machte rasselnde Geräusche beim Atmen und schwups, auch ganz nebenbei hat er ihm eine obstruktive Bronchitis diagnostiziert und auch dafür Tropfen verschrieben. Am Abend feierten wir hier dann ein Tropfenfestival. Paul hatte noch am wenigsten davon, aber Moritz bekam Tropfen in nahezu alle Körperöffnungen. 
Auf unserem Nachmittagsspaziergang später war mir dann schon komisch, mein Hals tat plötzlich weh, innen wie außen und ich ahnte schon, wie's diesmal weitergeht: Schüttelfrost, Fieber, Schluckbeschwerden und noch vieles mehr kam dann später in der Nacht. Was meine Kinder so nebenbei bearbeiteten und was ihnen die Fröhlichkeit und Ausgelassenheit nicht nahm, haute mir die Füße völlig weg. Und so fand ich mich dann Montag früh fiebrig zu Hause, unfähig, das Bett oder die Couch zu verlassen, mit der Aussicht auf 12 Stunden Kinderprogramm. Ich weiß nicht, wie andere das machen, für mich war das Überlebenstraining. Ich hab unsere Rendevous-Babysitterin angerufen und irgendwie die Tage rumgekriegt, indem ich bis um 11 den Kindern von der Couch aus beim Spielen zugeschaut habe, um mich dann, als sie kam, ins Bett zu schleppen. 16 Uhr dann wieder auf die Couch und hoffen, dass der Papa bald kommt. Von der Oma hör ich immer die Geschichte, wie sie einmal, da war der Opa bei der Armee, eine Mandelentzündung hatte, mit hohem Fieber, und allein mit uns war, und nicht weiß, wie sie das überlebt hat. Und ich kann ihr diese Frage gar nicht beantworten. Am liebsten hätte ich den Jungs vom Sofa ein Brötchen hingeworfen zum Mittagessen, nur bitte, bitte nicht aufstehen müssen. 
Seit gestern sind die beiden jetzt augenschleimfrei wieder in der Krippe und ich arbeite an der Regeneration. Ich muss mich beeilen. Wer weiß, wann das nächste Scheiß-Virus oder -Bakterium kommt.  

Samstag, 15. Dezember 2012

Kinderkrankheiten für Krippengänger - Folge 4

Nüscht mehr los hier, ey. Bis auf ab und zu ne Folge aus der Serie Kinderkrankheiten für Krippengänger. Heute: Folge 4 (gefühlt 57), nach den Sendungen Magen-Darm, Atemwegsinfektion und Mandelentzündung nun Bindehautentzündung. Eben haben wir versucht zum Arzt zu gehen. Ist ja mal wieder Wochenende. Und weil Kinder gerne nachmittags und abends krank werden, war die kinderärztliche Sprechstunde sowas von rappelvoll, dass wir bei einem erstmaligen Anmelden um 16.45 Uhr sicher erst nach 20 Uhr rangekommen wären. Es kam mir vor, als wäre der halbe Weihnachtsmarkt in die Kinderklinik verlegt worden. Also sind wir erstmal wieder los und in die Apotheke. Da haben wir dann Augentropfen mitbekommen. "Homöopathische?" fragt mein Mann. "Was soll das denn?" 
Nun warten wir erstmal ab, hören auf zu googeln, denn da haben wir schon entdeckt, dass die Omas früher alles falsch gemacht haben und wir demzufolge jetzt auch. Mal kucken, wie's morgen früh aussieht. Die schlimmere Frage ist, wie sieht's am Montag aus. Denn wenn man da immernoch sieht, was los ist, nehmen sie mir Paul nicht ab, in der Krippe. Dass er den Quatsch von dort hat und die Viren eh schon alle verteilt sind, interessiert die dabei herzlich wenig. Also, liebe Homöopathie, zeig dich von deiner besten Seite.

Montag, 3. Dezember 2012

Paul explodiert

In der Sprachentwicklung von Kleinkindern gibt es einen Moment, an der es zu einer sogenannten Wortexplosion kommt und die Kinder bis zu neun neue Wörter am Tag lernen. Während der aktive Wortschatz vorher nur langsam wächst, geht es dann plötzlich los und die Wörter werden scheinbar mühelos nachgeplappert. Dieser Punkt ist bei Otto-Normal-Kindern wohl so zwischen einem Jahr und 18 Monaten. Bei uns hat die Explosion ein bisschen länger auf sich warten lassen. 
Jetzt allerdings scheint es soweit zu sein. Paul hat sein Schweigen gebrochen und macht endlich den Mund auf. Und wir dürfen raten, was er wohl meint, wenn eins der Wörter aus ihm rausexplodiert. So wie er bei mir ga-ko für Giraffe sagt und beim Papa das gleiche Wort für Traktor verwendet. Und wir nicht gleich verstanden, als er "oh-da" sagte, und das ungarische "ott a" (dort ist eine/ein) meinte. In unseren Sprachen herrscht aber auch so wenig Übereinkunft. Nicht mal das Geräusch des Feuerwehrautos ist sich ähnlich. Paul hat nun einfach beide gelernt, tatü-tata und nino-nino, bevorzugt allerdings deutlich die ungarische Version.
Jeden Tag hören wir zur Zeit eins, zwei neue Wörter von ihm. Meistens aber nur einmal. Dann freuen wir uns so sehr darüber, dass wir es nochmal hören wollen und fordern ihn zur Wiederholung auf. Aber da schweigt er dann meistens wieder, der explodierende Paul. Ist eben selbst beim Explodieren zurückhaltend, der Kleine.

Dienstag, 27. November 2012

Der deutsche Medizinmann Teil 2

Also jetzt muss ich aber mal eins klarstellen. Ich bin ja - und das nicht zuletzt auch häufig an dieser Stelle - immer gern über unsere ungarischen Medizinfrauen hergezogen, um genauer zu sein, über Pauls und Moritz' ungarische Kinderärztin. Irgendwann zog ich nicht mehr über sie her, weil wir nach Bayern zogen und sich der Kontakt dadurch immer schwieriger aufrecht erhalten ließ. Und so muss ich mir inzwischen anderes Medizinpersonal suchen, zum Drüberherziehen. Das ist übrigens denkbar leicht. 
Denn hier in Deutschland sind zwar die Zäune aus Salami (eine ungarische Redensart), aber die Medizinmänner hier, die sind zum großen Teil wenig bis völlig ungenießbar. 
Mit Paul war ich letzte Woche bei einem dieser Ökonomen, die sich Doktoren schimpfen, bei der U-Untersuchung. Er war noch völlig mit durch von seiner Magen-Darm-Infektion (Paul, nicht der Arzt), aber der Herr Doktor meinte: "Impfen? Kein Problem! Nur hohes Fieber ist ein Hinderungsgrund und das hat er ja nicht" - Nun, ich widersprach, denn Paul gings echt nicht rosig. Der Herr Doktor war beleidigt, akzeptierte aber. Im Nachhinein (denn vorher hatte er mich nicht informiert, was er überhaupt impfen wollte und eine Impfung war auch überhaupt nicht abgesprochen) fand ich dann einen Eintrag in Pauls Impfpass, dass er an diesem Tag die MMR-Impfung erhalten habe (wozu es ja nicht gekommen ist, weil ich sie verhindert habe, ich Rabenmutter. Der Eintrag war aber nicht verhindert worden). Meine erste Reaktion war Empörung: Wie können die das da reinpinseln, wo doch darüber noch gar nicht gesprochen worden war? Meine zweite Reaktion hingegen war Entsetzen: MMR? Das steht doch zwei Zeilen drüber. Kann der nicht lesen oder will er nicht? Selbst wenn er die Zweifachimpfung vorzieht, hätte er sich doch zumindest informieren können (im einfachsten Fall durch Fragen an mich), ob eine zweite MMR-Impfung in Ungarn überhaupt vorgesehen war (ist sie erst im 11. Lebensjahr!) Was uns nicht umbringt, macht uns härter, seine Devise. Oder doppelt hält besser. Oder je mehr impf desto geld. Ich werde es wohl nie erfahren. Denn da geh ich wohl nun erstmal nicht mehr hin, zumindest schreit mein Instinkt danach.
Wenn man sich dann aber umhört, nach Empfehlungen für Kinderärzte, dann stellt man fest, man hat die Auswahl zwischen den folgenden Kategorien (oder Kombi-Varianten selbiger)
- Medizinern, die regelmäßig plötzliche Urlaubswochen an Quartalsenden einlegen
- Kollegen, die Privatpatienten höflich hereinbitten und Kassenpatienten vertrösten auf in zwei Monaten
- Ärzten, die Sprechzeiten von 9-11 und 15-17 Uhr haben und deren Telefon in dieser Zeit dauerbesetzt ist.
- Medizinern, die am Telefon höflich formulieren, sie hätten Patientenstopp und würden keine neuen Patienten mehr aufnehmen
und bei allen diesen Ärzten muss man mit zwei kleinen Kindern damit rechnen, mindestens zwei Stunden in irgendeinem Sprech-, Warte-, oder Flurzimmer warm gehalten zu werden. Ich will zurück zu meinen Medizinfrauen. Schon wieder. (Und nicht weil es Frauen sind. Ich hab nichts gegen Männer.)


Donnerstag, 22. November 2012

Wirklich interessant

sind Gewicht und Körpergröße eines Kindes nur kurz nach seiner Geburt. Als gäbe es nichts Wichtigeres (z.B. Intensität der Schmerzen, Dauer und Anzahl der Presswehen, Anzahl der Schläge für den Mann und Ausfälle desselben), wird man als Mutter sofort über Geburtsgewicht und Größe ausgehört. Das sind Fakten, mit denen jeder arbeiten kann und die nicht zu weit hineingehen in die Intimsphäre, aber doch einen leichten Eindruck darüber vermitteln können oder sollen, wie schwer oder leicht eben die Geburt war. ("Boah, üüüüüber 4 kg? Das muss weh getan haben!"). 
Später interessiert Gewicht und Größe deines Kindes keine Sau mehr, außer vielleicht das medizinische Personal in unserem Lieblingskrankenhaus. Dennoch möchte ich mich an dieser Stelle mal wieder diesem schönen Thema widmen. 
Pauls Gewicht hab ich ja neulich schon festgehalten, der hatte gestern seine erste offizielle U-Untersuchung in Deutschland und hat sich wacker geschlagen, auch wenn er keine Lust auf Puzzeln und Türmchen bauen hatte. Der deutsche Herr Doktor war durchaus zufrieden mit seinem Gewicht und bemerkte nur, dass man immer zweimal hinschauen muss, weil Paul mit seinen 93,5 cm nun schon wie ein Dreijähriger daherkommt, aber eben nicht wie ein Dreijähriger spricht, puzzelt und Türmchen baut (die Gummibärchenverdrückmenge in der Arztpraxis entsprach übrigens durchaus dem Niveau eines Dreijährigen, aber das durften wir dem Arzt nicht mitteilen, weil das gemopste Gummibärchen waren).
Zurück zum Thema. Bisher dachte ich immer, Paul wäre der Lulatsch, aber Moritz scheint ihn noch übertreffen zu wollen. In letzter Zeit ziehe ich dem Kleinen, der gar nicht mehr so klein ist, immer öfter Shirts an, die ich bis vor kurzem (und ich meine vor echt kurzem) noch Paul angezogen habe. Das ist selbst der Oma schon aufgefallen. Gestern hab ich dann mal nachgemessen und siehe da: Moritz ist 83,5 cm groß und damit 4 cm länger als sein großer Bruder in dem Alter. Wenn er so weiter in die Länge schießt, dann läuft er sicher noch später als Paul, weil er sich nicht traut sich hinzustellen. Ist ja dann so verdammt weit oben. Dabei hatte ich so große Pläne mit Moritz! Und die Treppe zur Kita hat auch so verflixt viele Stufen! Von meinem Arm, der die 12 kg Moritzgewicht (inklusive Klamotten) nicht mehr lange mitmacht, fang ich jetzt nicht mehr an.

Mittwoch, 21. November 2012

Eltern haften für ihre Kinder

steht ja immer so schön in großen Buchstaben auf allen möglichen Schildern, zumindest in Deutschland. Und jetzt weiß ich auch das erste Mal, was das eigentlich bedeutet. Aber in diesem noch recht unkomplizierten Fall, hafte ich vielleicht mehr für meine eigene Blödheit als für meinen Sohn. Der ist ja auch noch viel zu klein und überhaupt viel zu niedlich, um echten Schaden anzurichten. 
Auf jeden Fall hat der Laternenlauf von letzter Woche, über den ich gar nicht berichtet habe, weil inzwischen das Mittelohr des Schadensverursachers mir Zeit für's Bloggen stahl und zahlreiche Stunden in Arztpraxen bescherte, ein Nachspiel von 22,19 Euro. Ich hatte nämlich besagten Laternenlauf als erste Vorsitzende des Elternbeirates mit vorzubereiten und war die Kinderpunschverantwortliche (im Übrigen auch die Keksbackverantwortliche und die Servierverantwortliche: so ein Vorsitz im Elternbeirat hat echt unschlagbare Vorzüge). Da Moritz entschieden hatte krank zu sein, wollte ich den Punsch nicht wie geplant in der Kita kochen, sondern bei mir zu Hause und nahm deshalb 8 vom Elternbeirat gesponsorte Thermoskannen mit zu mir nach Hause, um dort den Punsch abzufüllen. Das Punschkochen war dann auch ein ganz besonders Spektakel: Mein größter Topf fasst 6 Liter und ich musste circa 9 Liter kochen. Das ging nur mit vier Töpfen, einer Kelle und viel Kreativität. Im Übrigen finde ich, gekaufter Punsch wäre auch eine Lösung gewesen - aber eine Lösung, die außer der Elternbeiratsvorsitzenden niemandem so recht gefallen wollte, und so stand ich und braute das Getränk frisch zusammen, während Moritz beschloss, mir zu helfen und die Thermoskannen ausräumte. Eine davon hatte einen Glaseinsatz und damit sind wir auch schon beim Ende der Geschichte und beim eigentlich Thema angelangt, dem Haftschaden. Ein neuer Glaseinsatz für die Kanne kostet 22,19 Euro. Kann ich ihm das jetzt eigentlich vom Taschengeld abziehen oder ist das meine eigene Schuld, weil sie in seiner Reichweite stand? Vorsichtshalber merk ich mir den Betrag schon mal ganz genau für später.

Montag, 19. November 2012

Legokunst vom Papa

Sie stehen ja nie lange, die Kunstwerke vom Papa. Das Geburtstags-Lego-Kunstwerk für Paul ist aber so schön geworden, dass es Ausstellungsraum verdient hat, in den Paul nicht reinkommt. Der ist zwar für Zerstörung zu fertig grad, aber bis morgen wird das wohl trotzdem nicht stehen bleiben. Deshalb hier, lieber Paul, aufgehoben für die Ewigkeit, dein Geburtstags-Lego vom Papa. Lieber Papa, Respekt!
und von der Seite:

Die immunologische Schulung geht weiter

Die Woche beginnt (gefühlt) wie immer, seit ich das Referendariat angefangen habe, mit einem Krankheitsfall. Und damit hab ich sie voll, meine erlaubten drei (oder vier) Pflegetage für meine kranken Kinder. Alle Krankheiten, die jetzt noch kommen, habe dann wohl tatsächlich offiziell ich und um ehrlich zu sein, bis jetzt stimmte das sogar, bis auf die Mittelohrentzündung, die ist ja wenig ansteckend. 
Diesmal ist der Kranke Paul, der offenbar zu intensiv Geburtstag gefeiert hat am Wochenende und, nachdem er gestern schon den ganzen Tag nur rumgemümmelt hat beim Essen, heute Morgen kurzerhand auf den Frühstückstisch gekotzt hat. Danach war er allerdings mopsfidel (sowas kann ja gehörig erleichtern), sodass wir ihn in die Krippe gebracht haben, nach gründlicher Säuberung. Tief im Innern war mir klar, dass da noch was kommmt. In der Schule hab ich dann die ganze Zeit mit einem Auge auf mein Telefon gestarrt. Um zehn vor elf war es dann auch soweit: Der Anruf, dass ich mein Kind abholen solle, weil es Durchfall hat. Heutiger Arbeitsschnitt: Eine Schulaufgabe in der neunten Klasse schreiben lassen, über die Lehrprobe im Januar gesprochen, eine Vertretung für die sechste Stunde organisiert und mich für's Seminar am Nachmittag entschuldigen lassen. Nun bin ich zu Haus und der Patient liegt im Bett und heute Nachmittag, wenn ich meinen Termin mit Moritz habe (der seine Mittelohrentzündung jetzt scheinbar besiegt hat), zwinge ich den Doc ma raufzukucken auf meine zweite Virenschleuder. Bitte keinen anstecken, lieber Paul. Jedenfalls nicht in diesem Haus. Bitte.

Sonntag, 18. November 2012

Wochenendprogramm

Als ich am Donnerstag Paul in der Krippe abgeholt habe, erfuhr ich meine Pläne für's Wochenende: Kuchen backen. Bei uns wär das so Tradition, dass die Mamas einen Kuchen backen, wenn das Kind Geburtstag hat, informierte man mich. Schöne Tradition, wie ich finde. Bei fast 13000 Euro Jahresbeitrag möchte man meinen, ein von der Krippe spendierter Kuchen wäre auch eine schöne Tradition, aber Traditionen wären ja keine solchen, wenn man sie dauernd verändern dürfte. Deswegen hab ich nur genickt und freudestrahlend erwidert: "Kuchen? Wann?" und habe dieses Wochenende mit Hilfe meines zauberhaften Assistenten, dem Papa, zwei Kuchen gebacken. Kuchen Nr. 1(schon lange verputzt):
Für die Krippe wollte ich dann einen Kuchen backen, bei dem das Kinderauge was zum Kucken hat. Und weil meine Backkünste noch ganz am Anfang stehen und ich mich zur Zeit nicht in der Lage sehe, autoförmige oder andere effektvolle Torten zu zaubern, wurde es ein Kuchen, der schon in meiner Kindheit die Kindergeburtstagstische verziert hat, vor allem deshalb, weil er so herrlich einfach und so lustig bunt ist. Kosten kann ich das gute Ding leider nicht. Ich hoffe, er ist nicht nur bunt geworden, sondern auch essbar.
Das Wochenende ist damit rum. Aber ein bisschen Zeit zum Geburtstagfeiern war auch noch. Paul hat jetzt eine Kugelbahn, und eine eigene Tasche für die Krippe. Und Moritz würde nun am liebsten jeden Tag Kuchen essen.

Freitag, 16. November 2012

Der zweite Geburtstag

Morgen um diese Zeit vor zwei Jahren hatte ich Wehen, die anfingen in einer Art schmerzhaft zu werden, dass ich dachte, das könnte ja noch heiter werden. Genau aus diesem Grund wird es hier nun morgen um die gleiche Zeit tatsächlich heiter. Denn wir feiern Pauls Geburtstag, den zweiten. Noch so ein Geburtstag, an den er sich später kaum erinnern wird, den wir hier aber als professionelle Eltern durchaus ernst nehmen. 
Die Vorbereitungen sind getroffen, Geschenke von Oma und Opa sind da. Geschenke von Mama und Papa werden noch eingewickelt, drei an der Zahl, wie immer viel zu viel, denn so sind es insgesamt schon sechs. Der Kuchen ist eingekauft, in Form von Zutaten, wird heute Abend gebacken und ist garantiert zucker- und fetthaltig, so wie das sein muss. Und Moritz ist bis morgen sicher auch wieder fit, nachdem er heute einen besseren Tag hatte. Ich bin mir sicher, dass Paul in diesem Jahr schon eher dazu geneigt sein wird, mit dem Kuchen rumzuschweinern - ganz im Gegensatz zum letzten Jahr (sh. hier). Wenn nicht, dann zeigt ihm vielleicht sein kleiner Bruder wie's geht.

Mittwoch, 14. November 2012

Ich habe Mittelohr

Bisher hab ich immer gedacht, ich hab einen echt kinderfreundlichen Beruf gewählt. An vielen Schulen gibt es immernoch traditionell Vormittagsunterricht, die Unterrichtsvorbereitungszeit kann ich mir frei einteilen, also wann und wo ich will vorbereiten und ich arbeite in einem Umfeld, in dem es von Kindern nur so wimmelt, das heißt ich kann vermutlich mit kinderfreundlichem Arbeitgeberverhalten rechnen. Nun, dann will ich mal erzählen:
Kind M hat Mittelohr (in Fachkreisen auch Mittelohrentzündung genannt, aber wir sind hier heimliche Hape-Fans. Wir haben keine Krankheiten, nur Körperteile). Nachdem er vor drei Wochen Hals hatte, hat er jetzt also Ohr. Für ihn heißt das Antibiotika, für mich heißt das zu Haus bleiben, zumindest heute. Als Referendarin, so steht es ja auch auf meiner wunderschönen Ernennungsurkunde, die gerahmt über meinem bisher nicht vorhandenen Schreibtisch hängt, ist man Beamtin. Und als Beamtin des bayerischen Staates darf man in einem Kalenderjahr ganze vier Tage zu Hause bleiben, um ein krankes Kind zu pflegen. Hat man ein Kind, sind das vier Tage für ein Kind, hat man zwei, dann zwei für jedes usw. Wenn man fünf Kinder hat, dann muss man die Bruchrechnung beherrschen oder die Kinder müssen bitte alle gleichzeitig krank sein. Aber das soll hier nicht weiter bemängelt werden, denn wer hat denn heute bitte fünf Kinder? Sowas macht man nicht.

Weiter mit meinen zwei. Ich darf also jeweils zwei Tage zwei kranke Kinder pflegen und dafür Sonderurlaub beantragen, um eine Dienstbefreiung zu bekommen. Warum vier Tage und nicht die üblichen zehn? Nun, die schönste Erklärung, die ich dafür gefunden habe, ist die, dass Lehrer ja soviel unterrichtsfreie Zeit haben und da benötigen sie keine Dienstbefreiung. Kinder von Lehrern müssen also immer in den Ferien krank werden. Also, lieber P und lieber M, in den Herbstferien habt ihr das ja schon ganz gut hinbekommen. Aber zur Zeit, mein kleiner M, sind keine Ferien. Und deswegen musste ich heute in der Schule anrufen.

Das Gespräch lief ungefähr so: "Sagen Sie, wie läuft denn das mit den Krankschreibungen, also wann und wo muss ich denn die Krankschreibung abgeben?" - "Ja, also das ist so: Sie dürfen drei Tage ohne Krankschreibung zu Hause bleiben. Wenn Ihr Kind krank ist, dürfen Sie aber nur insgesamt drei Tage im Jahr (gesetzlich eigentlich vier, aber vielleicht hat er mir schon einen abgezogen?) zu Hause bleiben." "Hm.", sage ich. "Und danach? Was mach ich danach?" - "Nun. SIE dürfen drei Tage ohne Krankschreibung zu Hause bleiben. Wenn Sie verstehen, was ich meine. Sie verstehen doch was ich meine? (Oder soll ich buchstabieren?)". Ich stand ein wenig auf der Leitung, aber ich verstand dann schon. Eine andere Lösung - ich hatte das bisher immer für eine ungarische Praxis gehalten. Für die, die auf der Leitung stehen: Ich habe jetzt also Mittelohr.

Freitag, 9. November 2012

Wer erzieht jetzt eigentlich unsere Kinder?

Heute in der Schule unterhielten sich zwei Kolleginnen über Aufsätze (Erörterndes Schreiben, Thema: Frauenquote) von jungen männlichen Schüleropfern, die sich in ihren Texten vehement gegen die Frauenquote aussprachen mit der Begründung, dass dann ja niemand mehr die Kinder erziehen würde. Da hab ich mich schnell eingemischt und die armen Schülerchen verteidigt: Das Talent der meisten Väter liege durchaus eher bei den Legotürmen als bei der Erziehung, auch wenn ich dazu sagen muss, dass unser Papa durchaus in der Lage ist, diese beiden zu kombinieren. Trotzdem kann ich das Problem der jungen Herren aus der Bildungsanstalt durchaus verstehen, denn seit ich wieder voll arbeite, frage ich mich auch manchmal, wer jetzt eigentlich unsere Kinder erzieht. Da ich sie seit Beginn des Referendariats, ähnlich wie der Papa, regelmäßig höchstens vier Stunden am Tag sehe (3 abends, eine morgens), weil sie den größten Teil des Tages in der Krippe verbringen, ertappe ich mich inzwischen auch dabei in der kurzen Zeit lieber noch einen Legoturm zu bauen und noch einen Lichtschalter gemeinsam an- und auszuschalten (die Lichtschalter sind die neuen Türen im Hause Paul) als mich mit weinenden Kindern abzumühen. Und so spielt Paul beim Essen mit seinem Matchbox-Auto, lässt sich immernoch regelmäßig den Belag ohne Brot schmecken und wirft sich hysterisch auf den Boden, wenn die falsche Tür zugemacht wird. Moritz weint, wenn ich den Raum verlasse oder zu weit weg gehe, ohne ihn mitzunehmen. Und was mache ich? Ich gebe Paul den Käse pur (der Junge muss doch essen!) und Moritz trage ich mit mir rum, wenn der feine Herr mal wieder zu faul ist zum Robben. Wenn das so weitergeht mit meiner Erziehung, kann ich nur noch auf die genetische Veranlagung hoffen.

Montag, 5. November 2012

Lángos und Kolbász für Mutter und Sohn

Das waren jetzt mal so richtig schöne Ferien, so wie wir sie lieben und sie endeten am Sonntag mit einem ganz besonderen Höhepunkt: einem Besuch in dem Krankenhaus, in das wir eigentlich "unser Kind nie wieder bringen sollten", warum kann man hier nachlesen. Der Verursacher unserer schönen Ferien: eine Mandelentzündung mit fiesen Grippesymptomen, die schön der Reihe nach alle umgehauen hat, zuerst Moritz, dann mich, dann den Papa und zum Schluss Paul. Paul hat sich am wackersten geschlagen, aber hatte dann plötzlich am Wochenende auch Fieber und vor allem dolle Schluckbeschwerden. Und so sind wir mit ihm gestern zum Bereitschaftsdienst, in der Hoffnung, dass er vielleicht heute wieder in die Krippe gehen kann. Und es kam, wie es kommen musste. Bei der Untersuchung spielte die Tatsache, dass alle in der Familie nacheinander diese Mandelentzündung hatten (wir waren ja auch alle beim Arzt, außer der Papa natürlich, denn Papas brauchen keine Doktoren) und Paul sie offenbar jetzt auch, keine Rolle. (Wer sind wir auch, dass wir die Diagnose selbst mitbringen!). 
Die geschwollenen Lymphknoten am Hals sah Frau Doktor nicht im Zusammenhang mit dem Geschehen im Hals (könnte schon sein, aber wer weiß das schon so genau), sondern mit einer möglicherweise ernsthafteren Erkrankung im Hintergrund, die sofortige Abklärung, bei positivem Blutergebnis (sie wollten natürlich sofort Blut abnehmen) am besten mit längerem Aufenthalt in ihrer wunderschönen mit zahlreichen Betten für Kinder (und Stühlen für Mütter) ausgestatteten Einrichtung erforderlich machen würde. Begründet wurde diese Einschätzung mal wieder womit? "Er ist sooo dünn, der Junge." Nach mehrmaliger Aufforderung, sich bitte die Frau Mama anzuschauen, die mit ihrem Stoffwechselgeheimnis Millionen machen könnte, kam nur der bissige Kommentar: "Wir gratulieren Ihnen zu Ihrem wunderschönen Kind...", der wohl darauf anspielen sollte, dass unser Kind sozusagen dünn gehalten wird. Und die alte Schallplatte, "wenn er wirklich so viel isst, wie sie behaupten....", "wo geht das dann alles hin?", wurde natürlich auch wieder aufgelegt. Am liebsten hätten sie dem Jungen gleich vor Ort ein Lángos und eine Kolbász in die Hand gedrückt und ihn gebeten mit seiner Mutter zu teilen. Zu diesem ungarischen Essfest ist es aber nicht mehr gekommen. Der Papa hat die Zeremonie unterbrochen und wir sind mit einem Antibiotikum nach Haus gefahren (Dort haben wir übrigens Hühnerpaprikasch gegessen. Ja, wir essen wirklich richtiges Essen!) 
Nun haben wir das Personal im berühmten Heim Pál Kinderkrankenhaus Budapest also zum zweiten Mal beleidigt. Bald können wir uns in der Stadt nicht mehr blicken lassen, befürchte ich. Im Übrigen wird Paul in zwei Wochen 2 Jahre alt, ist zur Zeit 93 cm groß und wiegt 14 kg.

Samstag, 3. November 2012

Titsa, Ka-ka und Aalo

Unser Sohn spricht, ein wenig. Ich meine übrigens Paul, nicht Moritz. Wenn Paul sich nicht beeilt, dann holt Moritz ihn aber bald ein, der sagt nämlich schon Ma-ma-ma-ma, pa-pa-pa-pa und klatscht dabei fleißig die ganze Zeit in die Hände.
Hier eine aktuelle, immernoch sehr kurze, Vokabelliste von Paul:
1. Mama
2. Papa oder Apa oder Bapa 
3. Buda (für Bruder), bisher aber nur von Mama gehört.
4. Ato (Auto)
5. Alo (Hallo)
6. Titsa (Cica (ungarisch für Katze))
Und die Großeltern behaupten steif und fest, er hätte vorgesten "légy szíves" gesagt, die ungarische Entsprechung für "bitte", wörtlich übersetzt "sei so herzlich". Paul ist eben doch ein echt höflicher Junge oder die Großeltern eben sehr wohlwollend. Pauls Papa arbeitet außerdem jeden Tag schwer mit ihm am Unterschied zwischen "ajtó" (ungarisch Tür) und "auto" (Auto) und ist davon überzeugt, einen Unterschied zu hören. Ich höre immer nur "ato", aber das ist ja auch nicht meine Muttersprache, daran wird's wohl liegen. Ansonsten ist der Papa ein bisschen enttäuscht, wenn Paul zwar jedes Mal reagiert, wenn er eine Ente sieht, aber leider auf deutsch mit ga(k)-ga(k), und nicht auf ungarisch mit "háp-háp". Aber wir haben auch schon gerätselt, ob er vielleicht  "kacsa" (ungarisch für Ente) sagen will und deswegen immer "ka-ka" sagt. Ein weiteres Wort, über das der Papa rätselt ist "alle", was Paul neuerdings sagt, wenn er sein Essen aufgegessen hat. 'Wie kann man nur ein Wort verwenden für "mindenki"(alle Menschen) und "elfogyott" (nichts mehr da). Ich weiß auch nicht so genau, warum man das kann. Aber Paul kann das jetzt auf jeden Fall auch.

Montag, 29. Oktober 2012

Lieber Vater!

Wie sich das für ordentliche Kinder und Mütter gehört, werden sie nur in den Ferien krank. Moritz ist ein ordentliches Kind und ich eine noch ordentlichere Mama. Heute waren wir deshalb beim Arzt und da kamen wir endlich mal wieder in den Genuss der ungarischen Medizinfrauenkommunikation. Moritz' Papa war der Hauptpatientenbetreuer heute, weil die Mama nur schwach aufm Stuhl in der Ecke hocken konnte. Und so lauschte ich nur passiv aus meiner Ecke, als Frau Doktor zu reden begann: "Lieber Vater, saugen sie denn ihrem Kind auch immer die Nase?" "Nein, nicht regelmäßig, wissen Sie, wir halten nicht so viel davon und außerdem läuft es ja auch so immer raus." Widerspruch, das wusste der Herr Vater nicht, kommt bei ungarischen Medizinfrauen nicht gut an und Besserwisserei erst recht nicht. Und so setzte Frau Doktor nach dieser Reaktion zu einer flammenden Rede an:
"Lieber Vater, also jetzt passen sie mal genau auf. Jetzt werd ich ihnen mal was erklären. In der Nase Ihres Sohnes bildet sich Sekret, nun schon seit drei Wochen. Wenn dieses Sekret nicht abfließen kann, dann sammeln sich darin Bakterien und diese können zu Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen oder noch viel schlimmeren Dingen führen. Das Sekret muss raus. Und deswegen, lieber Vater, saugen wir die Nase von Babys. Denn die Babys können die Nase ja noch nicht schnauben. Also, wenn Sie nicht wollen, dass Ihr Sohn noch kränker wird als er schon ist, dann saugen sie bitte seine Nase." Oh Mann, war ich froh, dass es einmal nicht "Liebe Mutter" hieß.

Samstag, 27. Oktober 2012

Hühnerkeulen statt Muttermilch

Ist noch keine vier Wochen her, dass ich hier über das bevorstehende Ende meiner Stillzeit geschrieben habe. Na das hab ich wohl herbeigeredet, bzw. -geschrieben, denn seit drei Tagen ist es da, besagtes Ende. Jetzt sitze ich hier und schiebe doch Frust, obwohl ich eigentlich meine große Freiheit mit mindestens einem Glas, nach drei Jahren ohne Alkohol, aber gerne auch einer halben Flasche Wein (eine ganze hab ich jetzt mal nicht geschrieben, das klingt so verzweifelt) feiern wollte. 
Stattdessen bin ich traurig über den Abschied, der ganz plötzlich Mitte der Woche über mich kam. Moritz hat sich entschieden, dass er nicht mehr stillen will. Sowas gibt es nicht, hab ich immer gesagt, dass Kinder das so früh von alleine entscheiden. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass er das nur macht, weil er eben in die Krippe geht und sich so viel schneller von mir gelöst hat, als wenn er noch zu Haus gewesen wäre. Aber mit der Frage nach dem warum versuche ich mich nicht auseinander zu setzen, denn dann kommt mir noch der nutzlose Gedanke, ich hätte das vielleicht doch alles anders machen müssen. 
In neun Tagen wird Moritz 10 Monate. Das scheint mir zu jung, um auf Muttermilch komplett zu verzichten. Aber ich kann sie ihm ja schlecht reinzwingen. Die letzten drei Tage hab ich das sogar versucht, indem ich angefangen habe, ihm die abgepumpte Milch zu geben. Aber es war gar nicht der Stillprozess, der ihn störte (er kuschelt unheimlich gern!), sondern die Milch selbst. Er findet Muttermilch plötzlich eklig. Nun, wenn ich bedenke, dass es in der Krippe Hühnerkeulen mit Pommes gibt und zum Nachtisch Vanillepudding, dann finde ich dafür meine Erklärungen. Aber auch damit befasse ich mich lieber nicht. Denn dann bin ich wieder bei dem Gedanken von oben. Also....

Lieber Moritz, ich freue mich, dass wir so eine schöne Stillzeit hatten und du so lange durchgehalten hast. Wenn du jetzt lieber Hühnerkeulen essen willst, dann hab ich dafür Respekt und will dir nicht im Weg stehen mit meiner komischen Milch. Guten Hunger!

Samstag, 13. Oktober 2012

Eine schwere Übung

Wenn es eine Aufgabe gibt, die mir bei der Betreuung meiner Kinder besonders schwer fällt, dann ist das die Anzieherei bzw. das Auswählen wettergerechter Kleidung. Im Übrigen ist das eine Fähigkeit, die mir auch in Bezug auf mich selbst manchmal abhanden zu kommen scheint, je nach Witterung. Mein Glück dabei ist, dass ich sowohl in meiner Freizeit als auch in meinem Berufsleben auf zahllose Beispiele treffe, die belegen, dass dies tatsächlich die größte Herausforderung für alle Eltern im Herbst ist. Je älter das Kind, desto größer die Herausforderung, denn dann kommt ja noch der verflixte eigene Wille dazu.
Bei mir gibt es sowas zum Glück noch nicht. Was Paul und Moritz anziehen, entscheide ich. Und am Tag entscheiden das ihre beiden Krippenladies. Morgens sind zur Zeit um die 0 Grad. Und ich hab sie jetzt einfach ausgepackt, die dicken Jacken und die dicken Mützen. Wenn ich morgens dann zur Krippe fahre und mir die Finger ohne Handschuhe am Fahrrad abfrieren, sind die Kinder hinten im Anhänger mollig eingepackt und schwitzen sich eins. Dann packt mich jedes Mal das schlechte Gewissen, dass ich die Winterjacken schon ausgepackt hab (was will ich ihnen denn im Winter anziehen) und schaue mich um, wie die anderen Kinder so angezogen sind, um mich am nächsten Tag daran zu orientieren. Aber wenn ich bei der Krippe ankomme, dann habe ich Kinder in Felljacken mit Handschuhen und im Fußsack gesehen, andere Kinder mit dünnen Übergangsjacken und ohne Mütze und wieder andere Kinder eingekuschelt bis zur Hüfte in eine Decke (im Fahrradanhänger) und dann ohne Mütze, Schal und im langärmeligen T-shirt - alles bei 0 Grad. Besser wird die Auswahl noch, wenn ich dann nachmittags nach Hause komme. Da sind zur Zeit knapp 15 Grad und die Kinder haben von kurzen Hosen und T-shirts bis Daunenjacke und Fellmütze einfach alles an. Und daneben spazieren die Eltern, die die 15 Grad entweder als -5 oder als +25 Grad missverstehen. Am besten sind aber die Eltern, die selbst im dünnen T-shirt spazieren und ihre Kinder in Jacke, Mütze, Schal verpacken. Die nehmen den Ratschlag "eine Schicht mehr" so ernst, dass ihnen im Winter nichts anderes übrig bleibt als drinnen zu bleiben. Ich bin übrigens von der Sorte chaotisch. Ich weiß leider nie, welche Temperatur mich erwartet, wenn ich vor die Tür trete. Ich habe Vermutungen, aber diese Vermutungen erweisen sich leider häufig als Irrtum, sobald ich die Wohnung verlassen habe. Und deswegen müssen meine Kinder zur Zeit ab und zu schwitzen. Zum Glück geht es nicht nur ihnen so.

Freitag, 12. Oktober 2012

Wir haben Magen-Darm.

In einigen Kreisen gehört es ja zum guten Ton, wenn man von eigenen Krankheiten sprechend, stellvertretend für die Symptome, einfach das betroffene Körperteil einsetzt. Hape Kerkeling hat daraus sogar ein ganzes Showprogramm gemacht. "Ich habe Rücken" oder "ich habe Knie" - das wirkliche Drama beschreibt man eben nicht so genau. 
Zum Glück bin auch ich durch die Horst-Schlämmer-Schule gegangen. So fiel es mir heute Morgen nicht ganz so schwer, die Botschaft auf der Krippentür zu verstehen, die da hieß: "Wir haben Magen-Darm." Soll heißen: Brechdurchfall. Klingt aber viel schöner, wenn man die bösen Wörter wie Virus oder Durchfall einfach weglässt. Denn Magen und Darm hat ja jeder. Unsere Jungs auch.

Dienstag, 9. Oktober 2012

23 Monate und ein Ende in Sicht

Noch einen Monat ungefähr, dann ist es amtlich und ich hab genau zwei Jahre hintereinander gestillt. Manche stillen in diesem Zeitraum ein Kind, ich hab halt zwei reingequetscht. Und da kein neuer Stillkandidat in Aussicht ist, der diese Zeit auf drei oder vier Jahre ausdehnen würde, geht es langsam auf Abschied vom Stillen zu. Moritz is jetzt neun Monate alt und zeigt vermehrtes Interesse an fester Kost. Im Gegensatz zu seinem Bruder in dem Alter zeigt er sich auch durchaus kau- und beißwillig, mampft Zwieback und auch Brot gern und ohne großes Würgen und auch der Brei muss nicht mehr püriert sein, höchstens zerquetscht. 
Gestillt habe ich ihn, seit er in die Krippe geht, morgens und abends, nachts nach Bedarf (Gott sei Dank ist er jetzt wieder fit, hat wenig bis gar keinen Bedarf und schenkt uns dauernd Durchschlafnächte) und für den Vormittag hat er noch eine Flasche Muttermilch in die Krippe mitbekommen, die ich nachmittags abgepumpt habe. Seit dieser Woche pumpe ich nicht mehr und er darf jetzt noch in der Krippe die nächsten vier Wochen den Milchvorrat aus dem Tiefkühlfach wegtrinken. Danach heißt es zwischen 8 und 16 Uhr muttermilchfreie Zeit und für mich heißt das nur noch morgens und abends stillen. So wie ich Moritz einschätze wird auch das nicht mehr ewig gehen, aber bis zum Januar darf er auf jeden Fall. Trotzdem klingt es schon in meinen Ohren: Stillen ade, Abschied tut weh. Das wird sicher komisch, aber Vorteile fallen mir durchaus ein. Abends weggehen können: cool. Keine Stilleinlagen kaufen: obercool. Nachts ohne BH schlafen: Unbezahlbar.

Montag, 8. Oktober 2012

Mehr Autos als Kinder

Seit einer Weile gibt es hier Streit im Haus. Die ersten paar Monate hat sich Moritz vieles gefallen lassen und eigentlich selten widersprochen oder überhaupt seinen eigenen Willen gezeigt. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Jetzt widerspricht er nicht nur, er greift auch von ganz allein an. Und Paul lässt sich ebensowenig die Butter vom Brot nehmen.
Das Streitobjekt: ein Polizeiauto, so ein ganz kleines, womit schon Generationen gespielt haben, und von deren Sorte der Papa eine ganze Kiste auf dem Dachboden hat, die er aber noch nicht rausholt für seine Söhne. Und ich habe von diesen Autos keine kaufen wollen, weil Papa ja die große Kiste hat und ich mir beim Kaufen auch vorkomme, als würde ich eine Straftat begehen, weil meine Kinder ja noch unter drei sind. Außerdem wollten wir Teilen groß schreiben in unserer Familie. Also haben wir seit längerem dieses eine Auto, die Jungs streiten sich und alle üben sich in Toleranz. Hat Moritz das Auto, dann wird das von Paul nur sekundenlang toleriert. Danach wird die Abnahme durch Paul von Moritz überhaupt nicht toleriert - er schreit. Paul zeigt sich meistens sehr tolerant was Moritz' Geschrei angeht. Ich weniger, sodass ich manchmal eingreife, Moritz das Auto gebe und dann fängt die Toleranzübung wieder von vorne an. Der Papa sagt: Dat sollen die unter sich ausmachen.
Am Wochenende war die Oma da und hat einfach skrupellos ein weiteres Polizeiauto und ein Feuerwehrauto gesponsort. Jetzt gibts hier mehr Autos als Kinder, aber ich bin mir sicher, die Toleranzübungen werden deshalb nicht seltener. Ich befürchte immer, dass der Streit irgendwann eskaliert und der Papa die Autos schnappt, um sie in seine Kiste zu räumen. Der war sowieso ganz traurig, dass für ihn kein Auto abgefallen ist.

Samstag, 29. September 2012

Drei Kinder passen nicht in einen Fahrradanhänger

Jetzt hab ich die ersten zwei Wochen als berufstätige Mutter hinter mir. Ich schaffe es mittlerweile locker das Haus ohne Kinderspuren auf dem Pulli zu verlassen und ich habe auch die Jungs noch nicht in der Krippe vergessen. Meine Eindrücke der letzten zwei Wochen lassen sich aber trotzdem in einem Satz zusammenfassen: "Lieber noch n drittes Kind, ey." Aber bevor es jetzt hier noch zu Nachfragen kommt, das soll keine Schwangerschaftsverkündung sein.

Referendariat macht man nicht mit Kind hat man mir gesagt. Ich kann das gar nicht bestätigen. Das ist doch perfekt auf Mütter ausgerichtet. Stundenpläne werden so häufig wie möglich variiert für mehr Chaos, denn Mütter sind Chaos ja gewöhnt. Referendare lässt man möglichst viel im Lehrerzimmer warten auf Fachlehreraudienzen - nichts Neues, denn als Mutter kennt man das Warten ja schon aus der Schwangerschaft und auch sonst ist man eigentlich darauf trainiert, seine eigenen Bedürfnisse warten zu lassen. Man legt die Pflichtseminare möglichst in die Mittagspausen, damit die Referendare nicht das gute Schulessen wegessen - Mahlzeitenausfall auf Grund von Arbeit ist auch nichts Neues für Mütter. Außerdem lädt man zu Coachingseminaren in Hotels und Restaurants, denn Mütter schlafen gern mal außerhalb, dann können sie wenigstens mal schlafen. Und man erwartet, dass Unterricht nachts vorbereitet wird. Kein Problem für Mütter von kleinen Kindern - da schlafen die ja eh nicht. Das schönste am Referendarsein - man darf sich nicht beschweren, denn man arbeitet ja noch nicht mal richtig, die paar Stunden. Nicht beschweren, auch eine Sache, die man als Mutter früh übt.

Und so beschwere ich mich auch nicht, sondern versuche, auch weiterhin mit sauberem Pulli in die Schule zu gehen, die Kinder nicht in der Krippe zu vergessen, P morgens die Hausschuhe aus- und die Straßenschuhe anzuziehen (das ist schon einmal schief gegangen), zwischen 12 und 14 Uhr immer an meine Sporteinheit zu denken (nach Hause radeln, Milch pumpen, ins Gefrierfach schleudern und zurückfahren), am Wochenende das Mittagessen für M nicht vergessen vorzukochen (damit er keine gehäxelten Bratkartoffeln und Rührei essen muss) und allen voran die engagierte, aber nicht überforderte Referendarin zu spielen. Mal sehen wie lange mir das gelingt. Drei Kinder passen schließlich nicht mehr in einen Fahrradanhänger.

So geht das

Als ich neulich von Moritz' Entwicklungsschritten geschrieben habe, habe ich vergessen zu erwähnen, dass er diese nicht allein macht. Moritz macht mittlerweile eigentlich überhaupt nichts mehr allein. Denn Paul hat seinen kleinen Bruder für sich entdeckt. 
Man hat mir gesagt, dass bei Moritz alles viel schneller gehen wird, weil er den großen Bruder zum Vorbild hat und sich deswegen viel schneller entwickeln wird, das wäre fast immer so. Und darauf haben wir hier auch gewartet. Nun, entweder gehören wir zu der Gruppe fast oder irgendjemand hat auch Paul von dieser Theorie erzählt und er wird deswegen langsam ungeduldig. Vielleicht auch weil sein Größenvorsprung nur noch minimal ist. Auf jeden Fall robbt hier zur Zeit nicht nur Moritz durch die Gegend, sondern auch Paul. Immer wenn Moritz irgendwo hin will, dann legt sich Paul daneben und zeigt ihm wie's geht. Und wenn er dann nicht beeindruckt ist, dann robbt er zurück in seine Richtung und legt sich einfach eine Runde auf ihn drauf. Ob das hilft?

Montag, 24. September 2012

Vier bis fünf Neuigkeiten

Als Moritz zur Welt kam, hab ich mich gewundert, dass er nicht ganz so frenetisch gefeiert wurde wie unser erster Sohn Paul. Ich war mir sicher, dass ich bei jedem seiner neuen Zähne, bei jeder neuen Stuhlfarbe seinerseits genauso aufgeregt und emotional sein würde wie bei Paul. Wie kann man denn nur so pragmatisch sein, dachte ich. Das erste Kind ist ein so großes Wunder für alle und dann kommt das zweite und es ist, als hätte man nie was anderes gemacht als Kinder zu bekommen, und das ist ja wohl das Normalste auf der Welt. Da muss man ja nicht so aufgeregt sein.
Der Blog, so gerne ich auch in alten Beiträgen stöbere, führt mir, wenn ich es will, jeden Tag vor Augen, dass ich inzwischen, so sehr ich mich auch dagegen sträube, eine Meisterin eben jenes Pragmatismus geworden bin. Allerdings, so bilde ich mir ein, um mich irgendwie zu retten, mache ich da keine Unterschiede zwischen den beiden Jungs. Mein Interesse hat sich tatsächlich ein wenig verschoben und Stuhlfarben stehen inzwischen weiter hinten auf der Liste, ebenso wie Anzahl und Durchbruchszeitpunkt der Zähne.
Aber der Vollständigkeit und Gerechtigkeit halber möchte ich hier nun doch ein paar Neuigkeiten für Moritz festhalten: 1. Moritz ist nun 8 Monate und fast 3 Wochen alt, hat 8 Zähne und arbeitet an Nummer neun und zehn. 2. Moritz benutzt selbige neuerdings zum Essen von Brot und ist damit um einiges schneller als sein großer Bruder, der dafür auf Backenzähne bestanden hat. 3. Wenn Leberwurst auf dem Brot ist, dann kaut er um so intensiver. 4. Moritz robbt sich seit 2 Wochen durch die Gegend und macht dabei keine Unterschiede im Untergrund. Er zieht sich über Gras, Fliesen, Teppich, Holzböden und alles was sonst nicht wegrutscht. Und zu guter Letzt und 5. sei noch erwähnt - und das ist ein sehr wichtiger Höhepunkt in unser aller Leben, dass Moritz vorgestern Nacht, in der Nacht vom 22. auf den 23. September das erste Mal in seinem ganzen Leben, was mir, wenn ich an die gemeinsam verbrachten Nächte denke, durchaus lang vorkommt, das allererste Mal ....und jetzt kommt's: 11 Stunden DURCHGESCHLAFEN hat. Von 18.30 Uhr bis 5.38 Uhr. Ich weiß die Zeit so genau, weil ich ab 5.38 Uhr gewartet habe, dass er aufwacht. Ich konnte nicht glauben, was da passiert war. Wahrscheinlich deswegen hat Moritz das gestern nicht wiederholt. 'Die is ja eh wach', wird er gedacht haben. Und so war das Durchschlafen leider eine Eintagsfliege. Eine sehr erholsame jedoch.

Dienstag, 18. September 2012

Schenk mir ein Herz

BRIGITTE MOM BLOGS Erst wollt ich nicht und dann hab ich's doch getan. Und jetzt lass ich's dann auch raus, für die, die's noch nicht wissen. Ich bin jetzt in einer Blogliste. Das erste Mal. Wie fühlt es sich an? Komisch. Vor allem seit die Liste so schrecklich lang geworden ist und ich mit jedem Tag weiter nach hinten rücke. Verkrafte ich das? Ja. Aber wer ist schon gern Listenletzter. Also schenk mir dein Herz, falls du hier gern liest. Und zwar hier. Es sei erwähnt, dass viele der gelisteten Blogs mich an Professionalität nicht nur in die Ecke stellen, sondern direkt aus dem ganzen Spielfeld schubsen. Umschauen lohnt sich also. Gesetzt den Fall man hat noch nicht genug von dem ganzen Mama-Papa-Kinder-Eltern-Gedöns.

Montag, 17. September 2012

Mit ohne Kind

So nun liegt er hinter mir, der erste richtige Schultag als Referendarin mit Kind. Kindern. Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, ich käme mir irgendwie besonders vor, aber die Stimmen sind laut und rufen von allen Seiten...also Referendariat mit Kind? Warum hast du das nicht gemacht, bevor du Kinder bekommen hast? Darauf habe ich meistens nur eine Antwort, und wenn der kleine P nicht immernoch mit seinen zwei Sprachen zu kämpfen hätte, dann könnte sogar er diese Antwort geben: DARUM. Was anderes fällt mir dazu nicht ein. Wozu mir aber was einfällt ist die Tatsache, dass der Zeitpunkt zum Kinderkriegen für eine Frau, die den Lehrberuf in Deutschland anstrebt, eigentlich nie so richtig passt. 
Nach dem Abitur bist du zu jung, hast, kannst, weißt und bist nix. Nach dem Abitur ist außerdem vor dem Studium. Im Studium bekommt man auch keine Kinder. Denn so ein Studium mit Kind? Na das macht man doch nicht. Wer bezahlt denn dann für das Kind? Nach dem Studium ist allerdings dann vor dem Referendariat und da bekommt man ebensowenig Kinder, denn erstmal bekommt man bitteschön einen Referendariatsplatz, was nicht in allen Bundesländern so einfach ist wie in Bayern (da hebt man nur die Hand und sagt "ich will"). Wenn man dann im Ref ist, dann bekommt man auch keine Kinder, weil man dann ja die ganzen Pläne durcheinanderhaut und wenn man dann noch in Elternzeit geht, dann müssen am Ende die ganzen Stunden verteilt werden, die man zu solchen Schnäppchenpreisen gegeben hätte. Und wie geht's dann weiter? Nach dem Ref ist in der klassischen Lehrerlaufbahn vor der Verbeamtung. Also wenn man dann sein Ref hinter sich gebracht hat, dann muss man sich erstmal wieder anmelden in der Lottozentrale Stellenvermittlung. Kinder bekommt man da besser nicht, denn das schränkt die Chancen auf einen Sechser arg ein. Also erstmal eine Stelle bekommen und dann besser die Verbeamtung abwarten, (rechne, rechne, rechne, das sind mindestens 3 Jahre, die man an einer, wenn man Glück hat, seiner Wunschschule verbringen muss plus zwei, wenn die Schulleitung einen gern hat, bevor man dann woanders hin darf). So und jetzt rechne ich das mal für mich durch. Abitur mit 19, 1. Staatsexamen mit 24, 2. Staatsexamen mit 26, Verbeamtung mit 29. Wenn ich also alles richtig gemacht hätte, dann könnte ich jetzt schon Kinder haben. Ups, hab ich ja auch. Bloß mit dem anderen Kram hapert's noch. Mal sehen, ob's nicht doch irgendwie auch andersherum geht.

Samstag, 15. September 2012

Berufstätige Mutter für Anfänger

Gestern hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Er dauerte genau drei Stunden. Und was soll ich sagen, die drei Stunden fühlten sich an wie 6. Da gab es so viele neue Herausforderungen. Die erste: Was zum Anziehen finden, das einer Vereidigung angemessen ist (das war aber offenbar nicht nur für mich eine Herausforderung) und keine Kinderspuren hat. Zwei volle Jahre habe ich mich hauptsächlich zwischen Kinderzimmer, Schlafzimmer und Küche bewegt. Ich weiß a) überhaupt nicht mehr, was man da draußen eigentlich anzieht und b) bin ich schon froh, wenn es sauber ist, denn sobald man eins von diesen Kindern auf den Arm nimmt, ist es doch damit sowieso vorbei. Die zweite: Pünktlich erscheinen, und zwar nicht auf ungarische Art, 5 Minuten zu spät, sondern richtig pünktlich eben. Ich war 15 Minuten zu früh da und war von 27 Referendaren die vorletzte, fühlte mich also, als hätte ich versagt, denn wer ist schon gern Vorletzter. Die dritte: Dezent in der Masse untergehen. In dieser Kategorie bin ich als Fremdländerin, weil Nicht-Bayerin, und auch aus anderen Gründen wohl ganz klar gescheitert. Die Kinder unterrichtet man nämlich im Referendariat, die hat man nicht.

Mittwoch, 12. September 2012

Mütter und ich

Mütter. Ich gebe mir im Allgemeinen sehr viel Mühe, Zusammentreffen mit dieser Spezies, es sei denn, es handelt sich dabei um meine eigene oder andere mit mir verwandte, verschwägerte oder sonst irgendwie befreundete Ausgaben, zu verhindern. Aber manchmal treffe auch ich trotz aller Bemühungen ab und zu auf eine. Zwei dieser Begegnungen hatte ich heute. Und das noch vor zwölf Uhr.
Aber bevor ich davon berichte, vorerst zur Erklärung, warum ich so desinteressiert bin an fröhlicher Müttergemeinschaft: 1. Ich glaube, dass Muttersein nicht automatisch verbindet. Nur weil ich ein Kind habe und du auch ein Kind hast, sind wir doch nicht automatisch Seelenverwandte. 2. Ich unterhalte mich gerne mit Frauen, dabei spielt es für mich keine Rolle, ob sie Mütter sind oder nicht. Es ist allerdings ganz praktisch, wenn sie auch was zu sagen haben. 3. Wenn ich einen Ratschlag zum Thema Windelwechseln, Beikost, Stillen o.ä. wichtigen Themen suche, dann bediene ich die Suchmaschine. Da kann ich mir den Ratschlag aussuchen, der zu mir passt und muss nicht nehmen, was mir angeboten wird. 4. Schwangerschaftsgymnastik, Krabbelgruppen, Rückbildungsyoga...alles Veranstaltungen, bei denen es darum geht, wer vor oder nach der Geburt am schnellsten wieder fit ist und wessen Kind sich am schnellsten und normgerechtesten entwickelt. Vergleichswerte, die mich, wenn sie mich überhaupt beeinflussen, bestenfalls stressen. Cornelia Kister, Autorin und Mutter von vier Kindern hat es, wenn auch etwas überzogen, in einem Artikel für die Süddeutsche treffend formuliert:
Es gibt keine andere Lebensphase, in der man so viele unterschiedliche Frauen kennenlernt wie in den Jahren mit kleinen Kindern, und man glaubt, auf einen Schlag lauter neue Freundinnen gefunden zu haben. Überall treffen Mütter in fröhlicher Gemeinschaft zusammen: beim Babyschwimmen, beim Kinderturnen, bei Kindergarten- und Schulfesten, an schönen Nachmittagen auf Spielplätzen. Doch der Schein der heiteren weiblichen Solidargemeinschaft trügt, hinter der Herzlichkeit und Anteilnahme lauern die Konkurrenz, der Argwohn, der Wettstreit, die Missgunst, der Neid (Cornelia Kister in: SZ-Magazin)
Diesen Eindruck kann ich nur bestätigen, vor allem, wenn es um Frauen geht, die man ohne Kinder nie getroffen hätte. Und deswegen findet man mich auch nicht bei Müttertreffen, in Krabbelgruppen oder beim Babyschwimmen. Ich gehe genau diesem Konkurrenzkampf ganz bewusst aus dem Weg. Aber manchmal erwischt mich selbiger doch irgendwie auf meinen Ausweichrouten.

So hatte ich heute zwei Mütterbegegnungen, die ganz klar von Wettstreit geprägt waren. Die erste heute Morgen, da schob ich P und M gerade einhändig (in der anderen hatte ich den Regenschirm) im Kinderwagen in voller Regenmontur auf den Krippenkinderwagenparkplatz; da sprach mich eine Mutter an, die gerade ihren zweieinhalbjährigen Sohn abgegeben hatte: "Wie macht man das morgens mit zwei solchen? Ich schaff das ja kaum mit einem!" "Hmmm," hab ich geantwortet "Ich bin nicht ganz so schön geschminkt wie Sie."
Im Nachhinein hab ich überlegt, dass die Bemerkung vielleicht ein bisschen bissig wirkte, aber aus ihr nur genau die gleiche Verwunderung sprach, die auch schon die Eingangsbemerkung ausmachte. Ich war eben verwundert über diese Frage, von einer Mutter kommend, die perfekt gestylt, mit perfekter Maniküre und perfekten Haaren aus ihrem trotz Regen glänzenden (weil frisch gewaschenem) Audi A irgendwas steigt. 'Naja, dachte ich, wie schafft man das wohl. Indem man auf all diese Dinge verzichtet oder eben sehr früh aufsteht.' Das muss ihr doch klar gewesen sein, als sie meinen lose zusammengebundenen Pferdeschwanz, mein ungeschminktes Gesicht und vor allem meine (und das hab ich erst nach dieser Begegnung wirklich schmerzvoll wahrgenommen) ungeputzten Schuhe gesehen hat.

Die zweite Begegnung war beim Arzt. Da kam eine Mutter mit zwei Kindern rein, das große Mädchen war so zweieinhalb und der kleine Junge so drei Monate alt. Sie kamen ins Wartezimmer und das Baby schlief seelenruhig in der Babyschale, während das Mädchen nach kurzer Einweisung still und friedlich in der Ecke in den Kinderbüchern blätterte. Ich war kurz davor zu fragen: "Wie haben sie das denn hingekriegt?", denn ich stellte mir immerzu vor, wie es wäre jetzt mit P und M hier zu sein. Die vielen Sprech-,Wartezimmer-, und sonstigen Türen und M, der alles gerne tut, nur nicht schlafen. Ich wollte wissen, wie sie dieses Mädchen dazu bekommen hat, dass es mucksmäuschenstill dort sitzt und was man tun muss, dass ein Baby beim Abstellen der Babyschale auf dem Boden einfach genüsslich weiterschläft. Ich ertappte mich beim Neid. Die Mama interessierte mich nicht die Bohne. Ich wollte nur teilhaben an ihrer Erziehungsweisheit. Aber bevor ich fragen konnte, bekam die Frau Mama ihre Überweisung, wollte losgehen und das vorher so friedliche Mädchen brach auf dem Boden zusammen, strampelte mit den Füßen und schrie um sein Leben, weil es die Bücherecke verlassen musste. Und was soll ich sagen. Ich hab mich gefreut. Puuuhhh, doch nicht so perfekt. Ich dachte schon, nur mein Junge macht das. Vielleicht doch nicht so schlecht, solche Mütterbegegnungen. Man muss bloß immer dafür sorgen, dass man beim Vergleich gut abschneidet. 

Dienstag, 11. September 2012

Zweikämpfe ums Brot

Im Wonnemonat Mai, das ist (rechne, rechne, rechne) vier Monate her, habe ich hier von den drei verschiedenen Esstypen bei Kleinkindern berichtet (die "Brot-ohne-Belag-Esser", die "Belag-ohne-Brotesser" und die "Brot-nicht-Esser") und großmäulig verkündet, wie ich erfolgreich jeden Abend aus meinem Sohn Typ vier mache, den "Ich-esse-erst-den-Belag-und-nach-mütterlichem-Eingreifen-auch-das-Brot-Typ". Nun, es wird Zeit mit der Beschönigung aufzuhören. Typ vier war mein Sohn nur, weil er es selbst so wollte. Und was soll ich sagen, er will nicht mehr.

Seit einer Weile kämpfe ich, vor allem innerlich mit mir selbst, aber durchaus auch äußerlich mit Worten und Taten mit meinem großen Sohn Paul, der kein Brot mehr essen will. Vor kurzem dachte ich, ich wäre kurz davor den Kampf zu verlieren, als mir nun gestern mein kleiner Sohn Moritz zu Hilfe kam. Eins vorab: Ich finde Brot ist ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Es gibt ganze Völker, die sich völlig brotlos ernähren, aber ich kann nun mal nicht ohne Brot. Und Paul und Moritz dürfen erst wieder ohne Brot, wenn sie bei ihrer Ernährung mitmischen dürfen und das ist noch ne Weile hin. Demokratie beim Essen gibts hier nur im Sinne von Auswahl aus einer Vorauswahl und die Vorauswahl besteht beim Abendessen nun mal aus Brot. Punkt.
Anfangs hat Paul das Brot mit Begeisterung in sich reingestopft. Manchmal hat er an dem Belag rumkritisiert, vor allem als ich noch experimentiert habe mit salzarmen, gesünderen, aber auch geschmacksärmeren, vegetarischen Aufstrichvarianten. Aber er hat sein Brot gern gegessen. Monatelang hat er jeden Abend eine Portion Griesbrei und dazu noch zwei bis drei Stullen reingestopft, später dann nur noch Stullen.
Die Zeiten des fröhlichen Brotessens waren aber plötzlich vorbei, als Paul feststellte, dass Belag viel besser schmeckt. Und dann fing Paul mit seiner Brotdiät an, vielleicht auch eine frühe Form von abendlichem Low-Carb-Diät-Wahnsinn (als ob er es nötig hätte), auf jeden Fall steht dieses Ernährungsverhalten bei mir auf der schwarzen Liste. Und so hab ich alles versucht, zumindest glaubte ich das, als ich heute gegoogelt hab ("mein Sohn pult den Belag vom Brot"), um nach Tipps zu suchen, wie ich diese brotlose Ernährung doch noch irgendwie verhindern kann, denn ich hab schon einiges versucht.
Zuerst hab ich den Salamikonsum eingeschränkt: Salami pult sich denkbar einfach vom Brot und wird ja sogar pur verkauft. Wie soll ich dem Jungen mit Kolbász-Blut die Brotliebe beibringen, wenn ich ihm die Kolbász im Grunde auf einem extra Teller serviere?
Später dann hab ich nur Belag zum Schmieren verwendet, denn das pult sich schlechter. Paul hat aber auch das Entfernen von Streichbelag inzwischen professionalisiert: Er macht den Mund gaaaaaanz weit auf, schiebt sich das Brot mit der flachen Hand und der Belagseite vor den Mund und lutscht den Belag runter. Wenn man ihn in dem Moment erwischt, kann man schnell die Mitte vom Brot reindrücken und er kuckt etwas überrascht, kaut dann aber durchaus fröhlich doch auf dem Brot rum. Aber das ist ja keine echte Lösung.
Noch später bin ich wieder zum Füttern übergegangen. Denn die von ihm selbst abgeleckten Brote findet Paul scheinbar so eklig, dass er sich nicht mehr überwinden kann, diese zu essen. Bevor er die isst, ist er auf Nachfrage lieber satt. Füttern findet Paul aber inzwischen furchtbar. Das ist doch was für kleine Kinder. Blieb noch die Möglichkeit, ihm immer nur kleine Portionen zu servieren und erst ein neues Scheibchen Brot rauszurücken, bis er aufgegessen hat. Das hat aber schon so richtig was von Zweikampf. 
In einem Forum hab ich eben den Vorschlag gelesen, das Brot nicht vorher zu belegen, sondern den Belag extra zu servieren: Angeblich könnte ich gar nicht so schnell kucken, wie das Kind den Belag ordnungsgemäß auf das Brot legt und dann isst ("das machen die in der KiTa so"). Aber das ist sicher so ein Ding, was in der KiTa funktioniert, weil die Kids da den Gemeinschaftsdruck spüren. Hier bin ja nur ich. Und mein Druck lässt über die Monate hinweg langsam nach. Ich spüre, wie ich mit jedem Abendessen weicher werde ("dann iss doch nur den verflixten Belag!") Ich möchte hart sein, den Kampf gewinnen, meinen Sohn zum Brotliebhaber erziehen und merke gar nicht, dass die ultimative Waffe direkt neben Paul in der Babyschale hängt und Moritz heißt. Gestern habe ich sie dann ausprobiert, diese Waffe, die sie auch in der KiTa benutzen. Ich hab Moritz eine Scheibe Brot gegeben, pur, ganz ohne Belag. Nicht wegen Paul (ehrlich nicht!), sondern wegen Moritz (das war nämlich eigentlich keine geplante Kampfstrategie, sondern nur der Versuch Moritz an ungesüßtes Backwerk heranzuführen; die Einführung ins gesüßte hat schon die deutsche Oma erledigt). Die Einführung ist als gelungen zu bezeichnen. Denn Moritz freute sich sehr über die feste Nahrung für seine gequälten Zahnleisten und stopfte das Brot fröhlich in sich hinein. Immer wenn das Brotstück so klein wurde, dass es in seinem Fäustchen verschwand oder runterfiel, wurde er wütend und verlangte nach mehr. Nach mehr verlangte auch jemand anderes, nämlich Paul. Der aß an diesem Abend seeeeehr viel Brot. Ganz ohne diesen ekligen Belag, pfui. Jetzt muss ich nur noch irgendwie Brot und Belag wieder zusammen führen. Das muss doch zu schaffen sein.

Montag, 10. September 2012

Jungs eingewöhnt. Arbeit kann losgehen.

Jetzt sind sie wohl angekommen im Krippenalltag, die Jungs. Letzte Woche waren die ersten Tage, an denen Paul und Moritz den ganzen Tag in der Krippe verbracht haben, was bedeutet, dass sie von 8-16 Uhr dort waren. Und es kam dann auch so, wie es kommen musste: Paul erfreut sich vor allem an den vielen Spielmöglichkeiten und am ausgiebigen Mittagsschlaf und Moritz ignoriert festgesetzte Zeiten völlig und organisiert (erschreit) sich seinen eigenen Rhythmus. Zu deutsch heißt das, Paul nutzt täglich die Gelegenheit um sich richtig auszutoben und dann mittags mindestens 2, lieber aber drei Stunden zu schlafen (er holt wahrscheinlich den Schlaf der letzten fünf Monate nach, seitdem er mit Moritz in einem Zimmer Mittagsschlaf macht, war der nämlich meistens verkürzt) und Moritz schläft in einer gesonderten Abteilung, weil er zu den Schlafzeiten der anderen Kinder lieber schrie als schlief. Und so wurden für Herrn Moritz neue Regeln erschaffen, mit denen auch er sich wohl fühlt. Das Essen ist inzwischen auch besser und die Milch schmeckt aus der Flasche genauso gut. Alles startklar also für den Arbeitsstart am Freitag. Nun bloß nicht krank werden bitte.

Mittwoch, 5. September 2012

Zwei Wochen Großelternurlaub

Die letzten zwei Wochen haben wir mit Großelternurlaub verbracht. Die erste bei den ungarischen, die zweite bei den deutschen. Und jetzt sind die Kinder, vor allem aber Paul, ordentlich durcheinander. Denn dieser Urlaub wurde von allen Seiten noch einmal so richtig ausgekostet, bevor jetzt der knallharte Alltag in der Krippe beginnt und die Kinder wurden sprachlich noch mal so richtig schön durcheinander gewürfelt, bevor sie alles vergessen können, um mit Bayerisch von vorne anzufangen. 
Fazit nach zwei Wochen Großelternurlaub: Alle gleich. In Ungarn hat man Angst, die Jungs würden bald kein ungarisch mehr sprechen (sie sprechen ja bisher noch gar nicht, aber das beeinflusst diese Angst nicht weiter). In Deutschland hat man Angst, sie würden kein deutsch sprechen. In Ungarn steht das Honigglas in der Speisekammer und die Kekse liegen auf dem Beistelltisch. In Deutschland steht das Honigglas auf dem Küchentisch und die Schokobons liegen im Wohnzimmerschrank. In Ungarn durfte Paul mit Fenstergriffen spielen, in Deutschland durfte er mit der Außenbeleuchtung spielen. Beim ungarischen Opa durfte das Auto bedient werden, beim deutschen die Universalfernbedienung. Getrunken wurde in Deutschland Kakao, in Ungarn bestimmt auch irgendwas mit Zucker. Und auch die Omas sind eben Omas, egal in welchem Land. Saubere Hände sind wohl den Omas aller Welt wichtig. Küsschen und Streicheleinheiten noch viel wichtiger. Schokobons und Haushaltskekse auch, wie ich erfahren durfte. So befand die deutsche Oma auch Moritz schon durchaus bereit für eine Einführung in die Welt der Kekse. Und ich hab mich nur ein bisschen gesträubt. Moritz hingegen überhaupt nicht. Der fand das Essen seiner deutschen Oma sowieso insgesamt besser als Mamas. Unterschiede gabs bei der Behandlung der Küchenschränke der Omas: Während Paul in Ungarn die Schränke gern aufmachen durfte, sollte er sie in Deutschland immer lieber schließen. Begeisterungsstürme gabs von allen Seiten über Moritz' Hang zum Kuscheln und Fröhlichsein.
Was die Sprache angeht, da muss Paul jetzt erstmal sortieren. In Deutschland haben wir ihn mit dem Papa am letzten Tag ein bisschen getestet: Wir saßen beim Essen (ich weiß nicht mehr welches, aber ich nehme an, es war Kuchen im Spiel) und dann gings los, wir nannten die Person, er musste zeigen: nagypapa (Großvater), apa (Papa), apu (Papi), anya (Mama), nagymama (Oma), Opa (nagypapa). Am Ende des Tests hat Paul nur noch mit dem Finger wild hin und her gezeigt. Leider wird sich die Auswahl in nächster Zeit auf Mama und apa beschränken, da fällt das Sortieren vielleicht nicht ganz so schwer, macht aber auch nur halb so viel Spaß.

Mittwoch, 22. August 2012

Sohn verkauft

Heute habe ich meinen großen Sohn verkauft, für die ganze Nacht. Und das Ergebnis: Ich hab weder von dem einen noch dem anderen bisher einen Ton gehört. Nun, in anderen Familien mag das um halb sieben normal erscheinen, aber hier wird früh wach gelebt. Paul hat heute Nacht bei Oma und Opa geschlafen, das erste Mal, dass er woanders schläft als seine liebe Mama, also ich. Es sind nämlich, seit wir wieder hier sind, wieder mal 38 Grad am Tag und 30 in der Nacht. So macht das Schlafen keinen richtigen Spaß, schon gar nicht, wenn man auch noch Schnupfen hat. Ich bin schon gespannt, ob Paul unten besser geschlafen hat. Moritz hat jedenfalls bisher sehr gut gepennt. Am liebsten hätte ich Moritz auch runter geschickt, aber dann müsste ich zum Stillen nachts immer die Treppe runter. Und wenn ich auch runtergezogen wäre, dann wär es nicht mehr ganz so von Vorteil gewesen (zu dritt in einem Zimmer) für keinen von uns. Also bin ich mit dem Knopf hiergeblieben. Und der Knopf genießt die Ruhe. Beim Einschlafen hat der große Bruder allerdings gefehlt, glaub ich. Der kreischt ihn immer so schön in den Schlaf. Das hat Moritz dann gestern übernommen. Mal sehen, wann Oma und Opa mir meinen Sohn wiedergeben, wenn ich nichts mache.

Freitag, 17. August 2012

Babybrei statt Mensaessen für Moritz

Gestern früh hab ich an Moritz mal wieder mein Babykochbuch ausprobiert. Zur Zeit koche ich ja früh halb sechs, bevor die Kinderlein wach sind, und nehm dann den Brei für Moritz mit in die Krippe. Das mag ein wenig pervers erscheinen. Mein Mann meinte nur, es erscheint ungarisch...aber das tut es, weil das in vielen ungarischen Krippen ja auch so organisiert ist (übrigens auch in manchen deutschen), dass man den Kindern Essen mitbringt. In unserer Krippe ist das keinesfalls so, aber ich hab mich in der ersten Woche so erschrocken, als mir Vorschläge für die Ernährung von Moritz gemacht wurden, dass ich das morgendliche Breikochen für die bessere Lösung halte. Wenn ich dann anfange zu arbeiten, muss ich entweder um 4 aufstehen oder Moritz muss ganz schnell zum Kleinkind werden, mal sehen wozu die Energie reicht. 
Über wenig gibt es ja so viele verschiedene Theorien wie Babyernährung, deswegen traue ich mich auch gar nicht mehr, meine Weisheiten an den Mann zu bringen. Wenn es um das Thema geht, bin ich immer ganz vorsichtig, nicke und sage nur "Ja, das macht eben jeder so, wie er es für richtig hält". Und im stillen denke ich "Mann, aber das is doch Schrott, wie du das machst". Geht schon los damit, dass Brei ja furchtbar out ist. Babys bekommen kein Gefühl für die Nahrung, sondern schlucken nur sinnlos runter. Aber diese kein-Brei-Theorie, das vergessen viele, basiert darauf, dass man sein Kind bis zum Exzess stillt und dann im ganzen ersten Jahr nur hier und da was kosten lässt. Ich bin ja fürs Stillen, echt. Aber das hätte selbst echt nicht drauf. Und Moritz hat Hunger. 
In der Krippe wurde mir jedenfalls am ersten Tag ein Gläschen serviert mit irgendwelcher Pasta und Tomaten. Auf Nachfrage, was das sei, kam "Ich hab gar nicht draufgeschaut, tut mir leid." Pasta und Tomaten stehen bei Moritz noch nicht auf dem Speiseplan. Tomaten, darauf reagiert selbst Paul noch und Pastajunkies werden die Kinder von alleine, das gehört nicht in die Frühförderung. Aber das war nicht so ein großes Drama, falls ich jetzt hier irgendwie extremistisch rüberkomme. Das Drama fing an, als ich kritisch wurde gegenüber den Gläschen (Ich hab nichts gegen Babygläschen, aber ich habe angemerkt, dass Moritz vielleicht nichts Selbstgekochtes mehr isst nachher, wenn er jetzt fünf Mal die Woche Gläschen isst - da ist ja doch immer wieder dasselbe drin). Dann wurde mir nämlich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen angeboten, das Essen, was die anderen Kinder essen, zu pürieren für Moritz. Hier mal der theoretische Speiseplan für Moritz' erste Krippenwoche (Link), bitte püriert vorstellen.
Montag: Rigatoni mit Tomatensauce
Dienstag: Frischer Kartoffelauflauf mit Schinken (ich weiß gar nicht, warum man da frisch dazuschreiben muss, das hoffe ich doch, dass das immer frisch is)
Mittwoch: Fischstäbchen mit Salzkartoffeln und Remoulade
Donnerstag: Putengeschnetzeltes mit Rahmsauce und Mischgemüse (übrigens nicht frisch, sondern Konserve)
Freitag: Rührei mit Bratkartoffeln und zum Nachtisch Cornflakes mit Milch

Hmmm. Nicht ganz meine Vorstellung von altersgemäßer Ernährung für ein Baby von sieben Monaten. Um ehrlich zu sein, finde ich das Essen auch für Paul unangebracht. Aber dagegen kann ich wohl nichts machen. Und außerdem sind die selbst zubereiteten Zwischenmahlzeiten in der Krippe sehr lecker, frisch und gesund. Moritz bekommt aber seinen Brei und n Schluck Milch in die Tasche. Gestern gabs Couscousbrei, sehr zu empfehlen.

  
 Hokkaido-Kürbis, Möhrensaft, Couscous und Tahin. Sehr lecker. Rezept aus meinem Lieblingsbabykochbuch, siehe Link.

Donnerstag, 16. August 2012

Wackel-Dackel und Wickelstuhl

Zur Zeit hab ich zwei Wackeldackel im Haus. Moritz hat vor ein paar Tagen angefangen vermehrt mit dem Kopf zu wackeln, vor allem wenn er auf dem Bauch liegt. Das scheint ihn irgendwie zu entspannen und vor allem findet er's wohl furchtbar lustig. Einer, der das noch viel lustiger findet, ist Paul. Was Moritz kann, kann ich schon lange, denkt er sich und läuft immerzu mit dem Kopf wackelnd durch die Bude. Am meisten Spaß macht es ihm allerdings sich vor Moritz hinzusetzen und dort so lange mit dem Kopf zu wackeln, bis Moritz das auch macht. Ich hab mich über meine Wackeldackel die letzten Tage so königlich amüsiert, dass ich auch gleich mitgemacht habe. Die Suchmaschine hat mir aber gerade den Spaß verdorben, weil da geschrieben steht (wo, da bin ich jetzt zu faul zum verlinken), dass die Kopfwackelei das ganze Kleinkindalter über gehen kann und man das lieber nicht verstärken soll. Wenn das so funktioniert wie bei Paul mit dem Kreischen (von Oma und Opa in jungen Monaten exzessiv gefördert), dann wird Wackeln jetzt für unlustig erklärt und ab sofort herrscht hier Wackelverbot. Vielleicht ist es ja noch nicht zu spät.
Moritz hat neben dem Kopfwackeln zwei weitere neue Fähigkeiten, mit denen ich nicht hinter dem Berg halten will (oder vielleicht lieber doch?) Die eine ist ganz praktisch, vor allem für ihn selbst, er hat angefangen mit den ersten Versuchen der Fortbewegung, derzeit noch hauptsächlich im Kreis und rückwärts robbend, aber jeder fängt mal klein an. Die zweite ist weniger praktisch und vielleicht auch keine besondere Fähigkeit, eher eine unangenehme Angewohnheit: Moritz macht neuerdings regelmäßig seinen Stuhl auf den Tisch, den Wickeltisch um genau zu sein. Vielleicht hat er die Nase voll von der Windel und will mir damit sagen, dass es Zeit ist fürs Töpfchentraining? Die Krippe scheint bei meinen Kindern für ziemlich krasse Entwicklungssprünge zu sorgen. Paul löffelt ja inzwischen auch, und zwar exakt seitdem er in der Krippe neben Moritz der einzige ist, der gefüttert wird. Das ist ihm dann wohl doch zu doof.
 

Dienstag, 14. August 2012

Zeiträuber und Gesprächsbedarf

Die Tage sind kurz in unserer neuen Heimat. Oder lang. Das kommt darauf an, wie man das so sehen möchte. Viele Aufgaben und wenig Luftholen. Verschiedenste Zeiträuber, wie Schlüsseldienstabzocker, Mietvertragsenten und im unteren Engagementbereich arbeitende Hausverwaltungen, sind zur Zeit hier am Werk - und dann wurde nach fünf Tagen Eingewöhnung auch noch das Kind krank. Zu allem Unglück is noch nich ma n Opa in der Nähe, der ab und zu mit dem Honiglöffel kommt. Ich bin ja für Honiglöffel zu streng. Krank war übrigens Paul, er hat schnell und professionell angefangen mit der immunologischen Schulung, wie unser neuer Medizinmann formuliert hat, (wir haben uns, weil der erste in Urlaub war, gleich mal in die Vertretungspraxis verliebt - Gummibärchen für Paul und Moritz rumtragende Arzthelferinnen für mich) und hat sich ne eitrige Rachenentzündung ranorganisiert. Bis auf die Spuckattacke nach Medikamenteneinnahme am zweiten Tag war aber alles ganz unproblematisch. Nur war die Eingewöhnung eben erstmal für uns beendet.
Gestern waren wir wieder da und entgegen meinen Erwartungen mussten wir nicht wieder neu eingewöhnen. Unser eingewöhnter Status war uns allen erhalten geblieben. Ich glaube, das liegt aber eher an mir als an den Kindern, denn ich wurde praktisch sofort nach Hause geschickt. Da ich noch Gesprächsbedarf hatte, ignorierte ich das erste Schicken geflissentlich und erzählte einfach weiter, wie ich mir wünschen würde, dass sie dem Moritz doch bitte sein Fläschchen geben sollten, auch wenn es kompliziert ist, weil er doch seine Milch braucht. Mein pädagogisches 18jähriges Gegenüber nickte immer und schoss zwischendurch immer mal wieder ein "Sie können dann auch ruhig gehen" raus. Meinen Gesprächsbedarf sollte ich wohl versuchen in Zukunft woanders zu stillen. Hab ich dann auch gemacht. Später hab ich das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus angerufen, um zu fragen, wann ich denn endlich meinen Referendariatsplatz zugeteilt bekomme. Immerhin soll ich ja in vier Wochen anfangen. Das Gespräch war zwar weniger einseitig, wurde aber ähnlich beendet und war noch weniger fruchtbar als das erste. Ich übe mich also weiterhin in Geduld, in jeder Hinsicht. Heute übe ich mich allerdings in meiner vielen Freizeit erstmal im Schwimmen.

Dienstag, 7. August 2012

Wir sind eingewöhnt - ich muss jetzt gehen.


Heute ist ein großer Tag für uns alle. Nachdem ich nun so lange über das Trara bei der Krippeneingewöhnung hergezogen bin, muss ich feststellen, dass selbiges sehr erfolgreich war für die Jungs. Ich allerdings fühl mich schrecklich, denn für mich bedeutet das, dass ich heute das erste Mal die Krippe verlassen muss. Dabei war ich doch gerade so schon eingewöhnt.

Morgens ein bisschen Brei kochen, mit den Kindern frühstücken, Tasche packen, Kinder packen und ab in die Krippe. Dort die Kinder auspacken und von strahlenden Kindern mit Rufen begrüßt werden (sie haben zwar immer nur "Hallo P" gerufen, aber er hat eben die blaueren Augen). Danach ein gemütliches Plätzchen in der Ecke suchen und mit den Krippentanten klönen (kostenlose und kostbare Bayerischstunden). Ab und zu ein Türmchen bauen, einen kuschelbedürftigen P zurück zum Spielen schicken und zur Zwischenmahlzeit einen frisch gebrühten Kaffee serviert bekommen.

Während die Kinder draußen sind, von 9.30 Uhr bis 11 Uhr, gemütlich in die Kuschelecke der Turnhalle mit einem Buch zurückziehen und im nicht eintretenden Notfall zur Verfügung stehen. Dann noch ein bisschen in Spielzeugkatalogen blättern und ein Schwätzchen mit einer Eingewöhnungskameradin aus Straubing halten (kostenlose und kostbare Bayerischstunde Nummer zwei). Mir beim Mittagessen um den Bart gehen lassen, wie schön P isst und wie schön M beim Essen einschläft und dann die Kinder einpacken, nach Hause, ins Bett schmeißen und zwei Stunden Mittagsruhe. So schön war die Zeit.

Heute soll die schöne Zeit der Eingewöhnung nun vorbei sein. "Morgen können Sie dann ruhig gehen!", hat man mir gestern gesagt. Und obwohl ich das die ganze Zeit wollte, weiß ich jetzt gar nicht, ob ich gehen will. Ich könnte das jetzt auf den guten Kaffee schieben und auf die gemütlichen Sitzecken. Aber in Wirklichkeit hab ich wohl mehr Probleme mit dem Loslassen als die Kinder. Und deswegen mache ich mir Sorgen, was ich wohl mit meiner neu gewonnenen Zeit anfangen werde. Mich heimlich in der Turnhalle verstecken? Es könnte ja doch ein Notfall eintreten. Oder soll ich immer um den Block laufen? Nach Hause gehen, einen Kaffee trinken, auf die Uhr kucken ("wie macht die Uhr P?") und dem Zeiger beim Bewegen zuschauen? Komisches Gefühl, dieses Eingewöhntsein.

Freitag, 27. Juli 2012

Warten beim deutschen Medizinmann

Heute haben sich Paul und Moritz ihrem neuen Medizinmann in Regensburg vorgestellt. Paul fand ihn unsympathisch, was der Herr Doktor mit einem Plüschdelfin irgendwie retten wollte. Moritz hatte keine besondere Meinung zum Herrn Mediziner und ich, naja ich hatte Schweißausbrüche und wollte nur noch nach Hause.
Als ich ankam, wunderte ich mich schon, warum das Wartezimmer so leer war. Ich hatte zwar einen späten Termin (11.30 Uhr), aber in diesem Wartezimmer langweilte sich das Spielzeug schon eine Weile. Als wir fertig waren, hatte ich verstanden: Hier wurde das Prinzip "Lieber Patient gehen Sie doch bitte schon mal ins Sprechzimmer" angewandt. Das soll ja den Behandlungsvorgang beschleunigen, aber alles was das beschleunigt ist die Entwicklung meiner Wut. Abgesehen davon verlangsamt es die Wartezeit gefühlt um mehrere Stunden, denn man wartet nicht im Wartezimmer auf den Arzt (wo oben erwähntes gelangweiltes Spielzeug ebenfalls auf Kinder wartet), sondern in einem der sage und schreibe 5 Sprechzimmer, die der Arzt im Kreis durchmarschiert. Kinderarzt am Fließband sozusagen. Nur geflossen ist nichts so richtig, außer meinem Schweiß. Im Sprechzimmer musste ich dann nämlich noch genau 40 Minuten warten, sehr sehr lange 40 Minuten. Denn das Sprechzimmer war ganz und gar aufs Sprechen ausgelegt und nicht aufs Warten.
Während Moritz schlechte Laune bekam, weil sich bei ihm der kleine Hunger einstellte, bekam Paul gute Laune und ging auf Entdeckungstour. Er fühlte sich im Sprechzimmer wie bei Oma und Opa und verhielt sich auch so. Schublade auf, Schublade zu, Tür zum Flur auf, Tür zum Flur zu, auf den Stuhl raufklettern, runter vom Stuhl, Mülleimer auf, Mülleimer zu, Bücherregal inspizieren, Medikamentenschrank untersuchen, Computer, Arztsessel, Wasserhahn, ....so ging das immer im Kreis. Nichts davon hab ich ihm erlaubt, aber innerhalb dieser 40 Minuten Wartezeit sollten mir die pädagogischen Erfolge in diesem Zusammenhang versagt bleiben. 
Moritz wechselte immer zwischen Tragewanne und Wickeltisch. Aber als er auf dem Wickeltisch lag, hatte ich immer Panik, dass ich mich einen Meter zu weit weg bewege und genau dann der Arzt reinkommt, der mich anpfeift. Das wäre nicht der Start gewesen, den ich mir für uns gewünscht habe. Also hab ich zwischendurch auch noch Moritz herumgetragen und Paul im Sprechzimmer verfolgt. Versuche ihn auf dem Stuhl ruhig zu halten waren völlig zwecklos. Winden, Kreischen und sonstiges war die Folge. Und noch mehr Schweiß.
Irgendwann kam der Arzt. Er kuckte in Pauls Ohren, machte sich damit sofort unbeliebt, stellte noch zwei Fragen, erwähnte, dass Moritz ein Riesenbaby sei und wünschte mir viel Glück für die Eingewöhnung in Regensburg. Mir war in diesem Moment mehr nach Abgewöhnung. Wenn man über Pauls und Moritz' bisherige medizinische Betreuung vieles sagen kann, aber eins nicht, dass sie von viel Wartezeit geprägt war. Und vor allem nicht von Pseudowartezeit in Pseudowartezimmern. Da wäre daheim die Angst viel zu groß gewesen, dass ich es mir inzwischen anders überlege mit dem Arztbesuch und lieber den Laptop vom Arzttisch mit nach Hause nehme um mir zu Haus meine Krippentauglichkeitsbescheinigung selbst zu drucken, wegen der wir übrigens da waren. Ich will zu meinen Medizinfrauen. Mit oder ohne Arztlaptop.

Kultur fängt schon beim Spielen an

In nicht allzu ferner Zukunft werden Paul und Moritz hauptamtlich die deutschen Spielplätze unsicher machen. Dies ist eine einschneidende Veränderung in unser aller Leben, denn die moderne deutsche Spielplatzkultur unterscheidet sich wesentlich von der ungarischen. So wesentlich, dass ich befürchte meine Kinder müssen für die deutsche Version erst noch ausgerüstet werden. Das ist leider nicht nur eine Befürchtung, sondern nackte Realität. Meine Krippe hat mich verpflichtet Matschhosen zu besorgen.
Spielplätze, die was auf sich halten, haben in Deutschland eine Wassermatschanlage. Diese besteht vor allem aus Wasser und Sand und demzufolge gaaaaaaanz viel Matsch. Wenn die Anlage richtig professionell ist, dann gibt es Schleusen, Pumpen in Kinderhöhe und Matschbecken, in denen man sich bei richtigem Einsatz der Pumpe im Schlamm sühlen kann wie das ein modernes Kind eben macht und für seine gesunde Entwicklung offenbar braucht. Das "elementare Spiel mit Wasser und Sand", so heißt es, wird heute in Deutschland kultiviert durch Wassermatschanlagen, auf denen stundenlang Trinkwasser in Sandgruben fließt, um psychologischen oder körperlichen Schaden bei Tausenden von Stadtkindern zu verhindern, die sonst keine Möglichkeit haben, sich mal so richtig einzusauen. Und damit haben wir sie auch schon festgenagelt, die zwei wesentlichen Unterschiede zur ungarischen Spielplatzkultur: 1. Es gibt keine Matschanlagen. 2. Das Einsauen ist als elementares Bedürfnis wenig anerkannt und findet, falls überhaupt, im Geheimen statt. Paul und Moritz müssen ihn irgendwie schaffen, den Sprung zwischen den beiden Kulturen. Ich hoffe, sie bekommen dabei keinen psychologischen Schaden.