Mittwoch, 28. März 2012

Glockengeläut, Frischluftvergiftung und Muskelkater

Die beiden Jungs und ich sind seit gestern (eigentlich Montag Nacht) in einem Gasthof mitten in Bayern, um genau zu sein am Rand, in der Oberpfalz, aber wir Preußen nehmen's da nicht so genau. Des is doa alles Bayern hier unne.
Moritz nimmt gerade, wie auch gestern schon, eine große Mütze voll Schlaf (4 bis 5 Stunden)  im Kinderwagen auf der zur Ferienwohnung gehörenden Terrasse. Paul hab ich unter Protest ins Reisebett im Schlafzimmer verfrachtet für seinen Mittagsschlaf. Und wenn ich Glück hab, hab ich jetzt eine Stunde Ruhe, bis Moritz sich meldet. Das wars dann aber auch mit der Ruhe. Die restliche Zeit ist geprägt von kleinen und feinen Abenteuern. 
So entdeckt Paul gerade die Toilette. Den Deckel aufmachen und runterkrachen zu lassen ist noch das harmlosere Spiel. Lustig wird es, wenn er anfängt die Toilettenrollen oder seine Zahnbürste reinzuwerfen. Ersteres gehört ja noch irgendwie da hinein, aber bei der Zahnbürste hat er wohl irgendwas missverstanden. Außerdem räumt er viertelstündlich den Kühlschrank aus, zieht die Schlüssel von den Zimmertüren ab und schleppt sie irgendwo anders hin, macht die Eingangstür auf und spaziert raus, versucht den Plasmafernseher mit der Zahnbürste einzuschalten, räumt die Minibar aus und um und schaltet den Herd ein, wenn ich nicht daneben sitze um es zu verhindern (das kann er bei uns zu Haus nicht, weil die Bedienung auf dem Feld oben stattfindet).
Moritz spielt derweil die meiste Zeit das harmlose Baby und holt sich auf der Terrasse ne Frischluftvergiftung. Aber heute Morgen, als ich mit Paul zum Frühstück im Gastraum unten war, hat er sich alternative Betreuung erbrüllt. Das Zimmermädchen kam runtergelaufen und fragte mich freudig erregt, ob sie ihn trösten dürfe. Na bitte, nur zu, hab ich gesagt. Als ich dann kam, gluckste er friedlich rum. So ein Service, mei. 
Ich hab inzwischen schon tierischen Muskelkater vom Wickeln auf dem Boden, Kinder lange Flure und Treppen hoch- und runterschleppen, Kinderwagen mit beiden Kindern auf dem Arm die Gasthofstufen hochhieven und mit Paul in der Trage rumspazieren. Wenn ich Bayern verlasse bin ich entweder fit wie ein Turnschuh oder hab n Bandscheibenvorfall.
Am schönsten sind hier in Bayern jedoch die Glocken. Der Gasthof steht praktisch auf dem Kirchenhof, wie das in Bayern ja oft der Fall ist, und die Glocken läuten immerzu. Ich hatte schon festgestellt, dass sie immerzu läuten, aber gestern hat mein Mann, der sich inzwischen besser hier auskennt als ich, mir erklärt wie immerzu sie läuten: viertelstündlich, erst ein-, dann zwei-, dann drei-, dann viermal (zur vollen Stunde) und dann zur vollen Stunde extra noch immer die Stundenzahl und dann noch zu besonderen Ereignissen wie morgens bei Schulbeginn. Lieber Moritz, lieber Paul, ich freu mich, dass euch das so wenig beeindruckt und ihr mich auch in Bayern mit extra viel Erholungsschlaf beglückt. Denn sonst müsste ich wohl bald abreisen wegen akuten Genervtseins.

Mittwoch, 21. März 2012

Moritz goes Germany

Bald ist es soweit. Moritz fährt nach Bayern und in die schöne Uckermark, zu den Internetgroßeltern. Ein biometrisches Foto für den Reisepass hat er schon. Und es ist noch grauseliger als das von Paul. Damit muss er jetzt sechs Jahre rumlaufen, der Arme. Und ich nehme an, schon in 2 Monaten wird er nicht mehr so aussehen wie auf diesem Bild. Aber was tut man nicht alles für eine Ausreisegenehmigung. 
Derweil treffen die Kinder schon Reisevorbereitungen. Paul übt fleißig das Laufen, damit ich es nicht so schwer hab mit dem Kinderwagen in Bayern. Und Moritz hat seinen Wachstumsschub in die elfte Woche vorverlegt, damit er uns den Aufenthalt im Westen nicht mit Marathonmahlzeiten erschwert. Es kann also losgehen. 

Prinzip Waschmaschine (fast) verstanden

Paul ist, wie viele seiner Art, fasziniert von elektrischen Geräten. Er saugt gerne Staub, wobei sein Anteil darin besteht, den Staubsauger während des Saugvorgangs an- und auszuschalten oder den Knopf zu drücken, der das Kabel wieder aufrollt. Er schaltet gern am Babyfon solange herum, bis die Lampe blinkt (ich weiß nicht in welcher Kombination er die Tasten dann drückt, das hab ich noch nie geschafft). Und er ist auch gern mit dem Fön zu Gange. Am liebsten aber hat Paul die Waschmaschine. 
Die Waschmaschine übt, vor allem im Schleudergang, eine große Faszination auf Paul aus. Er stellt sich dann immer davor, um die Schleuderei mit allen Fasern seines Minikörpers zu spüren. Mal umarmt er sie, mal hält er sein Ohr dran, mal gibt er ihr ausgedehnte Küsschen. Das macht er nun schon eine ganze Weile. Neu ist, dass er inzwischen auch das Prinzip Waschmaschine verstanden hat: In die Waschmaschine schmeißt man Dinge rein, schaltet sie ein und holt die Dinge nach der Schleuderei wieder raus. Auf diese Weise haben wir zusammen schon häufiger Wäsche gemacht (wir haben natürlich auch Waschmittel verwendet) und Paul hat immer fleißig die Wäsche reingeworfen. 
Seit neuestem verzichtet Paul auf meine Mitarbeit und will die Waschmaschine zunehmend selbstständig benutzen. Er fängt damit an, indem er alles reinschmeißt, was so rumliegt, u.a. auch Wäsche, aber eben auch Legobausteine und Küchenrollen. Was bin ich froh über meinen Toplader, bei dem er weder zumachen, noch die Waschmaschine einschalten kann. Ich möchte nicht wissen, wie lange es sonst dauern würde, bis er die Katze wäscht.

Montag, 19. März 2012

Grenzüberschreitungen

Bei uns im Haus werden zur Zeit ein paar Grenzen überschritten. Als erstes wäre da Moritz zu nennen, der eine neue für mich erstaunliche Gewichtsgrenze überschritten hat. Er hat es doch tatsächlich mit seinen ständigen Sprintmahlzeiten und mindestens einer täglichen Marathonmahlzeit geschafft, innerhalb von zehn Wochen auf satte 7 kg zu kommen. Nachdem Paul ja immer eher an eine lange Dürre erinnert hat, hab ich jetzt ein Baby, dem die Strampler auch in der Breite passen.
Als zweites ist Paul zu nennen, der eine Grenze überschritten hat, die mich sehr erfreut, weil sie mir mein Leben ein bisschen erleichtert: Er hat die Breigrenze überschritten. Mit 16 Monaten hat er 16 Zähne und es ist somit endlich vorbei mit dem vielen Brei. Denn erst seitdem die Mahlzähne draußen sind, kaut er auch richtig. Jetzt warten wir noch auf die letzten vier Backenzähne und dann aufs Wiederausfallen und -rausholen mit Hilfe von Türklinken.
Eine weitere Grenze, die Paul seit kurzem täglich überschreitet ist die Zimmergrenze. Bisher konnte man Paul die Tür vor der Nase zumachen. Diese Zeiten sind jetzt vorbei. Man kann jetzt zwar immernoch die Tür vor ihm zumachen, aber Paul macht sie dann einfach wieder auf. Ich hatte gehofft, dass es noch ein Weilchen dauert, bis er mit den Türklinken gemeinsame Sache macht. Aber das Hoffen war umsonst. Ohne Schlüssel bleibt Paul nun keine Tür mehr verschlossen. So ein Pech.

Donnerstag, 15. März 2012

Strolchig, strolchiger, Paul

Paul ist von Montag bis Sonntag nahezu ausnahmslos das, was man einen braven Jungen nennt. Nur manchmal, an hohen Feiertagen, wenn Besuch da ist, er schlechte Laune hat oder er einfach Lust drauf hat, benimmt er sich wie ein Strolch. Ausgerechnet zum Besuch der Internetoma, die gestern leider wieder abgereist ist, hat er sich seinen bisher größten Streich erlaubt: er hat den Kinderwagen umgeschmissen, der gruseligerweise seinen kleinen Bruder beinhaltete. Zum Glück hat sich Moritz nichts weiter getan (außer einer Beule am Kopf), aber da man das bei so kleinen Babys ja nicht wissen kann, was genau passiert ist, waren wir zur Sicherheit mit ihm im Krankenhaus. Und so hat nun der kleine Moritz seinen ersten und hoffentlich letzten Paul-induzierten Krankenhausaufenthalt hinter sich. Es wurde geröntgt und geschallt und mitfühlend festgestellt: Wollen wir hoffen, dass das das Schlimmste sein wird, was ihm in seinem Leben passieren wird. 
Übrigens waren wir in dem Krankenhaus, von dem ich, als ich mit Paul dort war und vorzeitig nach Hause gehen wollte, den Auftrag bekommen hatte, mich nie wieder dort blicken zu lassen. Als ich meine Kinderärztin am Unglückstag anrief und sie empfahl, mich mit Moritz in dieses Krankenhaus zur Untersuchung zu begeben, bemerkte sie mein zögerliches Verhalten (ich nahm an, dass die Fernbleibeempfehlung für alle meine Kinder gilt) und versuchte mich doch tatsächlich damit zu überzeugen, den Schritt in die Höhle des Löwen dennoch zu wagen, indem sie mich darüber informierte, dass der Oberlöwe, der mir damals die Fernbleibeempfehlung erteilt hatte, inzwischen tot sei, ich mir also keine Sorgen zu machen bräuchte. Wir haben uns tatsächlich auf den Weg dorthin gemacht, die Internetoma, Moritz und ich und nach ein paar Untersuchungen durften wir auch gleich wieder nach Hause, mit Beobachtungs- aber diesmal ohne Fernbleibeempfehlung. Trotzalledem, lieber Paul, bliebe ich lieber fern. Also übertreib das bitte nicht mit dem Strolchen.

Dienstag, 6. März 2012

Morgen....

ist es also soweit. Da kommt die Internetoma ihre beiden Strolche besuchen. Und alle sind schon gespannt, vor allem die Internetoma und ich, wie Paul wohl reagieren wird. Moritz ist ja noch nicht so geübt im Reagieren. Wenn er einen guten Tag hat und sie mit hoher Stimme zu ihm redet, schmeißt er aber sicher ein Lächeln. Spannendender ist, was Paul sagt (nun ja, sagen ist vielleicht nicht das richtige Wort), wenn die Oma aus dem Computer plötzlich mal wieder live vor ihm steht. (Das letzte Mal ist 5 Monate her)
Mal sehen, ob die Faszination für ihre Ketten nachgelassen hat, ob er die Oma auf Echtheit überprüfen wird, indem er an ihr rumkneift (er zerknittert nämlich neuerdings immer Fotos und kuckt auf deren Rückseite nach, wo der Mensch weitergeht), oder ob er sich nachdenklich in eine Ecke verzieht und mit einem Lächeln wartet, bis sie pfeift, singt oder klatscht. Das macht sie nämlich immer auf dem Computerbildschirm. In echt sicher auch.