Freitag, 27. Juli 2012

Warten beim deutschen Medizinmann

Heute haben sich Paul und Moritz ihrem neuen Medizinmann in Regensburg vorgestellt. Paul fand ihn unsympathisch, was der Herr Doktor mit einem Plüschdelfin irgendwie retten wollte. Moritz hatte keine besondere Meinung zum Herrn Mediziner und ich, naja ich hatte Schweißausbrüche und wollte nur noch nach Hause.
Als ich ankam, wunderte ich mich schon, warum das Wartezimmer so leer war. Ich hatte zwar einen späten Termin (11.30 Uhr), aber in diesem Wartezimmer langweilte sich das Spielzeug schon eine Weile. Als wir fertig waren, hatte ich verstanden: Hier wurde das Prinzip "Lieber Patient gehen Sie doch bitte schon mal ins Sprechzimmer" angewandt. Das soll ja den Behandlungsvorgang beschleunigen, aber alles was das beschleunigt ist die Entwicklung meiner Wut. Abgesehen davon verlangsamt es die Wartezeit gefühlt um mehrere Stunden, denn man wartet nicht im Wartezimmer auf den Arzt (wo oben erwähntes gelangweiltes Spielzeug ebenfalls auf Kinder wartet), sondern in einem der sage und schreibe 5 Sprechzimmer, die der Arzt im Kreis durchmarschiert. Kinderarzt am Fließband sozusagen. Nur geflossen ist nichts so richtig, außer meinem Schweiß. Im Sprechzimmer musste ich dann nämlich noch genau 40 Minuten warten, sehr sehr lange 40 Minuten. Denn das Sprechzimmer war ganz und gar aufs Sprechen ausgelegt und nicht aufs Warten.
Während Moritz schlechte Laune bekam, weil sich bei ihm der kleine Hunger einstellte, bekam Paul gute Laune und ging auf Entdeckungstour. Er fühlte sich im Sprechzimmer wie bei Oma und Opa und verhielt sich auch so. Schublade auf, Schublade zu, Tür zum Flur auf, Tür zum Flur zu, auf den Stuhl raufklettern, runter vom Stuhl, Mülleimer auf, Mülleimer zu, Bücherregal inspizieren, Medikamentenschrank untersuchen, Computer, Arztsessel, Wasserhahn, ....so ging das immer im Kreis. Nichts davon hab ich ihm erlaubt, aber innerhalb dieser 40 Minuten Wartezeit sollten mir die pädagogischen Erfolge in diesem Zusammenhang versagt bleiben. 
Moritz wechselte immer zwischen Tragewanne und Wickeltisch. Aber als er auf dem Wickeltisch lag, hatte ich immer Panik, dass ich mich einen Meter zu weit weg bewege und genau dann der Arzt reinkommt, der mich anpfeift. Das wäre nicht der Start gewesen, den ich mir für uns gewünscht habe. Also hab ich zwischendurch auch noch Moritz herumgetragen und Paul im Sprechzimmer verfolgt. Versuche ihn auf dem Stuhl ruhig zu halten waren völlig zwecklos. Winden, Kreischen und sonstiges war die Folge. Und noch mehr Schweiß.
Irgendwann kam der Arzt. Er kuckte in Pauls Ohren, machte sich damit sofort unbeliebt, stellte noch zwei Fragen, erwähnte, dass Moritz ein Riesenbaby sei und wünschte mir viel Glück für die Eingewöhnung in Regensburg. Mir war in diesem Moment mehr nach Abgewöhnung. Wenn man über Pauls und Moritz' bisherige medizinische Betreuung vieles sagen kann, aber eins nicht, dass sie von viel Wartezeit geprägt war. Und vor allem nicht von Pseudowartezeit in Pseudowartezimmern. Da wäre daheim die Angst viel zu groß gewesen, dass ich es mir inzwischen anders überlege mit dem Arztbesuch und lieber den Laptop vom Arzttisch mit nach Hause nehme um mir zu Haus meine Krippentauglichkeitsbescheinigung selbst zu drucken, wegen der wir übrigens da waren. Ich will zu meinen Medizinfrauen. Mit oder ohne Arztlaptop.

Kultur fängt schon beim Spielen an

In nicht allzu ferner Zukunft werden Paul und Moritz hauptamtlich die deutschen Spielplätze unsicher machen. Dies ist eine einschneidende Veränderung in unser aller Leben, denn die moderne deutsche Spielplatzkultur unterscheidet sich wesentlich von der ungarischen. So wesentlich, dass ich befürchte meine Kinder müssen für die deutsche Version erst noch ausgerüstet werden. Das ist leider nicht nur eine Befürchtung, sondern nackte Realität. Meine Krippe hat mich verpflichtet Matschhosen zu besorgen.
Spielplätze, die was auf sich halten, haben in Deutschland eine Wassermatschanlage. Diese besteht vor allem aus Wasser und Sand und demzufolge gaaaaaaanz viel Matsch. Wenn die Anlage richtig professionell ist, dann gibt es Schleusen, Pumpen in Kinderhöhe und Matschbecken, in denen man sich bei richtigem Einsatz der Pumpe im Schlamm sühlen kann wie das ein modernes Kind eben macht und für seine gesunde Entwicklung offenbar braucht. Das "elementare Spiel mit Wasser und Sand", so heißt es, wird heute in Deutschland kultiviert durch Wassermatschanlagen, auf denen stundenlang Trinkwasser in Sandgruben fließt, um psychologischen oder körperlichen Schaden bei Tausenden von Stadtkindern zu verhindern, die sonst keine Möglichkeit haben, sich mal so richtig einzusauen. Und damit haben wir sie auch schon festgenagelt, die zwei wesentlichen Unterschiede zur ungarischen Spielplatzkultur: 1. Es gibt keine Matschanlagen. 2. Das Einsauen ist als elementares Bedürfnis wenig anerkannt und findet, falls überhaupt, im Geheimen statt. Paul und Moritz müssen ihn irgendwie schaffen, den Sprung zwischen den beiden Kulturen. Ich hoffe, sie bekommen dabei keinen psychologischen Schaden. 

Montag, 23. Juli 2012

Wer löffeln kann ist klar im Vorteil

Paul interessiert sich neuerdings für den Löffel. Ich sehe da eine enge Verbindung zu den Speisekammerbesuchen mit seinem Opa. Denn nachdem der Opa ihm gezeigt hat, dass man mit einem Löffel auch Honig pur essen kann, stelle ich eine gesteigerte Motivation im Bereich des selbstständigen Essens und speziell der Löffelei fest. Paul ist wohl klar geworden, welche Möglichkeiten ihm in den Speisekammern der Omas und Opas dieser Welt offen stünden, wenn er selbst löffeln könnte. Das Türen- und Gläseröffnen stellen auf dem Weg zum selbstständigen Honigkonsum ja schon lange kein Hindernis mehr dar - allein die klebrigen Hände.
Es ist allerdings zu beobachten, dass Paul seine Abneigung gegen schmutzige Hände - zumindest am Essenstisch - langsam ablegt. Er hat inzwischen festgestellt, dass man Essen an den Händen ablutschen kann, wenn es da festklebt - und bietet diese Möglichkeit mitunter auch anderen Essensteilnehmern an. Erst wenn Anwesende diese einmalige Gelegenheit ausschlagen, fordert er die Reinigung mit einer Serviette ein. Und wenn er sich gar nicht erst schmutzig machen will, versucht er es eben mit dem Löffel. 
Ein weiterer Grund für das gesteigerte Löffelinteresse ist die Verlangsamung der automatischen Löffelfrequenz auf Grund der Anwesenheit eines weiteren Fütterungskandidaten in diesem Hause. Die Löffel kommen Paul einfach nicht schnell genug und er hat wohl das Gefühl ab und zu selbst zum Löffel greifen zu müssen, um nicht vor vollem Teller zu verhungern (eine Taktik, die sicher auch schon früher zum Einsatz hätte kommen können). 
Zu guter Letzt will Paul sich ganz sicher nicht das Essen vom Löffel nehmen lassen von seinem kleinen Bruder, der mir schon jetzt ab und zu den vollen Löffel aus der Hand reißt um ihn sich unkontrolliert in den Rachen zu schieben. Und bald wird dem guten Paul wohl auch klar werden, wie wertvoll diese Fähigkeit ist, wenn er in zwei Wochen das erste Mal in der Krippe is(s)t.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Auf frischer Tat ertappt

Wenn meine Mutter sich an ihre Großeltern erinnert, dann erzählt sie hauptsächlich von ihrem strengen Opa und dass dort immer still gesessen werden musste und man als Kind artig und brav zu sein hatte- Kategorien von Kindern, die heute so gut wie ausgestorben sind. Ausgestorben auch, weil moderne Großeltern nicht mehr erziehen. Früher war Erziehung Gesellschaftsaufgabe. Es herrschte Einigkeit über Ideale und Vorstellungen und das Ideal vom artigen Kind war sicher nicht die Erfindung meines Urgroßvaters.
Heute ist Erziehung oftmals reine Elternsache (wer lässt sich schon gerne reinreden) und statt die Kinder zum Bravsein zu ermahnen, verbünden sich heute reihenweise Großeltern mit ihren Enkeln gegen die Eltern und führen das Kind lieber auf den Pfad der Versuchung, denn das macht ja auch viel mehr Spaß.
Das Ergebnis: Mein Sohn frühstückt neuerdings Honig direkt aus dem Glas und zum Nachtisch gibt es Kekse. Und weil die Mama sich darüber nicht freut, begeben sich der Budapester Opa und der Enkel neuerdings direkt in die Speisekammer, um dem Zorn der Mama zu entfliehen. Vorgestern hab ich sie aber erwischt, auf frischer Tat. Die Tat war so frisch, dass der Opa gerade dabei war, das Honigglas zuzuschrauben und P sich breit grinsend die Lippen schleckte. Mir fiel da gleich Tante Polly ein, die ihrem Tom den Hosenboden versohlt, weil er sich ein Marmeladenglas aus der Speisekammer klaut.
Ich hätte, wenn ich irgendwen hätte versohlen wollen, den Opa nehmen müssen. Denn heute werden den Enkeln nicht die Hosenböden versohlt, (weder von Tanten noch von Omas und Opas oder Mamas und Papas) wenn sie in die Speisekammer gehen, sondern sie werden an der Hand hineingeführt in die Süßigkeitenhöhle/hölle. In der Speisekammer haben sie dann die Wahl...Schokoriegel, Kekse, Honig, Marmelade, was das Herz begehrt. Und P's Herz begehrt. Mein Herzbegehren ist dabei weniger relevant. Aber vielleicht muss das auch so sein. Gespannt darf ich dann wohl sein, worin sich die deutsche Speisekammer von der ungarischen unterscheidet.

Nachtrag am 18.11.2014
Mittlerweile besuchen zwei von drei Kindern die Süßigkeitenhöhle.
Und hinterher erstatten Sie Bericht. Gut für mich. Unangenehm für den Opa. Insgesamt aber vor allem süß. In jeder Hinsicht.

Dienstag, 17. Juli 2012

Moritz ist einfach gerne wach

Wenn ich mich an diese ersten Monate mit Moritz zurückerinnern werde, werde ich eins wohl immer thematisieren und ich werde, wie sich das gehört, die Erinnerung von Jahr zu Jahr mit ein bisschen mehr Drama spicken: Moritz ist gerne wach. Gerade schien es besser zu werden, da hat Moritz beschlossen, er muss an Zahn fünf und sechs basteln, am liebsten in der Nacht. Schlaf gibts da nur in Häppchen und scheinbar im Gegensatz zu Moritz mag ich 4-Stunden-Häppchen lieber als stündliche.
Zur Zeit hört es sich noch ganz harmlos an, wenn ich darüber rede. Gerade habe ich wieder eine Nacht für beendet erklärt, weil ich alle 1 bis 2 Stunden aufgestanden bin und mir um 4.30 Uhr der Optimismus ausgegangen ist, nochmal einschlafen zu können. In spätestens einer halben Stunde wird er wieder wach sein, wahrscheinlich auch Paul wecken (der nicht ganz so gerne wach ist). Aber dann werde ich ihm einen Schritt voraus haben: Mich kann er nicht mehr wecken. Das nimmt total den Frust aus der Situation. Ich finde mich pfiffig.
Und genau diesen Frust packe ich dann in die Erinnerung, die ich an diese Nächte haben werde, hier eine Andeutung:
2012: Moritz ist nachts ganz schön oft wach. Er weint dann nicht immer, aber er schläft auch nicht. Er schläft gut ein, manchmal mit Weinen, manchmal ohne, aber er braucht wohl nicht so viel Schlaf wie Paul.
2017: Moritz war als Baby dauernd wach. Er hat dauernd geweint beim Einschlafen und viel weniger geschlafen als Paul.
2022: Moritz war ein Schreibaby. Er hat praktisch nie geschlafen. Nur an der Brust. Und Paul hat er auch dauernd wach gemacht.
2027: "Weißt du, was ich mit dir alles durchmachen musste? 12 Stunden Wehen und danach hast du monatelang nicht geschlafen! Meine Haare sind heute grau deswegen."
2035: "Überleg dir das mit dem Baby. Babys schreien. Du und dein Bruder, ihr habt als Babys nachts kein Auge zugemacht. Überlebt hab ich das nur, indem ich ab und zu die Tür zugemacht habe, um die Schreie besser ignorieren zu können."




Freitag, 13. Juli 2012

Schlaf in Sicht

Ich war ja schon kurz davor hier mal wieder Betriebsferien einzuläuten, denn Blogeinträge schreibe ich immer dann, wenn Paul und Moritz schlafen. Und in den letzten, vielleicht drei, Wochen (man neigt ja, was das angeht, leicht zu Übertreibungen, es kommt mir aber unheimlich lange vor) hat Moritz schlecht geschlafen und alle in der Familie mit ihm. Aber es scheint sich Besserung anzubahnen, was drei Gründe hat: 1. Moritz ist fertig mit Zahn Nummer drei und vier. 2. Diese Hitzeperiode ist endlich vorbei und wir haben kühle 28 Grad in der Wohnung. 3. Moritz schläft seit zwei Tagen auch auf dem Bauch. Wenn er sich nachts umdreht, dann schläft er also einfach weiter, statt rumzumeckern. Ich finde das klug und sympathisch. Paul auch. Er hat heute noch gar nicht gekreischt.
Letzte Nacht hat Moritz so gut geschlafen, dass Paul heute Vormittag richtig gute Laune hatte und anstatt ihn anzukreischen hat er sich ständig zu ihm auf die Spieldecke gelegt um sich von Moritz kitzeln zu lassen und mit ihm rumzukuscheln. Seine Liebe ging sogar so weit, dass er ihm in den Arm gebissen hat. Das macht er nur mit Leuten, die er richtig gern hat. Das Problem damit ist, dass das eigentlich nur die Budapester Oma gut findet und die auch nur solange es nicht weh tut. Moritz hatte auch schnell genug von dieser Form der Sympathiebekundung. 
Moritz' guter Schlaf sah übrigens so aus, dass er um 19 Uhr eingeschlafen ist, dann um 20.30 Uhr einmal kurz aufgewacht ist, ohne Paul zu wecken (also ohne Gekreische, jej) und dann erst wieder um 1.30 Uhr und gegen 5 Uhr. Das sind im Vergleich zu den letzten paar Wochen paradiesische Zustände. Viereinhalb Stunden am Stück zu schlafen, das war sowas von erholsam. Am liebsten hätt ich Moritz auch den ganzen Tag gebissen.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Paul entdeckt das CD-Regal. Mal wieder.

Unsere CD's stehen hier in einem Teil des Regals, das auch für die kleinsten Babys erreichbar ist, denn sie stehen praktisch auf Fußbodenhöhe und sobald man sich da irgendwie hinrobben kann, ist man am Ziel. Paul hat sich das erste Mal dafür interessiert sobald er über die Türschwelle zum Schlafzimmer robben konnte. Damals hatte er es sich ein paar Wochen zur Aufgabe gemacht jeden Tag mindestens einmal dafür zu sorgen, dass die CDs ihre Position verändern. So wie sie standen war es auf jeden Fall immer falsch. Irgendwann hat er dann aber das Interesse verloren und die CDs und wir hatten unsere Ruhe.
Zur Zeit entdeckt er sie neu. Mittlerweile weiß der gute Junge über die Funktion der Scheiben und nachdem er hier neuerdings die Musik bestimmt, kam er gestern endlich auf die Idee, sich für eine andere CD als Mozart's Finest zu interessieren. Ich stand in der Küche und Paul kam plötzlich ganz aufgeregt mit einer CD aus dem Schlafzimmer. "Mach rein" sagte er. "Jetzt gleich!" Natürlich sagte er das alles immernoch in einem Wort ("äh!"), denn Pauls aktives Vokabular hat sich noch nicht erweitert. Aber ich habe seine ähs zu unterscheiden gelernt. Na und was hat der Junge mir angeschleppt? Sub Bass Monster, Genau 30 Sekunden hat er sich den ungarischen HipHop angehört, bis ein neues äh kam, welches ebenso eindeutig war: "Mach aus den Mist, ich hol was Neues!" Danach verschwand er schnell im Schlafzimmer und kam mit einer neuen CD an: Nylon. Das war zwar etwas ruhiger, aber gefallen hat es ihm auch nicht. Sein äh diesmal sagte: "Hmmm. Das is ja schnarchig. Warte mal." Und er verschwand. Danach kam er gleich mit zwei CDs an, aber leider mit Daten-CDs. Den Unterschied hab ich ihm fix erklären wollen, aber Paul hatte keine Zeit für lange Erklärungen und verschwand. Zum CD-Regal. Er holte mir einfach ne neue CD. Jetzt kam er mit "Berühmte Ouvertüren" aufgenommen von den Londoner Philharmonikern. Steht direkt neben dem ungarischen HipHop. Die Zauberflöte erklang ca. 50 Sekunden. Dann wurde sie durch ein "äh" und eine nicht mehr spielende  Wir sind Helden - Die Reklamation's CD abgelöst. Im Anschluss brachter er mir Sofaplanet. Nach gefühlten 5 Sekunden kreischte Paul: "Das is ja noch nerviger als der ungarische HipHop am Anfang. Sag mal, habt ihr nix Ordentliches?"  Na gut, er hat nur äh gesagt, aber das war ein sehr genervtes äh. Danach artete das Spiel aus und Paul brachte mir ganze CD-Stapel in die Küche. Er hatte sich offenbar vorgenommen, unser CD-Regal einmal komplett anzuspielen. ('Da muss doch irgendwas Hörbares dabei sein!' - äh) Als ich mich uneinsichtig zeigte, kam ein lautes energisches äh welches zum Abbruch des Spiels und einem langgezogen ähhhhhhhh mit Pseudotränen führte. Da hab ich mir ja ein schönes Ei gelegt.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Auch der schönste Urlaub ist irgendwann zu Ende

Noch knapp drei Wochen, dann ist sie vorbei die wunderschöne Zeit, der Geburtsurlaub, wie er hier so schön heißt. Elternzeit ade, es tut schon jetzt ein bisschen weh. Aber nicht genug, um gleich noch ein Kind hinterher zu schieben. Eben lag der erste noch in den Windeln (...liegt er übrigens immernoch, aber inzwischen läuft er ja auch schon), da muss ich über einen Kindergartenplatz nachdenken. Nochmal kurz nachrechnen....nein, Paul ist noch nicht drei. So schnell vergeht die Zeit doch nicht. Aber in Deutschland muss man weit im Voraus planen, wenn man sein Kind betreut haben will.
Im März hab ich zwei Krippenplätze für Paul und Moritz organisiert, vorausschauend, wie ich dachte. Die Krippenchefinnen (ich habe mit keinem einzigen Mann telefoniert in diesem Zusammenhang) dachten anders. Ich komme viel zu spät, wenn ich im gleichen Jahr noch einen Platz wolle. Für September 2013 könnte ich zwei Wartelistenplätze haben, aber für diesen September, da komme ich ja viiiiiel zu spät. Einen Platz auf der Warteliste hätte ich in jeder Krippe bekommen, ein kleines Trostbonbon sozusagen. Wartelistenplätze gibts an jeder Ecke. Ich wollte lieber einen Krippenplatz, stehe ja schon jobtechnisch auf der Warteliste zur Zeit, das reicht. Zu meiner Überraschung sind wir dann doch ganz ohne Warteliste ausgekommen, im richtigen Moment am richtigen Ort hab ich zwei Plätze in einer neu eröffneten Krippe bekommen. Und in knapp drei Wochen geht es los. Da fängt sie an, die Eingewöhnung. "Früher haben die da nicht soviel Trara gemacht", sagt die Oma. "Wir mussten euch abgeben, mit zehn Paar Strumpfhosen und zehn Paar Schlüpfern (für das berühmt-berüchtigte Töpfchentraining) und dann war gut." Heute ist das ein bisschen anders. Als ich neulich in der Krippe war zum Absprechen der Termine, da wurde ich darüber informiert, dass man heute gerne ein bisschen Trara macht. Drei Wochen lang eingewöhnen und dann, naja, dann wäre auch nicht sicher, ob das klappt, sie hätten auch Kinder, die hätten acht Wochen eingewöhnt. Meine Augen wurden immer größer und ich habe bis heute nicht verstanden, was die Dame damit meinte: Soll ich dann acht Wochen lang mit meinen Söhnen in die Krippe gehen? Ich denke das würde doch sogar die Kapazität des Wortes Trara überschreiten. Ich habe lieber nicht nachgefragt.
Paul und Moritz haben sich beim ersten Besuch in der Krippe sehr wohl gefühlt. Jeder Raum hatte mindestens drei Türen genau auf Pauls Höhe und er durfte nach Herzenslust die Türklinken bewegen und alle schauten zu. Moritz hat sich ins Spiegelhäuschen gelegt (ein kleines Häuschen mit ein paar Spiegeln an der Innendecke) und sich von den weiblichen Kommilitoninnen - oder wie heißen die, Krippenpartnerinnen, Kameradinnen, Verbündete - bekucken lassen. Als ich los wollte, machte Paul Theater. Ihm war nicht bewusst, dass er ein modernes Kind ist, das sich mit der Eingewöhnung schwer tun soll. Er hatte sich aus Versehen schon in einer Stunde mit der Einrichtung angefreundet. Und wenn er sich dann so richtig eingewöhnt hat, dann kann er schon mal anfangen sich alles wieder abzugewöhnen, denn dann fängt die Eingewöhnung im Kindergarten an, für die ich im Moment Trostbonbons sammele. Am schlimmsten wird die Eingewöhnung wohl für mich. Die Umstellung von Urlaub auf Arbeit ist immer eine der schwierigsten.

Montag, 9. Juli 2012

Alles andere ist nur Krach

Wenn Kinder Musik entdecken, sind sie am Anfang nicht sehr wählerisch. Paul jedenfalls nicht. Er ist als Baby wenig mit Musik in Berührung gekommen, weil wir kein Radio hören, die meisten meiner CDs uralt sind und unsortiert irgendwo rumliegen und ich auf dem Computer auch nur selten mal hier und da ein Lied höre. Als Paul dann doch irgendwann die Musik für sich entdeckte, saugte er alles in sich auf und machte keine großen Unterschiede. Sein Motto: Hauptsache es dudelt. Gerne auch an zwei, drei Stellen gleichzeitig. Paul kombinierte deshalb bisher sehr gerne Schubert im CD-Spieler mit den Melodien unserer zwei Spieluhren und dem musikalischen Softwürfel von Ravensburger (das ist so ein Würfel, der auf jeder Seite eine andere Melodie spielt). Deshalb war ich bislang davon überzeugt, dass Paul wohl nie eine Dur- von einer Molltonleiter unterscheiden können wird. 
Das hat sich vor kurzem geändert. Paul hat sich inzwischen durch verschiedene Musikgenres gehört, alles bunt durcheinander. Aber seit einer Woche hat er sich seine Meinung gebildet. Alles Schrott. Wenn Musik, dann bitte Mozart. Jede andere Musik wird überhaupt nicht als solche erkannt. Erst wenn Mozart im CD-Spieler läuft, dann hat man nach Pauls Verständnis Musik reingelegt. Allet andere is nur Krach. Das geht sogar soweit, dass er am Wochenende das Beenden seiner Mahlzeit vom Konzert für Flöte und Harfe K299 in C abhängig gemacht hat.
In der Familie sind die Kommentare zu diesem Thema verschieden: Der Papa sagt: "Oh-oh, den müssen wir wohl doch aufs Konservatorium schicken." Die Oma sagt: "Na dann spart schon mal auf ne Geige!" Und ich sage: "Hauptsache nicht zusammen mit den Spieluhren und dem Musikwürfel." Da fängt nämlich der Krach für mich an.

Freitag, 6. Juli 2012

Paul wird eine Persönlichkeit

Nach ein paar Tagen Gekreische von Paul (sh. Blogeintrag  "Armer Moritz") habe ich inzwischen bemerkt, dass der Konflikt tiefer geht als das oberflächliche Schlafproblem. Nach reiflicher Beobachtung habe ich festgestellt, es gibt eine einfache Erklärung für sein Verhalten: Paul ist eifersüchtig. 
Ich bin schon oft danach gefragt worden, ob ich denn keine Probleme mit Eifersucht hätte, hab aber immer ehrlich verneint. Denn sowas gab es hier nicht. Diese schönen Zeiten sind jetzt scheinbar vorbei. Paul ist nun eindeutig eifersüchtig und ich muss mich auch noch darüber freuen, denn das heißt, dass er einen sehr wichtigen Schritt in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung gemacht hat. Denn eifersüchtig sein kann nur, wer sich selbst als Persönlichkeit wahrnimmt. Meine Freude hält sich allerdings in Grenzen. Ist ja auch kein Wunder. Pauls neue Persönlichkeit wirkt sich in Schreien und Schlägen für seinen kleinen Bruder aus. Und bisher kann der sich noch so schlecht verteidigen. Aber nicht mehr lange, Paul. Nicht mehr lange. Bis dahin sei mir nicht böse, wenn ich mich über deinen neuesten Entwicklungsschritt ganz leise freue und deinen kleinen Bruder vorerst ein bisschen bemitleide.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Armer Moritz

Morgen ist unser kleiner süßer Moritz ein halbes Jahr alt. Kann ich noch gar nicht richtig glauben, aber wenn ich mal wieder Probleme habe damit, dann schau ich einfach genau hin, dann weiß ich wieder Bescheid: 74 cm und 9,5 kg. Dauert nicht mehr lang, dann hat er Pauls Kleidergröße.
Pünktlich zum halbjährlichen Geburtstag, allerdings weniger pünktlich zur ärztlichen Untersuchung letzte Woche, dreht sich Moritz neuerdings hin und her und um. Zu unser aller Freude übt er am liebsten nachts und hält uns wach. Ich komme damit klar. Aber Paul - der hat so seine Schwierigkeiten mit Moritz' Übungssystem. Moritz übt nämlich laut. Er versucht und versucht und versucht und macht dabei angestrengte, jammernde oder auch weinende Geräusche, je nachdem wie schwer ihm die Übung gerade fällt. Paul jedoch, der will nachts eigentlich nichts üben. Der will schlafen. Und so kommt es, dass die Nächte derzeit sehr kurz und die Tage seeeehr lang sind. Moritz pennt wann er will. Aber Pauls Schlaf hängt zur Zeit von Moritz' Übungsdrang ab. Und so müsste der Artikel denn eigentlich "Armer Paul" heißen, könnte man meinen. Aber Paul hat's nicht so mit Mitleid. Er verteidigt sich einfach. Seine Strategie im Umgang mit Moritz' Jammern, Weinen, Schluchzen u.ä. heißt Anschreien. Seit ein paar Tagen geht er, wenn Moritz eine der vorgenannten Lautäußerungen von sich gibt, zu ihm hin und kreischt ihm direkt ins Gesicht. Will sagen: "Halt endlich den Mund". Ich könnte drastischer übersetzen. Mach ich aber nicht. Mein Junge ist wohlerzogen. Auf jeden Fall hab ich das Gefühl, dass es heute schon gewirkt hat. Moritz wurde die letzten Tage bei nahezu jedem Geräusch angeschrien. Heute war er schon viel stiller. Armer Moritz.

Montag, 2. Juli 2012

Woran das Herz manchmal hängt

Manchmal wundert man sich, woran das eigene Kind sein Herz so hängt und wie sehr das Herz hängt, wenn selbiges Kind auf plötzlich unerklärliche Weise streikt, schreit, mit den Füßen stampft oder einfach zusammenbricht, nervlich. Das Wundern hört nicht auf, wenn man dann die Erklärung findet. Deshalb ist es besser, man schreibt sowas auf, damit man es dem Kind später im passenden Moment unter die Nase reiben kann.
Neulich habe ich Paul nach dem Mittagsschlaf ganz leise aus dem Kinderzimmer geholt um Moritz nicht zu wecken. Paul hat sofort ein bisschen protestiert und nach einer Weile immer energischer. Ich dachte, es wäre wegen Moritz und hab ihn immerzu ermahnt, er müsse noch ein bisschen schlafen und wir müssten deswegen leise sein. Je mehr ich ihn ermahnte, desto lauter wurde sein Protest. Bis er sich auf den Boden warf und weinte, sich herumrollte und mir immer wieder signalisierte, er muss unbedingt zurück ins Kinderzimmer, sein Leben hinge davon ab. Ich gab nach. Ich dachte, er bräuchte vielleicht seine Wasserflasche, denn von Wasser hängt das Leben ja tatsächlich ab. Wie naiv von mir. Als ich die Tür geöffnet hatte, stürmte Paul geradewegs zu seinem Bett und fischte einen Plastiklöffel raus, von dem er sich nach dem Mittagessen nicht hatte verabschieden können und ihn deshalb mit ins Bett genommen hatte. Mir war nicht klar, wie nahe sie sich inzwischen standen, Paul und der Plastiklöffel.  Denn danach war alles gut und Moritz durfte weiter schlafen.
Gestern, als wir vom Einkaufen zurückkamen, half Paul beim Auspacken und fischte sich aus einem Beutel eine Tüte Sardellenpaste. Damit spielte er eine ganze Weile rum, bis Papa sie unter lautem Protest in den Kühlschrank legte. Dann folgte das Mittagessen und der Mittagsschlaf. Nachmittags stand Paul so in der Küche rum und ich nahm mir einen Kaffee aus dem Kühlschrank, nichts ahnend von der engen Bindung, die unser Sohn am Vormittag mit der Sardellenpaste eingegangen war. Er stürmte zum Kühlschrank und wie immer hörte er ein energisches NEIN, als er die Tür aufmachen wollte. Und wie immer machte er sie trotzdem auf. Dann zog ich ihn wie immer vom Kühlschrank weg, worauf Paul zusammmenbrach. Er weinte, er stampfte, er ließ seiner Wut freien Lauf. Und der Papa und ich kuckten uns nur an und verstanden nicht, was los war. Bis Paul zu schnell für ein Eingreifen ein zweites Mal den Kühlschrank erreichte, öffnete, zielstrebig die Sardellenpaste aus dem Kühlschrank fischte und erleichtert seufzte, als hätte er einen alten Freund wieder gefunden.