Mittwoch, 22. August 2012

Sohn verkauft

Heute habe ich meinen großen Sohn verkauft, für die ganze Nacht. Und das Ergebnis: Ich hab weder von dem einen noch dem anderen bisher einen Ton gehört. Nun, in anderen Familien mag das um halb sieben normal erscheinen, aber hier wird früh wach gelebt. Paul hat heute Nacht bei Oma und Opa geschlafen, das erste Mal, dass er woanders schläft als seine liebe Mama, also ich. Es sind nämlich, seit wir wieder hier sind, wieder mal 38 Grad am Tag und 30 in der Nacht. So macht das Schlafen keinen richtigen Spaß, schon gar nicht, wenn man auch noch Schnupfen hat. Ich bin schon gespannt, ob Paul unten besser geschlafen hat. Moritz hat jedenfalls bisher sehr gut gepennt. Am liebsten hätte ich Moritz auch runter geschickt, aber dann müsste ich zum Stillen nachts immer die Treppe runter. Und wenn ich auch runtergezogen wäre, dann wär es nicht mehr ganz so von Vorteil gewesen (zu dritt in einem Zimmer) für keinen von uns. Also bin ich mit dem Knopf hiergeblieben. Und der Knopf genießt die Ruhe. Beim Einschlafen hat der große Bruder allerdings gefehlt, glaub ich. Der kreischt ihn immer so schön in den Schlaf. Das hat Moritz dann gestern übernommen. Mal sehen, wann Oma und Opa mir meinen Sohn wiedergeben, wenn ich nichts mache.

Freitag, 17. August 2012

Babybrei statt Mensaessen für Moritz

Gestern früh hab ich an Moritz mal wieder mein Babykochbuch ausprobiert. Zur Zeit koche ich ja früh halb sechs, bevor die Kinderlein wach sind, und nehm dann den Brei für Moritz mit in die Krippe. Das mag ein wenig pervers erscheinen. Mein Mann meinte nur, es erscheint ungarisch...aber das tut es, weil das in vielen ungarischen Krippen ja auch so organisiert ist (übrigens auch in manchen deutschen), dass man den Kindern Essen mitbringt. In unserer Krippe ist das keinesfalls so, aber ich hab mich in der ersten Woche so erschrocken, als mir Vorschläge für die Ernährung von Moritz gemacht wurden, dass ich das morgendliche Breikochen für die bessere Lösung halte. Wenn ich dann anfange zu arbeiten, muss ich entweder um 4 aufstehen oder Moritz muss ganz schnell zum Kleinkind werden, mal sehen wozu die Energie reicht. 
Über wenig gibt es ja so viele verschiedene Theorien wie Babyernährung, deswegen traue ich mich auch gar nicht mehr, meine Weisheiten an den Mann zu bringen. Wenn es um das Thema geht, bin ich immer ganz vorsichtig, nicke und sage nur "Ja, das macht eben jeder so, wie er es für richtig hält". Und im stillen denke ich "Mann, aber das is doch Schrott, wie du das machst". Geht schon los damit, dass Brei ja furchtbar out ist. Babys bekommen kein Gefühl für die Nahrung, sondern schlucken nur sinnlos runter. Aber diese kein-Brei-Theorie, das vergessen viele, basiert darauf, dass man sein Kind bis zum Exzess stillt und dann im ganzen ersten Jahr nur hier und da was kosten lässt. Ich bin ja fürs Stillen, echt. Aber das hätte selbst echt nicht drauf. Und Moritz hat Hunger. 
In der Krippe wurde mir jedenfalls am ersten Tag ein Gläschen serviert mit irgendwelcher Pasta und Tomaten. Auf Nachfrage, was das sei, kam "Ich hab gar nicht draufgeschaut, tut mir leid." Pasta und Tomaten stehen bei Moritz noch nicht auf dem Speiseplan. Tomaten, darauf reagiert selbst Paul noch und Pastajunkies werden die Kinder von alleine, das gehört nicht in die Frühförderung. Aber das war nicht so ein großes Drama, falls ich jetzt hier irgendwie extremistisch rüberkomme. Das Drama fing an, als ich kritisch wurde gegenüber den Gläschen (Ich hab nichts gegen Babygläschen, aber ich habe angemerkt, dass Moritz vielleicht nichts Selbstgekochtes mehr isst nachher, wenn er jetzt fünf Mal die Woche Gläschen isst - da ist ja doch immer wieder dasselbe drin). Dann wurde mir nämlich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen angeboten, das Essen, was die anderen Kinder essen, zu pürieren für Moritz. Hier mal der theoretische Speiseplan für Moritz' erste Krippenwoche (Link), bitte püriert vorstellen.
Montag: Rigatoni mit Tomatensauce
Dienstag: Frischer Kartoffelauflauf mit Schinken (ich weiß gar nicht, warum man da frisch dazuschreiben muss, das hoffe ich doch, dass das immer frisch is)
Mittwoch: Fischstäbchen mit Salzkartoffeln und Remoulade
Donnerstag: Putengeschnetzeltes mit Rahmsauce und Mischgemüse (übrigens nicht frisch, sondern Konserve)
Freitag: Rührei mit Bratkartoffeln und zum Nachtisch Cornflakes mit Milch

Hmmm. Nicht ganz meine Vorstellung von altersgemäßer Ernährung für ein Baby von sieben Monaten. Um ehrlich zu sein, finde ich das Essen auch für Paul unangebracht. Aber dagegen kann ich wohl nichts machen. Und außerdem sind die selbst zubereiteten Zwischenmahlzeiten in der Krippe sehr lecker, frisch und gesund. Moritz bekommt aber seinen Brei und n Schluck Milch in die Tasche. Gestern gabs Couscousbrei, sehr zu empfehlen.

  
 Hokkaido-Kürbis, Möhrensaft, Couscous und Tahin. Sehr lecker. Rezept aus meinem Lieblingsbabykochbuch, siehe Link.

Donnerstag, 16. August 2012

Wackel-Dackel und Wickelstuhl

Zur Zeit hab ich zwei Wackeldackel im Haus. Moritz hat vor ein paar Tagen angefangen vermehrt mit dem Kopf zu wackeln, vor allem wenn er auf dem Bauch liegt. Das scheint ihn irgendwie zu entspannen und vor allem findet er's wohl furchtbar lustig. Einer, der das noch viel lustiger findet, ist Paul. Was Moritz kann, kann ich schon lange, denkt er sich und läuft immerzu mit dem Kopf wackelnd durch die Bude. Am meisten Spaß macht es ihm allerdings sich vor Moritz hinzusetzen und dort so lange mit dem Kopf zu wackeln, bis Moritz das auch macht. Ich hab mich über meine Wackeldackel die letzten Tage so königlich amüsiert, dass ich auch gleich mitgemacht habe. Die Suchmaschine hat mir aber gerade den Spaß verdorben, weil da geschrieben steht (wo, da bin ich jetzt zu faul zum verlinken), dass die Kopfwackelei das ganze Kleinkindalter über gehen kann und man das lieber nicht verstärken soll. Wenn das so funktioniert wie bei Paul mit dem Kreischen (von Oma und Opa in jungen Monaten exzessiv gefördert), dann wird Wackeln jetzt für unlustig erklärt und ab sofort herrscht hier Wackelverbot. Vielleicht ist es ja noch nicht zu spät.
Moritz hat neben dem Kopfwackeln zwei weitere neue Fähigkeiten, mit denen ich nicht hinter dem Berg halten will (oder vielleicht lieber doch?) Die eine ist ganz praktisch, vor allem für ihn selbst, er hat angefangen mit den ersten Versuchen der Fortbewegung, derzeit noch hauptsächlich im Kreis und rückwärts robbend, aber jeder fängt mal klein an. Die zweite ist weniger praktisch und vielleicht auch keine besondere Fähigkeit, eher eine unangenehme Angewohnheit: Moritz macht neuerdings regelmäßig seinen Stuhl auf den Tisch, den Wickeltisch um genau zu sein. Vielleicht hat er die Nase voll von der Windel und will mir damit sagen, dass es Zeit ist fürs Töpfchentraining? Die Krippe scheint bei meinen Kindern für ziemlich krasse Entwicklungssprünge zu sorgen. Paul löffelt ja inzwischen auch, und zwar exakt seitdem er in der Krippe neben Moritz der einzige ist, der gefüttert wird. Das ist ihm dann wohl doch zu doof.
 

Dienstag, 14. August 2012

Zeiträuber und Gesprächsbedarf

Die Tage sind kurz in unserer neuen Heimat. Oder lang. Das kommt darauf an, wie man das so sehen möchte. Viele Aufgaben und wenig Luftholen. Verschiedenste Zeiträuber, wie Schlüsseldienstabzocker, Mietvertragsenten und im unteren Engagementbereich arbeitende Hausverwaltungen, sind zur Zeit hier am Werk - und dann wurde nach fünf Tagen Eingewöhnung auch noch das Kind krank. Zu allem Unglück is noch nich ma n Opa in der Nähe, der ab und zu mit dem Honiglöffel kommt. Ich bin ja für Honiglöffel zu streng. Krank war übrigens Paul, er hat schnell und professionell angefangen mit der immunologischen Schulung, wie unser neuer Medizinmann formuliert hat, (wir haben uns, weil der erste in Urlaub war, gleich mal in die Vertretungspraxis verliebt - Gummibärchen für Paul und Moritz rumtragende Arzthelferinnen für mich) und hat sich ne eitrige Rachenentzündung ranorganisiert. Bis auf die Spuckattacke nach Medikamenteneinnahme am zweiten Tag war aber alles ganz unproblematisch. Nur war die Eingewöhnung eben erstmal für uns beendet.
Gestern waren wir wieder da und entgegen meinen Erwartungen mussten wir nicht wieder neu eingewöhnen. Unser eingewöhnter Status war uns allen erhalten geblieben. Ich glaube, das liegt aber eher an mir als an den Kindern, denn ich wurde praktisch sofort nach Hause geschickt. Da ich noch Gesprächsbedarf hatte, ignorierte ich das erste Schicken geflissentlich und erzählte einfach weiter, wie ich mir wünschen würde, dass sie dem Moritz doch bitte sein Fläschchen geben sollten, auch wenn es kompliziert ist, weil er doch seine Milch braucht. Mein pädagogisches 18jähriges Gegenüber nickte immer und schoss zwischendurch immer mal wieder ein "Sie können dann auch ruhig gehen" raus. Meinen Gesprächsbedarf sollte ich wohl versuchen in Zukunft woanders zu stillen. Hab ich dann auch gemacht. Später hab ich das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus angerufen, um zu fragen, wann ich denn endlich meinen Referendariatsplatz zugeteilt bekomme. Immerhin soll ich ja in vier Wochen anfangen. Das Gespräch war zwar weniger einseitig, wurde aber ähnlich beendet und war noch weniger fruchtbar als das erste. Ich übe mich also weiterhin in Geduld, in jeder Hinsicht. Heute übe ich mich allerdings in meiner vielen Freizeit erstmal im Schwimmen.

Dienstag, 7. August 2012

Wir sind eingewöhnt - ich muss jetzt gehen.


Heute ist ein großer Tag für uns alle. Nachdem ich nun so lange über das Trara bei der Krippeneingewöhnung hergezogen bin, muss ich feststellen, dass selbiges sehr erfolgreich war für die Jungs. Ich allerdings fühl mich schrecklich, denn für mich bedeutet das, dass ich heute das erste Mal die Krippe verlassen muss. Dabei war ich doch gerade so schon eingewöhnt.

Morgens ein bisschen Brei kochen, mit den Kindern frühstücken, Tasche packen, Kinder packen und ab in die Krippe. Dort die Kinder auspacken und von strahlenden Kindern mit Rufen begrüßt werden (sie haben zwar immer nur "Hallo P" gerufen, aber er hat eben die blaueren Augen). Danach ein gemütliches Plätzchen in der Ecke suchen und mit den Krippentanten klönen (kostenlose und kostbare Bayerischstunden). Ab und zu ein Türmchen bauen, einen kuschelbedürftigen P zurück zum Spielen schicken und zur Zwischenmahlzeit einen frisch gebrühten Kaffee serviert bekommen.

Während die Kinder draußen sind, von 9.30 Uhr bis 11 Uhr, gemütlich in die Kuschelecke der Turnhalle mit einem Buch zurückziehen und im nicht eintretenden Notfall zur Verfügung stehen. Dann noch ein bisschen in Spielzeugkatalogen blättern und ein Schwätzchen mit einer Eingewöhnungskameradin aus Straubing halten (kostenlose und kostbare Bayerischstunde Nummer zwei). Mir beim Mittagessen um den Bart gehen lassen, wie schön P isst und wie schön M beim Essen einschläft und dann die Kinder einpacken, nach Hause, ins Bett schmeißen und zwei Stunden Mittagsruhe. So schön war die Zeit.

Heute soll die schöne Zeit der Eingewöhnung nun vorbei sein. "Morgen können Sie dann ruhig gehen!", hat man mir gestern gesagt. Und obwohl ich das die ganze Zeit wollte, weiß ich jetzt gar nicht, ob ich gehen will. Ich könnte das jetzt auf den guten Kaffee schieben und auf die gemütlichen Sitzecken. Aber in Wirklichkeit hab ich wohl mehr Probleme mit dem Loslassen als die Kinder. Und deswegen mache ich mir Sorgen, was ich wohl mit meiner neu gewonnenen Zeit anfangen werde. Mich heimlich in der Turnhalle verstecken? Es könnte ja doch ein Notfall eintreten. Oder soll ich immer um den Block laufen? Nach Hause gehen, einen Kaffee trinken, auf die Uhr kucken ("wie macht die Uhr P?") und dem Zeiger beim Bewegen zuschauen? Komisches Gefühl, dieses Eingewöhntsein.