Samstag, 29. September 2012

Drei Kinder passen nicht in einen Fahrradanhänger

Jetzt hab ich die ersten zwei Wochen als berufstätige Mutter hinter mir. Ich schaffe es mittlerweile locker das Haus ohne Kinderspuren auf dem Pulli zu verlassen und ich habe auch die Jungs noch nicht in der Krippe vergessen. Meine Eindrücke der letzten zwei Wochen lassen sich aber trotzdem in einem Satz zusammenfassen: "Lieber noch n drittes Kind, ey." Aber bevor es jetzt hier noch zu Nachfragen kommt, das soll keine Schwangerschaftsverkündung sein.

Referendariat macht man nicht mit Kind hat man mir gesagt. Ich kann das gar nicht bestätigen. Das ist doch perfekt auf Mütter ausgerichtet. Stundenpläne werden so häufig wie möglich variiert für mehr Chaos, denn Mütter sind Chaos ja gewöhnt. Referendare lässt man möglichst viel im Lehrerzimmer warten auf Fachlehreraudienzen - nichts Neues, denn als Mutter kennt man das Warten ja schon aus der Schwangerschaft und auch sonst ist man eigentlich darauf trainiert, seine eigenen Bedürfnisse warten zu lassen. Man legt die Pflichtseminare möglichst in die Mittagspausen, damit die Referendare nicht das gute Schulessen wegessen - Mahlzeitenausfall auf Grund von Arbeit ist auch nichts Neues für Mütter. Außerdem lädt man zu Coachingseminaren in Hotels und Restaurants, denn Mütter schlafen gern mal außerhalb, dann können sie wenigstens mal schlafen. Und man erwartet, dass Unterricht nachts vorbereitet wird. Kein Problem für Mütter von kleinen Kindern - da schlafen die ja eh nicht. Das schönste am Referendarsein - man darf sich nicht beschweren, denn man arbeitet ja noch nicht mal richtig, die paar Stunden. Nicht beschweren, auch eine Sache, die man als Mutter früh übt.

Und so beschwere ich mich auch nicht, sondern versuche, auch weiterhin mit sauberem Pulli in die Schule zu gehen, die Kinder nicht in der Krippe zu vergessen, P morgens die Hausschuhe aus- und die Straßenschuhe anzuziehen (das ist schon einmal schief gegangen), zwischen 12 und 14 Uhr immer an meine Sporteinheit zu denken (nach Hause radeln, Milch pumpen, ins Gefrierfach schleudern und zurückfahren), am Wochenende das Mittagessen für M nicht vergessen vorzukochen (damit er keine gehäxelten Bratkartoffeln und Rührei essen muss) und allen voran die engagierte, aber nicht überforderte Referendarin zu spielen. Mal sehen wie lange mir das gelingt. Drei Kinder passen schließlich nicht mehr in einen Fahrradanhänger.

So geht das

Als ich neulich von Moritz' Entwicklungsschritten geschrieben habe, habe ich vergessen zu erwähnen, dass er diese nicht allein macht. Moritz macht mittlerweile eigentlich überhaupt nichts mehr allein. Denn Paul hat seinen kleinen Bruder für sich entdeckt. 
Man hat mir gesagt, dass bei Moritz alles viel schneller gehen wird, weil er den großen Bruder zum Vorbild hat und sich deswegen viel schneller entwickeln wird, das wäre fast immer so. Und darauf haben wir hier auch gewartet. Nun, entweder gehören wir zu der Gruppe fast oder irgendjemand hat auch Paul von dieser Theorie erzählt und er wird deswegen langsam ungeduldig. Vielleicht auch weil sein Größenvorsprung nur noch minimal ist. Auf jeden Fall robbt hier zur Zeit nicht nur Moritz durch die Gegend, sondern auch Paul. Immer wenn Moritz irgendwo hin will, dann legt sich Paul daneben und zeigt ihm wie's geht. Und wenn er dann nicht beeindruckt ist, dann robbt er zurück in seine Richtung und legt sich einfach eine Runde auf ihn drauf. Ob das hilft?

Montag, 24. September 2012

Vier bis fünf Neuigkeiten

Als Moritz zur Welt kam, hab ich mich gewundert, dass er nicht ganz so frenetisch gefeiert wurde wie unser erster Sohn Paul. Ich war mir sicher, dass ich bei jedem seiner neuen Zähne, bei jeder neuen Stuhlfarbe seinerseits genauso aufgeregt und emotional sein würde wie bei Paul. Wie kann man denn nur so pragmatisch sein, dachte ich. Das erste Kind ist ein so großes Wunder für alle und dann kommt das zweite und es ist, als hätte man nie was anderes gemacht als Kinder zu bekommen, und das ist ja wohl das Normalste auf der Welt. Da muss man ja nicht so aufgeregt sein.
Der Blog, so gerne ich auch in alten Beiträgen stöbere, führt mir, wenn ich es will, jeden Tag vor Augen, dass ich inzwischen, so sehr ich mich auch dagegen sträube, eine Meisterin eben jenes Pragmatismus geworden bin. Allerdings, so bilde ich mir ein, um mich irgendwie zu retten, mache ich da keine Unterschiede zwischen den beiden Jungs. Mein Interesse hat sich tatsächlich ein wenig verschoben und Stuhlfarben stehen inzwischen weiter hinten auf der Liste, ebenso wie Anzahl und Durchbruchszeitpunkt der Zähne.
Aber der Vollständigkeit und Gerechtigkeit halber möchte ich hier nun doch ein paar Neuigkeiten für Moritz festhalten: 1. Moritz ist nun 8 Monate und fast 3 Wochen alt, hat 8 Zähne und arbeitet an Nummer neun und zehn. 2. Moritz benutzt selbige neuerdings zum Essen von Brot und ist damit um einiges schneller als sein großer Bruder, der dafür auf Backenzähne bestanden hat. 3. Wenn Leberwurst auf dem Brot ist, dann kaut er um so intensiver. 4. Moritz robbt sich seit 2 Wochen durch die Gegend und macht dabei keine Unterschiede im Untergrund. Er zieht sich über Gras, Fliesen, Teppich, Holzböden und alles was sonst nicht wegrutscht. Und zu guter Letzt und 5. sei noch erwähnt - und das ist ein sehr wichtiger Höhepunkt in unser aller Leben, dass Moritz vorgestern Nacht, in der Nacht vom 22. auf den 23. September das erste Mal in seinem ganzen Leben, was mir, wenn ich an die gemeinsam verbrachten Nächte denke, durchaus lang vorkommt, das allererste Mal ....und jetzt kommt's: 11 Stunden DURCHGESCHLAFEN hat. Von 18.30 Uhr bis 5.38 Uhr. Ich weiß die Zeit so genau, weil ich ab 5.38 Uhr gewartet habe, dass er aufwacht. Ich konnte nicht glauben, was da passiert war. Wahrscheinlich deswegen hat Moritz das gestern nicht wiederholt. 'Die is ja eh wach', wird er gedacht haben. Und so war das Durchschlafen leider eine Eintagsfliege. Eine sehr erholsame jedoch.

Dienstag, 18. September 2012

Schenk mir ein Herz

BRIGITTE MOM BLOGS Erst wollt ich nicht und dann hab ich's doch getan. Und jetzt lass ich's dann auch raus, für die, die's noch nicht wissen. Ich bin jetzt in einer Blogliste. Das erste Mal. Wie fühlt es sich an? Komisch. Vor allem seit die Liste so schrecklich lang geworden ist und ich mit jedem Tag weiter nach hinten rücke. Verkrafte ich das? Ja. Aber wer ist schon gern Listenletzter. Also schenk mir dein Herz, falls du hier gern liest. Und zwar hier. Es sei erwähnt, dass viele der gelisteten Blogs mich an Professionalität nicht nur in die Ecke stellen, sondern direkt aus dem ganzen Spielfeld schubsen. Umschauen lohnt sich also. Gesetzt den Fall man hat noch nicht genug von dem ganzen Mama-Papa-Kinder-Eltern-Gedöns.

Montag, 17. September 2012

Mit ohne Kind

So nun liegt er hinter mir, der erste richtige Schultag als Referendarin mit Kind. Kindern. Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, ich käme mir irgendwie besonders vor, aber die Stimmen sind laut und rufen von allen Seiten...also Referendariat mit Kind? Warum hast du das nicht gemacht, bevor du Kinder bekommen hast? Darauf habe ich meistens nur eine Antwort, und wenn der kleine P nicht immernoch mit seinen zwei Sprachen zu kämpfen hätte, dann könnte sogar er diese Antwort geben: DARUM. Was anderes fällt mir dazu nicht ein. Wozu mir aber was einfällt ist die Tatsache, dass der Zeitpunkt zum Kinderkriegen für eine Frau, die den Lehrberuf in Deutschland anstrebt, eigentlich nie so richtig passt. 
Nach dem Abitur bist du zu jung, hast, kannst, weißt und bist nix. Nach dem Abitur ist außerdem vor dem Studium. Im Studium bekommt man auch keine Kinder. Denn so ein Studium mit Kind? Na das macht man doch nicht. Wer bezahlt denn dann für das Kind? Nach dem Studium ist allerdings dann vor dem Referendariat und da bekommt man ebensowenig Kinder, denn erstmal bekommt man bitteschön einen Referendariatsplatz, was nicht in allen Bundesländern so einfach ist wie in Bayern (da hebt man nur die Hand und sagt "ich will"). Wenn man dann im Ref ist, dann bekommt man auch keine Kinder, weil man dann ja die ganzen Pläne durcheinanderhaut und wenn man dann noch in Elternzeit geht, dann müssen am Ende die ganzen Stunden verteilt werden, die man zu solchen Schnäppchenpreisen gegeben hätte. Und wie geht's dann weiter? Nach dem Ref ist in der klassischen Lehrerlaufbahn vor der Verbeamtung. Also wenn man dann sein Ref hinter sich gebracht hat, dann muss man sich erstmal wieder anmelden in der Lottozentrale Stellenvermittlung. Kinder bekommt man da besser nicht, denn das schränkt die Chancen auf einen Sechser arg ein. Also erstmal eine Stelle bekommen und dann besser die Verbeamtung abwarten, (rechne, rechne, rechne, das sind mindestens 3 Jahre, die man an einer, wenn man Glück hat, seiner Wunschschule verbringen muss plus zwei, wenn die Schulleitung einen gern hat, bevor man dann woanders hin darf). So und jetzt rechne ich das mal für mich durch. Abitur mit 19, 1. Staatsexamen mit 24, 2. Staatsexamen mit 26, Verbeamtung mit 29. Wenn ich also alles richtig gemacht hätte, dann könnte ich jetzt schon Kinder haben. Ups, hab ich ja auch. Bloß mit dem anderen Kram hapert's noch. Mal sehen, ob's nicht doch irgendwie auch andersherum geht.

Samstag, 15. September 2012

Berufstätige Mutter für Anfänger

Gestern hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Er dauerte genau drei Stunden. Und was soll ich sagen, die drei Stunden fühlten sich an wie 6. Da gab es so viele neue Herausforderungen. Die erste: Was zum Anziehen finden, das einer Vereidigung angemessen ist (das war aber offenbar nicht nur für mich eine Herausforderung) und keine Kinderspuren hat. Zwei volle Jahre habe ich mich hauptsächlich zwischen Kinderzimmer, Schlafzimmer und Küche bewegt. Ich weiß a) überhaupt nicht mehr, was man da draußen eigentlich anzieht und b) bin ich schon froh, wenn es sauber ist, denn sobald man eins von diesen Kindern auf den Arm nimmt, ist es doch damit sowieso vorbei. Die zweite: Pünktlich erscheinen, und zwar nicht auf ungarische Art, 5 Minuten zu spät, sondern richtig pünktlich eben. Ich war 15 Minuten zu früh da und war von 27 Referendaren die vorletzte, fühlte mich also, als hätte ich versagt, denn wer ist schon gern Vorletzter. Die dritte: Dezent in der Masse untergehen. In dieser Kategorie bin ich als Fremdländerin, weil Nicht-Bayerin, und auch aus anderen Gründen wohl ganz klar gescheitert. Die Kinder unterrichtet man nämlich im Referendariat, die hat man nicht.

Mittwoch, 12. September 2012

Mütter und ich

Mütter. Ich gebe mir im Allgemeinen sehr viel Mühe, Zusammentreffen mit dieser Spezies, es sei denn, es handelt sich dabei um meine eigene oder andere mit mir verwandte, verschwägerte oder sonst irgendwie befreundete Ausgaben, zu verhindern. Aber manchmal treffe auch ich trotz aller Bemühungen ab und zu auf eine. Zwei dieser Begegnungen hatte ich heute. Und das noch vor zwölf Uhr.
Aber bevor ich davon berichte, vorerst zur Erklärung, warum ich so desinteressiert bin an fröhlicher Müttergemeinschaft: 1. Ich glaube, dass Muttersein nicht automatisch verbindet. Nur weil ich ein Kind habe und du auch ein Kind hast, sind wir doch nicht automatisch Seelenverwandte. 2. Ich unterhalte mich gerne mit Frauen, dabei spielt es für mich keine Rolle, ob sie Mütter sind oder nicht. Es ist allerdings ganz praktisch, wenn sie auch was zu sagen haben. 3. Wenn ich einen Ratschlag zum Thema Windelwechseln, Beikost, Stillen o.ä. wichtigen Themen suche, dann bediene ich die Suchmaschine. Da kann ich mir den Ratschlag aussuchen, der zu mir passt und muss nicht nehmen, was mir angeboten wird. 4. Schwangerschaftsgymnastik, Krabbelgruppen, Rückbildungsyoga...alles Veranstaltungen, bei denen es darum geht, wer vor oder nach der Geburt am schnellsten wieder fit ist und wessen Kind sich am schnellsten und normgerechtesten entwickelt. Vergleichswerte, die mich, wenn sie mich überhaupt beeinflussen, bestenfalls stressen. Cornelia Kister, Autorin und Mutter von vier Kindern hat es, wenn auch etwas überzogen, in einem Artikel für die Süddeutsche treffend formuliert:
Es gibt keine andere Lebensphase, in der man so viele unterschiedliche Frauen kennenlernt wie in den Jahren mit kleinen Kindern, und man glaubt, auf einen Schlag lauter neue Freundinnen gefunden zu haben. Überall treffen Mütter in fröhlicher Gemeinschaft zusammen: beim Babyschwimmen, beim Kinderturnen, bei Kindergarten- und Schulfesten, an schönen Nachmittagen auf Spielplätzen. Doch der Schein der heiteren weiblichen Solidargemeinschaft trügt, hinter der Herzlichkeit und Anteilnahme lauern die Konkurrenz, der Argwohn, der Wettstreit, die Missgunst, der Neid (Cornelia Kister in: SZ-Magazin)
Diesen Eindruck kann ich nur bestätigen, vor allem, wenn es um Frauen geht, die man ohne Kinder nie getroffen hätte. Und deswegen findet man mich auch nicht bei Müttertreffen, in Krabbelgruppen oder beim Babyschwimmen. Ich gehe genau diesem Konkurrenzkampf ganz bewusst aus dem Weg. Aber manchmal erwischt mich selbiger doch irgendwie auf meinen Ausweichrouten.

So hatte ich heute zwei Mütterbegegnungen, die ganz klar von Wettstreit geprägt waren. Die erste heute Morgen, da schob ich P und M gerade einhändig (in der anderen hatte ich den Regenschirm) im Kinderwagen in voller Regenmontur auf den Krippenkinderwagenparkplatz; da sprach mich eine Mutter an, die gerade ihren zweieinhalbjährigen Sohn abgegeben hatte: "Wie macht man das morgens mit zwei solchen? Ich schaff das ja kaum mit einem!" "Hmmm," hab ich geantwortet "Ich bin nicht ganz so schön geschminkt wie Sie."
Im Nachhinein hab ich überlegt, dass die Bemerkung vielleicht ein bisschen bissig wirkte, aber aus ihr nur genau die gleiche Verwunderung sprach, die auch schon die Eingangsbemerkung ausmachte. Ich war eben verwundert über diese Frage, von einer Mutter kommend, die perfekt gestylt, mit perfekter Maniküre und perfekten Haaren aus ihrem trotz Regen glänzenden (weil frisch gewaschenem) Audi A irgendwas steigt. 'Naja, dachte ich, wie schafft man das wohl. Indem man auf all diese Dinge verzichtet oder eben sehr früh aufsteht.' Das muss ihr doch klar gewesen sein, als sie meinen lose zusammengebundenen Pferdeschwanz, mein ungeschminktes Gesicht und vor allem meine (und das hab ich erst nach dieser Begegnung wirklich schmerzvoll wahrgenommen) ungeputzten Schuhe gesehen hat.

Die zweite Begegnung war beim Arzt. Da kam eine Mutter mit zwei Kindern rein, das große Mädchen war so zweieinhalb und der kleine Junge so drei Monate alt. Sie kamen ins Wartezimmer und das Baby schlief seelenruhig in der Babyschale, während das Mädchen nach kurzer Einweisung still und friedlich in der Ecke in den Kinderbüchern blätterte. Ich war kurz davor zu fragen: "Wie haben sie das denn hingekriegt?", denn ich stellte mir immerzu vor, wie es wäre jetzt mit P und M hier zu sein. Die vielen Sprech-,Wartezimmer-, und sonstigen Türen und M, der alles gerne tut, nur nicht schlafen. Ich wollte wissen, wie sie dieses Mädchen dazu bekommen hat, dass es mucksmäuschenstill dort sitzt und was man tun muss, dass ein Baby beim Abstellen der Babyschale auf dem Boden einfach genüsslich weiterschläft. Ich ertappte mich beim Neid. Die Mama interessierte mich nicht die Bohne. Ich wollte nur teilhaben an ihrer Erziehungsweisheit. Aber bevor ich fragen konnte, bekam die Frau Mama ihre Überweisung, wollte losgehen und das vorher so friedliche Mädchen brach auf dem Boden zusammen, strampelte mit den Füßen und schrie um sein Leben, weil es die Bücherecke verlassen musste. Und was soll ich sagen. Ich hab mich gefreut. Puuuhhh, doch nicht so perfekt. Ich dachte schon, nur mein Junge macht das. Vielleicht doch nicht so schlecht, solche Mütterbegegnungen. Man muss bloß immer dafür sorgen, dass man beim Vergleich gut abschneidet. 

Dienstag, 11. September 2012

Zweikämpfe ums Brot

Im Wonnemonat Mai, das ist (rechne, rechne, rechne) vier Monate her, habe ich hier von den drei verschiedenen Esstypen bei Kleinkindern berichtet (die "Brot-ohne-Belag-Esser", die "Belag-ohne-Brotesser" und die "Brot-nicht-Esser") und großmäulig verkündet, wie ich erfolgreich jeden Abend aus meinem Sohn Typ vier mache, den "Ich-esse-erst-den-Belag-und-nach-mütterlichem-Eingreifen-auch-das-Brot-Typ". Nun, es wird Zeit mit der Beschönigung aufzuhören. Typ vier war mein Sohn nur, weil er es selbst so wollte. Und was soll ich sagen, er will nicht mehr.

Seit einer Weile kämpfe ich, vor allem innerlich mit mir selbst, aber durchaus auch äußerlich mit Worten und Taten mit meinem großen Sohn Paul, der kein Brot mehr essen will. Vor kurzem dachte ich, ich wäre kurz davor den Kampf zu verlieren, als mir nun gestern mein kleiner Sohn Moritz zu Hilfe kam. Eins vorab: Ich finde Brot ist ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Es gibt ganze Völker, die sich völlig brotlos ernähren, aber ich kann nun mal nicht ohne Brot. Und Paul und Moritz dürfen erst wieder ohne Brot, wenn sie bei ihrer Ernährung mitmischen dürfen und das ist noch ne Weile hin. Demokratie beim Essen gibts hier nur im Sinne von Auswahl aus einer Vorauswahl und die Vorauswahl besteht beim Abendessen nun mal aus Brot. Punkt.
Anfangs hat Paul das Brot mit Begeisterung in sich reingestopft. Manchmal hat er an dem Belag rumkritisiert, vor allem als ich noch experimentiert habe mit salzarmen, gesünderen, aber auch geschmacksärmeren, vegetarischen Aufstrichvarianten. Aber er hat sein Brot gern gegessen. Monatelang hat er jeden Abend eine Portion Griesbrei und dazu noch zwei bis drei Stullen reingestopft, später dann nur noch Stullen.
Die Zeiten des fröhlichen Brotessens waren aber plötzlich vorbei, als Paul feststellte, dass Belag viel besser schmeckt. Und dann fing Paul mit seiner Brotdiät an, vielleicht auch eine frühe Form von abendlichem Low-Carb-Diät-Wahnsinn (als ob er es nötig hätte), auf jeden Fall steht dieses Ernährungsverhalten bei mir auf der schwarzen Liste. Und so hab ich alles versucht, zumindest glaubte ich das, als ich heute gegoogelt hab ("mein Sohn pult den Belag vom Brot"), um nach Tipps zu suchen, wie ich diese brotlose Ernährung doch noch irgendwie verhindern kann, denn ich hab schon einiges versucht.
Zuerst hab ich den Salamikonsum eingeschränkt: Salami pult sich denkbar einfach vom Brot und wird ja sogar pur verkauft. Wie soll ich dem Jungen mit Kolbász-Blut die Brotliebe beibringen, wenn ich ihm die Kolbász im Grunde auf einem extra Teller serviere?
Später dann hab ich nur Belag zum Schmieren verwendet, denn das pult sich schlechter. Paul hat aber auch das Entfernen von Streichbelag inzwischen professionalisiert: Er macht den Mund gaaaaaanz weit auf, schiebt sich das Brot mit der flachen Hand und der Belagseite vor den Mund und lutscht den Belag runter. Wenn man ihn in dem Moment erwischt, kann man schnell die Mitte vom Brot reindrücken und er kuckt etwas überrascht, kaut dann aber durchaus fröhlich doch auf dem Brot rum. Aber das ist ja keine echte Lösung.
Noch später bin ich wieder zum Füttern übergegangen. Denn die von ihm selbst abgeleckten Brote findet Paul scheinbar so eklig, dass er sich nicht mehr überwinden kann, diese zu essen. Bevor er die isst, ist er auf Nachfrage lieber satt. Füttern findet Paul aber inzwischen furchtbar. Das ist doch was für kleine Kinder. Blieb noch die Möglichkeit, ihm immer nur kleine Portionen zu servieren und erst ein neues Scheibchen Brot rauszurücken, bis er aufgegessen hat. Das hat aber schon so richtig was von Zweikampf. 
In einem Forum hab ich eben den Vorschlag gelesen, das Brot nicht vorher zu belegen, sondern den Belag extra zu servieren: Angeblich könnte ich gar nicht so schnell kucken, wie das Kind den Belag ordnungsgemäß auf das Brot legt und dann isst ("das machen die in der KiTa so"). Aber das ist sicher so ein Ding, was in der KiTa funktioniert, weil die Kids da den Gemeinschaftsdruck spüren. Hier bin ja nur ich. Und mein Druck lässt über die Monate hinweg langsam nach. Ich spüre, wie ich mit jedem Abendessen weicher werde ("dann iss doch nur den verflixten Belag!") Ich möchte hart sein, den Kampf gewinnen, meinen Sohn zum Brotliebhaber erziehen und merke gar nicht, dass die ultimative Waffe direkt neben Paul in der Babyschale hängt und Moritz heißt. Gestern habe ich sie dann ausprobiert, diese Waffe, die sie auch in der KiTa benutzen. Ich hab Moritz eine Scheibe Brot gegeben, pur, ganz ohne Belag. Nicht wegen Paul (ehrlich nicht!), sondern wegen Moritz (das war nämlich eigentlich keine geplante Kampfstrategie, sondern nur der Versuch Moritz an ungesüßtes Backwerk heranzuführen; die Einführung ins gesüßte hat schon die deutsche Oma erledigt). Die Einführung ist als gelungen zu bezeichnen. Denn Moritz freute sich sehr über die feste Nahrung für seine gequälten Zahnleisten und stopfte das Brot fröhlich in sich hinein. Immer wenn das Brotstück so klein wurde, dass es in seinem Fäustchen verschwand oder runterfiel, wurde er wütend und verlangte nach mehr. Nach mehr verlangte auch jemand anderes, nämlich Paul. Der aß an diesem Abend seeeeehr viel Brot. Ganz ohne diesen ekligen Belag, pfui. Jetzt muss ich nur noch irgendwie Brot und Belag wieder zusammen führen. Das muss doch zu schaffen sein.

Montag, 10. September 2012

Jungs eingewöhnt. Arbeit kann losgehen.

Jetzt sind sie wohl angekommen im Krippenalltag, die Jungs. Letzte Woche waren die ersten Tage, an denen Paul und Moritz den ganzen Tag in der Krippe verbracht haben, was bedeutet, dass sie von 8-16 Uhr dort waren. Und es kam dann auch so, wie es kommen musste: Paul erfreut sich vor allem an den vielen Spielmöglichkeiten und am ausgiebigen Mittagsschlaf und Moritz ignoriert festgesetzte Zeiten völlig und organisiert (erschreit) sich seinen eigenen Rhythmus. Zu deutsch heißt das, Paul nutzt täglich die Gelegenheit um sich richtig auszutoben und dann mittags mindestens 2, lieber aber drei Stunden zu schlafen (er holt wahrscheinlich den Schlaf der letzten fünf Monate nach, seitdem er mit Moritz in einem Zimmer Mittagsschlaf macht, war der nämlich meistens verkürzt) und Moritz schläft in einer gesonderten Abteilung, weil er zu den Schlafzeiten der anderen Kinder lieber schrie als schlief. Und so wurden für Herrn Moritz neue Regeln erschaffen, mit denen auch er sich wohl fühlt. Das Essen ist inzwischen auch besser und die Milch schmeckt aus der Flasche genauso gut. Alles startklar also für den Arbeitsstart am Freitag. Nun bloß nicht krank werden bitte.

Mittwoch, 5. September 2012

Zwei Wochen Großelternurlaub

Die letzten zwei Wochen haben wir mit Großelternurlaub verbracht. Die erste bei den ungarischen, die zweite bei den deutschen. Und jetzt sind die Kinder, vor allem aber Paul, ordentlich durcheinander. Denn dieser Urlaub wurde von allen Seiten noch einmal so richtig ausgekostet, bevor jetzt der knallharte Alltag in der Krippe beginnt und die Kinder wurden sprachlich noch mal so richtig schön durcheinander gewürfelt, bevor sie alles vergessen können, um mit Bayerisch von vorne anzufangen. 
Fazit nach zwei Wochen Großelternurlaub: Alle gleich. In Ungarn hat man Angst, die Jungs würden bald kein ungarisch mehr sprechen (sie sprechen ja bisher noch gar nicht, aber das beeinflusst diese Angst nicht weiter). In Deutschland hat man Angst, sie würden kein deutsch sprechen. In Ungarn steht das Honigglas in der Speisekammer und die Kekse liegen auf dem Beistelltisch. In Deutschland steht das Honigglas auf dem Küchentisch und die Schokobons liegen im Wohnzimmerschrank. In Ungarn durfte Paul mit Fenstergriffen spielen, in Deutschland durfte er mit der Außenbeleuchtung spielen. Beim ungarischen Opa durfte das Auto bedient werden, beim deutschen die Universalfernbedienung. Getrunken wurde in Deutschland Kakao, in Ungarn bestimmt auch irgendwas mit Zucker. Und auch die Omas sind eben Omas, egal in welchem Land. Saubere Hände sind wohl den Omas aller Welt wichtig. Küsschen und Streicheleinheiten noch viel wichtiger. Schokobons und Haushaltskekse auch, wie ich erfahren durfte. So befand die deutsche Oma auch Moritz schon durchaus bereit für eine Einführung in die Welt der Kekse. Und ich hab mich nur ein bisschen gesträubt. Moritz hingegen überhaupt nicht. Der fand das Essen seiner deutschen Oma sowieso insgesamt besser als Mamas. Unterschiede gabs bei der Behandlung der Küchenschränke der Omas: Während Paul in Ungarn die Schränke gern aufmachen durfte, sollte er sie in Deutschland immer lieber schließen. Begeisterungsstürme gabs von allen Seiten über Moritz' Hang zum Kuscheln und Fröhlichsein.
Was die Sprache angeht, da muss Paul jetzt erstmal sortieren. In Deutschland haben wir ihn mit dem Papa am letzten Tag ein bisschen getestet: Wir saßen beim Essen (ich weiß nicht mehr welches, aber ich nehme an, es war Kuchen im Spiel) und dann gings los, wir nannten die Person, er musste zeigen: nagypapa (Großvater), apa (Papa), apu (Papi), anya (Mama), nagymama (Oma), Opa (nagypapa). Am Ende des Tests hat Paul nur noch mit dem Finger wild hin und her gezeigt. Leider wird sich die Auswahl in nächster Zeit auf Mama und apa beschränken, da fällt das Sortieren vielleicht nicht ganz so schwer, macht aber auch nur halb so viel Spaß.