Montag, 29. Oktober 2012

Lieber Vater!

Wie sich das für ordentliche Kinder und Mütter gehört, werden sie nur in den Ferien krank. Moritz ist ein ordentliches Kind und ich eine noch ordentlichere Mama. Heute waren wir deshalb beim Arzt und da kamen wir endlich mal wieder in den Genuss der ungarischen Medizinfrauenkommunikation. Moritz' Papa war der Hauptpatientenbetreuer heute, weil die Mama nur schwach aufm Stuhl in der Ecke hocken konnte. Und so lauschte ich nur passiv aus meiner Ecke, als Frau Doktor zu reden begann: "Lieber Vater, saugen sie denn ihrem Kind auch immer die Nase?" "Nein, nicht regelmäßig, wissen Sie, wir halten nicht so viel davon und außerdem läuft es ja auch so immer raus." Widerspruch, das wusste der Herr Vater nicht, kommt bei ungarischen Medizinfrauen nicht gut an und Besserwisserei erst recht nicht. Und so setzte Frau Doktor nach dieser Reaktion zu einer flammenden Rede an:
"Lieber Vater, also jetzt passen sie mal genau auf. Jetzt werd ich ihnen mal was erklären. In der Nase Ihres Sohnes bildet sich Sekret, nun schon seit drei Wochen. Wenn dieses Sekret nicht abfließen kann, dann sammeln sich darin Bakterien und diese können zu Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen oder noch viel schlimmeren Dingen führen. Das Sekret muss raus. Und deswegen, lieber Vater, saugen wir die Nase von Babys. Denn die Babys können die Nase ja noch nicht schnauben. Also, wenn Sie nicht wollen, dass Ihr Sohn noch kränker wird als er schon ist, dann saugen sie bitte seine Nase." Oh Mann, war ich froh, dass es einmal nicht "Liebe Mutter" hieß.

Samstag, 27. Oktober 2012

Hühnerkeulen statt Muttermilch

Ist noch keine vier Wochen her, dass ich hier über das bevorstehende Ende meiner Stillzeit geschrieben habe. Na das hab ich wohl herbeigeredet, bzw. -geschrieben, denn seit drei Tagen ist es da, besagtes Ende. Jetzt sitze ich hier und schiebe doch Frust, obwohl ich eigentlich meine große Freiheit mit mindestens einem Glas, nach drei Jahren ohne Alkohol, aber gerne auch einer halben Flasche Wein (eine ganze hab ich jetzt mal nicht geschrieben, das klingt so verzweifelt) feiern wollte. 
Stattdessen bin ich traurig über den Abschied, der ganz plötzlich Mitte der Woche über mich kam. Moritz hat sich entschieden, dass er nicht mehr stillen will. Sowas gibt es nicht, hab ich immer gesagt, dass Kinder das so früh von alleine entscheiden. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass er das nur macht, weil er eben in die Krippe geht und sich so viel schneller von mir gelöst hat, als wenn er noch zu Haus gewesen wäre. Aber mit der Frage nach dem warum versuche ich mich nicht auseinander zu setzen, denn dann kommt mir noch der nutzlose Gedanke, ich hätte das vielleicht doch alles anders machen müssen. 
In neun Tagen wird Moritz 10 Monate. Das scheint mir zu jung, um auf Muttermilch komplett zu verzichten. Aber ich kann sie ihm ja schlecht reinzwingen. Die letzten drei Tage hab ich das sogar versucht, indem ich angefangen habe, ihm die abgepumpte Milch zu geben. Aber es war gar nicht der Stillprozess, der ihn störte (er kuschelt unheimlich gern!), sondern die Milch selbst. Er findet Muttermilch plötzlich eklig. Nun, wenn ich bedenke, dass es in der Krippe Hühnerkeulen mit Pommes gibt und zum Nachtisch Vanillepudding, dann finde ich dafür meine Erklärungen. Aber auch damit befasse ich mich lieber nicht. Denn dann bin ich wieder bei dem Gedanken von oben. Also....

Lieber Moritz, ich freue mich, dass wir so eine schöne Stillzeit hatten und du so lange durchgehalten hast. Wenn du jetzt lieber Hühnerkeulen essen willst, dann hab ich dafür Respekt und will dir nicht im Weg stehen mit meiner komischen Milch. Guten Hunger!

Samstag, 13. Oktober 2012

Eine schwere Übung

Wenn es eine Aufgabe gibt, die mir bei der Betreuung meiner Kinder besonders schwer fällt, dann ist das die Anzieherei bzw. das Auswählen wettergerechter Kleidung. Im Übrigen ist das eine Fähigkeit, die mir auch in Bezug auf mich selbst manchmal abhanden zu kommen scheint, je nach Witterung. Mein Glück dabei ist, dass ich sowohl in meiner Freizeit als auch in meinem Berufsleben auf zahllose Beispiele treffe, die belegen, dass dies tatsächlich die größte Herausforderung für alle Eltern im Herbst ist. Je älter das Kind, desto größer die Herausforderung, denn dann kommt ja noch der verflixte eigene Wille dazu.
Bei mir gibt es sowas zum Glück noch nicht. Was Paul und Moritz anziehen, entscheide ich. Und am Tag entscheiden das ihre beiden Krippenladies. Morgens sind zur Zeit um die 0 Grad. Und ich hab sie jetzt einfach ausgepackt, die dicken Jacken und die dicken Mützen. Wenn ich morgens dann zur Krippe fahre und mir die Finger ohne Handschuhe am Fahrrad abfrieren, sind die Kinder hinten im Anhänger mollig eingepackt und schwitzen sich eins. Dann packt mich jedes Mal das schlechte Gewissen, dass ich die Winterjacken schon ausgepackt hab (was will ich ihnen denn im Winter anziehen) und schaue mich um, wie die anderen Kinder so angezogen sind, um mich am nächsten Tag daran zu orientieren. Aber wenn ich bei der Krippe ankomme, dann habe ich Kinder in Felljacken mit Handschuhen und im Fußsack gesehen, andere Kinder mit dünnen Übergangsjacken und ohne Mütze und wieder andere Kinder eingekuschelt bis zur Hüfte in eine Decke (im Fahrradanhänger) und dann ohne Mütze, Schal und im langärmeligen T-shirt - alles bei 0 Grad. Besser wird die Auswahl noch, wenn ich dann nachmittags nach Hause komme. Da sind zur Zeit knapp 15 Grad und die Kinder haben von kurzen Hosen und T-shirts bis Daunenjacke und Fellmütze einfach alles an. Und daneben spazieren die Eltern, die die 15 Grad entweder als -5 oder als +25 Grad missverstehen. Am besten sind aber die Eltern, die selbst im dünnen T-shirt spazieren und ihre Kinder in Jacke, Mütze, Schal verpacken. Die nehmen den Ratschlag "eine Schicht mehr" so ernst, dass ihnen im Winter nichts anderes übrig bleibt als drinnen zu bleiben. Ich bin übrigens von der Sorte chaotisch. Ich weiß leider nie, welche Temperatur mich erwartet, wenn ich vor die Tür trete. Ich habe Vermutungen, aber diese Vermutungen erweisen sich leider häufig als Irrtum, sobald ich die Wohnung verlassen habe. Und deswegen müssen meine Kinder zur Zeit ab und zu schwitzen. Zum Glück geht es nicht nur ihnen so.

Freitag, 12. Oktober 2012

Wir haben Magen-Darm.

In einigen Kreisen gehört es ja zum guten Ton, wenn man von eigenen Krankheiten sprechend, stellvertretend für die Symptome, einfach das betroffene Körperteil einsetzt. Hape Kerkeling hat daraus sogar ein ganzes Showprogramm gemacht. "Ich habe Rücken" oder "ich habe Knie" - das wirkliche Drama beschreibt man eben nicht so genau. 
Zum Glück bin auch ich durch die Horst-Schlämmer-Schule gegangen. So fiel es mir heute Morgen nicht ganz so schwer, die Botschaft auf der Krippentür zu verstehen, die da hieß: "Wir haben Magen-Darm." Soll heißen: Brechdurchfall. Klingt aber viel schöner, wenn man die bösen Wörter wie Virus oder Durchfall einfach weglässt. Denn Magen und Darm hat ja jeder. Unsere Jungs auch.

Dienstag, 9. Oktober 2012

23 Monate und ein Ende in Sicht

Noch einen Monat ungefähr, dann ist es amtlich und ich hab genau zwei Jahre hintereinander gestillt. Manche stillen in diesem Zeitraum ein Kind, ich hab halt zwei reingequetscht. Und da kein neuer Stillkandidat in Aussicht ist, der diese Zeit auf drei oder vier Jahre ausdehnen würde, geht es langsam auf Abschied vom Stillen zu. Moritz is jetzt neun Monate alt und zeigt vermehrtes Interesse an fester Kost. Im Gegensatz zu seinem Bruder in dem Alter zeigt er sich auch durchaus kau- und beißwillig, mampft Zwieback und auch Brot gern und ohne großes Würgen und auch der Brei muss nicht mehr püriert sein, höchstens zerquetscht. 
Gestillt habe ich ihn, seit er in die Krippe geht, morgens und abends, nachts nach Bedarf (Gott sei Dank ist er jetzt wieder fit, hat wenig bis gar keinen Bedarf und schenkt uns dauernd Durchschlafnächte) und für den Vormittag hat er noch eine Flasche Muttermilch in die Krippe mitbekommen, die ich nachmittags abgepumpt habe. Seit dieser Woche pumpe ich nicht mehr und er darf jetzt noch in der Krippe die nächsten vier Wochen den Milchvorrat aus dem Tiefkühlfach wegtrinken. Danach heißt es zwischen 8 und 16 Uhr muttermilchfreie Zeit und für mich heißt das nur noch morgens und abends stillen. So wie ich Moritz einschätze wird auch das nicht mehr ewig gehen, aber bis zum Januar darf er auf jeden Fall. Trotzdem klingt es schon in meinen Ohren: Stillen ade, Abschied tut weh. Das wird sicher komisch, aber Vorteile fallen mir durchaus ein. Abends weggehen können: cool. Keine Stilleinlagen kaufen: obercool. Nachts ohne BH schlafen: Unbezahlbar.

Montag, 8. Oktober 2012

Mehr Autos als Kinder

Seit einer Weile gibt es hier Streit im Haus. Die ersten paar Monate hat sich Moritz vieles gefallen lassen und eigentlich selten widersprochen oder überhaupt seinen eigenen Willen gezeigt. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Jetzt widerspricht er nicht nur, er greift auch von ganz allein an. Und Paul lässt sich ebensowenig die Butter vom Brot nehmen.
Das Streitobjekt: ein Polizeiauto, so ein ganz kleines, womit schon Generationen gespielt haben, und von deren Sorte der Papa eine ganze Kiste auf dem Dachboden hat, die er aber noch nicht rausholt für seine Söhne. Und ich habe von diesen Autos keine kaufen wollen, weil Papa ja die große Kiste hat und ich mir beim Kaufen auch vorkomme, als würde ich eine Straftat begehen, weil meine Kinder ja noch unter drei sind. Außerdem wollten wir Teilen groß schreiben in unserer Familie. Also haben wir seit längerem dieses eine Auto, die Jungs streiten sich und alle üben sich in Toleranz. Hat Moritz das Auto, dann wird das von Paul nur sekundenlang toleriert. Danach wird die Abnahme durch Paul von Moritz überhaupt nicht toleriert - er schreit. Paul zeigt sich meistens sehr tolerant was Moritz' Geschrei angeht. Ich weniger, sodass ich manchmal eingreife, Moritz das Auto gebe und dann fängt die Toleranzübung wieder von vorne an. Der Papa sagt: Dat sollen die unter sich ausmachen.
Am Wochenende war die Oma da und hat einfach skrupellos ein weiteres Polizeiauto und ein Feuerwehrauto gesponsort. Jetzt gibts hier mehr Autos als Kinder, aber ich bin mir sicher, die Toleranzübungen werden deshalb nicht seltener. Ich befürchte immer, dass der Streit irgendwann eskaliert und der Papa die Autos schnappt, um sie in seine Kiste zu räumen. Der war sowieso ganz traurig, dass für ihn kein Auto abgefallen ist.