Dienstag, 27. November 2012

Der deutsche Medizinmann Teil 2

Also jetzt muss ich aber mal eins klarstellen. Ich bin ja - und das nicht zuletzt auch häufig an dieser Stelle - immer gern über unsere ungarischen Medizinfrauen hergezogen, um genauer zu sein, über Pauls und Moritz' ungarische Kinderärztin. Irgendwann zog ich nicht mehr über sie her, weil wir nach Bayern zogen und sich der Kontakt dadurch immer schwieriger aufrecht erhalten ließ. Und so muss ich mir inzwischen anderes Medizinpersonal suchen, zum Drüberherziehen. Das ist übrigens denkbar leicht. 
Denn hier in Deutschland sind zwar die Zäune aus Salami (eine ungarische Redensart), aber die Medizinmänner hier, die sind zum großen Teil wenig bis völlig ungenießbar. 
Mit Paul war ich letzte Woche bei einem dieser Ökonomen, die sich Doktoren schimpfen, bei der U-Untersuchung. Er war noch völlig mit durch von seiner Magen-Darm-Infektion (Paul, nicht der Arzt), aber der Herr Doktor meinte: "Impfen? Kein Problem! Nur hohes Fieber ist ein Hinderungsgrund und das hat er ja nicht" - Nun, ich widersprach, denn Paul gings echt nicht rosig. Der Herr Doktor war beleidigt, akzeptierte aber. Im Nachhinein (denn vorher hatte er mich nicht informiert, was er überhaupt impfen wollte und eine Impfung war auch überhaupt nicht abgesprochen) fand ich dann einen Eintrag in Pauls Impfpass, dass er an diesem Tag die MMR-Impfung erhalten habe (wozu es ja nicht gekommen ist, weil ich sie verhindert habe, ich Rabenmutter. Der Eintrag war aber nicht verhindert worden). Meine erste Reaktion war Empörung: Wie können die das da reinpinseln, wo doch darüber noch gar nicht gesprochen worden war? Meine zweite Reaktion hingegen war Entsetzen: MMR? Das steht doch zwei Zeilen drüber. Kann der nicht lesen oder will er nicht? Selbst wenn er die Zweifachimpfung vorzieht, hätte er sich doch zumindest informieren können (im einfachsten Fall durch Fragen an mich), ob eine zweite MMR-Impfung in Ungarn überhaupt vorgesehen war (ist sie erst im 11. Lebensjahr!) Was uns nicht umbringt, macht uns härter, seine Devise. Oder doppelt hält besser. Oder je mehr impf desto geld. Ich werde es wohl nie erfahren. Denn da geh ich wohl nun erstmal nicht mehr hin, zumindest schreit mein Instinkt danach.
Wenn man sich dann aber umhört, nach Empfehlungen für Kinderärzte, dann stellt man fest, man hat die Auswahl zwischen den folgenden Kategorien (oder Kombi-Varianten selbiger)
- Medizinern, die regelmäßig plötzliche Urlaubswochen an Quartalsenden einlegen
- Kollegen, die Privatpatienten höflich hereinbitten und Kassenpatienten vertrösten auf in zwei Monaten
- Ärzten, die Sprechzeiten von 9-11 und 15-17 Uhr haben und deren Telefon in dieser Zeit dauerbesetzt ist.
- Medizinern, die am Telefon höflich formulieren, sie hätten Patientenstopp und würden keine neuen Patienten mehr aufnehmen
und bei allen diesen Ärzten muss man mit zwei kleinen Kindern damit rechnen, mindestens zwei Stunden in irgendeinem Sprech-, Warte-, oder Flurzimmer warm gehalten zu werden. Ich will zurück zu meinen Medizinfrauen. Schon wieder. (Und nicht weil es Frauen sind. Ich hab nichts gegen Männer.)


Donnerstag, 22. November 2012

Wirklich interessant

sind Gewicht und Körpergröße eines Kindes nur kurz nach seiner Geburt. Als gäbe es nichts Wichtigeres (z.B. Intensität der Schmerzen, Dauer und Anzahl der Presswehen, Anzahl der Schläge für den Mann und Ausfälle desselben), wird man als Mutter sofort über Geburtsgewicht und Größe ausgehört. Das sind Fakten, mit denen jeder arbeiten kann und die nicht zu weit hineingehen in die Intimsphäre, aber doch einen leichten Eindruck darüber vermitteln können oder sollen, wie schwer oder leicht eben die Geburt war. ("Boah, üüüüüber 4 kg? Das muss weh getan haben!"). 
Später interessiert Gewicht und Größe deines Kindes keine Sau mehr, außer vielleicht das medizinische Personal in unserem Lieblingskrankenhaus. Dennoch möchte ich mich an dieser Stelle mal wieder diesem schönen Thema widmen. 
Pauls Gewicht hab ich ja neulich schon festgehalten, der hatte gestern seine erste offizielle U-Untersuchung in Deutschland und hat sich wacker geschlagen, auch wenn er keine Lust auf Puzzeln und Türmchen bauen hatte. Der deutsche Herr Doktor war durchaus zufrieden mit seinem Gewicht und bemerkte nur, dass man immer zweimal hinschauen muss, weil Paul mit seinen 93,5 cm nun schon wie ein Dreijähriger daherkommt, aber eben nicht wie ein Dreijähriger spricht, puzzelt und Türmchen baut (die Gummibärchenverdrückmenge in der Arztpraxis entsprach übrigens durchaus dem Niveau eines Dreijährigen, aber das durften wir dem Arzt nicht mitteilen, weil das gemopste Gummibärchen waren).
Zurück zum Thema. Bisher dachte ich immer, Paul wäre der Lulatsch, aber Moritz scheint ihn noch übertreffen zu wollen. In letzter Zeit ziehe ich dem Kleinen, der gar nicht mehr so klein ist, immer öfter Shirts an, die ich bis vor kurzem (und ich meine vor echt kurzem) noch Paul angezogen habe. Das ist selbst der Oma schon aufgefallen. Gestern hab ich dann mal nachgemessen und siehe da: Moritz ist 83,5 cm groß und damit 4 cm länger als sein großer Bruder in dem Alter. Wenn er so weiter in die Länge schießt, dann läuft er sicher noch später als Paul, weil er sich nicht traut sich hinzustellen. Ist ja dann so verdammt weit oben. Dabei hatte ich so große Pläne mit Moritz! Und die Treppe zur Kita hat auch so verflixt viele Stufen! Von meinem Arm, der die 12 kg Moritzgewicht (inklusive Klamotten) nicht mehr lange mitmacht, fang ich jetzt nicht mehr an.

Mittwoch, 21. November 2012

Eltern haften für ihre Kinder

steht ja immer so schön in großen Buchstaben auf allen möglichen Schildern, zumindest in Deutschland. Und jetzt weiß ich auch das erste Mal, was das eigentlich bedeutet. Aber in diesem noch recht unkomplizierten Fall, hafte ich vielleicht mehr für meine eigene Blödheit als für meinen Sohn. Der ist ja auch noch viel zu klein und überhaupt viel zu niedlich, um echten Schaden anzurichten. 
Auf jeden Fall hat der Laternenlauf von letzter Woche, über den ich gar nicht berichtet habe, weil inzwischen das Mittelohr des Schadensverursachers mir Zeit für's Bloggen stahl und zahlreiche Stunden in Arztpraxen bescherte, ein Nachspiel von 22,19 Euro. Ich hatte nämlich besagten Laternenlauf als erste Vorsitzende des Elternbeirates mit vorzubereiten und war die Kinderpunschverantwortliche (im Übrigen auch die Keksbackverantwortliche und die Servierverantwortliche: so ein Vorsitz im Elternbeirat hat echt unschlagbare Vorzüge). Da Moritz entschieden hatte krank zu sein, wollte ich den Punsch nicht wie geplant in der Kita kochen, sondern bei mir zu Hause und nahm deshalb 8 vom Elternbeirat gesponsorte Thermoskannen mit zu mir nach Hause, um dort den Punsch abzufüllen. Das Punschkochen war dann auch ein ganz besonders Spektakel: Mein größter Topf fasst 6 Liter und ich musste circa 9 Liter kochen. Das ging nur mit vier Töpfen, einer Kelle und viel Kreativität. Im Übrigen finde ich, gekaufter Punsch wäre auch eine Lösung gewesen - aber eine Lösung, die außer der Elternbeiratsvorsitzenden niemandem so recht gefallen wollte, und so stand ich und braute das Getränk frisch zusammen, während Moritz beschloss, mir zu helfen und die Thermoskannen ausräumte. Eine davon hatte einen Glaseinsatz und damit sind wir auch schon beim Ende der Geschichte und beim eigentlich Thema angelangt, dem Haftschaden. Ein neuer Glaseinsatz für die Kanne kostet 22,19 Euro. Kann ich ihm das jetzt eigentlich vom Taschengeld abziehen oder ist das meine eigene Schuld, weil sie in seiner Reichweite stand? Vorsichtshalber merk ich mir den Betrag schon mal ganz genau für später.

Montag, 19. November 2012

Legokunst vom Papa

Sie stehen ja nie lange, die Kunstwerke vom Papa. Das Geburtstags-Lego-Kunstwerk für Paul ist aber so schön geworden, dass es Ausstellungsraum verdient hat, in den Paul nicht reinkommt. Der ist zwar für Zerstörung zu fertig grad, aber bis morgen wird das wohl trotzdem nicht stehen bleiben. Deshalb hier, lieber Paul, aufgehoben für die Ewigkeit, dein Geburtstags-Lego vom Papa. Lieber Papa, Respekt!
und von der Seite:

Die immunologische Schulung geht weiter

Die Woche beginnt (gefühlt) wie immer, seit ich das Referendariat angefangen habe, mit einem Krankheitsfall. Und damit hab ich sie voll, meine erlaubten drei (oder vier) Pflegetage für meine kranken Kinder. Alle Krankheiten, die jetzt noch kommen, habe dann wohl tatsächlich offiziell ich und um ehrlich zu sein, bis jetzt stimmte das sogar, bis auf die Mittelohrentzündung, die ist ja wenig ansteckend. 
Diesmal ist der Kranke Paul, der offenbar zu intensiv Geburtstag gefeiert hat am Wochenende und, nachdem er gestern schon den ganzen Tag nur rumgemümmelt hat beim Essen, heute Morgen kurzerhand auf den Frühstückstisch gekotzt hat. Danach war er allerdings mopsfidel (sowas kann ja gehörig erleichtern), sodass wir ihn in die Krippe gebracht haben, nach gründlicher Säuberung. Tief im Innern war mir klar, dass da noch was kommmt. In der Schule hab ich dann die ganze Zeit mit einem Auge auf mein Telefon gestarrt. Um zehn vor elf war es dann auch soweit: Der Anruf, dass ich mein Kind abholen solle, weil es Durchfall hat. Heutiger Arbeitsschnitt: Eine Schulaufgabe in der neunten Klasse schreiben lassen, über die Lehrprobe im Januar gesprochen, eine Vertretung für die sechste Stunde organisiert und mich für's Seminar am Nachmittag entschuldigen lassen. Nun bin ich zu Haus und der Patient liegt im Bett und heute Nachmittag, wenn ich meinen Termin mit Moritz habe (der seine Mittelohrentzündung jetzt scheinbar besiegt hat), zwinge ich den Doc ma raufzukucken auf meine zweite Virenschleuder. Bitte keinen anstecken, lieber Paul. Jedenfalls nicht in diesem Haus. Bitte.

Sonntag, 18. November 2012

Wochenendprogramm

Als ich am Donnerstag Paul in der Krippe abgeholt habe, erfuhr ich meine Pläne für's Wochenende: Kuchen backen. Bei uns wär das so Tradition, dass die Mamas einen Kuchen backen, wenn das Kind Geburtstag hat, informierte man mich. Schöne Tradition, wie ich finde. Bei fast 13000 Euro Jahresbeitrag möchte man meinen, ein von der Krippe spendierter Kuchen wäre auch eine schöne Tradition, aber Traditionen wären ja keine solchen, wenn man sie dauernd verändern dürfte. Deswegen hab ich nur genickt und freudestrahlend erwidert: "Kuchen? Wann?" und habe dieses Wochenende mit Hilfe meines zauberhaften Assistenten, dem Papa, zwei Kuchen gebacken. Kuchen Nr. 1(schon lange verputzt):
Für die Krippe wollte ich dann einen Kuchen backen, bei dem das Kinderauge was zum Kucken hat. Und weil meine Backkünste noch ganz am Anfang stehen und ich mich zur Zeit nicht in der Lage sehe, autoförmige oder andere effektvolle Torten zu zaubern, wurde es ein Kuchen, der schon in meiner Kindheit die Kindergeburtstagstische verziert hat, vor allem deshalb, weil er so herrlich einfach und so lustig bunt ist. Kosten kann ich das gute Ding leider nicht. Ich hoffe, er ist nicht nur bunt geworden, sondern auch essbar.
Das Wochenende ist damit rum. Aber ein bisschen Zeit zum Geburtstagfeiern war auch noch. Paul hat jetzt eine Kugelbahn, und eine eigene Tasche für die Krippe. Und Moritz würde nun am liebsten jeden Tag Kuchen essen.

Freitag, 16. November 2012

Der zweite Geburtstag

Morgen um diese Zeit vor zwei Jahren hatte ich Wehen, die anfingen in einer Art schmerzhaft zu werden, dass ich dachte, das könnte ja noch heiter werden. Genau aus diesem Grund wird es hier nun morgen um die gleiche Zeit tatsächlich heiter. Denn wir feiern Pauls Geburtstag, den zweiten. Noch so ein Geburtstag, an den er sich später kaum erinnern wird, den wir hier aber als professionelle Eltern durchaus ernst nehmen. 
Die Vorbereitungen sind getroffen, Geschenke von Oma und Opa sind da. Geschenke von Mama und Papa werden noch eingewickelt, drei an der Zahl, wie immer viel zu viel, denn so sind es insgesamt schon sechs. Der Kuchen ist eingekauft, in Form von Zutaten, wird heute Abend gebacken und ist garantiert zucker- und fetthaltig, so wie das sein muss. Und Moritz ist bis morgen sicher auch wieder fit, nachdem er heute einen besseren Tag hatte. Ich bin mir sicher, dass Paul in diesem Jahr schon eher dazu geneigt sein wird, mit dem Kuchen rumzuschweinern - ganz im Gegensatz zum letzten Jahr (sh. hier). Wenn nicht, dann zeigt ihm vielleicht sein kleiner Bruder wie's geht.

Mittwoch, 14. November 2012

Ich habe Mittelohr

Bisher hab ich immer gedacht, ich hab einen echt kinderfreundlichen Beruf gewählt. An vielen Schulen gibt es immernoch traditionell Vormittagsunterricht, die Unterrichtsvorbereitungszeit kann ich mir frei einteilen, also wann und wo ich will vorbereiten und ich arbeite in einem Umfeld, in dem es von Kindern nur so wimmelt, das heißt ich kann vermutlich mit kinderfreundlichem Arbeitgeberverhalten rechnen. Nun, dann will ich mal erzählen:
Kind M hat Mittelohr (in Fachkreisen auch Mittelohrentzündung genannt, aber wir sind hier heimliche Hape-Fans. Wir haben keine Krankheiten, nur Körperteile). Nachdem er vor drei Wochen Hals hatte, hat er jetzt also Ohr. Für ihn heißt das Antibiotika, für mich heißt das zu Haus bleiben, zumindest heute. Als Referendarin, so steht es ja auch auf meiner wunderschönen Ernennungsurkunde, die gerahmt über meinem bisher nicht vorhandenen Schreibtisch hängt, ist man Beamtin. Und als Beamtin des bayerischen Staates darf man in einem Kalenderjahr ganze vier Tage zu Hause bleiben, um ein krankes Kind zu pflegen. Hat man ein Kind, sind das vier Tage für ein Kind, hat man zwei, dann zwei für jedes usw. Wenn man fünf Kinder hat, dann muss man die Bruchrechnung beherrschen oder die Kinder müssen bitte alle gleichzeitig krank sein. Aber das soll hier nicht weiter bemängelt werden, denn wer hat denn heute bitte fünf Kinder? Sowas macht man nicht.

Weiter mit meinen zwei. Ich darf also jeweils zwei Tage zwei kranke Kinder pflegen und dafür Sonderurlaub beantragen, um eine Dienstbefreiung zu bekommen. Warum vier Tage und nicht die üblichen zehn? Nun, die schönste Erklärung, die ich dafür gefunden habe, ist die, dass Lehrer ja soviel unterrichtsfreie Zeit haben und da benötigen sie keine Dienstbefreiung. Kinder von Lehrern müssen also immer in den Ferien krank werden. Also, lieber P und lieber M, in den Herbstferien habt ihr das ja schon ganz gut hinbekommen. Aber zur Zeit, mein kleiner M, sind keine Ferien. Und deswegen musste ich heute in der Schule anrufen.

Das Gespräch lief ungefähr so: "Sagen Sie, wie läuft denn das mit den Krankschreibungen, also wann und wo muss ich denn die Krankschreibung abgeben?" - "Ja, also das ist so: Sie dürfen drei Tage ohne Krankschreibung zu Hause bleiben. Wenn Ihr Kind krank ist, dürfen Sie aber nur insgesamt drei Tage im Jahr (gesetzlich eigentlich vier, aber vielleicht hat er mir schon einen abgezogen?) zu Hause bleiben." "Hm.", sage ich. "Und danach? Was mach ich danach?" - "Nun. SIE dürfen drei Tage ohne Krankschreibung zu Hause bleiben. Wenn Sie verstehen, was ich meine. Sie verstehen doch was ich meine? (Oder soll ich buchstabieren?)". Ich stand ein wenig auf der Leitung, aber ich verstand dann schon. Eine andere Lösung - ich hatte das bisher immer für eine ungarische Praxis gehalten. Für die, die auf der Leitung stehen: Ich habe jetzt also Mittelohr.

Freitag, 9. November 2012

Wer erzieht jetzt eigentlich unsere Kinder?

Heute in der Schule unterhielten sich zwei Kolleginnen über Aufsätze (Erörterndes Schreiben, Thema: Frauenquote) von jungen männlichen Schüleropfern, die sich in ihren Texten vehement gegen die Frauenquote aussprachen mit der Begründung, dass dann ja niemand mehr die Kinder erziehen würde. Da hab ich mich schnell eingemischt und die armen Schülerchen verteidigt: Das Talent der meisten Väter liege durchaus eher bei den Legotürmen als bei der Erziehung, auch wenn ich dazu sagen muss, dass unser Papa durchaus in der Lage ist, diese beiden zu kombinieren. Trotzdem kann ich das Problem der jungen Herren aus der Bildungsanstalt durchaus verstehen, denn seit ich wieder voll arbeite, frage ich mich auch manchmal, wer jetzt eigentlich unsere Kinder erzieht. Da ich sie seit Beginn des Referendariats, ähnlich wie der Papa, regelmäßig höchstens vier Stunden am Tag sehe (3 abends, eine morgens), weil sie den größten Teil des Tages in der Krippe verbringen, ertappe ich mich inzwischen auch dabei in der kurzen Zeit lieber noch einen Legoturm zu bauen und noch einen Lichtschalter gemeinsam an- und auszuschalten (die Lichtschalter sind die neuen Türen im Hause Paul) als mich mit weinenden Kindern abzumühen. Und so spielt Paul beim Essen mit seinem Matchbox-Auto, lässt sich immernoch regelmäßig den Belag ohne Brot schmecken und wirft sich hysterisch auf den Boden, wenn die falsche Tür zugemacht wird. Moritz weint, wenn ich den Raum verlasse oder zu weit weg gehe, ohne ihn mitzunehmen. Und was mache ich? Ich gebe Paul den Käse pur (der Junge muss doch essen!) und Moritz trage ich mit mir rum, wenn der feine Herr mal wieder zu faul ist zum Robben. Wenn das so weitergeht mit meiner Erziehung, kann ich nur noch auf die genetische Veranlagung hoffen.

Montag, 5. November 2012

Lángos und Kolbász für Mutter und Sohn

Das waren jetzt mal so richtig schöne Ferien, so wie wir sie lieben und sie endeten am Sonntag mit einem ganz besonderen Höhepunkt: einem Besuch in dem Krankenhaus, in das wir eigentlich "unser Kind nie wieder bringen sollten", warum kann man hier nachlesen. Der Verursacher unserer schönen Ferien: eine Mandelentzündung mit fiesen Grippesymptomen, die schön der Reihe nach alle umgehauen hat, zuerst Moritz, dann mich, dann den Papa und zum Schluss Paul. Paul hat sich am wackersten geschlagen, aber hatte dann plötzlich am Wochenende auch Fieber und vor allem dolle Schluckbeschwerden. Und so sind wir mit ihm gestern zum Bereitschaftsdienst, in der Hoffnung, dass er vielleicht heute wieder in die Krippe gehen kann. Und es kam, wie es kommen musste. Bei der Untersuchung spielte die Tatsache, dass alle in der Familie nacheinander diese Mandelentzündung hatten (wir waren ja auch alle beim Arzt, außer der Papa natürlich, denn Papas brauchen keine Doktoren) und Paul sie offenbar jetzt auch, keine Rolle. (Wer sind wir auch, dass wir die Diagnose selbst mitbringen!). 
Die geschwollenen Lymphknoten am Hals sah Frau Doktor nicht im Zusammenhang mit dem Geschehen im Hals (könnte schon sein, aber wer weiß das schon so genau), sondern mit einer möglicherweise ernsthafteren Erkrankung im Hintergrund, die sofortige Abklärung, bei positivem Blutergebnis (sie wollten natürlich sofort Blut abnehmen) am besten mit längerem Aufenthalt in ihrer wunderschönen mit zahlreichen Betten für Kinder (und Stühlen für Mütter) ausgestatteten Einrichtung erforderlich machen würde. Begründet wurde diese Einschätzung mal wieder womit? "Er ist sooo dünn, der Junge." Nach mehrmaliger Aufforderung, sich bitte die Frau Mama anzuschauen, die mit ihrem Stoffwechselgeheimnis Millionen machen könnte, kam nur der bissige Kommentar: "Wir gratulieren Ihnen zu Ihrem wunderschönen Kind...", der wohl darauf anspielen sollte, dass unser Kind sozusagen dünn gehalten wird. Und die alte Schallplatte, "wenn er wirklich so viel isst, wie sie behaupten....", "wo geht das dann alles hin?", wurde natürlich auch wieder aufgelegt. Am liebsten hätten sie dem Jungen gleich vor Ort ein Lángos und eine Kolbász in die Hand gedrückt und ihn gebeten mit seiner Mutter zu teilen. Zu diesem ungarischen Essfest ist es aber nicht mehr gekommen. Der Papa hat die Zeremonie unterbrochen und wir sind mit einem Antibiotikum nach Haus gefahren (Dort haben wir übrigens Hühnerpaprikasch gegessen. Ja, wir essen wirklich richtiges Essen!) 
Nun haben wir das Personal im berühmten Heim Pál Kinderkrankenhaus Budapest also zum zweiten Mal beleidigt. Bald können wir uns in der Stadt nicht mehr blicken lassen, befürchte ich. Im Übrigen wird Paul in zwei Wochen 2 Jahre alt, ist zur Zeit 93 cm groß und wiegt 14 kg.

Samstag, 3. November 2012

Titsa, Ka-ka und Aalo

Unser Sohn spricht, ein wenig. Ich meine übrigens Paul, nicht Moritz. Wenn Paul sich nicht beeilt, dann holt Moritz ihn aber bald ein, der sagt nämlich schon Ma-ma-ma-ma, pa-pa-pa-pa und klatscht dabei fleißig die ganze Zeit in die Hände.
Hier eine aktuelle, immernoch sehr kurze, Vokabelliste von Paul:
1. Mama
2. Papa oder Apa oder Bapa 
3. Buda (für Bruder), bisher aber nur von Mama gehört.
4. Ato (Auto)
5. Alo (Hallo)
6. Titsa (Cica (ungarisch für Katze))
Und die Großeltern behaupten steif und fest, er hätte vorgesten "légy szíves" gesagt, die ungarische Entsprechung für "bitte", wörtlich übersetzt "sei so herzlich". Paul ist eben doch ein echt höflicher Junge oder die Großeltern eben sehr wohlwollend. Pauls Papa arbeitet außerdem jeden Tag schwer mit ihm am Unterschied zwischen "ajtó" (ungarisch Tür) und "auto" (Auto) und ist davon überzeugt, einen Unterschied zu hören. Ich höre immer nur "ato", aber das ist ja auch nicht meine Muttersprache, daran wird's wohl liegen. Ansonsten ist der Papa ein bisschen enttäuscht, wenn Paul zwar jedes Mal reagiert, wenn er eine Ente sieht, aber leider auf deutsch mit ga(k)-ga(k), und nicht auf ungarisch mit "háp-háp". Aber wir haben auch schon gerätselt, ob er vielleicht  "kacsa" (ungarisch für Ente) sagen will und deswegen immer "ka-ka" sagt. Ein weiteres Wort, über das der Papa rätselt ist "alle", was Paul neuerdings sagt, wenn er sein Essen aufgegessen hat. 'Wie kann man nur ein Wort verwenden für "mindenki"(alle Menschen) und "elfogyott" (nichts mehr da). Ich weiß auch nicht so genau, warum man das kann. Aber Paul kann das jetzt auf jeden Fall auch.