Donnerstag, 12. Dezember 2013

Ein besonderer Moment im Babysitterleben

Seit etwas mehr als einem Jahr haben wir eine Babysitterin für unsere beiden Jungs. Und wir haben mit ihr besonderes Glück, denn sie hat viel Zeit, ist zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, hat die gleichen Vorstellungen, was Erziehung angeht und hat viel Freude an unseren Jungs, auch wenn die es einem durchaus manchmal schwer machen können.
Nun haben Babysitter bei Kindern ja häufig einen besonderen Status. Babysitter sind weder Mama noch Papa, sie sind eigentlich oft eher so eine Art Verbündete, weil sie eher selten da sind, die Eltern dann meistens weg sind und Babysitter häufig ganz eigene Strategien haben, die Zeit mit den Kindern nicht zu lang werden zu lassen und vor allem nicht zu konfliktträchtig. Unser Glücksgriff backt Plätzchen, fährt mit den Kindern Bus, bastelt für oder mit den Jungs oder hüpft mit ihnen so lange auf dem Sitzball, bis alle umfallen. Außerdem hat sie immer irgendwas in der Tasche, was ein Kinderherz höher schlagen lässt - und damit meine ich nicht irgendwelche Bestechungssüßigkeiten, sondern nette Kleinigkeiten, über die sich Kind und Eltern freuen.
In letzter Zeit ist sie, ich nenne sie mal Telisa, denn es gibt Leute hier, die sie so nennen, wieder sehr regelmäßig da und gestern Abend kam sie nach einem Jahr harter Arbeit in den großen Genuss, endlich eine vollständig anerkannte Erziehungsberechtigte in unserem Haushalt zu sein. Wie das? Ihre Einwirkungsversuche wurden - gemeinsam mit den meinen -  von unseren beiden Gangstern das erste Mal vollständig ignoriert. Hatte sie bis dahin noch ansatzweise den Babysitterbonus, wurde sie gestern nun endgültig willkommen geheißen im Land des Feindes. Wie es dazu kam?
Paul schläft schon seit ein paar Monaten in Freiheit, will heißen ohne Stäbe, während Moritz zur gleichen Zeit Pauls Gitterbett mit den drei herausnehmbaren Stäben geerbt hat. Seitdem das so war und ich morgens nicht mehr unbedingt vor den Kindern aufgestanden bin, kamen die Jungs nun jeden Morgen von allein aus dem Zimmer, indem Paul erst Moritz aus seinem Käfig befreite und sie dann zusammen mit den drei Stöcken ins Wohnzimmer marschierten, um den Morgen mit gemeinsamem Spiel einzuläuten. Wir wurden so häufig vom Klopfen der Stäbe wach. Abends jedoch gab es nie Probleme, denn Paul war immer zu vernünftig oder zu müde, um Moritz da aus dem Bett zu befreien. Wenn abends die Tür also zu war, dann war sie zu und wenig später Ruhe. Dieser Zustand ist seit gestern zu Ende.
Moritz hat gestern beschlossen, dass die Grenzen seiner Welt nicht mehr die seines Bettes sein sollen und auch nicht die seines Kinderzimmers, sondern die der ganzen Wohnung, wenn überhaupt. Telisa und ich besprachen gerade im Wohnzimmer, wie schön die Jungs zur Zeit essen (viel weniger Wurfgeschosse) und einschlafen (viel weniger Geschrei), da standen die beiden plötzlich kichernd im Wohnzimmer. Wir kuckten uns verdutzt an und ich war mir sicher, dass Paul Moritz nun doch das erste Mal auch abends befreit hat. Im Kinderzimmer angekommen stellten wir fest, dass dem nicht so war. Moritz klettert nun wohl endgültig raus. Was dann begann, war eine Endlosschleife von Unter-großem-Gekicher-im-Wohnzimmer-Auftauchen und Wieder-ins-Bett-Zurückbringen und verschiedenen Versuchen, die Jungs, die ihre neu gewonnene Macht so richtig genossen und immer mehr aufdrehten, irgendwie zur Ruhe zu bringen. Unter anderem 
- nahmen wir die Stäbe raus, um zu signalisieren, du musst nicht klettern, du darfst auch rauskommen, aber du sollst jetzt schlafen…..
- machten wir die Stäbe wieder rein, um zu signalisieren….ach, einfach aus Verzweiflung.
- drehten die Glühbirne raus
- sangen Gute-Nacht-Lieder (gegen kreischende Jungs hat man mit Leise rieselt der Schnee allerdings nur wenig Chancen)
- legten uns zu den Kindern
- legten uns auf die Kinder
- drehten das Bett um und wieder zurück
und tauschten uns über unsere Unfähigkeit im Wohnzimmer aus. Alles in allem, ein sehr aufregender Abend, der endete, indem Telisa statt uns die Wohnung verließ, sich Mama auf das eine Kind und Papa auf das andere Kind legten. Ja - auf das Kind, nicht neben das Kind. Ich freue mich schon auf den heutigen Abend, wenn ich mich alleine auf beide Kinder wälzen darf. Und unsere Telisa war sicher nicht ganz unglücklich, dass sie gestern früher nach Hause gehen durfte. Als Feind ist man manchmal froh über eine Rückzugsmöglichkeit.

Dienstag, 26. November 2013

Ein besonderer Moment im Elternleben

Es gibt Momente im Leben eines Elter, da fühlt man sich einfach so richtig wohl in seiner Rolle: Man ist stolz auf sein Kind und auf seine eigenen Erziehungserfolge, man ist überzeugt von der Wichtigkeit der Dinge, die man tut und man spürt, dass einfach alles genauso sein muss, wie es gerade ist. Und dann gibt es die anderen Momente. Einen davon hatte ich heute Morgen.
Alles fing damit an, dass der Papa und ich die Kinder zusammen in die Kita und Krippe brachten und an unserer ersten Station, dem Kindergarten, angekommen, ein herauskommender Vater mir und Paul  sträflicherweise die Tür aufhielt, was ich dankbar annahm, weil ich dachte, wir könnten uns so die lästige Wartezeit nach dem Klingeln ersparen. Das war mein erster grober Fehler an diesem Morgen. Denn Paul wollte weder Wartezeit sparen noch durch bereits geöffnete Türen schlendern. Er wollte klingeln, und zwar höchstpersönlich, und dann wollte er die Tür aufmachen. Hätte ich wissen müssen und können. Manchmal sieht man aber die naheliegendsten Dinge nicht.
Paul kam also hechelnd an der Tür an und herrschte mich an, "Tür zumachen" und "Klingeln, I-C-H!". Da beging ich meinen zweiten Fehler. Ich machte die Tür zu, weil ich dachte, so Harmonie stiften zu können und das Kind glücklich zu machen. Das Glück des Kindes aber, das war mir nur in diesem Moment noch nicht so klar, war nicht wiederherzustellen. Ich hätte insofern lieber an meinem eigenen Glück arbeiten sollen.
Es ging weiter damit, dass Paul klingeln wollte und auch klingelte. Aus Angst, es könnte jemand sein Klingeln überhören, klingelte er mehrmals hintereinander und ich konnte noch gerade verhindern, dass er mit beiden Händen großzügig alle Klingeln aller Gruppenräume auf einmal betätigt. Das war mein nächster Fehler. Denn der Junge wollte ja nur gehört werden, von allen. Was ist denn daran so schlimm? Ich fand es unangenehm und verbat ihm alles weitere Klingeln, woraufhin er keine Lust mehr hatte, die Tür überhaupt zu öffnen und reinzugehen. Ich wartete eine Weile, um dann aufzugeben und ihn hineinzuzerren. Das fand er hochgradig unpädagogisch und es löste bei ihm eine Wut mittleren Grades aus, die sich darin äußerte, dass er  ein willkürlich ausgewähltes Plakat von der Pinnwand riss. Das wiederum löste eine Wut schwereren Grades bei mir aus, die sich in wutentbrannten Äußerungen meinerseits zeigte, zu deutsch: Ich wurde laut, sehr laut und von dem oben angesprochenen "anderen" Elter-Moment trennten mich jetzt nur noch wenige Augenblicke. 
Meine laute Rede verwandelte Pauls Wut in Trotz und er beschloss, sich mitten in den Flur auf den Boden zu werfen und dort liegen zu bleiben. Er schrie nicht, er sagte nichts: Er demonstrierte stillen, aber aktiven Protest mitten auf dem Kindergartenvorflur. Ich herrschte ihn abermals an, er solle aufstehen, da war er da, der Moment: Ich öffnete die Innentür und es begrüßten uns zwei Damen mit freundlichem Lächeln und mit den an Paul gerichteten Worten: "Guten Morgen!….Ach Gott, bist du müde? Hast du dich ein wenig schlafen gelegt? …Ich bin auch ganz müde!….Darf ich mich dazulegen?" Paul reagierte nicht, blieb einfach liegen und kuckte trotzig in die Luft. Während ich mich in stillem Warten übte, in der Hoffnung mein Junge würde irgendwann einfach aufstehen und reinkommen, wandte sich die Dame nun mir zu: "Einen schönen guten Morgen, wir sind von der Diözese und heute den ganzen Tag hier. Dürfen wir ihnen eine Broschüre in die Hand geben mit Anlaufstellen für Eltern, deren Kinder manchmal einfach im Flur schlafen wollen?" - sprach's und drückte mir eine Broschüre mit Erziehungsberatungsstellen in die Hand. In diesem Moment war ich ganz angekommen in meinem Moment. Ich bedankte mich für die Broschüre, zwang Paul zum Aufstehen und verdrückte mich, denn die Gefühle, die mich nun übermannten, waren Gefühle, die man lieber allein genießt.

Montag, 25. November 2013

Spielen beim Arzt - U7a

Wir waren heute beim Arzt, ein bisschen spielen. Ich hatte große Sorge, was diesen Spieletermin angeht, denn mir war in etwa klar, was erwartet wird und wie Paul in etwa mit den Erwartungen umgehen würde. Paul spielt gern. Die Regeln legt allerdings er fest. Oder wie mein Kinderarzt nach unserer Spielerunde grinsend resümierte: Regeln sind was für Verlierer.
Bei der U7a-Untersuchung muss man einen Ball fangen können, über A4-Blätter springen können, Tiere, Begriffe benennen können und Formen nachbauen, hatte ich gehört. Ich war nervös, dass Paul stattdessen lieber den Ball in die Tasche steckt, das A4-Blatt nimmt und zerreißt und die Formen abbaut, statt nachzubauen. Zu deutsch, ich hatte Sorgen, wir fliegen durch den Test, mit Pauken und Trompeten. Terminlich war das Glück nicht auf unserer Seite. Wir waren heute in Katerstimmung. Hier war nämlich gestern große Geburtstagsparty für Paul und die Nacht endete danach um fünf Uhr morgens. Offenbar waren die Jungs so aufgeregt wegen der Luftballons im Wohnzimmer, dass sie mitten in der Nacht kucken mussten, ob die wohl noch hängen. Sie hingen. Um 9 Uhr - als unser Termin war - war Paul schon das erste Mal müde. Aber er hat sich wacker geschlagen und sich von seiner besten Seite gezeigt. Die Hälfte der lustigen Spiele mit der Arzthelferin hat er mitgemacht und bei der anderen Hälfte hat er einfach ein neues Spiel erfunden.

Das erste Spiel spielt Paul mit: Vier gelbe Bausteine, vier grüne Bausteine. 
AH: Welche Farbe ist das? 
P: grün.
AH: Und das?
P: gelb.
AH: Welche gefällt dir besser? 
P: grün.
Das zweite Spiel verstand er, bekundete aber schon Missfallen.
AH: Ich lege jetzt etwas mit den Bausteinen und du legst das mit deinen Bausteinen nach, ok?
P: Nein.
AH: Wir fangen an. (legt drei gelbe Bausteine nebeneinander) Kannst du das mit deinen Bausteinen auch?
P: Nein. (legt drei grüne Bausteine nebeneinander)
An dieser Stelle steigt Paul aus. Er spielt ab sofort nach seinen eigenen Regeln.
AH: Gut gemacht Paul. Jetzt weiter. (legt zwei Bausteine nebeneinander mit einer Lücke und einen drüber als Brücke) Kannst du das auch?
P: (nimmt den oberen Baustein der AH und zerstört die Brücke.)
AH: Noch mal von vorn, Paul. Ich baue eine Brücke mit meinen Steinen. Kannst du das auch?
P: Nein. (baut die Brücke mit zwei gelben und einem grünen, statt wie vorgesehen mit drei grünen Bausteinen.)
Ab jetzt spielt Paul nicht nur nach eigenen Regeln. Er spielt ein komplett anderes Spiel.
AH: Schau mal Paul. Jetzt baue ich eine Schlange mit meinen Bausteinen. (nimmt Paul einen grünen Baustein weg und legt einen gelben, einen grünen und einen gelben Baustein nebeneinander.) Kannst du sie weiterbauen?
P: (holt sich den grünen Baustein zurück. das war schließlich seiner)
AH: Das versuchen wir nochmal. (zeigt nochmal, was sie will und fängt an die Schlange zu bauen.)
P: (nimmt die gelben Bausteine, legt sie alle vier nebeneinander, nimmt dann die grünen Bausteine und legt sie auf die gelben Bausteine.) Es entsteht ein farbtechnisch wunderschön geordneter Bausteinzweireiher. Paul hält viel von Ordnung. 
AH: Ok, vielleicht spielen wir dann was anderes. (kuckt ernst und macht Kreuze.)
P: Nein. (Das sagt er gern.)
Zu diesem Zeitpunkt verliert Paul die Lust am Spielen, weil er merkt, dass hier irgendwas von ihm erwartet wird und er nicht die richtigen Ergebnisse produziert. Er rutscht auf dem Stuhl hin und her und ist genervt. 
AH: Schau mal Paul, kannst du einen Strich zeichnen? (gibt ihm einen Stift und ein Blatt mit zwei Kästchen. In einem ist ein Strich, in das andere soll er einen ähnlichen Strich zeichnen.)
P: (zeichnet den Strich in das nicht dafür vorgesehene Kästchen, das schon den anderen Strich beinhaltet.) An dieser Stelle bin ich mal wieder froh, dass ich keine Zensuren geben muss.
Die Arzthelferin gibt nicht auf. Sie hat noch ein Spiel auf Lager.
AH: Gut. Spielen wir noch was. Ich zeige dir jetzt eine Karte. Was ist das?
P: Apfel.
AH: Und das? (zeigt eine andere Karte.)
P: Katze.
AH: Gut gemacht. Jetzt zeige ich dir noch mehr Karten und du sagst mir, wo die besser hinpassen, ok?
P: Nein.
AH: (zeigt einen Hund).
P: (nimmt die Karte und legt sie zwischen Apfel und Katze. 
AH: Nein, Paul. Wohin gehört die Karte?
P: (nimmt die Karte, legt sie auf die Katze.)
AH: Gut Paul. 
Da hat sie sich zu früh gefreut, weil sie offenbar eine unverbesserliche Optimistin ist.
P: (nimmt die Katzenkarte, die Hundekarte und die Apfelkarte und beendet das Spiel.)
AH: Nein, Paul, wir spielen noch weiter. (Legt die Karten wieder hin - so wie sie liegen sollen - und gibt ihm eine Bananenkarte.)
P: (nimmt die Bananenkarte und alle anderen Karten und sammelt sie in seiner Hand. Seine Botschaft: Die nächste Karte bitte.)
AH: (macht noch einen Versuch mit einem Schwein, das Paul benennt und anschließend zu den anderen Karten in seine Hand legt.) Das Spiel ist hiermit beendet. 

Danach machen wir noch einen Sehtest, bei dem er endgültig schlechte Laune bekommt. Wir machen dann Dinge, die wir gern tun, wie wiegen und messen und beenden die Untersuchung. Die Untersuchungsbescheinigung sagt unauffällig mit auffälligem Hang zum Dickkopf. 

Mittwoch, 20. November 2013

Wir haben keinen Fernseher

Was war ich stolz. Ist noch gar nicht so lang her. Wir waren zu Besuch beim Opa und der versuchte mit den Kindern erstmals die elektronische Ruhigstellung. Was war ich stolz, als alle gemeinsam feststellten, elektronische Ruhigstellung zieht bei denen nicht. Die kucken weder genau hin noch sind sie besonders neugierig auf die flackernden Bilder, sei es auf dem Handy, dem Fernseher oder dem Computer. Nun - einige Monate später - funktioniert die elektronische Ruhigstellung einwandfrei und ich habe den Stolz gegen die elterliche Scham getauscht. 
Zur Erklärung: Wir haben keinen Fernseher. In Budapest stand ein kleines Miniaturröhrenfernsehgerät auf dem Kühlschrank. Da lief manchmal was. Aber nichts Abendfüllendes, dafür war die Küchenfernsehsituation viel zu unbequem, und nichts, was nicht sofort austauschbar war durch irgendeine interessantere Aktivität. Auch in Bayern haben wir es noch nicht zu einem Fernseher gebracht. Wir sind froh, dass wir seit neuestem ein Sofa haben und genug Stühle für genau drei Gäste. Ein Fernseher steht nicht auf unserer Prioritätenliste. Allerdings nicht, weil wir linke Intellektuelle sind und Leute verurteilen, die am Fernseher in den Feierabend gleiten ("Wir haben keinen Fernseher!"), sondern weil wir unsere Glotzbedürfnisse im Internet befriedigen und nicht genau wissen, wofür eigentlich das Fernsehgerät gut sein soll außer besseren Sound und besseres Bild, alles Dinge, die furchtbar viel Geld kosten und bei der Kinderfrequenz in diesem Haushalt immer wieder nach hinten rutschen auf unserer Prioritätenliste. Trotz allem ist es natürlich toll, wenn man zwischendurch immer mal wieder einschieben kann, "wir haben keinen Fernseher." Das Problem ist nur, Fernseher sind nicht das Problem. Unsere Kinder befriedigen ihre Glotzbedürfnisse mittlerweile im Modus ihrer Eltern: auf dem Smartphone und dem Laptop.
Es fing an vor ein paar Wochen. Ich arbeitete noch und stand jeden Morgen um halb fünf auf. Um halb sieben weckte ich die Jungs, zog sie an, frühstückte und brachte sie zwischen halb acht und acht in Krippe und Kiga. Um 8 fuhr ich zur Schule und blieb dort bis 13 oder 14 Uhr. Dann fuhr ich nach Hause, rührte mir ein Mittagessen zusammen und bereitete meinen Unterricht für den nächsten Tag vor. Zehn vor vier holte ich die Jungs ab, ging mit ihnen nach Hause und spielte mit ihnen. Die Jungs waren nach ihrem und meinem Acht-Stunden-Tag aber wenig dankbar dafür, sie beschmissen sich mit Legosteinen, kratzten sich die Augen aus, kreischten sich an und hauten am Ende mich, wenn ich dazwischen ging. Es dauerte nicht lang, da merkte ich um diese Uhrzeit regelmäßig, dass ich um halb fünf aufgestanden war und wünschte mir den Papa herbei. Der kam aber erst spät und so nahm die Unpädagogik in unserem Haushalt ihren Lauf und ich meinen Computer und eine "Der kleine Maulwurf" DVD. Ich setzte mich mit den Jungs aufs Bett und die Einstiegsdroge war perfekt. Am Anfang schauten wir ein Maulwurffilmchen, das sind im Durchschnitt acht Minuten. Irgendwann später schauten wir Maus und Elefant-Clips aus der Sendung mit der Maus und mittlerweile kommen die Kinder nach Hause, setzen sich aufs Sofa und fragen: "Maus und Elefant? Malokko (=Maulwurf kucke) kucken?" Meine Kinder sind inzwischen nicht nur offen gegenüber elektronischer Ruhigstellung. Sie verlangen danach. Und wenn die Ruhigstellung beendet wird, gehen sie direkt zu erneutem Gekreische über. Wen will ich jetzt eigentlich noch mit meinem Satz "Wir haben keinen Fernseher" beeindrucken, ohne mich lächerlich zu machen?

Samstag, 16. November 2013

Langsam gebe ich auf

Jetzt fange ich langsam an zu zweifeln. In den letzten drei Jahren waren wir mit beiden Jungs (mit Paul natürlich schon öfter) ein paar Mal zum Friseur. Ich selbst gehe inzwischen selten zum Friseur, weil ich in den meisten Fällen enttäuscht war und mit dem Ergebnis unzufrieden. Mein Friseurproblem habe ich so gelöst, dass ich mir zweimal im Jahr großzügig die Spitzen abschneiden lasse und ansonsten meine Haare selbst wasche und föhne. Seit ich zwei Jungs habe, habe ich allerdings wieder ein Friseurproblem. 
Am Anfang hab ich bei ihnen nur den Pony nachgeschnitten. Das allein hat solche Dramen verursacht, dass ich auch das sehr selten gemacht habe. Mit dem Ergebnis, dass es Phasen gab, in denen man die Jungs nur aus ganz besonderen Winkeln fotografieren durfte, weil sie sonst furchtbar komisch aussahen. Mit der Zeit ließen die Dramen etwas nach und wir trauten uns zum Friseur. Das heißt der Papa. Ergebnis: Es wurde mit der Maschine an den Seiten und hinten ausrasiert und oben alles auf eine Länge/Kürze geschnitten. Ich hab mich so vor meinem Sohn erschreckt, dass ich beschloss, in Zukunft wieder selbst zu schneiden, bzw. die Aufgabe nicht dem Papa zu überlassen. Danach ging es nur noch bergab. 
Wir gingen zum Haarschneiden in Budapest und Mama erklärte: "Bloß nicht so kurz und mit Maschine, nur überall ein bisschen was ab und eine schöne Form." Ergebnis: Überall war ein bisschen was ab, aber unterschiedlich viel und an unterschiedlich sinnvollen Stellen. Der Pony sah aus wie abgefressen und die Jungs bekamen beide einen missglückten Stufenschnitt, der sich (nicht) gewaschen hatte. 
Heute wollte ich es mal wieder wagen, denn der missglückte Stufenschnitt vom Sommer sah immer gruseliger aus und ich plane meinen Sohn an seinem morgigen Geburtstag mal wieder zu fotografieren. Also ging ich hier zu einer Friseurin um die Ecke, die ganz selbstbewusst davon erzählte, wie gut sie mit Kindern könnte und dass sie sowieso nie mit Maschine schneiden würde, als ich ihr von meinen bisherigen Dramen berichtete. Ich warnte sie vor, dass es nicht ganz einfach sei, aber sie belächelte mich nur. Da traute ich mich. Ergebnis: Das Geburtstagskind fotografiere ich morgen lieber in seiner neuen Mütze und seinen kleinen Bruder, den fotografiere ich nur von hinten, da kam die Friseurin nämlich nicht mehr hin. Paul war beim Schneiden die Ruhe in Person, er saß geduldig auf dem Stuhl und es gab eigentlich keinen Grund ihm so eine komische Frisur zu verpassen, aber die Dame hat es trotzdem getan. 
Voller Stolz und Selbstbewusstsein über ihre Leistung (immerhin hatte sie keine Maschine verwendet und überall was abgeschnitten) bot sie mir an, mit Moritz gleich weiterzumachen. Ich riet ihr und uns dazu, das zu verschieben, aber sie meinte nur: "Schauen Sie doch, er klettert doch schon auf den Stuhl." Das tat er aber nur, weil er mal kucken wollte, wie die Aussicht von da oben ist. Nach gefühlten zwanzig Sekunden wollte er wieder runter, vor allem weil ihm das mit der Schere unheimlich auf den Geist ging. Er fing an laut zu protestieren, nach der Schere zu schlagen, um sich dann auf dem Stuhl so zu winden, dass Schneiden unmöglich war, wenn man ihm nicht die Ohren mit absäbeln wollte. Danach kletterte er einfach runter und die Friseurin hatte die glorreiche Idee im Stehen weiterzuschneiden. Mein letztes Vertrauen in die Dame war in diesem Moment verschwunden. Moritz stand keine zwei Sekunden auf der Stelle. Die Dame verließ ihr Optimismus trotzdem nicht und sie schlug Moritz doch tatsächlich vor, eine Art "Fangen-Haareschneiden-Spiel" zu spielen. Er lief durch den Saal und sie hinterher. Kam er an eine Wand schnitt sie schnell was ab. Nach zwei Spielrunden hatte mein Sohnemann genug vom Spiel und fing an die Friseurin anzuschreien. Die Stimmung kippte. Mein Sohn auch. Er fing jetzt mit seinem zur Zeit üblichen Programm an, wenn ihm was nicht passt: Auf den Boden werfen, mit den Armen strampeln, laut schreien und zwischendurch immer mal ein Stellungswechsel, damit es nicht langweilig wird. Zwei neue, im Gegensatz zu uns sehr harmlose Kunden betraten den Salon und bestaunten die Show. "Wenigstens vorne ist ja was ab," kommentierte die Dame und wir beschlossen, für heute aufzuhören. Moritz schrie durch den ganzen Aufsteh-, Anzieh- und Kinderwageneinsteigevorgang und sorgte dafür, dass ich jetzt wieder ein halbes Jahr warte, bis ich mich mal wieder in einen Friseursalon traue. Ich selbst werde wohl dort auch nicht wieder hingehen. Zuviel Angst, dass ich mit der Friseurin Fangen spielen muss. Ich sitze ja lieber beim Haarschneiden, da bin ich eigen.

Donnerstag, 14. November 2013

Im Schongang

Hier is aber auch nix los zur Zeit. Woran das liegt? Hab mit mir selbst zu tun. Und dann mit den Jungs. Und dann wieder mit mir selbst. Und wenn noch ein bisschen Zeit übrig ist, dann auch mit mir selbst. Schwanger sein ist keine Krankheit, sagen sie. Mittlerweile fühlt es sich aber leider so an. Die Stunde morgens und die drei Stunden nachmittags, die ich mit meinen Jungs verbringe sind nur mit viel Füße hochlegen tagsüber ohne Blessuren zu überstehen. Zum Aufstehen brauche ich manchmal Assistenten und die Jungs sind dafür denkbar ungeeignet, die kippen glatt um, wenn ich mich an ihnen hochziehe. 33. Woche und noch mindestens sieben vor mir. Das fühlt sich ein bisschen an wie eine kleine Ewigkeit. 
Seit einem Besuch der Oma hat sich mein Töchterchen gedreht und sucht wohl schon den Ausgang. (wahrscheinlich haben wir zuviel Nestbau betrieben.) Deswegen soll ich mich jetzt noch mehr schonen als vorher schon. Von der vielen Schonung ist mir schon ganz schwummerig und so habe ich mir jetzt jeden Tag mindestens einen Termin organisiert, der mich vom Schonen ein bisschen abhält. Das ist nämlich denkbar langweilig, die viele Schonerei. Dabei könnte ich ja jetzt endlich bloggen, den ganzen Tag, was das Zeug hält. Aber von der Schonung ist mein Gehirn auch schon betroffen. Es ist im Grund die meiste Zeit offline. Heute Morgen im Auto habe ich zum Kindspapa gesagt: "Kuck mal wie schön der Mond ist", und auf die aufgehende Sonne gezeigt. 
Liebes Töchterchen, heute beim Zahnarzt habe ich durchaus mit einigem Ernst vorgeschlagen, wir könnten die Behandlung gern am Tag 37+0 vornehmen lassen, wenn sie sich Sorgen über das Auslösen von Wehen machen. Man hat abgelehnt. Nicht nur deshalb werde ich für dich meine letzte Gedulds-, Eisen-, und Gehirnreserve zusammenkratzen und irgendwie durchhalten. In der Zwischenzeit lenke ich mich einfach mit deinen Brüdern ab. Einer davon hat nämlich mindestens noch vor dir Geburtstag.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Schwangerschaftsbeschwerden sind ein Witz dagegen

Gestern hab ich mir wieder was angetan und Geburtsvideos gekuckt. So eine Reportage bei ZDF - 37 Grad. Sollte man nicht tun, vor allem nicht, wenn die nächste Geburt nicht mehr lang hin und die letzte noch nicht lang her ist. Aber seit meine Frau Doktor mich informiert hat, dass mein Kind sich in Beckenendlage befindet und ich mich im Falle eines Blasensprungs in die Waagerechte begeben und den Rettungswagen rufen soll, hat sie mich wieder, die Geburtsparanoia. 
Bis jetzt habe ich mich voll auf die Schwangerschaftsbeschwerden konzentrieren können, denn davon hab ich mittlerweile genug für zwei, aber jetzt ist es langsam wieder da, dieses Gefühl...sch..., der schwierigste Teil kommt erst noch. Und dann liegt das Kindlein auch noch mit dem Kopf nach oben. Es liegt also nicht, sondern steht quasi einfach in mir rum. Geburten in Beckenendlage macht wohl nicht jeder, hat mir Google gesagt. Du musst dich also noch drehen, liebe Anna. Und du darfst auch gerne etwas weniger schwergewichtig sein als deine Brüder. Einen etwas kleineren Kopf darfst du auch haben (auf den Inhalt kommt es an, liebes Kind). Du darfst dir auch Zeit lassen, nicht zu plötzlich und überraschend erscheinen, lass mir Zeit, ich bin eine Dieselmaschine. Man könnte meinen, ich bin erfahren, was den natürlichen Geburtsvorgang angeht. Aber das bin ich nicht. Ich habe zwei Einleitungen hinter mir, bei denen ich nach Termin morgens in die Klinik gegangen bin und abends ein Kind im Arm hielt. Meine Wehen wurden durch Gels initiiert, meine Fruchtblase durch Sprengung zerstört. Ich bin nicht nur eine Dieselmaschine, ich bin eine Dieselmaschine, die für jeden großen Schritt einen Tritt in den Hintern braucht, das gilt auch ganz unabhängig von Geburten. 
Deswegen bin ich heute so paranoid wie beim ersten und zweiten Mal. Was, wenn es diesmal ganz plötzlich kommt? Was, wenn mir im Supermarkt die Fruchtblase platzt, und es dann ganz schnell ganz weh tut, so wie es in Filmen immer passiert. Und wer macht den Quatsch im echten Leben weg, während ich mich hinlege und den Rettungswagen rufe? Was, wenn das Glöckchen in der Hosentasche mein Mädchen nicht zum Drehen bewegt und sie irgendwann einfach mit den Füßen zuerst auf die Welt kommen will? Machen Mädchen sowas? Was, wenn sie stecken bleibt im Geburtskanal? Kommen wirklich alle Babys immer raus? Alle? Schwangerschaftsbeschwerden sind ein Witz gegen diese Fragen. Zum Glück hab ich die Antwort auf all meine Fragen: Weniger Geburtsvideos kucken und etwas mehr Verdrängung.

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Mädchen sein darf kein Problem sein

Wer an dieser Stelle zum ersten Mal in meinem Blog liest, wird nicht wissen: Ich bin zum dritten Mal schwanger. Nach zwei Jungs bekommen wir jetzt ein Mädchen und es vergeht kein Tag, an dem das Geschlecht meines dritten Kindes nicht in irgendeinem Gespräch thematisiert wird. In vielen Fällen in positiver Hinsicht. Unser Umfeld freut sich auf unser Mädchen - darüber habe ich an anderer Stelle schon geschrieben. Genauso wie diese Freude aber häufig auf dem durchaus gängigen Vorurteil beruht, dass Mädchen unkomplizierter, weil braver, wären, begegne ich täglich Stimmen, die das Geschlecht mit Bezug auf gegenteilige Vorurteile problematisieren. Zuletzt in einem für mich erschreckenden Zusammenhang: 
Ich bin jetzt in der 30. Schwangerschaftswoche und das fühlt sich - da mache ich keinen Hehl draus - in der dritten Schwangerschaft in drei Jahren - nicht mehr nach Babymoon an. Um ehrlich zu sein fühlt sich die 30. Woche dieser Schwangerschaft so an wie die 37. in der zweiten und die 41. (oder 45. , wenn es sowas geben würde) in der ersten. Das hat vor allem mit der Doppelbelastung Arbeit und Familie zu tun, aber auch mit der Tatsache, dass mein Körper in den letzten drei Jahren eigentlich immer im Status pränatal oder postnatal geweilt hat. Das macht sich einfach irgendwann bemerkbar und wundert mich auch nicht besonders. Was mich aber gewundert hat, war die Erklärung, die ich von verschiedenen Seiten schon gehört habe, dass die Schwierigkeiten dieser Schwangerschaft mit dem Geschlecht meines Kindes zu tun haben. Das wundert mich nicht nur, sondern erschreckt mich. 

Berlinmittemom hat vor ein paar Tagen eine Blogparade gestartet, zum Thema "Gemeinsam für starke Mädchen". Sie beteiligt sich damit an der von Dove und Rossmann gestarteten Aktion "Mehr Mut zum Ich: Mütter helft Mädchen stark zu sein!"

Die Aktion spricht mich in vielerlei Hinsicht an und ich möchte mich deshalb gern daran beteiligen. Die erste sind die eben erwähnten Gespräche. Die Prägung des Geschlechts in kultureller Hinsicht fängt schon weit vor der Geburt an - und das nicht etwa mit dem Kauf von rosa Babysachen, sondern vor allem in Gesprächen über Schwangerschafts- und Geburtsverlauf sowie voraussichtlichenVeränderungen, die die Geburt eines Mädchens in deinem Leben bewirkt. Nicht nur Mädchen erziehen ist anders. Auch Mädchen im Bauch tragen und Mädchen austragen. Mädchen sind nicht einfach nur Mädchen. Sie sind vor allem keine Jungs.
So habe ich zum Beispiel zwei Jungen bekommen. Beide wurden eingeleitet, aber natürlich geboren. Nun wird angeblich alles anders: Mädchen kommen meistens vor Termin und schneller, denn die Jungs sind bequemer. Es gibt auch Stimmen, die behaupten, Mädchen würden länger im Bauch verweilen, weil sie sich noch putzen müssten - mein weibliches Baby hat also jetzt schon Mascara in der Hand. Allein der Ungenauigkeit des Ultraschalls ist es offenbar zuzuschreiben, dass mir das noch nicht aufgefallen ist. Genauso gibt es Menschen, die behaupten, dass die körperlichen Beschwerden in einer Schwangerschaft vom Geschlecht des Babys abhängig sind. Und so werden meine jetzigen Probleme mitunter dem Geschlecht meines Babys zugeschrieben. Was dahinter steckt: Das weibliche Geschlecht als Problem. Fängt mit der Schwangerschaft an und hört danach nicht auf. Dinge, die mir in diesem Zusammenhang in den letzten Wochen und Monaten begegnet sind:
1. An der Rosa-Phase wirst du nicht vorbeikommen. 
2. Mädchen sind halt in der Pubertät viel anstrengender.
3. Weniger Sorgen muss man sich um Drogen und Alkohol machen, wenn sie größer werden, aber dafür viel mehr, wenn sie abends allein unterwegs sind.
4. Mädchen sind zickig.
5. Mädchen sind unkomplizierter, aber schreien viel mehr als Babys.
6. Mädchen können schwanger werden, das ist eigentlich das größte Problem.
7. Mädchen sind komplizierter, schon allein wegen der Menstruation.
8. Mädchen wollen immer die Prinzessin spielen/sein.
9. Na dann musst du ja jetzt doch lauter neue Babysachen kaufen.
10. Das wird ja dann eine schöne Prinzessin, mit zwei großen Brüdern.   
11. Die darf dann bestimmt alles (weil sie ein Mädchen ist, mit zwei großen Brüdern).
12. Na da mach dich auf was gefasst. Mädchen schreien viel mehr. 
13. Mädchen sind hysterisch. Und Frauen erst.
Die Liste ist hier nicht zu Ende, aber sie zeigt, wie sehr ein Mädchen schon vor der Geburt zum Problem wird, weil es ein Mädchen ist. Vom späteren Frausein ganz zu schweigen. Gemeinsam für starke Mädchen beginnt bei mir deshalb schon vor der Geburt. Und es beginnt nicht unbedingt mit der Weigerung, eine rosa Babyausstattung anzuschaffen. Obwohl ich dies aus persönlichen Gründen tatsächlich tue. Es beginnt mit der Weigerung, all diese Urteile und Vorurteile über Mädchen, die so sind wie sie sind, weil sie Mädchen sind, zu hinterfragen. Aus diesem Grund kann ich die Aktion nur unterstützen und werde mich sicher noch mit einem weiteren Artikel beteiligen. Jetzt wo ich wegen meines Mädchens mehr Zeit zum Beine hochlegen habe.

Samstag, 5. Oktober 2013

W-O-C-H-E-N-E-N-D-E

Früher sahen unsere Wochenenden so aus, dass wir ausschliefen, dann ausgiebig gefrühstückt haben, um danach lange rumzuliegen und zu überlegen, was wir wohl mit der vielen Zeit anfangen, in der Folge einen Plan zu entwerfen und dann das Wochenende mit Sport, Kino, Film und Buch zu verbringen. Zwischendurch Pläne zu machen, um Freunde einzuladen und sie zu bekochen und irgendein neues, meistens sehr unkompliziertes Rezept durch eigene Kreativität und Mangel an Zutaten zu verunstalten. Ein bisschen Unterrichtsvorbreitung fand auch statt, aber nicht so viel, denn an meiner alten Schule lebte ich den in Deutschland unvorstellbaren Traum eines eigenen Mini-Lehrerzimmers (bei - das sei nicht vergessen - Alptraumbezahlung), das ich mir mit nur einer Kollegin teilte und in dem ich alle meine Vorbereitungen erledigte, um nichts mit nach Hause nehmen zu müssen. 

Heute sehen meine Wochenenden so aus, dass ich weit vor sieben aufstehe, um morgens in aller Ruhe Pläne fürs Wochenende zu schmieden. Die Pläne beziehen sich allerdings heute auf Essen (was muss ich einkaufen, damit wir am Wochenende nicht verhungern und was soll ich kochen, um die Bäuche vollzustopfen), Unterrichtsvorbereitung (wie kann ich so viel wie nötig Unterricht vorbereiten und dennoch so viel wie möglich Zeit mit meinen Männern verbringen) und Kinderunterhaltung (wie schaffen wir es an diesem Wochenende, dass die Jungs sich zu Hause nicht mit Holzspielzeug die Köpfe einschlagen). Um sieben gehe ich einkaufen - heute für Apfelkuchen, Hühnersuppe (erkältete Jungs) und Szegediner Gulasch. Dann ist der Laden leer und die Regale voll. Um acht frühstücken wir, danach wird mit Budapest geskypt und das Essen vorbereitet. Dann gehen die Männer auf den Spielplatz und ich mache weiter Essen oder bereite Unterricht vor. Wenn ich auch ein Büro hätte, würde ich es derzeit nie schaffen, die Arbeit in der Schule zu erledigen. Mittags kommen die Männer zurück, wir essen und dann wird der Mittagsschlaf organisiert und zelebriert. Da pennen die Männer zwei bis drei Stunden und ich powernappe, um dann weiter Unterricht vorzubereiten. Manchmal schlafe ich länger. Dann fühle ich mich frei. Am Nachmittag gehn wir alle raus. Meistens zum Spielplatz. Denn mittlerweile bestellen die Kinder das schon. Die Abende verbringen wir getrennt. Die Jungs in ihrem Zimmer und wir in unserem. Und das ist auch gut so.

Gibt es Unterschiede zwischen den Wochenenden? Natürlich. Sehne ich mich nach mehr Müßiggang? Manchmal. Verunstalte ich noch Rezepte? Ganz sicher. Bekoche ich noch Freunde? Ganz sicher nicht. Gehe ich noch ins Kino? Ganz selten, denn ich würde einschlafen. Träume ich von meinem Mini-Lehrerzimmer? Häufig. Mache ich noch Sport? An dieser Stelle enden die Aufzeichnungen. Es ist gleich sieben Uhr.

Freitag, 4. Oktober 2013

20 facts about me

Inspiriert von berlinmittemom und anderen Bloggerinnen, gebe ich heute, am Freitag Nachmittag um 15 Uhr, einfach auch mal "20 facts about me" preis. Denn die Aktion gefällt mir. 

1. Ich werde bald 34 Jahre alt. 34 ist fast 35 und 35 ist wie vierzig, sagt mein Mann. Vierzig ist tot, dachte ich als junges Mädchen. Bin grad mehr als lebendig. Für zwei sozusagen. Dennoch machen solche Zahlenspiele mir Angst.

2. Ich verspüre hin und wieder ein großes Bedürfnis meinen Facebook-Account zu löschen. Dann finde ich irgendeinen interessanten Post.

3. In meiner ersten Schwangerschaft trank ich viel koffeinfreien Kaffee. In der zweiten trank ich wenig koffeinhaltigen Kaffee. Jetzt, in meiner dritten Schwangerschaft, trinke ich viel Kaffee. Das Adjektiv darf sich jeder dazu denken.

4. Ich höre fast nie Musik. Außer neuerdings beim Pendeln zur Arbeit im Auto. Aber das ist nur Geschramme. Keine echte Musik. Stille ist mir angenehm. 

5. In meiner Jugend habe ich meine Haarfarbe immer zwischen Rot und Blond gewechselt. Inzwischen wechsle ich nur ab und zu das Shampoo. 

6. Meine Mutter sagt, ich war ein ordentliches Kind. Mein Mann sagt, ich bin eine Schlampe und meint dies nicht im sexuellen Sinne. 

7.  Mein Mann hat öfter Recht als ich (zugebe).

8. Ich wollte früher Journalistin werden. Bin jetzt Lehrerin. Bin darüber sehr zufrieden.

9. Ich habe ein Semester Wirtschaftswissenschaften studiert und in diesem Semester viele Partys gefeiert. Der Kurs "Einführung in die Buchführung" inklusive der zu führenden T-Konten hat mir den Appetit aufs Wiwi-Studium verdorben.

10. Ich hätte gerne 4 Kinder. Aber ich bin realistisch.

11. Ich telefoniere täglich mit meiner Mutter und das ist mir weder peinlich noch sonst irgendwie unangenehm. Wenn meine Kinder in 30 Jahren ähnlich denken, hab ich alles richtig gemacht.

12. Früher bin ich aus 3000 Meter und 50 Meter Höhe mit Fallschirm oder Seil gesprungen. Heute mache ich mir viele Gedanken über die Höhe von Brückengeländern.

13. Ich habe mit 17 gern Plateauschuhe getragen und mich einmal so vor versammelter Mitschülerschaft auf der Raucherinsel  (bei uns durfte man noch rauchen in der Schule) auf die Nase gelegt, dass ich mich am liebsten vergraben hätte. An Ort und Stelle. Und ja, ich habe geraucht.

14. Meinen Vornamen mag ich nicht besonders. Aber ich verzeihe meinen Eltern, weil ich nun weiß, was für eine schwere Aufgabe die Namenswahl sein kann.

15. Ich kaufe häufig die ZEIT, um sie dann auf dem Tisch liegen zu lassen, bis die Staubschicht darauf mich dazu bringt, sie zum Altpapier zu tun.

16. Als junges Mädchen wollte ich auf keinen Fall heiraten und niemals Kinder. Irgendwas muss passiert sein. 

17. Ich stehe gern um vier Uhr morgens auf. Und ich schlafe gern um neun vor dem Computer ein.

18. Zimmerpflanzen gehen unter meiner Behandlung häufig ein. Meine Kinder sind offenbar robuster.

19. Wenn ich Zeit habe, möchte ich Klavier spielen lernen. 

20. Spontaner Besuch ist mir ein Greuel. Denn mein Mann hat Recht. (sh. Punkt 6).

Welcome back to Schwangerschaft

Liebe Mama, hiermit heiße ich dich willkommen in der Schwangerschaft - eine Zeit, in der die ganze Welt nicht nur besser weiß, was für dich gut ist, sondern dir ihre Meinung auch immerzu und ständig ungefragt auf's Brötchen schmiert. So geschehen heute im Lehrerzimmer und zwar eigentlich wörtlich gesehen. Welcome back to Schwangerschaft. It doesn't get any better.

Ich aß in der zweiten Pause in aller Ruhe ein Salamibrötchen aus dem Pausenverkauf, weil mein eigenes Brotpaket schon in der ersten Pause alle war (der Nachteil, wenn man um viertel nach vier aufsteht - da muss man bis 12 Uhr dreimal frühstücken! Manche sehen darin auch einen Vorteil...) und trank dazu einen leckeren Kaffee.
Nebenbei unterhielt ich mich locker und angeregt mit meiner Tischnachbarin über die Freuden des Lehrerdaseins - die Korrekturen, da ich seit heute Morgen 48 Jahrgangsstufentests in Deutsch mein (korrektur)eigen nennen darf. Meine Freude darüber hielt sich in Grenzen. Das Salamibrötchen half mir über den ersten Schock sehr gut hinweg. Vor allem stillte es aber wunderbar mein zweites Hüngerchen an diesem Vormittag. Da platzte es plötzlich von der Seite und von eigentlich unbekannt mitten in mein Gespräch: "Na, du bist ja mutig!"
Ich verstand nicht gleich und die Dame war offenbar der Auffassung, ich müsste sofort wissen, aus welchem Anlass sie mein Gespräch unterbrach und warum ich so voll des Mutes sei. Da keine Erklärung kam, war ich so nett und fragte einfach nach: "Warum?"-"Na wegen dem Salamibrötchen. Du bist doch schwanger!" Leider half auch das mir nicht gleich weiter, denn die Gefahren der gemeinen Salami waren mir gar nicht bekannt.
Aber ich wurde dann schnell aufgeklärt, dass diese so gefährlich sei, weil sie roh wäre und ihr Genuss in der Schwangerschaft nicht wirklich mit "Mut", wie die Kollegin es zuvor aus Sympathiegründen und sicherlich auch aus Respekt für meine Privatsphäre formuliert hatte, sondern vielmehr mit Fahrlässigkeit gleichzusetzen wäre.
In Wirklichkeit wollte sie nämlich nicht sagen: "Du bist aber mutig, dass du ein Salamibrötchen während der Schwangerschaft isst!", sondern vielmehr fragen: "Sag mal, bist du total bescheuert, dass du dir das rohe Fleisch reinziehst? Willst du dein Kind umbringen?" Ihre Kultiviertheit hat sie davon abgehalten. Ich bin nicht kultiviert. Deswegen schreie ich jetzt ganz laut in die Welt hinaus: "JA - ich zieh mir manchmal Salami rein. Und das schmeckt verdammt gut." 

Freitag, 27. September 2013

Rustikaler Spätzle-Topf

Ich glaube fest an die Tradition vom Abendessen, das aus Stulle mit Brot besteht. Das liegt daran, dass ich sehr am Mittagessen hänge, das warm sein soll und am liebsten aus drei Komponenten besteht. Wenn ich das so zwischen 11 und 13 Uhr bekomme, kann ich den Rest des Tages sehr gut auf warme Mahlzeiten verzichten. Wenn nicht allerdings, fällt mir das sehr schwer. Die Kids bekommen jeden Tag was Warmes in Krippe und Kindergarten. Über die Qualität dieser Gerichte lässt sich nicht streiten - die lässt zu wünschen übrig. Aber warm - und darüber durfte ich mir am Elternabend am Dienstag einen mindestens zehnminütigen Vortrag anhören - ist es wenigstens. 
Abends gibt es aus diesen Gründen bei uns in den meisten Fällen belegte Brote, Joghurt und irgendwelche Leckerlis. Diese Woche hab ich mehrere Ausnahmen gemacht, weil warm mittags bei mir in der Schule ausfiel und in dieser Familie niemand Brote verlangt, wenn er eine warme Mahlzeit bekommen kann. 
Ein 30-Minuten-Rezept fiel mir in die Hände und so gabs diese Woche unter anderem:

Rustikaler Spätzle-Topf (vegetarisch)





Die Kinder haben sich zwar nicht über die Temperatur beschwert, aber dafür über andere Dinge. Ganz individuell. Der eine hat den Schnittlauch aussortiert und eigentlich nur Spätzle mit Sahnesoße essen wollen. Der andere wollte vor allem die Pilze aus allen Schüsseln. Papa und Mama haben alles verdrückt.

Rezept
1 Gemüsezwiebel
300 g Champignons
2 EL Butter
500 g Spätzle (aus der Kühltheke)
500 ml Gemüsebrühe
200 g Schlagsahne
1 Bund Schnittlauch
Salz, Pfeffer

1. Zwiebel in schmale Ringe schneiden, Champignons putzen o. abreiben und in Scheiben schneiden.
2. Butter in einem Topf erhitzen, Pilze und Spätzle darin andünsten, herausnehmen. Zwiebel ins Bratfett geben, hellbraun rösten, mit Brühe ablöschen. Sahne hinzufügen, 10 Minuten köcheln lassen.
3. Schnittlauch klein schneiden. Pilze und Spätzle in die Suppe geben, noch mal 3 Minuten köcheln. Schnittlauch unterrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Highlight der Woche - Ringelrötelnalarm

Das Highlight dieser Woche war unser Ringelröteln-Drama, das mich seit zwei Tagen wahlweise zur Rabenmutter oder zur verantwortungsbewussten und vor allem völlig angstfreien Beamtin macht. Oder zu beidem gleichzeitig. Kommt auf den Standpunkt an. 
Am Dienstag war Elternabend in der Krippe. Elternabende sind sowieso schön, aber noch schöner sind sie, wenn sie in der Begrüßung schon mit der Erwähnung einer Krankheit und eines daraus folgenden Problems beginnen. "Hallo! Ich will Sie informieren, dass wir Ringelröteln bei uns haben. Da Sie schwanger sind, sage ich Ihnen das. Sie dürfen natürlich trotzdem reinkommen, aber wir müssen Sie informieren." - "Hmm.", sagte ich. "Und was heißt das jetzt?" Ich bin in solchen Fällen immernoch etwas unbedarft, trotzdem ich das dritte Mal schwanger bin.
In einem längeren Informationsteil über Ringelröteln, den witzigerweise einer der anwesenden Familienväter halten musste, der zufällig Doktor ist (dass er Psychiater ist, sollte dabei niemanden stören. Was ein echter Doktor ist, der kennt sich eh mit allem ein bisschen aus), erfuhr ich dann, dass eine Mitarbeiterin nicht mehr zur Arbeit kommen dürfe, weil ihr Sohn an Ringelröteln erkrankt sei und es nicht sicher sei, ob sie die Krankheit bekommen hat/bekommen kann und in die Krippe einschleppt/eingeschleppt hat. Ringelröteln wären nicht Röteln und auch nicht ganz so gefährlich, aber doch mit negativen Auswirkungen vor allem für Schwangere, bzw. für das Ungeborene, und wir sollen doch bitte zum Arzt gehen und uns testen lassen, ob wir immun wären, um dann über das weitere Vorgehen zu entscheiden. 
War ich zu Beginn noch ganz entspannt, wurde ich danach immer unentspannter und rief also am nächsten Tag tatsächlich meine Frauenärztin an. Innerlich habe ich gehofft, dass sie sagt: "Kein Problem. Sie sind nicht gefährdet. Gehen Sie ruhig arbeiten. Das ist nur Panikmache in der Krippe." Stattdessen sagte sie: "Röteltiterbestimmung machen wir und wenn der in Ordnung ist, dann gibt es kein Problem. Es ist zwar nur bis zur 20. Schwangerschaftswoche gefährlich, und da sind Sie ja schon drüber, aber ich schreibe Sie mal krank, bis wir mehr wissen. Nehmen Sie mal Ihren Sohn aus der Krippe und bleiben zu Hause." Von meiner Ärztin ging ich dann also noch unentspannter nach Hause als ich es vorher schon war. Wenn es nichts mehr macht, warum soll ich dann zu Hause bleiben? Wenn es doch gefährlich ist, wie lange soll ich dann zu Hause bleiben? Etwa sieben Wochen? - So lange kann es dauern, bis man was sieht bei einer Ansteckung. Dann bräuchte ich gar nicht mehr auf der Arbeit erscheinen.
Am Abend googelte ich, in der Hoffnung meine Entspanntheit wiederzufinden. Das ging schief. Danach war ich richtig verkrampft. 
Irgendwann hab ich dann meine innere Stimme gesucht und gefunden und die hat gebrüllt: Lass dich nicht verrückt machen. Wird schon nichts sein.  Hab mich dann für die Arbeit und gegen die Quarantäne entschieden. Ich hoffe, liebe Anna, das ist nicht nur im Sinne meines Arbeitgebers, sondern auch in deinem, insofern, als dass das Ringelröteldrama nur heiße Luft ist, und sich niemand, vor allem aber nicht ich - angesteckt hat. 

Samstag, 21. September 2013

Mamas erste Schulwochenbilanz

Die erste vollständige Schul-/Arbeitswoche ist rum und da zieh ich mal kurz Bilanz. Sie endete übrigens mit nem kränkelnden Paul. Der ist aber schon zum ordentlichen Beamtenkind mutiert und wird pünktlich Freitag Nachmittag krank. Moritz muss in dieser Hinsicht noch etwas üben. 
Die Woche war, was mein Unterrichtsaufkommen angeht, sehr harmlos, weil eine meiner Klassen auf Schüleraustausch in Frankreich war, am Dienstag Wandertag war und am Freitag zwei Stunden ausfielen wegen des Anfangsgottesdienstes und der anschließenden Klassenleiterstunden. Insofern war die erste Woche nahezu paradiesisch für mich. Der anstrengendste Teil war noch der Wandertag, weil ich morgens die Kinder so früh verfrachten musste, um mitgehen zu können, dass ich schon vor 8 Uhr die ersten Schweißausbrüche hatte, bei dem Gedanken an eventuelle Zwischenfälle. Beim Zwischenstopp im Wirtshaus habe ich dann meinen bayerischen Latein-Kollegen kurz vor der Pension in die vier Techniken des Weißwurstessens eingeführt. Er wirkte allerdings etwas pikiert über diese Anmaßung meiner preußischen Wenigkeit. Wenn er doch aber nicht wusste, was Zuzeln ist.... Ich weiß es ja auch nur von meinem preußischen Vater und nutze seither jede Gelegenheit, mir mit meinem Wissen zu mehr Integration zu verhelfen. Leider klappt das mit dem Brandenburglied besser. Lieber gemeinsam über die Saupreußen lachen, als von den Saupreußen über die eigenen Traditionen belehrt werden. Kann ich übrigens gut verstehen, aber ich gehe eben ungern den geraden Weg.
Unterrichtet habe ich die Woche trotz des vielen Ausfalls, wenn auch in reduziertem Maße. Und ich hatte sogar schon überraschenden Unterrichtsbesuch, der mich gleich wieder zurück ins Referendariat gebeamt hat. Meine Schüler haben mich gefragt, ob sie mir eine "unverschämte" Frage stellen dürfen. Die Unverschämtheit daran (es ging darum, in welchem Monat ich gerade bin) habe ich nicht erkannt, aber vielleicht seh ich aus wie im 11. Monat?
In den Pausen habe ich viele Gespräche mit Frauen geführt, die in Teilzeit 8 Stunden unterrichten, und das seit vielen vielen Jahren, und viele verwunderte Blicke erhalten wegen meines hohen Stundendeputats. Ich frage mich immer, wie die das alle machen. Mein Mann schickt mich arbeiten.
Ansonsten habe ich versucht, die Schule kennen zu lernen, habe alle meine Schulaufgaben gewissenhaft in den Schulaufgabenplan eingetragen, bevor mir jemand meine schönen Termine klaut und habe massenweise versucht Namen zu lernen und Schüler auf die Schippe zu nehmen. Letzteres ging besser als Vorletztes. Meinen ersten Virus hab ich auch schon niedergemacht - in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag hatte ich leichtes Fieber und Grippesymptome, aber Donnerstag früh war die Temperatur runter und nur noch Symptome übrig. Wenn alle Infekte diesen Winter so ordnungsgemäß ablaufen, dann kann sich mein Arbeitgeber freuen.
Zum Arbeitsplatz mit dem Auto gurken ist auch nicht so stressig, wie ich dachte, auch wenn ich David Guetta nicht mehr hören kann und mir beim Gedanken an die nächste Tankfüllung immer leicht übel wird. Ich hätte eigentlich lieber kein Auto, auch wenn Paulchen immer so schön "mama kék autója" (ÜS: Mamas blaues Auto) sagt. Alles in allem ist meine Bilanz positiv. Allerdings nur dank Kompressionsstrümpfen, Bauchgurt, unserer guten Telisa und natürlich dem geduldigen Papa. 

Dienstag, 17. September 2013

Sonntag im Zoo

Am Sonntag waren wir das erste Mal im Zoo, das heißt eigentlich im Tiergarten, aber den Unterschied musste ich googeln und selbst die Einrichtung, in der wir waren, nimmt es mit der Bezeichnung nicht so genau. Sie begrüßen mit Flaggen, auf denen groß Zoo steht, nennen sich aber Tiergarten (wahrscheinlich gab's die Flaggen im Sonderangebot auf der Tiergartenaustattungsausstellung).
Im Aquarium waren wir ja schon einmal, aber das war nicht besonders erfolgreich, an dieser Stelle nachzulesen. Einmal waren wir auch auf der Kinderfarm, aber das war im tiefsten Winter, da haben sich im Streichelzoo alle Tiere versteckt und es gab eigentlich nur Hühner aus ganz viel Entfernung zu sehen. 
Da die Regenzeit hier wieder begonnen hat und die aktuelle Regenausstattung der Jungs in den Kindertagesstätten auf Benutzung wartet, fehlt uns zu Hause derzeit die richtige Ausrüstung für unsere Waldkindergartenjungs. Deshalb war es Zeit für ein alternatives Sonntagsprogramm. Bei Regen starren die Kids unter der Plane vor und bei Regenpause schieben sie den Kinderwagen durch den Zoo. Toller Plan und noch bessere Umsetzung, denn es regnete eigentlich nur auf der Hinfahrt im Auto. Unser Ausflug blieb verschont und so konnten wir uns im eigentlich komplett leeren Tiergarten so richtig Zeit lassen. Die brauchten wir nämlich, denn Paul und Moritz blieben gleich kurz hinter dem Eingang gefühlte 20 Minuten stehen. Die Meerschweinchen waren schon dermaßen beeindruckend, dass wir ein wenig Angst bekamen in Bezug auf die "richtigen" Tiere. 


Wir lockten und riefen und am Ende gingen wir einfach weiter. Aber das half nichts. Die blieben da.


Nach einer Weile mussten wir die Meerschweinbeobachtung abbrechen - schließlich macht so ein Zoo auch irgendwann wieder zu, selbst wenn er gerade aufgemacht hat. Außerdem zeigte sich Paul wenig lernbereit und sagte immer wieder "nyuszi" (ÜS: Hase) zu den putzigen Dingern.

Die Papageien haben die beiden dann doch wieder weggelockt und wenig später neigte Moritz seinen Kopf zu einem "cicaaaaa" (ÜS: Miezekatze) vor dem Fennekkäfig.


Im Kinderdschungel spielten die beiden erstmal ne Runde Fangen und wir freuten uns über das Gerenne (je mehr Gerenne am Vormittag, desto Mittagsschlaf am Nachmittag).


Der "maci" (ÜS: Bär) war mindestens genauso neugierig auf die Jungs wie sie auf den Bären.


Aber das Kamel war dann doch lustiger.


Den Tiger mussten wir lange suchen und haben ihn nur zufällig in der letzten Ecke entdeckt. Durch ein Mini-Fenster riefen die Jungs dann wieder mal "cicaaaaaa". Diesmal stimmt es wenigstens.


Irgendwann kam der Ententeich, der immernoch eine große Faszination ausübt.


Der Zoobesuch endete mit einer großen Portion Penne Bolognese im anliegenden Italiener. Und die Eindrücke wurden - insofern hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt - in einem dreistündigen Mittagsschlaf verarbeitet. Ein Traum von einem Sonntag. 


Donnerstag, 12. September 2013

Und womit endet mein erster Schultag?

Mit einer SMS vom Papa, wann ich Moritz aus der Krippe abholen kann, weil er Fieber hat und ihm hundeelend ist. Als ich die SMS gelesen hab, war ich gerade mit der ersten Vorbereitung meiner morgigen fünf Stunden fertig. Schön ist das Mutterdasein in solchen Momenten. Wenn ich meine Babysitterin nicht hätte, könnte ich jetzt den ersten unangenehmen Anruf bei meiner neuen Arbeitsstelle starten. Die wären sicher begeistert. Nachdem ich als Elternzeitvertretung eingestellt worden bin und mit dickem Bauch angetreten bin, fehle ich am zweiten Schultag wegen krankem Kind. Ich brauch unbedingt endlich ne Leihoma. Dann kann ich meine Telisa nämlich wieder für die Freizeit einsetzen. Das macht wesentlich mehr Spaß. Ich bin dann mal beim Arzt.

Brotdosen für Anfänger

Seit Paul in den Kindergarten geht, muss ich jeden Morgen Essen vorbereiten für die Zwischenmahlzeit und weil er bis 16.30 Uhr da sein wird, braucht er davon zwei. Die berühmte Klappstulle fehlt dabei nicht (das Wort ist den meisten Bayern übrigens gänzlich unbekannt, was immer sehr lustig ist im Unterricht, wenn ich zum ersten Mal brülle "Pack die Stulle weg da in der dritten Reihe!"). Das Obst auch nicht. Aber was mach ich in die dritte Schachtel? Vegane Hackfleischmuffins? Süßes ist ja verboten. Irgendeine Idee?
Gestern hab ich da Gurken und Weintrauben reingemacht, inspiriert durch die Farbe der Schachtel. Aber ich glaube es war ein bisschen obstlastig. Die Weintrauben jedenfalls kamen zurück. 

Dienstag, 10. September 2013

Drei Minuten vor dem Klingeln

Heute Nachmittag habe ich eine Tour zu meinem neuen Arbeitsplatz gemacht, um mich selbst ein wenig zu beruhigen. Hat auch geklappt. Für die Strecke, 22 km, hab ich tatsächlich auch nur 20 Minuten gebraucht. Die letzten Tage habe ich schon mal trainiert, mit den Kindern mit meinem weiteren morgendlichen Fahrprogramm auf 20 Minuten zu kommen. Das ist uns aber leider noch nicht gelungen. Einen Tag haben wir noch Zeit. Dann soll das so ablaufen:

5.30 Uhr Weckerklingeln Mama.
5.35 Uhr Frühstück Mama - Müsli und Kaffee + Facebook/News-Check
5.50 Uhr Duschen Mama
6.00 Uhr Lieblingsstrümpfe und andere Nicht-Funktionskleidung anziehen
6.10 Uhr Obst schnippeln und Haferflocken kochen fürs Kinderfrühstück
6.15 Uhr Zweites Frühstück und Nachmittagssnack für Paul vorbereiten und einpacken
6.20 Uhr Kinder wecken und anziehen
6.30 Uhr Frühstück Jungs
6.45 Uhr Hände waschen, Zähne putzen Mama und Jungs
7.00 Uhr Anziehen Mama und Jungs
7.10 Uhr Tiefgarage: Jungs in den Fahrradanhänger/ Losfahren
7.15 Uhr Paul im Kiga abgeben
7.30 Uhr Moritz in der Krippe abgeben
7.40 Uhr aus der Krippe marschieren, zurück nach Hause, Schultasche holen
7.50 Uhr Losfahren mit dem Auto
8.15 Uhr Ankunft Schule

Heute Morgen lief es aber so:

5.30 Uhr Weckerklingeln Mama
5.35 Uhr Frühstück Mama - Müsli und Kaffee + Facebook/News-Check
5.50 Uhr Duschen Mama
6.00 Uhr Lieblingsstrümpfe anziehen dauert 15 Minuten, weil nass. (Note to self: Wir sind wieder in Regensburg - da trocknet über Nacht gar nichts.) Andere Nicht-Funktionskleidung anziehen nochmal fünf Min.
6.20 Uhr Obst schnippeln und Haferflocken kochen fürs Kinderfrühstück
6.30 Uhr Zweites Frühstück und Nachmittagssnack für Paul vorbereiten und einpacken
6.45 Uhr Kinder wecken und anziehen
7.00 Uhr Frühstück Jungs
7.10 Uhr Mama Umziehen, wegen fliegendem Frühstück
7.20 Uhr Hände waschen, Zähne putzen Mama und Jungs
7.30 Uhr Anziehen Mama und Jungs
7.35 Uhr Paul muss aufs Töpfchen
7.40 Uhr Moritz räumt Pauls Kiga-Tasche zurück ins Wohnzimmer, sodass ich sie vergesse
7.50 Uhr Tiefgarage: Jungs in den Fahrradanhänger/ Losfahren
8.00 Uhr Moritz in der Krippe abgeben
8.10 Uhr Kiga-Tasche holen
8.15 Uhr Paul im Kiga abgeben
8.25 Uhr zu Hause, abfahrbereit

Wenn ich dann sofort ins Auto gesprungen wäre, wär ich drei Minuten vor dem Klingeln zur zweiten Stunde in der Schule gewesen (Es sei denn natürlich, es hätte einen Stau oder irgendeinen anderen weiteren Fehler im System gegeben.) Die erste Stunde ist allerdings bei diesem Plan völlig unrealistisch und steht hoffentlich auch nicht in meinem Stundenplan morgen. Denn dann bin ich aufgeschmissen.


Hauptsache ein Mädchen

Liebe Anna,

heute ist mein letzter Ferientag vor dem Arbeitsstart an einer neuen Schule und die Ruhe will ich nutzen, um dich persönlich zu begrüßen. Die Welt und vor allem wir freuen uns schon auf dich und über die Tatsache, dass du ein 

bist. Als ich mit Paul schwanger war, da endete die Frage nach dem Geschlecht in 90% der Fälle mit dem Spruch Hauptsache gesund. Denn bekommt man sein erstes Kind, so trauen sich wenige offen eigene Vorstellungen vom männlichen Erstgeborenen oder vom Wunschprinzesschen auszusprechen. Bekommt man dann ein zweites, wie in meinem Fall, da werden die Formulierungen schon offener. Denn das Ideal der meisten Menschen scheint wohl aus einem vernünftigen Geschlechtergleichgewicht in der Familie zu bestehen. Aus diesem Grund erhalte ich häufig Mitleid, im weniger eindeutigen Fall zumindest viel Mitgefühl, weil ich zwei Jungen habe. 
Bei dir, liebe Anna, war mein gesamtes Umfeld schon eindeutiger in seinen Formulierungen. Um genau zu sein: Du bist ein Mädchen und das ist nicht nur gut so, sondern genau so gewünscht. Denn noch ein Junge, da wäre das Geschlechtergleichgewicht in unserer Familie mindestens jenseits der Norm, in den Augen der meisten jedoch völlig aus der Bahn geworfen. Der Papa hat in dieser Hinsicht eine andere Auffassung. Es bräuchte mehr Jungs, um hier Gleichgewicht herzustellen, sagt er immer.  Du siehst also, was hier los ist. Wir freuen uns alle sehr, dass du bald da bist. In welche Richtung sich die Geschlechterwaage dann wirklich neigt, werden wir sehen, wenn du da bist. Bis dahin, fröhliches Wachsen und Gedeihen und schöne Grüße von Paul, der genau Bescheid weiß über das Baby in meinem Bauch, und Moritz, der jetzt deinen Namen sagen kann.

Dienstag, 3. September 2013

Bayern hat uns wieder...

und Paul begrüßt wie immer unser Heim mit den Worten: "Menjünk haza." (ÜS: "Lass uns nach Hause fahren!") Dasselbe macht er allerdings auch in Budapest. Der arme Junge! So klein und schon so heimatlos. Moritz hat sich sofort Sonntag Nacht auf sein Dreirad gestürzt und ist durch die Wohnung gefahren, bis alle Gepäckstücke eingeräumt waren und Paul, der gar nicht aufgewacht war, auch bettfertig war. Dann haben sie in Einklang bis um halb acht geschlafen - Rekord!!!! - und am Morgen so lange rumrandaliert, bis wir echt aufstehen mussten. 
Heute fing nun der Ernst des Lebens wieder an. Moritz in die Krippe und Paul seinen ersten Eingewöhnungstag im Kindergarten, der wie auch schon in der Krippe damals nur anderthalb Stunden dauern durfte, damit er sich nicht so erschreckt. Nun ja. Moritz wollte zu Oma, Opa oder zu seinem Fahrrad, nur in die Krippe wollte er nicht. Ich hoffe für seine Erzieherinnen, dass er nicht den ganzen Tag jammert. Und Paul hat sehr viel Respekt vor der neuen Umgebung gezeigt. Zum Glück war der Papa nicht mit in der Krippe, denn der junge Mann hat sich am meisten mit dem Kinderwagen und der Babypuppe beschäftigt. Es war zu merken, dass die Kategorien, wer womit spielt, im Kindergarten  schon eindeutiger sind - ganz im Sinne des Papas. In Pauls Augen stand die meiste Zeit: Die Kinder hier sind alle so riesig und es gibt viel zu wenig kuschelige Erzieherinnen und außerdem "menjünk haza". Das hat er durchaus auch mehrmals ausgesprochen. Zu Hause haben wir dann eine Runde frische Pfifferlinge gegessen, lecker! 
und jetzt versuchen wir uns beide in Mittagsruhe. Und aus dem Kinderzimmer hallt es immerzu: M-O-R-I-T-Z?!?

Freitag, 23. August 2013

Erst Kaffee - dann Mama

Gestern früh habe ich mir ausnahmsweise nicht den Wecker gestellt und ausgeschlafen - bis 5.49 Uhr. Da wurde ich vom Singsang des Kurzen geweckt. Mein erster Gedanke ist immer, wenn ich auf diese Art geweckt werde, 'Jetzt bloß schnell noch n Kaffee trinken. Wenn im Kinderzimmer heute schlechte Laune herrscht, dann hast du besser deinen Kaffee schon getrunken.' Das hab ich also getan und weil offenbar gute Laune herrschte, sang Moritz weiter vor sich hin, sodass es für mich sogar noch zu einer Dusche reichte, bevor die ersten forschen Mamarufe aus dem Kinderzimmer drangen. Dann wurde ich - aus dem Bad - Ohrenzeuge des folgenden Gesprächs:
M: Mama!
P: Nein. Mama WC.
M: MAMA!
P: NEIN. Mama wc van. (ÜS: Mama ist WC.)
M: MAMA!!!!
P: Nein! Leg dich hin!
M: M-A-M-A!!!!!
P: NEIN! MORITZ! LEG DICH HIN! JETZT!
Ab da kreischten sich beide nur noch an und ich war dankbar für den bereits geschlürften Kaffee und den geduschten Körper, der mich an solchen Morgen mit dem Gefühl ins Kinderzimmer gehen lässt: 'Meine Bedürfnisse sind erfüllt. Jetzt kommen wir zu euren. Wer will zuerst?' 

Donnerstag, 22. August 2013

Zu wenig Shakespeare

Seit wir in den Ferien sind, schlafen die Jungs nicht mehr gut. 
Vielleicht liegt es an ihm hier - unserem neuen Hausbewohner. 

Oder aber es liegt am ungarischen Essen. Andere Ideen hab ich nicht. Auf jeden Fall schlafen die Jungs von 21 bis 5.30 Uhr und am Nachmittag, von 12.30 Uhr bis 14 Uhr - nur an Einzeltagen länger. Nachmittagsschlaf ist hart erkämpft und Abendschlaf findet erst nach mindestens 40-minütigem Tür auf - Tür zu- Ritual statt. Deswegen gibt es auch so wenig Blogeinträge, weil Mama zur Zeit alleiniges Sorgerecht hat, da Papa im Ausland ist. Und ich hab soviel zu tun mit der Organisation des Schlafes, des eigenen und dem der Kids, inklusive Bauchbewohner, dass mir die Kreativität und vor allem Zeit fehlt. Deswegen heute hier ein Bild aus der guten alten Zeit, in der Moritz noch schlief und schlief und schlief. Man beachte im Übrigen, worunter er sein müdes Haupt bettet. Vielleicht liegt es daran...zu wenig Shakespeare. Das ist eigentlich in den meisten Fällen das Problem.


Freitag, 9. August 2013

Ich habe einen blauen Elefanten im Kühlschrank.

In meinem letzten Post habe ich doch von dem Wunsch nach leicht ins Absurde driftenden Sätzen gesprochen, mit denen ich abends den Papa empfangen will. Nun, gestern hatte ich gleich einen solchen. Auf die Frage, was ich gemacht habe (außer den kranken M zu pflegen), konnte ich gestern antworten: "Ich habe eine blaue Elefantentorte gebacken." Und was mache ich heute damit? Na ich gebe die Torte P mit, damit der vor seinen Freunden in der Krippe damit angeben kann. Er hat nämlich heute seinen letzten Tag. Kosten konnte ich die Torte leider nicht und ich werde wohl auch nicht viele Geschmacksrückmeldungen bekommen - die Esser sind ja alle unter 3. Aber sie sieht nett aus.

Gebacken habe ich übrigens relativ wenig, wie das bei Torten so üblich ist. Vielmehr bestand die Arbeit aus sehr viel Bastelei. Ich bin eigentlich keine Bastelmama, aber dieser Elefant hat mir bei der Suche nach Tortenrezepten gleich gefallen. Und ich habe einen Hang zu bunten Motivtorten. Vielleicht ist das ja der Anfang einer neuen Karriere. Ich darf bloß keinem erzählen, wie chaotisch es in meiner Konditorei zuging und wie es jetzt noch da aussieht. Zum Putzen hatte ich nämlich um zehn dann keine Energie mehr.
P kennt den blauen Elefanten zwar nicht, aber das tut jetzt erstmal nichts zur Sache. Ich bin froh, dass überhaupt ein Elefant zu erkennen ist und dass ich gestern vor 22 Uhr fertig geworden bin. Im Übrigen hasse ich Leute, die behaupten, dass irgendwelche Rezepte kinderleicht sind. Das war nämlich bei diesem Rezept der Fall. Sh. hier (Kommentare). Es ist zu schaffen - wenn ich es geschafft habe - aber das Kind muss schon sehr geduldig sein. Ich stand gestern vor der schwierigen Frage, wie ich Marzipan ausrolle, wie ich die Marzipandecke ohne Bruchstellen auf die Torte bekomme, wie ich den Elefantenboden quer zerschneide, ohne ihn dabei zu zerbrechen, weil er nicht so hoch gegangen ist und ich kein Messer mit Elefantenlänge hatte u.v.m. Von dem Kraftakt, den es bedeutet, Marzipan einzufärben mal ganz abgesehen. Alles leichte Übungen für ein Kind. Für mich war es eine ganz schöne Herausforderung.

Hier übrigens die einzelnen Schritte:

1. Tortenboden backen, Malvorlage ausdrucken, vergrößern, auflegen und Elefanten ausschneiden.

2. Boden quer aufschneiden und die obere Hälfte beiseite legen.
3. Füllung herstellen und auf die untere Hälfte verteilen.
4. Marzipan einfärben (Das geht sicher einfacher. Ich habe es mit der Gabel gemacht, das war schweißtreibend.)
5. Marzipan ausrollen.
6. Obere Bodenhälfte zurücklegen, Marzipandecke obendrauf. Ränder abschneiden.
7. Verzieren. Fertig (Bild oben). Dann muss man noch genug Platz im Kühlschrank haben und eine ordentlich große Servierplatte. Die hab ich aber nicht. Der Elefant muss nachher auf dem Blech in die Krippe reisen.

Donnerstag, 8. August 2013

Schmetterlinge mit Füßen

Manchmal werde ich in der Krippe mit Sätzen empfangen, bei denen ich mir vorstelle, ich wäre Hausfrau und Mutter und würde abends mit solchen Schmankerln meinen Mann empfangen. Wie das wohl ankommen muss, wenn man von einem langen Arbeitstag nach Hause kommt.
Gestern beim Abholen in der Krippe Erzieherin 1:
-"Wir haben heute Schmetterlinge mit Füßen gemalt!" (Paul zeigt gleich auf seine Füße.)

Ich bin nicht gegen Basteln mit Kindern und frühe Kunstförderung liegt mir auch am Herzen, aber auf diesem Level muss ich mir leider echt viel Mühe geben und meine Anerkennungsstimme - die ohne Ironie - auspacken. Ich wäre in solchen Momenten gerne emotionaler und würde gern gerührt das Kunstwerk entgegennehmen. Stattdessen habe ich versucht mit so wenig wie möglich Ironie zu fragen:
-"Das ist aber toll! Wie das denn?"
-"Man stellt die Füße verkehrt herum nebeneinander aufs Blatt."
-"Na und die Farbe?"
-"Die pinselt man vorher auf die Füße. Moritz war ganz schön kitzelig."

Ich hab mir dann vorgestellt, wie sie Moritz die Farbe auf die Füße gepinselt haben, um Schmetterlinge damit zu stempeln, bevor er die Farbe eigenmündig ablutscht und dann dachte ich, was für ein Heidenspaß das gewesen sein muss und nahm mir fest vor, in der nächsten Elternzeit uns mit irgendeinem ähnlich gelagerten Spaß die Zeit zu vertreiben und den Papa dann mit einem solchen Satz zu empfangen. Wie der lautet, überleg ich mir noch. (Früher haben sie Menschen übrigens mit Pinseln an den Füßen gefoltert.)

Mittwoch, 7. August 2013

Moritz frisst Hühnersuppe


Es fing alles damit an, dass es am Montag im Rewe ganze Hühner gab. Und ich die gesehen hab. Die gibt's da selten und wenn, dann sind das immer glückliche Bio-Hühner, die 18 Euro und mehr kosten. Wenn ich ein solches Huhn sehe - das kommt eher selten vor - dann muss ich es kaufen, weil ich dann immer an die Hühnersuppe meiner Mama denken muss. Die ist lecker und macht fit. Also nahm ich das Huhn mit und gestern hab ich dann trotz hoher Temperaturen hier Hühnersuppe gekocht. Dass einem beim Essen die Suppe in Strömen gleich wieder die Stirn runterläuft, habe ich geahnt. Aber dass meinem derzeit Kleinsten die Suppe so gut schmeckt, dass er sie im hohen Bogen wieder auskotzt, das nicht.

Die Suppe hab ich tagsüber gekocht, als die Jungs in der Krippe waren. Ja, ich habe Ferien und schicke meine Kinder trotzdem in die Krippe. Sie fühlen sich wohl. Ich fühle mich wohl. Und miteinander fühlen wir uns zwischen 6 und 8 Uhr und 15 bis 20 Uhr wohl. Am Nachmittag fühlen wir uns derzeit nicht so wohl, da streiten wir alle viel. Zwischen 8 und 15 Uhr genießen wir die Freizeit ohne einander. Ich verbringe die mit Kuchenplanungen für Freitag (Paul hat seinen letzten Tag in der Krippe - er geht ab Herbst in den Kindergarten) und koche eben manchmal Hühnersuppe - so wie gestern. 
Abends hab ich sie dann serviert. Da war sie schön durchgezogen und nicht so heiß wie mittags, weil ich sie nur aufgewärmt hab. Die Jungs hatten sich am Nachmittag mit Keksen vollgestopft, weil wir hier wieder Besuch von unseren drei Nachbarskindern hatten und so viele Kinder halten alle nur aus, wenn es Kekse gibt. Deswegen hatten sie eigentlich keinen Hunger, aber als sie sahen, dass es nicht nur Stulle mit Brot gibt, sondern was Rischtiges, da kam das Appetitchen doch. Moritz schlang die Suppe löffelweise wie morgens sein Müsli. Ohne zu atmen und ohne zu kauen. Nur das Hühnerfleisch störte ihn dabei, aber das rutschte eh meistens vorher vom Löffel. Als er die halbe Schüssel Suppe gelöffelt hatte, fing der Junge plötzlich an zu würgen und ich sah mich schon, wie ich ihn an den Füßen packte, um irgendwas in seinem Hals stecken Gebliebenes wieder herauszuschütteln. Aber das große Stück Hühnerfleisch kam dann von ganz alleine wieder raus. Mit ihm die halbe Suppe. Moritz löffelte danach munter weiter, bis die selbe Prozedur sich 5 Minuten später noch einmal wiederholte. Danach gab er mir den Löffel, um mir zu signalisieren, dass ich ihm gefälligst schluckfertige Portionen reichen soll und das blöde Fleisch aussortieren soll und aß die Suppe munter zu Ende. Ich hatte nicht mehr so großen Appetit, aber das störte ihn dabei nicht weiter. 

Dienstag, 6. August 2013

Zweirad und Vierrad

Paul hat schon eine ganze Weile ein Laufrad. Er benutzt es aber eigentlich nicht, denn er ist mit allem immer ein wenig vorsichtig. So auch mit diesem Ding auf Rädern, das keine Bremsen hat. Vielleicht hat der Papa auch einmal zu oft gesagt, dass er die Dinger für vollkommen überflüssig hält und Paul hört ausnahmsweise mal auf ihn. Dennoch ist es Pauls Laufrad. Er weiß, dass es seins ist. Er weiß, wo es steht. Wenn Besuch kommt, dann führt er es ab und zu in der Wohnung vor und wenn Moritz es anfasst, dann macht er ihm die Besitzverhältnisse klar. Das war's dann aber auch schon. 
Für Moritz ist das Laufrad eh zu groß. Er kommt nicht mit den Füßen auf den Boden, was eine sinnvolle Nutzung der Maschine für ihn unmöglich macht. Neulich habe ich mich gegen den Papa widersetzt und so ein überflüssiges Ding für Moritz gekauft, das auf seine Größe abgestimmt ist. Ich wollte meinem süßen kleinen Moritz nicht vorenthalten, was mein süßer großer Paul schon lange hat: eine Fortbewegungsmaschine, die in der Ecke rumsteht. Ich hätte wissen müssen, das Einzelgeschenke in dieser Familie keine Freude auslösen, sondern nur Feinde schaffen. Moritz ist den ganzen Nachmittag nicht mehr von seinem Laufrad (das eigentlich so ne Art Vierrad ist mit vier kleinen Rädern) abgestiegen und Paul war den ganzen Nachmittag sauer, dass er nicht so ein Ding bekommen hat. Seine eigene Maschine hat ihm über den Schmerz nicht hinweggeholfen. Seitdem muss das Ding im Keller stehen, weil keins unserer Kinder mit dem Zweirad, aber alle beide mit dem Vierrad fahren wollen und es regelmäßig zu Schlägereien kommt. 
Am Sonntag haben wir ganz harmonisch einen Laufradausflug zum Spielplatz im benachbarten Venedig (eine Mehrfamilienhaussiedlung mit künstlichen Teichanlagen gleich bei uns um die Ecke) gemacht. Sobald wir am Spielplatz ankamen, stieg Moritz ab und Paul auf - auf Moritz' Laufrad. So ist das mit den personalisierten Geschenken. Hat einfach keinen Sinn in diesem Haus.









Montag, 5. August 2013

Tolles Kompliment

Wenn man mit zwei Kindern unterwegs ist, werden diese eigentlich immer in irgendeiner Form kommentiert. Wir werden meistens gefragt, ob Kind P und Kind M Zwillinge sind - erst am Samstag im Freibad kam wieder diese Frage, nachdem wir zu viert die Wasserrutsche runter sind. Ich finde die Unterschiede gravierend, aber für Außenstehende scheinen die blonden Schöpfe häufig Grund genug für die Zwillingsannahme zu sein. Was ich auch mitunter höre, ist die Frage, ob das überhaupt unsere sind, so hellblond wie sie sind. 
Je älter die Kinder werden, desto häufiger kommen jedoch Kommentare oder Fragen, die sich weniger aufs Aussehen beziehen als aufs Verhalten. So habe ich bei meinen letzten zwei Arztbesuchen den Hinweis schlucken müssen, dass Kind P ganz schön schwierig sei (Er kommt in dieser Hinsicht voll nach mir, denn auch ich bin nach einer Stunde im Wartezimmer schwierig und mache meistens irgendwem Probleme. Leider in vielen Fällen mir selbst, indem ich vor mich hin grummele), bzw. die beiden Jungs nicht unproblematisch. 
Gestern allerdings haben wir für unsere Söhne endlich mal ein Kompliment erhalten, und zwar für ihr Verhalten. Wäre ich eine Dinkelschnitten-Öko-alternatives-Bildungssystem-Übermutter hätte ich mich auch darüber gefreut. So überwog ein wenig das Schamgefühl. Wir waren gestern auf dem Spielplatz und während Mama und Papa auf der Bank rumfläzten, fing Kind M an, im Heckenlabyrinth das Erdreich umzugraben. Das besteht aus Mulch und ganz viel schwarzer Erde, die ihm sehr gefiel, weil sie so schöne Spuren unter den Fingernägeln hinterließ und nach dem gestrigen Regen auch sonst überall hängen blieb. Er beschloss allerdings nach kurzer Zeit des Grabens, die Erde müsste zur Bank transportiert werden, damit auch andere sie sehen und damit spielen können. Also fing er an zu arbeiten, wühlte immer zwei Hände voll raus und schleppte sie zu den Terrazzoplatten, um sie dort zu dekorieren. Kind P stieg sehr schnell in das Spiel ein und so arbeiteten sie sich gute zehn Minuten an der Erde ab. Ein ordentliches Elternteil verbietet sowas. Wir saßen aber so weit weg, dass wir so tun konnten, als ob wir das gar nicht sahen, was da geschah. Hier ein Beweisfoto:

Es wurde allerdings durchaus bemerkt, nicht nur von uns. Eine Mutter mit zwei Jungs im Alter von 4 und 2 kam direkt auf uns zu, um uns zu fragen, ob wir schon einen Kindergartenplatz hätten. Ich dachte noch, wie freundlich - so offen kommt in Deutschland selten jemand auf dich zu. Und dann kam die Erklärung und das Kompliment für unsere Söhne oder wahlweise unsere gute Erziehung gleich hinterher: "Wir haben nämlich bei uns im Waldkindergarten noch Plätze frei und die beiden spielen so toll mit dem Schlamm." Das geht einem runter wie Öl, so ein Kompliment.

Samstag, 3. August 2013

Kates Kleid und ich

Neulich bekam ich von einer Freundin ein Kleid geschenkt. Ein hellblaues Kleid mit weißen Punkten. Seitdem die Hitzewelle über Deutschland rollt, leistet es mir gute Dienste. Es ist eins dieser Kleider, die alles mitmachen und immer irgendwie nett aussehen ohne dass man sich besonders viel Mühe geben muss. (Danke übrigens, wenn du das hier liest!) Vor ein paar Tagen war bei uns der letzte Schultag und der endete mit einem Fußballspiel Lehrer gegen Schüler. An diesem Tag war es genau eine Woche her, dass Kate Middleton in einem ähnlichen Kleid aus dem St. Mary's Krankenhaus mit Baby George vor die Presse trat. Und so kam es, dass ich am Dienstag zum ersten Mal und in der Folge noch ein paar Mal auf mein Kleid angesprochen wurde. ("Das ist das gleiche Kleid, das Kate Middleton neulich anhatte! Sieht genauso aus!") Das ist aber eigentlich nicht das Wichtige an dieser Geschichte, auch wenn Vergleiche mit der Duchess durchaus schmeichelhaft sind. Das Interessante an diesen Vergleichen war vielmehr die Tatsache, dass diese fast nie ohne den Zusatz "Und sie hatte auch genauso einen großen Bauch wie du" auskamen.
Wenige Tage später las ich dann das hier und nun kann ich das nicht mehr unkommentiert lassen. Immer wenn ich in diesen Tagen über Kates und mein Kleid gesprochen habe, dann war schnell von ihrem großen Bauch die Rede - "das Baby ist doch schon raus! Wie kann der Bauch da so groß sein?" Nun - da scheint mir doch einiges verkehrt zu laufen in unserer Gesellschaft, wenn sich alle kaum 24h nach der Geburt in erster Linie erstaunt über ihren dicken Bauch äußern. In diesem Zusammenhang geht es sicher nicht um die gute Figur, die man als Frau heute spätestens 12 Wochen, besser noch 6 Wochen nach der Geburt wiedererlangt haben muss, sondern vielmehr darum, dass Geburten in unserer Gesellschaft mittlerweile einen solchen Sonderstatus haben, dass die Mehrheit der Bevölkerung gar nicht mehr weiß, dass der Bauch nach der Geburt nicht mal eben so einfach weg ist. Hinzu kommt dann nicht viel später die absurde Idee des post-baby-bodys, mit dem sich Frauen in allen Gesellschaftsschichten ziemlich bald nach der Geburt auseinandersetzen müssen, um ..., na um eben Frau zu sein, bzw. zu bleiben.
In dieser Hinsicht hatte ich Glück. Mein post-baby-Körper hat relativ schnell zu einem Zustand gefunden, der gesellschaftlich akzeptiert, mitunter idealisiert wird. Kleidergröße 36 hatte ich nach Moritz spätestens nach der dritten Magen-Darm-Runde in diesem Hause wieder. Ich habe dafür keine Diät gehalten und auch nicht sonderlich viel Sport getrieben - wann auch? Wäre es anders, ich wüsste nicht, ob ich die Energie dafür aufgebracht hätte, mich ins Fitness-Studio zu schleppen oder mich in irgendeiner Form in Sachen Ernährung zu beschränken. Ich habe sowieso schon so viele Baustellen, bei denen ich die Termine nicht einhalten kann: Ich habe zum Beispiel nie gebügelte Bettwäsche (ja, das finde ich schade) und ich habe heute einen Backmischungskuchen (igitt!) gebacken. Dazu kommt, dass mein Wohnzimmer immer häufiger ein Sandkasten ist und ich endlich mal wieder 3 Stunden hintereinander ein Buch lesen möchte, ohne im Kopf eine to-do-Liste herunterzurattern. Ich bin also sehr froh, dass ich nicht post-partum Kate, sondern pre-partum-Ich bin. Denn die muss jetzt einiges dafür tun, dass dieser Bauch, den man ihr 24 Stunden nach der Geburt noch verzeiht, in allerspätestens sechs Wochen verschwunden ist. Während es mir gesellschaftlich derzeit offiziell erlaubt ist, einen Bauch, Brüste und einen dicken Hintern zu haben. Mit oder ohne Kleid.

Nachtrag 3.8.2014: Kates Kleid und ich im Juli 2013-Juli 2014