Samstag, 30. März 2013

Heiß - Moritz - Aua

Schon oft hab ich in meinem jungen Mutterleben den Satz gehört, dass das Kind diese oder jene Erfahrung machen muss, weil es zum Leben dazu gehört und es bestimmte Dinge auch nur so lernt. Nun, ich reagiere bei solchen Sätzen in der Regel leicht empfindlich. Ich finde, man muss nicht unbedingt einen Kopfsprung ins Wasser machen, um hinterher zu erfahren, dass die Wassertiefe an der Stelle ungeeignet für solche Übungen war. Ich finde auch, man muss nicht unbedingt ein Kilo Kirschen essen, um dann festzustellen, dass 990g auch ausreichend sind, um ordentlichen Durchfall zu bekommen. Und außerdem finde ich, man muss nicht unbedingt auf die heiße Herdplatte fassen, um zu lernen, dass man sich so 1A die Hand verbrennen kann. Moritz hat heute meine Ansichten in diesem Zusammenhang komplett ignoriert und Letzteres ausprobiert. Ich bin gespannt, ob der viel beschworene Lernprozess, von dem immer alle reden, wenn ich übervorsichtig laut werde, sobald eines meiner Kinder sich auch nur in der Nähe des Herdes aufhält, jetzt abgeschlossen ist und das Thema Herdplatte durch ist. Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Paul sagt seitdem "(h)eiß - Moritz - aua" und zeigte sich sehr beeindruckt, aber Moritz? Ich habe auch nicht den Eindruck, dass die unangenehmen Reaktionen unseres Katers Musti der letzten Tage ihn gelehrt haben, dass man Katzen nicht mit Xylophonschlägeln haut. Er hat das zwar nicht getan, seitdem Musti ihm eine mit der Kralle gewischt hat, aber Angst vor der Katze hat seitdem nur Paulchen, obwohl Moritz die Schmerzen hatte. 
Moritz' Hand ist übrigens in Ordnung. Er hat lange gejammert und war sehr schockiert, aber der Schaden hält sich Gott sei Dank in Grenzen. Er geht mit seiner Hand schon wieder munter auf die Katze los. Die einzige, die noch jammert, bin ich. Ich würde am liebsten nur noch kalten Kaffee trinken.

Mittwoch, 27. März 2013

Ein Telefongespräch

Gestern haben wir mit Freunden telefoniert und plötzlich war er da, dieser Moment, den alle Nicht-Eltern und auch sonst alle vernünftigen Menschen hassen: Von einem Augenblick auf den anderen hast du nicht den erwachsenen Gesprächspartner an der Strippe, sondern das zweijährige Kind. Und wer zweijährige Kinder kennt, weiß, wie einseitig diese Gespräche sind. In Zeiten von Skype und Facetime kann man wenigstens noch das Kind anstarren und Grimassen machen, wenn das Gespräch abebbt, aber am Telefon kommst du dir nach dem dritten "Hallo - Na wie geht's dir?" ohne Antwort einfach albern vor. 
Kein Wunder also, dass mein Mann kurz nach Luft schnappte, als er gestern plötzlich den kleinen Oliver, den Paul aus Babytagen von gemeinsamen Rumliegeabenteuern im Laufgitter und auf der heimischen Wiese kennt, am anderen Ende hatte. Er atmete kurz ein und beim Ausatmen sprang seine Stimmlage um eine Oktave nach oben und er fragte: "Na, was machst du?" Und von unserem eigenen zweijährigen (28-monatigen!) ausgehend war vor allem mit vermehrten Atemgeräuschen und im guten Fall einem "hallo" zu rechnen. Aber es kam anders. Oliver spielte das Musterbeispiel aus den Sprachentwicklungsbüchern, vor dem wir uns so grausen: "Ich zeichne." Daraufhin: "Und was zeichnest du?" "Ich zeichne einen Strich", bzw. "Vonalat húzok.", denn das Kind spricht Ungarisch. Und das Gespräch ging weiter: "Was für einen Strich, einen geraden oder einen krummen", woraufhin das Kind Entscheidungsschwierigkeiten bekam und erst mit "gerade" antwortete, um danach noch ein "krumm" hinterher zu schieben. 
Nachdem das gesamte Gespräch mit Erwachsenen und Kleinkindern beendet war, erzählte mein Mann ganz aufgeregt und mit Schnappatmung: Er hat "Vonalat húzok" gesagt. Nachdem Paul gestern mal wieder den halben Tag damit verbracht hat, seine Eltern im Quietscheton in Form von "äh, äh, äh" auf Dinge aufmerksam zu machen, war er auf abendfüllende Konversation über Fortschritte beim Zeichnen einfach nicht vorbereitet. 
Denn Paul ist, abgesehen von einfach Imperativen ("Mach zu", "Csukd be(=mach zu)" und "nyi-ki(=mach auf)) noch weit von ganzen Sätzen entfernt, weil er den ganzen Tag damit zu tun hat, Wörter zu lernen. Was an der einen Stelle Tür ist, ist an der anderen ajtó, was hier bitte heißt, heißt dort kérem. Und sein Gehirn arbeitet. Man kann das ganz oft sogar sehen. Ein Telefongespäch mit unserem Sohn allerdings - das muss man auch echt wollen.

Montag, 25. März 2013

Keine Zeit

Falls sich jemand fragen sollte, warum hier nichts los ist in letzter Zeit, dann kommt hier die Antwort: Zur Zeit gibt es wenig Leben mit Paul und Moritz, aus zwei Gründen. Wir schleppen uns von einer Krankheit zur nächsten - in der letzten Woche (und diese Woche ist noch nicht zu Ende) hatten wir mal wieder mit Magen-Darm-Viren zu kämpfen, und zwar diesmal welche von der sehr hartnäckigen Sorte.  Die ganze Familie beteiligte sich am Spaß und nach mehr als sieben Tagen gibt es hier mittlerweile für jeden festen Stuhlgang Applaus. Man wird komisch mit Kindern. Keine Frage.
Grund Nummer zwei: Ich komme zur Zeit locker auf ne 60-70- Stunden-Woche im Referendariat und schaffe in dieser Zeit trotzdem nicht alles. Durch die Verkürzung kommt jetzt alles auf einmal, die Prüfungen, die nächsten Lehrproben, Vorträge und vieles mehr und das im Zusammenspiel mit dauerhaft laufenden Waschmaschinen und Schonkostzubereitungen sowohl eigener Beteiligung am Virusprogramm, lässt mir nicht mal genug Zeit zum Luft holen, von freien Gedanken mal ganz abgesehen. Der Gedanke, der mich über Wasser hält, ist einzig und allein die Tatsache, dass bis Juni nur 3 Monate sind und dann ist es erstmal vorbei. Dann bin ich vermutlich arbeitslos, habe wieder ganz viel Zeit und hoffentlich auch bisschen weniger Magen-Darm.

Sonntag, 10. März 2013

10.000 Besucher und die Helden sind nicht da

Heute Morgen war es dann endlich soweit. Die 10.000er Marke ist geknackt worden. Leider muss ich dieses Event alleine feiern, weil die Jungs mit dem Papa in der Heimat sind, damit die Mama beruflich erfolgreich sein kann. Die Umsetzung des Konzeptes Rabenmutter in seiner Reinform. Und dann lohnt es sich noch nicht mal, da die Karriereleiter für mich als Lehrerin doch sehr begrenzt ist. Es sei denn, ich entscheide mich, auf den Spuren von Ursula von der Leyen zu wandeln. Da fehlen mir allerdings noch 5 Kinder, ne Doktorarbeit (vorzugsweise ohne Plagiat) und ein wenig Personal. 
Auf jeden Fall sitze ich an meiner Zulassungsarbeit, bzw. im Moment sitze ich offensichtlich gerade nicht daran (das gehört aber alles zu meiner Arbeitsstrategie) und das Grobziel ist die Abgabe am Dienstag mit den anderen Referendaren aus dem Oberseminar. Wie es aussieht, werde ich das wohl schaffen und wenn die Kinder am Dienstag zurückkommen, dann gibt es hier eine kleine Gummibärchenparty, um die Fertigstellung meiner Arbeit und den Besucherrekord zu feiern. Und jetzt bin ich erstmal wieder weg.

Donnerstag, 7. März 2013

Die Paprika-Theorie

Das Temperament unseres kleinen, großen Moritz erinnert mich in letzter Zeit immer ein bisschen an Begegnungen im ungarischen Straßenverkehr. Neulich habe ich einen Artikel darüber gelesen, dass die Hemmschwelle im Straßenverkehr sinkt, weil man sich durch sein Auto in geschützter, anonymer Sphäre wähnt und deshalb leichter geneigt ist, den Stinkefinger oder verbale Beschimpfungen auszupacken. Die Frequenz mit der dieses im Straßenverkehr vorkommt, ist in Budapest deutlich höher als hier im beschaulichen Bayern. Und es ist dabei noch nicht mal die Anonymität, die dafür verantwortlich ist, denn warum sonst käme es in Budapest auch durchaus vor, dass ein Autofahrer an der Kreuzung anhält, aussteigt und dich beschimpft, weil du ihn in irgendeiner Weise behindert hast. Meine Erklärungstheorie: Der viele Paprika. Der geht irgendwann ins Blut über und lässt es einfach schneller brodeln. So auch bei unserem Moritz. Er fährt zwar noch kein Auto, aber ich sehe das schon bildlich vor mir, wenn ich ihn zur Zeit da so sitzen sehe, mit den Bausteinen, die sich nicht beim ersten Versuch in die Steckkiste manövrieren lassen. Da wird geworfen, geschimpft, mit den Armen gerudert, was das Zeug hält. Er wird dabei so emotional, dass man sich entweder anstecken lässt und ebenfalls anfängt mit den Armen zu rudern oder der Fluchtinstinkt ausgelöst wird. Paul sitzt in solchen Fällen daneben und kuckt immer ganz irritiert. Obwohl er doch eigentlich in seinem Leben viel mehr Paprika gegessen hat, als Moritz. Scheint wohl zu hinken meine Theorie.