Montag, 29. April 2013

Auf dem Spieler

Neuerdings, das Wetter lädt dazu ein, hängt unsere Familie nachmittags auf dem Spielplatz rum, oder Spieler, wie man in coolen Kreisen zu meiner Zeit gesagt hat. Und weil auch andere auf diese Idee kommen, trifft man da ab und zu auch Kinder (cool) und Erwachsene (meistens uncool). Letzte Woche wieder. Da waren wir auf einem dieser Mini-Spielzplätze gleich bei uns um die Ecke und es war rappelvoll. Ich war mit meinen beiden Goldstücken direkt nach der Arbeit und aus der Krippe da gelandet - kein Essen, keine Getränke (um drei ist ja das letzte was sie in der Krippe tun essen, und man muss ja nun nicht halbstündlich irgendwas stopfen, nur weil man noch keinen Meter groß ist). Ich hatte also keine Dinkel-Birnenschnitten (oder wie hießen die noch?) und auch kein stilles Mineralwasser und gehörte damit zur Minderheit. Aber es kam noch schlimmer. Ich war ohne Baggerfahrzeuge da, ich hatte auch sonst kein Sandkastenspielzeug und auch keine Wechselsachen. Ich war einfach nur da. Damit unterschied ich mich vom Rest der Eltern gravierend. 
Meine Kinder rutschen die Rutsche kopfüber runter, landen mit dem Gesicht im Sand (Moritz). Wenn dann der Sand aus dem Gesicht wegmuss, dann frage ich einfach irgendeinen umstehenden Erwachsenen nach einem Taschentuch. Ich schäme mich nicht, aber es macht in diesen Momenten immer den Eindruck als sollte ich. Ich erinnere mich dann immer an das namibische Kind aus dem Dokumentarfilm Babies, das so zufrieden zusammen mit dem Hund mit Hundeknochen gespielt hat und beschließe, man darf das alles nicht so eng sehen. 
Meine Kinder werfen leider auch manchmal Sand von unten auf die Rutsche, um ihn dann wieder runterzufegen. Die anderen Kinder lieben das. Sie stürmen üblicherweise sofort dazu und machen es ihnen nach. Die rumstehenden Erwachsenen ziehen ihre Kinder dann meistens weg von meinen Rabauken. Auf diesen ordentlichen Spielplätzen spielt man intelligent. Steine rauf- und runter gehört nicht in diese Kategorie. Und natürlich auch nicht kopfüber die Rutsche runter. 
Spielzeug teilen gehört übrigens auch oft nicht dazu. Dass Kinder Schwierigkeiten haben zu teilen, verstehe ich sogar, aber wenn Erwachsene anfangen das Kinderspielzeug in die Tasche zu räumen, weil mein Sohn unerlaubterweise mit dem von ihren eigenen Kindern völlig unbeachteteten Gegenständen anfängt bisschen rumzugraben, dann frage ich mich, was eigentlich los ist. Die Botschaft ist immer eindeutig: Erstens werden diese Dinge gebraucht und zweitens müssen die jetzt erstmal desinfiziert werden. Spielplatz ist echt nicht mehr so cool wie früher. Ich hoffe, meine Kinder empfinden das anders.

Freitag, 26. April 2013

Lidschatten brauche ich heute keinen

Seit meiner letzten Prüfung habe ich versucht es ein wenig ruhiger anzugehen, was die Arbeit betrifft. Ich schlafe jetzt jeden Morgen aus (bis 5 Uhr), war diese Woche schon das zweite Mal mit Kids und Mann laufen (6 km schaff ich schon, ohne dass man mich hinterher betreuen muss) und nehme mir abends (anstelle des Papas) die Zeit zum Vorlesen. So auch gestern. 
Vorlesen ist bei uns eine schöne und vor allem sehr friedliche Sache. Wir haben einen großen Schaukelsessel, da sitzt Mama oder Papa unten und die Jungs sitzen aufm Schoß. Manchmal gibt es Kabbeleien, weil sich der Literaturgeschmack unterscheidet, aber häufig ist dies der harmonischste Moment des ganzen Tages. Gestern war die Harmonie einzigartig, auch wenn beide todmüde waren. James Krüss' "Der blaue Autobus" stand auf dem Programm und das gefällt Moritz wegen des Pudels Ottokar (wenn Moritz einen Hund sieht, dann bellt er) und Paul wegen des Autobusses und seinen Lampen und Türen. Inmitten dieser Harmonie hat sich Paul dazu entschlossen, etwas mehr Fahrt in den Schaukelbus zu bringen und wollte mich zum Schaukeln animieren. Da fand die Harmonie ein jähes Ende. Er beugte sich nach vorn und warf sich mit Schwung nach hinten. Mein Auge war im Weg. Ich hab gleich Sterne gesehen und mir schoss das Wasser in die Augen. Kurz darauf schoss das Wasser bei Paul. Moritz schloss sich aus Solidarität an. Am Ende musste ich mal wieder alle trösten. Meine Arbeit ist nicht halb so gefährlich sag ich euch. Und Lidschatten brauche ich heute auch keinen, zumindest nur auf einem Auge.

Mittwoch, 24. April 2013

Hier können jetzt alle küssen

In Ungarn ist Küssen eine wichtige Kulturtechnik. Nicht das Küssen des Geliebten oder die Schmatzer für die Kinder (auch wenn man durchaus festhalten kann, dass Kinder im Durchschnitt häufiger abgeknutscht werden), sondern das Küssen zur Begrüßung. Eine der Techniken, die mir am Anfang unheimliche Schwierigkeiten bereitet hat, weil sie durchaus in manchen Gesellschaftsschichten vom Aussterben bedroht ist und weil ich lange gebraucht habe, um die Regeln zu verstehen: Man küsst sich auf die Wange, erst links (glaub ich), dann rechts. Das tut man, wenn man sich kennt, gut kennt und wenn man sich gut kennen will. Dann gibt es manche, die küssen bloß so in die Luft, das ist dann so eine Art Wangenreiben und dann gibt es durchaus auch welche, die das Küsschen so nah am Mund ansetzen, dass man sich immer hinterher fragt, ob das noch eine Begrüßung oder schon ein Vorspiel sein sollte. Hinzu kommen die Männer, die einfach drauflos küssen und die, die der Frau die Entscheidung überlassen, ob geküsst werden soll. Wenn man darüber nicht informiert ist, kann es mitunter lustig werden. Am unangenehmsten sind wohl die Situationen, in denen man als Frau dann entscheidet, es soll geküsst werden und der Mann entpuppt sich als Traditionsverächter oder einfach als Rüpel und will gar nicht. Aber das ist nicht das Wesentliche. Wesentlich ist, es darf geküsst werden und das so viel wie möglich. Und das hat jetzt auch mein kleiner Moritz verstanden. 
Gestern war einer der Momente, die man als Mama festhalten möchte, damit sie einfach etwas länger dauern. Nach dem Baden lag Moritz zwischen den Handtüchern auf dem Boden und während wir so rumalberten, nahm er plötzlich meinen Kopf in seine Hände und zog mich so zu sich, um mir links und rechts und am liebsten auf den Mund einen Schmatzer nach dem anderen zu geben. Er wollte gar nicht mehr aufhören, er hatte wohl plötzlich das Küssen für sich entdeckt. Dieser Moment war schon sehr schön, aber danach folgte einer, den der Papa mir bei seiner Ankunft erst nicht glauben wollte. Beim Vorlesen saßen beide Jungs auf meinem Schoß und wir lasen den Katzentatzentanz, eine Geschichte von einer Katze, die mit keinem tanzen will - bis endlich der Kater kommt und ihre "Tatze küsst". Beim Wort küssen drehte sich Paul zu mir um, gab mir einen Kuss und dann schnappte Moritz sich Paul und drückte ihm mehrere Schmatzer mitten auf den Mund. Der war so überrascht von der plötzlichen Liebesbekundung (man muss dazu wissen, dass hier zur Zeit sehr viel gestritten wird, weil es von allem immer nur eins gibt und das immer gerade der andere hat), dass er wild rumkicherte. Als Moritz mit Paul fertig war, drehte er sich zu mir um - Paul ebenso - und dann wurde ich geküsst. Endlich können jetzt hier alle küssen.

Montag, 22. April 2013

Das bisschen Freizeit

An diesem Wochenende hab ich mal was mit meiner Familie gemacht. Arbeit nur in wohldosierten Dosen, morgens vor dem Aufstehen, in Form von Aufsatzkorrekturen, deren Spaßfaktor ich auch erst wieder neu für mich entdecken muss. 
Gestern Nachmittag haben wir die hiesige Margareteninsel für uns entdeckt. Nachdem es die letzten Tage wieder schrecklich viel geregnet hat, kam gestern die Sonne zum zweiten Mal in diesem Jahr raus und mit ihr das ganze Freizeitvolk. Da war wieder extrem zu merken, dass wir in Deutschland, vor allem aber in Bayern sind. Das Freizeitvolk spaziert in der Sonne nicht nur einfach nur herum, sondern kommt mit der besten Ausrüstung für alle Fälle ausgestattet. Skater und Fahrradfahrer sind da noch die langweiligsten. Am interessantesten sind, was die Ausrüstung angeht, die Familien, denn die kommen mit Fahrrädern, Fahrradanhängern, Fahrradanbauten für Kinderfahrräder, Sonnenschützen, Laufrädern, Kindern ausgestattet mit Helmen, Trinkflaschenhalteapparaten und Fahrradhandschuhen, Stützräder für alle Fälle und ein Ersatzrad, falls das erste nicht mehr gefällt. Es fehlt diesen Familien einfach an nichts.
Und wir? Wir haben uns gestern einfach dazu gesellt. Wir haben zwar nicht so viel Ausrüstung, aber Freizeit, die hatten wir. Wir waren laufen. 4,5 Meilen. Und die Kinder haben wir zusammen im Fahrradanhänger  vor uns herumgeschubst. Ich nehme an, es wird nicht mehr lange dauern, dann müssen auch wir unsere Ausrüstung aufstocken. Gestern allerdings haben wir den Bewegungsdrang der Jungs gelöst, indem wir bei Meile 3,5 eine Pause am Spielplatz gemacht die Jungs am Klettergerüst ihre Runden drehen lassen haben. Und wir haben so lange die Teenies auf den Wippen angestarrt, die gelangweilt auf ihre Handys starrten, um sich gegenseitig darüber zu informieren, was der andere gerade auf seiner Timeline hat. 
Neben dem Ausrüstungsvergleich, bei dem wir je nach Sichtweise noch ganz gut oder schlecht wegkommen (es fehlen die Kinderfahrräder in verschiedenen Formen und die Speziallaufklamotten), haben wir auf dem Spielplatz natürlich auch mal wieder Kindervergleich gemacht. Neben Moritz, der das Klettergerüst nur so raufflitzte, war ein Junge, der im direkten Vergleich aussah wie 1 Jahr, weil er höchstens 8 Kilo wog und schätzungsweise 9 cm kleiner als Moritz war. Genau das war wohl aber der Grund, warum Moritz am Boden blieb und wie ein Weltmeister kletterte und sein Vergleichskind auf die Rutsche gesetzt werden musste, dafür aber schon selbstständig herumlief, was Moritz sich bisher nur dann traut, wenn er weiß, wo er sich als nächstes festhalten kann. Immer mal wieder schön, so ein wohldosierter Kindervergleich. Nach unserer Rückkehr haben wir Würstchen in der Pfanne gebraten und mit Budapest geskypet. Das Erholungsgefühl schloss mit dem beginnenden Muskelkater heute Morgen ab. 

Donnerstag, 18. April 2013

Der Preis

Gestern hatte ich meine zweite Lehrprobe und habe damit endlich mehr Punkte von meiner Prüfungsliste abgehakt als noch vor mir liegen. Zwei Lehrproben sind erledigt, eine Pädagogik-Psychologie-Prüfung ist durch und die Examensarbeit ist auch längst abgegeben. Jetzt liegen nur noch, und das nur noch ist nicht halb so entspannend, wie es auf den ersten Eindruck klingt, eine Lehrprobe und die Examensabschlussprüfung vor mir und dann bin ich Lehrerin und darf endlich auch ganz offiziell als solche arbeiten und nicht nur zu Hause. 
Der Preis für diese Errungenschaften, das stelle ich nun immer wieder fest, ist ganz schön hoch. Mein Großer (wird sind kurz vor dem Meter-Durchbruch) spricht inzwischen fast nur noch Ungarisch. Eine lange Weile hat er ja gar nicht gesprochen. Er scheint lange überlegt zu haben, für welche Sprache er sich entscheiden soll. Nun, es ist Ungarisch geworden. Denn auf Ungarisch gelingen ihm nun alle möglichen Vokabeln, er kennt Farbschattierungen, Buchstaben und Zahlen und macht immerzu mit Worten statt mit Taten (das tut er allerdings auch noch gern) Türen zu. Er kann Possessivanhänger, "das ist Moritz' Zahnbürste" ('und ich möchte lieber damit meine Zähne putzen') und er hat keine Schwierigkeiten mit "der Lampe des Autos" - "auto lámpaja". Ich könnte mich beruhigen mit dem Gedanken, dass Deutsch einfach die schwierigere Sprache ist, und er deswegen schon so versiert auf Ungarisch ist. Aber das glaubt mir kein Mensch. Der Grund ist vielmehr: Ungarisch ist anwesend. Und Mama ist abwesend. Aber ich bin stolz auf ihn. Wenn er so weiter macht, kann er bald besser Ungarisch als ich und das sollte das Ziel der täglichen Vokabelübungen in der Badewanne sein. Ein ungarisches Wort gibt es allerdings, das Paul nicht so richtig verstanden hat: finom (lecker). Denn jedes Mal, wenn ihm etwas gar nicht schmeckt, dann verzieht er ein bisschen das Gesicht, sagt weinerlich "minom" und bietet dir den jeweiligen Schmackhappen an. 
Weitere Ereignisse in meiner ständigen Abwesenheit: 
Moritz hat auf einmal vier Zähne oben und vier Zähne unten gebastelt, war deswegen zeitweise etwas unleidlich, ist aber dafür endlich bereit auch Dinge zu essen, die man nicht lutschen kann. 
Er läuft inzwischen an der Hand, ein paar Schritte allein und die Treppe zur Krippe steigt er mit Hilfe des Geländers alleine hoch. Endlich nicht mehr schleppen!!! 
Wenn ich mit den letzten beiden Prüfungsleistungen durch bin, schreiben die Kinder wahrscheinlich ungarische Gedichte und fahren Fahrrad. 


Samstag, 6. April 2013

Wenn ich das schon eher gesehen hätte

Da komm ich vom Joggen nach Hause und dann find ich das hier in meiner Timeline:
 

Warum hat mir das nie jemand gesagt, dass das so einfach ist? Wir hätten uns eine Menge Umstände ersparen können. Ich hätte jetzt gern ein Baby, an dem ich das ausprobieren kann. Bin mir im Übrigen sicher, dass es ne Menge Übebabys braucht, damit das Baby beim Baden so wegpennt. Da fällt mir ein, meine Nachbarin hat ja grad eins bekommen. Da werd ich mal hochgehen und sie mit dem Video aus dem Krankenhaus begrüßen (morgen kommt sie raus). Da freut sie sich sicher.
(Falls es überlesen wurde: Ich war joggen.)

Freitag, 5. April 2013

Schlafen gelernt

Meine Söhne sind zur Zeit im Ferienlager. Letzte Woche war ich noch dabei, aber am Ostermontag habe ich mich unter Tränen verabschiedet, um in mein eigenes kleines Ferienlager zu verschwinden, das hauptsächlich aus Lernen besteht und nebensächlich ebenfalls. Das klingt jetzt alles sehr dramatisch, vor allem die Tränen. Soll es ja auch. Ist ja schließlich (m)ein Blogeintrag. 
Was ich lerne? Pädagogik und Psychologie. Am Montag ist Prüfung. Meine letzte Prüfung ist 5 Jahre her, vielleicht auch erst vier (selbst das hab ich schon vergessen!). Damals hatte ich meine Oberstufenprüfung in Ungarisch, ein schriftlicher Text zum Thema pro/kontra Korkenverschlüsse in Weinflaschen und die mündliche Prüfung zu den Vor- und Nachteilen von digitalen Grabsteinen. Wenn die Prüfung am Montag ähnlich lebenswirklich wird, stehe ich vor einem Problem.
Während ich hier so an meinem Schreibtisch sitze, kommt es mir auch immer mehr so vor, als könnte ich inzwischen weder Psycholgei noch Pedagoigk richtig buchstabieren. Den ganzen Tag springe ich her zwischen Coping und Defending-Strategien, Genitalen-, Latenz und sonstigen Phasen, Identitätsstufen und Rollendiffusionen und werde immerzu durch den Lernstoff selbst daran erinnert, was ich falsch und richtig mache beim Lernen. Verknüpfung mit Vorwissen, Schlafen, Schlafen, Schlafen, Emotionalisierung des Lernstoffs (ob da die Sache mit den Tränen reicht?), häufige Wiederholungen, Zeitmanagement, viel Schlafen nicht vergessen und dazwischen wieder ein paar Wiederholungen. 
Eins muss ich mir lassen, das mit dem Schlaf hab ich in den zwei Wochen Ferien endlich wieder auf Normalmodus bekommen. In dieser Hinsicht bin ich sehr stolz auf mich. Heute habe ich eine Rekordzeit erreicht: Erwachen um 6.15 Uhr. Nachdem ich wochenlang um 4, kurz nach vier und manchmal auch vor vier aufgestanden bin, ist das für mich die größte Errungenschaft dieser Osterferien.  Es hat sich also jetzt schon gelohnt, das Ferienlager für die Jungs (für mich jedenfalls). Ob es meinen  Prüfern allerdings reichen wird, wenn ich Ihnen am Montag erzähle, wie schön ich Schlafen gelernt habe, durch die Anwendung der gängigen Unterrichtskriterien (intelligentes Üben, hoher Anteil an echter Lern(Schlaf)zeit, lern(schlaf)förderliches Klima, klare Leistungserwartungen (mind. 8 Stunden), klare Strukturierung (Schlafzeit von 22-6 Uhr)), da bin ich mir noch unsicher. 

Mittwoch, 3. April 2013

Ostern offline

Ein bisschen hat bei uns Ostern auch offline stattgefunden. Hier ein paar Impressionen:

 Lesen zu dritt

 A-to

 Ohne Ei gings auch bei uns nicht.

 A-to (Moritz) - Auto (Paul)

 kukásautóban gyűjtöttük a tojásokat (Ostereiermülltransport)

 meg a talicskában (Schubkarre geht nicht auf Deutsch bisher)

 Paul keresett. (Paul hat gesucht)

Moritz járni kezdett. (Moritz hat angefangen zu laufen)

Dienstag, 2. April 2013

Blumentopf oder Kinderwagen

Ich hatte es gleich geahnt, als wir gestern Nacht hier ankamen, dass das, was sich mir dort im Hausflur präsentierte, eine Kampfansage und nicht etwa ein Zufall war. Und heute, vor genau 30 Minuten, wurde ich in dieser Ahnung bestätigt. 
Seit wir hier eingezogen sind, im August 2012, stellen wir unseren Doppelkinderwagen direkt vor der Haustür ab, weil das der ideale und einzig praktikable Standort dafür ist. Wir wohnen im Erdgeschoss, ich muss also den Kinderwagen nur in den Hausflur fahren, stelle ihn in die Ecke vor die Tür, wo er mit seiner Umgebung verschmilzt und keinen einzigen cm Fluchtweg verbaut. Die Ecke an der Treppe war der Hauptgrund für die Anmietung dieser Wohnung, wenn man es genau nimmt. Daran ändert die Tatsache, dass ich inzwischen den Kinderwagen nicht mehr so häufig brauche wie in den ersten Tagen gar nichts. Wenn ich ihn brauche, dann mit diesem Stellplatz. Ein Stellplatz - und das kann mir jede Mutter mit Kleinkindern bestätigen - in irgendeiner Ecke im Keller, nur zu erreichen über schwere Metalltüren und große Stufen - ist kein Stellplatz. 
Wenn wir den Kinderwagen für längere Zeit nicht brauchen, weil wir nicht hier sind, dann stellen wir ihn in den Keller oder in die Wohnung/auf die Terrasse, damit er nicht sinnlos im Flur herumsteht (auch wenn er sich im Allgemeinen sehr unauffällig verhält). So auch diesmal, während wir in Budapest waren. Als ich gestern wiederkam, stand in meiner schönen Kinderwagenecke ein großer Blumentopf mit einem angegammelten Farn. Mir kochte gleich gestern Nacht das Blut, denn mir war klar, dass jemand bewusst die Abwesenheit meiner Kindertransportmaschine schamlos ausnutzen wollte, um irgendwelche kinderfreien Hausflurzustände von früher wiederherzustellen. Mein Mann aber konterte: "Jetzt reg dich nicht so auf. Den hat sicher jemand da vergessen." 
Nun, der Vergesser hat eben bei mir geklingelt, 'ob ich seinen Blumentopf weggestellt hätte'. "Ja", sagte ich. "Ich wusste nicht, wem der Blumentopf gehörte, aber ich hab ihn wieder zurück in den Keller gestellt, wo er ja seit letztem Jahr steht und sich auch wunderbar macht, denn hier vor der Haustür muss mein Kinderwagen stehen." Es stellte sich heraus, dass mein Nachbar beschlossen hatte, dass sein Farn unbedingt in meiner Kinderwagenecke stehen muss, weil dort die beste Mischung von Licht und Schatten sowie Luftfeuchte und Raumtemperatur für ihn bestünde. Auf meine Erwiderung, der Farn hätte ja schon seit letztem Jahr im Keller gestanden, reagierte der Herr Nachbar mit der Bemerkung, dass sie in meiner Abwesenheit festgestellt hätten, dass es dem Farn im Keller dreckig geht (das hatte ich ja auch schon bemerkt, sh. Beschreibung Farn "angegammelt") und er deswegen ins Erdgeschoss hochziehen müsste. "Nun", entgegnete ich, "Blumentöpfe dürfen ja sowieso nicht im Hausflur stehen wegen der Brandschutzverordnung und der Fluchtwegsregelung", woraufhin mein Nachbar seinen angegammelten Farn mit meinem Kinderwagen argumentativ auf eine Stufe stellte, indem er sagte "das wäre ja nun egal, was da stünde". Auch wenn ich durchaus verstehen kann, dass es im Falle einer Flucht aus dem brennenden Haus keinen Unterschied macht, ob man über einen Kinderwagen oder einen Blumentopf stolpert, machte ich ihn auf den tatsaechlichen Unterschied in der Wertigkeit aufmerksam und wies ihn abschließend noch darauf hin, dass es seinem Farn um so besser gehen würde, je größer die Entfernung von meinen Kindern ist. Zu diesem Zeitpunkt unseres Gesprächs hatte ich bereits das Gefühl, dass es sich beim Nachbarn und mir ähnlich verhielt. Alle weiteren Gespräche wurden deshalb vertagt.

Montag, 1. April 2013

Ostern online

Ein großer Vorteil von Feiertagen ist das Plus an Zeit, das man hat, bzw. in meinem Fall sich einfach nimmt, um abzuschalten, damit man wieder auftankt für den unangenehmen Rest zwischen den Urlaubstagen. Das Problem ist jedoch, dass man, bzw. ich, einen Teil dieser Zeit dann nutzt, um zu kucken, was der Rest der Welt zu Ostern so treibt. Und da kommen wir zu meinem ganz persönlichen Problem. Facebook führt mir jedes Jahr vor Augen, dass ich nicht genug backe, nicht genug dekoriere und nicht genug Events für meine Kids veranstalte. Außerdem zeigt es mir, dass ich zu wenig Zeit in Südostasien verbringe, immernoch nicht in Australien war und nicht mehr genug Zeit mit meiner Schönheit verbringe (weder in echt noch in Photoshop), um mindestens alle paar Monate ein neues Profilfoto einzustellen. 
Zu Ostern hat mir der Trip in die Online-Community gezeigt, dass ich nicht genug bunte Eier hatte und verflixt noch mal auch keine mit den Kindern gefärbt habe. Ich hatte keine Ostertischdecken und auch keine Osternestchen. Aus schlechtem Gewissen habe ich einen Fensterbildhasen gekauft und ihn am Freitag an die Scheibe in der Küche gepappt - das war meine ganze Deko-Leistung dieses Jahr. Es gab Osterschokolade und ein paar Osterkleinigkeiten für die Kinder, aber weil es hier seit Freitag dauerregnet oder schneit, haben wir die noch nicht mal verteilt. Das Sonntagessen war selbst gemachte Gulaschsuppe - dafür könnte ich mir auf die Schulter klopfen, nur leider war das nicht mein Selbst, sondern das der Oma. Ich hab sie nur an die Kinder und die Gäste verfüttert (die Suppe, nicht die Oma). 
Ich hab ein paar Ausreden für meine geringfügiges Feiertagsengagement: Ich muss arbeiten. Hab mich mit Freunden und Kollegen getroffen, die ich ewig nicht gesehen habe. Wir haben eine Fotosession mit Dora Hiba gemacht und wir hatten von Freitag bis heute Besuch. Aber da diese Ausreden nicht wirklich zählen, letztere sogar eine Verpflichtung zu noch mehr Deko-, Back-, und Kochaktionen wäre, habe ich mir vorgenommen, die nächsten Feiertage einfach etwas weniger Zeit in der Online-Community zu verbringen und bei irgendwem live zu überprüfen, wie viele Ostereier und Lämmer er/sie organisiert.