Samstag, 29. Juni 2013

Du-Du-Du-Du-Du

Mein Sohn nimmt mich nicht ernst. Insbesondere der liebe Kleine. Manchmal, wenn er das tut, überlege ich mir schon heute Strategien, wie ich ihm das später heimzahlen kann, wenn er älter ist und er Zusammenhänge herstellen kann. Einige Ideen habe ich schon:
- ihn morgens um 5 aus dem Bett werfen, um ihn den Frühstückstisch decken zu lassen
- ihn zur Schule zu bringen bis er 18 ist und jedes Mal ein Küsschen von ihm zu verlangen
- ihm Herzchen- und Prinzessinnenbrotdosen in die Schultasche packen

Bis dahin werden mir sicher noch einige andere Dinge einfallen. Zur Zeit muss ich wohl erstmal damit klarkommen, dass der Junge sich über mich und meine erzieherischen Versuche lustig macht. Verbotene Dinge tut Moritz schon seit einer ganzen Weile. Und weil er solchen Spaß daran hat, macht Paul mit voller Energie mit, auch wenn er über diese Phase eigentlich schon hinaus wäre. Es hat ziemlich lange gedauert, bis Moritz in solchen Momenten ein Nein akzeptiert hat, aber irgendwann war zu merken, dass er darauf reagiert. Die Reaktion bestand nun immer häufiger darin, dass er einfach aufhörte, den jeweiligen Blödsinn zu machen (zum Beispiel mit Holzbausteinen auf die Terrassentür zu hämmern). 
Neuerdings macht Moritz seinen Blödsinn, ich sage "Lass das bitte" und Moritz dreht sich mit einem breiten Grinsen zu mir um, schaut mich an, erhebt den pädagogischen Zeigefinger, wackelt mit ihm in der Luft herum und ruft dazu "Du-Du-Du-Du-Du!" Als er das das erste Mal getan hat, hab ich echt gedacht, er will mich veräppeln, so schelmisch war sein Grinsen. Ich hab auch gar nicht verstanden, woher er das hat. Von mir sicher nicht.
Wenn das eigene Kind irgendein Wort sagt, das es nicht sagen darf, behaupten die meisten Eltern, dass es das aus der KiTa hat. So gibt es auf dieser Welt nur ganz, ganz wenige Kinder, denen das Schimpfwortrepertoire von ihren Eltern direkt aufgestockt wird. KiTa-Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen auf der ganzen Welt haben einfach einen furchtbaren Umgang mit den Kindern. Man denkt, man gibt sein Kind in gute Hände und was passiert? Es kommt nach Hause mit einem Säckl voller neuer Wörter. Aus diesem Grund habe ich neulich in der Krippe nachgefragt, um dem Ursprung von "Du-Du-Du-Du-Du" (im Übrigen immer genau fünf Du) auf den Grund zu gehen. Und siehe da, sie leugneten es nicht mal. Gleiche Betonung, gleiche Anzahl, das gleiche freundliche Lächeln. 
Ich bin begeistert. Wäre ja weitaus unangenehmer, wenn Moritz sich in der Krippe zu den Erzieherinnen umdrehen würde und mit grimmigem Gesicht sagen würde "Jetzt lass den Blödsinn!" Weiter so, liebe Krippe. Vielleicht wird ja aus uns noch was.

Samstag, 22. Juni 2013

Wie schaffst du das?

ist eine der Fragen, die mir am häufigsten gestellt wird, vor allem seit ich wieder arbeite. Wie schaffe ich es, zwei Kinder und Arbeit (Referendariat) unter einen Hut zu bringen. Wie schaffe ich es, den Jungen eine gute Mutter zu sein und trotzdem auf der Arbeit gute Leistungen zu bringen? Und wie schaffe ich es, jetzt auch noch das dritte Kind fröhlich zu erwarten? Auf diese Frage will ich mal etwas detaillierter antworten. 

Erstens und am allerwichtigsten: Ich schaffe es nicht allein.
Um ehrlich zu sein, kann ich gar nicht verstehen, wie jemand auf die Idee kommt, dass ich das alles allein schaffe. Die Vorstellung allein bereitet mir Bauchschmerzen. Ja, ich musste meine Examensarbeit allein schreiben. Ja, ich musste auch alleine zu Prüfungen antreten und ich muss meinen Unterricht allein vorbereiten und halten. Und ja, ich muss allein in die Schule fahren und immer pünktlich sein. Das war's aber auch schon. Den Rest mache ich nicht allein. 
- die Jungs waren in diesem Jahr geschätzte 5 Wochen ohne mich - mit dem Papa bei den Großeltern, damit ich in völliger Abgeschiedenheit Examensarbeiten oder andere Arbeiten erledigen kann. Ich habe deswegen immer ein furchtbar schlechtes Gewissen gehabt, bin aber gleichzeitig sehr dankbar, dass ich einen Mann habe, der dazu stets und nicht nur ohne Murren, sondern mit begeistertem Engagement (wahrscheinlich, um endlich Pause von der schlecht gelaunten, weil gestressten Referendarin zu haben), bereit war.
- die Jungs haben im letzten Jahr an 90% der Abende die Wasch-und Zähneputz-Zeremonie und die anschließende Vorlese- und Zubettgehzeremonie mit dem Papa genossen. Wenn ich vorgelesen habe, dann war entweder gerade eine Prüfung vorbei, eine Hausarbeit abgegeben oder ich habe mir (selten) zwischendurch mal Zeit genommen. Auch deswegen habe ich ein ziemlich schlechtes Gewissen, das Paul mir jeden Tag in Erinnerung ruft, indem er auf Ungarisch "Helikopter landen und starten lässt", auf Deutsch das Flugzeug aber noch ein "Luktui" ist.
- in die Krippe bringen und aus der Krippe abholen. Es gab Phasen, in denen ich das allein gemeistert hab. Aber diese Phasen sind schon so lange her, dass ich auch hier mit Dankbarkeit und Stolz sagen kann: Euer Papa, liebe Jungs, ist eine Wucht. 
- mit den Kindern spielen: als ich meine letzte Prüfung neulich hinter mir hatte, und nach zwei Wochen Krankenstatus (wg. dauerndem Erbrechen) wieder in die Arbeit wollte und deswegen am Wochenende unbedingt viel vorbereiten wollte, hat der Papa das erste Mal - ganz leise - verlauten lassen, wann wir endlich mal wieder zusammen auf den Spielplatz gehen. Im letzten Jahr ist nämlich hier der Papa regelmäßig am Wochenende mit den Jungs allein auf den Spielplatz, während ich zu Hause vorbereitet hab.

Zweitens: Ich gebe viele Dinge auf, die mir früher wichtig waren. 
Das soll man nicht machen, steht in allen Ratgebern, ich weiß. Ich habe es aber trotzdem getan und ich bereue nichts. 
- Um meine Aufgaben zu schaffen, gehe ich früh ins Bett, und stehe früh auf. Wer mich kennt, weiß, welche gruseligen Formen das im letzten Jahr angenommen hat. 
- Ich war in den letzten drei Jahren vielleicht einmal pro Jahr im Kino, weil Kino heute immer auch einen Babysitter kostet und die Wahrscheinlichkeit groß war, dass ich einschlafe (von November 2010 bis Oktober 2012 wegen Stillmüdigkeit, danach wegen Umstellung auf Arbeits-Rhythmus und jetzt wegen Schwangerschaft - ich bin oft müde. Und dann schlafe ich. Punkt.)
- Nächte mache ich durch, wenn einer der Jungs nachts weint (Im Übrigen auch ein Verantwortungsbereich, den mir der Papa nach und nach abgenommen hat, was mir zwar beim Schlaf nicht hilft, weil ich trotzdem mit einem Ohr da bin, aber trotzdem eine enorme Hilfe ist)
- Unser Programm ist häufig nach den Kindern ausgerichtet. Damit die Jungs schnell einen regelmäßigen Schlaf-Rhythmus haben und wir ruhige Nächte, haben wir von Anfang an auf Regelmäßigkeit geachtet, weshalb viele Programmpunkte für uns nicht in Frage kamen. Der Lohn sind zwei Jungen, die in einem Zimmer glücklich zusammen ein-, durch- und ausschlafen und auch beim Mittagsschlaf selten Probleme machen, und außerdem - was meiner Meinung nach auch darauf zurückzuführen ist - sehr ausgeglichen sind. 
- Ich habe wenig Zeit für Freunde, das bereue ich schon manchmal. Aber echte Freunde akzeptieren das und Qualität war mir in dieser Hinsicht eh immer wichtiger als Quantität.

Kommen wir zu
drittens: Ich bin mir gar nicht so sicher, dass ich das schaffe.
- Unsere Wohnung ist nur halb eingerichtet, weil es an Zeit, Energie und auch Geld fehlt
- Häufig kommt es vor, dass ich Essen nicht koche, sondern kaufe. 
- Wenn man mich besucht, muss man sich oft zwischen Wäschebergen durchwühlen. 
- Der Boden bei uns knirscht. Nicht immer. Aber immer öfter. Sandkästen und Matschanlagen sind unsere Freunde geworden.
- Der Kinderwagen ist lange nicht mehr so sauber, wie ich mir das am Anfang mal vorgenommen habe. 
- Ich habe stetig das Gefühl, ich müsste meinen Kindern mehr Programm, mehr Abwechslung bieten.
- Mein Kühlschrank müsste geputzt, das Gefrierfach abgetaut werden. Eine Bügelfrau wäre auch nicht schlecht. Vom ewig türmenden Geschirr und Müsliresten auf Oberflächen ganz zu schweigen. 


Die Liste ist lang, in allen drei Punkten. Vor allem aber Punkt eins liegt mir am Herzen und hat besondere Aktualität, weil auch heute die Jungs wieder zu Haus sind mit dem Papa - das andere zu Hause. Und ich hier bin, um zwei Dinge zu tun - arbeiten und schlafen, damit ich 48h meine Kräfte für Kind Nummer drei, das ich inzwischen unglaublicherweise schon spüren kann (in der 12. Woche !), sammeln kann, denn die erste Arbeitswoche war doch anstrengender als ich dachte. Habe ich deswegen ein schlechtes Gewissen? Ja. Aber ein gutes Gefühl ist es auch, einen Mann zu haben, der mir das ermöglicht. Wie schaffe ich das also? Gar nicht. Wir schaffen das. 

Mittwoch, 19. Juni 2013

Sie sind ja sowieso der Ausnahmefall

Erst heute Morgen über schuldgeplagte Mütter gelesen (hier): Mütter, die sich überall schuldig fühlen -auf der Arbeit, weil sie keine mit Kinderlosen vergleichbaren Leistungen erbringen - und zu Hause, weil sie nicht genug Zeit für die Kinder haben wegen der Arbeit. Sprach mir aus der Seele der Post. 
Genausowenig wie Nicki habe ich Lust mich schuldig zu fühlen, muss es aber immerzu. Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich nicht an irgendeiner Stelle mit der Tatsache konfrontiert werde, dass man allenthalben eine mittelprächtige Mutter ist, wenn man sein Kind so lange fremdbetreuen lässt wie ich. 
Und es vergeht außerdem kein Tag, an dem ich nicht an irgendeiner Stelle auf der Arbeit damit konfrontiert werde, dass meine Leistung gerade deshalb so besonders ist, weil ich im Gegensatz zu den meisten anderen mein Referendariat mit zwei Kindern absolviert habe. In den letzten Wochen ist es mir geglückt, meine Sonderrolle unabsichtlich noch weiter zu verstärken, indem meine Schwangerschaft jetzt noch mit in der Waagschale liegt. Ich gelte nun sozusagen als Frau mit Handicap. Das ist nie böse gemeint, im Gegenteil. Als man mir in den Prüfungen Wasser, Pausen und besonders weiche Stühle anbot, fand ich das sehr nett und aufmerksam. Und ich fühlte mich dadurch auch nicht bevorteilt gegenüber den anderen Prüflingen - was übrigens durchaus von Außenstehenden anders gesehen wurde. Ich fühlte mich allerdings auch nicht benachteiligt durch meine Schwangerschaft. Die Luft war nach diesem Jahr bei mir raus - Schwangerschaft hin oder her. Kind hin oder her. Und wer ein Referendariat hinter sich hat, weiß, das ich in dieser Hinsicht völlig normal bin. Ich dachte auch, dass ich das in allen anderen Hinsichten wäre. Aber das war wohl ein Irrtum. Heute im Lehrerzimmer:
"SIE (Ich) sind (bin) ja sowieso ein Ausnahmefall. Fast drei Kinder und dann ein sehr gutes Examen - das geht ja eigentlich gar nicht." Warum nicht? Kam dann nachgeliefert: "Weil die Mütter das ja meistens nich hinkriegen." Ich hab es nu hingekriegt, frage mich aber immerzu, woran es wohl liegen mag, denn das scheint ja nicht normal zu sein. Liegt also vielleicht doch eher an den weichen Stühlen und Pausenangeboten. Ich würde mir wünschen, dass es einfach normaler wäre. Denn hinter der Ausnahmebewertung steckt die Ansicht, dass Mütter per se nicht so gute Leistungen bringen können wie Nicht-Mütter. Da ich ab jetzt irreversibel Mutter bin, erscheint mir diese Aussicht ein wenig düster und macht Lust, auf einen Pflaumenbaum zu klettern. (Wer den letzten Hinweis nicht versteht, muss hier reinschauen)

Nachtrag: Es sind drei junge Väter bei uns im Seminar. Ich glaube nicht, dass einem von ihnen besonders aus dem Aspekt heraus zu seiner Leistung gratuliert wurde, weil er Vater ist. 

Dienstag, 4. Juni 2013

Drittes Kind und ....

Wer wissen will, wie Google die Wortgruppe aus dem Titel beendet, möge googeln.
Hier eine Auswahl der Reaktionen auf die dritte Schwangerschaft aus unserem Leben:

....ist nicht dein Ernst oder?
....ihr seid ja nicht normal!
...im Ernst?
...is ja unglaublich.
...bist du etwa schon wieder schwanger?
...waren zwei nicht genug?
...puh! Also mir reicht eins.
...Wahnsinn, schon wieder?

Dieses Kind wird wohl entweder wahnsinnig unglaublich oder unglaublich wahnsinnig.
Ansonsten ist mir immernoch hauptamtlich schlecht.

Samstag, 1. Juni 2013

Beim dritten Mal ist's auch nicht leichter

Nach den guten Nachrichten - die nicht jeder gleich verstanden hat, weil die Botschaft offenbar etwas kryptisch war - kommen jetzt die schlechten. Mir ist schlecht. Mit Schwangerschaftsübelkeit kenne ich mich aus, sollte man meinen, denn schon bei den ersten beiden habe ich in den ersten Monaten die meiste Zeit im Bad verbracht. Aber diese Auskennerei nützt mir zur Zeit mal wieder gar nichts. Denn deswegen ist mir nicht weniger übel und die Situation nicht weniger ätzend. Schwangere, denen übel ist, werden meistens belächelt, "is ja keine Krankheit" und "wenn du kotzen musst, dann geh halt oder nimm dir ne Tüte mit." "Kann ja nich so schlimm sein." Manche Schwangere sind auch tatsächlich in der glücklichen Lage, dass sie unter der allseits bekannten Morgenübelkeit leiden, die sie mit was zu Knabbern vor dem Aufstehen bekämpfen und danach geht es ihnen den ganzen Tag gut und sie platzen vor Glück.
Ich habe auch diesmal wieder kein Glück gehabt. Während mir in der 6.-7. Woche immer ein wenig übel war, ich aber noch ganz normal essen konnte und auch noch nicht besonders geruchsempfindlich war, so bin ich seit dieser Woche auf der nächsten Stufe angekommen. Letzte Woche ging es schon los mit verstärkter Übelkeit und Erbrechen. Diese Woche ist der Spaß endgültig vorbei. Alle Tipps, die es so gibt, beachte ich und es hilft gar nichts. Vitamin B6 in hohen Dosen. Kein Problem, wenn die nich immer rauskommen würden. Und wenn sie dann mal drin bleiben, dann merk ich von der Besserung auch gar nichts. Ingwer hab ich als Tee, Bonbons, Pulver, frisch zubereitet - alles durch beim Moritz. Hat nur den Geschmack vor und nach dem Erbrechen etwas verbessert. Bei Paul hatte ich Akupressurbänder, die sahen athletisch aus, haben aber auch gar nichts gebracht. Man kann sich damit den Schweiß von der Stirn tupfen, aber das wird nach einer Weile auch eklig. Vor dem Aufstehen was Knabbern - der beste Tipp gegen den morgendlichen Anfall. Fühlt sich im ersten Moment gut an. Wenn sich dann aber die Knabbereien 10 Minuten später zurückmelden, dann ist die ganze Arbeit bisschen umsonst und man kann es ja auch lieber gleich hinter sich bringen, um dann danach (denn kurz danach geht sowieso Essen am besten) gleich richtig zu frühstücken. Milch hat bei Paul immer meinen Magen beruhigt. Diesmal beruhigt sich da gar nichts. Eine Nasenklammer könnte noch helfen, der Hauptverursacher für die Übelkeit unterwegs sind nämlich Gerüche. Und ich rieche mal wieder alles und es gibt nur wenige Gerüche, die mir angenehm sind. Alles, was pflanzlich, tierisch, menschlich oder chemisch ist, geht gar nicht. Eigentlich geht nur frische Luft. Am liebsten ohne Geruch. Aber - und das fällt mir sonst nie auf - irgendwas riecht zur Zeit immer. Ich kann nicht mal kochen, ohne dabei einen Eimer zu brauchen. Da fällt mir ein, Brötchen riechen eigentlich ganz gut. Das ist auch fast das einzige, das ich essen kann. Mit Butter. Und Salz. 
Liebes Kind. Aus diesen Dingen schließe ich Verschiedenes. Erstens: Du bist mal wieder männlich. Zweitens: Wir müssen uns beeilen bis zur 13. Woche. Denn da war es bisher immer schlagartig vorbei. Drittens: Es wird nicht leichter, nur weil man es schon mal durch hat. Das macht mir ein wenig Sorgen im Hinblick auf die Geburt. Da muss ich mir ganz schön was einfallen lassen, um das noch genießen zu können. Vielleicht Hypnobirthing wie Prinzessin Kate. Aber erstmal das hier überstehen, um wieder in den Supermarkt gehen zu können, ohne die Luft anhalten zu müssen.