Mittwoch, 31. Juli 2013

Das Kind lernt höflich.

Wenn man sich mit P unterhält, dann ist das manchmal durchaus frustrierend. Vor allem, wenn man will, dass er bestimmte Dinge sagt und nicht die, die er sich gerade überlegt hat. So kommt es, dass P, wenn er gefragt wird: "Wie heißt du?" einfach zurückfragt "Wie heißt du?", anstatt die Frage zu beantworten, so wie sich das gehört. Bestimmte Dinge sind ihm einfach zu langweilig und das zeigt er dann auch mit bewundernswerter Ausdauer. Manchmal bin ich heute schon froh, dass ich nicht seine Lehrerin, sondern nur seine Mutter bin. Klingt irgendwie absurd, aber Gefühle haben die wunderbare Eigenschaft absurd sein zu dürfen.

Mit den Benimm-Regeln ist es deshalb auch immer wieder ein kleiner Windmühlenkampf mit dem kleinen P. Wir sitzen am Frühstückstisch und er will Wasser. Also sagt er "Wasser." Wir sagen "Bitte" oder "kérem." P scheint sich zu denken 'boah, jetzt geht das wieder los - holt mir doch einfach mein Wasser' und sagt gar nichts oder im Zweifelsfall nochmal "Wasser!" mit etwas mehr Nachdruck. Und dann beginnt ein Papageienspiel, das ich auf Ungarisch dokumentiere und ins Deutsche übersetze, weil es auf diese Weise etwas häufiger vorkommt. 
P: Wasser!
Papa: Kérem. (Bitte!)
P: Víz. (Wasser)
Papa: Mit kell mondani? (Was sagt man?)
P: M-O-N-D-A-N-I. (S-A-G-E-N.)
Papa: Nem hallom. (Ich höre nichts.)
P: Nem H-A-L-L-O-M. (Ich höre nichts.) 
Papa: Na? Mit kell mondani? (Na? Was sagt man?)
P: W-A-S-S-E-R. 
Papa: Nem hallom. (Ich höre nichts)
P: K-É-R-E-M. (Bitte!)

In den meisten Fällen wird das Wasser nicht getrunken. Aber das tut nichts zur Sache.

Samstag, 27. Juli 2013

Teilzeit vs. Vollzeit

Nun ist mein Referendariat rum und das echte Berufsleben beginnt. Wenn auch nur für ein paar Monate, denn im Januar kommt ja Nummer drei. Aber ich habe eine Stelle bekommen und wenn nichts mehr dazwischen kommt, beginnt mein erster Arbeitstag an einer Schule ca. 30 km von hier entfernt, am 11.9. um 9.30 Uhr auf der Lehrerkonferenz. Am Mittwoch war ich das erste Mal in der neuen Schule. Die Begeisterung darüber, dass ihnen eine Schwangere als Mobile Reserve für Ausfälle durch Elternzeit zugeteilt worden war, stand den Chefs noch ein wenig ins Gesicht geschrieben, aber ich habe das einfach weggelächelt und mit 20 Stunden Teilzeit werde ich nun wohl im September dort anfangen. Das ist, was das Stundennviveau in Bayern angeht, etwas mehr als eine Dreiviertelstelle. Eigentlich wollte ich Vollzeit arbeiten, denn ich bin der Meinung, dass das Referendariat durchaus mit Vollzeit zu Buche schlägt, ich also bisher nicht viel anderes gemacht habe. Wie gut oder schlecht ich das gemeistert habe, darüber kann man geteilter Meinung sein, aber ich habe das Gefühl, so muss es sein - nur mit viel weniger Infekten und da bin ich optimistisch.
Als es aber darum ging, eine Stelle zu bekommen oder nicht, habe ich gehört, dass man mit Teilzeit vielleicht besser vermittelbar wäre, also eher eine Stelle bekäme. Ob das nun stimmt oder nicht, das weiß ich nicht. Aber so machen wir das jetzt, denn so hat es geklappt.
Wichtiger bei der ganzen Sache ist die Tatsache, dass es im Referendariat alles ganz einfach war. Du machst Ref oder du machst kein Ref. Du hast Kinder oder du hast keine Kinder. Bei mir war es in beiden Fällen Ersteres. Nun musste ich mich das erste Mal in meinem berufstätigen Leben mit Kindern entscheiden, ob Vollzeit oder Teilzeit und seitdem schwebt sie über mir, die Teilzeitwolke. Wenn ich irgendwo erwähne, dass ich Vollzeit arbeiten will, (vor allem dann mit drei Kindern) dann kommt es meistens zu Erstaunen, häufiger zu Entsetzen. In meiner jetzigen Schule gibt es - ich habe keine offiziellen Statistiken geführt, nur einige Gespräche - nahezu keine Vollzeitkräfte unter den Frauen, so mein Eindruck. Wie kommt das? Ich habe zwei Thesen. Erstens: Ich bin in Bayern, da müssen Frauen in vielen Fällen nicht arbeiten. Zweitens: Die entsetzten Frauen (es sind meistens Frauen, die erstaunt oder entsetzt sind, Männer reagieren höchstens kurz mit den Mundwinkeln) sind am Nachmittag alle Übermütter, die Fensterbilder mit ihren Kindern gestalten, und ihre Kinder vom Fußballtraining zum Klavierunterricht fahren und deswegen keine Zeit haben, mehr zu arbeiten. Was mir auch schon aufgefallen ist, also drittens: Wenn Kinder in die Schule gehen, ist man als Elter dafür verantwortlich entweder mit Geld oder mit Zeit dafür zu sorgen, dass die Kinder in der vierten den Übertritt schaffen und in jedem Jahr die Versetzung. Das Schulpensum scheint mir von Beginn an auf eine solche Art Lernen eingestellt, das die meisten Kinder nur packen, wenn die Eltern sich mit ihnen am Nachmittag hinsetzen. Das geht natürlich nur, wenn Mama und Papa nicht in der Arbeit rumlungern. Kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern je mit mir Hausaufgaben gemacht hätten. Aber vielleicht muss ich mich jetzt schon mal darauf einstellen und sollte die grundlegenden Dinge zur Bruchrechnung wiederholen.
Auf dem Wandertag hatte ich neulich ein Gespräch mit einer Kollegin, die meinte, sie arbeite nur Teilzeit (12 Stunden), weil sie am Nachmittag mit ihrer Tochter zusammen sein möchte. Bei solchen Aussagen fühle ich mich immer schlecht - ich möchte auch gern mit meinen Söhnen zusammen sein. Allerdings macht mir meine Arbeit genauso viel Spaß. Es kam die Frage, warum ich Vollzeit arbeiten will, ob ich das denn müsste, was mein Mann denn beruflich mache. Eine Frage, die mich jedes Mal wieder schockiert. Was hat denn mein Mann damit zu tun? Der würde vielleicht auch gern mehr Zeit mit seinen Söhnen verbringen. 
Bei all diesen Dingen spielt aber vor allem ein Fakt für meine Entscheidung eine Rolle: Mein natürliches Verständnis von Emanzipation (meinem Mann sag ich das nicht, der kann Emanzen nicht leiden), welches für mich beinhaltet, dass die Aufgaben zu Haus eben nicht klassisch aufgeteilt werden, sondern fifty-fifty. Ebenso die Arbeit außer Haus. Und da frage ich mich eben häufig, warum Väter eigentlich so selten als Rabenväter gelten, weil sie Vollzeit arbeiten gehen und warum bei Müttern vorausgesetzt wird, dass sie am Nachmittag zu Hause bei ihren Kindern sind.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Gespräche mit P - beszélgetések P-vel

Eine kleine aktuelle (nicht vollständige) Wort- und Gesprächsliste von P. Es ist von Vorteil, wenn man der deutschen UND der ungarischen Sprache mächtig ist.

auf dem Weg von der Krippe
ott a hold.
Was ist da?
Mond!

am Krankenhaus vorbei
felszállt a helikopter.
Ich seh keinen Helikopter.
helikopter nincs. elment.

im Garten
ott a rigo.
die Amsel! die ist wohl weggeflogen. 
Amsel elment.

im Bad
M mit csinálsz?
Papa mit csinálsz?
Mama mit csinálsz?

allein im Bett
Alle Vögel, Fink und Star, alle Vögel alle.
Auf der Mauer, auf der Mauer....
Olé, olé, olé, olé, Magyarország olé.
Megyünk csúzdázen.
Megyünk hintázen. 

am Tisch
Lula? (Moritz' Wort für Getränk)
Das ist Kaffee! Das ist für Erwachsene.
Papa lulája. Kaffee lecker nincs. 

auf dem Weg in die Krippe
blau auto
ein blaues Auto. 
blau auto. 
blaues Auto. 
eine blau Auto.
(Lassen wir das.)
papa auto
grün auto
zöld auto nincs.
elment.

beim Baden
papa! fáj!
hol fáj? 
elment a fáj. 

beim Spielen
nicht beißen.
nicht schubsen. 
nicht hauen. 
MOO-ritz!

beim Essen
WASSER!
Mit kell mondani?
Mit kell mon-da-ni!
Nem hallom.
Nem HALLOM.
Kérem.
Danke.


Und Ms aktuelle Wörterliste. Aber seine Gesten sind viel besser. Leider allerdings unbeschreiblich.
Lula? Lula!
Lá-tod? 
tatütatatü
auto
Laura
Bagger
Traktor
P