Freitag, 23. August 2013

Erst Kaffee - dann Mama

Gestern früh habe ich mir ausnahmsweise nicht den Wecker gestellt und ausgeschlafen - bis 5.49 Uhr. Da wurde ich vom Singsang des Kurzen geweckt. Mein erster Gedanke ist immer, wenn ich auf diese Art geweckt werde, 'Jetzt bloß schnell noch n Kaffee trinken. Wenn im Kinderzimmer heute schlechte Laune herrscht, dann hast du besser deinen Kaffee schon getrunken.' Das hab ich also getan und weil offenbar gute Laune herrschte, sang Moritz weiter vor sich hin, sodass es für mich sogar noch zu einer Dusche reichte, bevor die ersten forschen Mamarufe aus dem Kinderzimmer drangen. Dann wurde ich - aus dem Bad - Ohrenzeuge des folgenden Gesprächs:
M: Mama!
P: Nein. Mama WC.
M: MAMA!
P: NEIN. Mama wc van. (ÜS: Mama ist WC.)
M: MAMA!!!!
P: Nein! Leg dich hin!
M: M-A-M-A!!!!!
P: NEIN! MORITZ! LEG DICH HIN! JETZT!
Ab da kreischten sich beide nur noch an und ich war dankbar für den bereits geschlürften Kaffee und den geduschten Körper, der mich an solchen Morgen mit dem Gefühl ins Kinderzimmer gehen lässt: 'Meine Bedürfnisse sind erfüllt. Jetzt kommen wir zu euren. Wer will zuerst?' 

Donnerstag, 22. August 2013

Zu wenig Shakespeare

Seit wir in den Ferien sind, schlafen die Jungs nicht mehr gut. 
Vielleicht liegt es an ihm hier - unserem neuen Hausbewohner. 

Oder aber es liegt am ungarischen Essen. Andere Ideen hab ich nicht. Auf jeden Fall schlafen die Jungs von 21 bis 5.30 Uhr und am Nachmittag, von 12.30 Uhr bis 14 Uhr - nur an Einzeltagen länger. Nachmittagsschlaf ist hart erkämpft und Abendschlaf findet erst nach mindestens 40-minütigem Tür auf - Tür zu- Ritual statt. Deswegen gibt es auch so wenig Blogeinträge, weil Mama zur Zeit alleiniges Sorgerecht hat, da Papa im Ausland ist. Und ich hab soviel zu tun mit der Organisation des Schlafes, des eigenen und dem der Kids, inklusive Bauchbewohner, dass mir die Kreativität und vor allem Zeit fehlt. Deswegen heute hier ein Bild aus der guten alten Zeit, in der Moritz noch schlief und schlief und schlief. Man beachte im Übrigen, worunter er sein müdes Haupt bettet. Vielleicht liegt es daran...zu wenig Shakespeare. Das ist eigentlich in den meisten Fällen das Problem.


Freitag, 9. August 2013

Ich habe einen blauen Elefanten im Kühlschrank.

In meinem letzten Post habe ich doch von dem Wunsch nach leicht ins Absurde driftenden Sätzen gesprochen, mit denen ich abends den Papa empfangen will. Nun, gestern hatte ich gleich einen solchen. Auf die Frage, was ich gemacht habe (außer den kranken M zu pflegen), konnte ich gestern antworten: "Ich habe eine blaue Elefantentorte gebacken." Und was mache ich heute damit? Na ich gebe die Torte P mit, damit der vor seinen Freunden in der Krippe damit angeben kann. Er hat nämlich heute seinen letzten Tag. Kosten konnte ich die Torte leider nicht und ich werde wohl auch nicht viele Geschmacksrückmeldungen bekommen - die Esser sind ja alle unter 3. Aber sie sieht nett aus.

Gebacken habe ich übrigens relativ wenig, wie das bei Torten so üblich ist. Vielmehr bestand die Arbeit aus sehr viel Bastelei. Ich bin eigentlich keine Bastelmama, aber dieser Elefant hat mir bei der Suche nach Tortenrezepten gleich gefallen. Und ich habe einen Hang zu bunten Motivtorten. Vielleicht ist das ja der Anfang einer neuen Karriere. Ich darf bloß keinem erzählen, wie chaotisch es in meiner Konditorei zuging und wie es jetzt noch da aussieht. Zum Putzen hatte ich nämlich um zehn dann keine Energie mehr.
P kennt den blauen Elefanten zwar nicht, aber das tut jetzt erstmal nichts zur Sache. Ich bin froh, dass überhaupt ein Elefant zu erkennen ist und dass ich gestern vor 22 Uhr fertig geworden bin. Im Übrigen hasse ich Leute, die behaupten, dass irgendwelche Rezepte kinderleicht sind. Das war nämlich bei diesem Rezept der Fall. Sh. hier (Kommentare). Es ist zu schaffen - wenn ich es geschafft habe - aber das Kind muss schon sehr geduldig sein. Ich stand gestern vor der schwierigen Frage, wie ich Marzipan ausrolle, wie ich die Marzipandecke ohne Bruchstellen auf die Torte bekomme, wie ich den Elefantenboden quer zerschneide, ohne ihn dabei zu zerbrechen, weil er nicht so hoch gegangen ist und ich kein Messer mit Elefantenlänge hatte u.v.m. Von dem Kraftakt, den es bedeutet, Marzipan einzufärben mal ganz abgesehen. Alles leichte Übungen für ein Kind. Für mich war es eine ganz schöne Herausforderung.

Hier übrigens die einzelnen Schritte:

1. Tortenboden backen, Malvorlage ausdrucken, vergrößern, auflegen und Elefanten ausschneiden.

2. Boden quer aufschneiden und die obere Hälfte beiseite legen.
3. Füllung herstellen und auf die untere Hälfte verteilen.
4. Marzipan einfärben (Das geht sicher einfacher. Ich habe es mit der Gabel gemacht, das war schweißtreibend.)
5. Marzipan ausrollen.
6. Obere Bodenhälfte zurücklegen, Marzipandecke obendrauf. Ränder abschneiden.
7. Verzieren. Fertig (Bild oben). Dann muss man noch genug Platz im Kühlschrank haben und eine ordentlich große Servierplatte. Die hab ich aber nicht. Der Elefant muss nachher auf dem Blech in die Krippe reisen.

Donnerstag, 8. August 2013

Schmetterlinge mit Füßen

Manchmal werde ich in der Krippe mit Sätzen empfangen, bei denen ich mir vorstelle, ich wäre Hausfrau und Mutter und würde abends mit solchen Schmankerln meinen Mann empfangen. Wie das wohl ankommen muss, wenn man von einem langen Arbeitstag nach Hause kommt.
Gestern beim Abholen in der Krippe Erzieherin 1:
-"Wir haben heute Schmetterlinge mit Füßen gemalt!" (Paul zeigt gleich auf seine Füße.)

Ich bin nicht gegen Basteln mit Kindern und frühe Kunstförderung liegt mir auch am Herzen, aber auf diesem Level muss ich mir leider echt viel Mühe geben und meine Anerkennungsstimme - die ohne Ironie - auspacken. Ich wäre in solchen Momenten gerne emotionaler und würde gern gerührt das Kunstwerk entgegennehmen. Stattdessen habe ich versucht mit so wenig wie möglich Ironie zu fragen:
-"Das ist aber toll! Wie das denn?"
-"Man stellt die Füße verkehrt herum nebeneinander aufs Blatt."
-"Na und die Farbe?"
-"Die pinselt man vorher auf die Füße. Moritz war ganz schön kitzelig."

Ich hab mir dann vorgestellt, wie sie Moritz die Farbe auf die Füße gepinselt haben, um Schmetterlinge damit zu stempeln, bevor er die Farbe eigenmündig ablutscht und dann dachte ich, was für ein Heidenspaß das gewesen sein muss und nahm mir fest vor, in der nächsten Elternzeit uns mit irgendeinem ähnlich gelagerten Spaß die Zeit zu vertreiben und den Papa dann mit einem solchen Satz zu empfangen. Wie der lautet, überleg ich mir noch. (Früher haben sie Menschen übrigens mit Pinseln an den Füßen gefoltert.)

Mittwoch, 7. August 2013

Moritz frisst Hühnersuppe


Es fing alles damit an, dass es am Montag im Rewe ganze Hühner gab. Und ich die gesehen hab. Die gibt's da selten und wenn, dann sind das immer glückliche Bio-Hühner, die 18 Euro und mehr kosten. Wenn ich ein solches Huhn sehe - das kommt eher selten vor - dann muss ich es kaufen, weil ich dann immer an die Hühnersuppe meiner Mama denken muss. Die ist lecker und macht fit. Also nahm ich das Huhn mit und gestern hab ich dann trotz hoher Temperaturen hier Hühnersuppe gekocht. Dass einem beim Essen die Suppe in Strömen gleich wieder die Stirn runterläuft, habe ich geahnt. Aber dass meinem derzeit Kleinsten die Suppe so gut schmeckt, dass er sie im hohen Bogen wieder auskotzt, das nicht.

Die Suppe hab ich tagsüber gekocht, als die Jungs in der Krippe waren. Ja, ich habe Ferien und schicke meine Kinder trotzdem in die Krippe. Sie fühlen sich wohl. Ich fühle mich wohl. Und miteinander fühlen wir uns zwischen 6 und 8 Uhr und 15 bis 20 Uhr wohl. Am Nachmittag fühlen wir uns derzeit nicht so wohl, da streiten wir alle viel. Zwischen 8 und 15 Uhr genießen wir die Freizeit ohne einander. Ich verbringe die mit Kuchenplanungen für Freitag (Paul hat seinen letzten Tag in der Krippe - er geht ab Herbst in den Kindergarten) und koche eben manchmal Hühnersuppe - so wie gestern. 
Abends hab ich sie dann serviert. Da war sie schön durchgezogen und nicht so heiß wie mittags, weil ich sie nur aufgewärmt hab. Die Jungs hatten sich am Nachmittag mit Keksen vollgestopft, weil wir hier wieder Besuch von unseren drei Nachbarskindern hatten und so viele Kinder halten alle nur aus, wenn es Kekse gibt. Deswegen hatten sie eigentlich keinen Hunger, aber als sie sahen, dass es nicht nur Stulle mit Brot gibt, sondern was Rischtiges, da kam das Appetitchen doch. Moritz schlang die Suppe löffelweise wie morgens sein Müsli. Ohne zu atmen und ohne zu kauen. Nur das Hühnerfleisch störte ihn dabei, aber das rutschte eh meistens vorher vom Löffel. Als er die halbe Schüssel Suppe gelöffelt hatte, fing der Junge plötzlich an zu würgen und ich sah mich schon, wie ich ihn an den Füßen packte, um irgendwas in seinem Hals stecken Gebliebenes wieder herauszuschütteln. Aber das große Stück Hühnerfleisch kam dann von ganz alleine wieder raus. Mit ihm die halbe Suppe. Moritz löffelte danach munter weiter, bis die selbe Prozedur sich 5 Minuten später noch einmal wiederholte. Danach gab er mir den Löffel, um mir zu signalisieren, dass ich ihm gefälligst schluckfertige Portionen reichen soll und das blöde Fleisch aussortieren soll und aß die Suppe munter zu Ende. Ich hatte nicht mehr so großen Appetit, aber das störte ihn dabei nicht weiter. 

Dienstag, 6. August 2013

Zweirad und Vierrad

Paul hat schon eine ganze Weile ein Laufrad. Er benutzt es aber eigentlich nicht, denn er ist mit allem immer ein wenig vorsichtig. So auch mit diesem Ding auf Rädern, das keine Bremsen hat. Vielleicht hat der Papa auch einmal zu oft gesagt, dass er die Dinger für vollkommen überflüssig hält und Paul hört ausnahmsweise mal auf ihn. Dennoch ist es Pauls Laufrad. Er weiß, dass es seins ist. Er weiß, wo es steht. Wenn Besuch kommt, dann führt er es ab und zu in der Wohnung vor und wenn Moritz es anfasst, dann macht er ihm die Besitzverhältnisse klar. Das war's dann aber auch schon. 
Für Moritz ist das Laufrad eh zu groß. Er kommt nicht mit den Füßen auf den Boden, was eine sinnvolle Nutzung der Maschine für ihn unmöglich macht. Neulich habe ich mich gegen den Papa widersetzt und so ein überflüssiges Ding für Moritz gekauft, das auf seine Größe abgestimmt ist. Ich wollte meinem süßen kleinen Moritz nicht vorenthalten, was mein süßer großer Paul schon lange hat: eine Fortbewegungsmaschine, die in der Ecke rumsteht. Ich hätte wissen müssen, das Einzelgeschenke in dieser Familie keine Freude auslösen, sondern nur Feinde schaffen. Moritz ist den ganzen Nachmittag nicht mehr von seinem Laufrad (das eigentlich so ne Art Vierrad ist mit vier kleinen Rädern) abgestiegen und Paul war den ganzen Nachmittag sauer, dass er nicht so ein Ding bekommen hat. Seine eigene Maschine hat ihm über den Schmerz nicht hinweggeholfen. Seitdem muss das Ding im Keller stehen, weil keins unserer Kinder mit dem Zweirad, aber alle beide mit dem Vierrad fahren wollen und es regelmäßig zu Schlägereien kommt. 
Am Sonntag haben wir ganz harmonisch einen Laufradausflug zum Spielplatz im benachbarten Venedig (eine Mehrfamilienhaussiedlung mit künstlichen Teichanlagen gleich bei uns um die Ecke) gemacht. Sobald wir am Spielplatz ankamen, stieg Moritz ab und Paul auf - auf Moritz' Laufrad. So ist das mit den personalisierten Geschenken. Hat einfach keinen Sinn in diesem Haus.









Montag, 5. August 2013

Tolles Kompliment

Wenn man mit zwei Kindern unterwegs ist, werden diese eigentlich immer in irgendeiner Form kommentiert. Wir werden meistens gefragt, ob Kind P und Kind M Zwillinge sind - erst am Samstag im Freibad kam wieder diese Frage, nachdem wir zu viert die Wasserrutsche runter sind. Ich finde die Unterschiede gravierend, aber für Außenstehende scheinen die blonden Schöpfe häufig Grund genug für die Zwillingsannahme zu sein. Was ich auch mitunter höre, ist die Frage, ob das überhaupt unsere sind, so hellblond wie sie sind. 
Je älter die Kinder werden, desto häufiger kommen jedoch Kommentare oder Fragen, die sich weniger aufs Aussehen beziehen als aufs Verhalten. So habe ich bei meinen letzten zwei Arztbesuchen den Hinweis schlucken müssen, dass Kind P ganz schön schwierig sei (Er kommt in dieser Hinsicht voll nach mir, denn auch ich bin nach einer Stunde im Wartezimmer schwierig und mache meistens irgendwem Probleme. Leider in vielen Fällen mir selbst, indem ich vor mich hin grummele), bzw. die beiden Jungs nicht unproblematisch. 
Gestern allerdings haben wir für unsere Söhne endlich mal ein Kompliment erhalten, und zwar für ihr Verhalten. Wäre ich eine Dinkelschnitten-Öko-alternatives-Bildungssystem-Übermutter hätte ich mich auch darüber gefreut. So überwog ein wenig das Schamgefühl. Wir waren gestern auf dem Spielplatz und während Mama und Papa auf der Bank rumfläzten, fing Kind M an, im Heckenlabyrinth das Erdreich umzugraben. Das besteht aus Mulch und ganz viel schwarzer Erde, die ihm sehr gefiel, weil sie so schöne Spuren unter den Fingernägeln hinterließ und nach dem gestrigen Regen auch sonst überall hängen blieb. Er beschloss allerdings nach kurzer Zeit des Grabens, die Erde müsste zur Bank transportiert werden, damit auch andere sie sehen und damit spielen können. Also fing er an zu arbeiten, wühlte immer zwei Hände voll raus und schleppte sie zu den Terrazzoplatten, um sie dort zu dekorieren. Kind P stieg sehr schnell in das Spiel ein und so arbeiteten sie sich gute zehn Minuten an der Erde ab. Ein ordentliches Elternteil verbietet sowas. Wir saßen aber so weit weg, dass wir so tun konnten, als ob wir das gar nicht sahen, was da geschah. Hier ein Beweisfoto:

Es wurde allerdings durchaus bemerkt, nicht nur von uns. Eine Mutter mit zwei Jungs im Alter von 4 und 2 kam direkt auf uns zu, um uns zu fragen, ob wir schon einen Kindergartenplatz hätten. Ich dachte noch, wie freundlich - so offen kommt in Deutschland selten jemand auf dich zu. Und dann kam die Erklärung und das Kompliment für unsere Söhne oder wahlweise unsere gute Erziehung gleich hinterher: "Wir haben nämlich bei uns im Waldkindergarten noch Plätze frei und die beiden spielen so toll mit dem Schlamm." Das geht einem runter wie Öl, so ein Kompliment.

Samstag, 3. August 2013

Kates Kleid und ich

Neulich bekam ich von einer Freundin ein Kleid geschenkt. Ein hellblaues Kleid mit weißen Punkten. Seitdem die Hitzewelle über Deutschland rollt, leistet es mir gute Dienste. Es ist eins dieser Kleider, die alles mitmachen und immer irgendwie nett aussehen ohne dass man sich besonders viel Mühe geben muss. (Danke übrigens, wenn du das hier liest!) Vor ein paar Tagen war bei uns der letzte Schultag und der endete mit einem Fußballspiel Lehrer gegen Schüler. An diesem Tag war es genau eine Woche her, dass Kate Middleton in einem ähnlichen Kleid aus dem St. Mary's Krankenhaus mit Baby George vor die Presse trat. Und so kam es, dass ich am Dienstag zum ersten Mal und in der Folge noch ein paar Mal auf mein Kleid angesprochen wurde. ("Das ist das gleiche Kleid, das Kate Middleton neulich anhatte! Sieht genauso aus!") Das ist aber eigentlich nicht das Wichtige an dieser Geschichte, auch wenn Vergleiche mit der Duchess durchaus schmeichelhaft sind. Das Interessante an diesen Vergleichen war vielmehr die Tatsache, dass diese fast nie ohne den Zusatz "Und sie hatte auch genauso einen großen Bauch wie du" auskamen.
Wenige Tage später las ich dann das hier und nun kann ich das nicht mehr unkommentiert lassen. Immer wenn ich in diesen Tagen über Kates und mein Kleid gesprochen habe, dann war schnell von ihrem großen Bauch die Rede - "das Baby ist doch schon raus! Wie kann der Bauch da so groß sein?" Nun - da scheint mir doch einiges verkehrt zu laufen in unserer Gesellschaft, wenn sich alle kaum 24h nach der Geburt in erster Linie erstaunt über ihren dicken Bauch äußern. In diesem Zusammenhang geht es sicher nicht um die gute Figur, die man als Frau heute spätestens 12 Wochen, besser noch 6 Wochen nach der Geburt wiedererlangt haben muss, sondern vielmehr darum, dass Geburten in unserer Gesellschaft mittlerweile einen solchen Sonderstatus haben, dass die Mehrheit der Bevölkerung gar nicht mehr weiß, dass der Bauch nach der Geburt nicht mal eben so einfach weg ist. Hinzu kommt dann nicht viel später die absurde Idee des post-baby-bodys, mit dem sich Frauen in allen Gesellschaftsschichten ziemlich bald nach der Geburt auseinandersetzen müssen, um ..., na um eben Frau zu sein, bzw. zu bleiben.
In dieser Hinsicht hatte ich Glück. Mein post-baby-Körper hat relativ schnell zu einem Zustand gefunden, der gesellschaftlich akzeptiert, mitunter idealisiert wird. Kleidergröße 36 hatte ich nach Moritz spätestens nach der dritten Magen-Darm-Runde in diesem Hause wieder. Ich habe dafür keine Diät gehalten und auch nicht sonderlich viel Sport getrieben - wann auch? Wäre es anders, ich wüsste nicht, ob ich die Energie dafür aufgebracht hätte, mich ins Fitness-Studio zu schleppen oder mich in irgendeiner Form in Sachen Ernährung zu beschränken. Ich habe sowieso schon so viele Baustellen, bei denen ich die Termine nicht einhalten kann: Ich habe zum Beispiel nie gebügelte Bettwäsche (ja, das finde ich schade) und ich habe heute einen Backmischungskuchen (igitt!) gebacken. Dazu kommt, dass mein Wohnzimmer immer häufiger ein Sandkasten ist und ich endlich mal wieder 3 Stunden hintereinander ein Buch lesen möchte, ohne im Kopf eine to-do-Liste herunterzurattern. Ich bin also sehr froh, dass ich nicht post-partum Kate, sondern pre-partum-Ich bin. Denn die muss jetzt einiges dafür tun, dass dieser Bauch, den man ihr 24 Stunden nach der Geburt noch verzeiht, in allerspätestens sechs Wochen verschwunden ist. Während es mir gesellschaftlich derzeit offiziell erlaubt ist, einen Bauch, Brüste und einen dicken Hintern zu haben. Mit oder ohne Kleid.

Nachtrag 3.8.2014: Kates Kleid und ich im Juli 2013-Juli 2014




Freitag, 2. August 2013

Pipi und andere Alltäglichkeiten

Am Mittwoch habe ich an dieser Stelle über ein typisches Gespräch mit P gepostet, bei dem es darum ging, dass er lernen soll, bitte zu sagen. Einen Ratschlag bekam ich auch - ich solle alles genauso vorsprechen, wie ich es hören möchte, damit der kleine P das dann nachspricht. Ganz so einfach ist die Sache mit P leider nicht. Er spricht nämlich nur genau die Dinge nach, die für ihn interessant sind. Alles andere hört er gar nicht.
In der Krippe hatte ich gestern Entwicklungsgespräch. Ich fand das eigenartig und fragte mich, was da wohl groß gesagt werden soll, was ich nicht schon weiß. Und vor allem, ob ich direkt eine Einweisung in die Klinik bekomme oder erst noch zum Kinderarzt gehen soll. Aber es kam dann doch anders. Als Basis für unser Gespräch diente ein dreiseitiges Papier mit genauen Ausführungen zur Grob- und Feinmotorik, zum Sozialverhalten, zum Stand bei der Sauberkeitserziehung, zu Koordination etc. Zu allen Punkten wurde mir ausführlich über meinen Sohnemann berichtet. Viel Neues habe ich nicht erfahren, aber einige durchaus nützliche Infos über sein Verhalten bekommen. In einem Bereich waren wir uns mit den Erzieherinnen aber sofort einig: P hört gern selektiv. Das fing bei P schon früh an. Wir waren ja einmal sogar beim Ohrenarzt mit ihm, da war er noch kein Jahr alt. Er hört nicht, war unser Verdacht. Aber körperlich ist alles in Ordnung. Er hört die leisesten Töne und sieht die kleinsten Fussel. Das Problem liegt woanders: Er hört und sieht nur, was er will.
So kommt es auch, dass man mit der Vorsprechstrategie bei P nicht weit kommt. Ein kleines Beispiel von gestern:
Mama: P, du hast jetzt keine Windel um.
P: keine Windel.
Mama: Wenn du Pipi musst, dann sagst du Bescheid, ok?
P: Pipi.
Mama: P, wenn du Pipi musst, dann sagst du "Mama! Pipi!"
P: Nee.
Mama: P, wenn du Pipi musst, dann sagst du "Mama!Pipi!"
P: Nee. Ich! Pipi.

P ist nicht gerne Papagei und schon gar nicht, wenn die Fakten nicht stimmen. Es ging nämlich natürlich um Ps Pipi, das später trotz aller Dialogpraxis in die Hose ging. Was Sauberkeit angeht, ist es auch genau das, was uns im Weg steht - Ps Wille. Er weiß, wo diese Dinge hingehören und genau deswegen kommt der Topf für ihn nicht mehr in Frage. "E-e-e-e-k-l-i-c-h!" Seit einer Weile geht er in der Krippe auf die Toilette und weigert sich deshalb hier aufs Töpfchen zu gehen. Auf die Toilette klettert er allerdings genausowenig, da die ausgefeilten Toilettensitze und Treppchen für unsere Toilette ihm zu wackelig sind. Er klettert gern auf Klettergerüste, in große Höhen. Aber auf der Toilette ist ihm jegliches Adrenalin zuwider. Unter anderem deswegen kaufen wir immernoch Megapacks Windeln und unterhalten uns laufend über Pipi. Jetzt wo ich Ferien habe, kann ich diese Dialoge aber endlich wieder so richtig genießen. Nach einem Jahr mit Tempo 150 rede ich hier gern mal eine Stunde frei von der Leber weg über Pipi und andere Alltäglichkeiten. Wer mich also besuchen will, sei darauf vorbereitet.