Freitag, 27. September 2013

Rustikaler Spätzle-Topf

Ich glaube fest an die Tradition vom Abendessen, das aus Stulle mit Brot besteht. Das liegt daran, dass ich sehr am Mittagessen hänge, das warm sein soll und am liebsten aus drei Komponenten besteht. Wenn ich das so zwischen 11 und 13 Uhr bekomme, kann ich den Rest des Tages sehr gut auf warme Mahlzeiten verzichten. Wenn nicht allerdings, fällt mir das sehr schwer. Die Kids bekommen jeden Tag was Warmes in Krippe und Kindergarten. Über die Qualität dieser Gerichte lässt sich nicht streiten - die lässt zu wünschen übrig. Aber warm - und darüber durfte ich mir am Elternabend am Dienstag einen mindestens zehnminütigen Vortrag anhören - ist es wenigstens. 
Abends gibt es aus diesen Gründen bei uns in den meisten Fällen belegte Brote, Joghurt und irgendwelche Leckerlis. Diese Woche hab ich mehrere Ausnahmen gemacht, weil warm mittags bei mir in der Schule ausfiel und in dieser Familie niemand Brote verlangt, wenn er eine warme Mahlzeit bekommen kann. 
Ein 30-Minuten-Rezept fiel mir in die Hände und so gabs diese Woche unter anderem:

Rustikaler Spätzle-Topf (vegetarisch)





Die Kinder haben sich zwar nicht über die Temperatur beschwert, aber dafür über andere Dinge. Ganz individuell. Der eine hat den Schnittlauch aussortiert und eigentlich nur Spätzle mit Sahnesoße essen wollen. Der andere wollte vor allem die Pilze aus allen Schüsseln. Papa und Mama haben alles verdrückt.

Rezept
1 Gemüsezwiebel
300 g Champignons
2 EL Butter
500 g Spätzle (aus der Kühltheke)
500 ml Gemüsebrühe
200 g Schlagsahne
1 Bund Schnittlauch
Salz, Pfeffer

1. Zwiebel in schmale Ringe schneiden, Champignons putzen o. abreiben und in Scheiben schneiden.
2. Butter in einem Topf erhitzen, Pilze und Spätzle darin andünsten, herausnehmen. Zwiebel ins Bratfett geben, hellbraun rösten, mit Brühe ablöschen. Sahne hinzufügen, 10 Minuten köcheln lassen.
3. Schnittlauch klein schneiden. Pilze und Spätzle in die Suppe geben, noch mal 3 Minuten köcheln. Schnittlauch unterrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Highlight der Woche - Ringelrötelnalarm

Das Highlight dieser Woche war unser Ringelröteln-Drama, das mich seit zwei Tagen wahlweise zur Rabenmutter oder zur verantwortungsbewussten und vor allem völlig angstfreien Beamtin macht. Oder zu beidem gleichzeitig. Kommt auf den Standpunkt an. 
Am Dienstag war Elternabend in der Krippe. Elternabende sind sowieso schön, aber noch schöner sind sie, wenn sie in der Begrüßung schon mit der Erwähnung einer Krankheit und eines daraus folgenden Problems beginnen. "Hallo! Ich will Sie informieren, dass wir Ringelröteln bei uns haben. Da Sie schwanger sind, sage ich Ihnen das. Sie dürfen natürlich trotzdem reinkommen, aber wir müssen Sie informieren." - "Hmm.", sagte ich. "Und was heißt das jetzt?" Ich bin in solchen Fällen immernoch etwas unbedarft, trotzdem ich das dritte Mal schwanger bin.
In einem längeren Informationsteil über Ringelröteln, den witzigerweise einer der anwesenden Familienväter halten musste, der zufällig Doktor ist (dass er Psychiater ist, sollte dabei niemanden stören. Was ein echter Doktor ist, der kennt sich eh mit allem ein bisschen aus), erfuhr ich dann, dass eine Mitarbeiterin nicht mehr zur Arbeit kommen dürfe, weil ihr Sohn an Ringelröteln erkrankt sei und es nicht sicher sei, ob sie die Krankheit bekommen hat/bekommen kann und in die Krippe einschleppt/eingeschleppt hat. Ringelröteln wären nicht Röteln und auch nicht ganz so gefährlich, aber doch mit negativen Auswirkungen vor allem für Schwangere, bzw. für das Ungeborene, und wir sollen doch bitte zum Arzt gehen und uns testen lassen, ob wir immun wären, um dann über das weitere Vorgehen zu entscheiden. 
War ich zu Beginn noch ganz entspannt, wurde ich danach immer unentspannter und rief also am nächsten Tag tatsächlich meine Frauenärztin an. Innerlich habe ich gehofft, dass sie sagt: "Kein Problem. Sie sind nicht gefährdet. Gehen Sie ruhig arbeiten. Das ist nur Panikmache in der Krippe." Stattdessen sagte sie: "Röteltiterbestimmung machen wir und wenn der in Ordnung ist, dann gibt es kein Problem. Es ist zwar nur bis zur 20. Schwangerschaftswoche gefährlich, und da sind Sie ja schon drüber, aber ich schreibe Sie mal krank, bis wir mehr wissen. Nehmen Sie mal Ihren Sohn aus der Krippe und bleiben zu Hause." Von meiner Ärztin ging ich dann also noch unentspannter nach Hause als ich es vorher schon war. Wenn es nichts mehr macht, warum soll ich dann zu Hause bleiben? Wenn es doch gefährlich ist, wie lange soll ich dann zu Hause bleiben? Etwa sieben Wochen? - So lange kann es dauern, bis man was sieht bei einer Ansteckung. Dann bräuchte ich gar nicht mehr auf der Arbeit erscheinen.
Am Abend googelte ich, in der Hoffnung meine Entspanntheit wiederzufinden. Das ging schief. Danach war ich richtig verkrampft. 
Irgendwann hab ich dann meine innere Stimme gesucht und gefunden und die hat gebrüllt: Lass dich nicht verrückt machen. Wird schon nichts sein.  Hab mich dann für die Arbeit und gegen die Quarantäne entschieden. Ich hoffe, liebe Anna, das ist nicht nur im Sinne meines Arbeitgebers, sondern auch in deinem, insofern, als dass das Ringelröteldrama nur heiße Luft ist, und sich niemand, vor allem aber nicht ich - angesteckt hat. 

Samstag, 21. September 2013

Mamas erste Schulwochenbilanz

Die erste vollständige Schul-/Arbeitswoche ist rum und da zieh ich mal kurz Bilanz. Sie endete übrigens mit nem kränkelnden Paul. Der ist aber schon zum ordentlichen Beamtenkind mutiert und wird pünktlich Freitag Nachmittag krank. Moritz muss in dieser Hinsicht noch etwas üben. 
Die Woche war, was mein Unterrichtsaufkommen angeht, sehr harmlos, weil eine meiner Klassen auf Schüleraustausch in Frankreich war, am Dienstag Wandertag war und am Freitag zwei Stunden ausfielen wegen des Anfangsgottesdienstes und der anschließenden Klassenleiterstunden. Insofern war die erste Woche nahezu paradiesisch für mich. Der anstrengendste Teil war noch der Wandertag, weil ich morgens die Kinder so früh verfrachten musste, um mitgehen zu können, dass ich schon vor 8 Uhr die ersten Schweißausbrüche hatte, bei dem Gedanken an eventuelle Zwischenfälle. Beim Zwischenstopp im Wirtshaus habe ich dann meinen bayerischen Latein-Kollegen kurz vor der Pension in die vier Techniken des Weißwurstessens eingeführt. Er wirkte allerdings etwas pikiert über diese Anmaßung meiner preußischen Wenigkeit. Wenn er doch aber nicht wusste, was Zuzeln ist.... Ich weiß es ja auch nur von meinem preußischen Vater und nutze seither jede Gelegenheit, mir mit meinem Wissen zu mehr Integration zu verhelfen. Leider klappt das mit dem Brandenburglied besser. Lieber gemeinsam über die Saupreußen lachen, als von den Saupreußen über die eigenen Traditionen belehrt werden. Kann ich übrigens gut verstehen, aber ich gehe eben ungern den geraden Weg.
Unterrichtet habe ich die Woche trotz des vielen Ausfalls, wenn auch in reduziertem Maße. Und ich hatte sogar schon überraschenden Unterrichtsbesuch, der mich gleich wieder zurück ins Referendariat gebeamt hat. Meine Schüler haben mich gefragt, ob sie mir eine "unverschämte" Frage stellen dürfen. Die Unverschämtheit daran (es ging darum, in welchem Monat ich gerade bin) habe ich nicht erkannt, aber vielleicht seh ich aus wie im 11. Monat?
In den Pausen habe ich viele Gespräche mit Frauen geführt, die in Teilzeit 8 Stunden unterrichten, und das seit vielen vielen Jahren, und viele verwunderte Blicke erhalten wegen meines hohen Stundendeputats. Ich frage mich immer, wie die das alle machen. Mein Mann schickt mich arbeiten.
Ansonsten habe ich versucht, die Schule kennen zu lernen, habe alle meine Schulaufgaben gewissenhaft in den Schulaufgabenplan eingetragen, bevor mir jemand meine schönen Termine klaut und habe massenweise versucht Namen zu lernen und Schüler auf die Schippe zu nehmen. Letzteres ging besser als Vorletztes. Meinen ersten Virus hab ich auch schon niedergemacht - in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag hatte ich leichtes Fieber und Grippesymptome, aber Donnerstag früh war die Temperatur runter und nur noch Symptome übrig. Wenn alle Infekte diesen Winter so ordnungsgemäß ablaufen, dann kann sich mein Arbeitgeber freuen.
Zum Arbeitsplatz mit dem Auto gurken ist auch nicht so stressig, wie ich dachte, auch wenn ich David Guetta nicht mehr hören kann und mir beim Gedanken an die nächste Tankfüllung immer leicht übel wird. Ich hätte eigentlich lieber kein Auto, auch wenn Paulchen immer so schön "mama kék autója" (ÜS: Mamas blaues Auto) sagt. Alles in allem ist meine Bilanz positiv. Allerdings nur dank Kompressionsstrümpfen, Bauchgurt, unserer guten Telisa und natürlich dem geduldigen Papa. 

Dienstag, 17. September 2013

Sonntag im Zoo

Am Sonntag waren wir das erste Mal im Zoo, das heißt eigentlich im Tiergarten, aber den Unterschied musste ich googeln und selbst die Einrichtung, in der wir waren, nimmt es mit der Bezeichnung nicht so genau. Sie begrüßen mit Flaggen, auf denen groß Zoo steht, nennen sich aber Tiergarten (wahrscheinlich gab's die Flaggen im Sonderangebot auf der Tiergartenaustattungsausstellung).
Im Aquarium waren wir ja schon einmal, aber das war nicht besonders erfolgreich, an dieser Stelle nachzulesen. Einmal waren wir auch auf der Kinderfarm, aber das war im tiefsten Winter, da haben sich im Streichelzoo alle Tiere versteckt und es gab eigentlich nur Hühner aus ganz viel Entfernung zu sehen. 
Da die Regenzeit hier wieder begonnen hat und die aktuelle Regenausstattung der Jungs in den Kindertagesstätten auf Benutzung wartet, fehlt uns zu Hause derzeit die richtige Ausrüstung für unsere Waldkindergartenjungs. Deshalb war es Zeit für ein alternatives Sonntagsprogramm. Bei Regen starren die Kids unter der Plane vor und bei Regenpause schieben sie den Kinderwagen durch den Zoo. Toller Plan und noch bessere Umsetzung, denn es regnete eigentlich nur auf der Hinfahrt im Auto. Unser Ausflug blieb verschont und so konnten wir uns im eigentlich komplett leeren Tiergarten so richtig Zeit lassen. Die brauchten wir nämlich, denn Paul und Moritz blieben gleich kurz hinter dem Eingang gefühlte 20 Minuten stehen. Die Meerschweinchen waren schon dermaßen beeindruckend, dass wir ein wenig Angst bekamen in Bezug auf die "richtigen" Tiere. 


Wir lockten und riefen und am Ende gingen wir einfach weiter. Aber das half nichts. Die blieben da.


Nach einer Weile mussten wir die Meerschweinbeobachtung abbrechen - schließlich macht so ein Zoo auch irgendwann wieder zu, selbst wenn er gerade aufgemacht hat. Außerdem zeigte sich Paul wenig lernbereit und sagte immer wieder "nyuszi" (ÜS: Hase) zu den putzigen Dingern.

Die Papageien haben die beiden dann doch wieder weggelockt und wenig später neigte Moritz seinen Kopf zu einem "cicaaaaa" (ÜS: Miezekatze) vor dem Fennekkäfig.


Im Kinderdschungel spielten die beiden erstmal ne Runde Fangen und wir freuten uns über das Gerenne (je mehr Gerenne am Vormittag, desto Mittagsschlaf am Nachmittag).


Der "maci" (ÜS: Bär) war mindestens genauso neugierig auf die Jungs wie sie auf den Bären.


Aber das Kamel war dann doch lustiger.


Den Tiger mussten wir lange suchen und haben ihn nur zufällig in der letzten Ecke entdeckt. Durch ein Mini-Fenster riefen die Jungs dann wieder mal "cicaaaaaa". Diesmal stimmt es wenigstens.


Irgendwann kam der Ententeich, der immernoch eine große Faszination ausübt.


Der Zoobesuch endete mit einer großen Portion Penne Bolognese im anliegenden Italiener. Und die Eindrücke wurden - insofern hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt - in einem dreistündigen Mittagsschlaf verarbeitet. Ein Traum von einem Sonntag. 


Donnerstag, 12. September 2013

Und womit endet mein erster Schultag?

Mit einer SMS vom Papa, wann ich Moritz aus der Krippe abholen kann, weil er Fieber hat und ihm hundeelend ist. Als ich die SMS gelesen hab, war ich gerade mit der ersten Vorbereitung meiner morgigen fünf Stunden fertig. Schön ist das Mutterdasein in solchen Momenten. Wenn ich meine Babysitterin nicht hätte, könnte ich jetzt den ersten unangenehmen Anruf bei meiner neuen Arbeitsstelle starten. Die wären sicher begeistert. Nachdem ich als Elternzeitvertretung eingestellt worden bin und mit dickem Bauch angetreten bin, fehle ich am zweiten Schultag wegen krankem Kind. Ich brauch unbedingt endlich ne Leihoma. Dann kann ich meine Telisa nämlich wieder für die Freizeit einsetzen. Das macht wesentlich mehr Spaß. Ich bin dann mal beim Arzt.

Brotdosen für Anfänger

Seit Paul in den Kindergarten geht, muss ich jeden Morgen Essen vorbereiten für die Zwischenmahlzeit und weil er bis 16.30 Uhr da sein wird, braucht er davon zwei. Die berühmte Klappstulle fehlt dabei nicht (das Wort ist den meisten Bayern übrigens gänzlich unbekannt, was immer sehr lustig ist im Unterricht, wenn ich zum ersten Mal brülle "Pack die Stulle weg da in der dritten Reihe!"). Das Obst auch nicht. Aber was mach ich in die dritte Schachtel? Vegane Hackfleischmuffins? Süßes ist ja verboten. Irgendeine Idee?
Gestern hab ich da Gurken und Weintrauben reingemacht, inspiriert durch die Farbe der Schachtel. Aber ich glaube es war ein bisschen obstlastig. Die Weintrauben jedenfalls kamen zurück. 

Dienstag, 10. September 2013

Drei Minuten vor dem Klingeln

Heute Nachmittag habe ich eine Tour zu meinem neuen Arbeitsplatz gemacht, um mich selbst ein wenig zu beruhigen. Hat auch geklappt. Für die Strecke, 22 km, hab ich tatsächlich auch nur 20 Minuten gebraucht. Die letzten Tage habe ich schon mal trainiert, mit den Kindern mit meinem weiteren morgendlichen Fahrprogramm auf 20 Minuten zu kommen. Das ist uns aber leider noch nicht gelungen. Einen Tag haben wir noch Zeit. Dann soll das so ablaufen:

5.30 Uhr Weckerklingeln Mama.
5.35 Uhr Frühstück Mama - Müsli und Kaffee + Facebook/News-Check
5.50 Uhr Duschen Mama
6.00 Uhr Lieblingsstrümpfe und andere Nicht-Funktionskleidung anziehen
6.10 Uhr Obst schnippeln und Haferflocken kochen fürs Kinderfrühstück
6.15 Uhr Zweites Frühstück und Nachmittagssnack für Paul vorbereiten und einpacken
6.20 Uhr Kinder wecken und anziehen
6.30 Uhr Frühstück Jungs
6.45 Uhr Hände waschen, Zähne putzen Mama und Jungs
7.00 Uhr Anziehen Mama und Jungs
7.10 Uhr Tiefgarage: Jungs in den Fahrradanhänger/ Losfahren
7.15 Uhr Paul im Kiga abgeben
7.30 Uhr Moritz in der Krippe abgeben
7.40 Uhr aus der Krippe marschieren, zurück nach Hause, Schultasche holen
7.50 Uhr Losfahren mit dem Auto
8.15 Uhr Ankunft Schule

Heute Morgen lief es aber so:

5.30 Uhr Weckerklingeln Mama
5.35 Uhr Frühstück Mama - Müsli und Kaffee + Facebook/News-Check
5.50 Uhr Duschen Mama
6.00 Uhr Lieblingsstrümpfe anziehen dauert 15 Minuten, weil nass. (Note to self: Wir sind wieder in Regensburg - da trocknet über Nacht gar nichts.) Andere Nicht-Funktionskleidung anziehen nochmal fünf Min.
6.20 Uhr Obst schnippeln und Haferflocken kochen fürs Kinderfrühstück
6.30 Uhr Zweites Frühstück und Nachmittagssnack für Paul vorbereiten und einpacken
6.45 Uhr Kinder wecken und anziehen
7.00 Uhr Frühstück Jungs
7.10 Uhr Mama Umziehen, wegen fliegendem Frühstück
7.20 Uhr Hände waschen, Zähne putzen Mama und Jungs
7.30 Uhr Anziehen Mama und Jungs
7.35 Uhr Paul muss aufs Töpfchen
7.40 Uhr Moritz räumt Pauls Kiga-Tasche zurück ins Wohnzimmer, sodass ich sie vergesse
7.50 Uhr Tiefgarage: Jungs in den Fahrradanhänger/ Losfahren
8.00 Uhr Moritz in der Krippe abgeben
8.10 Uhr Kiga-Tasche holen
8.15 Uhr Paul im Kiga abgeben
8.25 Uhr zu Hause, abfahrbereit

Wenn ich dann sofort ins Auto gesprungen wäre, wär ich drei Minuten vor dem Klingeln zur zweiten Stunde in der Schule gewesen (Es sei denn natürlich, es hätte einen Stau oder irgendeinen anderen weiteren Fehler im System gegeben.) Die erste Stunde ist allerdings bei diesem Plan völlig unrealistisch und steht hoffentlich auch nicht in meinem Stundenplan morgen. Denn dann bin ich aufgeschmissen.


Hauptsache ein Mädchen

Liebe Anna,

heute ist mein letzter Ferientag vor dem Arbeitsstart an einer neuen Schule und die Ruhe will ich nutzen, um dich persönlich zu begrüßen. Die Welt und vor allem wir freuen uns schon auf dich und über die Tatsache, dass du ein 

bist. Als ich mit Paul schwanger war, da endete die Frage nach dem Geschlecht in 90% der Fälle mit dem Spruch Hauptsache gesund. Denn bekommt man sein erstes Kind, so trauen sich wenige offen eigene Vorstellungen vom männlichen Erstgeborenen oder vom Wunschprinzesschen auszusprechen. Bekommt man dann ein zweites, wie in meinem Fall, da werden die Formulierungen schon offener. Denn das Ideal der meisten Menschen scheint wohl aus einem vernünftigen Geschlechtergleichgewicht in der Familie zu bestehen. Aus diesem Grund erhalte ich häufig Mitleid, im weniger eindeutigen Fall zumindest viel Mitgefühl, weil ich zwei Jungen habe. 
Bei dir, liebe Anna, war mein gesamtes Umfeld schon eindeutiger in seinen Formulierungen. Um genau zu sein: Du bist ein Mädchen und das ist nicht nur gut so, sondern genau so gewünscht. Denn noch ein Junge, da wäre das Geschlechtergleichgewicht in unserer Familie mindestens jenseits der Norm, in den Augen der meisten jedoch völlig aus der Bahn geworfen. Der Papa hat in dieser Hinsicht eine andere Auffassung. Es bräuchte mehr Jungs, um hier Gleichgewicht herzustellen, sagt er immer.  Du siehst also, was hier los ist. Wir freuen uns alle sehr, dass du bald da bist. In welche Richtung sich die Geschlechterwaage dann wirklich neigt, werden wir sehen, wenn du da bist. Bis dahin, fröhliches Wachsen und Gedeihen und schöne Grüße von Paul, der genau Bescheid weiß über das Baby in meinem Bauch, und Moritz, der jetzt deinen Namen sagen kann.

Dienstag, 3. September 2013

Bayern hat uns wieder...

und Paul begrüßt wie immer unser Heim mit den Worten: "Menjünk haza." (ÜS: "Lass uns nach Hause fahren!") Dasselbe macht er allerdings auch in Budapest. Der arme Junge! So klein und schon so heimatlos. Moritz hat sich sofort Sonntag Nacht auf sein Dreirad gestürzt und ist durch die Wohnung gefahren, bis alle Gepäckstücke eingeräumt waren und Paul, der gar nicht aufgewacht war, auch bettfertig war. Dann haben sie in Einklang bis um halb acht geschlafen - Rekord!!!! - und am Morgen so lange rumrandaliert, bis wir echt aufstehen mussten. 
Heute fing nun der Ernst des Lebens wieder an. Moritz in die Krippe und Paul seinen ersten Eingewöhnungstag im Kindergarten, der wie auch schon in der Krippe damals nur anderthalb Stunden dauern durfte, damit er sich nicht so erschreckt. Nun ja. Moritz wollte zu Oma, Opa oder zu seinem Fahrrad, nur in die Krippe wollte er nicht. Ich hoffe für seine Erzieherinnen, dass er nicht den ganzen Tag jammert. Und Paul hat sehr viel Respekt vor der neuen Umgebung gezeigt. Zum Glück war der Papa nicht mit in der Krippe, denn der junge Mann hat sich am meisten mit dem Kinderwagen und der Babypuppe beschäftigt. Es war zu merken, dass die Kategorien, wer womit spielt, im Kindergarten  schon eindeutiger sind - ganz im Sinne des Papas. In Pauls Augen stand die meiste Zeit: Die Kinder hier sind alle so riesig und es gibt viel zu wenig kuschelige Erzieherinnen und außerdem "menjünk haza". Das hat er durchaus auch mehrmals ausgesprochen. Zu Hause haben wir dann eine Runde frische Pfifferlinge gegessen, lecker! 
und jetzt versuchen wir uns beide in Mittagsruhe. Und aus dem Kinderzimmer hallt es immerzu: M-O-R-I-T-Z?!?