Donnerstag, 12. Dezember 2013

Ein besonderer Moment im Babysitterleben

Seit etwas mehr als einem Jahr haben wir eine Babysitterin für unsere beiden Jungs. Und wir haben mit ihr besonderes Glück, denn sie hat viel Zeit, ist zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, hat die gleichen Vorstellungen, was Erziehung angeht und hat viel Freude an unseren Jungs, auch wenn die es einem durchaus manchmal schwer machen können.
Nun haben Babysitter bei Kindern ja häufig einen besonderen Status. Babysitter sind weder Mama noch Papa, sie sind eigentlich oft eher so eine Art Verbündete, weil sie eher selten da sind, die Eltern dann meistens weg sind und Babysitter häufig ganz eigene Strategien haben, die Zeit mit den Kindern nicht zu lang werden zu lassen und vor allem nicht zu konfliktträchtig. Unser Glücksgriff backt Plätzchen, fährt mit den Kindern Bus, bastelt für oder mit den Jungs oder hüpft mit ihnen so lange auf dem Sitzball, bis alle umfallen. Außerdem hat sie immer irgendwas in der Tasche, was ein Kinderherz höher schlagen lässt - und damit meine ich nicht irgendwelche Bestechungssüßigkeiten, sondern nette Kleinigkeiten, über die sich Kind und Eltern freuen.
In letzter Zeit ist sie, ich nenne sie mal Telisa, denn es gibt Leute hier, die sie so nennen, wieder sehr regelmäßig da und gestern Abend kam sie nach einem Jahr harter Arbeit in den großen Genuss, endlich eine vollständig anerkannte Erziehungsberechtigte in unserem Haushalt zu sein. Wie das? Ihre Einwirkungsversuche wurden - gemeinsam mit den meinen -  von unseren beiden Gangstern das erste Mal vollständig ignoriert. Hatte sie bis dahin noch ansatzweise den Babysitterbonus, wurde sie gestern nun endgültig willkommen geheißen im Land des Feindes. Wie es dazu kam?
Paul schläft schon seit ein paar Monaten in Freiheit, will heißen ohne Stäbe, während Moritz zur gleichen Zeit Pauls Gitterbett mit den drei herausnehmbaren Stäben geerbt hat. Seitdem das so war und ich morgens nicht mehr unbedingt vor den Kindern aufgestanden bin, kamen die Jungs nun jeden Morgen von allein aus dem Zimmer, indem Paul erst Moritz aus seinem Käfig befreite und sie dann zusammen mit den drei Stöcken ins Wohnzimmer marschierten, um den Morgen mit gemeinsamem Spiel einzuläuten. Wir wurden so häufig vom Klopfen der Stäbe wach. Abends jedoch gab es nie Probleme, denn Paul war immer zu vernünftig oder zu müde, um Moritz da aus dem Bett zu befreien. Wenn abends die Tür also zu war, dann war sie zu und wenig später Ruhe. Dieser Zustand ist seit gestern zu Ende.
Moritz hat gestern beschlossen, dass die Grenzen seiner Welt nicht mehr die seines Bettes sein sollen und auch nicht die seines Kinderzimmers, sondern die der ganzen Wohnung, wenn überhaupt. Telisa und ich besprachen gerade im Wohnzimmer, wie schön die Jungs zur Zeit essen (viel weniger Wurfgeschosse) und einschlafen (viel weniger Geschrei), da standen die beiden plötzlich kichernd im Wohnzimmer. Wir kuckten uns verdutzt an und ich war mir sicher, dass Paul Moritz nun doch das erste Mal auch abends befreit hat. Im Kinderzimmer angekommen stellten wir fest, dass dem nicht so war. Moritz klettert nun wohl endgültig raus. Was dann begann, war eine Endlosschleife von Unter-großem-Gekicher-im-Wohnzimmer-Auftauchen und Wieder-ins-Bett-Zurückbringen und verschiedenen Versuchen, die Jungs, die ihre neu gewonnene Macht so richtig genossen und immer mehr aufdrehten, irgendwie zur Ruhe zu bringen. Unter anderem 
- nahmen wir die Stäbe raus, um zu signalisieren, du musst nicht klettern, du darfst auch rauskommen, aber du sollst jetzt schlafen…..
- machten wir die Stäbe wieder rein, um zu signalisieren….ach, einfach aus Verzweiflung.
- drehten die Glühbirne raus
- sangen Gute-Nacht-Lieder (gegen kreischende Jungs hat man mit Leise rieselt der Schnee allerdings nur wenig Chancen)
- legten uns zu den Kindern
- legten uns auf die Kinder
- drehten das Bett um und wieder zurück
und tauschten uns über unsere Unfähigkeit im Wohnzimmer aus. Alles in allem, ein sehr aufregender Abend, der endete, indem Telisa statt uns die Wohnung verließ, sich Mama auf das eine Kind und Papa auf das andere Kind legten. Ja - auf das Kind, nicht neben das Kind. Ich freue mich schon auf den heutigen Abend, wenn ich mich alleine auf beide Kinder wälzen darf. Und unsere Telisa war sicher nicht ganz unglücklich, dass sie gestern früher nach Hause gehen durfte. Als Feind ist man manchmal froh über eine Rückzugsmöglichkeit.