Dienstag, 30. Dezember 2014

2015

Die letzten Jahre waren hier sehr turbulent. 
2010 habe ich mein erstes Kind bekommen. 
2011 bin ich schwanger geworden.
2012 habe ich mein zweites Kind bekommen und das Referendariat begonnen. 
2013 habe ich mein Referendariat beendet und bin mit dem dritten Kind schwanger geworden und 2014 habe ich selbiges geboren und mich von dem Schock, den der Sprung vom zweiten zum dritten Kind bedeutet, erholt.


Für 2015 nehme ich mir deshalb nicht viel vor. Nur ein paar Kleinigkeiten.

1. Nicht schwanger werden. Wer mich kennt, weiß, das ist gar keine so einfache Übung für mich. Aber in diesem Jahr muss ich das schaffen. Denn auch wenn ich mich mittlerweile von Schwangerschaft und Geburt Nummer drei wirklich gut erholt habe, so hat mein Körper doch noch einiges an Erholung vor sich. Vielleicht erholt er sich auch nie wieder und ich habe mich mit der dritten Schwangerschaft (vor allem venentechnisch) in die Altersteilzeit katapultiert. Wie auch immer. Sollte noch ein viertes Kind durch diesen Körper kommen, sollte es nicht 2015 sein.

2. Laufen. Im Sommer habe ich mit dem Training begonnen und laufe nun seit einer Weile dreimal die Woche 6-8 km. Diese laufe ich mit einem Schnitt, der immer so zwischen 6:00 und 6:30 Minuten liegt. In der nächsten Zeit würde ich gerne die Zeit verlängern (also auf einstündige Läufe hochgehen) und damit auch die Distanz auf 10-12 km erhöhen. Wie lange ich dafür brauchen werde, kann ich momentan nicht einschätzen, aber ich setze mich damit auch nicht unter Druck. Mein Hauptziel ist körperliche Fitness und jede Menge frische Luft in meine Lungen zu pusten. Ich habe den besten Trainer der Welt und jede Menge Kinder, die auch rausmüssen. Und weil ich gerade nichts besseres finden kann, als Sport, um mich zu erneuern, mache ich eben das.

3. Wenn ich nicht laufen werde, will ich schwimmen. Im Studium bin ich regelmäßig 2 km geschwommen. Da will ich wieder hinkommen. Zur Zeit schaffe ich nur anderthalb und nur Brust/Rücken. Freistil ist die wahre Freiheit. 

4. Ich will weniger bloggen. Oder mehr. Das weiß ich noch nicht so genau. Vielleicht wird das hier helfen. Da fahr ich nämlich hin und freu mich schon sehr. Eine Zugreise kann wie ein Bad im Ozean sein. Und ich sehne mich nach Erfrischung. 

Das waren auch schon alle meine Vorsätze. Aber vor allem Nummer eins.  
Auf geht's, 2015. Ich wär dann soweit.

2014

habe ich mein drittes Kind geboren, in Rekordzeit.

habe ich dieses Kind gestillt, was nie vorher so schwierig erschien, dann nach endlos scheinenden 12 Wochen irgendwann doch wieder ganz leicht ging.


habe ich sehr viel Zeit in meiner Lieblingsstadt verbracht.




habe ich mich bei Twitter angemeldet und mich mit einigen Twitterinnen getroffen, was ich in sehr schöner Erinnerung habe.

war ich nicht einen Tag arbeiten und habe doch dauernd gearbeitet.


hätte ich im September anfangen sollen richtig zu arbeiten, habe aber dann doch die Elternzeit verlängert.


habe ich wahrscheinlich so wenig geschlafen wie in keinem der Jahre zuvor.


machte ich Pläne für eine Dissertation, um sie dann wieder zu verwerfen und bessere Pläne für ganz andere Dinge zu machen.


las ich den Goldfinch, was ich nur empfehlen kann, auch noch für 2015.


schaute ich mir alle Staffeln von The Good Wife an und staunte über die wahnsinnigen Mengen von Alkohol, die in dieser Serie von allen, aber vor allem von der Hauptdarstellerin konsumiert werden. 


ließ ich mir nach der dritten Geburt besonders viel Zeit für die Rückbildung und für den Beginn mit ernsthaftem Sport, um dann so richtig loszustarten.


lernte mein erstes Kind Radfahren.



dachte ich zweimal sehr intensiv darüber nach, einen Rollentausch in unserer Familie vorzunehmen.

begann ich wieder mit dem Laufen und kann mittlerweile einen 6er Schnitt über 50 Minuten halten.


sprangen die Besucherzahlen auf meinem Blog von 10 Seitenaufrufen pro Tag auf 10.000 pro Monat.


stellte ich das erste Fotobuch unserer Familie, für das Jahr 2013 her. (Jetzt fehlen nur noch die restlichen Jahre zwischen 2003-2014. Eine Kleinigkeit!)


war ich erfolgreich wie nie mit meinem Blog und gleichzeitig so gelangweilt wie nie davon. Wie es weitergeht, mal sehen.

habe ich eine Regenbogentorte für Kind P zum Geburtstag gebacken, von der er kein Stück gegessen hat.

habe ich 99 Fragen für Eltern in der Nido entdeckt und ein schlechtes Gewissen, weil ich immernoch nicht mit allen Fragen durch bin.

habe ich viel darüber nachgedacht, ob mit drei Kindern, "nun endlich Schluss ist" für uns oder ob da noch was kommt.

habe ich mir Ziele gesteckt für 2015. Einige davon haben mit langen Laufstrecken zu tun.




Das war ein schönes Jahr. Sehr anstrengend. Aber auch verrückt schön. Das Jahr zusammenfassen ließe sich nur so: Ich hab jetzt drei Kinder. Wahnsinn!

Dienstag, 23. Dezember 2014

Bild einer Reinigungsfrau

Nach dem Lesen eines meiner frühen Werke (ich muss ungefähr 14 gewesen sein), sagte mein Bruder einmal zu meiner Mutter: "Ja, Scheiße kannse wirklich gut schreiben."
Die Gelegenheit dazu nutzte ich auch gern im Deutschunterricht. Twitter gab es 1995 noch nicht.

Aufsatztyp: Bildbeschreibung, Klasse 8 - Wie würdet ihr diesen Text bewerten?
"Um der Aufforderung, ein Bild meiner Wahl zu beschreiben, zu folgen, habe ich mich auf die Suche nach einem Bild gemacht, welches durch die perfekte Zusammenstellung von Form und Farbe so aussagekräftig ist, dass es für sich spricht und meiner Beschreibung nicht bedarf. Leider fand ich kein solches Bild. Also wählte ich ein bedeutendes Werk des 20. Jahrhunderts. Es ist eines der späteren Werke (80er Jahre) und heißt "Unsere Reinigungsfrau".
Es wurde sehr genau gezeichnet, denn es ist sehr gut zu erkennen, was beziehungsweise wer gemalt wurde. Die Reinigungsfrau ist eindeutig als solche zu identifizieren, da sie das für ihren Beruf typische Werkzeug in der Hand hält - den Besen. Die Reinigungsfrau spielte für die Künstlerin sicher eine sehr wichtige Rolle, denn wie sonst würde sie auf die Idee gekommen sein, sie zu malen.
Vielleicht war sie eine sehr hübsche Putzfrau und die Künstlerin dachte, sie würde sich gut zum Portraitieren eignen, was aber beim Anblick des Ergebnisses nicht wirklich als vorstellbare Alternative erscheint. Aber vielleicht spielte sie ja auf irgendeine andere für uns schwer nachvollziehbare Weise eine wichtige Rolle. 
Über die Farbwahl lassen sich nur Vermutungen anstellen, etwa dass braun von der Künstlerin als besonders schön empfunden wurde und sie die Reinigungsfrau durch die Verwendung dieser Farbe verschönern wollte. Vielleicht ist aber auch das Gegenteil der Fall. Es ist allerdings auch durchaus vorstellbar, dass alle anderen Farbtöne einfach ausverkauft waren. 
Der große Mund der Reinigungsfrau erscheint wild und brutal. Vielleicht hat die Putzfrau oft rumgeschrien und damit der Künstlerin Angst eingejagt. Ihre weit aufgerissenen Augen jedoch zeugen vielmehr von einem Angstgefühl, das der Putzfrau innewohnt. Dieser Eindruck wird durch die wild zerzausten Haare und die krallenartigen, zur Abwehr geformten Hände noch verstärkt. Woher diese Angst? Ich kann nur spekulieren und das will ich nun auch tun:
Es drängt sich mir der Gedanke auf, dass die Künstlerin einen Eindruck von "harter Schale - weicher Kern" vermitteln wollte. Denn die Putzfrau sieht einerseits sehr monströs, andererseits sehr zerbrechlich aus. Wahrscheinlich hat die Putzfrau bei ihren Begegnungen mit der Künstlerin immer böse und wütend geschaut, aber wenn die Künstlerin sie genauer anschaute, konnte sie Lachfältchen erkennen und schloss daraus, dass sie nicht immer nur böse gewesen sein konnte. 
Das Bild ist ein in sich geschlossenes Kunstwerk und die Zeichnung als solche ist doch sehr gelungen. Nun ja, dafür müsste man wahrscheinlich die Reinigungsfrau sehen.

Und? Welche Note?

Sonntag, 21. Dezember 2014

Crazy about mein Baby

In weniger als einem Monat wird das dritte Baby in dieser Familie zum Kleinkind und der Abschied fällt diesmal besonders schwer.










Freitag, 19. Dezember 2014

Betreuungsproblem laut gedacht

Es hat nicht lang gedauert, bis die Welle, von der ich hier schrieb, herangerauscht kam. Vorgestern war es nun soweit. Erstaunlich pünktlich, ich hatte erst im Januar damit gerechnet. 

Nun steht es also fest. Ab 23. Februar fange ich wieder an zu arbeiten. In Teilzeit. 75%. Das sind in Bayern 17-18 Unterrichtsstunden + den Rest (freie Nachmittage, Ferien und so weiter, ihr wisst schon). Meine Schule ist 74 km weit weg. Und da ich mich entschieden habe, vorerst nicht umzuziehen, bleibt es nun dabei: Ich werde pendeln müssen. Mit dieser Tatsache habe ich mich in den vergangenen sechs Monaten irgendwie anfreunden können. Besser zumindest als mit der Vorstellung eines Umzugs, obwohl ich auch das versucht habe. Nachdem ich mich nun für das Pendeln entschieden habe, ist mein größtes Problem das morgendliche Wegbringen.

Die Kinder sind derzeit in zwei Einrichtungen, eine Krippe und ein Kindergarten. Beide Einrichtungen öffnen um 7.00 Uhr. Um 8.00 Uhr ist Schulbeginn, das heißt, ich muss spätestens um 7.50 Uhr im Klassenraum sein. Rein statistisch gesehen muss ich also spätestens pünktlich um 7.00 Uhr losfahren. Zu dieser Uhrzeit kann ich aber frühestens bei einer der Einrichtungen auf die Klingel drücken. 

Was kann ich also tun? 

1. Ich könnte die Kinder aus allen Einrichtungen nehmen und neue Plätze suchen in einer Einrichtung, die ab 6.30 Uhr anfängt. (Es gibt hier im Ort etwa zwei, denk ich.) Ich müsste den ganzen Januar eingewöhnen und drei Monate doppelt Beiträge zahlen. Klingt irgendwie nicht so berauschend. 
2. Ich könnte eine Tagesmutter suchen, die die Kleine betreut und die Jungs in den Kindergarten bringt. Gibt es sowas?
3. Ich könnte eine Babysitterin/Kinderfrau engagieren, die morgens zu mir nach Haus kommt, um die Kinder in den Kindergarten zu bringen. 
4. Ich könnte umziehen und ein Aupair engagieren, die bei uns zu Haus wohnt, und immer, wenn es nötig ist, die Kinder in die Einrichtungen bringt. Ich müsste nur eine 5-Zimmer-Wohnung finden. Kein Problem. 
5. Ich könnte versuchen, keine ersten Stunden zu bekommen. 
6. Ich könnte versuchen, eine andere Mutter/ einen anderen Vater aus der einen oder anderen Einrichtung zu bitten, meine Kinder regelmäßig mitzunehmen. (Ich glaube, diese Möglichkeit fällt für mich aus. Ich kenne niemanden, den ich um so etwas bitten könnte/wollte. Aber es hat mich sehr gefreut, zu lesen, dass andere Menschen so jemanden haben oder hatten. Das ist toll!)
7. Ich könnte....

Ja, was könnte ich denn noch? Ich bin gespannt auf unseren Lösungsweg und werde berichten. Noch gespannter bin ich allerdings aufs Arbeiten. Es wird Zeit.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Recht und Unrecht

In letzter Zeit denke ich viel über Recht und Unrecht nach. Vielleicht schaue ich zu viele Folgen von "The Good Wife". Ich will gar nicht abstreiten, dass es Zeit wird, dass ich wieder arbeiten gehe. Dennoch. Recht, Unrecht, Gerechtigkeit, das sind Themen, die mir immer wichtig waren und auch heute wichtig sind. Vielleicht sauge ich deshalb diese Serie auf, trotzdem sie eigentlich von Wiederholungen nur so strotzt und ich die Floskel "This is a fishing expedition" und die Worte "sustained" und "overruled" (ich schaue im Original) langsam nicht mehr hören kann. Es geht in der Serie vor allem um Recht und Unrecht. Und die Frage, ob Anwälte und Richter darüber entscheiden oder ob sie in Wirklichkeit eben auch nur so tun als ob. Weil das so wichtig ist und ich gerade erst wieder mit einer Bekannten darüber gesprochen habe, möchte ich von einem persönlichen Rechtsstreit erzählen, der schon eine Weile her ist. Es tut ganz gut, darüber informiert zu sein. Es geht um Schlüsseldienste.

Vor nun etwas mehr als zwei Jahren kam ich mit dem Mann und zwei Kindern mit einem vollgepackten Auto aus Budapest zurück. Der Schlüssel zu unserer Wohnung war uns in Budapest gestohlen worden und wir machten deshalb noch aus Budapest einen Termin für eine Türöffnung bei einem Schlüsseldienst, für kurz nach unserer Ankunft, so gegen 15 Uhr. 
Der Schlüsseldienst kam in Form eines jungen Mannes in einem großen (seeeeeehr großen) Auto und öffnete die Tür innerhalb von weniger als 15 Minuten. Er verlangte für diese Leistung einen Betrag in Höhe von 224,91 Euro. In Bar. Ich hatte kein Bargeld dabei. Er versuchte mich dazu zu nötigen, zur Bank zu fahren, um das Geld abzuheben. Ich war mit zwei kleinen Kindern vor der Tür, die eine Reise von sieben Stunden hinter sich hatten. Und selbst alleinstehend mit Lust auf Abenteuer wäre ich nicht mit diesem Mann zur Bank gefahren. Danach brachte er mich dazu, ein Formular zu unterschreiben, das die Rechnung sein sollte. Erst später las ich dort im Kleingedruckten Interessantes (und zwar dass ich den Rechnungsbetrag für "angemessen" halte).
Der junge Mann fuhr ab. Wir gingen in die Wohnung mit der offenen Wohnungstür. Das Schloss habe ich nicht von ihm austauschen lassen, er hatte mich wohlwollend darüber informiert, dass dies die Rechnung auf 380 Euro hinauftreiben würde. Die Tür war auf, wir waren drin. Und was blieb? Ein großes Gefühl der Ungerechtigkeit. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es rechtens sei, einen solchen Betrag für eine solche Arbeitsleistung von einem Menschen in Not zu verlangen. Und was soll ich sagen? Ich bekam Recht. Denn es ist nicht rechtens. 

Ich schrieb in den folgenden Tagen dem Schlüsseldienst:

Sehr geehrte Damen und Herren, 
ich bedanke mich hiermit nochmals für das Öffnen der Tür unserer Wohnung in.... . Leider habe ich im Ergebnis verschiedener Konsultationen feststellen müssen, dass das für die angefallenen 15 Minuten Arbeit berechnete Honorar in Höhe von 224,91 Euro völlig unangemessen ist. Meine Recherchen haben ergeben, dass das übliche Honorar für das Öffnen einer Außentür ohne Einbau eines neuen Schlosses und ohne Materialeinsatz nicht mehr als 60 Euro betragen sollte. Ich überweise Ihnen auch aus Dankbarkeit für die prompte Hilfeleistung 25% mehr und somit insgesamt einen Betrag von 75 Euro. Meine Meinung ist, dass damit die von Ihnen in nicht mehr als 15 Minuten erbrachten Leistungen mehr als angemessen honoriert sind. Hoffentlich nicht bis zum nächsten Mal verbleibe ich mit freundlichen Grüßen.
Ihre....

Kurze Zeit später kam der Mahnbescheid. Dann die Klage. Es kam die Stellungnahme vom Schlüsseldienst per Rechtsanwalt. Es kam die Vorladung zum Amtsgericht. Und dann kam der Tag, an dem es zur Verhandlung kommen sollte. Ich hatte mir schon mein Kostüm zurecht gelegt und war aufgeregt. Ich las von Zugangskontrollen im Gerichtsgebäude und von Prozessbevollmächtigten und ging morgens noch schnell zum Postkasten. Und was fand ich da: Post vom RA: "...nehme ich hiermit names und im Auftrage des Klägers die Klage zurück." Der Schlüsseldienst hatte ein Drohgebäude aufgebaut. Aber er wollte nicht wirklich kämpfen. Schade eigentlich. Hübsch machte ich mich an diesem Tag trotzdem noch. Um den Sieg der Gerechtigkeit zu feiern. Das ist ein Sieg, wie er süßer nicht sein könnte. Vielleicht deswegen gefällt mir "The Good Wife" so gut. Und vielleicht deswegen denke ich manchmal, ich hätte vielleicht doch Rechtswissenschaften studieren sollen. Das macht mir einfach so viel Spaß.

Und hier nun mein Rat an euch im Zusammenhang mit Schlüsseldiensten:
- Bezahlt nie bar vor Ort. Dazu seid ihr nicht verpflichtet. 
- Legt euch eine Telefonnummer eines seriösen Schlüsseldienstes ins Portemonnaie. Die gibt es. Sie stehen nicht am Anfang der Gelben Seiten unter A.A.A.
- Ihr müsst nichts unterschreiben. Also unterschreibt auch nichts. Ich habe die mir ausgehändigte Rechnung vor Ort unterschrieben. Darauf stand im Kleingedruckten, dass ich den Rechnungsbetrag als angemessen betrachte. Die Unterschrift ist unwirksam, weil rechtswidrig. In der Notsituation bin ich überhaupt nicht in der Lage, diese Dinge einzuschätzen. Schlüsseldienste lassen das gern unterschreiben, weil es bei vielen Menschen reicht, um sie dazu zu bringen, die unangemessenen Beträge doch zu bezahlen.
- Eine Türöffnung unter den oben genannten Bedingungen am Tag, in der Woche, kostet nicht mehr als 60 Euro. Alle Beträge, die über das doppelte hinausgehen sind unangemessen bis hin zum Wucher. Bei der IHK kann man sich darüber informieren. Eine Beratung bei einem seriösen Schlüsseldienst gibt darüber auch Infos.
- Und mein allerletzter Tipp: Nehmt immer einen Schlüssel mit! 
Und schaut ne Runde "The Good Wife". Was die Alicia immer für schöne Kleider hat!

Sonntag, 14. Dezember 2014

Sonst ist alles anders

Manche Ereignisse im Leben haben die Eigenschaft, das Leben irgendwie anzuhalten. Je älter du wirst und je mehr Verantwortung du hast, desto weniger besteht die Möglichkeit dazu, wirklich anzuhalten. Du musst trotzdem immer irgendwie weiter machen, weil es ja auch weiter geht. Und das tust du auch. Aber innerlich hast du irgendwie angehalten. Und steckst immernoch in diesem Moment fest. So ging es mir früher schon und so geht es mir heute noch. Mein Moment ist nun knapp drei Wochen her. 
Ich backe Plätzchen, zünde Kerzen an, lese Geschichten vor, wische Kinderpopos - und zwar immernoch drei (wann hört das auf?) - trockne Trotztränen und himmele mein Baby an, das in knapp vier Wochen zum Kleinkind wird. Aber sonst? Sonst ist alles anders.

Freitag, 12. Dezember 2014

Ziemlich krank

Erinnert ihr euch noch an diesen Text hier: Mein größter Kompromiss ?
Ich schrieb über mein Aufnahmegespräch in der Rehaklinik für Essstörungen. Das Gespräch ist 13 Jahre her und ich war vier Monate dort. Typisch für die Therapie von Essstörungen sind sogenannte Phasenprogramme, die den Patienten - je nach Therapieverlauf - einen breiteren Aktionsradius erlauben, bzw. ihre Möglichkeiten komplett einschränken. Bei Essstörungen wird häufig ein wöchentliches Gewicht vereinbart, das man zu- oder eben mitunter auch abnehmen sollte, als Teil der Therapie. Wird das Gewicht nicht erreicht, werden Privilegien entzogen. Bei der Einweisung hatte ich schon 5 Kilogramm zugenommen und wog 53,7 kg. Eine Woche später, am 12.1. hätte ich 500 g zunehmen sollen, wog aber stattdessen 53,6 kg. Ich kam in Phase 1, die mit den wenigsten Privilegien und den größten Einschränkungen. Dazu gehörten: 5 Mahlzeiten am Therapeutentisch, ständiger Aufenthalt auf dem Zimmer außer zu den Therapiezeiten, Ausschluss von Physiotherapie, morgendliches und abendliches Wiegen, kein Ausgang und abendliches Tagebuchschreiben für den Therapeuten. Stellt euch vor, ich hätte das Tagebuch aufgehoben. Dies wäre mein erster Eintrag.

Freitag, den 12.1.2001

Leider war ja heute keiner anwesend, der diese Aufgabe hätte übernehmen können, mir diese Wut im Bauch nehmen. Ich hab echt alles versucht. Aber freitags ist man hier offenbar auf sich gestellt.
Mit allem hätte ich heute Morgen gerechnet, aber nicht damit, dass mir 100 g fehlen und ich in die Phase muss. Echt. Ich bin die letzte, die in diesem Irrenhaus dahinein gehört, und ich finde es eine Sauerei, weil wir 
erstens noch gar kein Zielgewicht vereinbart hatten und ich mir deswegen sowieso unsicher war wegen, ja wie viel denn nun eigentlich? 
und zweitens weil wir überhaupt noch gar nicht über diese Geschichte gesprochen haben. Ihr scheint nicht zu wissen, was ihr mir damit antut, wenn ihr mich diesem Druck aussetzt und mich zwingt auf meinem Zimmer zu bleiben, und stattdessen zu fressen und zu fressen. Wenn Sie sich mal mein Essprotokoll angeschaut haben, dann wissen Sie vielleicht, dass ich mir echt Mühe gegeben habe. 

Was heißt Mühe geben? Es hat wirklich geschmeckt und ich hab echt viel gegessen und es hat mir trotzdem ein gutes Gefühl gegeben, weil ich wusste, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich will zunehmen und zwar gerne, aber mit diesem Druck, dem ich jetzt ausgesetzt bin, schafft ihr mir ein Problem, wo gar keins war. Sie dürfen nicht vergessen, dass ich neben dieser Essstörung auch eine Angststörung habe. Sie können sich ungefähr vorstellen, wie es für einen Angstpatienten ist, wenn folgendes eintritt. Ich habe endlich (nach mittlerweile sechs Monaten) wieder Spaß daran gefunden, rauszugehen. Sechs Monate habe ich mich freiwillig eingesperrt zu Hause, in der Klinik und im Betreuten Wohnen. Sechs Monate hatte ich Angst vor die Tür zu gehen, mit der Bahn zu fahren, alleine zu sein, in Supermärkte zu gehen, in der Schlange zu stehen oder im Kino zu sitzen.
Langsam beginne ich jetzt auch hier, mich besser zu fühlen und ich habe mich heute wirklich gut gefühlt. Ich fange an, es zu genießen, rauszugehen und mich nicht nur zu zwingen, rauszugehen, sondern Freude daran zu haben.  
Außerdem habe ich seit langem das erste Mal wieder Sport getrieben und zwar nicht, weil ich abnehmen wollte oder mein Gewicht kontrollieren wollte, sondern weil es einfach schön ist, seinen Körper zu spüren und Sport zu machen. Ich hatte auch davor in den letzten sechs Monaten Angst. Mein Herzschlag. Der hat mir Angst gemacht. Ich konnte das Gefühl nicht ausstehen, mein Herz schlagen zu hören und habe deswegen jegliche körperliche Aktivität gemieden. Können Sie sich vorstellen, wie furchtbar das ist? Du fühlst dich wie eingesperrt.  Du lebst noch, aber das eigentliche Leben macht dir nur Angst. Hier konnte ich endlich einen ersten Schritt in die richtige Richtung gehen und was passiert?
Weil ich 100 g zu wenig wiege, darf ich nicht weiter machen auf diesem Weg. Ich könnte kotzen, ganz ehrlich. Und es kotzt mich noch mehr an, dass ich tatsächlich wieder das Bedürfnis habe, zu kotzen. Diese Wut, die ich in meinem Bauch hab, hat heute gleich dazu geführt, dass mir das Essen vor dem Magen stehen geblieben ist. Aber ich wusste, ich muss trotzdem essen, weil ich sonst ja noch mehr Gewicht verliere. Und diese Panik verfolgt mich nun. Ist das Ihre Vorstellung von Gesundung? Ich bin verdammt wütend auf mich selbst, dass ich dieses Scheiß Phasenblatt überhaupt unterschrieben habe. Am liebsten würde ich hier wieder verschwinden, aber das mach ich nicht. Ich warte jetzt einfach erstmal bis Montag ab und dann bestehe ich auf einer Sondervereinbarung. Sie können mich hier einfach nicht so einsperren!

Was mich am meisten ankotzt, ist, dass ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte. Denn, wenn das der Fall gewesen wäre, hätte ich einfach mit dem Gewicht bescheißen können, wie alle anderen auch hier. Ein paar Gläser Wasser heute vor dem Wiegen hätten ja schon ausgereicht. Aber weil ich mir sicher war, dass ich zugenommen hatte, warum hätte ich das tun sollen? Sehen Sie, was dieses bescheuerte Phasenprogramm mit mir macht? Ich denke darüber nach, Wasser zu trinken, um mehr zu wiegen. Wie krank ist das denn?

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das war ziemlich krank.


Sonntag, 30. November 2014

Adventskalender 2014 - Ich mache das hier nur für mein Ego

Ich habe in diesem Advent sehr viel über den Druck gelesen, den die Menschen in Bezug auf die Herstellung oder den Erwerb von Adventskalendern empfinden(z.B. hier). Das wäre alles zu viel, liest man da häufig. Zu viel Geld, zu viel Aufwand, zu viel Gedöns. Ich finde das auch. Deswegen möchte ich hier meinen einfachen Adventskalender 2014 vorstellen. Der passt so schön zum Thema.

Ich stelle Ihnen auch ein paar Reaktionen vor, von denen Sie sich eine aussuchen dürfen, um sich von mir verstanden zu fühlen.

- Oh Gott. Noch so eine, die sich wichtig machen muss.

- Das ist doch alles viel zu viel! In der Adventszeit und auch an Weihnachten geht es doch nicht um Geschenke!

- Was das wohl gekostet haben muss?

- Na die hat wohl zuviel Zeit! Arbeiten tut die jedenfalls nicht. (Tut sie übrigens derzeit tatsächlich nicht. Was ihr manchmal leid tut)

- Wie will sie denn das noch toppen? Jedes Jahr die Päckchen vergrößern? Was soll das?

- Das macht sie doch nur für ihr Ego. Dabei geht es doch nicht um die Kinder.

- Diese Bastelei. Hat sie nicht gesagt, sie wäre keine Bastelmutti? Haben sie sie jetzt auf die dunkle Seite gezogen?

Habe ich Sie erwischt?
Wenn nicht, dann melden Sie sich einfach. Ich erweitere gern.

Ansonsten hier die cold facts: 

Material: Weihnachtsaufkleber, Origamiblätter 20x20 in weihnachtlichen Motiven oder weihnachtlichen Farben, runde Klebeetiketten, Paketschnur, Washi-Tape (kleine Auswahl), großer Bilderrahmen, breites Geschenkband

Zeit: ca 20 Stunden reine Bastelzeit, je nach Bastelerfahrungsstatus mehrere Recherchestunden für den Erwerb des Materials, diverse Stunden zur Entscheidungsfindung die Befüllung betreffend, diverse Aktivitäten zur Entkrampfung der verkrampften Bastelfinger







Im Übrigen lässt sich die Produktion dieses Kalenders sehr gut mit dem Studium der Rechtswissenschaften verbinden. Ich habe innerhalb der Bastelzeit zwei Staffeln The Good Wife geschafft. 

Freitag, 28. November 2014

Mein Kind muss essen, schlafen, fröhlich sein

Ich habe als Mutter, Lehrerin, Sprachenlernerin und hobbymäßige Sturköpfin eine ganz klare Meinung darüber, was ein Kind im Alter von 4 Jahren können muss. Es beschränkt sich auf drei Hauptaktivitäten: Essen, schlafen und fröhlich sein. Alles andere ist ein Plus, aber kein Muss. So kann mein Sohn mich zum Beispiel mehrmals hintereinander mit und ohne Schummeln in Lotti Karotti schlagen, ohne dass ihm (mir schon ein bisschen) dabei langweilig wird. Leider wurde das heute beim Kinderarzt bei der U8 nicht getestet. Und so ging ich mit der Diagnose Dysgrammatismus nach Hause, weil mein Kind nicht alles kann, was es muss.


Das Kind, es geht um Kind P, wurde auf Sprache getestet. Ich habe mich dabei auch sehr amüsiert, denn das Kind wird immer witziger, vor allem in solchen Testsituationen. 

So sollte er zum Beispiel auf einem Blatt Gegenstände benennen. Es handelte sich dabei um ganz einfache Begriffe wie Blume und Bett. Der Arzt fragte: Was ist das? Das Kind sagte: Ein Bett. Der Arzt fragte: Was ist das? Das Kind sagte: Eine Blume. Der Arzt fragte: Was ist das? Das Kind sagte (der Drucker ging plötzlich an): Mach du alleine weiter. Ich muss da was kucken! 

Dann sollte das Kind beweisen, dass es Steigerungsformen beherrscht. groß - größer - am größten. Der Arzt hatte ein Blatt, darauf waren vier Lebkuchenmänner. Der erste war kaputt. Der zweite war vollständig, der dritte war etwas hübscher und der vierte war am schönsten. Der Arzt zeigt auf Nummer eins und sagt: Der ist schlecht. Dann auf Nummer zwei: Der ist gut. Dann auf Nummer drei: Und der? Das Kind sagt: Der ist schön. Der Arzt zeigt auf Nummer vier: Und der ist am..?? Das Kind sagt: Der ist auch schön. Nächste Frage. (Durchgefallen übrigens)

Nächster Test: Das Kind soll zeigen, dass es die Pluralendungen beherrscht. Es beherrscht den Plural. Die Pluralendungen beherrscht es noch nicht, weil es im Ungarischen keine Pluralendungen gibt. Aber das spielt keine Rolle. Der deutsche Plural ist eine sehr wichtige Sache. Wenn man den nicht kann, dann kann man den Arzt gar nicht immerzu unterbrechen, indem man ihn immer lauter, leicht mahnend, anspricht: "Ich möchte aber viele, viele Gummibärchen. Nicht nur eins." Jaja, das mit den Bärchen ist halt ein blödes Beispiel, ich weiß. Aber stellt euch vor: Einen der wichtigsten Unterschiede für die Lebenserhaltung kennt er schon. Geld hat keine Pluralendung. "Mama, hast du  VIEL Geld?"

Die Testliste ist lang, aber ich langweile ungern. Die Diagnose: Das Kind hat einen -ismus. Das ist gut. Denn das kann man behandeln. Man kann etwas tun. Das ist doch schön. Es wäre ja fatal, wenn das Kind etwas hätte, wo man nichts tun könnte oder gar müsste. Und wie wir alle wissen, besteht dringender Handlungsbedarf. Das Kind ist vier. Es muss auf einem Bein hüpfend, grammatikalisch korrekt singend, Strichmännchen in den drei Grundfarben zeichnen können, um sie hinterher zu zählen und dabei versuchen, möglichst lange still zu sitzen. Essen, schlafen, fröhlich sein. Das wird nicht reichen, liebe Mama. Denn spätestens in der Schule, da... spätestens dann...
Schade eigentlich.




Sonntag, 16. November 2014

Ich habe mal wieder einen Kuchen im Kühlschrank

Ich bin eine von diesen chaotischen Mamas. Ich nehme mir immer wieder vor, System reinzubringen, um dann im entscheidenden Moment daran zu scheitern, dass ich wieder vergessen habe, was ich eigentlich wollte. 
Deswegen weiß ich nicht Monate vorher, was ich den geliebten Kleinen zum Geburtstag schenken soll und ich plane auch den Geburtstag selbst immer erst, wenn er schon so dicht dran ist, dass ich den Kuchengeschmack schon auf der Zunge habe, obwohl ich noch gar nichts gebacken habe.

Und so war es dann auch wieder in diesem Jahr. Kind P hat morgen seinen vierten Geburtstag und ich hatte am Donnerstag die Idee, ich müsste einen neuen Geburtstagskuchen machen. Und da das Kind seit ein paar Wochen von nichts anderem als von Regenbögen spricht, kam nur ein Regenbogenkuchen in Frage. Genau. Diese Kuchen, die knallbunt sind und Menschen mit normal funktionierenden Gaumen nicht schmecken, weil sie so süß sind, dass Zucker aus dem Glas löffeln im Vergleich dazu leicht bitter schmeckt. 
Ich habe schon mal einen gemacht. Für den Kindergarten. Mit der Löffeltechnik und den Viererfarbtuben von Dr. Oetker. Wir mussten damals die Reste essen. Ich habe das nicht in leckerer Erinnerung. Deswegen fiel dieses Rezept für diesmal aus.

Nun versuchte ich mich an einem original amerikanischen Rezept, zumindest tut es so, und habe dazu gestern gestartet, mit dem Backen von sechs verschiedenenfarbigen Böden.
In Ermangelung der richtigen Farben habe ich Pulverfarben genommen. Und das Ergebnis kann sich farblich sehen lassen.
Heute Abend habe ich daraus dann die Torte bebastelt, mit Smarties verziert und nun wirkt es fast so, als wäre ich doch eine von diesen Müttern. Diesen anderen. 


Und morgen hat das Kindlein dann Geburtstag. Und ich kann mich endlich in Ruhe damit auseinandersetzen, wie absurd mir das vorkommt, dass Kind P morgen vier wird und ich seitdem noch zwei weitere Kinder bekommen habe.

Dienstag, 4. November 2014

Verkasematuckelung - oder wie man Fragen zum Thema Sex beantwortet

68. Hätten Sie gerne öfter Sex?

Also sowas fragt man doch nicht. Oder? Und wenn man sowas schon fragt, antwortet dann auch jemand? Ich für meinen Teil bin ja so erzogen worden, dass die adäquate Antwort auf diese Frage ein schüchternes Kichern und Rotwerden in Kombination mit einem zackigen Ablenkungsmanöver ist. Klappt nicht immer so gut. Meistens bleibe ich im zweiten Punkt stecken. Was mich an dieser Frage besonders irritiert, ist die Kombination von Sie und Sex. Wenn wir uns siezen, dann reden wir doch nicht über Sex? Wer sind Sie überhaupt? Welches Emoticon steht eigentlich für schüchternes Kichern und Rotwerden Das hier: :''> und :-) ?

Wie antwortet man auf so eine Frage? Mit Ausweichen? Kennen Sie eigentlich den Ausdruck verkasematuckeln? Angeblich verwendet man den im Ruhrgebiet, um über Sex zu sprechen. Das soll soviel wie vernaschen heißen. Ich wüsste gern, ob das überhaupt stimmt und in welcher Altersklasse das verwendet wird. Und wie man das konjugiert. "Hey, Baby, ich hätte nicht übel Lust, dich heute Abend mal so richtig zu verkasematuckeln!" Ist das noch heiß oder schon albern? Ob die Suchmaschinen auf diesen Ausdruck eingestellt sind? Führt das zu Spamcontenterhöhung, wenn ich vom Verkasematuckeln schreibe? 
Was immer geht, ist die Gegenfrage: Und Sie? Ich meine, wenn Sie schon so fragen, das klingt mir danach, als wäre das ein Thema für Sie! Also erzählen Sie doch mal! Wie ist das denn bei Ihnen so? Geht da noch was? So komm ich nicht weiter. Mir fehlt ja mein Gegenüber.

Hab ich eigentlich schon erzählt, dass ich in diesem Jahr schon im Oktober alle Weihnachtsgeschenke zusammen hatte? So ganz stimmt das natürlich nicht, es fehlen ein paar vereinzelte. Aber ich bin viel erfolgreicher als in allen vorangegangenen Jahren damit und das ist doch toll?!? Sie merken, worauf ich hinaus will, ich lenke ab. Wie war die Ausgangsfrage? Hätten Sie gerne mehr Sex? Was heißt das eigentlich genau? Was für Sex? So normalen Sex, wie dasnuf neulich beschrieb? Oder richtigen? Ups, da bin ja ich schon voll in der nächsten Strategie, Verständnisfragen stellen. Ob ich damit weiter komme? Ich glaube nicht. Ich werde wohl nicht drumherum kommen, endlich diese Frage zu beantworten. Sie ist ja auch ziemlich einfach. Und deswegen jetzt einfach geradeheraus:

Ob ich gerne häufiger oder weniger häufiger, mit wem, wann, wo und weshalb ich mit wem auch immer am liebsten verkasematuckele, das geht Sie eine feuchte Verkasematuckelung an!

Dies ist ein Post meiner #99FragenfürEltern Challenge. Wenn du nicht weißt, worum es dabei geht, hier entlang.

Montag, 3. November 2014

Was zählt, ist die Bewegung

In unserer Familie wird Sport groß geschrieben. Im Rest des Landes auch. Der Duden schreibt das ja so vor. Aber hier meinen wir das eben auch im übertragenen Sinne. Bildungsbürger eben. Vielleicht fehlte mir aber auch einfach die passende Einleitung. 

Auf jeden Fall bedeutet Sport groß schreiben bei uns weniger andere dabei zu beobachten, wie sie Sport machen, als vielmehr selbst aktiv zu werden. Ich bin dabei am liebsten mit meinem großen Mund aktiv. Denn ich habe Sport am liebsten gemacht. Liegt er noch vor mir, greife ich sehr gern auf ein prall gefülltes Vermeidungsstrategiearchiv zurück. Einige Beispiele hier:
- ich habe Kopfschmerzen
- mein Rücken tut weh
- ich bekomme meine Tage
- ich glaube, ich bekomme meine Tage
- ich habe meine Tage
- ich hatte meine Tage usw. (das ist einfach ein schönes Argument)
- ich habe noch zu tun
- ich muss die Küche noch aufräumen
- es ist zu kalt
- es ist zu warm
- ich muss noch korrigieren (das ist meine Lieblingsausrede für alles, aber leider seit nunmehr einem Jahr angestaubt)
- ich habe so einen komischen Husten
- dieser Schnupfen...., dieser furchtbare Schnupfen
- mein Hals, der kratzt...nicht dass ich krank werde
- ich habe zuviel gegessen
- ich habe zu wenig gegessen
- ich habe gerade Kaffee getrunken
- ich hab noch keinen Kaffee getrunken
- ich muss noch abwaschen

Ich denke der Beispiele waren jetzt genug (zuviele). Ich habe Sport eben gerne hinter mir anstatt vor mir. Das Gefühl hinterher ist einfach viel besser. Vorher ist da nur dieses diffuse "ich habe schon lange nicht mehr auf unserer Couch gesessen"- Gefühl.

Aus diesem Grund bin ich auch sehr froh, dass ich einen Mann geheiratet habe, der keine, aber auch keine einzige der oben genannten Ausreden für voll nimmt. Den ich nicht veräppeln kann. Der bei jedem einzelnen meiner Versuche bereit ist, die ganze Liste mit mir durchzugehen, um mich dann doch um den Block zu jagen. Das ist meistens ok, manchmal fies, ganz oft sogar unerträglich, aber eben nur vorher. Hinterher bin ich in 99% der Fälle froh. Und das eine Prozent ist nur der klägliche Rest meines inneren Schweinehundes, den ich selbst nicht leiden kann. Warum ich den ganzen Quatsch erzähle? Weil sich Geschichte wiederholt.


Gestern saßen wir hier alle auf dem Sofa und schauten unserer kleinen A dabei zu, wie sie ihre ersten, aber wirklich allerersten Fortbewegungsversuche nach vorne machte (bisher hat sie sich nur hin- und hergerollt) Sie ist in zwei Wochen 10 Monate alt und ist, nun, sagen wir es mal so, noch gemütlicher als ihre beiden Brüder. Dieses Kind ist ein Sonnenschein ohnegleichen. Sie lacht und strahlt und ist zufrieden, sobald einer der beiden in der Gegend ist oder sie einfach die Nähe ihrer Familie spürt. Dem ganzen Kind ist anzumerken, wie zufrieden sie mit der Gesamtsituation bisher war. Alle sind da. Wozu da bewegen?
Nun, es war auch hier der Papa, der dem ganzen gestern ein Ende setzte und ihren inneren Schweinehund herausforderte. Ein kleines Holzbrett, drei Zuschauer auf dem Sofa und fertig war die open training session. Das Ergebnis: Kind A robbt sich jetzt nach vorn. Ob sie selbst einfach keine Ausrede mehr hatte oder ob der Einfluss des Familientrainers eine Rolle gespielt hat, wir werden es wohl nie erfahren. Das ist aber auch nicht wichtig. Was zählt, ist die Bewegung.


Sonntag, 2. November 2014

Essen und Freizeit

Mein wahres Vereinbarkeitsproblem ist ja nicht das von Familie und Beruf, sondern das von Mittagessen und Freizeit.

Ich liebe Mittagessen. Warm muss es sein. Frisch gekocht muss es sein. Lecker muss es sein. Satt muss es machen. Und glücklich. Und wenn es dazu noch gesund ist, na dann hab ich gewonnen. Das Problem: Das muss ja irgendwer organisieren. Wir sind hier inzwischen fünf. Und ich übertreibe nicht, dass auch unser jüngstes Familienmitglied - Kind A - mittlerweile vollwertige Portionen zu sich nimmt. Was die motorische Entwicklung angeht, da lässt sie sich Zeit. Aber die Butter. Die lässt sie sich nicht mehr vom Brot nehmen. (Wörtlich nicht übertragen!) Fünf Mäuler also, die gestopft werden wollen. Allerdings hängen besagte fünf Mäuler an fünf Körpern, die am Wochenende nach Bewegung und frischer Luft schreien. Wer also kocht?

Wir essen als Familie am Wochenende vier Mahlzeiten gemeinsam (Frühstück, Mittagessen, Kuchen und Abendessen) und das gemeinsame Mittagessen ist für mich ein Höhepunkt, auf den ich nicht verzichten möchte. Da ich das Kochen noch übe,
(der Mann sagt, das wäre kein Üben, denn ich koche nicht oft genug dasselbe Gericht, sondern immerzu was neues. So wüssten wir ja nie, wie ein Essen  schmeckt, wenn es mal nicht gelingt oder eben besonders gut gelingt, weil ja keine Vergleichswerte da sind. Die Kinder werden zudem nie sagen können, was eigentlich ihr Lieblingsessen war, weil es ja immerzu was anderes gab. Und dann sagen sie am Ende Pommes, weil es die eben immer mal wieder - in Verbindung mit Chlorwasser - gab.)
verbringe ich auch ziemlich viel Zeit mit der Suche nach neuen Rezepten und beim Einkaufen für diese, beziehungsweise mit dem Nachdenken darüber, was ich aus Vorhandenem wohl noch irgendwie zusammenwerfen könnte, ohne dass auffällt, dass das gar kein richtiges Essen (weil ohne Rezept) ist.

Worauf ich eigentlich hinaus will ist: ein warmes Mittagessen muss irgendwer kochen. Und das bin bei uns ich. Und so stehen wir jedes Wochenende vor demselben Dilemma. Wenn ich koche, dann muss der Mann die Kinder bespaßen, denn die müssen raus. Immer. Das ist ein Gesetz. Weil ich dann aber nie raus kann und der Mann immer raus muss, machen wir das seit einer Weile anders. 

Ich verlasse den Frühstückstisch und koche das Mittagessen. Danach gehen wir alle zusammen an die Luft und kommen nach zwei, drei Stunden wieder, um gemeinsam zu essen. Meistens ist das Essen dann noch warm. Wenn nicht, wird es schnell warm gemacht. Das macht so viel mehr Spaß und ist viel besser für meine Haut. (Den Ablauf meine ich, nicht die Temperatur des Mittagessens. Weil Luft und Bewegung und so!)

Heute waren wir laufen. Zwei Kinder im Anhänger und eins auf dem Rücksitz vom Fahrrad. Wir haben auch mal getauscht, sodass ich auch 2 km gelaufen bin (der Mann 11, nehme ich an). Die Kinder laufen oder fahren unterwegs nicht, die toben sich auf dem Spielplatz aus. Von Spielplatz zu Spielplatz - da geht es um uns. 
Die Luft war heute herrlich, der Spielplatz gehört bei dem Wetter immer nur ins allein, (das wissen wir aus den vorangegangenen Wintern) und jetzt schlafen alle in ihren Betten, mit warmer Kürbis-Lauch-Suppe im Bauch. So stell ich mir den Sonntag vor. 

Und wie macht ihr das so? Wie vereinbart ihr Essen und Freizeit? 














Samstag, 1. November 2014

Samstagssüß

Seit ich das hier im Sommer mehrmals gegessen habe und für ausgesprochen lecker befunden habe, kommen immer wieder Tage, an denen ich unheimlichen Appetit auf eben diesen strawberry cheesecake habe, aber mir die Hälfte der Zutaten fehlt. Deswegen spiele ich immer wieder damit herum und erfinde neue Varianten. Aktuell steht diese im Kühlschrank:

Was ich im Haus (Im Haus! Dass ich nicht lache!) hatte:
250 g Schlagsahne
300 g Himbeeren
250 g Vanillejoghurt
Schokoraspeln (nach Belieben)
Sahnesteif
Zucker (nach Belieben, hier 1 EL)
2 Hände voll Cornflakes (ungesüßt und auch sonst ohne alles)

Was ich damit gemacht habe:
- die Hälfte der Himbeeren durch ein Sieb pressen, die andere Hälfte beiseite stellen
- Schokoraspelpackung öffnen (die war bei mir schon geöffnet, gebe ich zu)
- Vanillejoghurtglas öffnen (bei Schwierigkeiten nicht den Mann holen, sondern oben mit dem Messer brutal reinstechen. In das Glas. Nicht in den Mann) 
- die Sahne mit Sahnesteif und Zucker schlagen (Dazu nehme ich einen Stabmixer. Aus Unprofessionalität)
- Sahne mit dem Joghurt verrühren
- 4 Gläser nehmen und dann

1 Schicht Cornflakes, dann 2 EL Himbeerpüree, 2 Himbeeren, dann 1 Schicht Joghurt-Sahne-Mischung, dann wieder Cornflakes und so weiter, bis alles alle ist. Beziehungsweise im Glas geschichtet halt.

An dieser Stelle hätte ich eigentlich mein King Louie Kleid anziehen müssen und mich hinter die Gläser stellen müssen. Dank dieses Posts hier habe ich ja jetzt auch eins. Aber dann müsste ich erst wieder den Still-BH ausziehen, den Push-Up BH anziehen, alles ordentlich hochpressen, ins Kleid quetschen, alles drapieren, am Ende gar noch die Haare machen. Dafür bin ich heute zu müde. Ich wollte doch eigentlich auch nur was Süßes. 



Freitag, 31. Oktober 2014

Was ich alles bin

Neulich schrieb ich, was ich alles sollte und was ich alles möchte. Was ich alles bin?

Ich bin manchmal so neugierig, dass ich Leute solange belästige, bis sie doch mit der Information rausrücken, die sie mir eigentlich nicht geben wollten. 

Ich bin eine Frühaufsteherin. Seit Kind A da ist, wird an diesem Aspekt meines Seins allerdings sehr gerüttelt. Kein Mensch steht gerne immerzu früh auf, wenn er immerzu nachts wach ist. Drei Kinder. Da ist immer irgendwer zum Wachsein.

Ich bin in der Lage, ganze Tage im Bett zu verbringen. Vor allem, wenn ich eine neue Serie entdeckt habe. Vor kurzem war das "The Good Wife". Danke dasnuf. Nach vier Folgen war der halbe Tag um und ich musste mit viereckigen Augen die Kinder abholen. So eine Mutter bin ich. 

Ich bin oft im Zweifel. Ob das, was ich tue, richtig ist. Und ob ich nicht viel mehr leisten müsste. Die meiste Zeit komme ich mir sehr faul vor. Aber selbst darin bin ich mir nicht sicher.

Ich bin mit drei Kindern zur Zeit emotional so dermaßen ausgelastet, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das, was ich hier tue, noch unter das Konzept "Gute Mutter" fällt. Denn

ich bin oft ungeduldig, vor allem abends, habe das Gefühl, nicht allen gerecht zu werden und ich kann einfach nicht genug Kinderlieder auswendig. Das ist ein Fakt. Kein Scherz.

Ich bin heute schöner als mit 17. Das fühle ich nicht nur so. Das ist ganz objektiv so. Ich habe mit meinem Körper auf so viele verschiedene Arten herumexperimentiert, als ich jung war, dass ich viel von dem, was schön gewesen wäre, kaputt gemacht habe. Heute habe ich die ersten grauen Haare, immer die gleiche, öde Frisur und ich habe eine kleine Faltensammlung angelegt. Aber das bin ich. Und das find ich schön. Meistens. Und ich habe inzwischen festgestellt, dass dies der Hauptanzeiger sein sollte.

Ich bin sonnenhungrig. Ich bin überzeugt davon, dass mein Körper mehr Sonne braucht, als er in diesen Breitengraden bekommt. Ich brate nicht in der Sonne. Aber meine Seele leidet unter der Farbe Grau. Ein Grund, warum ich mich nach Budapest sehne. Immer wieder. Vor allem aber von April bis Oktober.

Ich bin heute zehn Kilo schwerer als auf diesem Bild. Und darüber bin ich sehr froh.

Ich bin auch jetzt, knapp vier Jahre nach der Geburt meines erstens Kindes, unsicher in meiner Mutterrolle. Ich kaschiere die Unsicherheit, indem ich mal die strenge Lehrerin, mal die liebevolle Kuscheltante, dann wieder die lustige Spielkameradin oder die besorgte Behüterin spiele. Irgendwo dazwischen bin ich. Ich werd mich schon noch finden.

Ich bin froh, dass es Leute gibt, die gerne hier lesen.

Ich bin in letzter Zeit häufig im Mittelpunkt meiner Schreibe. Das ist reine Psychohygiene. Es möge mir verziehen werden.

Ich bin schon wieder so dermaßen im Rückstand mit dem Haushalt, dass ich Angst haben muss, er frisst mich auf, wenn mich an der falschen Stelle der Wohnung aufhalte. Und deswegen muss ich jetzt auch los.

Und was seid ihr so?

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Eine große Welle

Es wird Zeit für ein kleines Update in Sachen beruflicher Wiedereinstieg. Der letzte Stand ist hier nachzulesen. Seitdem hat sich nichts getan, aber eine Menge verändert. Die Blockade habe ich gelöst, indem ich einfach aufgehört habe, mich sinnlos im Kreis zu drehen. Ich lasse nun die Dinge einfach auf mich zurollen und nehme sie so, wie sie kommen. Das habe ich bisher mit vielen Dingen so gemacht und bin eigentlich immer gut damit gefahren. Was heißt das konkret?

In erster Linie heißt es, dass ich vorerst nicht umziehen werde. Man kann mir nicht vorhalten, ich hätte es nicht versucht.
Ich habe wochenlang mit der Wohnungssuche verbracht. 
Habe mir Wohnungen angeschaut, bei denen mir der Vermieter wegen des belastenden Eigentums leidtat.
Ich habe eine Anzeige aufgegeben, auf die niemand reagiert hat.
Ich habe Gespräche mit Immobilienmaklern geführt, bei denen mein Einkommen, mein Privatleben, mein Beruf und der Beruf meines Manns regelmäßig im Detail besprochen und in Frage gestellt wurden. 
Es haben Makler nicht zurückgerufen, aufgelegt oder angefangen Ausreden herumzustammeln, wenn ich gesagt habe, dass ich drei Kinder habe. 
Ich habe die Dollarzeichen in den Augen der Makler sehen können, wenn ich sagte, dass ich Beamtin sei und mein Mann Ingenieur. 
Ich bin während der ganzen Zeit nicht einmal, nicht ein einziges Mal kompetent bei der Wohnungssuche beraten worden, auch wenn jedes Mal ich diejenige sein sollte, die für den Dienst bezahlen sollte.
Ich habe zwei Maklern nach zweitklassiger Behandlung aufgrund der Kinder schriftlich mitgeteilt, dass sie mich mal kreuzweise können und werde nun auf die Zusammenarbeit mit diesen Büros wohl verzichten müssen. 
Ich habe mir Wohnungen mit Kaltmieten von 1300 Euro angeschaut. Meiner Meinung nach völlig jenseits von .... von allem einfach.
Ich habe feststellen müssen, dass der Wohnungsmarkt in der Gegend meiner (ja leider immernoch nur eventuell neuen) Schule genauso angespannt ist, wie da, wo wir jetzt wohnen. Hier suche ich immerhin schon ein Jahr lang. 
Ich habe mit Kitas telefoniert, die statt richtiger leider nur Plätze auf der Warteliste haben. 
Ich habe versucht, mich damit abzufinden, dass ein Umzug zum jetzigen Zeitpunkt 10.000 Euro kosten würde aufgrund der Wohnungssituation und der Dringlichkeit, aber das verursachte mir Bauchschmerzen. Denn ich hab dieses Geld nicht. 
Und ich habe versucht, diese Bauchschmerzen wegzudrücken und mich weiter gekümmert, gekümmert und gekümmert.

Irgendwann auf diesem Weg habe ich gemerkt, dass es keinen Sinn hat. All diese Mühen für eine wahrscheinliche Versetzung. Eine Versetzung, die so unsicher ist wie das Ausbleiben des nächsten Trotzanfalls eines meiner Kinder. All diese Mühen vergeblich, weil sich keine echte Lösung finden ließ, die Sinn macht. Für mich und für meine Familie. Und dann dieses Gefühl, dass ich da gar nicht hin will. Dass ich Heimat schaffen will und dass ich das da nicht schaffen kann. 
Als junge Frau war ich einmal zum Studientag in Hildesheim. Ich lief einen Tag durch die Stadt. Am Abend wusste ich, ich könnte dort nicht leben. Alles in mir sträubte sich dagegen. Trotz des einmaligen Studienangebots. So geht es mir mit dieser Stadt. Ich hab dennoch versucht, mich mit dem Gedanken anzufreunden. Aber ich muss mir eingestehen, dass der Versuch gescheitert ist.

Ich habe nun aufgehört, Wohnungen zu suchen. Ich habe aufgehört, den Umzug zu planen. Und ich habe das Thema einfach vom Tisch gefegt. Verdrängung vielleicht. Aber mir geht es damit gut. Sollte es bei dieser Schule bleiben, werde ich fahren müssen. 80 km einfache Strecke. Bleibt es dabei nicht, muss ich neu nachdenken. Bis dahin genieße ich den Rest meiner Elternzeit und lasse den Rest einfach auf mich zukommen. Auch wenn es eine große Welle ist, die da rollt.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Was ich alles möchte

Neulich schrieb ich, was ich sollte. Heute ist dran, was ich möchte.

Ich möchte mehr gelesen haben.

Ich möchte endlich diesen furchtbar nervigen Schnupfen loswerden, der mich plagt.

Ich möchte mir nicht immer kurze Haare wünschen, wenn ich lange habe und andersherum.

Ich möchte mal wieder ein neues Kleid kaufen. Ach ne hab ich ja grad. Das grüne.

Ich möchte wissen, was das ist und was man damit machen kann. Mein Sohn geht damit so professionell um. Das macht mir Angst.

Ich möchte gerne wissen, wo man Ordnung halten lernen kann. Kann man das? Das kann man doch vielleicht?

Ich möchte gerne Türkisch lernen und es auch brauchen. Die nette alte Dame in der Nachbarschaft, an deren Wohnung ich jeden Morgen und Nachmittag vorbeiziehe, und die mich und die Kinder immer so freundlich in gebrochenem Deutsch anspricht, könnte ich damit sicher beeindrucken.

Ich möchte die Nase in die Sonne halten. Der Herbst ist schön kalt. Aber mehr Sonne! 

Ich möchte mal wieder den GrüneBohneneintopf meiner Mutter essen.

Ich möchte endlich gefragt werden, warum der Himmel blau ist.

Ich möchte den Winter ohne Magen-Darm-Patienten in der Familie überstehen. Das wäre doch was.

Ich möchte meine Freundin mal wieder sehen. Wenn sie das hier liest, verstehe sie das doch bitte als Einladung.

Ich möchte das noch einmal spielen müssen.


Ich möchte mal wieder ein Buch lesen. Hab ich zwar grad. (hier) Aber das war so schnell zu Ende.

Ich möchte mal wieder mit dem Mann in lateinamerikanischen Tanzkursen streiten. Das streitet sich da einfach stilvoller.


Ich möchte mal wieder aus
diesem Fenster schauen.
Und wie vieles andere auf dieser Liste werde ich das. In Bälde.
Muss mich nur erst noch kurz um die Kinder kümmern.





Wie ich die schönste Sprache der Welt lernte

12. Können Sie in einem Dialekt fluchen?


Nein. Aber ich kann das in einer fremden Sprache. In einer, die aufgrund der aktuellen Situation im Ursprungsland auch hier in Deutschland immer mehr, aber immernoch sehr wenige verstehen. (Im Kindergarten sind es allerdings mittlerweile pro Gruppe mindestens ein bis zwei Kinder. Ich muss mich also zusammenreißen.) Und ich kann das so gut, dass ich inzwischen nicht mehr sicher sein kann, dass die Kinder, die ungarischen Flüche, die sie beherrschen, nur vom Papa (oder überhaupt von ihm?) gelernt haben. Warum? Das ist ganz einfach. Zum einen bin ich vielleicht ein Bauer (dazu schrieb ich schon einmal hier) und das meine ich nicht richtig ernst. Und zum anderen habe ich die ungarische Sprache erst richtig durchs Fluchen gelernt.

Ungarisch ist eine wunderschöne Sprache. Sie wird oft als eine der schwierigsten Sprachen der Welt bezeichnet. Aber das halte ich für Quatsch. Auch wenn es mir durchaus schmeichelt, denn ich habe sie gelernt. Bezwungen sozusagen. Ob eine Sprache schwierig ist oder nicht, das hat dennoch viel mehr mit dem zu tun, der sie lernt und mit der Ausgangssprache der jeweiligen Lerner/innen. Und so hat vielleicht auch die Tatsache, wie jemand eine Sprache lernt, viel mit dem zu tun, der sie lernt?!? Was sagt das jetzt über mich aus? 
Ich habe Ungarisch in der Schule gelernt. Aber nicht so, wie die meisten Schüler in der Schule nicht Englisch oder nicht Latein oder nicht Französisch lernen und nur ihre Zeit absitzen, sondern als Lehrerin. Von Schülern. Und genau deswegen bin ich auch so gut im Fluchen.
Als ich meinen Mann kennen lernte, war ich 23 und hatte mit Ungarn nichts am Hut. Ich war nicht ganz so tellerrandblind wie viele in meiner Umgebung. So wusste ich durchaus, dass die Hauptstadt von Ungarn Budapest und nicht Bukarest ist. Dennoch wusste ich über Ungarn eigentlich nur eins: Dass ich nichts über Ungarn wusste. 

Vier Jahre später zog ich vollständig dorthin, im Herbst 2007 trat ich meine erste Stelle als Lehrerin an einer Fachmittelschule in Budapest an. Meine Sprachkenntnisse waren ungefähr zwischen A2 und B1. Ich konnte also Tomaten kaufen und einen Metrofahrschein. Und ich konnte meiner (inzwischen) Schwiegermutter glaubwürdig vermitteln, dass ich wirklich keinen dritten oder vierten Nachschlag wollte. Zum Überleben im Alltag reichte es also. Zum Arbeiten in der Schule... Nun, es war ein Abenteuer. 

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich ein paar Tage nach Unterrichtsstart vor einer meiner Stunden das Klassenzimmer betrat und zeitgleich das Wort "kurva" hörte. Ich drehte mich um, signalisierte mein Entsetzen darüber und der Tag war gelaufen. Der Schüler war perplex, er hatte gar nicht mich gemeint. Er hatte nur vergessen, den "kurva"-Modus abzuschalten, bevor ich reingekommen war. Bei diesen Jungs war nämlich alles kurvageil, kurvacool, die Autos waren kurvamäßig schnell, der Alkohol hatte am Wochenende voll kurvamäßig reingehauen und die Tussi neulich an der Straßenbahnstelle, also die hatte wirklich kurvamäßig ausgesehen. Was natürlich ein ausgesprochenes Kompliment sein sollte. Nun. Das Missverständnis zwischen mir und dem Schüler aufzuklären, dabei half eine Kollegin. Und wie das manchmal so ist mit solchen Dingen. Die Vermittlung ging kurvamäßig in die Hose. Es war der letzte Tag, an dem ich mir auf diese Art in der Schule helfen lassen wollte. Diese kurvaschwere Sprache musste ich einfach lernen. Und zwar so schnell wie möglich. 

Drei Jahre Schularbeit und drei Sprachkurse später machte ich die Ungarische Oberstufenprüfung. Der Bereich, in dem ich am besten ausgebildet war, kam jedoch leider nicht in der Prüfung dran. Vielleicht lebe ich mich deshalb heute noch manchmal darin aus. 

Dies ist ein Post meiner #99FragenfürEltern Challenge. Wenn du nicht weißt, worum es dabei geht, hier entlang.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Wie das ginge mit der Vereinbarkeit


Als ich noch zur Schule ging, den gleichen Eingang wie heute benutzte, aber um einiges an Lebenserfahrung und Weisheit ärmer war, geisterte dort ein Gerücht herum. Das Gerücht, dass der Lehrerberuf einer derjenigen wäre, der sich ganz wunderbar mit Kindern vereinbaren ließe und deswegen im Grunde der Idealberuf für Frauen wäre. Damals ein Grund, warum ich alles, nur keine Lehrerin werden wollte. Denn Kinder spielten in meinen jugendlichen Lebensträumen keine Rolle, Karriere aber schon. Es kam dann anders. Das mit den Kindern. Und das mit der Vereinbarkeit. 
Heute, nachdem ich ein paar Jahre in diesem Beruf gearbeitet habe und ganz plötzlich auch drei Kinder (geboren 2010, 2012 und 2014) mein Leben bereichern, möchte ich so mancher Frau zurufen: Kind und Karriere? Dann werd bloß nicht Lehrerin!

Das Dilemma fängt schon mit der Ausbildung an. Die standardmäßige Lehrerausbildung dauert im Schnitt sieben Jahre. Eine längere Ausbildung haben nur Mediziner und Rechtsanwälte. Mit der Standardausbildung wirst du aber meistens vieles, nur keine gute Lehrerin. Als Lehrerin, so finde ich, ist es wichtig, menschlich, wissenschaftlich, fachlich und beruflich über den Tellerrand zu schauen. Und geschaut zu haben, bevor man vor eine Klasse tritt. Für diesen Blick jedoch braucht es Zeit. Zeit, die Frauen von Anfang an wegläuft. Abitur mit 18, erstes Examen mit 23, zweites Examen mit 25, danach der Berufseinstieg, für den man locker drei Jahre ansetzen kann, denn im Grunde wird die Lehrerpersönlichkeit erst zu diesem Zeitpunkt richtig geformt. Frau ist nun 28. Da wird es nun aber höchste Eisenbahn. Denn die Fruchtbarkeit lässt ja bald nach. #Vereinbarkeit?

Weiter gehen die Probleme mit den Versetzungen: Das Land hat das Recht, Beamte nach Belieben zu versetzen. Es gibt eine gesetzliche Verpflichtung des Dienstherrn, solche Versetzungen nach sozialen Kriterien vorzunehmen. Dennoch hat diese Rücksichtnahme natürlich Grenzen. (Das habe ich auch kürzlich gelernt.) Für mich als Lehrerin heißt das: Will ich an meiner Schule bleiben, mache ich mich bei allen Kollegen, Mitarbeitern und Schülern am besten so unabkömmlich wie möglich. Wie ich das schaffe? Indem ich in besonders hoher Stundenzahl arbeite, zusätzliche Aufgaben übernehme, Klassenfahrten organisiere und daran teilnehme, für Fremdsprachenlehrer heißt das Schüleraustauschorganisation und -betreuung, für andere möglichst viele Exkursionen, um nur einige Beispiele zu nennen. Meine performance kann ich außerdem durch die Übernahme von Funktionen verbessern, indem ich im Personalrat tätig werde, in der Stundenplanung oder in der Referendarsausbildung, beziehungsweise mich weiterqualifiziere durch Zusatzausbildungen. 
Alle diese Aufgaben (die Liste entbehrt jeder Vollständigkeit) erfordern eine Anwesenheit, die das normale Maß überschreitet, die mit einer erhöhten Wochenendarbeitszeit verbunden ist (auch Ottonormallehrer arbeitet am Wochenende durchaus einiges, denn Korrekturen und Vorbereitungen passen nicht immer in den Wochenablauf) und die häufig mit den Standardbetreuungszeiten kollidieren. Kitas haben im Normalfall von 7-17 Uhr auf. Danach löst die Betreuung jede/r für sich selbst. Für mich konkret heißt das: für alles, was nach 17 Uhr stattfindet, muss ich eine zusätzliche Betreuung auftreiben und bezahlen, was nicht immer einfach ist, was aber so häufig notwendig ist,  das man hier von einer sehr festen Größe sprechen kann/muss. Allein die Elternabende, über die so viele Eltern im Netz von der anderen Seite berichten. Die gehen nicht selten bis 21 Uhr. Theaterabende, Schulaufführungen, Schulfeste, Lesungen, lange Nächte der Wissenschaft, Wandertage. Das alles endet selten bis nie vor 17 Uhr. #Vereinbarkeit

Ein weiterer Punkt ist das berufliche Fortkommen: Karriere und Lehrer, das passt für viele sowieso nicht zusammen. Ich sehe den Begriff Karriere allerdings nicht ganz so eng. Er zielt nach meinem Verständnis vor allem auf eine berufliche Weiterentwicklung ab, ein Nicht-Stehenbleiben. Für mich als Lehrerin heißt das, ich muss an Fortbildungen teilnehmen, ich muss mich didaktisch, pädagogisch und fachwissenschaftlich weiterentwickeln und meine Methodik immer wieder überprüfen. Als Fremdsprachenlehrerin muss ich meine Fremdsprachenkenntnisse auf dem Laufenden halten - und - ganz wichtig - ich muss gesellschaftspolitisch auf dem neuesten Stand sein. Vieles weitere ist ein Kann. Ich kann mich auf Funktionsstellen bewerben, ich kann Seminarlehrer/in werden und ich kann, den Weg zur Schulleiterin einschlagen. Das Problem auch hier: Meistens nach 17 Uhr. #Vereinbarkeit

Ich habe drei Kinder. Und bin Lehrerin. Wird eines meiner Kinder krank, muss ich zu Hause bleiben. Als Beamtin darf ich allerdings nur 4 Tage im Jahr überhaupt zu Hause bleiben. Nicht pro Kind wohlgemerkt, sondern insgesamt. Wird eins der Kinder krank und ich habe meine vier Tage voll, ist offiziell nicht mehr das Kind krank, sondern die Lehrerin. #Vereinbarkeit

Als Lehrerin bin ich verpflichtet, irgendwann auch Klassenlehrerin zu sein. Eine Klassenlehrerin macht Klassenfahrten. Fahrten, die schon in der fünften Klasse über mehrere Tage hinausgehen. Um meine Kinder kümmert sich in dieser Zeit eben der Vater. Wenn der nicht kann, dann habe ich ein Problem oder ich bin eben nicht (Klassen-)Lehrerin. #Vereinbarkeit


Kind und Karriere. Familie und Beruf. Das passt auch bei Lehrerinnen zusammen. 
Es würde allerdings besser passen,

wenn Schulen sich nicht nur um Kinder, sondern auch um die Kinder ihrer Mitarbeiter kümmern würden. 
Wenn auch Beamte ihre kranken Kinder zu Hause pflegen dürften. 
Wenn Schule endlich den Schritt vom Analogen zum Digitalen machen würde - denn auch als Lehrerin lässt sich aus dem Home Office so einiges erledigen.

Wenn Schule ein bisschen seltener dienstrechtlich und etwas häufiger menschlich agieren würde.

Mit diesem Blogpost folgte ich dem Aufruf an dieser Stelle, zum Thema #KindundKarriere zu bloggen. Ich habe auch hier, hier und hier schon dazu geschrieben. Zur Zeit bin ich in Elternzeit und fange im Februar aller Voraussicht nach an, an einer Schule zu arbeiten, die 75 km von meinem Wohnort entfernt ist, weil ich dorthin versetzt wurde.  #Vereinbarkeit

Sonntag, 19. Oktober 2014

Was ich alles sollte

Jeden Abend ist die Liste länger als morgens. Da läuft doch irgendwas schief.

Ich sollte mal wieder joggen gehen. 
Ich sollte mal wieder oben auf den Regalen Staub wischen. 
Ich sollte mal wieder zum Zahnarzt gehen.
Ich sollte endlich mal die Unterlagen auf dem Schreibtisch sortieren. Bald sieht es hier so aus.
Ich sollte regelmäßiger Sport machen.
Ich sollte überhaupt Sport machen.
Ich sollte die nächsten U-Untersuchungstermine der Kinder nun endlich mal organisieren. Kann ja nicht so schwer sein, so ein paar Termine zu machen.
Ich sollte mehr Obst essen. So ein Apfel pro Monat könnte es schon sein.
Ich sollte mich mehr um meinen Mann kümmern. Er ist zwar selten da, aber er wirkt so unbekümmert.
Ich sollte mit meinen Kindern geduldiger sein. Irgendwie bin ich so oft kurz vor oder mitten in der Explosion.
Ich sollte mir ein neues Paar Schuhe kaufen. Die Wirkung der zwei Paar, die ich mir gerade gekauft habe, lässt stark nach.
Ich sollte mehr mit den Kindern spielen.

Ich sollte mehr offline und weniger online sein. Gleichzeitig hätte ich gern mehr online im offline und mehr offline im online. Nein das nun nicht.
Ich sollte dringend mal wieder den Kühlschrank abtauen.
Ich sollte einen Trockner kaufen. Luft trocknet hier nix mehr, außer manchmal meine Schleimhäute.
Ich sollte mal wieder eine Freundin auf einen Kaffee treffen. Den Kaffee hätt ich ja.
Ich sollte mehr Bücher lesen. Es reicht einfach nicht, die Bücher nur zu kaufen und hinzustellen. Das habe ich nun eine Zeitlang versucht und festgestellt, dass es nicht ganz so effektiv ist.
Ich sollte mehr Kuchen backen. Kuchen macht die Seele froh.
Ich sollte endlich die 8357 Fotos der letzten drei Jahre sortieren.
Ich sollte öfter bloggen.

Ich sollte vielleicht weniger darüber nachdenken, was ich noch tun sollte und einfach mehr tun. 

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Die Musik und ich

Seit unserer letzten längeren Autofahrt als Familie (drei Kindersitze mit Kindern auf dem Rücksitz - kein Spaß, sage ich euch!) sind die Jungs heiß auf Musik. Zur Erklärung: Wir hören zu Hause selten bis nie Musik. Wie das kommt? Das weiß ich gar nicht so genau und ich finde das auch nicht besonders hervorhebenswert. Aber manche Dinge sind eben so wie sie sind. 

Als junges Mädchen hab ich Querflöte gespielt. Ich war viel tanzen und da ich mit dem Walkman und dann auch Discman groß wurde, habe ich auch viel Musik gehört. Vor allem unterwegs. Zum Beispiel kann ich mich noch an den Sommer 1994 erinnern, als ich auf meiner zweiten Sprachreise Music for the Jilted Generation rauf und runter hörte. Wenn ich dieses Album höre, dann habe ich noch heute den Geschmack des Orangensaftersatzes meiner Gastfamilie auf den Lippen, den Geruch frisch gemähten englischen Rasens in der Nase und den goldenen Sandstrand Margates vor Augen. 

Ich kann mich auch noch genau erinnern, wie ich während meines Austauschjahrs in den USA das erste Mal "In der Halle des Bergkönigs" hörte und völlig überfordert war mit der Herausforderung Teil eines Orchesters zu sein und gleichzeitig völlig geflasht von den gewaltigen Emotionen, die Musik hervorruft, wenn man sie selbst macht.

Durch mein Studium begleitete mich vor allem Coldplay, Wir sind Helden und die ersten nostalgischen 80er CDs. Und dann irgendwann kam ein Bruch. CD's kaufen war out. Downloaden war illegal. Bezahlt downloaden machten nur Honks und im Radio kam für mich gefühlt nur noch Werbung. Da hörte ich auf, Musik zu hören. Eigentlich ne traurige Sache, das. Aber die meiste Zeit fing Musik irgendwann an, mich zu stören. 
Wenn ich zum Beispiel etwas anderes mache und die Musik nebenbei läuft, dann bin ich entweder schnell von der Geräuschkulisse überfordert oder aber die Musik lenkt mich zu sehr ab. Das Problem? Ich mache eigentlich immer was. Der einzige Ort, an dem ich noch regelmäßig Musik höre, ist das Auto. Zur Zeit ist das also eigentlich nur am Wochenende, wenn ich den Wochenendeinkauf erledige oder wenn wir mal wieder auf Reisen sind. (Oder ich auf Wohnungssuche in anderen Städten, aber das ist ja erstmal auf Eis gelegt.)

So wie neulich. Da holte mein Mann im Auto seine Songliste raus und spielte plötzlich das hier:


Und danach dann das:



Alles beides nicht die ganz großen Sterne am Musikhimmel. Auch wenn ich sagen muss, dass es trotz allörtlicher Dauerbeschallung im ersten Anlauf nicht gelungen ist, mir Gangnam Style zu verleiden und das zweite, ein klassisches Kindergeburtstagslied auf ungarisch, das muss man einfach lieben. 

Nun verhält es sich aber so, dass ich seit dieser Autofahrt, bei der drei Kinder auf der Rückbank und zwei Erwachsene auf den Vordersitzen Psy's moves imitierten und das in Dauerschleife so etwa 100 km lang, hier am liebsten zu jeder Tages- und Nachtzeit Gangnam Style laufen lassen soll. Inzwischen ertappe ich Kind P dabei, wie es komische Lieder singt, die ich nicht verstehe und habe die Vermutung, dass er sich im Koreanischen versucht. Beide Jungs können mittlerweile auf dem Globus Korea verorten, aber haben mit Deutschland ihre Schwierigkeiten und tippen immerzu auf die Ukraine oder Russland. Und wenn sie tatsächlich mal ein bisschen Lust auf Abwechslung haben, dann läuft hier Boldog születésnapot von Halász Judit. Dazu muss ich aber glücklicherweise nicht tanzen. Das singen sie selbst und rufen nur immer dazwischen: "Mama du nicht! Mama nicht singen! Das mach ich alleine!"

Ob wir so meinen Musikhörgewohnheiten auf die Sprünge helfen? Ich bin mir nicht sicher.