Freitag, 21. Februar 2014

Allein mit dreien.

Gestern hab ich hier das erste Mal das Abendprogramm allein gestaltet. Und was soll ich sagen: Es haben alle überlebt. Allerdings hatte eine/r immer schlechte Laune. Fing beim Abholen schon an. Neulich hab ich die Jungs schon mal allein abgeholt (bis dahin hatte ich immer Hilfe vom Papa, Freundin oder Babysitterin), mit dem Doppelkinderwagen. Anna in der Tragewanne und die beiden Jungs hab ich laufen lassen. Frei. Fataler Anfängerfehler. Wir müssen nur zwei Straßen um die Ecke vom Kindergarten, aber die eine Straße ist eine Seitenstraße, die keinen Bürgersteig hat und wo man auf der Straße laufen muss. An einer Stelle lief Moritz vorne fröhlich kreischend weg und ich sollte ihn einfangen und Paul legte sich gerade aus Protest mitten auf die Straße. Ich hatte den Wagen an der rechten Hand und musste mal eben schnell entscheiden, welches Kind ich rette. Den Wagen zur Seite schieben, Moritz hinterherrennen oder Paul von der Straße rollen. Es kam nämlich ein Auto. Mit schätzungsweise 3 km/h kam es angerauscht. Aber trotzdem. Auto is härter als Körper. Im Gespräch mit der Oma kam dann raus: Na die müssen halt mit einer Hand am Kinderwagen laufen, so einfach ist das. Zum Glück gibt es Omas. Ich für meinen Teil hätte gern so Leinen manchmal.

Gestern fuhr einer im Wagen, einen Sitzplatz gibt es ja, und der andere lief an der Hand. Wenn sich wegen des Freiheitsentzugs schlechte Laune beim Handläufer einstellte, wurde er kurzerhand ausgetauscht. Das klappte gut, produzierte aber schlechte Laune bei Einzelnen. Anna war davon weniger betroffen und fröhlich. 
Zuhause angekommen hatte Anna schlechte Laune und die anderen beiden verlangten, dass ich die Eisenbahn aufbaue. Der Nachmittag zog sich dann mit viel geworfenem Spielzeug (Was mache ich eigentlich, liebe Omas, wenn ich gerade stille, einer wirft mit Holzschienen durch die Gegend und reagiert auf Unterlassungsaufforderungen so gar nicht? Drohungen ausstoßen? Futtern unterbrechen? Weggucken? Mit Schienen zurückwerfen?) und abwechselnden Unmutsäußerungen über das Programm bei den Jungs und Anna. Die schlief nämlich auch nicht wieder ein und protestierte im Grunde den ganzen Nachmittag. 
Zum Baden quetschten wir uns alle ins Badezimmer, die Kleene in der Wippe, die Jungs in der Wanne und ich aufm Klodeckel. Anna fiel in einen tiefen Schlaf und so blieb sie danach einfach in der Wippe und ich ging zum Vorlesen mit den Jungs ins Kinderzimmer. Dann noch Kuscheln, Einschlaflied und normalerweise hätte ich mich dann mit hinlegen müssen, bis sie einschlafen (das machen wir ja immernoch jeden Abend und das verlangten die Jungs auch.) Aber da war Anna von ihrem doch nicht so tiefen Schlaf schon wieder aufgewacht. Und so wechselte die schlechte Laune ein letztes Mal von Anna auf die Jungs und bis alle zufrieden waren, war es 20.30 Uhr. Allerdings kein schlechter Schnitt, wie ich finde. Die Dame musste allerdings gestern auf ein Bad verzichten und mit Staubwischen vorlieb nehmen. Sonst hätte ich wohl dann schlechte Laune bekommen und das galt es zu verhindern. Ich bin hier schließlich für die Launen aller verantwortlich.

Montag, 10. Februar 2014

Faszination Schleusentor

Ich habe in dieser, meiner jungen Familie ja schon einiges an Wunderlichkeiten erlebt, was die Vorlieben meiner Kinder angeht - bisher vor allem die beiden Jungs. Unser Neuzuwachs verhält sich, was das angeht, noch sehr wie eine Anna-Normalverbraucherin. Zum Beispiel die Geschichte mit der Sardellenpaste, an die erinnere ich mich immer wieder gern. 
Zur Zeit haben wir hier eine neue Vorliebe, die beide Jungen ergriffen hat und die, wenn man es sich so recht überlegt, auch gar nicht so verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass Paul monate- ja beinahe jahrelang fanatisch von Türen fasziniert war. Er hat schon Türen auf und zu gemacht, da lag er noch auf dem Bauch und robbte durch die Gegend. Auch auf Knien hat ihm das immer Spaß gemacht und als er endlich laufen konnte, lief er grundsätzlich nur bis zur nächsten Tür. Irgendwann ging die Faszination auf Schlüssel über und so dauerte es keine drei Wochen, bis man uns im Kindergarten darüber informierte, dass Paul den Generalschlüssel der Erzieherin versteckt hat und man ihn derzeit nicht wiederfände. Irgendwann hat Paul sich wahrscheinlich erbarmt und ihn dann doch wieder aus seinem Versteck geholt, denn eine Rechnung für den Ersatzschlüssel ist seitdem nicht ins Haus geflattert. 
Auch die Schlüsselfaszination hat sich mittlerweile etwas gelegt, denn der Junge hat nun eine ganz neue Dimension von Tür für sich entdeckt: das Schleusentor. Dazu muss man wissen, dass der Papa seit einigen Monaten mit den Jungen im Jogginganhänger laufen geht und regelmäßig an der hiesigen Schleuse vorbeikommt. Irgendwann wollte es der Zufall so, dass gerade ein großer Touridampfer geschleust wurde und ab da war es um die Jungen geschehen. An einer Schleuse kommt man nun nicht mehr vorbei, ohne anzuhalten und wenn ein Schiff am Horizont erscheint, kann sich das Anhalten schon mal eine halbe Stunde hinziehen. Aber das ist erst der Anfang. Mittlerweile dreht sich hier alles ums Schleusentor. Paul baut Schleusentore mit Klappbüchern. Er kuckt Schleusentorvideos auf Youtube: Von den nahezu 10.000 Abrufen des Videos "Ein Tag an der Schleuse Schwabenheim im Zeitraffer" waren wir sicher 1/20 (das sind immerhin 500 für die, denen das Rechnen schwerfällt - ich hab dafür den Taschenrechner gebraucht wegen standby!). Und gegessen wird hier auch nur noch mit Schleusentoren. Dazu werden beide Hände vor den Mund gehalten und wenn Müsli rein soll, muss erst um Öffnung des Schleusentores gebeten werden. Dazu ist es mitunter auch wichtig zu unterscheiden zwischen oberem und unterem Schleusentor. Die Schleuse Schwabenheim ist im Übrigen auch der einzige Weg, Paul aufs Töpfchen zu bewegen (ja wir arbeiten immernoch daran!), aber offenbar sehr erfolgreich. Schleuse im Zeitraffer auf dem Ipad und endlich öffnen sich auch bei dem Jungen alle Schleusentore an der richtigen Stelle. Und weil diese Schleusentornummer immer für ein bisschen Aufmerksamkeit gut ist, macht Moritz einfach mit. Nur die Frauen in dieser Familie sind in dieser Hinsicht etwas zurückhaltender. Und ich persönlich bin schon gespannt, was als nächstes kommt.

Sonntag, 9. Februar 2014

Auf standby

Meine Blogpostfrequenz geht mal wieder dramatisch zurück. Das hat zwei Gründe: Der erste liegt auf der Hand - die Blogpostfrequenz verhält sich direkt proportional zur Still- und Schaukelfrequenz unserer kleinsten Mitbewohnerin. Je mehr still desto weniger blog. So einfach ist das. Und auch wenn wir seit ein paar Tagen nur noch alle zwei bis drei Stunden stillen, so ist das immernoch meine Hauptaufgabe, denn die Kleine plagt sich, genau wie die anderen beiden, mit zurückfließender Milch, großem Dauerhunger und Pupsphasen, in denen sie nur Hüpfen auf dem Pezziball oder durch unsere Vibratorwippe beruhigt werden kann. Wenn sich eine Anschaffung gelohnt hat, dann diese. Physiotherapeutenkritik an Babywippen hin oder her. 
Der zweite Grund ist etwas indirekter. Mein Gehirn ist zur Zeit auf standby. Wenn ich mal einen Moment für mich habe, dann verwende ich ihn, um mich zu waschen oder was Essbares in mich hineinzustopfen. Mein Gehirn brauche ich dabei nicht. Ich brauche es auch nicht, um Milch zu produzieren und genausowenig, um das Kind in den Schlaf zu schaukeln. Manchmal merke ich, dass ich es anschalten muss, weil ich sonst die Buntwäsche mit Bleichmittel ruiniere, das Honigglas in den Kühlschrank stelle oder mir mit Zahnpasta die Hände eincreme. Aber das meiste krieg ich gebacken, ohne da oben einzuschalten. Und so lasse ich es lieber aus, denn so kann ich besser damit umgehen, dass ich 24 Stunden am Tag rumsitze, rumliege oder rumhänge und meine Hauptaufgabe in der Milchproduktion und -bereitstellung besteht. Diese Aufgabe erfülle ich inzwischen allerdings mit Bravour. 
Das Kindlein wiegt derweil 4500g, hat also, nach anfänglichem Verlust von 300g, pro Woche über 200g zugenommen. Ein Mastschwein muss ein halbes Kilo pro Tag zunehmen hat der Opa heute Morgen am Telefon gemeint. Davon sind wir weit entfernt, in vielerlei Hinsicht. Es macht mir zwar hier auch niemand Waagendruck, wie bei Paul und Moritz (sh. hier), aber die Kundenzufriedenheit ist ein wichtiges Kriterium bei meiner Arbeit. Und die messe ich in Speckfalten und Schlafeinheiten. Bei den Speckfalten sind wir auf dem richtigen Weg, an den Schlafeinheiten arbeiten wir noch. Für beides bleibe ich noch eine Weile auf standby.