Montag, 31. März 2014

Löwenzahn und die Geschichte dahinter

Löwenzahn.

Und hier die Geschichte dazu:

Hab heut Kind P aus dem Kindergarten abgeholt. War eigentlich ganz lustig. Bis wir losgegangen sind. Kind P hatte mal wieder seine Gummistiefel an. Es regnete nicht, aber das tut nichts zur Sache. Ich nahm die anderen Schuhe also mit, damit er morgen früh nicht wieder in Gummistiefeln losstiefeln muss. Noch am Kindergartenzaun fiel meinem Sohn ein, dass er den Sandkasten in den Gummistiefeln hat, was das Laufen völlig unmöglich macht. Wir hielten an und schütteten jedes noch so kleine Sandkorn raus. Wir schüttelten eine ganze Weile. Während wir so schüttelten, entdeckte und pflückte Kind P drei Stängel Löwenzahn, die er dann ganze zehn Meter weiter trug, bis zum anderen Ende des Kindergartenzauns. Dort informierte er mich über die unbedingte Notwendigkeit sofort seine braunen Schuhe anzuziehen und die Gummistiefel auszuziehen. Da mir das sowieso lieber war, ließ ich mich darauf ein und wir ließen uns auf der Bank nieder. Als der Prozess des Schuhetauschens begonnen hatte, überlegte sich mein Kind das plötzlich anders. Davon darf man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Sowas kommt vor. Ich weiß ja morgens auch nicht immer gleich, ob ich meinen Kaffee aus der braunen oder der weißen Tasse trinken will. Ich entscheide mich da manchmal im letzten Moment anders und ruiniere mir damit den ganzen Tag. 
Ich bestand auf der Originalabmachung, was dazu führte, dass die drei Stängel Löwenzahn im hohen Bogen wegflogen. Danach entschied ich mich noch für den falschen Weg. Einmal geht es links rum und einmal rechts rum nach Hause. Man kann nicht richtig wählen (nur so für die unter uns, die keine Kleinkinder haben oder hatten). Wenn schon die blöden braunen Schuhe, dann wenigstens andersrum nach Hause. 20 Meter weiter dämmerte Kind P, dass Blumen, die man aus Trotz wegschmeißt, weg sind, wenn man sie nicht wieder aufhebt. In diesem Moment wollte er nur noch sterben, glaube ich. Bis er 50 Meter weiter noch ein paar Löwenzahnpflanzen entdeckte. Ich munterte ihn auf, doch ein paar neue Stängel zu pflücken, gleich hier vorn. Meinem Sohn genügten jetzt allerdings nicht mehr ein paar Stängel. Nein, jetzt war er auf Blumenmission. Er pflückte alles, was gelb war, und worauf nicht eben eine Biene oder Hummel saß (das war genau ein Stengel von gefühlten 100). Immer wenn er fünf zusammen hatte, übergab er sie an mich, um am Ende den ganzen Strauß zurückzuverlangen. 
Jetzt liegen die Dinger hier und ich frage mich, wie lange die vorgegebene Aufbewahrungsdauer bei Kleinkindern für sowas ist. Also ich meine, wann darf ich die wegschmeißen, ohne dass er zusammenbricht?

Projekt Pausenbrot

Die Schule ist für alle meine Kinder noch eine Weile hin, deswegen war ich etwas überrascht, als ich mich plötzlich im Herbst mit dem Problem Pausenbrotbox konfrontiert sah, bzw. wie man hierzulande sagt: Brotzeitbox.(sh. hier):  In unserem Kindergarten gibt es ein Mittagessen für alle. Alle anderen Mahlzeiten muss man dem Kind als Eltern mitgeben, was für 90% der Kinder bedeutet, dass man ihnen eine Brotzeit mitgibt, die hier zwischen 9.00-10.30 Uhr stattfindet. Am Nachmittag dürfen die Kinder natürlich auch noch was essen, aber die meisten Kinder essen da schon zu Hause. 
Ich war über diese Form der Mahlzeitenorganisation entsetzt und bin es eigentlich auch immernoch.  Warum man nicht für die Kinder drei vernünftige Mahlzeiten organisieren kann, ist mir ein Rätsel. Aber was Kita-plätze angeht, kann man hier froh sein, dass man überhaupt einen bekommt, wenn man sich nicht schon zu Beginn der Schwangerschaft angemeldet hat. Und so war ich dankbar, dass ich einen Platz hatte - das mit dem Essen kriege ich dann schon hin, dachte ich mir. 
Inzwischen, nach einigen Monaten Brotzeiterfahrung mit Kind P, kann ich nur bestätigen, mein Entsetzen war schon berechtigt. Denn eine vernünftige Zwischenmahlzeit für den Vor- und Nachmittag für ein Kleinkind in der Früh vorzubereiten und mitzugeben, die dann schmeckt, essbar und halbwegs frisch ist, ist gar nicht so einfach. Fangen wir beim Obst an: alles, was man anschneidet, wird spätestens mittags irgendwie unangenehm. Es ist noch essbar, wollen wir mal nicht mäkelig sein, aber es ist lange nicht so lecker, wie es frisch wäre, abgesehen davon, dass es bestimmte Obstsorten gibt, die würde ich dann selbst auch nicht mehr essen, so zum Beispiel Bananen. Die Kombination aus Kleinkindertransport und Belüftung nimmt der Banane einfach spätestens 3 Stunden nach Schälvorgang jeglichen Reiz. Äpfel werden ohne Zitrone braun, mit Zitrone sauer. Birne wird braun UND matschig, Kiwi ähnelt der Banane, was das angeht. Was bleibt? Mandarinen - die kamen immer zurück. Heidelbeeren - so wie morgens eingepackt. Weintrauben - je nach Stimmung. 
Gemüse - roh - also da muss ich sagen, da bin ich einfallslos hoch zehn, vor allem, weil ich selbst so gut wie nie rohes Gemüse futtere. Warum also mein Kleinkind damit quälen? Aber Gurken- und Möhrenschnipse sind Standard und kommen auch nicht immer zurück. 
Belegte Brote sind super. Die futtert Kind P. auch immer, und zwar in allen Sorten. Er ist ein Kohlenhydratefan, genau wie seine Mama. Aber auch hier hab ich das Gefühl, ich muss Brot und Belag so oft wie möglich wechseln, sonst macht das Kind vom Rückgaberecht Gebrauch.
Nun könnte man sagen, friss oder stirb, es wird gegessen, was auf den Tisch kommt, mäkelig war gestern oder wer kein Brot essen will, der esse doch Kuchen. Weder das eine noch die anderen kommen für mich in Frage und deswegen eiere ich immer wieder, was ich wohl dem schmalen Hans in die Brotbox tue. Müsliriegel sind mein neuer Geistesblitz. Heute hab ich welche selbst gemacht. 

Die sind allerdings so lecker, dass die Erzieherinnen die nicht kosten dürfen, denn dann merken sie, dass es sich dabei eigentlich um eine Süßigkeit handelt. Und Süßigkeiten sind verboten.

Nachtrag: Und hier das Rezept

Zutaten:
200 g Haferflocken, kernig
100 g Haferfleks
100 g Nussmischung zerkleinert
50 g Nussmüsli
30 g Kokosraspel
50 g Margarine
100 g Zucker
100 g Honig (Akazien)

Zubereitung:
Haferflocken, Haferfleks, Nussmischung, Nussmüsli und Kokosflocken mischen.
Margarine, Zucker und Honig in einem großen Topf zum Kochen bringen. Solange kochen, bis die Masse karamellisiert. Die Nussmischung unterrühren. Die noch warme Masse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech ausrollen und nach etwa 10 Minuten in Riegel schneiden. Auskühlen lassen und trocken aufbewahren.


Donnerstag, 27. März 2014

Projekt Legokiste

Manchmal folgt auf einen Stillmarathon eine Phase, in der das Kind plötzlich so lange und ausgiebig pennt, dass man immer wieder nachschaut, ob es eigentlich noch da ist. Und man kann mit der vielen Zeit gar nichts anfangen, weil man überhaupt nicht damit gerechnet hat, dass man sie hat. Und dann beginnt man mit komischen Projekten. Mein Projekt heute: Ich hab die Legokiste aufgeräumt. 

Und ich musste wieder feststellen: Wir haben zu wenig Steine. Das Projekt ist im übrigen schon beendet und Kind A pennt immernoch. Was mach ich jetzt?

Mittwoch, 26. März 2014

Hilf dir selbst, bevor das Netz dir hilft

Oberste Elternregel, was das Internet betrifft: Wenn du ein Problem hast, google es nicht, sondern lös es einfach selbst. Und stell schon gar keine Fragen in irgendwelchen Eltern-Kind-Foren. Das kann nur schief gehen. Ich halte mich an den ersten Teil der Regel natürlich nicht oder nur ungern. Deshalb stoße ich bei meinen Suchen immer wieder auf wunderbar unterhaltsame Threads zum Thema "mein Kind schläft nicht durch" oder "mein Kind isst kein Gemüse" oder "Kind 2 Monate will keinen Nuckel", und vieles mehr.
Ich bin mittlerweile Meisterin im Suchen. Nun könnte man einwenden, naja Suchen ist ja keine große Kunst. Finden muss man, vor allem wenn es um Problemlösungen geht. Ich finde in den Foren meistens so viele Lösungen für ein- und dasselbe Problem, dass mir ganz schwummerig wird und ich mir schwöre, mich ab sofort doch wieder an die oberste Elternregel zu halten. Vor allem aber finde ich es immer wieder amüsant, wie rigoros Eltern im Internet miteinander umgehen.

Eins meiner aktuell gegoogelten Probleme: "Mein Kind wacht um 5 Uhr auf".
Zur Situation: Seit ein paar Monaten wachen die Jungs morgens so gegen 5 auf und wollen aufstehen. Manchmal weinend, manchmal fröhlich, aber immer vor oder kurz nach fünf. Teilweise auch halb fünf, das kommt immer auf unsere grad praktizierte Intervention an. Denn wir, die Eltern, empfinden das als ein Problem und intervenieren auf verschiedene Art. Bis jetzt war nix erfolgreich. Deshalb begebe ich mich manchmal doch ins Internet auf der Suche nach Leidensgenossen und -genossinnen. Wie sinnlos das ist, möchte ich mit der nachfolgenden Simulation eines Foreneintrags einmal zeigen.  

Hallo!
Ich habe ein Problem. Mein Sohn (2 Jahre und 2 Monate) wacht seit ein paar Monaten regelmäßig zwischen halb fünf und halb sechs auf. Bis dahin hat er immer so bis halb sieben, sieben geschlafen und ist zwischen 19 und 19.30 Uhr ins Bett gegangen. Am Nachmittag schlief er dann immer so zwei Stunden, das macht er auch jetzt noch, nur dass er jetzt immer so früh aufwacht. Was kann ich tun? Habt ihr nicht ein paar Tipps für mich? Ich habe schon alles versucht, mich dazuzulegen oder ihn bei mir im Bett weiterschlafen zu lassen, aber er schläft nicht wieder ein, ob es halb fünf oder fünf ist. Mir ist das einfach zu früh, ich brauche morgens auch meinen Schlaf und abends geht er ja deswegen auch nicht eher ins Bett. Irgendwann will man ja auch mal seine Ruhe haben. Und er schläft so auch meiner Meinung nach viel zu wenig. Bitte helft mir!

Diese Frage findet sich im Internet in tausend verschiedenen Versionen, mit älteren oder jüngeren Kindern, mit unterschiedlichen Uhrzeiten und zahlreichen Interventionserfahrungen der Eltern. Eines ist aber immer gleich: Die Kategorien, in denen sich die sogenannten "Ratschläge" sortieren lassen. Ich habe das an meinem Beispiel mal versucht.

1. Die "Also bei uns ist das gar kein Problem!"-Behaupter
Also mein Sohn wacht auch seit einiger Zeit so gegen 5 auf. Er kommt zu uns ins Schlafzimmer und wir spielen dann zusammen ne Runde oder kuscheln noch ein bisschen, dann stehen wir - in völliger Harmonie - eine Stunde später gemeinsam auf und frühstücken ganz idyllisch.
2. Die "Pragmatiker"
Dein Sohn ist nicht müde. Lass den Mittagsschlaf weg und das Problem ist gelöst. Am Anfang ist er zwar nachmittags bisschen nörgelig, aber das gibt sich.
3. Die "Was beschwerst du dich eigentlich?"-Frager
Hab ich das richtig verstanden? Dein Sohn schläft von 19.30 Uhr bis 5.30 Uhr? Du Glückspilz! Sei froh, dass er durchschläft!!!! Also deine Probleme möchte ich haben!
4. Die "nicht richtig gelesen"- Helfer
Versuch doch mal, dich noch ein bisschen zu ihm zu legen oder ihn in dein Bett zu holen. Er will sicher nur deine Nähe! 
5. Die "Halte-durch"- Parolendrescher
Das ist nur eine Phase. Hatten unsere auch. Das geht vorbei. Augen zu und durch und am besten gleich nach ihm ins Bett gehen. 
6. Die "ein psychisches Problem"-Vermuter
Vielleicht liegt es an Spannungen bei euch zu Hause? Habt ihr Streit, gab es in letzter Zeit viele Probleme? Wenn ein Kind nicht schlafen kann, stecken häufig elterliche Dissonanzen dahinter. Vielleicht solltet ihr euch da mal genauer beleuchten!
7. Die "nicht auf der Nase herumtanzen lassen"- Hinweiser
Das hatte mein Sohn auch ne Weile. Ich hab ihn einfach schreien lassen. Irgendwann hat er aufgegeben. Nach ein paar Wochen ist er wieder später aufgewacht. Man kann sich ja nicht von seinem Kind auf der Nase herumtanzen lassen.
Und die letzte und beste Kategorie:
8. Die "Wozu hast du eigentlich Kinder bekommen?"- Frager
Wie du schon richtig erkannt hast, hast du ein Problem, nämlich damit, dass dein Kind zu früh aufwacht. Wozu hast du eigentlich Kinder bekommen, wenn du eigentlich nur deine Ruhe willst? Dein Sohn ist einfach nicht müde. Akzeptier das gefälligst und kümmer dich um ihn!

Wenn man Glück hat, ist außerhalb der vorgenannten Kategorien auch was Nützliches gelandet oder es kommt zu Mischungen in den einzelnen Kategorien und der eine oder andere Rat findet sich neben den vielen Schlägen. Meistens aber stellt man fest, man hätte nicht googeln sollen. Und erst recht nicht fragen. Zum Glück mach ich das nie. Und was mein Problem angeht: Das ignorier ich weg. Über Schlafmangel meckern ist echt sowas von von A. Kast-Zahn.

Dienstag, 25. März 2014

Danke für's Abendessen, Mama

In unserem Haus wird die Höflichkeit hoch geschätzt. Das ist dem Papa zu verdanken. Ich für meinen Teil bin einfach nicht ganz so nett. Manche sagen sogar, ich sei ein Bauer. Zum Glück habe ich einen kultivierten Menschen geheiratet. So komme ich auf meine erwachsenen Tage doch noch zu ein bisschen Zivilisiertheit. Der Papa ist hier für das Höflichkeitstraining zuständig und ich sitze nur da und staune. Ein Hauptbereich des Höflichkeitstraining besteht aus dem Üben des Dankesagens, unter anderem bei den Mahlzeiten.

Bevor die Jungs vom Tisch aufstehen dürfen, müssen sie sich bei mir für das Essen bedanken. In 99% der Fälle kommt der Dank an der richtigen Stelle an, denn ich habe das Essen tatsächlich gemacht und wenn nicht, dann hab ich es zumindest eingekauft und auf den Tisch gestellt. Dafür kann man ja schon mal danke sagen. Da die Kinder zu diesem Zweck allerdings einen Standardsatz nachsprechen, kam es durchaus schon vor, dass sie sich bei mir bedankt haben, obwohl jemand anderes gekocht hat. Das ist dann zwar irgendwie das Gegenteil von höflich, aber wir trainieren ja auch noch.

Der Standardsatz lautet übrigens: "Köszönöm szépen a vacsorát, mama" - "Danke für's Abendessen, Mama". Nun könnte man einwenden, das passe ja nur für's Abendessen. Mit diesem Einwand hätte man dann das erste unserer kleinen Probleme beim Höflichkeitstraining direkt und ohne Umschweife erfasst. Die Kinder bedanken sich zur Zeit völlig unabhängig von der Mahlzeitensituation fürs Abendessen mit dem Satz "Köszönöm vacsoráz-en, mama." Mit der Grammatik nehmen es beide dabei nicht so genau. Sie hängen einfach die deutsche Verbendung an das ungarische Abendessen und haben das Gefühl, damit haben sie beide Sprachen abgehakt.

Das zweite Problem des Höflichkeitstrainings ergibt sich dadurch, dass die Jungs zu faul sind, ganze Sätze zu wiederholen und so entstehen mitunter spaßige Dialoge, wie der folgende: 
Kind M will aufstehen und quiekt (Die Übersetzung der ungarischen Teile in Klammern)

M.: "Fertig!!!!!!!" 
Papa: "Vége van?" - (Fertig?")
M: "Vége van!!!!" - (Fertig!!!")
Papa: "Köszönöm szépen a vacsorát, mama!" - ("Danke für's Abendbrot, Mama!")
M: "Möpönöm!" - ("Danke")
Papa: "Köszönöm szépen!" - ("Danke!")
M: "Vacsorát, mama!" - ("Abendbrot, Mama!")
Papa: "Köszönöm szépen!" - ("Danke!")
M: "Vacsorát, mama!" - ("Abendbrot, Mama!")
Papa: "Köszönöm szépen a vacsorát!" - ("Danke für's Abendbrot!")
M: "Mama!" - ("Mama!")
Papa: "Köszönöm szépen a vacsorát, mama!" ("Danke für's Abendbrot, Mama!")
M: "Vége van!!!!!" ("Fertig!!!!!")

Herrlich, wenn man zuschauen darf. Das Training ist dennoch als erfolgreich zu bezeichnen. Nach einem kurzen Besuch bei uns vor ein paar Wochen bedankt sich angeblich der Opa neuerdings bei der Oma für's Essen. Ist doch was.


Nachtrag vom 27.10.2014

Inzwischen kommt es auch manchmal zu sowas. Hauptsache höflich?!?


Samstag, 15. März 2014

Ein ordentliches Kind

Liebe A, 
morgen wirst du zwei Monate alt und ich muss mich das erste Mal bei dir entschuldigen. Die Zeit ist gerannt und rennt immer schneller und ich kann gar nicht glauben, dass du schon acht Wochen alt bist und ich, lebte ich in den USA, schon wieder zwei Wochen arbeiten müsste. 
Aber zurück zum Grund meines Schreibens. Ich will mich bei dir entschuldigen, weil ich bei dir meinen Grundsatz gebrochen habe, den ich bei deinen beiden Brüdern eingehalten habe: Ein Kind braucht keinen Nuckel. Ich bin bis heute davon überzeugt, innerlich. Eigentlich. Immernoch. Fakt ist aber eins. Ich habe auch den Jungs in verzweifelten Momenten den Nuckel angeboten, ganz entgegen meinen Prinzipien. Sie haben das gespürt und ihn ausgespuckt. In hohem Bogen. Immer wieder. Dann hab ich es gelassen. Bei dir war das anders. Die Verzweiflung war die gleiche: Stillen ohne Ende in Zeiten eines Wachstumsschubs und keine Beruhigungsmöglichkeiten mehr übrig auf der Liste (außer vielleicht im Auto umherfahren, aber dafür muss man richtig verzweifelt sein, glaub ich). Dazu: Keine wirkliche Beruhigung durch Stillen möglich, weil in der Tat kein Hunger besteht, sondern nur ein Saugbedürfnis und sämtliche Milch, die dabei im Angebot entsteht, einfach abgelehnt wird. So bin ich vor ein paar Wochen ins örtliche Nuckelfachgeschäft und habe aus der großen Auswahl natürlich den besten ausgewählt. Das habe ich auch schon bei deinen Brüdern getan. Aber die haben sich für das Beste nicht interessiert, weder aus Silikon noch aus Latex. Die wollten nur das Original. Dir hab ich Silikon angeboten und du hast dankbar angenommen. Heute nuckelst du. Nicht den ganzen Tag und nicht bei jeder Gelegenheit. Aber regelmäßig. Und jedes Mal frage ich mich, ob du dich betrogen fühlst um das Original oder wirklich zufrieden bist mit diesem Gummiteil und deswegen entschuldige ich mich. Gestern war wieder so ein Tag, an dem wir alle zwei Stunden gestillt haben und die langen Zeiten zwischendurch (!!) mit dem Nuckel herumgebracht haben. 
Liebe A, der Opa sagt, ein ordentliches Kind braucht einen Nuckel. Du bist jetzt ein ordentliches Kind (im Gegensatz zu deinen Brüdern. Vielleicht ist das ein erster Hinweis?) Ich könnte es jetzt auf den Opa schieben, aber das wäre gelogen. Auch ich bin manchmal ganz froh, dass du ihn nimmst. Und deine Brüder lieben das Teil plötzlich auch. Wenn ich dir gerade das Original zur Verfügung stelle, kommt regelmäßig einer der beiden mit dem Ding zwischen den Zähnen um die Ecke. Auch dafür entschuldige ich mich. Vielleicht habe ich aber auch endlich verstanden, wie man ordentliche Kinder macht.

Montag, 10. März 2014

ICH LEIDE NICHT!

Bisher hab ich meine drei noch nicht oft allein in die Kita gebracht (Kind A muss ja nur mit, aber das muss sie.) Meistens hat der Papa die zwei Rabauken abgeliefert, während ich hier geblieben bin und mich von meinen Viren erholt hab, die mich jede zweite Woche seit Geburt überfallen haben. Aber ein paar Mal hatte ich jetzt doch schon das Vergnügen und ich kann das nur empfehlen. Wenn man mal ne Runde in Mitleid baden will, muss man nur versuchen mit einem Baby im Kinderwagen zwei Kleinkinder in der Kita abzugeben. Das gibt von überall mitleidige Blicke und kuschelnde Worte. Manch einem gefällt sowas ja. Ich für meinen Teil hab nicht so viel Bedarf an Mitleid. Aber für meinen Bedarf interessiert sich keiner. Das Mitleid wird einfach verteilt. 
- "Och mit dreien, das stell ich mir ja auch schwierig vor!"
- in den Kinderwagen schauend: "Oh, ist da hinten auch noch eins drin? Das is sicher nicht leicht, so mit zweien im Wagen."
- "Mann-o-Mann, wenn vorn einer schreit und hinten einer schreit, das ist bestimmt kein Vergnügen."
- "Also da haben Sie ja auch ihr Tun, was?"
- "Die Kleine hat es ja auch nicht leicht, was? Muss immer mit! Na und Sie erst!"

Nachdem ich so in Mitleid gebadet wurde, habe ich immer das Gefühl ich muss mich waschen. Während ich vorher noch dachte: 'Boah, jetzt schreit der auch schon wieder!' 'Muss das jetzt sein, mit dem Taschentuch? Wisch doch mit dem Ärmel, aber nerv mich nicht.' 'Kannst du nicht einfach bloß mal bisschen daliegen und fröhlich in die Gegend kucken?' 'Bitte, bitte, jetzt nicht!!!' überkommt mich hinterher immer das schlechte Gewissen ob der negativen Gedanken. Möchte dann immer schreien: "ICH WILL EUER MITLEID NICHT. ICH LEIDE NICHT!" und dann leiser: "Ich leide nicht. Ist vielleicht bisl anstrengend grad, aber ich leide nicht." Sehe aber wohl so aus. Liegt bestimmt an den Haaren. Liegt immer an den Haaren. Da muss ich was tun.

Montag, 3. März 2014

Willkommen oder Willkommen zurück!

Herzlich Willkommen auf meinem Blog. Hier geht es um Erlebnisse und Momente in unserer Familie, die aus einem ungarischen Papa, einer deutschen Mama und (derzeit) drei Kindern besteht, zwei großen Brüdern (Kind P und Kind M) und einer kleinen Schwester (Kind A).
Außerdem geht es um alles, was mir wichtig ist. Das ist neben meiner Familie die Literatur, die Arbeit (ich bin Lehrerin), das Kochen und Backen und immer mal wieder was Neues. Darf ja schließlich nicht langweilig werden. Und wenn doch, dann machen wir in der Regel ein neues Kind.

Für alle, die schon länger an anderer Stelle bei mir mitgelesen haben, der Umzug war schon lange fällig, allein aufgrund des Blogtitels. (Kann sich ja nicht immer alles nur um den Erstgeborenen drehen.) Aber ich werde nun auch auf Namen weitestgehend verzichten, um diejenigen ein bisschen zu schützen, die hier noch nicht mitreden können, bzw. bisher nur sehr wenig. Ich selbst muss weniger beschützt werden, ich bin eh nicht mehr zu retten.
Die alten Posts habe ich alle importiert. Wenn ich mich mal sehr langweile - und gerade keine Lust auf Reproduktion habe - dann werde ich die Namen dort auch noch entfernen. Bis dahin gebe ich mich mit dieser Pseudolösung einfach zufrieden und fange an dieser Stelle neu an oder mache weiter. Das darf jeder so sehen, wie er möchte.

Willkommen oder willkommen zurück also und viel Spaß beim Lesen oder Weiterlesen.