Freitag, 30. Mai 2014

Schön sind oft nur die anderen

Mein jüngstes Kind ist nun 18 Wochen alt und da bin ich mittendrin im Hormonschlamassel und suche den Weg nach draußen. Jeden Morgen ziehe ich ein Riesenbüschel Haare aus der Bürste und meine Haut sieht aus als wäre ich wieder 15. Nicht im positiven Sinne, weil glatter und weicher, sondern pickeliger. Dazu kommt bleierne Müdigkeit, ein Gehirn wie ein Sieb und Fingernägel, die auch nicht mehr das sind, was sie einst in Schwangerschaftsblüte mal waren. Wenn es nicht so verdammt anstrengend wäre, würde ich allein wegen der schönen Fingernägel und Haut nochmal schwanger werden. Aber nun, zum dritten Mal post partum, denke ich manchmal: wenn überhaupt noch ein Kind, dann nicht über meinen Körper.

Von außen und weitem sieht man eigentlich nicht so viel. Vor allem, weil das Hauptproblem, das Frauen häufig nach der Schwangerschaft haben, für mich aus unerfindlichen genetischen Gründen keins ist: Zu viele Kilos. Ich bin 1,80 m und wiege zur Zeit 63 kg. Hochschwanger waren es 74 und davor 60. Ich habe jetzt drei Kilo mehr als vorher, aber das würde ich nicht als Problem bezeichnen. Ansonsten sieht man mir an, dass ich müde bin und mein Leben anstrengend ist, aber auch das war schon immer so. Ich bin die, die immer gefragt wird, ob es ihr nicht gut geht, wenn sie ungeschminkt das Haus verlässt. Natürliche Blässe nennen das die Euphemisten grünliche Gesichtsfarbe die Direkten. Die Farbe filtere ich mir dazu und sehe dann so aus:

Aber wie das so ist, mit den Frauen und ihrem Aussehen, sehe ich sehr wohl. Und zwar ganz genau. Da, wo vor kurzem sich noch ein Riesenbauch wölbte, schlägt sich jetzt mein Bauch in Falten, weil er nicht weiß, wohin mit sich. Da wo vor kurzem noch das Blut für meine Tochter durch die Beine strömte, schimmern die Adern heute viel intensiver als früher. Da, wo sich vor kurzem ein Geschöpf von 4 kg durchpresste, suchen die Muskeln nach Halt und alles fühlt sich wackelig an. Meine Mitte fehlt. Sie liegt neben mir und schlummert sanft. Und mein Körper versucht die Aufarbeitung. Immernoch.

Bisher ist mir das vor allem seelisch gelungen und darüber bin ich sehr froh. Das ist ein wichtiger Schritt. Geburt und Dreifachmamawerdung, das zu verarbeiten, hat lang gedauert. Dass ich damit nun fertig bin, merke ich daran, dass mein Blick auf meinen Körper fällt. 
Vor kurzem habe ich das Video zur Embrace Documentary gesehen. Es ist euch sicher schon über den Weg gelaufen. Darin wurden Frauen befragt, welches Wort ihnen zu ihrem Körper einfällt. Mit Entsetzen sah ich ihre Antworten und weinte. 



Und dann lag ich neulich im Bett, schaute an mir runter und sah, dass mein Bauch diese Falten schlug. Da wo vor kurzem noch meine Tochter war - es fühlt sich an, als wenn es gestern war - ist jetzt eine Fettschicht, zugegebenermaßen sehr dünn - und ein Haufen faltige Haut. Und ich dachte: wie eklig.

Und dann: Stopp. Ich erinnerte mich an die Frauen in dem Video. An ihre Gesichter, wie sie sagen: eklig, abstoßend, disgusting. Ich erinnerte mich, wie ich dabei in ihre Gesichter schaute und nicht begreifen konnte. Die meisten der Frauen sehe ich noch heute vor mir. Diese schamhaften Blicke, diesen unbegreiflichen Hass auf den eigenen Körper. Und diese schönen Gesichter. Ich erinnere mich, wie absurd ich die Aussagen fand, wie ich jede Einzelne irgendwie schön fand. Ein Lächeln, ein Blick oder eine Hautfalte, jede hatte was. Und dann erinnerte ich mich an das beautiful body project von Jade Beall (hier entlang) und schoss dieses Foto von meinem Bauch. Gleich danach bastelte ich mit Filtern herum und versuchte das Bild zu verschönern, damit es nicht ganz so hässlich aussehe. Damit es ein bisschen schöner wird. So schön wie die Bilder bei Jade Beall. Und dann schoss ich noch eins und noch eins und bastelte wieder. Es wurde nicht schöner. Ich fand es immernoch hässlich.
Heute teile ich es mit euch. Ohne Filter, unbearbeitet. Mein post-partum Bauch. Was hat die denn, da is ja gar nichts, werdet ihr vielleicht sagen. Und genau das ist es nämlich mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Schön sind nämlich oft nur die anderen.



Und jetzt bin ich dann mal weg. Und fülle den post partum Bauch mit Kuchen.

Dienstag, 27. Mai 2014

Viel Vertrauen und ein bisschen Leichtsinn

Nachdem ich neuerdings bei Twitter bin, finde nicht immer ich die Themen für meinen Blog, sondern die Themen immer häufiger mich. Man möge es mir verzeihen. Diesmal geschehen durch Johannes Korten. Er ruft auf seinem Blog zur #Mutmachparade auf, eine Blogreihe, in der es um Mut gehen soll (hier der Blogpost dazu). Dazu fällt mir was ein. Was sehr persönliches.

Ich habe in meinem Leben viele Dinge getan, die im Allgemeinverständnis häufig als mutig gelten. Ich bin einmal mit meinem Bruder in Südfrankreich mit einem Bungeeseil 50 Meter in die Tiefe gesprungen und hab darauf vertraut, dass das Seil hält. 
Ich bin einmal aus 3000 m Höhe aus einem Flugzeug gesprungen und hab darauf vertraut, dass der Fallschirm mein Überleben sichert. 
Ich habe mit 15 meine Familie für ein Jahr verlassen, um in einem anderen Land zu leben und hab darauf vertraut, dass das eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens sein wird. 
Ich bin mit 27 Jahren nach Ungarn gegangen und habe darauf vertraut, dass ich diese Sprache schon irgendwie lernen werde. 
All das wurde mitunter als mutig empfunden oder auch so bezeichnet, von anderen. Aber all das war nichts gegen den Mut, den ich im März letzten Jahres brauchte, als ich mit meinem Mann zusammen feststellte, dass Kondome tatsächlich abrutschen können (Bis dato war uns das auch klar, aber sowas passiert ja eigentlich immer nur den anderen!) und mich das erste Mal in meinem Leben erst nach der Zeugung für ein Kind entschied.

Ich war gerade mitten im größten Referendariatsstress. Im September 2012 hatte ich die Ausbildung begonnen und war gerade in den vierten Ausbildungsabschnitt gesprungen, nachdem die Genehmigung, das Ref zu verkürzen, durch war. Meine Examensarbeit hatte ich gerade in einer langen Ferienwoche fertig geschrieben und war furchtbar stolz, dass ich das schon hinter mir hatte und nur noch die Prüfungen und die letzte Lehrprobe vor mir lagen. Der Teil des Refs, den ich vor mir hatte, war nun kürzer als der, den ich schon hinter mich gebracht hatte. Die schlimmsten Krankheitsphasen des ersten Krippenjahrs unserer Jungs waren überstanden (sie waren zu dem Zeitpunkt 1 Jahr und 2 Jahre alt) und ich genoss die wiedergewonnene Freiheit meines Körpers. Ich stillte nicht mehr, worüber ich traurig war, aber ich freute mich auch, dass mein Körper wieder nur für mich funktionierte. Die Hormonumstellung war erst zu diesem Zeitpunkt wirklich richtig abgeschlossen. Kurzum: Ich war zufrieden mit der Gesamtsituation. Und auch mit der aktuellen Kinderanzahl in unserer Familie. Und dann passierte, was passierte.

Meine erste Handlung bestand darin, alle Daten in 20 verschiedene Eisprungkalender im Internet einzugeben, um dann festzustellen, dass die sich nicht sehr unterschieden. Alle bestätigten mir, was ich vielleicht vorher hätte wissen müssen, wenn mir soviel daran lag, nicht schwanger zu werden: Wir hätten keinen viel schlechteren Zeitpunkt treffen können. Mir war ziemlich schnell klar, das hat geklappt. Oder das ist schief gegangen (abhängig von der Sichtweise), auch wenn es zu diesem Zeitpunkt natürlich keine Garantie gab. 
Den Rest der Nacht verbrachten wir mit Reden. Überlegen. Wieder Reden. Noch mehr Überlegen. Noch ein Kind, das passte nicht. Aber was vor allem nicht passte, war noch eine Schwangerschaft. Mir war in beiden vorherigen Schwangerschaften kotzübel, genau dreieinhalb Monate lang. Ich musste mich jeweils mehrmals täglich übergeben und fühlte mich hundeelend. Ich war mitten im Referendariat. Im März passierte es. Drei Monate, das waren April, Mai, Juni. Prüfungszeit, Lehrprobenzeit, Abschlusszeit. Alles mit Schwangerschaftsübelkeit. Das pack ich nicht, dachte ich. Wie soll das gehen? 
Und dann fiel mir ein, wie ich all die anderen Situationen in meinem Leben bis dahin gemeistert hatte, in denen ich oder andere mir gesagt haben, dass ich irgendwas nicht packe: mit Vertrauen. Ich wusste in dieser Nacht nicht, dass ich tatsächlich schwanger geworden war. Aber ich entschied mich, darauf zu vertrauen, dass ich damit umgehen könnte, wenn es so wäre. Ich vertraute darauf, dass ich einen Weg finden würde. Musste. Und fuhr nicht ins Krankenhaus, um mir die Pille danach zu besorgen. Im Nachhinein betrachtet, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das überhaupt mutig war. Vielleicht war es auch einfach ein bisschen leichtsinnig. So leichtsinnig, wie auf die Sicherheit von Kondomen zu vertrauen, wenn man nicht schwanger werden will vielleicht. Das Ergebnis dieses Leichtsinns liegt gerade neben mir, während ich diesen Text schreibe. Sie ist heute viereinhalb Monate alt und das willkommenste Baby der ganzen weiten Welt. Ich kann mir keine schönere Belohnung für meinen Leichtsinn vorstellen und auch wenn mein Körper sich immer noch von den Strapazen dreier Schwangerschaften in drei Jahren erholt, bin ich heute froh über meine Entscheidung letztes Jahr.


Mutig sein heißt für mich in erster Linie, Vertrauen zu haben. In was auch immer. Ob das Gott ist, die Umstände, ein Partner, eine Partnerin, Freunde, Familie oder einfach in die Zukunft. Oder wie bei mir in meinen Körper. In dieser Nacht beschloss ich jedenfalls, in meinen Körper zu vertrauen, und fand mich das erste Mal in meinem Leben verdammt mutig.

PS:
Andere interessante Beiträge zum Thema Mut finden sich hier:


Mut ist, wenn man auch weglaufen könnte - Frau Heike
Wir sind in die Welt gestellt, um zu leben - berlinmittemom
Aus Angst wird Mut und Heldentum - Mama notes
An die Sonne glauben können - vomwerdenzumsein

Freitag, 23. Mai 2014

"Gute Nacht, Bohne!" - Kleinkinderspiele für Anfänger

Ich bin, was Kinderbeschäftigung angeht, wenig kreativ. Hat auch ein bisschen was damit zu tun,  dass die Kinder hier so schnell nacheinander reingepurzelt sind, dass mir die Muße fehlte, um Ideen zu sammeln. Denn man muss die Ideen ja nicht alle selbst haben. Man muss nur ab und zu mal eine suchen und umsetzen. Und dann geht das schon.
Gestern habe ich deswegen einfach mal gegoogelt. Die Suchbegriffe weiß ich nicht mehr. Irgendwas mit Spiele und Kleinkinder. Und es kamen lauter Bilder von Schütt- und Experimentierspielen. Und so kam es, dass wir gestern Bohnen und heute Knöpfe sortierten und die Jungs mit großem Eifer dabei waren, Aschenputtel zu spielen. 

Unser gestriges Bohnenspiel ging so:
Beide bekamen eine große Schüssel mit Bohnen und einen kleinen Becher und das Spiel bestand darin, so schnell wie möglich die Bohnen mit dem Löffel aus der Schüssel in den Becher zu füllen. Gewonnen hat, wer am schnellsten fertig ist, deswegen empfiehlt es sich immer mal "SCHNELLER!! SCHNELLER!" zu brüllen, um die Motivation hoch zu halten. Meine Brüllerei zeigte schnell ihre Wirkung und Kind P fing an zu schummeln. Ich brüllte dann einfach "DU SCHUMMELST!!" und "SCHNELLER!" im Wechsel und schüttete seine Bohnen immerzu zurück, während Kind M langsam und behutsam vor sich hin sortierte (sonst gar nicht so seine Art, das Langsame und Behutsame, das war schön zu sehen). 


Irgendwann schummelten alle beide im Wettkampf vor sich hin und es drohte zu eskalieren. Zum Schluss hätten wir dann alle Bohnen vom Boden aufsammeln können. Spätestens da hätten sie dann den Beschäftigungstherapiebraten gerochen. Also holte ich Luftballons raus und jeder bekam 10 Bohnen. Die Aufgabe war, die Bohnen in den Luftballon zu stecken. Gar nicht so einfach für meine beiden, aber das haben sie gut gemeistert. Kind M hat jede einzelne Bohne mit einem "Jó éjszakát (ÜS= Gute Nacht), Bohne!" in den Luftballon geschickt. Immer ein Scherz auf den Lippen, der Junge. Und dann "Guten Morgen, Bohne!", nachdem wir die Ballons aufgeblasen hatten (und es im Luftballon wieder hell war). 

Beide Spiele dauerten insgesamt eine Stunde. Es gab weder Streit, noch Bisswunden und Langeweile dabei. Ich war so stolz auf mich. Und der Kinderarzt wäre es auch. Und weil es so toll funktioniert hat, hab ich heute dann die Knopfsammlung aus meiner Kindheit rausgekramt und sortieren lassen. 


Nicht gerade ein Spiel für unterwegs und auch schwierig, wenn man keine Knopfsammlung zur Verfügung hat. Aber als Alternative kann man auch Bohnen von Linsen und Erbsen trennen lassen. Da sind sie ne Weile beschäftigt. Und hinterher macht man Suppe. Das geht mit den Knöpfen eher schlecht. Die haben wir einfach wieder weggeräumt. Sortiert versteht sich.

Dienstag, 20. Mai 2014

Wir haben keinen Fernseher, aber YouTube Programmtipps

Vor einer Weile schrieb ich an dieser Stelle mit stolzgeschwellter Brust darüber, dass wir in unserem Haushalt, weder im ungarischen noch im deutschen, einen Fernseher haben. Wir haben immernoch keinen. Visuelle Medien gibts hier dennoch immer mal wieder, und zwar bei Youtube. Haben die Jungs ihre Fernsehkarriere irgendwann mal mit der Maus und dem Elefanten und dem kleinen Maulwurf angefangen, schauen sie jetzt seit einer ganzen Weile nur noch Technikfernsehen. Meine Versuche, sie davon wegzubringen sind völlig aussichtslos und vergebene Liebesmüh. Man kann mir aber nicht vorhalten, es nicht zu versuchen.

Ich so: Wollen wir den kleinen Eisbären ankucken?
Jungs: Autowaschanlage!
Ich so: Maus und Elefant?
Jungs: Blaue Autowaschanlage!
Ich so: Pettersson und Findus?
Jungs: Rote Autowaschanlage!!!
Ich so: Biene Maja?
Jungs: Mama, bitte, Autowaschanlage!
Ich so: Lars, der Eisbär? Nur eine Folge?
Jungs: MAMA!! AUTOWASCHANLAGE!!!

Und dann kucken wir das hier:



Und wenn wir damit fertig sind, dann das hier:




Heute würden sie das am liebsten mal machen:



Das gehört auch zum Wunschprogramm:



So sieht unser aktuelles Fernsehersatzprogramm auf Youtube aus. Nur falls ihr mal nicht wisst, was ihr mit euren Kindern anschauen sollt. Muss ich mir Sorgen machen?

Montag, 19. Mai 2014

Auf zum nächsten Flussufer - Warum mich schmutzige Kinder nicht mehr schockieren

Auf Twitter postete Marakolumna heute Morgen einen Blogpost mit ihren Zwillingen - der Titel: "Diese Fotos schocken jede Mutter. Oder Vater".(hier geht's zum Post) Ein Titel, der neugierig macht. Während ich normalerweise solche Titel meide wie die Pest, wollte ich mich diesmal einfach mal so richtig schockieren lassen. Und was kam: Bilder von Kindern, die fröhlich an einem Flussufer spielten. Ich verstand nicht. Dann las ich den Text. Ahhhh, ok, es geht um den Dreck, den die Kinder dabei machen. Schockiert war ich dann leider immernoch nicht. Ich reagierte und schrieb ihr "So sehen meine täglich aus." und wollte dies gern untermauern mit einem alten Blogpost, in dem ich davon schrieb, wie ich einmal ein tolles Kompliment für meine Kinder bekam, weil sie "so schön mit Schlamm spielen" (hier). Ich suchte den alten Post, fand ihn und stellte fest: Das passt jetzt aber gar nicht. 
Wie konnte das passieren? An welcher Stelle habe ich mich von der Saubermutter in eine Schlammverfechterin verwandelt. Wie konnte ich nur so abstumpfen gegenüber dem Schmutz meiner und anderer Kinder? Warum zum Deibel war ich nicht schockiert?

Damals
Das Kompliment, das ich damals erhalten habe, war mir unangenehm. Meine Kinder sollten nicht mit Mulch spielen. Ich war eigentlich nicht besonders stolz, dass meine Kinder so schön verschlammt waren. Ich habe auch damals nicht jedem Fleck hinterher gewischt. Wer mich kennt, weiß das. Flecken lasse ich häufig gern verschwinden, indem ich verschwinde. Manchmal hat sie jemand weggemacht, wenn ich wiederkomme. Wenn nicht, hat es meistens noch ein bisschen Zeit. Allerdings war es mir in der damaligen Situation durchaus unangenehm, dass meine Kinder im dreckigen Mulch  spielten und nicht auf dem "sauberen" Klettergerüst kletterten.

Heute
gehen wir mit den Jungs gezielt zu den Pfützen, in den Wald und auf Matschspielplätze. Mit Stöcken, Wasser, Schlamm und Matsch spielen sie am ausgiebigsten und intensivsten. Hinterher haben sie den Dreck unter den Fingernägeln, auf den Hosen, im Gesicht und wenn es richtig intensiv war, in den Haaren. Wir staunen dann immer, wie schmutzig sich so ein kleiner Mensch machen kann, machen die Jungs schon auf dem Flur nackig und stecken sie sofort in eine neue Garnitur, damit der Dreck nicht in der Wohnung verteilt wird. Da ist schließlich schon genug wohnungseigener Schmutz.

Wie ist das passiert? Nun, ich glaube, ich habe mich verändert. Ich mag immernoch saubere Kinder. Aber ein schmutziges Kind schockt mich nicht mehr. Früher hätte ich mich über das Foto der Frau Mierau (hier) von einer Babyhand mit schmutzigen Fingernägeln aufgeregt. Heute sehe ich die bunten Schmetterlinge auf der winzigen Hand und denke, was für ein schönes Bild. Es ist nicht so, dass ich den Schmutz nicht sehe. Aber erstens geht es nicht ohne Schmutz, auch nicht bei einem Baby (das erlebe ich nun schon das dritte Mal) und zweitens sehe ich täglich, dass es manchmal viel schöner ist mit gaaaaaanz viel Schmutz. So zum Beispiel auf den Bildern, die mich heute früh schockieren sollten. Das haben sie nicht. Und ich bin eigentlich ganz froh darüber und denke die ganze Zeit: Auf zum nächsten Flussufer!

PS. Dinkelschnitten find ich immernoch blöd. Was Übermütter sind, weiß ich inzwischen nicht mehr. Auch eine Frage der Entwicklung.

Sonntag, 18. Mai 2014

Strawberry Cheesecake - Frühlingslochfüller

Heute will ich das Frühlingsloch mal füllen und nach langer Pause mal wieder ein Rezept verbloggen. Und weil ich beim Bloggen immer ökonomischer werde, besteht dieser Rezeptpost in der Angabe der Rezeptquelle und der Präsentation des Ergebnisses. Das Rezept findet ihr bei berlinmittemom, an dieser Stelle, mit schöneren Bildern und genauer Beschreibung und natürlich mit einer Zutatenliste, bei der ich nur die TK-Erdbeeren durch frische Erdbeeren ersetzt habe, weil es hier in Ungarn schon richtig tolle Erdbeeren gibt und es dagegen an TK-Erdbeeren mangelt. Ansonsten hab ich alles genauso gemacht wie dort beschrieben und lasse jetzt nur noch Bilder folgen.


Das Gelbe im Bild ist ein Bagger. Irgendwie schiebt sich bei uns immer ein Fahrzeug ins Bild.


Rezept wurde hier für sehr lecker befunden. Mein Dank geht an Anna Luz de León für das feine Rezept und ich bitte um weitere dieser Art.
Wenn Bloggen doch immer so einfach wäre. Gute Nacht.

Donnerstag, 15. Mai 2014

On oder off oder irgendwo dazwischen

Ich bin jetzt bei Twitter. 

Seit zwei Wochen.

Ich glaube, es stimmt, was alle sagen.

Das wirkt sich auf die Fähigkeit aus, längere, zusammenhängende Texte zu konstruieren.

Es fällt mir zunehmend schwerer.

Twitter ist ja inzwischen ein alter Hut. Und ich glaubte zu wissen, wie er sich trägt.

Blödsinn.

Man muss es ausprobieren, um es wirklich zu kennen, das Twittergefühl.

Ich hab es jetzt zwei Wochen versucht. Getweetet, was das Zeug hält.

Und Follower gesammelt. 

Und immer an die 140 Zeichen gehalten. Was zunehmend leichter fiel. Denn ziemlich schnell fängt man an, 

die Situationen des Alltags nach Tweet-Potential zu durchleuchten. 

Ich bin auch wieder viel zu naiv da rein geschlittert. Ich hab gedacht, ich mach einfach mal. 

Jetzt sind zwei Wochen um und ich hab das Gefühl, ich muss abschalten. 

Das Suchtpotential scheint mir einfach zu groß. Zum Nachdenken hat mich vor allem dieser Text hier bei buntraum.at gebracht. Und vorher schon dieses Video:





Die Ironie dessen, auf dem Handy ein Video zu schauen, in dem es darum geht, nicht mehr so viel aufs Handy zu starren, und bei dem es darum geht, möglichst viele Likes und Retweets zu sammeln, macht das Ganze für mich allerdings nicht einfacher. Ich bin kein Mensch der Totalen. Ganz off oder ganz on. Das liegt mir nicht. Den Mittelweg zu finden ist aber auch nicht leicht zur Zeit. Besonders nicht mit Twitter. Frag mich oft, wie andere das machen. Ich hab den Eindruck, es gäbe nur schwarz und weiß. Wenn ich mich mit anderen unterhalte, höre ich oft, dass "das, was da im Internet läuft" "hohl" und "leer" ist und "nicht echt", so wie auch im Video. Man verpasse nur das "echte Leben" da draußen.
Auch in der Schule gibt es häufig nur schwarz oder weiß. On oder off - vor allem bezogen auf das Internet. Das böse oder gute. Ich weiß nicht, was der richtige Weg ist. Aber mit den sozialen Medien halte ich es wie mit der Erziehung - ich lerne im Gehen. 

Mittwoch, 14. Mai 2014

Waldspaziergang statt Indoorspielplatz

Statt auf den Indoorspielplatz haben wir mit den Kindern einen Ausflug ins Waldstück um die Ecke gemacht. Gegen meine schlechte Laune hat's geholfen. Und die Kinder? Na die sind jetzt hoffentlich im (Frischluft)eimer und schlafen bis mindestens 16 Uhr.

Ab in den Wald. Wo der Grüffelo wohnt. 
Schnecken am Boden.
Schnecken am Baum.

Schnecken streicheln.


So viele Schnecken, dass wir ihnen Namen geben mussten.


Ordentlich parken haben wir auch geübt.


Und Filmszenen nachgestellt.


Während ich die Bilder hochlade, wacht das erste Kindlein auf. Dieses jene, welches im Wald geschlafen hat. Oder doch nicht?

PS. Das schlafende Kind liegt ausnahmsweise im Maxi-Cosi-Kinderwagenersatz. Es stirbt davon nicht. Für Sie getestet.

Muttersein heute früh

Ungewaschene Haare.

Hormoneller Haarausfall.

Der zweite Kaffee vor zehn Uhr.

Noch kein Bett gemacht.

Die lauten Kinder schon vor neun die Treppe runter zu Oma und Opa verfrachtet.

Trotzdem den Abwasch noch nicht gemacht.

Schon wieder Regenprogramm ausdenken. Heute Indoor-Spielplatz. Der letzte Strohhalm. 

Morgen muss die Sonne scheinen. Bitte. BITTE!

Hoffentlich verletzen wir uns nicht wieder alle auf der großen, grünen Rutsche.

Das leise Kind pennt. Weil es heut Nacht lieber wach war.

Wieder nur 5 Stunden Schlaf.

Mittagessen kocht auch heute wieder die Oma.

Was mach ich eigentlich noch?

Collagen basteln.


Sonntag, 11. Mai 2014

Wenn ich ein bisschen bin wie du, bin ich gut.

Liebe Mama!

Der Muttertag, hast du immer - zum letzten Mal gestern am Telefon - gesagt, bedeutet dir nichts. Es kommt nicht darauf an, an einem Tag im Jahr sein Gewissen mit Blumen und Geschenken zu beruhigen, nein, Anerkennung könne man jeden Tag im Jahr schenken. Nun, ich möchte dennoch diesmal diesen Tag nutzen, um das zu tun. 
Nachdem ich nun über 34 Jahre mit dir lebe, kann ich mit Bestimmtheit und ohne viel Schmeichelei sagen: Ich hätte mir keine bessere Mutter wünschen können. Heute weiß ich, was es heißt ein Kind zu gebären und in Ansätzen weiß ich auch, wie es ist ein Kind zu erziehen und ich spüre ebenso das Gefühl, dass jede Mutter wohl irgendwie in sich trägt: die Frage, ob man alles richtig macht und  deshalb wohl eine gute Mutter sei. Ob ich das bin, werden wohl in erster Linie deine Enkelkinder zu entscheiden haben, aber wenn ich ihnen auch nur im Ansatz der Mensch sein kann, der du für mich bist und immer warst, dann kann ich mir ihrer Anerkennung wohl sicher sein. 
Ich hab es dir gewiss nicht immer leicht gemacht, vor allem, als ich begann mich aus einem jungen Mädchen zu einer Frau zu entwickeln. Heute begreife ich erst, wie schwer es für eine Mutter sein muss, wenn das eigene Kind plötzlich die Lust am Essen verliert und sie auf lange Zeit nicht wiederfindet. Ich kann die Hilflosigkeit nur erahnen, die man da spürt. Mit deiner Liebe, Geduld und Diplomatie ist es uns gelungen aus dieser schwierigen Phase gestärkt hervorzugehen und so sind wir seitdem die besten Freundinnen. Die besten zumindest, die Mutter und Tochter sein können. 
Unsere täglichen Gespräche bedeuten mir die Welt, ebenso die leider zu wenigen gemeinsamen Momente im Jahr. Wenn ich dich anrufe, fühle ich mich immer, wie sich ein Kind fühlen sollte, wenn es mit seiner Mutter spricht: zu Hause. Ob wir gerade über ein Buch, einen neuen Film, meine Nachbarn oder die Weltpolitik sprechen. Ich bin bei dir zu Hause und ich werde es immer sein.
Zum Muttertag möchte ich dir für das alles danken:

deine bedingungslose Liebe
die leisen Töne in meinem Leben
dass du mich gelehrt hast die Literatur zu lieben
- deine Diplomatie mit der du über die Familie wachst
- die Unterstützung, die ich auch jetzt als erwachsene Frau immer wieder durch dich erfahre
- dass du mir meine emotionale Seite zeigst
- dass du dir jeden Tag - im Zweifelsfall auch mehrmals - Zeit für mich nimmst
- dass du verzeihen konntest und nie nachtragend warst
- dass du Konflikte immer bereinigst. Wirklich immer. 
- für deine Geduld, wenn ich ungeduldig bin
- für das offene Ohr, dass du selbst in schlimmen Momenten für mich hast


Liebe Mama. Du könntest mir nicht wertvoller sein. Wenn ich ein bisschen bin wie du, bin ich gut. Alles Gute zum Muttertag!

Mittwoch, 7. Mai 2014

Nicht für alle Kinder gibt es ein Label

Ein Gespräch, das mit dem Satz "Wir wollen ja keine Diagnose stellen, das können wir auch gar nicht, wir wollen nur...." anfängt, endet in den meisten Fällen doch mit einer Diagnose. Bei uns endete es am Montag mit: "Das Kind entwickelt sich nicht." Untermauert wurde die Diagnose, die keine sein sollte, mit einem ganzen Haufen Symptome. 

Sprache
"Kind P. spricht nicht von allein. Er spricht so viel nach. Er stellt keine Fragen und kann nicht zusammenhängend erzählen. Er spricht Dinge nach, die man ihm vorspricht, aber spricht nicht von allein."

- Wie lernt man eigentlich Sprache? Ich kenne mich damit nicht aus. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man unter anderem durch Nachahmung lernt. Aber das war wahrscheinlich im Internet und eine unsichere Quelle.  

Motorik
"Kind P. hat nicht genug Körperspannung. Er steht über die Seite auf und nicht über den Bauch. Wenn er läuft, hat man den Eindruck, er fällt um." 

- Das wirklich überraschende ist dann aber, dass er eben nicht umfällt.

Feinmotorik
"Kind P. geht nicht gut mit Schere und Klebstoff um."

- Aber er kriegt jede Tür auf. Jede.

Interaktion
"Kind P. ist häufig verträumt und in Gedanken. Er ist manchmal so im Spiel versunken, dass er nicht reagiert."

- Dichter, Denker, Träumer. Hat die Oma schon festgestellt, da war der Junge 4 Monate alt. 

Essen
"Kind P. isst zuviel. Wir greifen nun schon manchmal ein. Er scheint kein Sättigungsgefühl zu haben, so viel, wie er isst."

- Dass er zu dünn ist, das hören wir schon eine Weile. Dass er zuviel isst, ist neu. An dieser Stelle des Gesprächs wollte ich gern die Tischplatte dramatisch umwerfen und aus dem Raum stürmen. Ein Kind, das zuviel isst. Auch das neuerdings ein Symptom. Er wäre dabei so dünn. Wenn doch nur mal einer genau seine Mutter anschauen würde.
Und dann bietet ihm mal ein Stück Schokoladentorte an, nachdem er mit einem leckeren, deftigen Mittagessen fertig ist und kuckt zu, wie er ablehnt, weil er satt ist.

"Kind P. trinkt zuviel. Immer, wenn irgendwo Wasser steht, ist er am Trinken. Auch da müssen wir ihn bremsen."

- Er trinkt schon immer viel. Und immer Wasser. Im Kindergarten stehen Wasserkannen rum. Und Becher. Die Kinder dürfen sich selbst einschenken. Kind P. schenkt gern ein und trinkt eben gern. 

Lernen
"Kind P. scheint nicht langfristig zu lernen. Wenn wir ihn für's Aufräumen loben, dann hat das keinen wirklichen Effekt. Er räumt deswegen nicht besser oder schneller auf."

- Das gleiche Kind hängt hier zu Hause für mich die Wäsche auf, saugt Staub, wischt den Tisch ab und räumt die Geschirrspülmaschine ein. Vielleicht, weil ich immer den Rohrstock raushole, wenn er es nicht macht. 

Emotionen
"Kind P. ist immer fröhlich. Er lacht immer und strahlt viel. Aber er ist nie traurig. Das ist komisch. Wenn ihm jemand ein Spielzeug wegnimmt, dann ist er nicht traurig, sondern sagt höchstens kurz, dass ihm jemand das Spielzeug weggenommen hat. Er sollte doch traurig sein. Auch laut ist er nie."

- Mit Alfred J. Quack: Warum ist er so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich, warum ist er so fröhlich, das ist doch nicht normal?

Kind P. passt in keine Schublade. Das fing schon ganz früh mit der Ernährung an (sh. hier) ging mit nicht zeitgerechtem Kopfheben weiter (sh. hier), seiner Faszination für Türen (sh. hier), und endet nicht mit seinem Faible für Schleusentore (sh. hier). Aber ist er deshalb nicht normal? Das Wort Autismus fällt nie, aber es steht immer im Raum. Und ich verlasse auch weiterhin diese Räume, in dem festen Glauben daran, dass es nicht für alle Kinder ein Label gibt.