Montag, 30. Juni 2014

Man muss die Fahrt zum Teil des Urlaubs machen

Wir machen Urlaub. Wer Kinder hat, weiß, das fühlt sich nicht immer wie Urlaub an. 
Fühlt sich mehr so an, wie Dienstreise mit Sonderaufgaben. Das Schönste allerdings, wenn man Kleine Kinder hat, ist die Autofahrt zum Urlaubsort. Es gibt eigentlich nicht viele Dinge im Elternleben, die noch schöner sind, außer vielleicht ein Besuch beim Notarzt, weil das Kind einen Legostein verschluckt hat oder ein Elternabend im Kindergarten.

Wir sind am Samstag 575 km von Bayern in Richtung Norden gefahren. Genauere Spezifizierungen sind eigentlich nur für nicht-bayerische Leser nötig. Für alle anderen: Wir sind im Grunde nach Berlin gefahren. In Wirklichkeit eben in die Uckermark.
575 km. Eigentlich geht das ganz schnell. Bisher sind wir immer nachts gefahren. Das war super: Der Mann fuhr, die Kinder schliefen, ich wechselte Dösen und Aus-dem-Fenster-Starren miteinander ab und wir hielten nur einmal, allerhöchstens.

Diesmal fuhren wir am Tag. 4h vor Abfahrt waren wir nicht fertig mit Packen. Manche sagen, ich sei entspannt. Ich behaupte, das geht gar nicht anders. So halte ich meine Psyche gesund.

Statt um 9 Uhr, fuhren wir 10.45 Uhr los. Kind A war schon vor der Fahrt völlig im Eimer, denn es liefen lauter aufgeregte Hühner durch die Wohnung. Die Jungs immer „OMAAAA, OPAAA!!!" (Denn da fuhren wir hin). Ich immer „Runter vom SOFAAAA, Runter vom SOFAAA!!!"
Richtig unzufrieden wurde sie dann allerdings bei Abfahrt. Die ersten km half nichts. Kein Nuckel, kein Zureden. Kind M und Kind P halfen nicht nur nicht, sie fummelten auf der Rückbank solange an Kind A rum, bis sie den Grad der Unzufriedenheit immer eine Stufe höher stellte.

Bei km 90 mussten wir halten.  Essen. Brei und Stillen für Kind A. Pommes für die Jungs und die Erwachsenen. Weil es schnell gehen sollte. Anderthalb Stunden dauerte unser Schnell.
Bei km 110 km Pipihalt. Kind P trägt keine Windel - erst seit ein paar Wochen - und hat sich einen halben Liter Apfelschorle gegönnt. Nun. Kind A weint. Lieber nochmal stillen. 20 Minuten dauert der Pipihalt.
Danach war eine halbe Stunde Ruhe. Kind M schlief, Kind A schlief, Kind P schaute sich ein Buch an. Das war der friedlichste Teil der Fahrt. Danach ging es bergab. Kind A wurde geweckt. Kind P konnte nicht widerstehen, er musste dauernd mit seiner kleinen Schwester kuscheln. War ihm nicht kuschelig genug mit drei Kindersitzen auf der Rückbank. Wir machten noch zweimal Pipihalt. Kind M fing irgendwann an zu würgen und spuckte seine Brezel wieder aus. Kind P schmiss ein Buch aus dem Fenster, weil die Mama aus Versehen bei einem der Pipistops die Sicherung für die elektrischen Fensterheber ausgestellt hat. Nix passiert außer Buch weg und ne Menge Tränen. Danach war die Stimmung futsch. Und die Kilometerzahl schien zu wachsen. Außerdem ging es nur noch um Körperflüssigkeiten. Milch, Mageninhalt, Pipi. Abwechselnd. Ich trank keinen Schluck, um nicht wegen mir auch noch anhalten zu müssen.

Irgendwie kamen wir an. „Man muss die Fahrt zum Teil der Urlaubsreise machen," sagt der Opa. An der Umsetzung dieser Prämisse sind wir ganz knapp, aber nur ganz knapp vorbeigeschlittert.
Wir nutzen jetzt den Urlaub für zwei Dinge: um uns von der Fahrt zu erholen und um uns auf die bevorstehende Rückfahrt vorzubereiten. 

Montag, 23. Juni 2014

Unser Wochenende in Bildern

Das Wochenende begann mit viel Sonnenschein und kaltem Wasser im Garten. Außerdem mit Rosen vom Mann. Hätte schlechter sein können.

(Die ZEIT im Hintergrund ist nur Bürgertumsdeko. Da ist so viel Text drin.)

Wurde es dann auch. Dieses Gerät kam mehrfach zusammen mit einem Hausstaubsauger bei Kind A zum Einsatz. Wir hatten hier alle einen Atemwegsinfekt aus der letzten Woche. Genau die richtigen Symptome zur Schafskälte, die pünktlich zum Wochenende endete, aber den Infekt daließ und von der ich nun auch endlich weiß, warum sie so heißt - nämlich, weil es da selbst den Schafen zu kalt ist.


Das Töchterchen schlief auf der Terrasse. Ich träume von stundenlangen Schläfchen, die sie dort macht. Sie setzt 15-minütige Nickerchen in die Tat um.


Gebacken hab ich auch. Naja, fast. Die Himbeertarte, die eigentlich mehr so ein cheesecake ist, kommt ohne den Ofen aus und hat so viel Fett und Süß, dass wir dachten, wir schaffen sie gar nicht. Dann war sie aber gestern Nachmittag doch plötzlich vernichtet.


Die Kinder beten sie an, sagt die Babysitterin, und schickt mir ein Beweisfoto. Ich glaube ihr sofort.


Am Sonntagnachmittag lief hier audiovisuelle Medienerziehung mit dem Grüffelo. Klappte gut. Kind P kann sich so langsam richtig in die Geschichte reinfühlen. Dass die Maus den Grüffelo verspeisen könnte, glaubt er aber nicht so ganz. Aber wer glaubt das schon.

Kind A bekommt jetzt Brei und will deshalb wieder mehr Milch. Nicht mehr ganz drei Monate bis zur Krippe. Bis dahin wird sie's schon schaffen. Und so lange helfen die Jungs und löffeln die Breireste.

Das war unser Wochenende. Und weil Kind A heute Montagslaune hat und ich im Grunde bis vor einer Stunde im Pyjama hätte bleiben können, schaffe ich erst jetzt auf Veröffentlichen zu klicken.

Dienstag, 17. Juni 2014

Angekommen in dieser Welt

Mein Mädchen ist gestern 5 Monate alt geworden. F-Ü-N-F Monate. Nun sind diese Monatsgeburtstage etwas, das sowieso viele müde belächeln, vor allem diejenigen welchen, die mit Kindern erst was anfangen können, wenn diese zu ihnen sagen können: "Kannst du mir mal bitte KiKa einschalten?" Für mich sind diese Tage dennoch wichtig. Denn sie erinnern mich daran, einen Moment innezuhalten und zurückzuschauen. Kind A ist in dieser Zeit zu einem waschechten Baby geworden. 

Ich muss nun kein Angst mehr haben, dass sie in der Mitte durchbricht (die zwei Kinder zuvor haben mich im Umgang mit Neugeborenen nicht lässiger werden lassen), und man kann auch mal etwas wilder mit ihr herumtoben. Sie wiegt jetzt knapp sieben Kilo und ist so 68 cm groß (die zwei Kinder zuvor haben mich dagegen durchaus entspannter werden lassen, was die Größenverhältnisse von Babys angeht, deshalb weiß ich keine exakten Zahlen). Ihre Augen sind so groß und blau wie die von Kind P und ihr Gesicht ist so rund und knuffig wie das von Kind M. Sie ist ein absoluter Sonnenschein, wenn sie nicht gerade:
- Zwiebeln
- Knoblauch
- Möhren
- Curry
- Chili
- Tomaten
- Orangensaft
- Ananas
- Champignons (ohweh, Champignons)
- Kohlrabi
oder die meisten anderen Lebensmittel per Muttermilch bekommt. Denn dann pupst sie. Und das kann sie offenbar noch nicht ganz so genießen wie ihre zwei großen Brüder.
Wenn sie aber nicht gerade mit dem Verarbeiten von Milch zu tun hat - zur Zeit hat sie seit eins, zwei Wochen mal wieder so einen unbändigen Hunger, dass das nicht besonders oft ist - ist sie ein Strahlebaby und lacht unheimlich viel. 

Und sonst?
....ich müsste sie etwas weniger vor ihren Brüdern beschützen, denn sie sind ausnahmslos vorsichtig und zärtlich im Umgang mit ihr und mein Gluckengehabe macht sie bloß nervös. Kind A ist jedes Mal verzückt, wenn einer von ihnen sich mit ihr beschäftigt.
...sie möchte schon so unbedingt gerne losmachen. Den lieben langen Tag springen da zwei Jungs vor ihr herum und man merkt ihr an, wie gerne sie mitmachen würde. Mittendrin statt nur ....
....sie schläft immernoch bei uns im Bett. Nicht im Zimmer. Im Bett. Eigentlich soll sie vor September ins Kinderzimmer umziehen. Zwei Kinder (3 und 2) und ein Baby in einem Zimmer? Ob das gut geht? Wir wollen es versuchen. Es sieht im Moment nicht so aus, als ob eine Wohnraumvergrößerung eine Alternative ist. Wenn er hier es mit sechs Kindern auf 93 qm schafft, schaffen wir es mit dreien auf 75. Unser Bett kann allerdings nicht in die Küche. Da ist kein Platz.
...sie hat vor zwei Tagen mit Beikost begonnen, zeigte sich aber noch ziemlich desinteressiert. 

Und ich? Ich bin so froh, dass ich sie hab, das lässt sich schlecht in Worte fassen. Es waren fünf anstrengende Monate. Ich habe ein paar graue Haare mehr, einige Fältchen sind tiefer geworden und ich kann jetzt noch besser mit wenig Nachtschlaf umgehen. Aber ich bin auch ruhiger geworden. Irgendwie angekommen. Da wo ich sein will. Denn mein Mädchen ist endgültig angekommen in der Welt.

Montag, 16. Juni 2014

Unser Wochenende in Bildern

Unser Wochenende wird immer wichtiger, jetzt wo es jeden Freitag heißt: Der Papa kommt! Aber dieses Wochenende kam noch jemand. Unsere liebe, liebe, Babysitterin kam direkt aus Schweden zu uns ins Wohnzimmer geflogen und hatte auch noch Geschenke und Kuchen im Gepäck. 
Aber hier das ganze Wochenende in Bildern:

Der Papa kam diesmal schon Donnerstag Abend. Musste aber Freitag arbeiten. Wir sind zum Spielplatz bei schönstem Sommerwetter und sattem Grün vor den Augen.


Der Papa kam am späten Nachmittag und baute erstmal Motorbootanhänger und Autowaschanlagen für die Jungs.


Gegessen haben wir am Samstag deutsches Dreikomponentenmenü. Kartoffel, Fleisch, Gemüse. Das heißt nur Ü18 aß Gemüse.


Erdbeeren mit Schlagsahne am Nachmittag aßen hingegen alle.


Samstag Nachmittag hörten wir die Luftrettung nebenan ankommen und flitzten hin, um den Hubschrauber beim Start zu beobachten.


Die Haare flogen ordentlich.

Wenn so kurze Haare überhaupt fliegen können.


Danach mussten wir noch unbedingt mit den Laufrädern rumfahren.


Am Abend gab's Kino für die Erwachsenen. Leider fand ich den Film enttäuschend. Hatte mir mehr Frohsinn erwartet. Mal wieder Vereinbarkeit als Drama. Das ist nicht so mein Fall. Aber kann sein, dass das bald im real life auf mich zu kommt.


Während wir den Film schauten, kam unsere liebe L mit dem Flugzeug aus Schweden.


Sonntag haben wir in einer spontanen Aktion Kinderzimmer und Elternschlafzimmer getauscht.
Unsere Wohnung hat 75 Quadratmeter. Wir sind 5. Auch wenn Nummer fünf noch sehr klein ist, wird es bald eng. Um das Problem zu lösen, sind wir jetzt erstmal ins kleinere Zimmer gezogen. Zum Schlafen braucht man nicht viel. Außerdem schlafen wir ja noch nicht mal viel.


Geschenke gab's für die Kinder. Endlich haben die vielen Autos und Motorräder einen ordentlichen Stellplatz. Es kommt Ordnung in die Bude.


Sonntag, 15. Juni 2014

Knapp ein Jahr

Zwischen diesen beiden Bildern liegt knapp ein Jahr.

August 2013
Juni 2014.

Man sieht es kaum. Ich sehe es kaum. Kind M hat ein richtiges Laufrad, die Haare beider sind kürzer und ein bisschen dunkler. Der Stand sicherer und der Blick fester, die Körper kräftiger. Aber sonst? Immernoch meine zwei Babys. Schnell, immer schneller werden sie jedoch zu Jungs. Das muss wohl auch ich einsehen.




Donnerstag, 12. Juni 2014

Einmal und vielleicht nie wieder - 12 von 12

Nach einer Idee von Draußen nur Kännchen (bzw. fast) - 12 Bilder am 12. eines Monats - hier meine 12 Eindrücke von heute. Ich bin platt.

Der Morgen begann um 4.30 Uhr mit Kind A, das gestillt werden wollte und ging weiter mit Kind M, das ab 5.37 Uhr nach Unterhaltung lechzte. Statt zu Ende zu bloggen, spielten wir das hier:


Der Morgen war ein Graus. Wir waren so laut, dass die Nachbarin nicht mal den Anstand besaß, mich am Nachmittag anzulügen, als ich ihr erzählte, dass wir heute Morgen so laut waren, weil die Stimmung sehr schlecht war. Hier auf dem Bild ein kleiner harmonischer Lichtblick. Die Brüder trösten ihre kleine Schwester. 

Kind P im Kindergarten abgegeben, besserte sich die Laune des kleinen Bruders wenig zu meiner Überraschung. Er hatte wohl nicht ausgeschlafen. Hier war noch alles ok.


Aber dann holte er sich eine Schramme:


Später hatte dann wieder Kind A schlechte Laune und musste getröstet werden. Das übernahm er aber gern.

Ich kochte währenddessen ein Gute-Laune-Essen für den jungen Mann. Nicht mein Favorit, aber dem Herrn hat's geschmeckt: Kartoffeln mit Hackfleischstippe. Gemüse hab ich weggelassen. Zu gesund.


Während die Kids schliefen, gab's für mich Eis. Lecker.


Beim Abholen vom Kindergarten sagte ich zu Kind P: "Komm, wir gehen Eis essen." Darauf erwiderte er: "Schon wieder?" Er wechselte dann aber doch noch aus dem Teenagermodus in den Kleinkindmodus und bestand auf blauem Eis.


Gleich danach ging's dann ab auf den Spielplatz. Damit hatte ich alle beide Kinder dann endgültig auf meiner Seite.


Ich kühlte meine Füße, um einen kühlen Kopf zu behalten. Außerdem musste ich dauernd pumpen.


Kind A wurde gleich neben der Anlage in der Öffentlichkeit gestillt. Also sowas.


Und das ist das schönste Blumenexemplar, das Kind P auf dem Rückweg am Straßenrand pflückte.



Der nächste große Schritt

Die zweite Woche mit den Kindern allein zu Haus endet heute und was soll ich sagen, mir wird ein wenig schwummerig, wenn ich bedenke, dass das nun immer so gehen soll. Mein größtes Problem beim Alleinsein, so schrieb ich gestern Abend an anderer Stelle, wäre zur Zeit vor allem: Wenn ich tagsüber kein Eis kaufe, dann esse ich am Abend auch keins. Einige werden denken, nun ja, dann hat sie wohl keine Probleme. Und denen holpere ich zurück: Das stimmt. Echte Probleme gab's nicht. 

Auch die zweite Woche, in der der Schwierigkeitsgrad etwas durch eine geschlossene Krippe gesteigert wurde (ich hatte Kind A und Kind M zu Haus und Kind P ging in den Kindergarten und wir brachten ihn gemeinsam morgens weg und holten ihn nachmittags ab), verlief eigentlich harmonisch. Bis auf zehnminütliche Streitanfälle zwischen den Jungs. Das soll normal sein, hab ich gelesen. Wir sind normal. Sogar sehr. Aber es war niemand krank, ich musste keine akuten Notfälle lösen, es hat sich niemand verletzt, ich habe kein Kind im Kindergarten vergessen (schwierig) und keins vergessen hinzubringen (leichter) und ich kam auf durchschnittlich 7-8 Stunden Schlaf. Dazu musste ich mich  allerdings um neun ins Bett legen.

Trotzdem wird mir schwummerig. Warum? Ich habe noch genau drei Monate Elternzeit. Dann soll/muss/darf/kann ich wieder arbeiten. Und je näher der Termin rückt, desto mehr Respekt habe ich davor. Mit zwei Kindern ging das gut. Zu zweit ging das gut. Aber mit drei Kindern? Allein? Hm. Geunkt wird von außen sehr viel, darüber, dass das nicht ginge, und ich solle mir das nochmal überlegen und warum ich denn unbedingt wieder arbeiten wolle und ich könne doch weniger arbeiten und ich solle doch bedenken, dass ich dann unter der Woche allein bin mit den Kindern und und und.

Und so denke ich zur Zeit sehr viel daran. Vielleicht, weil von außen so viele Bedenken kommen, vielleicht aber auch, weil ich mal wieder ein paar Pläne schmiede, bei denen ich mir diesmal so gar nicht sicher bin. Ich bin mit dem Ref fertig, es wird meine erste echte Stelle an einer deutschen Schule sein - im vergangenen Herbst hatte ich zwar auch schon eine, aber an der Schule war ich nur zweieinhalb Monate als Vertretung. So schnell lernt man eine Schule ja nicht mal richtig kennen. Und weil mir dieser nächste Schritt in meiner beruflichen Laufbahn so endgültig erscheint - ich bekomme eine Schule zugewiesen und da unterrichte ich dann - schmiede ich neue Pläne und überlege, mich doch noch ans Projekt Dissertation zu wagen. Ich bin 34 und ich denke, das ist meine letzte Chance. 

Was ich habe: eine interessante Idee, Motivation und ganz viel Begeisterung und Interesse. Was ich haben kann: eine Doktormutter und ganz viel Betreuung.
Was ich wenig habe: Zeit. Ich müsste mich über meine Arbeit finanzieren, die - da es sich um ein bildungswissenschaftliches Projekt handeln würde - mit der Doktorarbeit im Zusammenhang stünde, aber ich muss eben auch arbeiten, um Geld zu verdienen.

.....Und da unterbricht mich der Sohn, der aufwacht und bespaßt werden will. Es ist 5.38 Uhr. 

....Jetzt ist es 13.37 Uhr und mein Sohn macht Mittagsschlaf, die Kleine ebenfalls. Ob ich den Text wohl zu Ende bringe? Wo war ich? Ahja, Doktorarbeit.
Ich bin akut vergesslich.
Ich bin akut müde.
Ich bin akut beschäftigt. 
Jeden Tag.
Aber
Ich will schreiben.
Ich will arbeiten.
Ich will lernen.
Ich will, dass mein Kopf raucht.

Und vor allem habe ich eine Idee. Mit der will ich arbeiten.
Ich glaube, ich würde keine Sekunde zögern, hätte ich keine Kinder. Ich finde, ich sollte auch nicht zögern mit Kindern. Ich bin schließlich ich. Aber ich zögere dennoch. 

PS. In der Doktorarbeit soll es darum gehen, wie man es schafft, trotz Kindern zusammenhängende Texte zu produzieren, die man um 5.15 Uhr morgens anfängt und dann um 13.37 Uhr am selben Tag weiterschreibt. Zusammen hängt das vorliegende Exemplar irgendwie, aber der Faden ist sehr dünn, das ist mir klar. 

Mittwoch, 11. Juni 2014

Mit AllesEsser-Kindern kann man besser angeben

Ein Kind isst alles. Ein Kind isst alles nicht. Zumindest stellt sich dieses Gefühl ein, wenn man nach einem Allesesser plötzlich ein Kind am Tisch zu sitzen hat, das nur Wurst, Nudeln, Ketchup und Süßigkeiten isst und Mittagessen nahezu grundsätzlich ablehnt, wenn es nicht aus Einzelkomponenten besteht, von denen jede fein säuberlich von den anderen trennbar und nur dadurch überhaupt genießbar wird. So zum Beispiel Nur-Kartoffeln bei Kartoffeln-Fleisch-Gemüse-Gerichten oder nur ...nein, das war's eigentlich schon mit den Varianten.

Es beschleicht mich das leise Gefühl, dass das nun meine Schuld ist. Wie das so ist bei Müttern. So wie es mein Verdienst ist, dass ein Kind alles isst, ist es meine Schuld, dass ein Kind alles nicht isst. Und weil diese Rechnung so milchmädchenmäßig daher kommt, habe ich natürlich auch noch Beweise für beides. Das eine Kind war 18 Monate daheim. Das eine Kind ging mit 8 Monaten in die Krippe. Das eine Kind wurde über ein Jahr gestillt. Das eine Kind nur neun Monate. Und jetzt kann man sich an einem Finger abzählen, welches das eine und welches das eine Kind ist.

Heute hat das AllesnichtEsser-Kind (Das AllesEsser-Kind ist im Kindergarten und isst zur Zeit dort alles) das hier abgelehnt: 

Und zwar komplett. Nicht mal kosten. Kucken. Bähhhh. Wegschieben.
Spätzle mit frischen Champignons. Erst dachte ich noch, er lehnt nur die Petersilie ab. Weil grün. Und grün=igitt. Aber auch die petersilienfreie Version schleuderte er mir im übertragenen Sinne um die Ohren. Und ich durfte mich bedanken, dass es nicht im wörtlichen Sinne war. Denn auch das kam schon vor (Da war es Gulaschsuppe). Und was mach ich jetzt? Er muss ja nicht alles essen. Aber ein bisschen mehr Auswahl dürfte es schon sein. Eine kleine Nudel unter den Ketchup vielleicht. Oder ein bisschen Brot unter die Butter. Wenn ich ehrlich bin, wäre ich auch nicht so traurig, wenn er einfach wieder alles essen würde. Mit AllesEsserKindern kann man immer so herrlich angeben: 
-Mein Kind ist so mäkelig.
Echt? MEIN Kind isst Alles. 
- Boah, echt? Mein Kind isst nur Nudeln mit Ketchup. Und Brot.
Mein Kind ist ECHT Alles.
- Echt?
Ich könnte den Dialog fortsetzen, aber das überlass ich euch (ganz viel ECHT und MEIN und ALLES einbauen). Ich kümmere mich währenddessen um die Nachmittagsmahlzeit: Erdbeeren mit Schlagsahne. Die essen hier alle gern.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Die Stimme einer Einzelnen

In letzter Zeit lese ich immer mal wieder Rechtfertigungstexte für Blogs, vor allem aber die Mama-Blogs sind davon betroffen (Einen sehr, sehr lesenswerten findet ihr übrigens bei der Frischen Brise hier). Da ich viel über meine Familie und meine Kinder erzähle und auch bei den Brigitte Mom Blogs gelistet bin und wohl auch in erster Linie deshalb, weil ich eine Mutter bin, ist mein Blog auch so ein Mama-Blog. Ich fühle mich dadurch auch gar nicht angegriffen, aber so richtig identifizieren kann ich mich mit dieser Bezeichnung auch nicht, weil ich eben nicht nur Mutter bin. Was ich aber überhaupt nicht leiden kann, ist die abwertende Verwendung des Begriffs Mamablogs. Für mich steckt dahinter zweierlei 

- Was Mütter zu sagen haben, ist im Allgemeinen unwichtig.
- Blogs sind belanglos. Mütterblogs sind am belanglosesten.

Wie ich das finde? In erster Linie furchtbar schade. (#irgendwasmitTellerrand)

In meinem letzten Schuljahr habe ich eine Unterrichtseinheit zu Blogs in einer Oberstufenklasse durchgeführt. Dabei waren die Rückmeldungen der sogenannten digital natives (in Wirklichkeit stellte sich aber heraus, dass die meisten von ihnen genau das eben nicht waren, weil sie zum Teil mit rigorosen Einschränkungen, was den Computerzugang zu Hause angeht, leben mussten, was mich sehr erstaunte) eindeutig: Blogs sind nicht ernstzunehmen, da sie nur die Stimme eines Einzelnen sind und noch dazu anonym, was gleichzusetzen ist mit unseriös, einseitig und subjektiv. Ganz nett also, eine witzige Unterhaltung, wenn man sich bei Facebook mal langweilt. Aber ernstzunehmen ganz sicher nicht. Ich war darüber sehr erstaunt, mit einer solch eindeutig ablehnenden Haltung hatte ich gar nicht gerechnet. Ich akzeptiere sie durchaus. Aber ich meine die Basis dieser Kritik  ist in einer grundsätzlichen Technikangst zu suchen, die das Internet und vor allem die sozialen Medien auch 2014 manchen Menschen verursachen. 

Ich für meinen Teil bin tatsächlich mit dem Internet groß geworden. Es wird viel geschrieben darüber, wie gefährlich es sei, weil das böse Internet "nie vergisst" (es sei denn man macht eine aufwendige Meldung bei google), weil es nur der Selbstdarstellung diene und weil keine echten Kontakte entstünden. Immer wieder begegnen mir im Internet Aufrufe, ich solle meinen Blick wieder auf das echte Leben richten statt immerzu auf das unechte im Internet zu schauen (Video Look Up - einen guten Kommentar zum Look Up Video findet ihr hier). Dabei wird immer wieder die Unterscheidung gemacht zwischen echt und unecht, real life und fake life und die Behauptung aufgestellt, die sozialen Medien seien alles andere als sozial. 
Ich kann mit solchen schwarz-weiß-Sichtweisen nichts anfangen, denn ich führe mein Leben weder nur außerhalb des Internets noch ausschließlich darin. Die zwei Lebenswelten lassen sich schlecht voneinander trennen, denn sie sind beide gleichwertiger Teil meines Lebens geworden. Und das ist auch gut so. Einen guten Kommentar zum Problem der Trennung zwischen digital und analog findet sich übrigens hier.

Was mir Blogs und andere Plattformen im Netz bedeuten

- Ich kann mich treiben lassen: Von Thema zu Thema. Von Welt zu Welt. Einfach fallen lassen und neue Dinge entdecken. Mich inspirieren lassen.

- Neue Sichtweisen: Beinahe täglich stolpere ich über völlig neue Perspektiven, Blickrichtungen. Lebensweisen, von denen ich nichts wusste, die mich gedanklich bereichern und meinen Horizont erweitern (zuletzt z.B. hier).

- Ich erhalte Einblicke in Privates und erfreue mich daran: Genauso wie ich gerne in die Fenster schiele, wenn ich an Häusern vorbeilaufe, bin ich im Internet neugierig auf andere Menschen. Will sehen, wie sie leben, was sie glücklich, traurig, zufrieden oder wütend macht. 

- Ich tausche mich aus: Ich frage nicht gern einen Menschen. Ich frage gern viele und schneidere mir dann aus vielen Handlungsmöglichkeiten meinen eigenen Weg. Dafür ist es wichtig, dass ich in möglichst kurzer Zeit die Handlungsmöglichkeiten vor mir sehen kann. Das ermöglichen mir die sozialen Medien und die Recherche im Internet.

- Kontakte: Ich habe schon oft den Wohnort gewechselt in meinem Leben. Es begann in der Uckermark, ein Jahr in den USA, ein paar Studienjahre in Mecklenburg, ein paar Jahre in Ungarn, jetzt das dritte Jahr in Bayern und ich nehme an, auch hier ist unsere Zeit begrenzt. Die Möglichkeit trotzdem mit Menschen in Kontakt zu bleiben, die mir wichtig sind, nutze ich. Ich finde nicht, dass diese Form des Kontakthaltens weniger echt ist. Manchmal ist es genau ein Kommentar im Netz, den ich an einem schwierigen Tag brauche, um wieder klar zu werden. Das fühlt sich gut an. Und echt.

- Nachrichten: Ich informiere mich auf Blogs über das Weltgeschehen. Ich halte sie nicht für schlechter und subjektiver als die großen Massenmedien. Auch hier gilt der Grundsatz: Die Auswahl trifft der Leser. Man kann sich in der BILD-Zeitung über das Neueste informieren. Muss aber nicht.

Diese Liste könnte ich noch eine Weile fortführen, aber wie immer rennt mir nun die Zeit davon. Auch das ein Aspekt, den ich speziell an meinem eigenen Blog liebe. Ich schreibe. So wie ich Zeit habe und so wie es in mein Leben passt. Mein Leben ist nicht der Mittelpunkt der Welt. Das soll es auch gar nicht sein. Aber meine Stimme ist eine Stimme von vielen. Die Stimme einer Einzelnen. Einer Frau. Einer Lehrerin. Einer Mutter. Im Gegensatz zu den Schülern und Schülerinnen im letzten Jahr, glaube ich, dass diese verdammt wichtig ist, auch wenn sie sich nur Gehör in einem Blog verschafft.

Dienstag, 3. Juni 2014

Da ist Diplomatie gefragt.

Heute habe ich mich mit gleich zwei fremden Müttern unterhalten. Das ist gewaltige Zahl für meine Verhältnisse, denn normalerweise begegne ich fremden Müttern selten. Manchmal treffe ich mich mit befreundeten Müttern, aber das ist im Grunde noch seltener. Treffen mit fremden Müttern versuche ich allerdings meistens sogar zu vermeiden, denn die Gespräche mit ihnen gleichen einem Spaziergang über ein Minenfeld. In irgendeine Falle latsche ich immer. Diese Gespräche sind die hohe Kunst der Diplomatie, denn so vorsichtig kann man gar nicht formulieren, dass eine Mutter sich nicht automatisch beginnt zu verteidigen. Ich habe es dennoch heute versucht. Gleich zweimal. Und zweimal musste ich in eine komplett andere Richtung schiffen, um aus dem Fettnapf wieder herauszukommen.

Gespräch Nummer eins: Die Nachbarin mit ihrem 5-Wochen-alten-Säugling.

Ich gratulierte zur Geburt. Das Geschlecht hat sie mir gesagt. Ich habe es vergessen. Zur Zeit bin ich froh, wenn ich meinen eigenen Namen behalte. Aber das gebe ich ungern zu. Der erste große Napf. Ich musste nochmal fragen. Dann fragte sie aber nach dem Geschlecht meines dritten Kindes. Situation gerettet. Aber irgendwie war das Gespräch nun angezettelt und dann fragte ich:
Und wie klappt das mit dem Stillen? Wie bescheuert von mir. Sie war nur deswegen nicht beleidigt, weil ich auf ihre Antwort: Ich stille nicht., sofort beschwichtigend reagierte. Denn verteidigt hat sie sich natürlich prompt. Obwohl meine Frage nicht angreifend gemeint war.
....das wäre nichts für sie, dann könne man sich ja nicht abwechseln, die Flaschenmilch ist so gut und praktisch und so weiter. Es wäre zwar auch unheimlich praktisch zu stillen, vor allem nachts, aber dafür gibt es ja auch Lösungen: Na und da war mein Einstieg. Ich hatte von befreundeten Müttern gehört, was es alles für Zaubermittel gibt heutzutage, damit man für den Säugling zu jeder Tages- und Nachtzeit wohltemperierte Milch oder zumindest Wasser bereithalten kann und es nicht zu hastigen Aufwärmaktionen mitten in der Nacht kommt. 
Wir redeten dann eine ganze Weile über diese Gerätschaften. Nein, wir redeten nicht. Ich hielt einen beeindruckenden Vortrag. Ich wollte ihr unbedingt beweisen, dass alles gut und richtig ist, was sie macht, auch wenn sie nicht stillt. Denn die Entscheidung, dass sie dies nicht tut, wird wohl bedacht und begründet sein. Abgesehen davon liegt es nicht in meinem Ermessen, dies zu beurteilen. Das mache ich aber natürlich, wenn ich annehme, dass sie auf jeden Fall stillt. Denn eine gute Mutter.....
Ich fühlte mich aber trotzdem irgendwie unangenehm berührt, denn eigentlich bin ich Stillfan und finde Flasche doof. Ich glaube dennoch, dass ich mich in so einem Moment zusammenreißen muss und meine Meinung lieber für mich behalte. Da ist eben einfach irgendwie Diplomatie gefragt.
Das Problem ist nur, man weiß ja vorher nie so genau was einen erwartet, bei ner fremden Mutter. Wie sie das so macht, kann man nur erahnen. Deswegen das mit dem Minenfeld.

Am Nachmittag sprach ich mit der Frau eines entfernten Bekannten meines Mannes. Baby, sechs Monate, voll gestillt. Nach der Erfahrung am Morgen stellte ich meine Frage anders: Stillst du? Und wieder Fettnapf. Denn hier traf ich eine überzeugte Stillmutter, für die Stillen das einzig Wahre und Richtige ist. In meiner Frage steckte die Möglichkeit, dass sie nicht das Beste und Richtigste für ihr Kind wollen könnte, indem sie es eventuell nicht stillt. Das steckte da natürlich nicht drin. Ich wollte nur vorsichtiger formulieren nach der vormittäglichen Erfahrung. Puuuuhh. Danach haben wir uns sehr lange über die wahnsinnigen Vorteile vom Langzeitstillen unterhalten und wie praktisch das nachts wäre und dass man sich ja keine lästigen Gerätschaften besorgen müsse und alles immer gleich temperiert hätte. Ich kam mir ein bisschen blöd vor in der Erinnerung an das morgendliche Gespräch.

Was ich wollte, war allerdings nur, so diplomatisch wie möglich zu sein. Nachzufragen, mich zu interessieren, nett zu sein, ohne zu sehr einzudringen in die Privatsphäre und vor allem, ohne in irgendeiner Form zu beurteilen oder zu werten. Denn ich erlebe es immer häufiger in Gesprächen, dass Mütter sich verteidigen. Wie sie ihre Babys ernähren, wie sie sie erziehen, wie sie mit ihnen spielen, wie sie ihre Freizeit verbringen oder dass sie überhaupt welche haben wollen. Dass sie kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie wegfahren und dass sie überhaupt ohne ihre Kinder wegfahren wollen. Diese dauernden Verteidigungen führen dazu, dass ich mich bei vielen Unterhaltungen bisschen wie auf dem Minenfeld fühle. Diplomatie ist da gefragt. Und ich hab den Eindruck, daran hapert's noch bisschen.


Alleinbetreuend für Anfänger

Der erste Tag ohne Papa fing um 4.30 Uhr mit einem Alptraum und einem schreienden Kind an, das erstmal aufs Klo musste. Darüber freuen wir uns hier. Nicht den Alptraum. Mehr das aufs-Klo-wollen. Der Papa verließ dann um 5.20 Uhr das Haus und bis um sieben schliefen die Jungs aus. Das Erlebnis selbst war mindestens so schön wie der Reim eben.
Meine größte Sorge war am Morgen, dass Kind P und Kind M nach drei Wochen Nutella-Marmelade-Honig-Frühstück kein Müsli mehr essen würden. Ich wollte sie, das war meine Mission, wenn ich schon alleine war, endlich wieder ordentlich mit Obst und Getreide vollstopfen. Die Sorge war jedoch völlig unbegründet. Haferflocken mit Erdbeeren und Bananen, ein bisschen Honig. Sie aßen nicht, sie fraßen. Oder wie man in Bekanntenkreisen manchmal sagt: Sie haben gefresst.

Die Laune war herrlich. Sie fragten viel nach dem Papa, aber mindestens genausoviel nach Oma und Opa, denn da waren wir ja jetzt drei Wochen. Traurig wirkten sie dennoch nicht. 
Der Morgen verlief sehr harmonisch. Es gab keinen Streit. Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht. Im Kindergarten gab es ein paar Tränen, in der Krippe nur ein kurzes Winken. Nach meinem Termin in der Schule, machte Kind A ein Schläfchen auf der Terrasse. Der Kuckuck half beim Einschlafen.


Den Tag verbrachte ich mit Kind A zu Haus. Aß ratz-fatz vom Sonntag und besorgte mir ein Stück Dresdner Apfelkuchen. Ganz für mich allein. Die Kleine kuckt mir das ja noch nicht weg. Wird aber wohl nicht mehr lange dauern.


Am Nachmittag dann Abholen. Mit Kinderwagen. Meine zweite Herausforderung.
Erst nur eins.

Dann zwei.

Dann drei.


Einer muss immer mitfahren. Wenn die zwei in verschiedene Himmelsrichtungen abdüsen, während ich den Kinderwagen schiebe, dann bekomme ich einen Herzinfarkt. Das soll vermieden werden. Vielleicht bin ich überängstlich. Aber dann ist das halt so.

Kind P kam mit der selben Hose heim, die er morgens anhatte. Und ist den ganzen Tag allein aufs Klo gerannt. Endlich ham wir's.


Am Abend gab's dann deutsche Lieblingsbücher. Die ungarischen liest immer der Papa. 
Eins davon ist: Die Wörterfabrik. Ein ganz zauberhaftes Buch. Wenn meine beiden die Wörter Kirsche, Staub und Stuhl ganz sacht und zärtlich auf die Reise zu Marie schicken, dann weiß ich, das sind eben echte Jungs.

Danach haben wir noch einen Kinderbuchklassiker aus meiner Kindheit gelesen: Das Rübchen. Und eine ganze Weile darüber gesprochen, wer aus unserer Familie welches Rübchen ist. Der Papa ist ganz oben das dritte Rübchen von rechts. Nur, dass ihr Bescheid wisst.


Am Abend gab es dann, wie zu erwarten war, mehr die lauten Töne. Die Jungs schlafen ja in einem Zimmer, aber Kind A schläft noch bei uns im Schlafzimmer, genauer bei uns im Bett. So musste ich mich nach dem Essen und Baden dann doch irgendwie zerteilen. Die Kleine war nämlich leider nicht als erste eingeschlafen, sondern verlangte nach dem Vorlesen auch nochmal nach mir. Und so sprang ich immer zwischen erzieherischen Maßnahmen im Kinderzimmer und beruhigenden Maßnahmen im Schlafzimmer hin und her. Es war die wahre Freude. Aber wir müssen uns eben erst einspielen. Bisher haben wir uns immer aufgeteilt. Der Papa war für die Jungs zuständig und ich für die Kleine. Jetzt müssen alle erst üben, mit der neuen Situation umzugehen. Der erste Übungstag war anstrengend, trotz Kindergartens und Krippe. Um 20.30 Uhr kuschelte ich mich zu meiner Tochter und alle schliefen durch bis 7 Uhr. (Zwei- oder dreimal stillten wir, aber daran habe ich keine echte  Erinnerung.) Es war ein Traum. Heute ist ein neuer Tag. Er beginnt mit einer Diagnose. Ich hab wohl Hand und Fuß und Mund. Vor allem Mund. Und ganz viel Kopf dazu. Aber ich will mich bessern.

Sonntag, 1. Juni 2014

Klappe halten und einfach zuhören!

Neulich hat Mama Mia auf ihrem Blog einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie schrieb, warum sie das Kinderhaben manchmal satt habe (hier geht's zum Beitrag). Sie hat dafür neben viel Verständnis - wie nicht anders zu erwarten war - auch ordentlich Feuer bekommen. Von „gelangweilter" Gattin war die Rede und von "Hausfrauenproblemen". Ich habe insbesondere die Diskussion auf Facebook verfolgt und mich zum wiederholten Male gefragt, warum Mütter eigentlich mit der Geburt eines Kindes einen Maulkorb bekommen, was Beschwerden und Kritikpunkte angeht. Und ich habe mich auch zum wiederholten Male gefragt, ob das für Männer eigentlich auch gilt, denn ganz im Gegensatz zu den Müttern haben die scheinbar eine ganz andere Erfahrung: So findet lempi auf ichbindeinvater.de zum Beispiel, dass er ständig jammere und das doch "irgendwie zum guten Ton gehöre" (hier zu seinem Beitrag). Für Mütter, so meine persönliche Erfahrung, ist Jammern jedoch immernoch ein Tabu.


Es ist, als hätte man mit dem Beginn des Mutterdaseins einen Vertrag unterschrieben, in dem Beschwerden über die eigene Lebenssituation und das Leben mit Kindern als vertragswidriges Verhalten festgehalten sind. Kommt es dennoch einmal zu einem solchen Vertragsbruch, ist die Abmahnung nicht mehr weit. Und so bekam Mama Mia beinahe die ganze Palette an Erwiderungen serviert, die in diesem Zusammenhang so gängig ist. Hier mal eine Zusammenstellung, die nur unwesentlich über das hinausgeht, was sie sich anhören durfte:
- Hast es dir ja so ausgesucht.
- Dir ist wohl zu langweilig.
- Spielt dein Mann nicht mit dir?
- Hättest ja keine Kinder bekommen müssen.
- Hättest ja nicht so lange zu Hause bleiben müssen. 
- Musste halt besser planen.
- Wenn du keine anderen Sorgen hast.
- Dir geht's viel zu gut.
- Geh mal auf eine Krebsstation und schau dir Menschen an, denen es wirklich schlecht geht. (meiner Meinung nach das wohl unsinnigste Argument in diesem Zusammenhang)

Ich fand das schlimm. Und ich finde das schlimm. Ich für meinen Teil beschwere mich selten und nur bei ganz ausgewählten Menschen über Alltagsprobleme oder Schwierigkeiten mit den Kindern, genau aus diesem Grund. Ich habe keine Lust auf diese Art befeuert zu werden, dass jeder seines Glückes Schmied ist und ich eben Pech- statt Goldmarie heiße. Aber der Post sprach mir aus dem Herzen und ich freue mich solche Texte lesen zu können und lesen zu dürfen. Ich weiß, dass sie ihre Kinder nicht satt hat, dass sie nur ab und zu mal Dampf ablassen muss, damit sie weitermachen kann. Weil ich selbst Kinder habe und es mir manchmal genauso ergeht. Und ich kann es noch nicht mal kritikwürdig finden, dass sie das im Internet tut. Denn dort hat sie die Möglichkeit ganz viel Zuspruch von Menschen zu bekommen, die in ähnlichen Situationen sind, wie sie. Zum Glück hat sie das auch. 

Das Argument, dass Jammern in den meisten Fällen nicht viel bringt, finde ich durchaus plausibel und verstehe Menschen, die mit einem Hinweis darauf reagieren. Aber man darf nicht vergessen, dass Mütter dazu neigen, sich selbst zu vergessen. Das geht eine Weile gut. Bis es irgendwann eben nicht mehr geht. Die ganze Kacke einmal rauslassen und dann tief durchatmen und weitermachen, ist viel besser, als immer wieder runterzuschlucken. Denn dass es weiter geht und weitergehen muss, weiß man ja meist selbst. Druck ablassen tut trotzdem mal gut.

Und genau deswegen jammere ich heute mal:
Ab morgen bin ich hier allein mit den Kindern. Auf unbestimmte Zeit von Montag bis Freitag. Der Mann treibt sich irgendwo in Deutschland rum und das wird sich so schnell wohl auch nicht ändern. Für mich heißt das morgens zwei Kleinkinder und ein Baby allein versorgen, für die Kita fertig machen, den Haushalt schmeißen und die Nachmittage und Abende ebenso allein gestalten. Ich weiß jetzt schon:
Es wird viel Geschrei geben. 
Es wird nie genug Mama für alle sein.
Es wird chaotisch werden und laut zugehen.
Und deswegen möchte ich an dieser Stelle vorwarnen. Es könnte sein, dass ich in nächster Zeit ab und zu jammere. Denn - und daran sollte man immer denken - ich werde eins ganz sicher nicht tun: Meinem Mann die ohnehin schon schwierige Situation erschweren, indem ich IHM die Ohren volljammere. Vor allem für ihn muss ich mich zusammenreißen und die Jammerei reduzieren. Das wird nicht leicht, denn in den letzten zwei Jahren haben wir uns den Stress elterlich geteilt. Wir konnten jeden Abend zusammen verbringen und wenn uns danach war, gemeinsam ein Jammerbad nehmen. Und genau darin liegt für mich ein wichtiger Punkt zum Thema Jammerei:

Wenn ihr das nächste Mal eine Mutter beim Jammern ertappt, fragt euch erstmal, warum sie sich vielleicht gerade euch anvertraut: Entweder fühlt sie sich nämlich bei euch besonders wohl oder sie versucht jemand anderen, der oder die ihr wichtig ist, zu verschonen. In beiden Fällen bietet sich an: Klappe halten und einfach zuhören.

Danke fürs Zulesen.