Dienstag, 29. Juli 2014

Ach, guck mal! Ein Hase!

Dies ist der fünfte Post meiner #99FragenfürEltern Challenge. Wenn du nicht weißt, worum es dabei geht, hier entlang.


Frage fünf ist im Original Frage 7. Mit der fünften Frage stecke ich fest und mich da jetzt herauszuwühlen wird zu lange dauern. Diese Woche bekomme ich nämlich Besuch von einer Freundin und ich habe eine erneute Verabredung mit meiner Doktormutter. Beides will vor- und nachbereitet sein. Hier also Frage Nr. 7:

7. Welches Spielzeug aus Ihrer eigenen Kindheit haben Sie Ihrem Kind weitergegeben und warum?

Ich habe einige Spielzeuge aus meiner Kindheit, aber keines davon ist mir so lieb wie der aus dem Kuscheltierstapel hervorleuchtende Hase. Zu meiner Zeit - wir hatten ja nichts und vor allem keine Kuscheltierstapel - hatte man ein Kuscheltier. Ich hatte einen Hasen. Meine Kinder haben heute 2376 Kuscheltiere. Der Hase steht jedoch ganz oben auf der Hitliste.


Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie sehr ich insbesondere seine Ohren mochte, weil die extra weich waren. Im Original hat der Hase übrigens ein Kleid an. Ob er deswegen eine Häsin ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hat er im Zusammenhang mit einer Wickeldemonstration für Kind P einen Babybody anbekommen, den er seitdem nicht mehr ausgezogen hat. 
Warum hab ich den Hasen weitergegeben? Bedarf an Kuscheligeren scheint es ja tatsächlich nicht zu geben. Ich wünschte, ich könnte jetzt eine zauberhafte Geschichte erzählen, in der bei einem der Versuche, Kind P zum Einschlafen zu bekommen, der Hase die letzte Rettung war. Wie das Kind sich nicht beruhigen wollte und ich den Hasen aus dem Schrank holte. Ihm erzählte, dass der Hase gaaaaanz müde sei und schlafen wolle. Und wie er deswegen auf den Hasen aufpassen müsse. Und dabei auf keinen Fall schlafen dürfe. Er müsse ihn festhalten, ihm über die Schulter streicheln und ihm gut zureden. Wenn er das richtig anstelle, dann würde der Hase sanft entschlummern und ihm am Morgen drei Wünsche erfüllen. 
In Wirklichkeit aber hab ich den Hasen einfach irgendwann beim Aufräumen zusammen mit Kind P gefunden und gesagt: "Ach, guck mal da! Ein Hase!"

Donnerstag, 24. Juli 2014

Von Wunden und Wundern

Dies ist der vierte Post meiner #99FragenfürEltern Challenge. Wenn du nicht weißt, worum es dabei geht, hier entlang.


Frage 4: Heilt die Zeit wirklich alle Wunden?

Dieser Frage möchte ich mich nicht in Textform nähern. Denn, und ich kann mich in dieser Hinsicht sehr glücklich schätzen, ich bin nicht oft verwundet worden und wenn doch, dann nie so schwer, dass nicht tatsächlich der Satz zutraf: Es geht vorbei. 

Deshalb an dieser Stelle ein Video zum Lied "Die Zeit heilt alle Wunder" von Wir sind Helden aus dem Jahr 2003. Eins meiner all time favorites. Rückblickend vor allem, weil ich es in dem Sommer rauf und runter gehört habe, als ich meinen Mann kennen und lieben gelernt habe. Aber auch weil das Lied, insbesondere in dem hier präsentierten Video inklusive kauzigem Ehepaar und allen Scherzen und Traurigkeiten auf verschiedenen Ebenen, alles ausdrückt, was ich zu dieser Frage zu sagen habe.


Mittwoch, 23. Juli 2014

Das ist gefährlich, Mama!

Dies ist der dritte Post meiner #99FragenfürEltern Challenge. Wenn du nicht weißt, worum es dabei geht, hier entlang.


Frage 3: Waren Sie schon einmal in Lebensgefahr?


Also diese Frage ist ganz einfach. Nein, nicht wirklich. Ich habe als Jugendliche gerne Grenzen ausgetestet, aber ich hatte nie das Gefühl, dass mein Leben ernsthaft in Gefahr gewesen wäre. Die kindliche Phase, in der einem sämtliche Gefahren irgendwie egal sind, die hat bei mir nur etwas länger gedauert. So etwa bis zum 20. Lebensjahr. Glück gehabt. Oder eben einfach ganz normal.
Was Lebensgefahren angeht, bin ich trotzdem eine Expertin geworden. Und zwar am 17.11.2010. An diesem Tag wurde, genau 14 Minuten vor Mitternacht, mein erstes Kind geboren. Man sagt, wird ein Kind geboren, wird auch eine Mutter geboren. Nun, bei mir war das eher so: Mit dem Kind wurde eine Gefahrenexpertin geboren. 

Seit ich Kinder habe, wittere ich überall Gefahren. Ich habe dabei häufig schon fertige Szenarien im Kopf. In etwa so:
- Der Sohn läuft mit der Zahnbürste im Mund herum und fällt hin. Die Zahnbürste kommt hinten aus dem Kopf wieder raus. Das muss weh tun. Und sieht vor allem doof aus. Deshalb: Gefährlich!
- Der Sohn klettert die Rutsche rückwärts hoch und rutscht aus. Zwei Zähne futsch.  Kiefer entstellt. Darum: Gefährlich!
- Der Sohn kuschelt mit der Tochter. Zerquetscht sie. Nicht nur bisschen. Sondern komplett. Ganz gefährlich!
- Die Jungs beißen sich. Es entstehen Fleischwunden. Die Narben bleiben bis zur Pubertät. Aufgrund ihrer Narben werden sie gehänselt. Sie geben mir die Schuld. Sowas ist super gefährlich!
- Die Jungs rutschen in der Wanne aus. Zähne futsch. Überall Blut. Notaufnahme.  Deswegen müssen sie meistens bewegungslos sitzen, weil halt: Gefährlich!
- Meine Kleine isst einen Keks. Er bleibt ihr im Hals stecken und ich muss sie beatmen. Ich schaffe es nur mit Mühe und Not. Sie isst nie wieder Kekse. Und macht mir als Erwachsene Vorwürfe. Voll gefährlich.
- Der Sohn (welcher auch immer) hebt mein Baby aus dem Kinderwagen. Sie wird ihm zu schwer. Alle beide schlagen hin. Wir fahren in die Notaufnahme. Dort nehmen sie mir alle Kinder weg. Ein Beamter fährt mich nach Hause. Gefährlicher geht's nicht.

Ich könnte noch ein paar Beispiele aufzählen, aber ich will mich nicht langweilen. Fakt ist: Ich hab dauernd Angst. Und ich hasse das. Ich möchte gerne die lockere, coole Mutter sein, die mit ihren Jungs herumtobt, bis alle vergessen wo oben und unten ist. Stattdessen steh ich häufig daneben und höre mir zu, wie ich dauernd sage: „Pass auf!", „Das ist gefährlich!", „Vorsichtig!", „Achtung!" Ich sage diese Sätze häufig. So häufig, dass Kind P, der gerne den Erzieher mimt, inzwischen am liebsten Sätze sagt, die mit irgendwas anfangen und mit "....ist gefährlich" aufhören. Am Anfang war es nur die Straße. Und die Autos. Und die Herdplatte. Inzwischen ist es für ihn auch gefährlich, erst den linken und dann den rechten Schuh anzuziehen, die Milch ganz schnell auszutrinken und bei 30 Grad keine Socken anzuziehen. "Das ist gefährlich Mama! Ganz gefährlich!" höre ich dann. Und ich frage mich, woher er das hat.

Das Kind anschauen und nicht die Tabelle

Gestern war ich beim Arzt. Zur Vorsorgeuntersuchung mit Kind A. Kind A ist jetzt ein halbes Jahr alt und da war es Zeit, wieder etwas Vorsorge zu betreiben. Ich habe nichts gegen Vorsorgeuntersuchungen. Überhaupt nicht. Ich mag sie gern. Da wird gemessen, gewogen, verglichen, eingeordnet, systematisiert, gewertet, gewarnt und geratschlagt. Das hilft, wenn man unsicher ist. Und wenn man sicher ist, hat man wenigstens mal jemanden, mit dem man auf gleicher Ebene reden kann. Und unterschiedlicher Meinung sein darf. Was mir aber gestern wieder klar geworden ist: Bei aller Wichtigkeit der Vorsorge und Zwischensorge und Akutversorgung und sämtlichen anderen Sorgen, scheint uns der Blick fürs Kind doch ein wenig abhanden zu kommen. 
Wir schauen immer weniger das Kind an und immer öfter die Tabelle. So wie mein Arzt gestern.

Mein Kind ist gestern kritisiert worden. Eigentlich aber natürlich ich. Denn das Kind kann ja nix dafür. Es hätte nicht genug zugenommen. Über konkrete Zahlen haben der Arzt und ich dabei nicht gesprochen. Die Kleine war zuvor von der Schwester gewogen worden, die Zahlen in die Kurven eingetragen. Der Arzt sah das Kind. Aber er sah vor allem die Tabelle. Und die Zahl, die dort stand, zeigte nur 800g mehr als bei der U4 vor ein paar Monaten. 
Es folgte ein sehr intensives Gespräch über die Ernährungsgewohnheiten meines Kindes, das ich nur so locker wegsteckte, weil ich das Babystadium nun schon zweimal durch hab und zumindest in diesem Bereich ungefähr weiß, was mir persönlich wichtig ist und ich glaube das ist das Wichtigste. 
Die Fragen sind sicher normal und völlig verständlich, aber sie machen auch unsicher. Verdammt unsicher. Was ich dem Kind denn zu essen gäbe? Ob ich es noch stillen würde? Ob es schon feste Kost bekäme? Ob es nachts noch sehr oft trinken würde? Ob das Kind schon vom Familientisch mitessen würde? Ob es schon Kekse bekäme? Alle diese Fragen wurden mir im Anschluss an die Aussage gestellt, mein Kind nähme nicht gut genug zu. 

Dabei schaute der Arzt auf die Tabelle und ich schaute auf mein Kind. Und ich dachte: irgendwas stimmt doch hier nicht. Reden wir vom selben Kind? Aber ich wollte ihn nicht in Frage stellen. Hätte ich es mal getan. Eine einfache Frage hätte gereicht. Die nach der konkreten Zahl. Die Schwesternschülerin hatte falsch gemessen und - ich war heute zum Nachwiegen noch einmal in der Praxis - sich um 1,3 kg verwogen. Das gesamte Gespräch beruhte so auf einer falschen Zahl. Hätte dort das tatsächliche Gewicht gestanden, 7,8 kg, wir hätten ein komplett anderes Gespräch geführt, ich bin mir sicher. So haben wir dieses geführt und ich habe es an mir vorbeirauschen lassen, um abends die falsche Zahl im U-Heft zu entdecken. Vorbeirauschen deshalb, weil ich auch beim dritten Kind lieber das Kind anschaue als die Tabelle. Ich würde mir wünschen, dass alle das tun.

Dienstag, 22. Juli 2014

Mein größter Kompromiss

Dies ist der zweite Post meiner #99FragenfürEltern Challenge. Wenn du nicht weißt, worum es dabei geht, hier entlang.


Frage 2: Was ist der größte Kompromiss, den Sie je geschlossen haben?


Als Elter geht man viele Kompromisse ein, mehr oder weniger freiwillig. Badtür nicht mehr zuschließen zum Beispiel. Nicht mehr zumachen, um präzise zu sein. Oder Kaffee auch mal kalt trinken. Manche davon sind leichter (ersteres) und manche davon schwieriger (zweiteres). Der größte Kompromiss aber, den ich je geschlossen habe, und der vielleicht die weitreichendsten Konsequenzen für mein Elterndasein hat, liegt weit vor meiner Zeit als Mutter, ungefähr 13 Jahre.

Ich war 20 und beim Aufnahmegespräch in der Rehaklinik.
„Wie viel würden Sie gern wiegen?"
-„Ich finde, ich hab eigentlich schon ganz gut zugenommen. Ich bin auch nicht wegen meines Gewichts hier."

„Ja, aber was meinen Sie, was ist ihr Normalgewicht?"
-„Ich hab eine Zeitlang nicht gut gegessen, aber jetzt geht's mir gut. Ich esse alles. Ich bin nicht deswegen hier."

„Sie wollen sagen Ihr Gewicht ist normal?"
-„Ja...... Nein....... Vielleicht. Was weiß denn ich. Ich kann nicht zunehmen. Mein Stoffwechsel ist sehr schnell."

„Nun, Sie werden müssen. Ihr BMI liegt bei 16,5. Ein normaler BMI fängt bei 19 an. Wir können uns bei Ihnen auf einen Mindest-BMI von 18 einigen.  Das ist ein realistisches Ziel. Das heißt, Sie müssen mindestens 4 kg zunehmen, auf 58kg. Wir haben hier ein Phasenprogramm, an das Sie sich halten müssen. Ab sofort müssen Sie jede Woche 500 g zunehmen. Jede Woche. 500 g. Wenn Sie das schaffen, gut. Wenn nicht, kommen Sie in eine andere Phase. Es gibt drei. Sie sind jetzt in Phase drei und haben einige Freiheiten. Wenn  Sie nicht zunehmen, kommen sie in Phase zwei. Einige dieser Freiheiten verlieren Sie dann. Sie dürfen zum Beispiel das Gebäude nicht mehr verlassen. Sie dürfen an den Physiotherapiestunden nicht mehr teilnehmen und Sie müssen jeden Abend Tagebuch führen. Jeden Abend. Unter Aufsicht. Phase eins, wenn Sie abnehmen. Wenn Sie in dieser Phase sind, nehmen Sie alle Mahlzeiten unter Aufsicht am Schwesterntisch ein. Das Zimmer dürfen Sie nur zu den Mahlzeiten verlassen. Jeden Morgen und jeden Abend wird Ihr Gewicht kontrolliert. Sie wiegen jetzt 53,7 kg. Machen Sie das Beste draus. Herzlich Willkommen bei uns und alles Gute für Sie."
-"...."

Ich bin ihn eingegangen, den Kompromiss. Nach zehn Tagen landete ich sofort in Phase eins. Ich hatte mehr als ein Kilo abgenommen. Aber ich blieb. Ich ließ mich auf den Kompromiss ein, ein paar Kilos zuzunehmen, um zu sehen, ob ich damit umgehen könnte, ob ich so gesund werden könnte, auch wenn ich glaubte, gar nicht krank zu sein. Nur vier Kilo mehr. Was war das schon. Für mich war es einer der schwierigsten Schritte in meinem Leben. Aber ich ging ihn. Ich nahm sie zu, die vier Kilo, obwohl schon die letzten vier Kilo davor eine enorme Herausforderung gewesen waren. Ich überschritt meine selbst gesteckte Gewichtsgrenze und wurde gesund.
Ich verließ die Klinik mit 58,5 kg. Aber was viel wichtiger war: Ich verließ sie im Grunde geheilt. Nicht weil ich jetzt einen BMI von 18 hatte, sondern weil ich mich auf den Kompromiss Therapie wirklich eingelassen hatte, mit all seinen Herausforderungen und Schwierigkeiten. Dazu gehörte viel mehr als nur Zunehmen. Dazu gehörte in erster Linie, eigene Grenzen zu erkennen und zu überschreiten, im positiven Sinne.

Heute ist meine größte Sorge als Mutter die, dass meine Kinder in eine ähnliche Situation geraten könnten und nicht wieder herausfinden. Die Kinder vor einem Krankwerden an sich zu beschützen, wie das geht, das weiß ich nicht. Dabei hat mir meine Erfahrung nicht geholfen. Denn es gibt keinen Schuldigen. Es gibt nur eine Verkettung von Ereignissen, von Umständen, und ein Vorhandensein von gesellschaftlichen Bedingungen, gegen die man weitgehend machtlos ist. Was mich in diesem Zusammenhang als Mutter prägt, ist allerdings auch nicht der Glaube, meine Kinder davor beschützen zu können. Aber ihnen zeigen, wie man den anderen Weg wählt, wenn der eine zur Sackgasse geworden ist, das hoffe ich tun zu können.

Montag, 21. Juli 2014

Trotz und wegen meiner drei Kinder

Dies ist der erste Post meiner #99FragenfürEltern Challenge. Wenn du nicht weißt, worum es dabei geht, hier entlang.


Die erste Frage scheint auf den ersten Blick ganz einfach. Eine simple Entscheidungsfrage.

Geht es Ihnen gut?

Ja, es geht mir gut. Es geht mir sogar sehr gut. Und dennoch folgt an dieser Stelle ein Aber, das wundervoll zusammengefasst in diesem tweet steckt, der mir neulich über den Weg lief und ausdrückt, was mir auch schon eine Weile durch den Kopf geht.

Ich bin gern allein. Ich war schon immer gern allein und ich habe überhaupt kein Problem damit, allein zu sein. Ich habe es gern ruhig. Ich mag keine laute Musik. Musik höre ich überhaupt nur gern, wenn ich genau nur das tun kann, nämlich Musik hören. Sobald eine andere Tätigkeit dazu kommt, nervt mich Musik. Ich kann Partys nicht leiden, auf denen man sich nicht unterhalten kann, weil es so laut ist, dass man sein Gegenüber nicht hört. Ich mag Gespräche nicht, die nur dem small talk dienen und nie auch nur eine leise Chance haben, in die Tiefe zu gehen. Ich pflege nicht gern Kontakte, nur um Kontakte zu pflegen und ich kann wunderbar das ganze Wochenende mit Büchern und Kaffee auf dem Sessel verbringen, ohne das Gefühl zu haben, ich hätte was verpasst. Ich muss nicht raus und ich muss nicht dauernd was erleben. Und was ich schon überhaupt nicht muss, ist auf die Piste zu gehen.

Nun gibt es aus dieser Liste einige Dinge, die mit der Tatsache, dass ich nun, mit 34 plötzlich drei kleine Kinder habe, irgendwie kollidieren. Aber es gibt eben auch genauso viele, die ganz wunderbar von Vorteil sind. 
Allein bin ich nicht mehr viel, das stimmt. Die Kinder folgen mir aufs Klo, in die Dusche, ins Bett, in die Badewanne. Ich kann nicht allein Kaffee trinken, nicht allein essen, nicht allein lesen, nicht allein duschen und schon gar nicht allein kacken. ABER ich habe eine fantastische Ausrede, nicht mehr auf Partys zu müssen. Die Kinder, wissen Sie.....
Ich habe nur noch selten Zeit für tiefgründige Gespräche. Wenn die Kinder dabei sind, muss ich froh sein über jeden Satz, den ich beenden kann, bevor ich den Gedanken für immer verloren hab. Aber ich kann nun bei den kleinsten Anzeichen von small talk das Gespräch auf meine Kinder umlenken, und habe dann wenigstens das Gefühl, ich hätte was zu sagen. Das interessiert zwar niemanden mehr als das Wetter, aber das interessiert nun mich wieder weniger. Neulich, wissen Sie, hat mein Sohn....

Ich bin gern allein und ich habe gern viele Kinder. Ich hätte nicht gedacht, dass das zusammenpasst. Aber es passt. Und genau deshalb fällt mir die Antwort auf die Frage so leicht: JA. Es geht mir gut. Trotz und wegen meiner drei Kinder.

Eigene Gedanken - Die #99FragenfürEltern Challenge

"99 Fragen, die einen wieder auf eigene Gedanken bringen", schreibt das Nido Magazin in der Sommerausgabe und ruft Eltern dazu auf, über sich selbst nachzudenken. Ich finde nicht nur die Idee klasse, sondern auch einige der Fragen und stelle mich deshalb der Herausforderung, über meine persönlichen Antworten zu genau diesen Fragen hier auf dem Blog nachzudenken.

99 Fragen, 99 Blogeinträge. Die Fragen finden sich in der aktuellen Nido. Wer nachlesen will, kann das dort tun. Ein paar Beispielfragen finden sich auch hier.

Wer mitmachen will, einfach mit dem hashtag #99FragenfürEltern auf Twitter, bei euch auf dem Blog, oder analog im real life, wer sowas noch hat. Da geht's übrigens auch ohne hashtag.

Ich wünsche mir und euch, sollte es euch geben, viel Spaß und fange heute Abend mit der ersten Frage an, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Bis dahin kuschle ich noch ein wenig mit meinem Baby.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Alles Gute zum halben Geburtstag, liebe A.

Gestern bist du ein halbes Jahr alt geworden, liebe A. Und ich möchte dir zu deinem halben Geburtstag mit etwas Verspätung gratulieren. Nimm es mir nicht übel, dass ich das gestern nicht schon getan habe. Gestern lag ich den halben Tag mit dir herum und hab dich gestillt. Wenn es nämlich was gibt, das du gern tust, dann ist das Stillen. Morgens, mittags, abends und ganz viel dazwischen. Und in der Nacht schläfst du im großen Bett. Das Beistellbett hast du ausgewachsen, ohne je wirklich darin gelegen zu haben. So ist das manchmal, mit euch Babys.

Ansonsten
- drehst du dich um, vom Rücken auf den Bauch und vom Bauch auf dem Rücken. 
- hast in der letzten Woche zwei Zähnchen bekommen.
- isst seit zwei Wochen mittags Brei.
- Gläschenkost scheint dir nicht so zu schmecken wie mein selbstgekochter Brei.
- und satt scheinen sie dich auch nicht zu machen. Deswegen lassen wir das.
- überhaupt hast du ziemlich viel Hunger, auch noch zwei bis dreimal in der Nacht.
- du schläfst jetzt zuverlässig ein halbes Stündchen in der Früh, zwei bis drei Stunden am Nachmittag und ein halbes Stündchen am Abend.
- in der Nacht schläfst du auch manchmal.
- du wiegst 7.5 kg. Vielleicht auch schon 8. Wer weiß das schon so genau. 
- einmal hattest du bis jetzt einen Schnupfen. Ansonsten wie der berühmte Turnschuh.
- du magst es warm, aber den Schlafsack magst du nicht. Schränkt dich ein. 
- im Laufgitter liegst du gern, wie Kind P. Kind M hat es gehasst. Jetzt würde er sich gern dazulegen, aber nun darf er nicht mehr. 
- wenn die lauten Töne des Abends abklingen, weil die Jungs im Bett sind und du mich ganz für dich hast - das ist dir der liebste Moment des Tages.

Liebe A! Alles Gute zum Geburtstag.

Sonntag, 13. Juli 2014

Liebes Ministerium,

ich wende mich heute in einem offenen Brief an Sie, um meine Dankbarkeit auszudrücken. Und ich gehe gleich in medias res, wie man sich hierzulande gern ausdrückt.

Vor zwei Jahren bin ich nach Bayern gekommen, um hier meine Lehrerausbildung mit dem Referendariat abzuschließen. Ich kam mit zwei Kindern und einem Mann im Gepäck. Ich verkürzte das Referendariat auf ein Jahr und schloss mit der Note 1,3 und einem Bauchansatz (4. Schwangerschaftsmonat) im Juli 2013 ab. Weil mein Abschluss so schlecht war - zur Zeit bekommen eigentlich bei meiner Fächerkombination fast nur Kandidaten eine Stelle, die ihr Examen mit 1,0 abschließen, bekam ich nur geradeso eine Stelle im Herbst letzten Jahres. Aber ich will nicht undankbar klingen. Immerhin bekam ich eine. Ich trat sie an. Ich fuhr 25 km jeden Tag mit zwei Kindern unter drei und einem immer dicker werdenden Bauch und unterrichtete 20h in der Woche, was in etwa einer Dreiviertelstelle entspricht. Ich freute mich über die Gelegenheit und war dankbar, dass ich arbeiten durfte. Dann ging ich im November in Mutterschutz und im Februar in Elternzeit. Und da ich Beamtin bin, wurde ich mit Dokumenten konfrontiert, in denen es heißt: Auf eine Rückkehr an Ihren bisherigen Dienstort haben Sie nach der Elternzeit keinen Anspruch. Ich dachte mir nichts dabei und ignorierte fröhlich optimistisch. Im Herbst hatte ich eine Stelle, 25 km von meinem Wohnort entfernt. Das war nicht ideal. Ich konnte nicht zur ersten Stunde da sein, aber ansonsten war es machbar. Es würde nun sicher nicht schlimmer kommen. Schließlich habe ich drei Kinder, das werden sie sicher sicher bedenken. 
Ich stellte einen Versetzungsantrag und wartete. Denn mehr konnte ich eh nicht tun.

Am 4.7. hatte das Warten ein Ende. Ich bekam einen Anruf von meinem Dienstherren. Und ich finde das Wort sehr passend, denn die Nachricht, die ich erhielt, kann eigentlich nur von einem Herren stammen. Herr im Sinne von, Sie wissen schon. Es liegt mir fern, hier die Männer in den Schmutz zu ziehen. Ich bekam einen Anruf im Urlaub, an einem Freitag um 11.52 Uhr: Wir haben Ihre Zuweisung. Die Schule xy am Dienstort xy. Ich legte auf. Googelte und stellte fest: 75 km vom jetzigen Wohnort entfernt. 52 Minuten reine Zugfahrt. 50 Minuten, wenn ich auf der Autobahn schnell bin. Zu schnell darf ich allerdings nicht sein, denn dann mischt sich ein anderer Herr ein. Als ich fertig war mit Googeln, war es Freitag, 12.00 Uhr. Wie praktisch. Aber ich will das lassen mit der Ironie. Das passt nicht zu mir.

Liebes Ministerium, ich wende mich nun an Sie, obwohl ich mich gar nicht an Sie wenden darf. Ich darf mich nur an besagten Dienstherren wenden mit all meinen Belangen. Ich darf Sie nicht anrufen, ich darf Ihnen nicht schreiben und ich darf auch keine Emotionen haben gegenüber den Entscheidungen, die Sie über mein Familienleben fällen. Ich darf allein dankbar sein, dass ich die Möglichkeit habe, für meinen neuen Dienstherren in Dienst zu treten, wo auch immer dieser ist. Die Tatsache, dass mein neuer Dienstherr so weit weg ist, habe ich nicht zu bemängeln. Und wenn, dann interessiert das auch niemanden. Ich habe schließlich auch die Möglichkeit zu Hause zu bleiben. Ich kann weniger arbeiten und ich kann überhaupt nicht arbeiten. Ich habe so viele Möglichkeiten. In fact, ich habe so viele Möglichkeiten, dass mir ganz schummerig wird davon, liebes Ministerium. Ich will Sie Ihnen einmal aufzeigen:

Ich kann die Stelle am neuen Dienstort antreten und hier wohnen bleiben. Unterrichtsbeginn ist in der Regel um 8 Uhr morgens. Ich habe 20 Unterrichtsstunden, macht im Schnitt 4 Stunden pro Tag. Die Kita öffnet um 7 Uhr. Ich bin in der Woche allein mit den Kindern. Also muss ich die Kinder spätestens um 5.30 Uhr wecken, damit ich es in beide Kitas schaffe. Für mich heißt das, ich muss um 4.30 Uhr aufstehen, denn ich muss vorher fertig sein. Und dann darf keines meiner Kinder, aber auch wirklich keines auch nur irgendetwas von mir wollen, was nicht eingeplant ist. Kein Problem. Sind ja nur Kleinkinder. Um spätestens 7.30 Uhr bin ich dann fertig mit Wegbringen. Derzeit fahre ich in zwei Einrichtungen. Zwei Kleinkinder, ein Baby. Eine halbe Stunde ist knapp berechnet. Die erste Stunde ist trotz der knappen Berechnung leider schon hops, liebes Ministerium. Kein Problem, bleibt die zweite. 8.45 Uhr. Ups, das ist aber knapp. Zum Kopieren vor dem Unterricht oder auch nur zum bequemen Jacke ausziehen reicht das aber nicht. Es sei denn ich überschreite ein wenig die Geschwindigkeiten auf der Autobahn. Kein Problem, mach ich gern. Ab der dritten Stunde kann ich dann wirklich anfangen. Das ist realistisch. Rechnen wir vier Stunden pro Tag, bin ich um 13.10 Uhr in etwa fertig, wenn ich jeden Tag alle Stunden hintereinander weg habe. Wer unterrichtet, weiß, was das für eine Stundenplanillusion ist. Hinzu kommen Konferenzen, Fachsitzungen, Korrekturzeiten, Aufsichten, Vertretungsstunden. Das muss alles in die zwei Stunden zwischen 14 Uhr und Kinderabholzeit passen. Denn wenn die Kinder erstmal da sind, geht hier nichts. Abgesehen davon findet ja vieles davon in der Schule statt.
Die Kinder sind um 20 Uhr im Bett. Danach kann ich dann den Unterricht vorbereiten. Die Lebensmittel bestelle ich im Internet, oder ich esse einfach nichts. Die Kinder sind ja in der Kita versorgt. Liebes Ministerium, beim besten Willen - ich weiß nicht, wie ich 75 km mit drei Kleinkindern und den mir gegebenen Kita-Öffnungszeiten pendeln soll. Diese Möglichkeit ist also leider keine echte. 2h Fahrtzeit pro Tag sind zwei Stunden, in denen ich nicht vorbereiten, nicht arbeiten, mich nicht um meine Kinder kümmern kann. Es ist Arbeitszeit, in der ich nicht arbeite. Es ist im Grunde heiße Luft und das auch noch ziemlich schlechte, denn sie verpufft auf der Autobahn.

Nun habe ich erfahren, dass mir noch eine andere Möglichkeit bleibt. Ich kann umziehen. Das ist auch das, was eigentlich von mir verlangt wird. Hört sich aber nett an. Heute ist der 13.7. Ich habe 6 Wochen zum Umziehen. Genau sechs Wochen. Denn die restliche Zeit, die mir von den Sommerferien bleibt, bräuchte ich in diesem Fall zur Eingewöhnung von drei Kindern in der neuen Kita. Drei neue Kitaplätze, eine neue Wohnung für eine fünfköpfige Familie in einem Gebiet, wo selbst junge Singles Schwierigkeiten haben, Wohnraum zu finden, neuen Kinderarzt, usw. Wohnung hier kündigen, Kitaplätze hier kündigen (Ups, der eine hat ja eine Vertragsstrafe bei Nichtantritt. Kein Problem, zahl ich gern. Vielleicht übernehmen Sie das ja auch, liebes Ministerium.) Wohnung, kein Problem. Muss ja nur schnell einen Nachmieter finden. Und dann die Wohnung auf Vordermann bringen und schnell umziehen. Geht schon irgendwie. Die Kinder geb ich halt in die Kita. Ach ups. Das geht ja nicht, die haben ja Sommerpause. Irgendwie hab ich den Eindruck, auch diese Möglichkeit ist nicht so richtig realistisch. Aber da ist ja noch eine dritte.

Die dritte Möglichkeit gefällt mir am besten: Ich muss nicht antreten. Es ist ja sowieso besser, wenn ich zu Haus bleibe und mich ordentlich um meine Kinder kümmere, musste ich mir in letzter Zeit des Öfteren anhören. Ein halbes Jahr Elternzeit dranhängen, oder gar ganz zu Haus bleiben, ein paar Jahre halt. Bis die Kinder größer sind, vielleicht so bis zum Ende der Grundschule oder etwas länger. Mein Mann, der verdient doch ordentlich. Und bei drei Kindern, da muss sich schließlich auch einer kümmern. Um meine Rente muss sich niemand kümmern. Darum kümmern Sie sich ja, liebes Ministerium. Und wenn ich doch so sehr auf das Geld angewiesen bin (weil ich so gierig bin, nicht etwa, weil ich laufende Kosten habe, die beglichen werden wollen und weil es auch ein Leben nach der Arbeit geben soll, geben muss), kann ich ja ab Februar wieder einsteigen. Ich muss ja nur einen neuen Versetzungsantrag stellen und hoffen, dass ich wieder so ein schönes Angebot bekomme. Diesmal vielleicht neunzig Kilometer. Und diesmal ohne Sommerferien für den Umzug. 

Ich finde diese Möglichkeiten, die sich mir hier eröffnen, so wundervoll, dass ich meine Freude darüber in einem offenen Brief an Sie ausdrücken möchte. Ich möchte ausdrücken, wie froh ich bin, dass sich die intensive Arbeit im Referendariat gelohnt hat. Mein exzellenter Abschluss wird belohnt mit einer Stelle. Ich darf Geld verdienen, als Lehrerin arbeiten. Ich darf zurückgeben, was mir gegeben wurde. Ich bin glücklich. Ich bin so glücklich, dass ich es in die ganze Welt hinausschreien möchte, mein Glück. Echter Lohn für echte Arbeit. Echte Anerkennung und echte Familienfreundlichkeit. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das schreibt man in Deutschland mit großen Buchstaben. Der Staat selbst kümmert sich darum. Und weil er sich so gut kümmert, habe ich diese drei wunderbaren Möglichkeiten. Andere haben nicht mal das. Sie haben gar keine Arbeit. Ich möchte mich dafür bedanken, liebes Ministerium. Neulich, als ih mit einer entfernten Bekannten über das Versetzungsdilemma sprach (noch theoretisch - ich hatte ja keine Ahnung!), empfahl ich uns: Wir sollten doch dankbar sein. Immerhin haben wir was. Jetzt habe auch ich endlich „was". Die Dankbarkeit strömt mir aus allen Poren und ist so auf diesem Blog hier gelandet. Es tut mir furchtbar leid, dass ich den Dienstweg nicht eingehalten habe. Manchmal bin ich etwas emotional.

Freundliche Grüße

Ihre Heike

Samstag, 12. Juli 2014

12 von 12 im Juli

12 von 12. 
12 Fotos an jedem 12. eines Monats. 
Links kommen später. Geht hier grad nicht.

Für uns ist heute Abreise. Diesmal fahren wir nachts. Nach dem Debakel bei der Anreise haben wir den Tag noch bei den Großeltern rumgebracht und fahren wie sonst immer, in der Nacht. Das ist für alle Beteiligten entspannter. Selbst der Fahrer sagt das.
Heute Morgen ein letztes Mal den schönen Ausblick aus dem Ferienhaus genossen.

Danach war Packen angesagt. Die Kinder wurden mit dem kleinen Traktor unterhalten. Fernsehen können sie nun, nach zwei Wochen Urlaub. Zum Glück haben wir zu Haus keinen. Dann muss ich nichts abgewöhnen.

Das Kind, das mit dem Fernsehgerät tatsächlich immernoch nichts anfangen kann, unterhalte ich. Wir machen selfies.


Auto voll.


Seit dem Urlaub schläft die Kleine so. Hier beim kurzen Vormittagsnickerchen.


Beim Mittagsschlaf gibt es Streit um Omas Kuscheltiere. Einer der Kandidaten:

Ich habe den halben Tag versucht, Kind A zum Schlafen zu bringen. War beim Nachmittagsschlaf nur so mittelmäßig erfolgreich.


Der Opa bringt Heidelbeeren. Selbst gepflückte.

Der Opa erzählt mir von seinen neuen Errungenschaften, 1,5 Watt. Sieht aus wie n Chip statt wie ne Glühbirne.

Lieblingstasse bei der Oma. Bisschen klein. Bisschen voll.

Die Farbe schwarz macht Socken in Sandalen auch nicht stylisher. Aber is halt kalt hier. Und die Schuhe sind im Koffer.

Und nun auf der Autobahn

Donnerstag, 10. Juli 2014

Wie aus mir eine Tragemama wurde

Ich bin der Ansicht, Babys, auch wenn sie noch ganz klein sind, sind in einem Kinderwagen ganz gut aufgehoben. Ich kenne alle Argumente fürs Tragen, bin aber trotzdem nie eine richtige Tragemama gewesen für meine beiden Jungs. Ich hatte natürlich trotzdem eine Manduca und ein Didymos Tragetuch. Aber beide habe ich nur ganz sporadisch genutzt.


Nun, was soll ich sagen, manchmal ändern sich die Dinge. Es ist der 10. Juli 2014, meine Tochter ist nun fast sechs Monate alt und ich trage sie seit einer Weile nur noch herum. Warum? Nicht etwa, weil sie das möchte und die anderen beiden hatten dieses Bedürfnis nicht. Auch nicht weil ich inzwischen über noch bessere Informationen zum Tragen von Babys verfüge. Und erst recht nicht, weil ich es nun endlich richtig machen will beim dritten Kind. Nein. Ich bin für Kind A eine Tragemama einzig und allein deshalb, weil es ganz oft gar nicht anders geht. Kind P ist nun dreieinhalb Jahre alt, Kind M genau zweieinhalb. Beide fahren Laufrad, sind auch gut zu Fuß. Das Problem: Beide sind in einer lang ausgedehnten Trotzphase. Einer schlimmer als der andere. Man kann also nie wissen, wann einen der Jungen gerade eine unüberwindbare Beinschwäche überkommt. Und es ist natürlich so, dass diese Schwäche häufig relativ zügig auch den anderen befällt. Man kann das natürlich durch geduldiges Ein- und Ausatmen jedes Mal abwarten, was langfristig die bessere Strategie ist. Aber es gibt einfach Momente, in denen es schnell gehen muss. 
Außerdem stehen beide in so ausgeprägter Konkurrenz zueinander, dass sie häufig völlig rot sehen, wenn sie einen Wettkampf starten, was sich in stark vermindertem Hörvermögen äußert, welches sowieso schon nicht so dolle ist, aus verschiedenen Gründen.
Und schließlich sind beide noch klein. Ich meine, man kann nicht erwarten, dass sie immer funktionieren, so wie man das selbst gerade will. Die Notlösung für mich ist in solchen Momenten der Wagen.
Und so kommt es, dass ich neuerdings mit dem Fahrradanhänger unterwegs bin und Kind A trage. Die Jungen fahren Laufrad und wenn sie nicht mehr können, dann darf sich auch mal einer reinsetzen. Oder wenn sie zum wiederholten Male meine Verkehrserziehungshinweise ignorieren, dürfen sie sich auch mal für eine kleine Laufradpause reinsetzen. Außerdem hab ich in dem Anhänger alles, was ich sonst noch brauche: Getränke, Taschentücher, Snacks, Decken, Stoffwindeln, Wechselwäsche, und tausend andere Kleinigkeiten, die sich in seinen Untiefen ansammeln. Und was soll ich euch sagen: Meistens ist da gar kein Platz für Kind A. Also hab ich sie in der Trage und schleppe sie rum. So hab ich die Hände und den Anhänger frei für meine Trotzköpfe und sie ist nicht der Sonne ausgesetzt. Zudem hat es den Vorteil, dass sie immer zufrieden ist. So sehr, dass sie wegdöst. Kann also so falsch nicht sein, das mit dem Tragen. Die anderen beiden haben dann einfach Pech gehabt, dass sie keine zwei größeren Brüder hatten, die es offenbar brauchte, um aus mir eine Tragemama zu machen. 
Im Übrigen gebe ich an dieser Stelle Auskunft, wenn ich durchs Tragen eine verwöhnte Prinzessin aus ihr gemacht hab.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Mal wieder so ein Urlaubstag

Heute ist mal wieder so ein Urlaubstag. Das Wiedereinstellungsdrama hat Pause. Meinen Senf hab ich schriftlich eingereicht per Fax und warte nun auf den nächsten Teil. In der Zwischenzeit kann ich ja auch genauso gut Urlaub machen. Heute lief das bisher so ab:

Morgens 6.10 Uhr wunderte ich mich noch, warum sich niemand rührt. Die Jungs waren schließlich schon 20 Uhr eingeschlafen, das führt meistens zu Aufwachzeiten zwischen fünf und fünf Uhr dreißig. Aber kurze Zeit später waren alle wach und der Urlaubstag konnte beginnen.
So sah er aus:
6.45 Uhr Baby stillen. Da die Jungs schon wach sind und sie bespielen, schläft sie nicht mehr ein. Ohne Fernseher komme ich nicht aus, denn der Vorschlag der Jungs ist, mit Besen und Schrubber Gegenstände von Regalen zu holen.
7.00 Uhr Brötchen schmieren und essen. Ich verwechsele Honig mit Marmelade. Es macht sich Unzufriedenheit breit. Kind M brüllt eine Viertelstunde „N-E-I-N!!!!!" Kind P brüllt Kind M an: „Fejezd be a sírást!!" (Hör auf zu weinen!). Der Saal bebt.

Nach dem Frühstück entdecken die Jungs, dass man mit Kreide auch Wände und Möbel anmalen kann und gehen gerade zu den Außenrollos über als ich aus der Dusche komme. 
Ich habe Angst vor weiteren Zerstörungen, muss aber noch Fahrrad und Anhänger zusammen schrauben und  parke sie deshalb erneut vor dem Fernseher.
Baby A ist sehr unzufrieden mit der Gesamtsituation und ich versuche sie doch nochmal zu stillen. Vielleicht schläft sie ja. Versuch geht schief. Sie trinkt eine Weile, liegt aber danach weiter mit schlechter Laune rum. Es ist 7.45 Uhr. Ich packe die Sachen für eine einfache Radtour. Joggingrad vom Anhänger ab, Anhänger ans Rad, Geld, Handy, Schnuller, Trage...Mittendrin ruft Kind P: „Mama- Popo sauber machen!!" Als ich komme, wischt er sich gerade seinen Allerwertesten mit meinem Duschhandtuch ab, das noch auf dem Hocker im Bad lag, weil ich zuvor wegen der Kreide aus dem Bad gestürmt war. Ich interveniere, mache Popo sauber wie es sich für Popo gehört und packe weiter. 
Dann Zähneputzen für alle und anziehen. Keiner zieht sich hier alleine an. Alle strecken mir lieber ihre Hessen entgegen. Es sei denn natürlich, es ist eilig.

8.10 Uhr. Alle angezogen, nun Helm aufsetzen. Streit bricht los, wer darf oben auf den Gepäckträger, wer muss zu Kind A in den Anhänger. Unzufriedenheit again. Als ich versuche zu schlichten, misslingt dies, Kind P schubst das Fahrrad um, es fällt auf Kind M. Noch mehr Unzufriedenheit. Kind A will überhaupt nicht Fahrrad fahren, fügt sich aber. 

8.20 Uhr Abfahrt. Wir wollen zum See, Enten füttern und Brei für Kind A kaufen, weil ich hier leider nicht zum Kochen komme. Ach. Und einen Helm für Kind P.

8.25 Uhr erster Halt bei den Großeltern. Brot abholen. Das haben wir nämlich nicht. Die Kinder wollen bleiben, das geht aber nicht, weil beide gerade auf dem Weg zum Arzt sind. Wieder leichte Unzufriedenheit.

8.30 Uhr Abfahrt, alle kurz glücklich. Huiiiii, der Fahrtwind.

8.35 Uhr Ankunft Ententeich. Aus Entenfüttern wird innerhalb von sieben Minuten Entenjagen. Wir brechen ab und fahren zum Spielplatz.

9.00 Uhr Auf dem Spielplatz große Zufriedenheit. Kind A liegt im Anhänger und strahlt glücklich den Baum an und die anderen beiden toben. Ich merke, dass ich Hunger und Durst habe und dass ich auch für die Kinder bald was brauche. 


9.20 Uhr eine Kitagruppe kommt an. Meine Jungs kommen verschüchtert an: „Wolln wa losgehen?"
Also alle wieder rauf, wieder Streit wegen der Platzverteilung während ich überlege, wie ich ohne den großen Berg in die Innenstadt komme. 
Kind A schreit. Ist müde. Will schlafen. Nicht im Anhänger. Baum ist auch weg.

9.45 Uhr Fahrradladen. Wir wollen einen Helm für Kind P kaufen. Kind A kommt in die Trage. Die Jungs an die Hand. Sie wollen jedes Fahrrad im Geschäft ausprobieren. Ich habe nun keine Hand mehr frei. Kind P will den rosa Helm. Kind M will einen neuen Helm und schmeißt seinen alten in die Ecke. Die Situation eskaliert. Nein, ich brauche keine Hilfe.

Ich bitte den Fahrradladenbesitzer auf meinen Anhänger aufzupassen, während ich mit den Jungs den Brei kaufen gehe. Es ist kurz vor zehn. Wir sind im Rossmann und die Jungs schaufeln sich Apfelsaft und Müsliriegel in die Körbe. Den restlichen Ladeninhalt wollen sie auch mitnehmen, aber mit Armeeton kann ich sie davon abhalten. Sie wollen gleich trinken, gleich essen. Nicht bezahlen. Wie Kinder halt. Ich schwitze. Das siebte Mal heute. Wir gehen raus, ich kann mit Baby in der Trage nicht schnell genug Riegel auswickeln, Saft öffnen, Brei eintüten. Kind M wirft sich hin. Brüllt. Ich warte, atme ein, atme aus und ignoriere die Blicke.

Wir gehen weiter. Zum Fahrrad.
Dann merke ich, wie knalleheiß es ist und dass ich keine Sonnencreme hab. Ich steige aufs Rad und rase zurück zum Ferienhaus. Kind A schreit. Sie war in der Trage eingeschlafen. Jetzt liegt sie schon wieder in diesem dämlichen Anhänger. Und Kind M klaut ihr auch nochden Schnuller. 1 km vor dem Ferienhaus schreien alle Kinder im Anhänger. 

10.20 Uhr Ankunft Ferienhaus. Ich habe 7 km mit Anhänger in den Beinen und Kopfschmerzen. Kind A muss gestillt werden, die anderen beiden wollen weiter Wände mit Kreide bemalen. 

Elf Uhr verlassen wir das Haus, die Jungs brauchen Bewegung. Anhänger umbauen, Laufräder raus und los. Kind A schläft in der Trage. Bis 12 Uhr schlagen wir Zeit tot - ich bin im Eimer von der Radtour - und dann gehen wir essen. Na und was soll ich sagen, mit zwei kleinen Kindern und einem Baby essen gehen, da macht man selbst auch alles, bloß nicht essen.
Jetzt schlafen hier alle. Und ich wünschte ein ganz kleines bisschen, es wäre schon Nachtschlaf. Aber ich habe noch einen ganzen langen Nachmittag Urlaub!

Dienstag, 8. Juli 2014

In den Fünfzigern bin ich falsch

Heute Vormittag war ich kurz auf Zeitreise in den Fünfzigern. Und seitdem finde ich den Weg zurück in die Zukunft nicht.
„Wollen Sie nicht noch zu Hause bleiben? Verdient Ihr Mann nicht genug?" Fragen, denen ich mich heute stellen musste.
Wiedereinstellungsdrama Runde zwei.

Ich möchte arbeiten. Das Land will auch, dass ich arbeite. Am liebsten aber soll ich meine Arbeitskraft am Herd einsetzen. Da wird sie derzeit dringender benötigt. Meine Examensnote von 1,3 spiele bei der Einstellung auch keine Rolle, sagte man mir. Wie viel mein Mann verdient aber schon.

Ich bin mir der Schwierigkeit der Stellenverteilung und -organisation im Schulwesen durchaus bewusst. Aber ich glaube nicht, dass es deswegen nötig ist,  so derart in die Vergangenheit zu reisen. 

Ich möchte sie nicht hören solche Sätze.
Ich möchte mich nicht rechtfertigen müssen, dass ich arbeiten will. 
Ich möchte nicht den Ratschlag bekommen, lieber noch ein bisschen zu Haus zu bleiben und mich um meine Kinder zu kümmern. Als kümmerte ich mich nicht um sie, wenn ich arbeiten gehe.
Ich möchte auch nicht, dass man mir sagt, dass ich mit drei kleinen Kindern do ch häufig fehlen würde und dass das ein Problem sei. 
Ich möchte nicht, dass Kinder ein Problem sind. Weder für mich noch für die Gesellschaft.
Ich möchte gern arbeiten und meine Arbeitskraft ist durchaus was wert. Es geht nicht darum, mir eine Beschäftigungstherapie zu organisieren. 

Die Situation: das Arbeitsangebot steht. Ich kann es annehmen und jeden Tag 75 km (einfach) pendeln. Denn ein Umzug kommt nicht in Frage. Auf Krippenplätze meldet man sich an, wenn man schwanger ist, nicht zwei Monate vorher. Ich kann es ablehnen mit Widerspruch. Und ich kann zu Hause bleiben. 

Ich denke, das mach ich nun auch. Und ich werde die Zeit wohl nutzen, um über eine Verlagerung desselben nachzudenken. Denn in den Fünfzigern bin ich nun echt falsch.



Montag, 7. Juli 2014

Warum ich SOVIEL arbeiten will

Am Freitag habe ich Nachricht über meine Versetzung erhalten. (Für alle Nichtwissenden: als Beamtin hat man nach der Elternzeit keinen Anspruch auf die alte Stelle, man stellt nur einen Antrag und hofft). Das Angebot für mich kam nun am Freitag und besagt: 75km Schulweg ab September. Ich halte das nicht für unmöglich. Die Vergangenheit hat mir gezeigt, dass viele Dinge möglich sind, von denen man glaubt, dass sie es nicht sind. Aber ich versuche dennoch umzuorganisieren, denn ich bin der Ansicht, dass nirgendwo die Lebenszeit schneller wegrieselt als im Auto. Und im Zuge dieser Umorganisation bin ich heute als Lösungsvorschlag mal wieder gefragt worden: „Wollen Sie nicht weniger arbeiten?"
Ich will darauf mal genauer antworten.

Ich bin seit März in Elternzeit, meine Tochter ist im Januar geboren, und ich möchte nun im September wieder einsteigen in der Schule. Dazu habe ich mir überlegt, nicht mit Vollzeit weiterzumachen, sondern mit 70-80%. Denn ich bin ab jetzt allein mit den Kindern und da ist mir eine volle Stelle doch zuviel, denn ich habe neben den offiziellen Betreuungseinrichtungen und einer sehr lieben Babysitterin keine weitere Hilfe.

Weniger als 60% möchte ich aber nicht arbeiten, und 60% auch nur unter der Bedingung, dass ich den Rest der Zeit für eine eventuelle Promotion verwende.
Da ich mich aber deswegen immer mal wieder rechtfertigen muss, hier die zehn wichtigsten Gründe, warum ich SOVIEL arbeiten will.

1. Ich arbeite gern.
2. Ich bin sehr gerne Lehrerin.
3. Um den Job gut zu machen, habe ich mich immer sehr reingehängt. Ein guter Kontakt zu den Schülern macht für mich den größten Teil aus. Eine Klasse, zu der man eine gute Beziehung aufgebaut hat, reguliert sich im Grunde selbst. Je weniger Stunden ich an einer Schule habe, desto weniger bin ich Teil dieser Einheit, desto unbekannter bin ich im Kollegium und bei den Schülern. Ab einer gewissen Stundenzahl ist man höchstens noch die, die „neulich in Englisch da war" und nicht „unsere Englischlehrerin". Eine kleine Stundenzahl geht mit weniger Verantwortung, weniger Schülerkontakt, weniger Austausch und weniger Spaß einher. 
4. In der schulischen Arbeit gibt es Dinge, die sind nicht in Teilzeit zu erledigen. An Konferenzen müssen alle teilnehmen, es gibt keine Teilzeitklassenfahrten und man kann auch nicht nur die Hälfte der Zeugnisse schreiben. Eine halbe Stelle ist  leider oft nur finanziell eine halbe Stelle.
5. Ich bin 34. Bis vor kurzem habe ich im Ausland gearbeitet. Ich habe wenig für meine Rente getan. Ich habe nicht den Eindruck, dass irgendwer in naher Zukunft das für mich übernehmen möchte.
6. Ich möchte, dass meine Kinder mich als Geld verdienende Mutter erleben. Als Frau, die die Familie nicht durchs Kochen ernährt. Dafür koche ich zu schlecht.
7. Ich will Verantwortung. In jeder Firma werden die verantwortungsvollen Aufgaben denjenigen übertragen, die da sind. Ich möchte da sein. 
8. Ich möchte mich beruflich weiter entwickeln. Ob es die Promotion am Ende wird oder eine andere anspruchsvolle Tätigkeit, ist nicht so wichtig. Ich verbeiße mich nicht und bin offen für alles. Aber stehen bleiben, davor gruselt es mich etwas. 
9. Ich möchte junge Menschen begleiten. Ich möchte lehren und von ihnen lernen, ich will sie inspirieren und mich von ihnen beeindrucken lassen. Ich will sie anleiten und mich von von ihnen leiten lassen. Und am meisten will ich endlich wieder reisen. Mit Schülern. Nichts ist so spannend wie die Welt mit Schüleraugen zu entdecken. Nun. Die eigenen Kleinkindaugen sind vielleicht noch spannender, zugegeben. Aber mit einer Horde Teenager die Geschichte Berlins in den Bunkern zu entdecken hat ähnliches Spannungspotential.
10. Ich möchte Geld verdienen. Für mich, für meine Kinder, für mein/ unser Leben. 

„Würden Sie denn auch mit einer 1/3 Stelle zufrieden sein?"

Nun, diese Frage ist damit vielleicht hinreichend beantwortet. Nur erledigt hat sie sich leider für mich noch nicht.



Mittwoch, 2. Juli 2014

Erholung is anders.

Ich schrieb ja hier neulich, dass ich mich von der Anreise erholen müsste. Inzwischen weiß ich, dass ich das wohl auf nach den Urlaub verschieben muss. Denn hier gibt's alles, bloß eben keine Erholung. Ein kleiner Einblick in meinen Vormittag heute mag das ein wenig genauer zeigen.

Mein Tag begann um fünf. Ich wachte auf nach 3 x 2 Stunden Schlaf, unterbrochen von Stillphasen, von einem kreischenden Sohn. Welcher weiß ich nicht mehr. Ist auch nicht so wichtig, denn ziemlich zeitnah fing auch der andere an. Den Babyschlaf konnte ich retten, indem ich sofort aufsprang und zu den Jungs rannte. Puls sofort von 70 auf 140. Ihr kennt das.
Ich machte einen auf freundlich und sagte „Guten Morgen", da schaute ich auf die Uhr und sah, dass es fünf Uhr war. Nachdem gestern erst halb zehn Ruhe war, ging mein Puls gleich noch 20 Schläge höher und ich scheuchte die Jungs zurück, legte mich dazu und sagte „Gute Nacht!"
Kind P hatte aber schon beim Toilettengang die nächtliche Windel weggeschleudert und lag nun ohne neben mir im Bett. ‘Wollen wir wetten, dass ich nachher nasses Bettzeug hab?’, dachte ich. Ich will nicht verraten, wie es ausging. Nur soviel: Ich bin gut im Denken. 

Wir versuchten das mit dem Schlafen eine Stunde und scheiterten. Dann wachte Baby A auf. Das war das Signal für die offizielle Aufgabe. Also doch wieder „Guten Morgen!" Und aufstehen.

Ich hatte Brötchen bestellt, aber nicht bedacht, dass die zu normalmenschlichen Zeiten kommen. So warteten wir dann bis 7.56 auf's Frühstück. Kein Problem. Nur alle zwei Minuten: Frühstück essen? Frühstück essen? Frühstück? Und jetzt? Frühstück essen? MAMAAAA!!!!

Honigbrötchen waren um 8.10 verschlungen, um 8.15 Uhr setzte der Zuckerschock ein. Wer das kennt, weiß, dann muss alles ganz schnell gehen, sonst leidet die Mutter-Kind-Beziehung mächtig. Plötzlich stand ich dann auf dem Spielplatz bei 12 Grad mit einer kurzärmeligen Bluse. Ich muss sagen, ich war froh, dass mich meine Tochter in der Trage vollschwitzte.

Auf dem Spielplatz dann beide Jungs aufs Klettergerüst, rauf ging gut, runter so: „Mamaaaaa, helfen!" Ich saß aber stillend auf der Sonnenliege rum, denn Kind A kann mit Honigbrötchen noch nicht so. Also aufstehen, dem Sohn helfen, wieder hinsetzen, die Tochter anlegen, da klettert der wieder rauf: „Mamaaaa, helfen!!"
Spielplatzbesuch beenden, Spazieren zum See, eine Schwanfamilie vor meinen kreischenden Söhnen beschützen. Nach Hause, Spielzeug auspacken. 

Danach alle zwei Sekunden: „Mamaaaa, Wo is mein Ball???" Ich habe das Spielzeug als Kind geliebt. Heute habe ich es hassen gelernt.
Dann Kind füttern, weiter Bälle suchen.
Mittagessen zusammenrühren, verfüttern,    alle bettfertig machen und dann die größte aller Künste: die Jungs in ihrem Zimmer zum Schlafen anhalten: „Jetzt schlaft endlich, ihr Banditen!!!" Und die Kleine gleichzeitig in dem anderen Zimmer einschlafstillen. In zwei Zimmern gleichzeitig kann ich.
Jetzt schlafen überraschenderweise alle.

Unsere Bilanz:
Verloren:       1 Schaufel, 1 Harke, 1 Ball

Verschmutzt: 5 Windeln, 3 Hosen, zwei T-shirts, 2 Paar Socken, 3 Lätzchen, zwei Handtücher, 1 Küche, 1 Flur

Vergeigt:        1 harmonisches Frühstück („Mamaaa, ich will links!!! Mama, das is nicht das linke Brötchen!!!!")

Verhauen:       Dreimal haben sich die        Jungs gegenseitig und einmal haben sie zusammen einen anderen Jungen verhauen.

Verrannt:       Pädagogisch habe ich mich heute wieder mehrfach verrannt. Und es ist noch nicht mal zwei. 


Um den Vormittag in Kinderbuchsprech zusammenzufassen: Ohjemine.