Mittwoch, 24. September 2014

Wie gut sind unsere Lehrer? Besser als so manche Dokumentation!

Ich bin ein Fan von Dokumentationen und von Experimenten. Und wenn es um Lehrer geht, kann ich einfach nicht wegschauen.

ZDFzeit versprach aufzuklären, (hier geht's zur Doku) wie gut unsere Lehrer sind, mit einem "bislang im Fernsehen einmaligen Experiment." Wenn ich solche Superlative lese, schalte ich normalerweise direkt ab. Ich hätte es auch tun sollen.

Das einmalige Experiment, liebes ZDF, hat sicher viel Geld gekostet. Und viel Zeit. Aber leider sieht es auf der Ergebnisseite mal wieder schlecht aus, wie fast immer, wenn es um Lehrer geht. Eine Dokumentation misst man an dem, was sie dokumentiert. Was habt ihr da jetzt eigentlich dokumentieren wollen: Gute oder schlechte Lehrer? Einen schlechten, eine gute? Oder andersherum? Den Stress, den Lehrer haben? Habt ihr mit Absicht ein Mittelschichtsgymnasium ausgewählt, um nicht mit Rütli-Schul-Dokus in einen Topf geschmissen zu werden? Oder um zu zeigen, dass es auch die armen Gymnasiallehrer nicht leicht haben? Die haben es nicht leichter, keine Frage. Aber die Dokumentation krankt an dem Versuch, den Stress von Lehrern in Dezibel messen zu wollen.  

Und genau das ist das Problem der gesamten Dokumentation. Man kann den Stress einzelner Pädagogen in Dezibel messen, den anderer wiederum in Korrekturzeiten. Wieder anderen bedeutet die Beziehungsarbeit, beziehungsweise Herausforderungen wie Inklusion oder Integration den meisten Stress. Das Problem ist aber nicht, dass Lehrer in Deutschland Stress haben, sondern dass sie dies immerzu beweisen müssen. Keine andere Berufsgruppe in Deutschland muss so häufig und wiederkehrend unter Beweis stellen, dass sie "in echt schuftet" und nicht nur die Füße hochlegt, wenn die letzte Stunde zu Ende ist oder gar vorher.
Die Infografik vergleicht Lehrerarbeitsstunden in Europa.
Nicht fauler als andere (Lehrer) also, unsere Lehrer.
Da äußert sich ein Ingo Naujoks über Lehrer, die doch bitte vor dem Burnout "die Notbremse ziehen sollen und sich einen anderen Beruf suchen". Da wird ein Sportlehrer lächerlich gemacht, weil er mit dem Handy in der Turnhalle die Dezibel misst und auf die eigentlichen Lautstärkeprobleme in Schulen nur im Nebensatz eingegangen wird. Da zeigen Herr Precht und Herr Möller mal wieder auf die bösen Beamten, die "auf ein ruhiges, geordnetes, überschaubares Leben hoffen" und allein deshalb ihren Beruf ausgewählt haben. 
Da wird mal wieder ein Lehrer beim Fingerzeig beobachtet:  "Die Grundlage für die Erziehungsarbeit, die wir hier in der Schule leisten, sollte im Elternhaus gelegt werden!" Und als Verstärkung darf Ingo Naujoks betonen, dass die Kinder ja heute nicht mal mehr zu Hause lernten, dass man Guten Tag sagt.

So wird mal wieder nicht dokumentiert, wie gut unsere Lehrer sind, sondern wie schlecht sie sind. Und das mit Unterstützung von Eltern, Bildungsexperten und sogenannten Bildungsexperten und nicht zuletzt zwei Lehrern selbst. Da Dokumentationen des Lehrerberufs in Deutschland häufig so ausgehen, kann ich sie nur verstehen, die Lehrer und Lehrerinnen, wenn sie sich nicht gern in die Klassenzimmer schauen lassen. 

Montag, 22. September 2014

Montage - früher und heute

Ich wollte den ganzen Tag irgendwas bloggen. Aber hier herrscht Montagsblues. Hatte ich früher nicht. Fand ich auch ziemlich furchtbar, wenn andere das hatten.

Früher hab ich mich auf Montag gefreut, weil

ich mich am Wochenende so erholt habe, dass ich wieder richtig Lust aufs Arbeiten hatte. 

ich am Wochenende so richtig abschalten konnte und es genoss, den Einschaltknopf am Sonntag 
Abend zu bedienen, indem ich mich auf die Arbeit am nächsten Tag vorbereitete. 

ich in den meisten Fällen freitags die Arbeit so verlassen habe, dass ich am Montag ruhigen Gewissens in die neue Woche starten konnte

ein Wochenende früher sich nicht so gravierend von den Wochentagen unterschied (in Bezug auf die eheliche Gemeinschaft)

sich meine Wochentage nicht so massiv von denen des Mannes unterschieden (er arbeitet, ich sauge nicht Staub)


Heute kann ich Montage nicht ausstehen, weil 

der Mann mich entweder schon am Sonntag Abend oder Montag sehr früh, meistens noch vor dem Aufstehen verlässt, um eine Arbeitswoche fern der Heimat zu starten

ich jeden Montag mit den Kindern allein bleibe (die sind schon ok, es liegt an mir, nicht an ihnen!)

ich mit Kindern allein bleibe, die ihren Vater vermissen und mir das auch deutlich zeigen, indem sie mich morgens begrüßen mit "Papa? Arbeiten?!"

ich mindestens bis Mittwoch brauche, um mich mit den Kindern wieder so in meinem Rhythmus einzufinden, wie er war, bevor am Freitag der Papa hier reinrauschte

ich für die Kinder nicht Mama UND Papa sein kann und deswegen die Wochentage zwangsläufig weniger Spaß machen als das Wochenende

ich selbst den Papa/Mann/Geliebten vermisse und meine schlechte Laune nicht mal an ihm auslassen kann, beziehungsweise das per Skype einfach nicht so viel Spaß macht


Wenn ihr mich also in Zukunft an einem Montag seht/trefft/hört, macht einfach einen Bogen um mich. Gespräche sind an diesen Tagen weder für euch noch für mich fruchtbringend. 


Freitag, 19. September 2014

Du und ich - nur wir zwei

Im Sommer hatte ich viel Zeit. Viel Zeit zum Nachdenken und viel Zeit mit den Kindern. Und ich hatte eine Idee: Ich will noch mehr Zeit mit ihnen verbringen. Zeit, in der wir nicht alle zusammen sind, sondern Momente, in denen nur (m)ein Kind und ich zählen. Ein Kind und ich. Nicht drei. Denn so schön sie ist, die Großfamilie, es gibt Momente, da will jede(r) den anderen einfach nur für sich allein haben. Diese Momente sind in unserer Familie rar. Wir sind nun mal fünf und wir sind gerne fünf. Deswegen habe ich mir nun vorgenommen, sie fest einzuplanen. Damit wir alle zu unseren Einzelmomenten kommen.

Du und ich - nur wir zwei



Für die nun kommenden Monate habe ich mir deshalb vorgenommen, immer mal eins von drei Kindern aus der Betreuung zu nehmen und die Zeit zwischen 9-15 Uhr nur mit ihm/ihr zu verbringen. So kann ich viele Dinge unternehmen, die mir sonst mit drei kleinen Kindern unmöglich sind, beziehungsweise unmöglich erscheinen und die ich mir deshalb auch nie vornehme. Ich freue mich sehr darauf und habe schon viele, viele Pläne.

Heute ist mein Großer zu Hause. Er wird im November vier und schaut sich wahnsinnig gern Bücher an. Wir haben deshalb eine ziemlich große Kinderbibliothek zu Hause. Und auch wenn ich gerne Bücher kaufe, ist es mir wichtig, dass die Kinder die Bibliothek kennen lernen und lieben. Deshalb war ich heute mit ihm das erste Mal in der Stadtbücherei. Wir haben einen großen Stapel Bücher mitgenommen und er hat die nigelnagelneue Kinderecke ausgiebig bespielt. Die ist aber auch ein Traum. 

Vorher waren wir im Stadtpark und haben Blätter den Wasserfall heruntergeschickt. Das war der wohl schönste Moment des Vormittags für P.


Du schläft jetzt. Und ich blogge.
Danach ist unsere Zeit schon fast um und wir holen die anderen Dus. Es war ein schöner erster "Du und ich"-Tag.

Was ich mir noch so vornehme:
Ins Schwimmbad gehen
Radfahren lehren
Rollschuhfahren 
an der Donau entlang spazieren
die Tierfarm besuchen 
Sandburgen bauen 
echten Kuchen backen 
Eisenbahn fahren

Gleich sind wir wieder zu viert. Das hört sich schön an nach einem Vormittag zu zweit. Noch schöner allerdings wird's heut Abend. Da sind wir endlich mal wieder fünf. Mir hat der Vormittag so gut gefallen, dass ich mir am Montag vielleicht gleich wieder ein Kind schnappe. Aber diesmal natürlich ein anderes. Sind ja genug da.



Für ein Wunschkind bis nach Indien

Wie weit würdest du gehen für ein Wunschkind? Diese Frage stellt sich Monsoon Baby, ein Film, der  Mittwoch im Ersten lief und den ich mir gestern im Stream angeschaut habe. 

Ein Film, der mich berührt hat, weil die Geschichte berührt. Ein Paar, das alles, was die heutige Reproduktionsmedizin ermöglicht, versucht hat, um eigene Kinder zu bekommen und scheitert. Und deshalb den Weg nach Indien geht, weil es seine letzte Chance in der Leihmutterschaft sieht. Shanti, eine Frau, die ihrem Sohn mit Hilfe des Geldes ein besseres Leben schenken will, soll das Wunschkind gebären, das in Ninas Bauch nicht wachsen will. Alle lassen sich darauf ein, aber es ist ein Kraftakt mit ungewissem Ausgang für alle. 

Den berührendsten Moment hatte der Film für mich als eine andere Leihmutter ein Kind für ein französisches Paar zur Welt bringt. Die Mutter bekommt das Kind. Das Paar freut sich - zugegebenermaßen etwas hölzern, aber vielleicht so gewollt. Die Leihmutter schaut ins Leere. Ich kann nur erahnen, wie sich das anfühlt. In Wirklichkeit kann ich nicht mal das. 

Was ich aber ganz gut kann, ist, mich in die Rolle der Eltern hineinzuversetzen. Drei Jahre hat es gedauert, bis ich das erste Mal schwanger wurde. Schwanger werden war für mich immer ganz einfach in der Theorie. Niemand verhütet und dann wird frau schwanger. So einfach war es für uns dann aber doch nicht. Nach anderthalb Jahren mit dieser Methode saßen wir deshalb in einer Reproduktionsklinik in Budapest und informierten uns. 
"Ein Jahr nicht schwanger werden, das heißt Unfruchtbarkeit.", hallte es in unseren Ohren. "Wir wissen nicht, wo das Problem liegt, aber wir können es herausfinden." Große Teile dieses Gesprächs, das weiß ich noch, nahm ich nicht wahr. Ich hörte nur Problem, unfruchtbar, künstliche Befruchtung, Hormonbehandlung. Diese Wörter klangen für mich hölzern und ich konnte mit ihnen nichts anfangen. Wir verließen die Klinik. Noch im Auto führten der Mann und ich ein langes Gespräch. Wir würden warten. Wir würden hoffen. Wir würden weiter versuchen.
Und wir hatten Glück. Es klappte. Und dann klappte es auf einmal so gut, dass wir plötzlich hier zu fünft sind und gar nicht genau wissen, wie das eigentlich passiert ist. Für dieses Glück bin ich sehr dankbar. Denn ich weiß nicht, welchen Weg wir gegangen wären. Bis nach Indien, soviel weiß ich allerdings, hätte uns der Weg nicht geführt. Auch deshalb war die Geschichte trotz teilweise sehr  hölzerner Schauspielerei sehr berührend. Denn den Wunsch kann ich so sehr nachvollziehen. 

Donnerstag, 18. September 2014

Lieder über Fäkalien

Ich möchte die Geschichte dieses Tweets


kurz erzählen. Also lasst mich.

Gestern Abend stand P bei der allabendlichen Hygienerunde (Ausgerechnet!) plötzlich im Bad und sang ein Lied, das ich nicht kannte: "Scheiße, Kacka, Scheiße, Kacka, Scheiße, Kacka..." Die restlichen Strophen möchte ich euch lieber ersparen, denn der Text variierte nicht besonders. 
Meine erste natürliche Reaktion als Mutter: 'Scheiße, wo hat er das denn her?' Aber ich kam schnell drauf: Aus dem Kindergarten. Woher auch sonst.
Aus dem Kindergarten kommen alle bösen Wörter, die die Kinder lernen. Das haben wissenschaftliche Studien bewiesen und überhaupt. Ich sage nie Scheiße. Erst recht nicht seit ich Kinder habe. Da bin ich viel kreativer geworden. Ich sage Sachen wie "Verflixter Mist", "Verdammte Hühnerkacke" "Sch.....au mich nicht so an!" und andere Schönheiten. Aber Scheiße? Wer sagt sowas?  
Das bringen die Kinder doch aus dem Kindergarten nach Hause und unterlegen es dann noch mit einer Melodie. 
Und ich? Was tat ich? Ich wollte rufen! "Nein!! Das sagt man nicht, das macht man nicht!" und dann biss ich mir auf die Zunge und mir fiel ein: 'Halt! Soll man das nicht ignorieren? Irgendwo hab ich gelesen, dass die Kinder dann von selbst damit aufhören.' Also ignorierte ich, biss mir auf die Zunge und sagte nichts, während das Kind immer weiter fröhlich Kacka ihr wisst schon sang. Inzwischen stimmte das zweite Kind ein und ich überlegte, was ich in der Schule bei sowas mache. Alles wurde nebelig. Warum fiel mir nichts ein? Dann kam die Erinnerung: Meine Schüler_innen sagen ja sowas nicht. Ich habe ja diese Aura. (In Wirklichkeit sind die halt viel kreativer.)
Das Kind sang immer lauter und fröhlicher und ich stand dabei. Einen kurzen Augenblick überlegte ich, die Strophe zu erweitern und ihn damit in die Kita zurückzuschicken. Die würden das schon regeln. Schließlich haben sie das auch angezettelt. Irgendwann hörte das Kind einfach von alleine auf. Puuh. Für den Moment gerettet. 
Später googelte ich. Aber selbst google sagt nicht Scheiße. Ist doch Hühnerkacke. Wo finde ich jetzt Hilfe. Ob Jesper Juul ein Kapitel über Fäkalien hat? 


Ich gab mich dann zufrieden und nahm die Schimpfwörter als Notlösung. Der erste Rat, den ich fand, lautete: Gelassen bleiben. Ich klopfte mir zufrieden auf die Schulter und ging ins Bett. Wenn ich eins gewesen war, dann gelassen, zumindest nach außen. Verflixte Hühnerkacke war ich gelassen.


Mittwoch, 17. September 2014

Wörter sind manchmal stärker als ich

Neulich schrieb ich an anderer Stelle über Sätze aus der Kindheit, die sich in meine Erziehung geschlichen haben, obwohl ich sie gar nicht mag. Nicht nur die eigene Kindheit schleicht sich jedoch in den aktiven Sprachschatz hinein. Vorzugsweise sind es die Kinder selbst.
Seit ich Kinder habe, sage ich reihenweise Wörter, die sich in meinem Mund anfühlen wie Lakritzschokolade. Irgendwie fremd. Irgendwie unangenehm. Und doch...
Ich, das Opfer, kann mich dagegen nicht mal wehren. Ich könnte sicher. Aber ich schaffe es nicht. Die Wörter sind zu stark. Sie sind überall. Und sie sind stärker als ich.

Hier die 3 stärksten Exemplare:

Ojemine 
Ein Wort, das sich aus einem Kinderbuch in unseren aktiven Wortschatz geschlichen hat. Es wurde dort verwendet im Zusammenhang mit Krachbumm und Pardauz. Zur Erklärung: Es handelt sich dabei um ein japanisches Kinderbuch in der Übersetzung. Ein paar Eichhörnchen fahren mit dem Schlitten den Berg hinunter und stürzen. Das kann schon mal krachbumm machen. Und Ojemine reimt sich halt auf Schnee. Die Verwendung dieser leicht angestaubten Wortkonstrukte in diesem Kontext erklärt sich also von selbst. Nachdem mein Großer das Wort dann aber irgendwann in einer Situation völlig fern von Eichhörnchen und jeglichem Schnee verwendet hat und ich ob seines Gebrauchs sehr schmunzeln musste, hat sich das Wort in unseren aktiven Alltagswortschatz eingeschlichen. 
Kakao ausgeschüttet? Ojemine! 
Schon ins Bett? Ojemine!
Heute wieder Kindergarten? Oh-jaaaa-mine.

fei
Ich bin Brandenburgerin. Wer nicht weiß, was das ist, kann sich hier informieren. Das Wort fei ist für mich kein Wort. Da fehlt einfach ein Buchstabe oder gegebenenfalls sehr viele Buchstaben, damit hinter der Buchstabenkombination für mich auch ein Sinn erscheint. Mein Sohn allerdings, der kam irgendwann in die Kita. Die bayerische Kita. Und sagt deshalb nun häufig Sachen wie: "Das könn ma fei machen." "Da kann ich fei nichts für." "Des darf moa fei net mocha!" Ich höre diese Wortschönheit inzwischen so oft, dass die Fremdheit anfängt sich aufzulösen. 
Gestern ertappte ich mich das erste Mal in der aktiven Verwendung. "Das is fei blöd, wenn du mich haust!" und der Sohn: "I hab fei net gehoa!" Na gut. Des war jetzt fei erfunden.

tun
Wem die Verwendung des Verbs tun Ohrenschmerzen bereitet, der/die sollte fei (Ojemine!) über das Kinderkriegen nochmal nachdenken. Denn die ersten Elternjahre sind voll mit Ohrenschmerzen. "Das könn ma jetzt wegtun!" "Kannst du das Papier raustun?" "Tu mal deine Sachen in die Schublade!" Alles noch halbwegs korrekte Verwendungen. Aber bei der Häufigkeit des Auftritts dieses vermaledeiten Verbs wundert es mich überhaupt nicht, dass die Kinder irgendwann Sätze konstruieren wie: "Tun wir noch vorlesen?" Seit ich Kinder habe, mache ich fast gar nichts mehr. Ich tue. Und manchmal tun mir davon ziemlich die Ohren wehtun.

Montag, 15. September 2014

Ich vermisse mein Baby

Heute Morgen war die Eingewöhnung von Kind A in der Krippe zu Ende. 
Das Ende kam sehr ruppig. Wie ich eben manchmal so bin. 

Ich stand ganz gemütlich viertel vor neun heute Morgen mit Kind A und Kind M an der Krippengruppentür und warf dann ganz lässig in die Runde: "So dann bis heut Nachmittag um drei!", denn irgendwie war ich mir nicht sicher, ob das nun die Uhrzeit sein sollte/durfte, an der ich meine Tochter abholen sollte/durfte. 
Am Freitag durfte sie bis zum Mittagessen bleiben und ich durfte gehen. Ich sage durfte, weil es ganz klar die Vorstellungen der Erzieherinnen sind, die das festlegen. Meine Kleine hatte null Probleme mit der Eingewöhnung. Ich saß vorher drei Tage lang auf dem Flur herum und twitterte mir die Finger wund. Aber gebraucht hat mein Baby mich nicht. Und wenn dann jedenfalls nicht auf dem Krippenflur. Denn erstens ist sie es durch vier Wochen bei Oma und Opa gewohnt, in anderen Händen zu sein und zweitens ist sie zu klein für echte Eingewöhnungsprobleme. 

Zurück zum ruppigen Ende aber. Die Antwort auf meine Verabschiedung kam prompt: 

Sie so: Entsetzte Blicke und ein "Aber nein, heute nur bis 14 Uhr!" 
(Kind M muss ich übrigens um 15 Uhr holen. Es macht sehr viel Sinn, das eine Kind um 14 Uhr und dann eine Stunde später mit dem einen Kind zurückzulatschen, um das andere Kind zu holen.) 

Ich so: Nein, das geht aber nicht. Wir haben am Freitag gesagt, dass sie heut voll bleiben kann und ich habe jetzt schon Termine und.....(ich habe sehr schnell und sehr hektisch geredet, um mein Stresslevel, die Überraschung und mein Entsetzen glaubwürdig rüberzubringen!). 

Sie so: Na, aber wir machen das immer gestaffelt. Heute wäre nur bis 14 Uhr und erst wenn das klappt, dann kann sie bis 15 Uhr bleiben! 

Ich so: Aber ich hab doch jetzt schon Termine und das hab ich am Freitag anders verstanden und...(noch mehr Hektik und ein wenig Schnappatmung, das zieht!)

Sie so: Achso? Haben Sie jetzt schon Termine? 

Ich so: Naja! Genau. Termine! (Letzteres betont und gestresst in die Gegend gekuckt.)

Sie so: Aber erreichbar sind Sie dann?

Ich so: Na klar bin ich erreichbar! Ich bin immer erreichbar! Aber was soll schon passieren? Was nicht vorher auch passieren kann? 

Sie: Ähm, naja, nichts. Aber wissen Sie, wir machen das doch immer so gestaffelt. Aber gut. Wenn Sie erreichbar sind. 

Ich so: Genau. So machen wir das. Danke. (Schnell losgehen, bevor sie es sich anders überlegen.)

Das war mein ruppiges Eingwöhnungsende. Das Kind, da gehe ich jede Wette ein, macht sowieso von 12.00 bis 14.30 Uhr Mittagsschlaf. Und ich habe leider keinen einzigen Termin.

Ich habe zwei Maschinen gewaschen und aufgehängt, die Küche gemacht, war Einkaufen, war im Buchladen und bin auch sonst nur rumgehetzt, aber nur, weil ich Angst habe, mich hinzusetzen. Jetzt mache ich mir gleich Mittagessen und habe es doch getan. Da überkommt es mich: Ich vermisse mein Baby. Ob ich sie doch um 14 Uhr hole? Sie fehlt mir so.

Sonntag, 14. September 2014

Real Life und Twitter mischt man nicht. Oder doch?

Real Life und Twitter mischt man nicht, hab ich irgendwo gelesen. Wahrscheinlich auf Twitter. Gestern hab ich's dennoch getan. Und es hat mir gut geschmeckt.

Vor ein paar Wochen saß eine von uns allein zu Haus und trank Lillet mit Tonic Water. Da sagte die eine: Ich helf dir gern. Und die andere: Kenn ich gar ncht. Und schon war die Idee zum Treffen geboren. Da alle gern laufen, trafen wir uns dann gestern zum Craft Women's Run in München. 

Ich bin nicht mitgelaufen, weil ich meinem Körper noch etwas Erholung gönne. Nach der Geburt gleich wieder losstarten, das überlasse ich inzwischen gerne anderen. Aber da der Lauf selbst ja wahnsinnig schnell zu Ende ist, war's für mich deswegen nicht weniger spannend.

Zum Lauf selbst gibt's für mich nicht viel zu sagen. Heike Drechsler war dabei und sie hat immernoch die gleiche Frisur wie vor gefühlten bzw tatsächlichen 20 Jahren. Auf dem Gelände wurde für Waschmittel, Shampoo und Scheidenpilzmittel geworben und frau konnte sich vor dem Lauf auch gern nochmal schminken lassen. Ich hab das nicht gemacht, ich wollte nicht, dass es verläuft.

Ich war noch nie bei so einem Event. Die schießen ja aus dem Boden wie die Pilze. Pun intended. Frauenlauf, Legionslauf, Farbenlauf, Powerlauf und wie sie alle heißen. Was mich vor allem beeindruckt hat, war die wahnsinnige Anzahl sportlicher, gesund aussehender, strahlender, glücklicher Frauen. Selbstbewusst, mutig und präsent. In nahezu jeder Altersklasse. Deswegen sind diese Events wichtig. Auch wenn die T-shirts Größe 38 dort als L verkauft werden und der Ansager über deren Brombeerton spricht, als müsste das wichtig sein. Ist ja schließlich ein Frauenlauf. Frauen, die sich treffen, und gemeinsam Sport machen. Laufsport. Da kann man den Rest auch mal ignorieren.

Und sonst?
Es gab Lillet, Spaghetti Bolognese und Kuchen und nicht abklingen wollende Gespräche. Einblicke in unterschiedliche Lebenswelten, Gedankenaustausch mit Aha-Effekten und Oh, was echt?-Reaktionen. Eine von uns war die Mutigste. Sie hat uns in ihr Innerstes gelassen, ihr Heim. Das hätte mir große Angst gemacht. Das Vertrauen ehrt mich.
Und es war schön in diesem Heim. 

Liebe Twitterinnen, es war ein spannender Tag und ich danke euch! Bis bald mal wieder vielleicht. An gleicher oder anderer Stelle. Bis dahin hab ich dann vielleicht auch Laufsachen. 

Freitag, 12. September 2014

12 von 12 im September

Den Tag heute wollte ich eigentlich reklamieren und ich glaube ich kenne da noch einen. Aber morgen. Morgen. Da geht's los. Da hab ich ein Blind Date mit einer ganzen Handvoll Twitterinnen.  Und ich bin schon ganz hibbelig. Was das wohl wird?

Aber nun zu heute:
1. Der Tag fing mit einer chaotischen Küche an. Furchtbar. 


2. Und ging weiter mit einem chaotischen Wohnzimmer. Furchtbar hoch zwei.


3. Und dann musste ich auch noch zum Arzt. Zum Glück nur mit zweien.


4. Allerdings schüttete es aus Eimern. Und ich hatte nur einen Regenschirm. Es gab Dramen.


5. Heute war die Eingewöhnung von Kind A zu Ende. Ich durfte zwei Stunden ohne Kind nach Hause. Es reichte für ein Kaffee-Wurstbrot-Frühstück. Danach musste ich schon wieder raus ins Nasse.


6. Mittags hab ich dann beide geholt. Kind M wollte spielen. In der Kiste.


7. Achtung! Brust.



8. Am Nachmittag hab ich die zweite Portion Krippenfutter für Kind A gekocht. Kürbis-Couscous mit Tahin. Vegetarisch und super lecker.


9. Abends kochte dann der nächste Brei. Den essen hier alle gern. Grießbrei.


10. Kind A lag herum.


11. P und M kuckten G. Grüffelo. Den Film finde ich toll.



12. Und ich kochte nach dem Grießbrei Linsensuppe für morgen Mittag. Denn da bin ich schon nicht mehr hier. Sondern in München. Und da müssen meine Männer ja was futtern. Der Pudding soll morgen früh in den Kuchen kommen. Wenn ich die Energie dafür noch irgendwo finde.


Das war mein 12 von 12. Die Fotos sind für ein Fotoprojekt eigentlich peinlich. Aber mir ist ja nicht so viel peinlich.

Mehr von 12 von 12 gibt's hier.

Donnerstag, 11. September 2014

Sätze aus meiner Kindheit

79. Welchen Erziehungssatz Ihrer Eltern mochten Sie nie und haben ihn trotzdem den eigenen Kindern gesagt?

Zuallererst möchte ich diese Frage gern modifizieren. Das gehört sich nicht, das stimmt. Aber ich habe nun schon 1/9 aller Fragen beantwortet und erlaube mir das einfach. Ich möchte erzählen, welche (Erziehungs-)Sätze meiner Kindheit ich nie mochte und trotzdem meinen Kindern gesagt habe. Denn ich könnte nicht schwören, wo ich diese oder jene Sätze herhabe.

"Jetzt ist aber Schluss mit lustig."
Der Einsatz dieser Satzschönheit darf nicht zu schnell erfolgen, sonst lutscht sich der Effekt ab und dann ist es meistens nach dem Schluss mit lustig doch noch ne ganze Weile lustig. Ich habe in dieser Hinsicht alles falsch gemacht. Denn die Kinder schmettern mir den Satz inzwischen selbst in allen möglichen Situationen entgegen und da frage ich mich, ob der eigentlich irgendwelche echten Effekte hat außer Traditionsbewahrung? Lustig ist es allemal, den Satz von den Kindern zurückzuhören.

"Freund Blase"
Das ist so ein Satz, den ich in der Grundschule dauernd hörte und ein absoluter Klassiker unter den Sätzen, die man aus seiner Kindheit in die Erziehung schleppt, ohne eigentlich zu merken, was man da redet. Denn ich wusste überhaupt nicht warum man das sagt. Ich kann mich erinnern an einen Schulkameraden, der einen ähnlichen Nachnamen hatte und hatte die Verwendung dieses Satzes im Nachhinein immer in diesen Zusammenhang gesetzt. Der Junge hat ihn auch - welch Zufall - nicht selten gehört. Aber der Ausdruck stammt in Wirklichkeit aus einem russischen Zeichentrickfilm ("Die drei Holzfäller"), bei dem eine Figur eine freche Blase ist. "Freund Blase" wird mit entsprechender Stimmlage gebraucht, wenn jemand zum letzten Mal ermahnt werden soll. Ein echter Sprachschatz der Historischen Jungenpädagogik.

"Das kann doch wohl nicht wahr sein!"
Bei diesem Satz beiße ich mir inzwischen auf die Lippen. Denn einmal losgelassen, hat der sich völlig verselbstständigt. Mein Söhne verwenden den nun in allen möglichen Situationen, um sich gegenseitig zu ermahnen. Auch Kombinationen mit obenstehenden nicht ausgeschlossen: "Das darf doch nicht wahr sein, Freund Blase! Jetzt ist aber Schluss mit lustig!" Wie oben. Keine nachhaltigen Effekte. Vor dem Einsatz kann nur gewarnt werden.

"Ich zähle bis drei."
Der absolute Klassiker aus der Kindheit. Aus vielen Kindheiten. Auch häufig im Einsatz bei anderen Müttern erlebt, deren Kinder allerspätestens bei zweieinhalb mit Schmollmund zu ihrer jeweiligen Aufgabe schlurften, und auch deswegen dann gleich zu Hause ausprobiert. Bei meinen Kindern könnte ich allerdings bis 198 zählen. Die zählen dann mit. Ich weiß auch nie, was bei drei passieren soll, wenn das Kind nicht folgsam ist. Bisher ist nie was passiert, was dazu geführt hätte, dass die Kinder die drei als Freund Blase wahrnehmen. 

"Wer will, wer will, der kriegt was auf die Brill."
Ohje. Ein schlimmes Konstrukt eigentlich. Aber der Reim ist doch so schön. Als mir der Satz zum ersten und letzten Mal rausrutschte, hat ihn sich mein Sohn sofort gemerkt. Seitdem lösen wir das anders. Deswegen hat der Satz "Das macht/darf/sagt man nicht" hier Hochkonjunktur. Wenig kreativ vielleicht. Gefällt mir aber besser als das mit der Brille. Trotz des Reimes. "Ich will" ist hier allerdings genauso unbeliebt wie damals. In Krippe und Kita nur leider akzeptierter Standard, wie ich es gerade in der Eingewöhnung erlebe. Um so wichtiger, dass der Satz in die Schublade fliegt, sonst haut ihn noch einer meiner Jungs den Erzieherinnen um die Ohren. 

"Jetzt mach einfach."
Das ist ja kein richtiger Erziehungssatz. Aber den wollte ich hier unbedingt mit aufnehmen. Im Grunde ist das überhaupt kein Satz. Das ist Sprachschrott, den ich zu meinen Kindern manchmal sage, wenn mich die Ungeduld packt. Als ich ihn das erste Mal von meinem Sohn hörte - ich sollte mich zu ihm aufs Sofa setzen und sagte, ich hätte keine Zeit, ich müsste die Küche aufräumen, "jetzt setz dich EINFACH hin Mama! Mach einfach!" - da wurde mir klar, dass viele viele Dinge nicht so einfach sind, wie sie im ersten Augenblick erscheinen. Und das ein solcher Satz wohl überlegt sein sollte. Bei mir setzt bloß manchmal die Überlegung erst hinterher ein. Nunja.

So sind viele der Sätze, die wir unseren Kindern entgegen schleudern, vielleicht unüberlegt. Woher sie kommen, weiß man nicht immer genau. Kann nicht schaden, ab und zu darüber nachzudenken. Über die Sätze selbst. Und über ihre Herkunft.

Dies ist ein Post meiner #99FragenfürEltern Challenge. Wenn du nicht weißt, worum es dabei geht, hier entlang.

Mittwoch, 10. September 2014

Ich bin dann mal in der Küche

Nächste Woche beginnt hier die Schule. Ohne mich. Was für ein Gefühl das ist, bin ich gefragt worden. Ob ich eher traurig oder doch ein bisschen froh bin. Nun, von beidem ein bisschen.

Traurig bin ich, 
denn ich hätte gerne gearbeitet. Verdammt gern. An einer Schule, die mich braucht. Mit Schülern, die mich brauchen. Es scheint, als wäre ich dafür zur falschen Zeit am falschen Ort. Leider kann ich mit drei kleinen Kindern aber auch nicht mal eben an den nächsten Ort springen. Und so warte ich auf Februar, in der Hoffnung, dass es dann eine machbarere Stelle für mich gibt als diese hier.

Traurig bin ich auch, 
weil ich den Schulanfang mag. Die Ferien gehen zu Ende und ich habe mich trotz meiner drei Kinder (man höre und staune) gut erholt. Nicht körperlich, da möchte ich nicht lügen. Ich habe durchwachte Nächte, ich stille, ich habe wenig Zeit für Sport und schlafe wenig. Ständig. Aber seelisch. Und das ist schon mehr als die halbe Miete, jedenfalls für mein Gefühl. Ich habe auftanken können, mein Gleichgewicht wieder gefunden, habe endlich verarbeitet, dass wir hier nun fünf sind und dass ich wahnsinnig wenig bis überhaupt keine Zeit für mich haben werde in nächster Zeit und komm damit klar. Und wenn ich sie mal brauche, die Zeit für mich, dann nehme ich sie mir einfach, völlig ohne schlechtes Gewissen. Daher wäre so ein Schulanfang ein schönes Geschenk. Auch Arbeit verstehe ich als Zeit für mich. Ich liebe meine Arbeit.

Traurig bin ich auch, 
dass ich viele neue Kollegen_innen nicht kennen lernen werde. Und viele Schüler_innen ebensowenig.

Und ich bin traurig
dass mir nun niemand seine Ferienerlebnisse erzählen wird und dass ich sie nicht sehen werde, diese vielen ordentlich gepackten Schultaschen voll mit frischem, unbeschriebenem Papier, ebensowenig wie die vielen Schülergestalten, die so aufgeregt sind, dass wieder Schule ist, dass sie sich gar nicht auf den Unterricht konzentrieren können (das hält an bis kurz vor den nächsten Ferien

Ich bin traurig
dass ich nicht im Lehrerzimmer schnacken werde, dass ich  mich nicht an ebenselber Stelle über die neuen Bildungsreformen aufregen werde und auch keine Schüler_innen durch den Kakao ziehen werde - (sowas macht man nicht Mama!!)

Aber ich bin auch froh.
Ich bin nach dem ersten Schock nun doch auch froh, 
dass ich noch ein bisschen zu Hause bleiben kann. Im Gegensatz zu meiner ersten Elternzeit ist es diesmal so, dass Langeweile einfach nicht aufkommen will. Liegt vielleicht an der Masse der Kinder, die hier mittlerweile rumschwirrt.

Ich bin auch froh
dass ich noch nicht jeden Morgen die Kinder antreiben muss, weil ich in die Schule muss. Denn zur Zeit dauert es bis halb neun, bis ich fertig bin und wir stehen trotzdem um sechs auf und trödeln nicht wirklich. Drei Kinder unter vier brauchen einfach an jeder Ecke Unterstützung und sie fordern sie auch ein. Ob ich will oder nicht.

Auch bin ich froh
dass ich viel Zeit haben werde, ein bisschen Ordnung ins Chaos hier zu bringen, das in den letzten Monaten aufgelaufen ist. 

Und ich bin froh
dass ich die Zeit, in der alle Kinder in Betreuungseinrichtungen untergebracht sein werden, für mich nutzen kann. Ich werde Sport machen, lesen und ein paar Bildungslücken schließen. Eine Menge.

Mein Sohn ist übrigens auch froh, 
dass ich noch nicht wieder arbeite. Als ich ihm erzählte, dass er mit seinem Bruder bald zusammen im Kindergarten wäre und seine kleine Schwester in der Krippe, sagte er:

"Dann bist du ganz allein zu Haus, Mama! Dann kannst du Kuchen backen!"

Ich bin dann mal in der Küche.













Montag, 8. September 2014

Ich stecke fest

Eigentlich bin ich voll die schlagfertige Type. Es gibt Situationen in meinem Leben da kann mir einfach keiner was. Und wenn es doch einer versucht, dann kriegt er verbal eins über die Rübe. 

Und dann gibt es Situationen, da bin ich so perplex und es trifft mich so dermaßen überraschend, dass ich mir selbst dabei zusehe, wie ich plötzlich total nett und verständnisvoll die abstrusesten Dinge abnicke und sage: „Ach natürlich! Kein Problem!”

Heute in der Krippe hatte ich wieder so ein Erlebnis. Ich brachte Kind M weg, es war so halb neun, und besprach mit der Erzieherin, dass ich Kind A heute noch nicht eingewöhnen wolle, weil wir so spät in der Nacht gekommen seien und ich viel zu tun hätte, was ich nicht schüffe, wenn ich da rumhinge. Daraufhin sie zu mir: 

Ich wollte Sie sowieso fragen, ob Sie für die Eingewöhnung immer erst halb zehn kommen können, weil ich jetzt bis halb zehn immer allein bin und mich dann nicht so gut um Ihre Tochter kümmern kann. (Ich zahle ab acht!)

Ich so, hm, na das is ja nich so dolle. Denn Kind P muss ich bis 8.30 Uhr abgeben, danach darf ich nur in Ausnahmefällen. Was mach ich dann die Stunde? Nochmal nach Hause mit zwei Kindern lohnt ja wohl auch gar nicht. Aber ich nickte, nickte, lächelte, nickte. Dachte so, hm vielleicht einkaufen...und dachte dann so... Haben die eigentlich ne Macke, was geht mich das an? Und nickte und lächelte...

Dann ging ich wieder und kam am Nachmittag wieder. Da sprach mich die andere Erzieherin an:

Ob es mir was ausmachen würde, Kind M wieder mitzunehmen in der Eingewöhnungsphase von Kind A (Er geht in die gleiche Einrichtung). Wenn ich jeden Tag Kind A mitnähme und ihn dalassen würde, davor hätten sie Angst. Ob das ginge.

Und ich lächelte und nickte und sagte: hm naja, das is ja nich so dolle, hm naja, lächelte und nickte und sagte, wir werden sehen, das wird schon. Und lächelte und nickte.

Und ich ging nach Hause und dachte: Wer hat jetzt eigentlich den größeren Knall? Die Krippe, weil sie solche Sachen von mir verlangen, während sie die 700 Euro Betreuungskosten für diesen Monat schon fröhlich abgebucht haben? Oder ich, weil ich da so bescheuert nicke. 

Und an dieser Stelle bin ich gedanklich stecken geblieben, während ich eigentlch das hier fühle: 

Die Lösung könnte so einfach sein

Nach vier Wochen Budapest sind wir nun wieder in Bayern. Alle sind noch ein bisschen traurig und bisher sind wir nur körperlich hier angekommen. Heute Morgen beim Frühstück machte Kind P dann einen Vorschlag:

- Oma und Opa sind traurig, Mama!

Ja! Sie sind traurig, dass wir weggefahren sind.

- Ja, traurig! Muss man nicht wegfahren. Dann muss man wieder zurückfahren. Dann muss man umdrehen mit dem Auto. Dann muss man wieder zurückfahren, zu Oma und Opa.


Manchmal könnte die Lösung so einfach sein.

Freitag, 5. September 2014

Babyfüße oder die Frage, ob wir komplett sind

In weniger als fünf Monaten wird unser drittes Baby zum Kleinkind. Und ich schaue meiner kleinen Tochter schon jetzt manchmal ganz wehmütig auf die kleinen Füße und auf ihr Babynäschen und denke: Wirst du mein letztes eigenes Baby sein?


Ich nehme sie fester in den Arm, ich kuschele länger mit ihr, ich bleibe ganz oft einfach liegen, weil nichts so wichtig sein kann, wie mit dem eigenen Baby rumzukuscheln. Ich schaue sie verliebt an, knabbere an ihren Minifüßchen und entscheide sehr häufig am Tag, dass die einzig wirklich wichtige Entscheidung im gegebenen Augenblick die sein sollte, ob ich sie nun ordentlich durchkitzele oder lieber abknutsche. 

Komisch ist das. Ganz oft überlege ich, ob dieses Gefühl darauf basiert, dass ich spüre, dass sie mein letztes Baby sein wird. Dass ich schon jetzt wehmütig bin, weil eine Mutter den Wunsch nach einem Baby doch nie ganz verliert. Und weil aus allen Babys dennoch - ziemlich schnell sogar - Kinder werden. Und aus Kindern Erwachsene. Die Sehnsucht aber bleibt. Und die Erinnerung. Auch wenn die Babys plötzlich Abitur machen oder ihren Führerschein. Das spüre ich jetzt schon, obwohl ich noch mittendrin bin im Babyalltag. Ich habe durchwachte Nächte, ein weinerliches Baby, das Zähne bekommt und immer mal schmerzende Nippel, weil daran herumgekaut wird. Trotzdem genieß ich die Augenblicke, in denen ich mit meiner Tochter bin, als bestünde jeden Augenblick die Gefahr, ich müsste sie irgendwie abgeben. 

Rückblickend habe ich nun deshalb natürlich ein schlechtes Gewissen, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich das bei den beiden Jungs auch so empfunden habe. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass es tatsächlich drei Babys brauchte, um aus mir eine richtige Babyliebhaberin zu machen. Es gibt so einen dämlichen Spruch, dass man dem ersten Baby zu viel, dem zweiten zu wenig und dem dritten genau die richtige Menge an Aufmerksamkeit zukommen lässt. Ich empfinde das eher, als drehte ich das um. Genau richtig, zu wenig, zuviel. Vielleicht ist das ein Zeichen. Ich weiß nur noch nicht wofür.

Donnerstag, 4. September 2014

Gar keins - oder wie viele Märchen ich erzählen kann


6. Wie viele Märchen können Sie erzählen?

Genau gar keins. Ohne Umschweife und völlig ohne Scham. Ich kann nicht erzählen. Schon gar nicht in Echtzeit. Und erst recht nicht aus dem Kopf. Einfach so. Und jetzt kommt mir hier nicht dem Bloggen. Das ist was ganz anderes. Bloß weil ich hier ab und an mal ein paar Sachen zusammenschreibe, die mich so bewegen, heißt das noch lange nicht, dass ich auch spannend erzählen kann. 

Ich bewundere es, wenn jemand das kann. Sehr. Im Studium habe ich mich sehr viel mit der Kultur der Native Americans befasst, die noch bis heute sehr stark auf Mündlichkeit basiert. Das war jetzt die Kurzzusammenfassung für Ungebildete. Darauf nagelt mich hoffentlich niemand genauer fest, das ist nämlich alles eine ganze Weile her. Was ich aber sagen will und worum ich schon wieder sauber herumschreibe ist, dass ich die Mündlichkeit dieser Kulturen immer bewundert habe. Ich habe viele Geschichten gelesen - Louise Erdrich, Thomas King, N. Scott Momaday - in denen Figuren ganze Abende verbringen, sich gegenseitig stories zu erzählen von den Wundern der Welt. Solche Geschichten saugte ich auf und las sie stets mit Ehrfurcht vor der mündlichen Erzählkunst. Ich lese gern und verliere mich in Geschichten. Das Hören von Geschichten allerdings ist mir fremd. Ich kann mich beim Hören schlecht konzentrieren und vielleicht ist dies auch der Grund, warum mir das mündliche Erzählen nicht liegt. Dazu fehlt mir irgendwie die Konzentration (erst recht seit ich entweder stille oder schwanger bin), die Genauigkeit, der Pathos, die Stimmgewalt. 

Einige werden sagen, das muss man/frau doch können als Lehrer_in. Nun einerseits gibt es sicher einige, die sagen werden, ich stapele hier tief. Andererseits sage ich einfach, nicht alle Lehrer_innen müssen alles können. Selbstbewusstsein kann ich.

Es ist eine große Gabe, Geschichten erfinden zu können. Das kann ich nicht. Und ich bin darüber oft traurig. Die Trauer verarbeite ich, indem ich meinen Kindern so viel wie möglich vorlese. Ich lerne manchmal Gedichte auswendig und sage sie auf. Ich singe jeden Abend Schlaflieder. Und ich stelle ihnen immer wieder neue Bücher ins Regal, deren Geschichten wir gemeinsam entdecken. Ich hoffe, dass sie auch ohne meine Erzählkunst, vielleicht durch den auf diesem Gebiet viel talentierteren Papa, an dem ein Sprachlehrer verloren gegangen ist, zu Wortliebhabern werden. Und wer weiß, vielleicht kann ich das Erzählen ja doch noch lernen?

Dies ist ein Post meiner #99FragenfürEltern Challenge. Wenn du nicht weißt, worum es dabei geht, hier entlang.

Unser Sommer in Budapest - Rückblick

Heute habe wir zum zweiten Mal Besuch verabschiedet und damit neigt sich so langsam unser Sommer in Budapest dem Ende entgegen. Wir hatten große Pläne (hier nachzulesen) und sie haben sich mehr als erfüllt. Es war ein schöner Sommer. Wenn nicht der beste seit langem. Wir hatten Sonne und Wolkenbrüche, Hitze und Kälte, Hunger und Durst, gute Laune und Momente der Traurigkeit, Langeweile und Müßiggang und außerdem jede Menge Spaß.

In diesem Sommer
- sind die Jungs das erste Mal Rollschuh gelaufen. Dass sie dabei immerzu „Mama, wo ist mein Fahrrad?” gerufen haben, werte ich als Erfolg.

- hat Kind A den dritten Zahn bekommen und isst jetzt mittags, nachmittags und abends Brei und manchmal knabbert sie am Brötchen. Sie macht große Unterschiede zwischen Gläschenkost und Selbstgekochtem. Ersteres isst sie, Letzteres frisst sie.



- hat die ungarische Oma fast jeden Abend Geschichten vorgelesen. „DAS kann die Oma lesen, MAMA! Das ist Ungarisch!” Manchmal hat sie auch nur versucht vorzulesen, während die Jungs im Zimmer herumtobten. 

- haben die Jungs das ungarische Kinderprogramm kennen und lieben gelernt (welches sich nur durch die Sprache vom deutschen unterscheidet). Sie kennen und lieben jetzt Károly bácsi und Mája, a méhecske. Außerdem alles andere, was so läuft, wenn er an ist, der Fernseher bei nagymama und nagypapa. 

- haben die Jungs jede Menge Schokoladenkekse auf frisch geputzten Zähnen verspeist (in den Ferien darf man das)

- hatten der Mann und ich EINEN sehr romantischen Abend zu zweit. Einer ist besser als keiner.

- waren wir im Kino und haben „A hundred-foot journey” angeschaut. Leichte Kost. Aber sehr schön.

- haben manche von uns oberschenkeltief in Pfützen gestanden.

- haben manche so viel Deutsch und Ungarisch gelernt über den Sommer, dass wieder andere manchmal den AusKnopf für die Kinder suchten.

- hatte Kind M so viel Zeit mit seiner Mama, dass er mich nun überhaupt nicht mehr hergeben will und ich ihn ganz oft tragen muss, äh darf. (Er wird bald drei und misst einen Meter)

- haben die Jungs sich den Opa und die Oma aufgeteilt und fühlten sich mit der Aufteilung pudelwohl.

- habe ich den ganzen Sommer im Grunde nur ein Oberteil angehabt. 

Das war unser Sommer. Und bei euch so?