Dienstag, 30. Dezember 2014

2015

Die letzten Jahre waren hier sehr turbulent. 
2010 habe ich mein erstes Kind bekommen. 
2011 bin ich schwanger geworden.
2012 habe ich mein zweites Kind bekommen und das Referendariat begonnen. 
2013 habe ich mein Referendariat beendet und bin mit dem dritten Kind schwanger geworden und 2014 habe ich selbiges geboren und mich von dem Schock, den der Sprung vom zweiten zum dritten Kind bedeutet, erholt.


Für 2015 nehme ich mir deshalb nicht viel vor. Nur ein paar Kleinigkeiten.

1. Nicht schwanger werden. Wer mich kennt, weiß, das ist gar keine so einfache Übung für mich. Aber in diesem Jahr muss ich das schaffen. Denn auch wenn ich mich mittlerweile von Schwangerschaft und Geburt Nummer drei wirklich gut erholt habe, so hat mein Körper doch noch einiges an Erholung vor sich. Vielleicht erholt er sich auch nie wieder und ich habe mich mit der dritten Schwangerschaft (vor allem venentechnisch) in die Altersteilzeit katapultiert. Wie auch immer. Sollte noch ein viertes Kind durch diesen Körper kommen, sollte es nicht 2015 sein.

2. Laufen. Im Sommer habe ich mit dem Training begonnen und laufe nun seit einer Weile dreimal die Woche 6-8 km. Diese laufe ich mit einem Schnitt, der immer so zwischen 6:00 und 6:30 Minuten liegt. In der nächsten Zeit würde ich gerne die Zeit verlängern (also auf einstündige Läufe hochgehen) und damit auch die Distanz auf 10-12 km erhöhen. Wie lange ich dafür brauchen werde, kann ich momentan nicht einschätzen, aber ich setze mich damit auch nicht unter Druck. Mein Hauptziel ist körperliche Fitness und jede Menge frische Luft in meine Lungen zu pusten. Ich habe den besten Trainer der Welt und jede Menge Kinder, die auch rausmüssen. Und weil ich gerade nichts besseres finden kann, als Sport, um mich zu erneuern, mache ich eben das.

3. Wenn ich nicht laufen werde, will ich schwimmen. Im Studium bin ich regelmäßig 2 km geschwommen. Da will ich wieder hinkommen. Zur Zeit schaffe ich nur anderthalb und nur Brust/Rücken. Freistil ist die wahre Freiheit. 

4. Ich will weniger bloggen. Oder mehr. Das weiß ich noch nicht so genau. Vielleicht wird das hier helfen. Da fahr ich nämlich hin und freu mich schon sehr. Eine Zugreise kann wie ein Bad im Ozean sein. Und ich sehne mich nach Erfrischung. 

Das waren auch schon alle meine Vorsätze. Aber vor allem Nummer eins.  
Auf geht's, 2015. Ich wär dann soweit.

2014

habe ich mein drittes Kind geboren, in Rekordzeit.

habe ich dieses Kind gestillt, was nie vorher so schwierig erschien, dann nach endlos scheinenden 12 Wochen irgendwann doch wieder ganz leicht ging.


habe ich sehr viel Zeit in meiner Lieblingsstadt verbracht.




habe ich mich bei Twitter angemeldet und mich mit einigen Twitterinnen getroffen, was ich in sehr schöner Erinnerung habe.

war ich nicht einen Tag arbeiten und habe doch dauernd gearbeitet.


hätte ich im September anfangen sollen richtig zu arbeiten, habe aber dann doch die Elternzeit verlängert.


habe ich wahrscheinlich so wenig geschlafen wie in keinem der Jahre zuvor.


machte ich Pläne für eine Dissertation, um sie dann wieder zu verwerfen und bessere Pläne für ganz andere Dinge zu machen.


las ich den Goldfinch, was ich nur empfehlen kann, auch noch für 2015.


schaute ich mir alle Staffeln von The Good Wife an und staunte über die wahnsinnigen Mengen von Alkohol, die in dieser Serie von allen, aber vor allem von der Hauptdarstellerin konsumiert werden. 


ließ ich mir nach der dritten Geburt besonders viel Zeit für die Rückbildung und für den Beginn mit ernsthaftem Sport, um dann so richtig loszustarten.


lernte mein erstes Kind Radfahren.



dachte ich zweimal sehr intensiv darüber nach, einen Rollentausch in unserer Familie vorzunehmen.

begann ich wieder mit dem Laufen und kann mittlerweile einen 6er Schnitt über 50 Minuten halten.


sprangen die Besucherzahlen auf meinem Blog von 10 Seitenaufrufen pro Tag auf 10.000 pro Monat.


stellte ich das erste Fotobuch unserer Familie, für das Jahr 2013 her. (Jetzt fehlen nur noch die restlichen Jahre zwischen 2003-2014. Eine Kleinigkeit!)


war ich erfolgreich wie nie mit meinem Blog und gleichzeitig so gelangweilt wie nie davon. Wie es weitergeht, mal sehen.

habe ich eine Regenbogentorte für Kind P zum Geburtstag gebacken, von der er kein Stück gegessen hat.

habe ich 99 Fragen für Eltern in der Nido entdeckt und ein schlechtes Gewissen, weil ich immernoch nicht mit allen Fragen durch bin.

habe ich viel darüber nachgedacht, ob mit drei Kindern, "nun endlich Schluss ist" für uns oder ob da noch was kommt.

habe ich mir Ziele gesteckt für 2015. Einige davon haben mit langen Laufstrecken zu tun.




Das war ein schönes Jahr. Sehr anstrengend. Aber auch verrückt schön. Das Jahr zusammenfassen ließe sich nur so: Ich hab jetzt drei Kinder. Wahnsinn!

Dienstag, 23. Dezember 2014

Bild einer Reinigungsfrau

Nach dem Lesen eines meiner frühen Werke (ich muss ungefähr 14 gewesen sein), sagte mein Bruder einmal zu meiner Mutter: "Ja, Scheiße kannse wirklich gut schreiben."
Die Gelegenheit dazu nutzte ich auch gern im Deutschunterricht. Twitter gab es 1995 noch nicht.

Aufsatztyp: Bildbeschreibung, Klasse 8 - Wie würdet ihr diesen Text bewerten?
"Um der Aufforderung, ein Bild meiner Wahl zu beschreiben, zu folgen, habe ich mich auf die Suche nach einem Bild gemacht, welches durch die perfekte Zusammenstellung von Form und Farbe so aussagekräftig ist, dass es für sich spricht und meiner Beschreibung nicht bedarf. Leider fand ich kein solches Bild. Also wählte ich ein bedeutendes Werk des 20. Jahrhunderts. Es ist eines der späteren Werke (80er Jahre) und heißt "Unsere Reinigungsfrau".
Es wurde sehr genau gezeichnet, denn es ist sehr gut zu erkennen, was beziehungsweise wer gemalt wurde. Die Reinigungsfrau ist eindeutig als solche zu identifizieren, da sie das für ihren Beruf typische Werkzeug in der Hand hält - den Besen. Die Reinigungsfrau spielte für die Künstlerin sicher eine sehr wichtige Rolle, denn wie sonst würde sie auf die Idee gekommen sein, sie zu malen.
Vielleicht war sie eine sehr hübsche Putzfrau und die Künstlerin dachte, sie würde sich gut zum Portraitieren eignen, was aber beim Anblick des Ergebnisses nicht wirklich als vorstellbare Alternative erscheint. Aber vielleicht spielte sie ja auf irgendeine andere für uns schwer nachvollziehbare Weise eine wichtige Rolle. 
Über die Farbwahl lassen sich nur Vermutungen anstellen, etwa dass braun von der Künstlerin als besonders schön empfunden wurde und sie die Reinigungsfrau durch die Verwendung dieser Farbe verschönern wollte. Vielleicht ist aber auch das Gegenteil der Fall. Es ist allerdings auch durchaus vorstellbar, dass alle anderen Farbtöne einfach ausverkauft waren. 
Der große Mund der Reinigungsfrau erscheint wild und brutal. Vielleicht hat die Putzfrau oft rumgeschrien und damit der Künstlerin Angst eingejagt. Ihre weit aufgerissenen Augen jedoch zeugen vielmehr von einem Angstgefühl, das der Putzfrau innewohnt. Dieser Eindruck wird durch die wild zerzausten Haare und die krallenartigen, zur Abwehr geformten Hände noch verstärkt. Woher diese Angst? Ich kann nur spekulieren und das will ich nun auch tun:
Es drängt sich mir der Gedanke auf, dass die Künstlerin einen Eindruck von "harter Schale - weicher Kern" vermitteln wollte. Denn die Putzfrau sieht einerseits sehr monströs, andererseits sehr zerbrechlich aus. Wahrscheinlich hat die Putzfrau bei ihren Begegnungen mit der Künstlerin immer böse und wütend geschaut, aber wenn die Künstlerin sie genauer anschaute, konnte sie Lachfältchen erkennen und schloss daraus, dass sie nicht immer nur böse gewesen sein konnte. 
Das Bild ist ein in sich geschlossenes Kunstwerk und die Zeichnung als solche ist doch sehr gelungen. Nun ja, dafür müsste man wahrscheinlich die Reinigungsfrau sehen.

Und? Welche Note?

Sonntag, 21. Dezember 2014

Crazy about mein Baby

In weniger als einem Monat wird das dritte Baby in dieser Familie zum Kleinkind und der Abschied fällt diesmal besonders schwer.










Freitag, 19. Dezember 2014

Betreuungsproblem laut gedacht

Es hat nicht lang gedauert, bis die Welle, von der ich hier schrieb, herangerauscht kam. Vorgestern war es nun soweit. Erstaunlich pünktlich, ich hatte erst im Januar damit gerechnet. 

Nun steht es also fest. Ab 23. Februar fange ich wieder an zu arbeiten. In Teilzeit. 75%. Das sind in Bayern 17-18 Unterrichtsstunden + den Rest (freie Nachmittage, Ferien und so weiter, ihr wisst schon). Meine Schule ist 74 km weit weg. Und da ich mich entschieden habe, vorerst nicht umzuziehen, bleibt es nun dabei: Ich werde pendeln müssen. Mit dieser Tatsache habe ich mich in den vergangenen sechs Monaten irgendwie anfreunden können. Besser zumindest als mit der Vorstellung eines Umzugs, obwohl ich auch das versucht habe. Nachdem ich mich nun für das Pendeln entschieden habe, ist mein größtes Problem das morgendliche Wegbringen.

Die Kinder sind derzeit in zwei Einrichtungen, eine Krippe und ein Kindergarten. Beide Einrichtungen öffnen um 7.00 Uhr. Um 8.00 Uhr ist Schulbeginn, das heißt, ich muss spätestens um 7.50 Uhr im Klassenraum sein. Rein statistisch gesehen muss ich also spätestens pünktlich um 7.00 Uhr losfahren. Zu dieser Uhrzeit kann ich aber frühestens bei einer der Einrichtungen auf die Klingel drücken. 

Was kann ich also tun? 

1. Ich könnte die Kinder aus allen Einrichtungen nehmen und neue Plätze suchen in einer Einrichtung, die ab 6.30 Uhr anfängt. (Es gibt hier im Ort etwa zwei, denk ich.) Ich müsste den ganzen Januar eingewöhnen und drei Monate doppelt Beiträge zahlen. Klingt irgendwie nicht so berauschend. 
2. Ich könnte eine Tagesmutter suchen, die die Kleine betreut und die Jungs in den Kindergarten bringt. Gibt es sowas?
3. Ich könnte eine Babysitterin/Kinderfrau engagieren, die morgens zu mir nach Haus kommt, um die Kinder in den Kindergarten zu bringen. 
4. Ich könnte umziehen und ein Aupair engagieren, die bei uns zu Haus wohnt, und immer, wenn es nötig ist, die Kinder in die Einrichtungen bringt. Ich müsste nur eine 5-Zimmer-Wohnung finden. Kein Problem. 
5. Ich könnte versuchen, keine ersten Stunden zu bekommen. 
6. Ich könnte versuchen, eine andere Mutter/ einen anderen Vater aus der einen oder anderen Einrichtung zu bitten, meine Kinder regelmäßig mitzunehmen. (Ich glaube, diese Möglichkeit fällt für mich aus. Ich kenne niemanden, den ich um so etwas bitten könnte/wollte. Aber es hat mich sehr gefreut, zu lesen, dass andere Menschen so jemanden haben oder hatten. Das ist toll!)
7. Ich könnte....

Ja, was könnte ich denn noch? Ich bin gespannt auf unseren Lösungsweg und werde berichten. Noch gespannter bin ich allerdings aufs Arbeiten. Es wird Zeit.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Recht und Unrecht

In letzter Zeit denke ich viel über Recht und Unrecht nach. Vielleicht schaue ich zu viele Folgen von "The Good Wife". Ich will gar nicht abstreiten, dass es Zeit wird, dass ich wieder arbeiten gehe. Dennoch. Recht, Unrecht, Gerechtigkeit, das sind Themen, die mir immer wichtig waren und auch heute wichtig sind. Vielleicht sauge ich deshalb diese Serie auf, trotzdem sie eigentlich von Wiederholungen nur so strotzt und ich die Floskel "This is a fishing expedition" und die Worte "sustained" und "overruled" (ich schaue im Original) langsam nicht mehr hören kann. Es geht in der Serie vor allem um Recht und Unrecht. Und die Frage, ob Anwälte und Richter darüber entscheiden oder ob sie in Wirklichkeit eben auch nur so tun als ob. Weil das so wichtig ist und ich gerade erst wieder mit einer Bekannten darüber gesprochen habe, möchte ich von einem persönlichen Rechtsstreit erzählen, der schon eine Weile her ist. Es tut ganz gut, darüber informiert zu sein. Es geht um Schlüsseldienste.

Vor nun etwas mehr als zwei Jahren kam ich mit dem Mann und zwei Kindern mit einem vollgepackten Auto aus Budapest zurück. Der Schlüssel zu unserer Wohnung war uns in Budapest gestohlen worden und wir machten deshalb noch aus Budapest einen Termin für eine Türöffnung bei einem Schlüsseldienst, für kurz nach unserer Ankunft, so gegen 15 Uhr. 
Der Schlüsseldienst kam in Form eines jungen Mannes in einem großen (seeeeeehr großen) Auto und öffnete die Tür innerhalb von weniger als 15 Minuten. Er verlangte für diese Leistung einen Betrag in Höhe von 224,91 Euro. In Bar. Ich hatte kein Bargeld dabei. Er versuchte mich dazu zu nötigen, zur Bank zu fahren, um das Geld abzuheben. Ich war mit zwei kleinen Kindern vor der Tür, die eine Reise von sieben Stunden hinter sich hatten. Und selbst alleinstehend mit Lust auf Abenteuer wäre ich nicht mit diesem Mann zur Bank gefahren. Danach brachte er mich dazu, ein Formular zu unterschreiben, das die Rechnung sein sollte. Erst später las ich dort im Kleingedruckten Interessantes (und zwar dass ich den Rechnungsbetrag für "angemessen" halte).
Der junge Mann fuhr ab. Wir gingen in die Wohnung mit der offenen Wohnungstür. Das Schloss habe ich nicht von ihm austauschen lassen, er hatte mich wohlwollend darüber informiert, dass dies die Rechnung auf 380 Euro hinauftreiben würde. Die Tür war auf, wir waren drin. Und was blieb? Ein großes Gefühl der Ungerechtigkeit. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es rechtens sei, einen solchen Betrag für eine solche Arbeitsleistung von einem Menschen in Not zu verlangen. Und was soll ich sagen? Ich bekam Recht. Denn es ist nicht rechtens. 

Ich schrieb in den folgenden Tagen dem Schlüsseldienst:

Sehr geehrte Damen und Herren, 
ich bedanke mich hiermit nochmals für das Öffnen der Tür unserer Wohnung in.... . Leider habe ich im Ergebnis verschiedener Konsultationen feststellen müssen, dass das für die angefallenen 15 Minuten Arbeit berechnete Honorar in Höhe von 224,91 Euro völlig unangemessen ist. Meine Recherchen haben ergeben, dass das übliche Honorar für das Öffnen einer Außentür ohne Einbau eines neuen Schlosses und ohne Materialeinsatz nicht mehr als 60 Euro betragen sollte. Ich überweise Ihnen auch aus Dankbarkeit für die prompte Hilfeleistung 25% mehr und somit insgesamt einen Betrag von 75 Euro. Meine Meinung ist, dass damit die von Ihnen in nicht mehr als 15 Minuten erbrachten Leistungen mehr als angemessen honoriert sind. Hoffentlich nicht bis zum nächsten Mal verbleibe ich mit freundlichen Grüßen.
Ihre....

Kurze Zeit später kam der Mahnbescheid. Dann die Klage. Es kam die Stellungnahme vom Schlüsseldienst per Rechtsanwalt. Es kam die Vorladung zum Amtsgericht. Und dann kam der Tag, an dem es zur Verhandlung kommen sollte. Ich hatte mir schon mein Kostüm zurecht gelegt und war aufgeregt. Ich las von Zugangskontrollen im Gerichtsgebäude und von Prozessbevollmächtigten und ging morgens noch schnell zum Postkasten. Und was fand ich da: Post vom RA: "...nehme ich hiermit names und im Auftrage des Klägers die Klage zurück." Der Schlüsseldienst hatte ein Drohgebäude aufgebaut. Aber er wollte nicht wirklich kämpfen. Schade eigentlich. Hübsch machte ich mich an diesem Tag trotzdem noch. Um den Sieg der Gerechtigkeit zu feiern. Das ist ein Sieg, wie er süßer nicht sein könnte. Vielleicht deswegen gefällt mir "The Good Wife" so gut. Und vielleicht deswegen denke ich manchmal, ich hätte vielleicht doch Rechtswissenschaften studieren sollen. Das macht mir einfach so viel Spaß.

Und hier nun mein Rat an euch im Zusammenhang mit Schlüsseldiensten:
- Bezahlt nie bar vor Ort. Dazu seid ihr nicht verpflichtet. 
- Legt euch eine Telefonnummer eines seriösen Schlüsseldienstes ins Portemonnaie. Die gibt es. Sie stehen nicht am Anfang der Gelben Seiten unter A.A.A.
- Ihr müsst nichts unterschreiben. Also unterschreibt auch nichts. Ich habe die mir ausgehändigte Rechnung vor Ort unterschrieben. Darauf stand im Kleingedruckten, dass ich den Rechnungsbetrag als angemessen betrachte. Die Unterschrift ist unwirksam, weil rechtswidrig. In der Notsituation bin ich überhaupt nicht in der Lage, diese Dinge einzuschätzen. Schlüsseldienste lassen das gern unterschreiben, weil es bei vielen Menschen reicht, um sie dazu zu bringen, die unangemessenen Beträge doch zu bezahlen.
- Eine Türöffnung unter den oben genannten Bedingungen am Tag, in der Woche, kostet nicht mehr als 60 Euro. Alle Beträge, die über das doppelte hinausgehen sind unangemessen bis hin zum Wucher. Bei der IHK kann man sich darüber informieren. Eine Beratung bei einem seriösen Schlüsseldienst gibt darüber auch Infos.
- Und mein allerletzter Tipp: Nehmt immer einen Schlüssel mit! 
Und schaut ne Runde "The Good Wife". Was die Alicia immer für schöne Kleider hat!

Sonntag, 14. Dezember 2014

Sonst ist alles anders

Manche Ereignisse im Leben haben die Eigenschaft, das Leben irgendwie anzuhalten. Je älter du wirst und je mehr Verantwortung du hast, desto weniger besteht die Möglichkeit dazu, wirklich anzuhalten. Du musst trotzdem immer irgendwie weiter machen, weil es ja auch weiter geht. Und das tust du auch. Aber innerlich hast du irgendwie angehalten. Und steckst immernoch in diesem Moment fest. So ging es mir früher schon und so geht es mir heute noch. Mein Moment ist nun knapp drei Wochen her. 
Ich backe Plätzchen, zünde Kerzen an, lese Geschichten vor, wische Kinderpopos - und zwar immernoch drei (wann hört das auf?) - trockne Trotztränen und himmele mein Baby an, das in knapp vier Wochen zum Kleinkind wird. Aber sonst? Sonst ist alles anders.

Freitag, 12. Dezember 2014

Ziemlich krank

Erinnert ihr euch noch an diesen Text hier: Mein größter Kompromiss ?
Ich schrieb über mein Aufnahmegespräch in der Rehaklinik für Essstörungen. Das Gespräch ist 13 Jahre her und ich war vier Monate dort. Typisch für die Therapie von Essstörungen sind sogenannte Phasenprogramme, die den Patienten - je nach Therapieverlauf - einen breiteren Aktionsradius erlauben, bzw. ihre Möglichkeiten komplett einschränken. Bei Essstörungen wird häufig ein wöchentliches Gewicht vereinbart, das man zu- oder eben mitunter auch abnehmen sollte, als Teil der Therapie. Wird das Gewicht nicht erreicht, werden Privilegien entzogen. Bei der Einweisung hatte ich schon 5 Kilogramm zugenommen und wog 53,7 kg. Eine Woche später, am 12.1. hätte ich 500 g zunehmen sollen, wog aber stattdessen 53,6 kg. Ich kam in Phase 1, die mit den wenigsten Privilegien und den größten Einschränkungen. Dazu gehörten: 5 Mahlzeiten am Therapeutentisch, ständiger Aufenthalt auf dem Zimmer außer zu den Therapiezeiten, Ausschluss von Physiotherapie, morgendliches und abendliches Wiegen, kein Ausgang und abendliches Tagebuchschreiben für den Therapeuten. Stellt euch vor, ich hätte das Tagebuch aufgehoben. Dies wäre mein erster Eintrag.

Freitag, den 12.1.2001

Leider war ja heute keiner anwesend, der diese Aufgabe hätte übernehmen können, mir diese Wut im Bauch nehmen. Ich hab echt alles versucht. Aber freitags ist man hier offenbar auf sich gestellt.
Mit allem hätte ich heute Morgen gerechnet, aber nicht damit, dass mir 100 g fehlen und ich in die Phase muss. Echt. Ich bin die letzte, die in diesem Irrenhaus dahinein gehört, und ich finde es eine Sauerei, weil wir 
erstens noch gar kein Zielgewicht vereinbart hatten und ich mir deswegen sowieso unsicher war wegen, ja wie viel denn nun eigentlich? 
und zweitens weil wir überhaupt noch gar nicht über diese Geschichte gesprochen haben. Ihr scheint nicht zu wissen, was ihr mir damit antut, wenn ihr mich diesem Druck aussetzt und mich zwingt auf meinem Zimmer zu bleiben, und stattdessen zu fressen und zu fressen. Wenn Sie sich mal mein Essprotokoll angeschaut haben, dann wissen Sie vielleicht, dass ich mir echt Mühe gegeben habe. 

Was heißt Mühe geben? Es hat wirklich geschmeckt und ich hab echt viel gegessen und es hat mir trotzdem ein gutes Gefühl gegeben, weil ich wusste, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich will zunehmen und zwar gerne, aber mit diesem Druck, dem ich jetzt ausgesetzt bin, schafft ihr mir ein Problem, wo gar keins war. Sie dürfen nicht vergessen, dass ich neben dieser Essstörung auch eine Angststörung habe. Sie können sich ungefähr vorstellen, wie es für einen Angstpatienten ist, wenn folgendes eintritt. Ich habe endlich (nach mittlerweile sechs Monaten) wieder Spaß daran gefunden, rauszugehen. Sechs Monate habe ich mich freiwillig eingesperrt zu Hause, in der Klinik und im Betreuten Wohnen. Sechs Monate hatte ich Angst vor die Tür zu gehen, mit der Bahn zu fahren, alleine zu sein, in Supermärkte zu gehen, in der Schlange zu stehen oder im Kino zu sitzen.
Langsam beginne ich jetzt auch hier, mich besser zu fühlen und ich habe mich heute wirklich gut gefühlt. Ich fange an, es zu genießen, rauszugehen und mich nicht nur zu zwingen, rauszugehen, sondern Freude daran zu haben.  
Außerdem habe ich seit langem das erste Mal wieder Sport getrieben und zwar nicht, weil ich abnehmen wollte oder mein Gewicht kontrollieren wollte, sondern weil es einfach schön ist, seinen Körper zu spüren und Sport zu machen. Ich hatte auch davor in den letzten sechs Monaten Angst. Mein Herzschlag. Der hat mir Angst gemacht. Ich konnte das Gefühl nicht ausstehen, mein Herz schlagen zu hören und habe deswegen jegliche körperliche Aktivität gemieden. Können Sie sich vorstellen, wie furchtbar das ist? Du fühlst dich wie eingesperrt.  Du lebst noch, aber das eigentliche Leben macht dir nur Angst. Hier konnte ich endlich einen ersten Schritt in die richtige Richtung gehen und was passiert?
Weil ich 100 g zu wenig wiege, darf ich nicht weiter machen auf diesem Weg. Ich könnte kotzen, ganz ehrlich. Und es kotzt mich noch mehr an, dass ich tatsächlich wieder das Bedürfnis habe, zu kotzen. Diese Wut, die ich in meinem Bauch hab, hat heute gleich dazu geführt, dass mir das Essen vor dem Magen stehen geblieben ist. Aber ich wusste, ich muss trotzdem essen, weil ich sonst ja noch mehr Gewicht verliere. Und diese Panik verfolgt mich nun. Ist das Ihre Vorstellung von Gesundung? Ich bin verdammt wütend auf mich selbst, dass ich dieses Scheiß Phasenblatt überhaupt unterschrieben habe. Am liebsten würde ich hier wieder verschwinden, aber das mach ich nicht. Ich warte jetzt einfach erstmal bis Montag ab und dann bestehe ich auf einer Sondervereinbarung. Sie können mich hier einfach nicht so einsperren!

Was mich am meisten ankotzt, ist, dass ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte. Denn, wenn das der Fall gewesen wäre, hätte ich einfach mit dem Gewicht bescheißen können, wie alle anderen auch hier. Ein paar Gläser Wasser heute vor dem Wiegen hätten ja schon ausgereicht. Aber weil ich mir sicher war, dass ich zugenommen hatte, warum hätte ich das tun sollen? Sehen Sie, was dieses bescheuerte Phasenprogramm mit mir macht? Ich denke darüber nach, Wasser zu trinken, um mehr zu wiegen. Wie krank ist das denn?

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das war ziemlich krank.