Donnerstag, 10. Dezember 2015

Zzzzzzzzzhhh...

In Wirklichkeit ist es wahrscheinlich einfach so, dass ich mir meinen beruflichen Wiedereinstieg anders vorgestellt habe. Ich stecke fest. Ein Jahr, nachdem ich das letzte Mal feststeckte. Aber diesmal steck ich noch fester. Vielleicht auch nicht. Ich weiß nicht. Ist auch egal.

Seit September arbeite ich Vollzeit und wer sich nicht erinnert, ich unterrichte Deutsch und Englisch, das ist die Kombi, mit der einen die Leute regelmäßig abwechselnd auslachen oder den Spruch "Die Intelligenz eines Lehrers zeigt sich bei der Fächerwahl" vor die Füße schmeißen und sich dabei richtig gut fühlen. 

Ja. Ich unterrichte Deutsch. Und ja. Ich unterrichte Englisch. Und ja. Das ist eine Scheiß-Kombi, was die Arbeitsleistung angeht. Aber nein, das beweist nicht meine eigene Dummheit. Das beweist nur die Dummheit des Systems. Ich habe eine Affinität zu Sprachen. Das bin ich. Ich kann noch ein bisschen kochen (das Ergebnis von viel Übung und wenig Talent) und ich bin auch nicht so schlecht im Saubere-Wohnung-Vortäuschen (diese Fähigkeit baue ich allerdings gerade aktiv ab). Beides Kenntnisse, die mir im Beruf und in der Schule nicht viel nützen. Also wählte ich Sprachen, als ich mich für den Lehrerberuf entschied. Und ich wählte Deutsch und Englisch, weil ich es für eine noch größere Herausforderung hielt, mein Leben lang zwei Fremdsprachen im Kopf für Schüler zu sortieren. So studierte ich Deutsch und so studierte ich Englisch. Und es war mir ein Vergnügen. Ich las wie eine Bekloppte und wenn die Englisch-Sport-Studenten über die Leseliste in der Anglistik stöhnten, lächelte ich nur in mich hinein und sagte, der hat ja keine Ahnung. Mein Rettungsanker. Schon damals. Nicht ich, die Dumme. Sondern die anderen. Ich dachte ja, dass das irgendwann aufhört, diese Einschätzung meiner Entscheidung. Ich Dumme.

Nun sitze ich hier, an einem Gymnasium in der Oberpfalz und unterrichte Deutsch und Englisch in Vollzeit. Das sind 23 Unterrichtsstunden. Also quasi nichts. Und das halte ich wirklich nicht für viel, denn ich weiß, dass in anderen Bundesländern die Stundenzahl höher ist. Und ich habe in guter Erinnerung, wie ich in Budapest 35 Unterrichtsstunden pro Woche hatte. Damit was übrig bleibt. 
Aber irgendwie komme ich eben nicht hin. Und während alle anderen wissen, woran es liegt, nämlich an meiner Dummheit, bin ich mir eben nicht so sicher. 
In den letzten zwei Wochen habe ich eine Klausur in der Oberstufe und 4 Schulaufgaben in der Mittel- und Unterstufe schreiben lassen. Die Korrekturzeit, das habe ich hochgerechnet, das geht ganz leicht, beträgt dafür so 50 Stunden. Wenn ich fix bin. Und diese 50 Stunden Korrekturzeit muss ich auf zwei Arbeitswochen verteilen, denn in diesem Zeitrahmen muss ich alles zurückgeben. Nun trägt es sich allerdings zu, dass ich seit September, seitdem ich eben Vollzeit arbeite, täglich von 6.30 Uhr bis 16.30 Uhr arbeite. Und an den meisten Tagen um 4 Uhr aufstehe, um noch eine kleine Arbeitsstunde vor dem Aufstehen reinzuquetschen. Und dass es an den meisten Tagen länger als 16.30 Uhr geht. Und dass ich am Wochenende an beiden Tagen jeweils zwischen 4-6 Stunden mit Arbeit verbringe. 
Rechnet man das hoch, braucht man sich nicht zu wundern, warum hier seit Oktober nichts mehr geschrieben wurde. Rechnet man das hoch, braucht man sich auch nicht zu wundern, warum ich inzwischen seit einer ganzen Weile nicht mehr um 4.00 Uhr, sondern regelmäßig um drei oder um zwei Uhr aufstehe, weil ich eh nicht mehr schlafen kann. Rechnet man das hoch, stellt man fest, dass da keine Zeit für irgendwas bleibt. Rechnet man das hoch, fragt man sich, wo bleiben die Kinder? Ist die irre? Rechnet man das hoch, denkt man, die ist doch bescheuert, das kann ja nicht gehen. Und: Das liegt doch an ihr. Wie sie arbeitet. Die macht irgendwas falsch. Rechnet man das hoch, fragt man sich, wie man 25 Stunden Mehrarbeit in eine 60-Stunden-Woche quetschen kann. Man kann. Aber das ist Schwachsinn. Rechnet man das hoch, stellt man fest, dass alle diese Rechnungen Milchmädchenrechnungen sind. Nix gegen Milchmädchen.

Was ich mache, funktioniert so leider überhaupt nicht. Jedenfalls nicht auf Dauer. Und wenn ich das sage. Wenn ich mal jammere, höre ich: 
Du hast doch ein Aupair! 
Tja, Scheiß-Kombi. 
Und die Kinder? Leiden die nicht?
Warum bleibst du nicht zu Haus?
Also ich kenne X,Y. Die haben nicht solche Probleme. 
Warum machst du auch Vollzeit? Hätte ich dir ja gleich sagen können. (Das hat übrigens ganz leicht feststellbare Gründe. In schwarz auf weiß sozusagen, statt rot auf weiß.)


Vielleicht bin ich ein bisschen müde.

Dienstag, 6. Oktober 2015

Vom Lesen und Schreiben

Das mit dem Schreiben ist so eine Sache. Das braucht Zeit. Ich muss ganz oft daran denken. Auch im Unterricht. Da stehe ich in meinem Oberstufenkurs und predige, "Ihr müsst lesen!", "Ihr müsst schreiben!" und "Ihr müsst vor allem lesen wollen und schreiben wollen!" und dann merke ich, was ich da eigentlich rede und muss innerlich grinsen und dann grinse ich auch äußerlich und dann ist es meistens vorbei mit der Autorität, aber das macht nichts, denn sie verzeihen mir das, diese jungen Menschen, weil es echt ist, die Reflexion meiner Rolle. Der Dinge, die ich da so von mir gebe, wenn ich Montag morgens in meiner neuen Hipsterhose vor ihnen stehe und mich innerlich immer wieder frage, hören die mir wirklich so aufmerksam zu oder machen du nur innerlich Notizen für Twitter?

Aber zurück zum Eigentlichen, zum Wesentlichen, darum sollte es ja gerade gehen. Denn es ist die Geschichte vom Wasser und Wein, die ich da erzähle und ich merke das beim Erzählen. Ich sage "Lest!" und falle jeden Abend mit schlechtem Gewissen ins Bett, weil ich wieder nur Lehrbücher und Unterrichtsnotizen gelesen habe. Ich sage "Schreibt!" und schaue sehnsuchtsvoll manchmal hier rein, in der Hoffnung, es hätte vielleicht jemand anders inzwischen heimlich für mich übernommen: "Ich mach das für dich, konzentrier du dich erstmal ne Weile aufs Wesentliche." Dieses Wesentliche, was ist das eigentlich? Es ist doch das, wofür man immer irgendwie keine Zeit hat und das, was eigentlich passieren sollte, während man die ganze Zeit damit beschäftigt ist, das zu tun, was alle für das Wesentliche halten, beziehungsweise halten müssen, weil es gar nicht anders geht. 

Und während ich da so stehe und predige, verstehen wir uns so gut, diese jungen Menschen und ich. Denn es geht ihnen auf der anderen Seite genauso. Sie hören "Lest!" und denken sorgenvoll an ihr Lernpensum vom Nachmittag. Sie hören "Schreibt einfach los!" und fragen sich "Wie geht das denn? Ist das erlaubt? Und wozu eigentlich?" Sie hören "Macht mal einfach!" und fragen "Welchen Nutzen hat das fürs Abitur?" und dann möchte man weinen und sich ärgern und über die schlimmen jungen Menschen von heute schimpfen, die nur noch an ihren Vorteil, an den Nutzen denken und dann schaut man in ihren Stundenplan und sieht 38 Unterrichtsstunden und schaut in ihre Akten und sieht 2 tägliche Fahrstunden und dann schaut man in ihre Köpfe und sieht Chaos. Weil sie keine Zeit haben fürs Aufräumen. Fürs Wesentliche. Denn das ist es doch, was Lesen und Schreiben machen. Den Kopf aufräumen. Einfach mal Staub wischen auf den Gedanken von vorgestern und den Müll aus den hintersten Ecken hervorkramen, ihn nostalgisch anstarren, um ihn dann in einer dramatischen Übersprungshandlung rauszufeuern. Ihr müsst ab und zu aufräumen. Ihr müsst. Wir müssen. Ich muss. Ich will.

Freitag, 28. August 2015

Ich musste daran denken...

Heute war ich in der Therme. Und wie ich da so lag und die Wellen meine Füße umspielten, der Mann die Söhne im tiefen Wasser bespaßte und ich meine Tochter in ihren Laufversuchen im flachen Wasser bestärkte, musste ich daran denken, wie ich heute Morgen den Versuch gestartet hatte, Nachrichten zu schauen. 
Ich musste daran denken, wie ich mich erst nicht traute, den Fernseher überhaupt anzumachen, weil die Kinder im Raum waren und ich Angst habe, ihnen erklären zu müssen, warum dauernd Menschen auf Booten, in LKWs, auf Autobahnen sterben. Und warum die, die sich irgendwie durchkämpfen und überleben, hier von viel zu vielen nicht willkommen geheißen werden. 
Ich musste daran denken, dass mein Vater, wenn doch auch nicht mit uns im Schwimmbad sein, so aber doch uns zu einem Spaziergang abholen könnte, läge er nicht im Krankenhaus wegen eines Schlaganfalls. 
Ich musste daran denken, wie ich seit Wochen nicht zum Bloggen komme, weil mir die Worte fehlen. Aus Gründen, die ich gar nicht recht fassen kann.
Ich musste dran denken, wie dekadent dieses Geplansche in künstlich erzeugten Wellen ist. 
Ich musste an meine Mutter denken, und ihre Angst, nun ein ganze Weile allein zu sein. 
Ich musste daran denken, wie schön es doch wäre, wenn Familien zusammen bleiben könnten, um einander zu helfen und um füreinander dazu sein. 
Und ich musste daran denken, wie ich am liebsten die Augen schließen würde vor all diesen Sorgen. Ich musste daran denken, wie schnell das gehen kann, von einem normalen Arbeitstag zu einem Tag auf der Intensivstation mit halbseitig gelähmtem Körper, der nun, um wieder arbeiten zu können, erst wieder die Grundfunktionen erlernen muss. 
Ich musste daran denken, was eine Familie wie die unsere wohl durchmachen müsste, wäre sie auf der Flucht und wie weit ich gehen könnte für die Hoffnung auf ein besseres Leben oder überhaupt Leben!? Ich bin so ein Schisser, so ein Sorgenmagnet. Ich habe Angst, wenn ich die Kinder auf dem Klettergerüst sehe. Wie viel Angst muss eine Mutter überwinden, die schwanger, mit Kindern, mit wem auch immer, ein marodes Boot auf dem Mittelmeer besteigt, ohne schwimmen zu können?
Ich musste daran denken, dass mein Konto ein riesiges Minus aufweist, weil der Besuch bei meinem kranken Vater natürlich nicht eingeplant war, aber dennoch auf jeden Fall sein musste. 
Ich musste daran denken, dass ich zu verschwenderisch bin, dass ich zu viel Geld ausgebe, an allen Ecken und Enden. Dass ich mehr Geld übrig haben müsste, für Flüchtlinge zum Beispiel. Und für kranke Väter.
Ich dachte, dass Geld eine gute Sache sei, aber das man mehr tun müsste. Ich dachte daran, dass die Welt sich gerade komplett verändert. Ich dachte daran, dass alles schon irgendwie wird. Ich sah meine Tochter an und dachte: Scheiße, was passiert in dieser Welt? Scheiße, wie wird das weiter gehen? Ich sah sie nochmal an und dachte: Es muss irgendwie. 

Mittwoch, 19. August 2015

Kennt ihr das?

Kennt ihr das? Das Gefühl, alle anderen haben den schöneren Frühstückstisch? Alle anderen haben die besseren Jobs? Alle anderen haben die besseren Schreiben? Die aufregenderen Erlebnisse hinter den Texten? Den leckereren und vor allem viel fotogeneren Kaffee? Die besseren Kuchen und spannenderen Rezepte? Die aufgeräumteren Wohnungen? Die saubereren Fußböden? Sie lesen viel mehr Bücher als ihr und ihre Selfies sind viel schöner, weil ihre Körper ganz offensichtlich viel schöner sind?

Ihre Haut ist viel reiner, Falten haben sie weniger oder gar keine und die Fettpolster verstecken sie besser, beziehungsweise mit größter Wahrscheinlichkeit haben sie auch da einfach die besseren Karten erwischt. Sie haben die besseren Tweets, sie haben die willigeren Ehemänner und die netteren Ehefrauen, das glücklichere Eheleben, die hilfsbereiteren Verwandten und die lieberen Kinder und wenn schon nicht lieber, dann wenigstens lustiger oder mit mehr Familientweetpotential. Sie haben die ordentlicheren Kinderzimmer, die ordentlicheren Kinder. Ich meine: Sie haben Ordnung.

Kennt ihr das Gefühl, wenn alle anderen mehr Sport machen als ihr und aus einem für euch unerklärlichen Grund auch hinterher noch Zeit haben, zu duschen? Das Gefühl, dass die anderen mehr lesen, mehr rauchen, mehr trinken (oder weniger), mehr schlafen (MEHR SCHLAFEN!!!) und mehr Sex haben? Kennt ihr das Gefühl, dass der Strand auf IHREN Urlaubsbildern weißer aussieht, der Pool blauer und die Harmonie fühlbarer ist? Die Luft sicher besser schmeckt? Das Gefühl, das Leben der anderen sei bunter, aufregender, spannender, lauter, leiser, ruhiger, geordneter, organisierter, gefühlvoller, wärmer, kälter, langsamer, schneller......lebendiger? Kennt ihr das Gefühl? Ja?
Ich nicht.

Donnerstag, 6. August 2015

Hochzeitstagspoesie


Zueinander fanden wir
Uns ineinander verliebten wir 
Voneinander lernten wir
Miteinander entschieden wir
Nebeneinander kämpften wir
Miteinander beschlossen wir
Einander für immer zu lieben
Miteinander überstanden wir
Übereinander lachen wir
Aufeinander bauen wir
Aneinander lehnen wir uns
Ohneeinander geht es nicht
Füreinander sind wir da

Danke. Für neun wundervolle Jahre.




Mittwoch, 5. August 2015

Beerentorte für Beerentortenanfänger

Zum Schreiben komme ich derzeit nicht. Das Leben ist einfach zu spannend, um es dauernd zu dokumentieren. Aber ich bin nach dem Rezept meiner Beerentorten gefragt worden und da dies furchtbar einfach ist, will ich mich nicht lange bitten lassen. 

Das Rezept ist aus diesem Buch hier, das mir meine Mutter geschenkt hat und das ganz wunderbar unkomplizierte Sommergerichte hat. 

Im Original steht es als Erbeertorte drin und sie wird mit Zitronenmelisse dekoriert. Basilikum könnte man aber auch mit dem Erdbeermus vermischen. Schmeckt sicher auch gut. Ich habe beides weggelassen. Mit Grünzeug haben die Kinder es im Moment nicht so.

1. Einen Boden backen aus:

3 Eiern
250 g Zucker
150g Mehl
1,5 TL Backpulver

2. Den Boden abkühlen lassen, und in zwei Böden teilen (im Rezept sind es drei, aber ich hab immer nur einmal geteilt, weil ich in Mathe immer schon eine Niete war.

3. 600 ml Sahne steif schlagen. Mehr schadet nicht. Kommt auf den jeweiligen Naschanteil an.

4. Den unteren Boden mit Sahne bestreichen (und wenn genug Früchte vorhanden sind eine Schicht mit gequetschten Früchten (Erdbeeren, Heidelbeeren (gemischt mit Heidelbeermarmelade) oder Himbeeren (pur, zerquetscht)).

5. Den oberen Boden auflegen und oben sowie an den Seiten mit Sahne bestreichen. Oben mit den Früchten nach Geschmack dekorieren

Beerenmengen:
Für die Erdbeerversion habe ich 600 g genommen (die Hälfte zerquetscht und zwischen die Böden, die andere Hälfte oben drauf)
Für die Himbeerversion habe ich auch 600 g genommen und habe etwas weniger zerquetscht, sonst sieht es oben so leer aus.
Für die Heidelbeerversion haben wir ca. 700 g Heidelbeeren genommen und mit 200 g Heidelbeermarmelade verrührt. Diese kann je nach Geschmack ebenfalls in die Mitte oder wie ich es gemacht habe, nur oben drauf verteilt werden. 

Das war's schon. Die Heidelbeervariante war natürlich am leckersten, weil die Jungs die Heidelbeeren im Beerenland zuvor selbst gepflückt haben. Unbezahlbar.


Freitag, 10. Juli 2015

Idylle können wir nicht

Ich habe manchmal ganz idyllische Ideen. Es kommen immer Kinder darin vor. Kinder, die lachen, fröhlich sind. Kinder, die mir sanft ins Ohr flüstern: "Mama, darf ich..." "Mama, kann ich...". Kinder, die an meinem Rockzipfel hängen, weil sie sich in neuen Umgebungen leicht unsicher fühlen und sich freuen, dass ich da bin, um mit ihnen was Neues auszuprobieren. Kinder, die sich dann sanft vom Rockzipfel lösen, um die neue Umgebung zu erkunden. Zurückhaltend, ruhig und auch ruhig ein wenig vorsichtig. 

Gestern wollte ich mit den Kindern in die Bibliothek. Ich kam so gegen 16 Uhr nach Hause. Die Bibliothek im Dorf hat nur Donnerstag Nachmittag geöffnet und wird ehrenamtlich betrieben, was ich übrigens für ein ganz wundervolles Wunder halte. Ich habe wenig Möglichkeiten, hier im Dorf mit den Kindern Dinge zu unternehmen, die uns aus dem Alltag herausholen. Im Dorf selbst kann man sich nicht vernünftig mit drei Kleinkindern fortbewegen. Ich sterbe jedes Mal tausend Tode, wenn die Jungs mit Laufrad und Fahrrad in verschiedene Richtungen abdüsen und ich mit dem Kinderwagen rumschiebe, weil es keine Radwege gibt und die Gehwege entweder sehr schmal oder nicht vorhanden. Und weil die LKWs mit 70 durchs Dorf brausen. Tut mir im Herzen weh, dass wir uns deswegen nicht mehr so viel bewegen und häufig nach Haus düsen und im Garten spielen. Und dann hab ich manchmal diese Ideen. Es könnte doch schön sein, wenn wir die Bibliothek besuchen. Wenn wir uns Bücher aussuchen, mit nach Hause nehmen, vielleicht auch ein Spiel. Wenn wir in der Bibliotheksecke ein bisschen kuscheln und den Duft der Literatur ein wenig die Nasenflügel kitzeln lassen. Das mal ich mir dann so aus. Und dann läuft das so ab:

Wir kommen rein. Kind A will sofort runter vom Arm. Kind P rast wie ein Irrer an den Bibliotheksdamen vorbei, schreit noch kurz "Wer bist du, wie heißt du?", hat aber keine Zeit für die Antwort, weil er erstmal kucken muss, wo er hier ist. Er geht an alle Türen, macht auf, kuckt rein, schmeißt sie wieder zu. Kind M derweil rennt die Treppe hoch, zu den Erwachsenenbüchern. Kind P rennt hinterher "NEIN! ICH ZUERST!", Kind A will alle Bücher aus den Regalen werfen, ich setze mich, räume diese Bücher wieder ein, Kind M schleppt Spiele an: "MAMA, das will ich spielen!" und packt aus. Kind P will derweil das Licht an- und ausschalten und kucken, ob man im Klo wirklich eingeschlossen wird, wie er kürzlich hier gelesen hat. Ich schnappe mir schnell ein paar Bücher, das Spiel wird wieder eingepackt, ich sammle drei neue Bücher vom Boden, die Kind A runtergeworfen hat, gehe zur Theke und versuche die Anmeldung hinter mich zu bringen, während das Aupair Kind A davon abhält die Treppe hochzuklettern und runterzufallen und Kind M und P abermals die Spielesammlung zur Theke schleppen. Ich schwitze, das Aupair schwitzt, 'Nur noch raus hier!', denke ich. 
Idylle. Das können wir irgendwie nicht.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Mal wieder Therapiebedarf

Es ist mal wieder so weit. Ich habe ein Kind, das therapiert werden soll. 

Mit der Feststellung von Therapiebedarf habe ich inzwischen Erfahrung. Bei Kind P. sollte schon fast alles therapiert werden. Unter anderem auch ein leichter Dysgrammatismus. Bei Kind M. hätte ein bisschen Logopädie auch nicht schaden können und Physiotherapie. Ganz viel Physiotherapie. Und jetzt war es endlich auch mit Kind A soweit. Sie ist jetzt 1 Jahr und 6 Monate und läuft nicht frei. Grund genug, ein wenig Therapie vorzuschlagen.

Der Therapiebedarf wurde mir im Entwicklungsgespräch in der Kinderkrippe mitgeteilt. Ich führe ja gern Entwicklungsgespräche. Am liebsten in der Krippe. Da geht es dann um Tabellen und um Fortschritte und um Rückstände und um Schule. Um SCHULE! Das ist das Ding, in dem ich arbeite und in das immer mehr Kinder mit einer Diagnose kommen. Einer Diagnose, die ich unbedingt kennen muss, um dem Kind im Unterricht vernünftig pädagogisch und erzieherisch begegnen zu können. Eine Diagnose, die mir bescheinigt, dass Tim heute fehlt, weil er ausgebrannt ist. Eine Diagnose, die mir hilft zu verstehen, dass Levin in Reihe eins nicht zappelt, weil er seit 5 Stunden nahezu pausenlos volle Konzentration bieten muss und Unterricht in nahezu jeder Stunde frontal läuft, sondern weil er eine Aufmerksamkeitsstörung hat. Oder eine Konzentrationsstörung. Vielleicht aber auch nur eine Bewegungsmangelstörung? Ich habe nichts gegen Diagnosen. Sie sind häufig durchaus sinnvoll und hilfreich. Aber bitte doch an den richtigen Stellen und bei den richtigen Kindern. Und mit dem richtigen Zweck, nämlich dem Kind etwas Gutes zu tun.

Auf meine Fragen, warum meine Kinder therapiert werden sollen, bekam ich bisher jedes Mal den Hinweis auf Entwicklungstabellen. Und Schule. Eine normgerechte Entwicklung läuft anders. Bei Kind A ist es nun das Laufen. Sie schiebt derzeit Gegenstände durch den Raum und wenn man ihr zwei Hände reicht, läuft sie auch durch den Raum. Aber sie läuft noch nicht frei. Das kann therapiert werden. Muss aber nicht. Fakt ist aber eins: Meine Kinder sind anderthalb, drei und vier. Sie sind kerngesund, fröhlich, wahnsinnig offen und sehr sozial. Therapiebedarf haben sie dennoch alle. Denn sie sind einfach zu langsam. Sie laufen nicht schnell genug, springen nicht weit genug, stehen nicht lange genug auf einem Bein und essen nicht gut genug (mit dem Löffel). Eine Therapie könnte Abhilfe schaffen. Die Kinder würden sich dann viel schneller entwickeln. Auf meine Frage, warum das wichtig wäre, kommt am Ende immer die gleiche Antwort: Die Schule. Die Leistung. Der Vergleich. Dinge, die ich hartnäckig ignoriere. Als Lehrerin. (Wahrscheinlich Beruf verfehlt!)

Das ist anstrengend. Ich komme regelmäßig in Rechtfertigungszwang. Und mir wird das Gefühl vermittelt, ich kümmere mich nicht genug. Es werden in Heften, Ordnern, Computern Bestätigungen archiviert, dass ich "zur Kenntnis nehme", dass ich "ausreichend informiert wurde", dass "Therapiebedarf besteht". Zur Absicherung. Damit später, im Falle eines Falles, es nicht hieße, "sie hätten ja nicht." Sie hätten sich ja nicht genug gekümmert. Denn sich kümmern, das müsste ja eigentlich.....

PS. Mit unserer Kita sind wir übrigens sehr zufrieden. Die Gründe für solche Gespräche sehe ich weder im spezifischen Personal noch in bestimmten Einrichtungen, sondern in gesellschaftlichen Entwicklungen.

Donnerstag, 2. Juli 2015

Fertig sein

Nur einmal fertig sein. Nicht mit den Nerven. Oder völlig. Oder total. Sondern fertig mit den Aufgaben des Tages. Das wäre doch schön. Abends ins Bett gehen und nicht denken....

ich hätte noch eine Maschine waschen müssen...
ich hätte die Arbeiten der 10g noch korrigieren müssen...
ich hätte noch schnell den Geschirrspüler einräumen müssen...
ich hätte ihn auch noch anstellen müssen...
ich hätte noch das Buch zu Ende lesen müssen...
ich hätte die Stunde noch besser vorbereiten müssen...
ich hätte das Wohnzimmer noch aufräumen sollen....
ich hätte endlich die Packung Windeln ins Kinderzimmer räumen sollen, die da schon ewig im Flur liegt....
ich hätte den Esstisch noch abwischen sollen....
ich hätte die zwei Rechnungen vom Buchladen noch bezahlen sollen...
ich hätte dem Aupair das Geld überweisen sollen...
diese eine E-Mail, die hätte ich noch schreiben sollen...
und es wäre auch nicht schlecht gewesen, hätte ich noch das alte Brot weggeworfen, statt das neue einfach dazu zu legen....
ein sauberes Bad hätte ich auch gern mal wieder....
und ich habe mal wieder keinen Sport gemacht, dabei ist der doch so wichtig....
ich hätte die Unterlagen für den Termin im Steuerbüro am Montag noch sortieren sollen....
dann müsste ich das nicht am Sonntag machen...
ich könnte doch mal wieder was kochen oder backen, dann hätten meine Kinder das Gefühl, ich wäre eine richtige Mutter...
und ich hätte die Mülltonne rausstellen sollen...
ich hätte nicht so viel Zeit verquatschen sollen, dann hätte ich auch mehr geschafft...

ich hätte dies, das, jenes, welches, so vieles, das Ganze und überhaupt alles andere noch machen sollen. Dann läge ich jetzt nicht hier und müsste mir Gedanken darüber machen, was ich alles hätte machen sollen, weil ich alles fertig habe. Weil ich fertig bin. Nicht völlig. Nicht total. Sondern einfach fertig mit den Aufgaben des Tages. Das wäre doch schön.

Sonntag, 28. Juni 2015

Aupair - einfach mal laut gedacht

In letzter Zeit werde ich immer mal wieder gefragt, ob ich nicht Tipps habe, wie das funktioniert mit einem Aupair. Was man selbst wissen sollte und was man von einem Aupair erwarten darf. Mit welchen Schwierigkeiten man rechnen muss und auf welche Änderungen man sich einstellen muss. Ich bin kein Experte in diesen Fragen und mag sie ungern beantworten, weil ich glaube, dass es sich immer um individuelle Erfahrungen handelt. Das konnte ich am eigenen Leib erfahren. Denn noch vor vier Wochen habe ich gesagt: Nie wieder Aupair. 

Warum? Unser erstes Aupair kam im April und ich war wahnsinnig froh, dass wir das versuchten, denn ich bin mit allen meinen Aufgaben an den meisten Tagen überfordert und lasse viele Dinge hinten runter fallen, die mir wichtig sind, die aber beim besten Willen nicht mehr reinpassen. Immer öfter handelt es sich dabei auch um so essentielle Dinge wie den Nachtschlaf. Das ist so dermaßen frustrierend, wenn du auf keiner Ebene mehr zufrieden bist, weil du überall nur Flickenteppiche reparierst. Ich brauchte Hilfe und ich freute mich riesig, dass ich welche hatte. Aber dann ging der erste Versuch so dermaßen schief, dass mich viele fragten: Warum hast du das überhaupt nochmal  versucht?
Puppentheater made by Aupair

Die Antwort ist ganz einfach: Ich habe keine Wahl. Ich brauche immer noch Hife. Und inzwischen habe ich sie. Seit drei Wochen.

Vorneweg: Meine Aupair-Situation ist speziell. Wir haben ein ungarisches Aupair, weil wir unsere Kinder zweisprachig erziehen und ich mit meinem Mann auch hauptsächlich ungarisch spreche. Wir sprechen mit unserem Aupair in ihrer Muttersprache und ich denke häufig darüber nach, wie es wäre, wenn das nicht ginge. Wie hätte sie mir erzählen können, dass die Jungs sie aus dem Haus ausgesperrt haben, um ihr durchs Fenster eine lange Nase zu zeigen und Kind P zu ihr gesagt hat, "Geh nach Hause, du gehörst hier nicht her?" Wie hätte sie ihren Frust über all diese Erfahrungen bei mir abladen können, wenn die Ausdrucksmittel massiv eingeschränkt sind? 
Erster Punkt also: Sprachkenntnisse! Die Kommunikation muss klappen, egal in welcher Sprache. Mit unserem Aupair reden wir. Morgens, mittags, abends. Sie kann alles sagen und wir nehmen kein Blatt vor den Mund und wir sprechen über Konflikte und das Fremdeln der Kinder. Machen uns gegenseitig Hoffnung und laden unseren Frust ab. Das tut gut. Wenn das auf Deutsch geht, super. Ich bin froh, dass es vorerst auch auf Ungarisch möglich ist.

Zweiter Punkt ist wohl das Kümmern. Ich versuche mich, so gut ich kann zu kümmern. Habe Willkommensgeschenke besorgt, bringe ihr Kleinigkeiten mit, wenn ich einkaufen war, frage sie, wie sie sich fühlt und versuche viel, auf sie einzugehen. Und wir reden. Wir sitzen regelmäßig abends zusammen und trinken ein Glas Wein oder schauen einen Film. Für heute haben wir uns den Tatort vorgenommen. Wir quatschen über Feminimus (sie ist sehr intelligent und hat irre viel zu sagen, das würde mir sicher entgehen, wenn wir die Sprachbarriere hätten) und das Leben und wir verbingen unsere Freizeit gern mit ihr. Ein Aupair ist ein Mensch mit Wünschen, Gefühlen, Bedürfnissen und Ängsten. Man kann sich nicht um diese kümmern. Fühlt sich dann aber nicht so gut an. Für beide Seiten.

Dritter Punkt: Finanzen. Die Fixkosten in unserem Fall belaufen sich auf
260 Euro Taschengeld
40 Euro Kranken und Haftpflichtversicherung
50 Euro Sprachkursunterstützung
Plus Ticket für die Öffentlichen, was hier so auf 100 Euro hinausläuft.

Darüber hinaus waren wir zum Einstieg mit ihr essen. Ich bringe immer mal was Kleines mit. Wenn wir einen Kaffee trinken, bezahle ich und ich versuche zumindest, großzügig zu sein. Ob ich das wirklich bin, kann ich nicht beurteilen. Wie käme das auch rüber. Aber ich möchte es zumindest gerne sein. Was wir darüber hinaus gern machen würden:
- Sie muss Autofahren lernen. Dafür muss ich aber meine Versicherung ändern
- Ich hätte gern ein Handy für sie, zur Zeit skypen wir oder kommunizieren live.
- Ich würde sie gern mit in den Urlaub nehmen
- Ich freu mich schon auf Weihnachten. Eine junge Frau mit so vielen Interessen beschenken. So einfach!

Vierter Punkt: Alleinsein. 
Es ist nun immer noch jemand da. Darauf muss man sich einstellen. Aus meiner Erfahrung kann ich nun sagen, dass das leichter fällt, wenn man sich gut versteht. Mit unserem ersten Aupair haben sowohl wir als auch sie uns relativ schnell zurückgezogen. Ich habe gemerkt, dass sie mir eigentlich nicht wirklich was zu sagen hat und unsere Beziehung sehr stark vom Chef-Angestellten-Gefühl geprägt war. Damit konnte ich ünerhaupt nicht umgehen. Ich wollte kein Dienstmädchen bei mir im Keller haben. Ich wollte ein Familienmitglied bei mir im Wohnzimmer haben. 

Fünfter Punkt: Sprachkurs
Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist, einen vernünftigen Sprachkurs für ein Aupair zu finden. Das finde ich richtig ätzend. Aber vielleicht habe ich auch einfach Pech. Wir wohnen in einer komplizierten Ecke, am Landkreisrand, was übrigens auch den ÖVB-Ticketkauf erschwert. Aber daran liegt es nicht nur. Das Angebot ist einfach nicht dolle. Aus meiner Sicht wäre ein Sprachkurs gut, der drei Termine die Woche mit 4-5 Stunden hat. Das ist eine Anzahl, die es dem Aupair ermöglicht, intensiv zu lernen, aber auch unsere Bedürfnisse noch genauso intensiv zu berücksichtigen. Das gibt es aber nicht. Hier bei uns gibt es Kurse, die einmal die Woche stattfinden, für ein bis zwei Stunden, manchmal auch länger, und Kurse, die jeden Tag stattfinden für 4-5 Stunden, was auch nicht schlecht wäre, meiner Meinung nach, aber dauerhaft unrealistisch ist, weil es mit dem Pensum hier nicht vereinbar ist und ja auch zusätzlich noch viel gelernt werden muss und - und das ist das wohl schwerwiegendste Argument - ein solcher Kurs monatlich 290 Euro kostet. 
Wir versuchen unser Glück gerade mit kostenlosen Kursen für Migranten, sie besucht zur Zeit zwei und ich hoffe, dass wir damit erfolgreich sind. Das Geld, das sie dabei spart, reicht dann vielleicht für ein paar Intensivkurse etwas später. 

Sechster Punkt: Essen
Aus eigener Erfahrung weiß ich (ich war Austauschschülerin in den USA mit 15), dass die fremde Ernährung in einer anderen Familie eine der schwierigsten Erfahrungen ist. Ich kann die heimische Küche nicht ersetzen, aber ich weiß auch, wie sehr das Lebensgefühl von der Ernährung abhängt. Deswegen sollte man auch mit diesem Thema sehr sensibel umgehen. Ob ich das richtig mache, weiß ich nicht. Ich versuche mein Bestes.

Ich weiß nicht, ob ich richtig mache, was ich mache. Ich mache das auch zum ersten Mal. Es hilft aber sehr, mal laut darüber nachzudenken. Und vielleicht hilft es auch irgendwem da draußen.



Freitag, 12. Juni 2015

Wie man merkt, dass irgendwas richtig läuft - Aupair

Seit Montag haben wir ein neues Aupair. Ich möchte es ungern beschreien, aber ich glaube

Warum ich das so fühle? Ich bin Lehrerin. Menschen, die Fragen stellen, mag ich sehr. An das Leben, an die Welt, an sich selbst, an die Zukunft, über ihre oder die Vergangenheit Anderer, an ihre Umwelt, an die Sprache und eben auch an mich. Und wenn die Fragen dann auch noch so sind wie die, die ich in den letzten vier Tagen gehört habe, dann spür ich einfach, da läuft irgendwas richtig. 
Hier ein paar Beispiele:

Was kann ich tun, wenn sie so streiten? Ich kann nicht schreien. 
Was wünschst du dir von mir im Haushalt? 
Ich dachte, ich hole jeden Tag ab und bringe auch jeden Tag?
Ich steh dann aber jeden Tag mit auf und helfe, auch wenn ich nicht wegbringe, oder? Dann hab ich auch einen besseren Rhythmus. 
Womit wischst du die Böden? 
Womit reinigst du den Herd? Ich hab diesen Lappen hier genommen, aber dann roch das so. (Der Erklärungssatz gefiel mir am besten!) 
Wie funktioniert der Geschirrspüler?
Wenn die Vermieter am Dienstag kommen, dann putz ich einfach am Montag ordentlich, oder?
Hast du mal mit Aufklebern zur Belohnung gearbeitet? Ich hab mir überlegt, sowas zu probieren, damit sie mir beim Abholen und Bringen nicht auf die Straße rennen, ich mach mir ein bisschen Sorgen. 
Kann ich dir helfen? 
Soll ich dir helfen? 
Wie kann ich dir helfen?
Soll ich was einkaufen?
Ich lass dich jetzt arbeiten, oder?
Kann ich den Kindern noch eine Geschichte vorlesen? Und noch eine? Und dann noch eine?
Stör ich?
Soll ich dir was abnehmen?
Kann ich die Filme im Regal alle anschauen?
Kann ich in die Deutschbücher, die du mir hingestellt hast, mit Bleistift reinschreiben?


Die Liste ist lang und jetzt hoff ich und wünsch ich mir nur, dass sie richtig bei uns ankommt, sich wohl fühlt und viele weitere Fragen stellt.



Sonntag, 7. Juni 2015

Aupair, die Zweite

"Ein Aupair - wozu? Die Kinder sind doch im Kindergarten?" - ein Satz, den ich kürzlich in Budapest hörte, als ich erzählte, dass wir nun den zweiten Versuch mit einem Aupair starten. Ab heute Abend.

Aber wozu eigentlich? 
Das ist im Grunde ganz einfach. Ein Aupair ist ein Familienmitglied, das im idealen Fall, verantwortungsbewusst und zuverlässig ist, in jedem Fall aber nur in sehr seltenen Fällen mit Essen rumschmeißt, sich auf den Boden wirft, wenn ihr irgendwas nicht passt, oder barfuß aus dem Haus geht, weil es eben gerade keine Lust hat, Schuhe anzuziehen. Alle Familienmitglieder, die über dieses Stadium hinaus sind, wären theoretisch in der Lage, unser Leben als Familie im Alltag etwas zu erleichtern. Denn das wünsche ich mir. Ein erleichtertes Familienleben. Aber dafür brauche ich Hilfe. Ich könnte die Familienaufgaben natürlich auch alle selbst übernehmen. Das wäre sehr sinnvoll, denn dann wüsste ich zumindest immer, wer was macht. Nämlich ich, alles. Aber das möchte ich nicht. Denn ich schaff das nicht. Und das finde ich auch völlig legitim. Etwas nicht zu schaffen. Ich brauche einfach etwas Hilfe. Wir brauchen etwas Hilfe.
- bei der Betreuung der Kinder (Derzeit kommen sie um 15 Uhr aus dem Kindergarten, wenn ich sie da immer abholen würde, käme ich mit meiner Arbeitszeit nie hin - im Moment 70%, ab September Vollzeit)
- bei den Tätigkeiten im Haushalt (Und hier meine ich die alltäglichen Aufgaben, Kleinigkeiten, die Zeitfresser, wegen denen ich regelmäßig um 4 Uhr aufstehe, wenn ich damit alleine bin)
- bei der Bespaßung der Kinder (Drei Kinder in so einem kurzen Abstand allein zu bespaßen ist wirklich kompliziert. Ich stelle mich vielleicht auch düsig an, wer weiß das schon, mich evaluiert ja nie einer, aber ich finde das kompliziert. Zu zweit geht das einfach viel leichter. Deshalb wünsche ich mir ein Aupair, die mir ab und zu die Bastelschere reicht. Besser noch: Selbst in die Hand nimmt.)
- bei der sprachlichen Entwicklung (Wir sprechen hier Deutsch und Ungarisch und die Kinder sollen beide Sprachen beherrschen. Das ist uns wichtig. Deswegen wollten wir auch unbedingt ein ungarisches Aupair.)

Unser erstes Aupair war vier Wochen bei uns. Wir haben uns sehr gefreut auf sie, eine erfahrene Kleinkindbetreuerin. Die Erwartungen waren hoch, auch deswegen, aber nicht nur. Es bröckelte allerdings ziemlich schnell. Vom ersten Tag spürte ich eine enorme Unsicherheit, die mit jedem Erlebnis, mit jeder Stunde, die sie mit den Kindern verbrachte, größer wurde. Und ich fragte mich relativ zügig, wie ich da helfen kann. Ich nahm ihr die Verantwortung wieder ab, denn sie war damit völlig überfordert. Vielleicht war das falsch, denn damit habe ich ihre Unsicherheit noch gefördert. Ich habe viel auf diesem Thema gedanklich herumgekaut und wollte auch gar nicht darüber schreiben, weil ich bis heute unsicher bin, wie viel von diesem Scheitern an mir/uns liegt und wie viel an ihr. Vielleicht ist das auch gar nicht wichtig, vielleicht hat es einfach nicht gepasst und dann gesteht man sich das ein und beendet das Experiment. Denn so fühlte es sich relativ zügig an, wie ein Experiment. Und das war nicht das, was ich mir gewünscht hatte.

Heute Abend kommt unser neues Aupair. Der Papa bringt sie aus Budapest mit - die Kinder sind nämlich gerade mit ihm für ein verlängertes Wochenende dort - und dann geht sie los, unsere neue Reise. Aus meiner ersten Erfahrung und vielen, vielen Gesprächen mit ehemaligen Aupairs (danke an euch alle übrigens, ihr wisst hoffentlich, dass ich euch meine) nehme ich mit, dass ich klar formuliere, was ich mir wünsche. Dass ich Arbeitszeiten und -aufgaben genau vorgebe und dass ich mich noch mehr kümmere. In diesem Sinne habe ich ein paar Willkommensgeschenke besorgt und erarbeite heute noch einen Plan, wie viel und in welcher Form ich konkrete Aufgaben abgebe. Das ist gar nicht so leicht, wie man denkt. Für mich im Grund der schwierigste Teil. Ich hoffe, ich werde ihn diesmal etwas besser meistern. 

Donnerstag, 4. Juni 2015

Ich würde es ja gerne glauben

Ich würde es ja gerne glauben.

Dass Vereinbarkeit das Problem ist.
Dass Familien besser unterstützt werden müssen.
Dass Frauen weniger diskriminert werden müssten.
Dass die gesellschaftliche Akzeptanz für Kinder größer sein müsste.
Dass Arbeitsstellen sicherer sein müssten.
Dass Existenzen sicherer sein müssten.
Dass Mobilität der Übeltäter ist.
Dass das Lohngefälle in Frauenberufen schuld ist.
Dass Kita-Gebühren niedriger sein müssten.
Dass es insgesamt weniger Armut geben müsste.
Dass es bessere Rentenabsicherungen geben müsste.
Dass es rosigere Zukunftsaussichten geben müsste.
Dass es am Umgang mit dem Hebammenberuf liegt,

dass wir hier in Deutschland einfach keine Kinder mehr kriegen. Aber es fällt mir einfach schwer. Auch wenn dies alles wahrnehmbare gesellschaftliche Probleme sind, um die es gilt, sich zu kümmern, und zwar vordergründig. Aber all diese Probleme und das Kinderkriegen bekomme ich gedanklich nicht zusammen. Vielleicht liegt das daran, dass ich meine Kinder einfach bekommen habe, ohne darüber nachzudenken. Vielleicht war das falsch. Verantwortungslos. Naiv. Dumm. Aber ich habe das so gemacht. Ich habe keine Minute darüber nachgedacht, wie viel der Beitrag in der Kita kosten würde. Ich habe keine Sekunde darüber nachgedacht, ob ich Schwierigkeiten haben werde, wieder in den Beruf zurückzufinden (Das war übrigens wirklich dumm, wie ich inzwischen weiß, nicht aus eigener Erfahrung, aber aus Beobachtungen anderer heraus). Ich habe beim Kinderwünschen-, -planen, -machen auch nicht darüber nachgedacht, ob es mir möglich sein wird, mein Kind mit Hebamme zu bekommen, auch wenn mir das wichtig war. Ich habe nicht an meine Rente gedacht. Ich habe auch nicht an die Grenzen der familiären Unterstützung gedacht. Und ich hab nicht daran gedacht, dass ich mich in vielerlei Hinsicht eventuell in die Ecke manövrieren würde, weil ich Kinder habe. 

Seit ich Kinder habe allerdings, denke ich durchaus über diese Dinge nach. Nun könnte man meinen, ich war eben einfach dumm. Alle anderen denken nach, bevor sie was tun. Sie planen Kinder. Sie bauen sie ein. Sie machen Kostenvoranschläge. Sie rechnen durch, wie viel vom Monat übrig bleiben wird, wenn das Geld alle ist, nachdem das Kind erstmal da ist. Sie rechnen nach, ob sich das lohnt mit dem dritten Kind wegen des Kindergeldes, immerhin 6 Euro mehr. Sie lassen sich Angebote machen von Kitas, bevor sie sich ins Abenteuer Kind stürzen. Oder sie fragen den Arbeitgeber, wie es denn mit dem home office nun wirklich aussieht. Vor der Zeugung wohlgemerkt. Und entscheiden sich dann dagegen. Vielleicht machen das andere wirklich. Vielleicht. Ich glaube nur nicht dran. Würde mich mal jemand überzeugen?

Montag, 1. Juni 2015

Familienfoto die Dritte

So ein Familienfoto zu erstellen ist ja auch nicht ganz einfach. Am einfachsten ist es noch, wenn der größte Teil der schlecht still sitzenden Familienmitglieder noch im Bauch oder im Kopf ist, so wie auf diesem Bild hier von 2011.



Aber je mehr Mitglieder die Familie hat, desto schwieriger wird es, alle mal auf ein gescheites Bild zu bekommen. Entweder knipst man immer selbst oder irgendeiner kuckt blöd oder es sind mal wieder alle so mit irgendwelchen Viren beschäftigt, dass sie entweder völlig fertig aussehen oder es gar nicht zum Foto kommt. 
Wir haben uns 2011 das erste Mal mit Dora getroffen, eine sehr liebe Bekannte aus Budapest. Sie kam zu uns nach Haus und fotografierte. 2 Stunden lang. Wir hatten jede Menge Fotos, digital und analog - in Form eines Fotobuches und waren super zufrieden. Der zweite Termin war schon schwieriger. Wir waren schon zu viert und waren schon in Deutschland. Blieben nur noch die Ferien für Besuche in Budapest. Und die Kinder wurden oft krank. Oder wir. Oder alle. Aber es klappte irgendwann doch. Wir hatten nicht viel Zeit zur Vorbereitung und waren lustig angezogen. Am Morgen hatte Kind M noch schnell auf die heiße Herdplatte gefasst und wir einen kurzen Ausflug ins Krankenhaus gemacht. Aber die Fotos waren trotz allem so schön, dass ich sie immer wieder gerne zur Hand nehme. 



Heute nun hatten wir mal wieder einen Familienfototermin. Zu Ostern war der letzte Versuch, den wir absagen mussten, weil alle Magen Darm hatten. Diesmal hat der Sohn sich eine Bindehautentzündung ausgedacht, die nun aber einfach mit aufs Foto kommt. Die Sachen haben wir diesmal sommerlich farblich aufeinander abgestimmt. Ich bin gespannt. Und freu mich so.

Samstag, 30. Mai 2015

Ich habe Bein und trage Kleid. Beinkleid.

Neulich fragte mich eine Kollegin, was mit meinen schönen Kleidern passiert ist, weil ich seit kurzem wieder vermehrt Hosen in der Schule trug. Nun, das hat einen ganz einfachen Grund. Ich habe seit Kind A, beziehungsweise seit Schwangerschaft Nr. 3 (eigentlich vier), Bein, um im familieninternen Code zu sprechen (in dem Körperteile Metaphern für gesundheitliche Probleme sind, (is übrigens nicht von uns, sondern von Hape, soviel ich weiß)) und trage deswegen gerne Kleid. Beinkleid. Bei den Temperaturen in letzter Zeit allerdings waren mir Strumpfhosen einfach zu warm, deswegen stieg ich auf Hosen um, damit niemand sieht, was mich selbst so furchtbar nervt.

Es fing alles an mit leichten Schmerzen im rechten Bein, zu Beginn der letzten Schwangerschaft. Ich ging zum Arzt und der sagte, ach das is nix. Man sieht ja gar nichts. Das kommt vielleicht vom Rücken. Ich so - Nein, das sind sicher die Venen, ich spüre das, vielleicht könnten Kompressionsstrümpfe helfen. Der Arzt so - "Ach, man sieht ja gar nichts. Das ist irgendwas anderes. Warten Sie erstmal ab." Ich wartete ab. Und drei Monate später war auch endlich was zu sehen. Hurra. Dann bekam ich Strümpfe. Doppel Hurra. Die trug ich dann wie ein Erstklassstreber seinen Schulranzen. Von morgens bis abends. Von Mai bis zur Geburt im Januar. Ich hätte auch mit ihnen geschlafen, wenn das irgendwas gebracht hätte. Kurz vor der Geburt ließ ich sie mir vom Mann ausziehen. Ich dachte, beim Pressen könnte das eventuell stören, wenn's noch woanders pressiert. 

Nach der Geburt entwickelte sich äußerlich das meiste wieder zurück, aber es blieb für meine Begriffe genug, um kurze Kleider nicht mehr ohne Strumpfhosen tragen zu wollen. Und außerdem blieb das blöde Gefühl. Bin ich jetzt alt? 
Letzten Sommer ging ich zum Spezialisten. Ich sagte ihm: "Ich bin eigentlich nur hier, weil sie mir sagen sollen, dass ich mich nicht so haben soll, die Schmerzen (denn die blieben leider auch nach der Geburt) sicher bloß eingebildet sind und ich im Grunde ein geringfügiges kosmetisches Problem habe, das ich behandeln lassen könnte, wenn ich wollte, aber nicht müsste, weil es eben nur ein kosmetisches Problem ist." Er sagte: "Ja gut, und wann darf ich Ihnen sagen, was Ich Ihnen empfehle?" Ich hab ihm dann noch erlaubt, seinen Text zu sprechen, hab mir was von OP angehört und von mittelfristig und bin dann nach Hause mit dem Gedanken "pff - der will ja bloß schnippeln."

Leider will ich wohl aber inzwischen auch. Beziehungsweise fühle, dass ich muss. Wann und wo ich das wohl reinquetsche? In der Zwischenzeit jedenfalls behelfe ich mir in Sachen kosmetisches Problem mit langen Kleidern.

Freitag, 22. Mai 2015

Über meine Arbeit

Falls Sie sich wundern, warum hier nix los ist. Ich habe - und dafür bin ich eigentlich auch sehr dankbar - zuviel zu tun. Manchmal finde ich das sehr ätzend. An anderen Tagen wieder lese ich den x-ten Beitrag über die x-te Frau, die in ihrem Job nach der Elternzeit plötzlich nicht mehr gebraucht wird, weil Mütter so anstrengend und so wenig belastbar sind und bin dankbar. Trotz der hohen Belastung. Dass ich arbeiten kann und darf. Aber so ganz leicht ist es trotzdem nicht. 
In letzter Zeit habe ich mal versucht, meine Arbeitszeit etwas hochzurechnen. 
Meine Anwesenheitsstunden in der Schule derzeit:
Montags 9,5 Stunden
Dienstags 6 Stunden 
Mittwoch 6 Stunden
Donnerstag 6 Stunden
Freitag 6 Stunden
Macht insgesamt: 33,5 Stunden, die ich in der Schule verbringe. In diesen Stunden gebe ich insgesamt 18 Unterrichtsstunden, habe drei Vertretungsstunden und den Rest der Zeit trage ich Noten ein, organisiere irgendwas, spreche mich mit Kollegen ab, korrigiere, bereite auch mal eine Kleinigkeit vor, kopiere und organisiere Räume, Beamer und was sonst noch so auf Listen steht, in die man sich eintragen muss. (Mit einem Stift. Auf Papier. Im Sekretariat.)
Dazu kommen die Zeiten, in denen ich zu Hause arbeite. Die Unterrichtsvorbereitung mache ich grob für die gesamte Woche am Wochenende. 
Samstag 4 Stunden
Sonntag 2 Stunden oder andersherum. Oder mehr. Weniger nie.

Dazu kommt das Feintuning in der Woche. Das mache ich oft morgens - dann gehe ich am Abend direkt nach den Kindern ins Bett und der Wecker klingelt zwischen 4 und 4.30 Uhr. Oder am Abend. (Eher selten) Auf jeden Fall kommt pro Tag eine Stunde Feintuning zu Hause dazu. Macht 5 Stunden pro Woche. Wie viele Stunden haben wir jetzt? Rechnerechne: 45,5 Stunden. So viele Stunden arbeite ich, wenn nichts zusätzliches ansteht. Keine Lehrerkonferenz, keine Korrekturen, kein Abi, kein Tag der offenen Tür, kein Elternsprechtag. Nur mein Unterricht und ich. Also nie. Im Regelfall sind es eher 50 Stunden.

Jammern liegt mir nicht. Ich arbeite gern und mag meine Arbeit sehr. Und ich bin Anfängerin. Mal wieder. Es wird noch dauern, bis ich mich einspiele, ich habe noch zu wenig Erfahrung mit vielen Dingen am bayerischen Gymnasium und das wirkt sich natürlich auf die Arbeitszeit aus. Ich möchte viele Dinge richtiger als richtig machen, mache aber natürlich auch manchmal Dinge falsch und versuche das durch Mehrarbeit zu korrigieren. Was natürlich bei diesen Zahlen eine Milchmädchenrechnung ist. (M)ein Tag hat 24 Stunden. 

Heute ist der letzte Schultag vor den Ferien, die bei uns zwei Wochen lang sind. Ich packe meinen Koffer und nehme mit...3 Stapel Schulaufgaben mit je 26 Arbeiten, die in etwa 20 Minuten Korrekturzeit verlangen. Kein Urlaub also, sondern Korrektur-laub. Ich muss zudem zwei Lektüren aussuchen, lesen und den Unterricht dafür planen, für die sechsten Klassen. Uff.

Dennoch. Ich bin froh über diese Stapel. Und froh über meine Arbeit. Auch wenn es nicht so ganz leicht ist. Und ich nun statistische Auswertungen meiner eigenen Arbeitszeit hier als content verkaufe. Entschuldigen Sie, wenn ich Sie belästigt habe. Ich geh dann mal wieder arbeiten.

Donnerstag, 7. Mai 2015

Zwei Tage #rp15 in kurz

Man soll ja nicht Bilanz ziehen, bevor man Bilanz ziehen soll, aber ich habe die re:publica heute Morgen aufgeschlossen und einfach Zeit. Wenn ich heute Abend zuschließe, ist es mit der Zeit mal wieder vorbei. Dann kommt erst ne Menge travel und dann ne Menge work und dann wieder family non-stop. Ob ich da noch zur Reflexion komme? Ich befürchte nein.

Und weil ich völlig geflasht bin von meinen ersten drei Tagen me time am Stück seit Geburt meines erstes Kindes vor viereinhalb Jahren fasse ich mich kurz und übersichtlich.

re:publica war für mich bisher

ein großer Haufen wahnsinnig spannender Menschen, die beim Thema Internet und offenbar auch sonst im Leben (und das finde ich besonders cool) keine Lust auf schwarz oder weiß haben, sondern bunt leben/arbeiten/denken/sind.

ein wahnsinnig spannender, emotionaler, wichtiger, abwechslungsreicher und humorvoller Vortrag von @astro_alex, der völlig zu Recht mit Begeisterungsstürmen bedacht wurde. Must see!



das live Erlebnis der @mareicares und des @raulde, die sich auf die Suche nach Inklusion im digitalen Europa gemacht haben. Der Vortrag ist schon online. Go see.



eine wirklich interessante foodblog 2.0 session mit einem unheimlich gut harmonierenden Panel und spannenden Gästen: @wurstsack, @breadexchange und @Carmenhi. Vielleicht aber auch einfach nur wegen der professionellen Moderation der @evaschulz. Eine meiner Lieblingssessions. Auch wenn oder gerade weil es nur ums Essen ging. Denn genau darum geht es. Warum eigentlich NUR Essen?

ein Vortrag von Thomas Andrae zu wearables, ein Thema, das mir immer wieder einen Schauer über den Rücken jagt.




die Familienbloggersession "Wie privat ist zu privat?" mit @dasnuf, @mesupermom, @dilemmadeluxe und @herz_und_liebe, die völlig unterschiedliche Einstellungen zu Kinderbildern im Netz präsentierten. Ich, die ich es bei diesem Thema irgendwie mit buddenbohm halte, konnte nur leider meine Frage nicht anbringen: Macht ihr eigentlich einen Unterschied zwischen den Produzenten der Bilder? Wie steht ihr zu Bildern, die andere von euren Kindern machen? Ich denke da an Schule/Kiga und so weiter. Unterschreibt ihr Freigaben, schmeißt ihr diese Zettel weg? Was ist da los?

Ein weiteres Highlight war die "Wie suchen Kinder" session. Ich frage mich zwar, inwieweit Kinder die fragfinn.de Suchmaschine wirklich nutzen (die finnreporter Niclas und Lara bestätigten, dass sie bei Nichterfolg immer auf google zurückgreifen würden.) Wie gut sind Suchmaschinen für Kinder? Nutzen Kinder diese und wie kann ich meine Kinder vor den falschen Inhalten schützen? Interessante Themen für mich als Mutter, Lehrerin und Internetterin.

Und nun muss ich schon aufhören mit der Bilanzierung und weiter machen mit dem real life, denn hier warten heute noch einige spannende Sachen auf mich. Am meisten freu ich mich auf den Vortrag von @journelle und die blogfamilia, an der ich jetzt doch noch teilnehmen kann. Jej. Auf geht's.


Montag, 27. April 2015

Die zwölf Aufsatztypen und welche ich daheim hab

Die verschiedenen Aufsatztypen (es ist von Typen die Rede, die einen Aufsatz schreiben) sind euch bekannt oder? Mir ja nicht erst seit gestern. Das Problem allerdings: Inzwischen sehe ich immer mal wieder in einem dieser Typen meine eigenen Kinder. Und dann überkommt mich ein so warmes Gefühl im Herzen, dass ich die Schulaufgabe am liebsten abbrechen möchte, um mit allen einfach ein Eis essen zu gehen. Meistens kommt es dann aber doch, bevor es dazu kommt, noch schnell zur Spontanabkühlung durch irgendeinen Schummler.

Heute zum wiederholten Male live beobachtete Typen:

1. Der Papiernassmacher
strengt sich geistig so dermaßen an, dass sich die körperlichen Auswirkungen nach kurzer Zeit auf dem Aufgabenblatt erkennen lassen. Nicht allerdings in Form von Notizen, sondern in Form von Schweiß, der das Papier durchnässt, sodass es anfängt, sich unter seinen Händen zu wellen. 

2. Die Freundin
muss unbedingt während des Aufsatzschreibens wissen, welches Thema die Freundin gewählt hat, weil sie sich sonst gar nicht konzentrieren kann und schielt deswegen in den ersten 10-35 Minuten immer wieder zur weit entfernt sitzenden Freundin, um ihr die Information irgendwie aus dem Gesicht zu erlesen. 

3. Der Verkrampfte
Ihm tut etwa 10 Minuten nach Beginn das erste Mal die Hand weh und er versucht den Schmerz den Rest der Arbeitszeit durch exzessives Schütteln selbiger zu minimieren, wird dabei aber immer nervöser und übt dadurch noch mehr Druck auf den Stift aus, was dazu führt ... es ist ein Teufelskreis.

4. Die Konzentrierte
arbeitet so ruhig und sachlich die ihr gestellte Aufgabe ab, dass man meinen könnte, sie hätte die Lösung schon im Kopf gehabt, bevor sie die Aufgabe gelesen hat und dies wäre für sie nur wie der tägliche Kaffee für mich. Man trinkt ihn halt, aber merkt ihn nicht mehr so richtig. Sie ist nach der Hälfte der Zeit fertig und kuckt danach den Rest der Zeit ruhig und sachlich in die Luft, ohne dabei nervös zu werden. Sie schummelt nicht. Sie weiß halt.

5. Der Frager
hat zu allem nur noch "eine Frage". Welches Datum ist heute? Soll ich das dahin schreiben? Wie viele Punkte gibt es darauf? Wenn die Seite zu Ende ist, soll ich das Blatt dann umdrehen und auf der anderen Seite weiterschreiben? Wenn ich das so schreibe, ist das dann richtig?

6. Die Glücksbringerfanatikerin
hat so viele Glücksbringer auf dem Tisch, dass das Aufsatzpapier kaum Platz findet. Daneben liegen Naschereien, die sie nicht schafft zu essen, weil sie die ganze Zeit Aufsatz schreibt.

7. Die Kopfstützerin
stützt sich während des Schreibprozesses auf so viele verschiedene Arten den Kopf, dass man meinen könnte, sie trainiere für Kopfstützolympia. Ist der Aufsatz geschrieben, fällt der Kopf meistens mitten rauf.

8. Der Ins-Blatt-Kriecher
hat das Gefühl, je näher er der Aufgabe ist, desto besser gelingt deren Erledigung. Deshalb kriecht er mit der Nase ins Blatt hinein. Häufig kommt es dadurch zu Abstandsfehlern, denn dieser ist einfach nicht gewahrt.

9. Die Lässige
hat schon früh gelernt, ihre eigenen Fähigkeiten und die Bedeutung von Schulaufsätzen einzuschätzen und arbeitet alles ab, rechnet mit nichts Besserem als einer Drei. Ist ihr aber auch egal. Deutsch ist eh kacke.

10. Der Hinleger
ist immer müde. So auch beim Aufsatztermin. Der Kopf ist noch schwerer als der von der Kopfstützerin. Deswegen legt er seinen Kopf auf die auf dem Tisch liegende Hand und schreibt im Liegen. Ab und zu hebt er kurz den Kopf, um ihn dann wieder mit einem dramatischen Seufzer fallen zu lassen und weiter zu schreiben.

11. Die Killerin
schreibt mit dem von Mama ausgesuchten Füller, aber leider fängt der an zu schmieren und außerdem ist sie unsicher. Deswegen killert sie jeden zweiten Satz. Irgendwann fängt sie an, wild herumzukillern und ab einem gewissen Zeitpunkt schreibt sie nur noch mit dem Tintenkiller, weil das ganze Blatt vollgekillert ist. Sie kommt dann ins Schwitzen, weil sie nicht mehr killern kann. 

12. Die Dränglerin
ist wahnsinnig früh fertig und schaut sich nach 60% der Zeit immer hilfesuchend im Raum um: Seid ihr endlich fertig? Wie lange dauert das noch? Was braucht ihr so lang? Kann ich schon raus?

Es gibt sicher noch den ein oder anderen Typen, den ich vergessen habe. Meine Kinder jedenfalls sind dabei (alle Nr. 4. war eh klar!) Habt ihr euch erkannt?

Mittwoch, 22. April 2015

Kleine Schritte



Mittwoch, 3.30 Uhr. Ein ganz normaler Tag beginnt. Ich bin um 21 Uhr ins Bett gegangen, wo mein Mann ganz ausnahmsweise schon schlief, weil er die Nacht zuvor im Bad verbracht hat (die 6. oder 7. Runde Magen-Darm in diesem Haus/ in diesem Frühling), trotzdem ganz normal arbeiten war und deshalb um 20 Uhr umgefallen und liegen geblieben ist. 
Ich dagegen habe noch - auch ganz ausnahmsweise - ein wenig in meinem neuen Arbeitszimmer korrigiert. Denn eigentlich mache ich das abends nicht. Warum? Mein Korrekturstapel ist soooo groß, ich kann ihn nicht bewältigen. Es ist in etwa wie mit den Wäschestapeln gleich nebenan. Ihr kennt das. Ich schaffe es einfach nie, die wegzuwaschen. Da zaubert immer jemand neue Wäschestücke hin. Und wenn ich mich nach einem langen Tag mit Unterricht, Kinderbespaßung, jeder Menge Kommunikation auf allen Ebenen noch an einen dieser Stapel setze, baue ich eine solche emotionale Bindung zu ihm auf, dass ich nicht mehr schlafen kann, ohne an meine geliebten Stapel zu denken. 
Und so bin ich heute um 3.30 Uhr aufgewacht und da fiel mir mein Stapel ein. Da mein Wecker aber erst um 4.30 Uhr klingeln sollte, nutze ich die Zeit, um ein bisschen von meinem Wiedereinstieg zu berichten, der nun seit 9 Wochen läuft.

Ich habe fünf Klassen, drei Englisch, zwei Deutsch, insgesamt 17 Unterrichtsstunden - das entspricht in Bayern einer Teilzeit von etwa 70% (und damit kann ich mich glücklich schätzen) - plus 3 Bereitschaftsstunden (in denen ich in 90% der Fälle vertrete), plus Sprechstunde, plus eine Frühaufsicht ab halb acht, die von mir Anwesenheit in der Schule verlangen. Den Rest kann ich zu Haus machen oder in der Schule. Das gelingt momentan mehr schlecht als recht. Meinen Arbeitsplatz einzurichten hält immer noch an und die ewige Schlepperei von Büchern, Heften und Ordnern geht mir gehörig auf den Keks. Wenn ich es mir aussuchen könnte, hätte ich gerne einen kleinen Raum in der Schule nur für mich oder vielleicht noch ein oder zwei andere Lehrer, in dem ich arbeiten könnte. Ich würde das auch echt tun. Ich würde da morgens um sieben hinfahren und bis 16 Uhr bleiben. Völlig unabhängig davon, wie viel Unterricht ich hab. Ich wäre da. Man könnte mich auch ansprechen oder da auffinden, jederzeit. Aber in erster Linie könnte ich da echt arbeiten. Hier zu Haus geht das nur nachts. Tagsüber bin ich entweder selbst für die Kinder zuständig oder unser aupair (seit 10 Tagen) passt auf die Kinder auf. Wenn ich allerdings im Haus bin, ziehen die Kinder - verständlicherweise - mich vor, was dazu führt, dass ich nur arbeiten kann, wenn die Kinder nicht da sind oder schlafen. Das macht die Sache etwas kompliziert. 
Betreuungszeit ist von 7-15 Uhr. Die nutzen wir aus, aber mehr kann ich nicht haben. Diese eine Stunde, bis 16 Uhr. Sie würde mir so sehr helfen. Aber die Gruppe ist voll.
Und so stehe ich jeden Morgen um 5 Uhr auf. Und je nach Arbeitslevel wird das nach vorn geschoben. Nach den Osterferien am Samstag bin ich um 1 Uhr aufgestanden. Bis um 6 Uhr hab ich wahnsinnig was weggearbeitet. Die Woche lief auch gleich wie ne Eins. Aber um 6 Uhr war ich natürlich im Eimer. Und der Tag fing erst an. Grmpf.
In der Schule kann ich unter den gegebenen Umständen meine Ressourcen nicht richtig nutzen, weil immer jemand quatscht. Selbst im Silentiumraum. Lehrer sind da wenig besser als Schüler. Ich überlege schon Ohrenstöpsel, mit denen hab ich mir im Ref geholfen. Aber das ist schon arg verzweifelt.
Spaß habe ich weiterhin. Die Arbeit ist anstrengend, aber ich bin gern im Unterricht und ich korrigiere sogar gern, gestern Abend zum Beispiel waren ein paar sehr schöne Übungsaufsätze von SechstklassEltern dabei. Da merkt man immer, die haben in der Grundschule schon gelernt, dass es nur und ausschließlich um Noten geht. (Und haben wahrscheinlich die Erfahrung gemacht, dass es für solche Hausaufgaben Noten gibt). 
Ich würde auch sagen, dass ich inzwischen eingespielt bin. Das Chaos lässt etwas nach, ich habe mich für eine Fortbildung angemeldet (re:publica! jej!!) und ich erlebe in Woche neun den ersten Klassenwechsel, der nicht mal mein Blut in Bewegung gebracht hat. Ich schaffe das, denke ich in diesen Momenten.
Und dann komme ich nach Hause, sehe, dass meine Kinder seit Wochen zum Friseur müssen, schaffe es wieder nicht zum Spielplatz (aussichtslos in der Woche), sehe meine Kochbücher anstauben, schiebe den Stapel ungelesener Bücher auf dem Nachtisch um und num und höre vom aupair, dass meine Kleine erste begleitete Schritte gemacht hat und niemand das gefilmt, fotografiert oder sonst irgendwie festgehalten hat. Und dann denk ich, das haut doch alles nicht hin? Was mach ich da bloß?
Dann überlege ich, wie ich aus der Nummer wieder rauskomme? Ein bisschen Elternzeit, das wäre doch was. Ein bisschen weniger arbeiten, ein bisschen mehr schreiben. Ein bisschen mehr Freizeit, ein bisschen mehr Luft, ein ganz kleines bisschen mehr Schlaf.
Aber dann telefoniere ich nach langer Zeit eine Stunde mit einer Studienfreundin, habe einen tollen Tag bei einer Pflanzaktion vom Dorf oder esse die Palatschinken, die mir unser aupair um 20 Uhr macht, weil ich bei der ersten Palatschinkenrunde um 18 Uhr keine abbekommen habe (die Kinder haben sie eingeatmet) und denke: Kleine Schritte. Ganz kleine. Und dann wird das.

Dienstag, 14. April 2015

Nicht ganz 12 von 12 am 14.

Eigentlich wollte ich mich am Sonntag bei 12 von 12 beteiligen, aber das ging schief. Seit Samstag haben wir bei uns ein neues Familienmitglied, unser aupair, und wir haben den Sonntag gemeinsam verbracht. Das war einfach zu schön, um dauernd die Kamera zu zücken. Ein paar Mal hab ich es aber dennoch getan.

Das Foto ist vom Samstag. Ich dachte, ein aupair begrüßt man am besten mit möglichst großem Bücherstapel. Ich habe Fremdsprachen ja noch aus Büchern gelernt. Heute weiß ich nicht, ob ich das noch so machen würde. Das viele Papier!!! Und ich bin einfach ein anderer Lerntyp inzwischen. Die Bücher habe ich in meiner Zeit in Ungarn gesammelt. Als Willkommensgeschenk habe ich einen kleinen Blumentopf gekauft (der einzige im Haus - sie hat also eine große Verantwortung!) und ein wenig Anit-Heimweh-Süßigkeiten, sowie ein paar Schachteln zur Aufbewahrung von Kleinigkeiten.


Den Tag begrüßt habe ich am Sonntag mit der Zubereitung meiner ersten Mahlzeit für sechs Personen. Rinderschmortopf. Da mussten zwei Töpfe her. Irre.


Am Nachmittag gings auf den Spielplatz im Nachbardorf. Der ist ein Traum. Naturteichanlage zum Baden, Matschanlage, Tramponlinanlage, Erwachsenenspielplatz (Fitparcours), Wippen, Schaukeln, Minigolf etc. Und das alles am Waldrand. Wirklich wunderschön. Und der Clue: Die Eisdiele ist nur 600 m weg. Gefahren sind wir mit dem Rad. Kind P ist einmal leider mächtig gestürzt. Aber da kennt er ja nix: Aufstehen und weiter.


Das ist der Naturteich, mit Rutsche und Stegen. Da kann man sichs schon gut gehen lassen, denk ich.


Das ganze Ding ist voller Frösche. Cool. Oder eklig. Je nachdem, wie man eben so drauf sind. Wir sind cool drauf und haben gestaunt.


Schaukeln wird hier bei uns immer beliebter. Aber Anschubsen ist immer noch Pflicht. Ich hoffe noch lange.


Die Matschanlage braucht nur noch Wasser und warme Temperaturen, dann sind wir da nicht mehr wegzubekommen. Ich hatte Laufschuhe an, nur gelaufen bin ich nicht. Aber wen interessieren auch die Vorsätze von gestern.


Jej. Schaukellise.


Hach.


Das waren sie meine 12 von 12 im April. Keine 12 und auch nicht am 12., aber wen kümmern solche Formalitäten schon? Es lebe die Anarchie. Oder so.


Donnerstag, 9. April 2015

So ein schöner Tag!

Heute war ein schöner Tag. Ich bin ja nicht so die nörgelige Type (naja vielleicht doch, aber wer sagt das schon gern von sich selbst?), aber in letzter Zeit fehlten jedem Tag und jeder Nacht einfach grundsätzlich vier Stunden und das macht sich auf Dauer einfach an allen Fronten bemerkbar. Bei mir vor allem an schlechter Laune. Grund dafür gab es allerdings echt genug.
Zuerst haben wir vier Wochen eine ziemlich ausgiebige Runde Magen-Darm gespielt und zwar in allen Formen und Farben und alle Familienmitglieder haben mitgespielt. Und da sich hier noch alle außer der Mann von mir den Hintern abwischen lassen...puuh.
Dann mussten wir nebenbei noch die alte Wohnung renovieren. Ich muss zugeben, das WIR ist an dieser Stelle etwas übertrieben, denn ich habe nicht viel dabei machen können. Die meiste Arbeit hat der Mann geleistet und unsere beiden fleißigen Helfer, unsere (leider) ehemalige Babysitterin und ihr engagierter Freund. Ich war nur eins, zwei Mal am Wochenende dabei und einmal zur Abschlussveranstaltung am Donnerstag vor den Osterferien. Aber das hat mir gereicht. Die Wohnung ist jetzt im übergabefähigen Zustand und am 26.4. können wir sie hoffentlich problemlos endlich übergeben. Und ja, wir zahlen seit drei Monaten Doppelmiete. Auch so ein Schmankerl der letzten Zeit. Da sind wir finanziell mal wieder am Limit, was ja auch irgendwie schon länger Dauerzustand ist. Aber lassen wir das. Wollte ich nicht eigentlich über meinen schönen Tag schreiben? Ist aber ne bescheuerte Einleitung. Schreiben kann ich wohl auch nicht mehr.

Nun, also heute war jedenfalls ein wunderschöner Tag (Sie bemerken die Steigerung?!?). Er fing damit an, dass die Stimmung der Kinder heute Morgen ausgelassen, fröhlich war, das Frühstück (Honigbrot) allen wunderbar schmeckte, die Jungs jeweils fünf Stück davon aßen und wir uns beinahe in die Kita verspäteten, weil es so schön harmonisch war. Danach fuhr ich nach Nürnberg, um zu kontrollieren, ob mein Rechner denn tatsächlich gar nix mehr machen würde, (und dachte im Auto herrlich beschwingt darüber nach, ob es eigentlich Blogger_innen in Nürnberg gibt, außer der lieben Suse und ob wir uns nicht mal treffen sollten) wie am Telefon behauptet und ob wenigstens meine Daten irgendwie gesichert werden könnten, bevor sie zehn Tage daran rumreparieren. Im Laden angekommen, war das Ding plötzlich heil und hatte keine Symptome mehr. Feuchtigkeit vielleicht, ein Softwareproblem. Auf jeden Fall konnten sie nun plötzlich nix mehr feststellen und gaben mir die Maschine einfach wieder mit. Die Erleichterung war groß, weil ich inzwischen wenigstens alles gespeichert habe. Ich frage mich natürlich nun, was da passiert war und bin noch etwas skeptisch, aber nunja. Er macht jetzt tatsächlich keine Schwierigkeiten mehr.

Wieder zu Haus hab ich zwei Stunden korrigiert und hier rumgewuselt. Und danach hab ich die Kinder etwas früher von der Kita geholt, um sie - wie sollte es heut auch anders sein an diesem tollen ersten Frühlingstag - auf den Spielplatz und zum Eisessen zu entführen. Der Spielplatz ist im Übrigen ein Traum, direkt an einer Naturfreibadanlage mit Trampolinanlage, Matschanlage, Minigolf und allen möglichen tollen Klettergeräten. Und heute vor allem ordentlich Sonnenschein. Das Eisessen lief völlig gesittet ab, keiner hat sich bekleckert, nicht mal Kind A, und alle waren zufrieden mit der selbstgewählten Sorte - is ja auch nicht garantiert - und die Sonne schien uns auch da noch auf den Bauch. Beim Einsteigen lief mir Kind M aus Wut beinahe vor ein Auto, aber sonst hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, jetzt ist der Sand endlich aus den Rädern. Abends habe ich drei friedliche Kinder in eine Badewanne gesteckt und wieder rausgeholt, dann vorgelesen, gesungen und Amok gekuschelt. Um 19 Uhr ging die Tür zu und jetzt höre ich mir aus dem Nachbarzimmer den fröhlichen Singsang an. 
Für all das bin ich gerade sehr dankbar und das musste jetzt einfach mal raus.

Eine neue Grenze

Als ich vor mittlerweile zwei Jahren mit meinem dritten Kind schwanger wurde, hatte ich keine Vorstellung davon, dass ich mit dieser Schwangerschaft eine Grenze überschreiten würde und zwar nicht nur eine in den Köpfen der Menschen, sondern eine auf vielen Ebenen völlig reale. Drei Kinder, das geht nicht, lauteten die meisten Reaktionen. Hier eine kleine Auswahl.

Und hier unsere Herausforderungen:

- Drei Kindersitze gehen nicht auf die Rückbank der meisten Autos. Das ist ein reales Problem, mit dem man sich befassen muss. Aber es ist nicht unlösbar. Man kann ja auch Eisenbahn fahren.

- Drei Kinder passen nicht in das Meldeformular für das Einwohnermeldeamt. Eine Familie hat zwei Kinder. Für das dritte Kind braucht man im Grunde eine zweite Familie. Aber ein zweites Formular tut es auch.

- Drei Kinder passen übrigens auch in viele andere Formulare nur mit Trickserei. Das ist keine besondere Eigenart der Meldebehörde. Mehr so eine darwinsche Entwicklungsstufe unserer Gesellschaft.

- Familienkarten im Schwimmbad sind für Mama, Papa, Kind. Wenn man Glück hat, für zwei Kinder. Aber drei Kinder? Sowas macht doch keiner. 

- Drei Kinder passen ganz schlecht auf einen Schoß. Wir haben das hier eine zeitlang versucht, zwei Kinder unter drei und ein Baby, irgendwie quetscht man das zurecht. Aber die gefühlte Harmonie, die muss man gleich mit reinquetschen.

- Drei Kinder und Eltern passen nicht an einen Vierertisch. Und bei einem Sechsertisch stimmt die Symmetrie nicht. Tische schieben ist eine unserer häufigsten Übungen.

- Drei Kinder passen nicht in einen Fahrradanhänger. Darüber hab ich hier schon mal geschrieben, als ich noch zwei Kinder hatte und ein Referendariat. Ups. Kurze Zeit später haben wir es möglich gemacht und alle drei reingequetscht. Mit viel Liebe geht das. Mit viel Geld muss einfach n neuer Anhänger her.

- Drei Kinder passen nicht an zwei Hände. Ich hab es versucht. Echt. Es geht nicht. Man braucht noch eine Hand. Ich prangere das an. (Die fehlende Hand, nicht das Kind.)

- Drei Kinder haben Schwierigkeiten, sich abzuwechseln. Erst du, dann ich klappt bei zweien gut. Bei dreien ist immer die Frage, wer ist denn als zweites dran. Da kann man gut drüber streiten. Selbst Einjährige.

- Drei Kinder wollen nie dasselbe. (Jetzt hör aber mal auf, das wollen zwei auch nie!)

Die Lösung? Ganz klar: Eine neue Grenze muss her.

Sonntag, 22. März 2015

Liebe Alleinerziehende,

ich wollte dir schon lange mal schreiben, aber mir fehlte in letzter Zeit das, was du wahrscheinlich nur noch aus der entfernten Erinnerung kennst. Muße. Manchmal, wenn ich mit kinderlosen, sehr jungen Menschen über meinen Alltag rede und ganz tief in ihre Augen schaue, sehe ich ihn. Den Blick. Den Blick der Unwissenheit. Sie nicken, haben Verständnis, wollen ganz bei mir und meiner aktuellen Alltagsgeschichte sein, aber sie wissen nicht. Sie wissen nicht, wie es wirklich ist, mein Leben. Und das muss auch so sein. Genau dieser Blick ist es, liebe Alleinerziehende, den ich dir schickte, bis ich irgendwann mal ein bisschen von deinem Leben kostete und nun weiß. 

Ich weiß, warum du bei Gesprächen nie ganz anwesend bist. 
Ich weiß, warum du jede Minute des Tages mit aktiver Geschäftigkeit füllst. 
Ich weiß, warum du abends als letztes, in der Nacht immer mal wieder und morgens als erstes denkst, "Ich müsste eigentlich noch was tun."
Ich weiß, warum du manchmal, und manchmal auch sehr manchmal denkst, "Was ist, wenn mir was passiert?"
Ich weiß, wie es sich anfühlt, immer weitermachen zu müssen, aber manchmal nicht richtig zu wissen, wie. 
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn du die einzige Ansprechpartnerin für ein oder mehrere Personen im Haus bist. 
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn die Kinder mit enttäuschten Gesichtern fragen: "Wo ist der Papa?"
Ich weiß, dass deine Zeit immer zu schnell verfliegt. 
Ich weiß, dass der Glücksmoment deines Tages manchmal darin besteht, dass du doch noch ein halbes Brot im Haus hast und nicht nochmal mit allen Kindern los musst.
Ich weiß, wie lang so eine Woche sein kann und wie es sich dann anfühlen muss, wenn das Wochenende erst noch kommt.
Ich weiß, dass Pausen sich nie wie echte Pausen anfühlen, weil du die wenige Zeit, die du hast, nutzen MUSST.
Ich weiß, dass ein Abend, an dem niemand da ist, mit dem man gemeinsam seufzen kann, auch nur wieder einer dieser Abende ist.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, Einladungen zu bekommen, sie lächelnd anzunehmen, in dem Bewusstsein, dass die Energie dafür sowieso fehlen wird. 
Ich weiß, warum du immer diesen gehetzten Blick hast.
Ich weiß, warum du die Momente auf der Arbeit genießt, dabei aber immer wieder ängstlich auf dein Telefon starrst, weil sie immer DICH anrufen.
Ich weiß, wie wichtig dir deine Routine ist. Das Gefühl, dass alles jeden Moment auseinanderfallen könnte, ist einfach zu präsent.

Aber was ich nun vor allem genau weiß ist, dass ich, wenn wir uns noch einmal begegnen würden, dir anstelle meines verständnisvollen, aber unwissenden Blicks lieber ein paar Stunden Muße schenken würde.

Dieser Brief ist einer lieben Bekannten aus Budapest gewidmet. Mutter von zwei Töchtern. Wo auch immer du bist, du hast einen Platz in meinem Herzen.

(Alleinerziehend bin ich übrigens nur von Montag bis Freitag immer mal wieder. Es kann sich hier also nur um einen klitzekleinen Ausschnitt der Wahrheit handeln.)