Samstag, 30. Mai 2015

Ich habe Bein und trage Kleid. Beinkleid.

Neulich fragte mich eine Kollegin, was mit meinen schönen Kleidern passiert ist, weil ich seit kurzem wieder vermehrt Hosen in der Schule trug. Nun, das hat einen ganz einfachen Grund. Ich habe seit Kind A, beziehungsweise seit Schwangerschaft Nr. 3 (eigentlich vier), Bein, um im familieninternen Code zu sprechen (in dem Körperteile Metaphern für gesundheitliche Probleme sind, (is übrigens nicht von uns, sondern von Hape, soviel ich weiß)) und trage deswegen gerne Kleid. Beinkleid. Bei den Temperaturen in letzter Zeit allerdings waren mir Strumpfhosen einfach zu warm, deswegen stieg ich auf Hosen um, damit niemand sieht, was mich selbst so furchtbar nervt.

Es fing alles an mit leichten Schmerzen im rechten Bein, zu Beginn der letzten Schwangerschaft. Ich ging zum Arzt und der sagte, ach das is nix. Man sieht ja gar nichts. Das kommt vielleicht vom Rücken. Ich so - Nein, das sind sicher die Venen, ich spüre das, vielleicht könnten Kompressionsstrümpfe helfen. Der Arzt so - "Ach, man sieht ja gar nichts. Das ist irgendwas anderes. Warten Sie erstmal ab." Ich wartete ab. Und drei Monate später war auch endlich was zu sehen. Hurra. Dann bekam ich Strümpfe. Doppel Hurra. Die trug ich dann wie ein Erstklassstreber seinen Schulranzen. Von morgens bis abends. Von Mai bis zur Geburt im Januar. Ich hätte auch mit ihnen geschlafen, wenn das irgendwas gebracht hätte. Kurz vor der Geburt ließ ich sie mir vom Mann ausziehen. Ich dachte, beim Pressen könnte das eventuell stören, wenn's noch woanders pressiert. 

Nach der Geburt entwickelte sich äußerlich das meiste wieder zurück, aber es blieb für meine Begriffe genug, um kurze Kleider nicht mehr ohne Strumpfhosen tragen zu wollen. Und außerdem blieb das blöde Gefühl. Bin ich jetzt alt? 
Letzten Sommer ging ich zum Spezialisten. Ich sagte ihm: "Ich bin eigentlich nur hier, weil sie mir sagen sollen, dass ich mich nicht so haben soll, die Schmerzen (denn die blieben leider auch nach der Geburt) sicher bloß eingebildet sind und ich im Grunde ein geringfügiges kosmetisches Problem habe, das ich behandeln lassen könnte, wenn ich wollte, aber nicht müsste, weil es eben nur ein kosmetisches Problem ist." Er sagte: "Ja gut, und wann darf ich Ihnen sagen, was Ich Ihnen empfehle?" Ich hab ihm dann noch erlaubt, seinen Text zu sprechen, hab mir was von OP angehört und von mittelfristig und bin dann nach Hause mit dem Gedanken "pff - der will ja bloß schnippeln."

Leider will ich wohl aber inzwischen auch. Beziehungsweise fühle, dass ich muss. Wann und wo ich das wohl reinquetsche? In der Zwischenzeit jedenfalls behelfe ich mir in Sachen kosmetisches Problem mit langen Kleidern.

Freitag, 22. Mai 2015

Über meine Arbeit

Falls Sie sich wundern, warum hier nix los ist. Ich habe - und dafür bin ich eigentlich auch sehr dankbar - zuviel zu tun. Manchmal finde ich das sehr ätzend. An anderen Tagen wieder lese ich den x-ten Beitrag über die x-te Frau, die in ihrem Job nach der Elternzeit plötzlich nicht mehr gebraucht wird, weil Mütter so anstrengend und so wenig belastbar sind und bin dankbar. Trotz der hohen Belastung. Dass ich arbeiten kann und darf. Aber so ganz leicht ist es trotzdem nicht. 
In letzter Zeit habe ich mal versucht, meine Arbeitszeit etwas hochzurechnen. 
Meine Anwesenheitsstunden in der Schule derzeit:
Montags 9,5 Stunden
Dienstags 6 Stunden 
Mittwoch 6 Stunden
Donnerstag 6 Stunden
Freitag 6 Stunden
Macht insgesamt: 33,5 Stunden, die ich in der Schule verbringe. In diesen Stunden gebe ich insgesamt 18 Unterrichtsstunden, habe drei Vertretungsstunden und den Rest der Zeit trage ich Noten ein, organisiere irgendwas, spreche mich mit Kollegen ab, korrigiere, bereite auch mal eine Kleinigkeit vor, kopiere und organisiere Räume, Beamer und was sonst noch so auf Listen steht, in die man sich eintragen muss. (Mit einem Stift. Auf Papier. Im Sekretariat.)
Dazu kommen die Zeiten, in denen ich zu Hause arbeite. Die Unterrichtsvorbereitung mache ich grob für die gesamte Woche am Wochenende. 
Samstag 4 Stunden
Sonntag 2 Stunden oder andersherum. Oder mehr. Weniger nie.

Dazu kommt das Feintuning in der Woche. Das mache ich oft morgens - dann gehe ich am Abend direkt nach den Kindern ins Bett und der Wecker klingelt zwischen 4 und 4.30 Uhr. Oder am Abend. (Eher selten) Auf jeden Fall kommt pro Tag eine Stunde Feintuning zu Hause dazu. Macht 5 Stunden pro Woche. Wie viele Stunden haben wir jetzt? Rechnerechne: 45,5 Stunden. So viele Stunden arbeite ich, wenn nichts zusätzliches ansteht. Keine Lehrerkonferenz, keine Korrekturen, kein Abi, kein Tag der offenen Tür, kein Elternsprechtag. Nur mein Unterricht und ich. Also nie. Im Regelfall sind es eher 50 Stunden.

Jammern liegt mir nicht. Ich arbeite gern und mag meine Arbeit sehr. Und ich bin Anfängerin. Mal wieder. Es wird noch dauern, bis ich mich einspiele, ich habe noch zu wenig Erfahrung mit vielen Dingen am bayerischen Gymnasium und das wirkt sich natürlich auf die Arbeitszeit aus. Ich möchte viele Dinge richtiger als richtig machen, mache aber natürlich auch manchmal Dinge falsch und versuche das durch Mehrarbeit zu korrigieren. Was natürlich bei diesen Zahlen eine Milchmädchenrechnung ist. (M)ein Tag hat 24 Stunden. 

Heute ist der letzte Schultag vor den Ferien, die bei uns zwei Wochen lang sind. Ich packe meinen Koffer und nehme mit...3 Stapel Schulaufgaben mit je 26 Arbeiten, die in etwa 20 Minuten Korrekturzeit verlangen. Kein Urlaub also, sondern Korrektur-laub. Ich muss zudem zwei Lektüren aussuchen, lesen und den Unterricht dafür planen, für die sechsten Klassen. Uff.

Dennoch. Ich bin froh über diese Stapel. Und froh über meine Arbeit. Auch wenn es nicht so ganz leicht ist. Und ich nun statistische Auswertungen meiner eigenen Arbeitszeit hier als content verkaufe. Entschuldigen Sie, wenn ich Sie belästigt habe. Ich geh dann mal wieder arbeiten.

Donnerstag, 7. Mai 2015

Zwei Tage #rp15 in kurz

Man soll ja nicht Bilanz ziehen, bevor man Bilanz ziehen soll, aber ich habe die re:publica heute Morgen aufgeschlossen und einfach Zeit. Wenn ich heute Abend zuschließe, ist es mit der Zeit mal wieder vorbei. Dann kommt erst ne Menge travel und dann ne Menge work und dann wieder family non-stop. Ob ich da noch zur Reflexion komme? Ich befürchte nein.

Und weil ich völlig geflasht bin von meinen ersten drei Tagen me time am Stück seit Geburt meines erstes Kindes vor viereinhalb Jahren fasse ich mich kurz und übersichtlich.

re:publica war für mich bisher

ein großer Haufen wahnsinnig spannender Menschen, die beim Thema Internet und offenbar auch sonst im Leben (und das finde ich besonders cool) keine Lust auf schwarz oder weiß haben, sondern bunt leben/arbeiten/denken/sind.

ein wahnsinnig spannender, emotionaler, wichtiger, abwechslungsreicher und humorvoller Vortrag von @astro_alex, der völlig zu Recht mit Begeisterungsstürmen bedacht wurde. Must see!



das live Erlebnis der @mareicares und des @raulde, die sich auf die Suche nach Inklusion im digitalen Europa gemacht haben. Der Vortrag ist schon online. Go see.



eine wirklich interessante foodblog 2.0 session mit einem unheimlich gut harmonierenden Panel und spannenden Gästen: @wurstsack, @breadexchange und @Carmenhi. Vielleicht aber auch einfach nur wegen der professionellen Moderation der @evaschulz. Eine meiner Lieblingssessions. Auch wenn oder gerade weil es nur ums Essen ging. Denn genau darum geht es. Warum eigentlich NUR Essen?

ein Vortrag von Thomas Andrae zu wearables, ein Thema, das mir immer wieder einen Schauer über den Rücken jagt.




die Familienbloggersession "Wie privat ist zu privat?" mit @dasnuf, @mesupermom, @dilemmadeluxe und @herz_und_liebe, die völlig unterschiedliche Einstellungen zu Kinderbildern im Netz präsentierten. Ich, die ich es bei diesem Thema irgendwie mit buddenbohm halte, konnte nur leider meine Frage nicht anbringen: Macht ihr eigentlich einen Unterschied zwischen den Produzenten der Bilder? Wie steht ihr zu Bildern, die andere von euren Kindern machen? Ich denke da an Schule/Kiga und so weiter. Unterschreibt ihr Freigaben, schmeißt ihr diese Zettel weg? Was ist da los?

Ein weiteres Highlight war die "Wie suchen Kinder" session. Ich frage mich zwar, inwieweit Kinder die fragfinn.de Suchmaschine wirklich nutzen (die finnreporter Niclas und Lara bestätigten, dass sie bei Nichterfolg immer auf google zurückgreifen würden.) Wie gut sind Suchmaschinen für Kinder? Nutzen Kinder diese und wie kann ich meine Kinder vor den falschen Inhalten schützen? Interessante Themen für mich als Mutter, Lehrerin und Internetterin.

Und nun muss ich schon aufhören mit der Bilanzierung und weiter machen mit dem real life, denn hier warten heute noch einige spannende Sachen auf mich. Am meisten freu ich mich auf den Vortrag von @journelle und die blogfamilia, an der ich jetzt doch noch teilnehmen kann. Jej. Auf geht's.