Donnerstag, 24. November 2016

Was ich meiner Schwiegermutter sagen würde

Dies ist ein Post meiner #99FragenfürEltern Challenge. Wenn Sie nicht wissen, worum es dabei geht, hier entlang.

29. Was würden Sie Ihrer Schwiegermutter gerne mal sagen, trauen es sich aber nicht?

Es ist schon eine Weile her, dass ich mich mit meiner #99FragenfürEltern Challenge befasst habe. Wie das eben so ist im Leben, auch im Bloggerleben, da fängt man was an und dann kommt was dazwischen und man hört damit auf. Und irgendwann fängt man halt wieder damit an. Oder eben nicht. Ganz nach Belieben. Und wo wir gerade bei Lieben sind, da fällt mir meine Mutter ein, mit der ich jeden Morgen telefoniere, wenn ich die Kinder in den Kindergarten gebracht habe. Ein Gespräch, auf das ich mich jeden Morgen freue. Ein Gespräch, das manchmal mit einem Gespräch am Morgen anfängt, mit einem Gespräch am Vormittag weitergeht und mit zwei Gesprächen am Nachmittag immer noch nicht wirklich beendet ist. Auch wenn man das Gefühl hat, man müsste doch jetzt endlich mal was anderes tun. 

Heute Morgen redeten wir über Plätzchen und über das Gefühl, das uns beiden gemein ist. Das Gefühl, alle Kinder am liebsten doch in ihr Zimmer schicken zu wollen während des Vorgangs, weil es ja so chaotisch ist, diese Plätzchenbäckerei mit Kindern. Und weil man ja währenddessen schon immerzu denkt, "Ohje, gleich muss ich das Mehl vom Boden, die Streusel vom Tisch und den Teig aus den Haaren popeln." Und wir redeten darüber, dass das stressig ist und man das ruhig sagen darf, ohne das Gefühl zu haben, man wäre nicht glücklich. 
Das Glück stellt sich ja nicht immer gleich ein, manchmal muss man ein bisschen darauf warten. Manchmal ist das Glück für die Kinder genau diese Schmadderei und man selbst muss da eben durch und mit seinem eigenen Glücksgefühl ein bisschen geduldig warten. Beispielsweise auf den Moment, wenn die Kinder aus dem Haus sind und man sich die Plätzchen reinschieben kann. Manche spüren sicher auch während der Backerei diese Glückssache. Das ist dann auch ok. Façon und so. Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Achso, das steht ja da oben. Ich wollte über meine Schwiegermutter schreiben. Das Gespräch nämlich ging dann auch um Plätzchen, die man von der Schwiegermutter bekommt. Und nicht isst. Sondern weiterverschenkt. Und ob man das machen darf oder nicht. Und da fiel mir meine Schwiegermutter ein, die vor neun Monaten gestorben ist. Und mir keine Plätzchen mehr schicken kann. Und der ich deshalb auch nichts mehr sagen kann. Der Übergang ist ein bisschen grob, ich kann mich dafür nur entschuldigen. Aber so war mein Gedankengang. 
Was ich ihr also sagen würde, wenn ich mich traute? Wenn ich es könnte?

Ich würde ihr sagen, dass ich immerzu an sie denke. Nicht gerade beim Plätzchenbacken. Aber zum Beispiel, wenn ich sie esse. Mit den Kindern. Glück und so. Ich würde ihr sagen, dass ich mir keine bessere Schwiegermutter hätte wünschen können. Ich würde ihr sagen, dass ich ihren Anblick auf der Eckbank vor der Küche mit der Zigarette in der Hand und dieser rauen Stimme, die dann von dort zu mir sprach und die heute immer weniger Menschen haben, weil es sich ja nicht mehr schickt, dieses Rauchen (ein wenig zu Recht), dass ich ihren Anblick da oben nie vergessen werde. 
Ich würde ihr sagen, dass ich mir wünsche, dass sie für die Kinder und mich wieder kocht. Diese ungarische Version von Nachkriegsgenerationenessen mit vielen, vielen Kohlenhydraten und viel, viel Fleisch und vor allem viel Fett. Ich würde ihr sagen, dass ich jeden Moment, den sie mit meinen Kindern verbringen konnte, in meinem Herzen trage und dass ich traurig bin um jeden Moment, den sie nicht mehr mit ihnen verbringen kann, den sie nicht erleben/ nicht sehen kann. Ich würde ihr sagen, dass es genau richtig ist, was sie macht und wie es macht und dass sie die Kinder ruhig mit Schokolade voll stopfen soll, denn das gehört sich so für Großmütter. Ich würde ihr sagen, dass ich weiß, dass sie mich anlügt, wenn sie sagt, die Kinder hätten gar keine Schokolade gegessen, aber dass es mir nichts ausmacht, weil ich mich freue an der Freude, die sie dabei hat. Ich würde ihr sagen, dass ich traurig bin, dass ich in diesem Jahr mein erstes Weihnachten seit langem ohne sie feiern muss und dass ich noch nicht weiß, wie ich diesen Anblick der leeren Eckbank ertragen werde. Und wie ich es ertragen werde, wenn die Kinder, wie Kinder das eben tun, die Situation nüchtern zusammenfassen: "Die Oma war krank und jetzt ist sie tot." Ich würde ihr sagen, dass ich sie vermisse und dass ich sie liebe. Und dass ich froh bin, dass ich ihr das auch zu Lebzeiten immer mal wieder gesagt habe. 

Szeretlek Panni. Hiányzol, nagyon.

Freitag, 11. November 2016

Abschalten.

Stell dir vor, du bist im Internet. Und schreibst da ab und zu was rein. An verschiedenen Stellen. Weil es Spaß macht. Weil du Langeweile hast. Oder weil du Lust aufs Schreiben hast. Weil es dir gut tut, was rauszulassen, einen Gedanken zu teilen. Oder du das Gefühl hast, da liest jemand mit und das ist ja fast wie Zuhören. Und das tut gut. Stell dir vor, du schreibst und schreibst und die Menschen lesen und lesen und schreiben auch. Und reagieren. Und kommentieren. Und das ist nicht immer positiv, aber das ist auch nicht so schlimm. Das gehört dazu. Und wenn es zuviel wird, dann schaltest du eben einfach ab. Kein Problem.

Stell dir vor, du fährst an fremde Orte und lernst einige dieser Menschen persönlich kennen. Du erzählst deinen Menschen offline nicht viel darüber, weil sie nicht wissen, warum du das eigentlich tust. Manche dieser Menschen haben schließlich so komische online-Namen. Und dann belächeln dich Menschen, die sich online so gar nicht aufhalten. Und das willst du nicht. Du verstehst auch nicht, warum so viele in schwarz und weiß, in on- und offline denken. Ist doch alles eins. Und du findest diese Menschen da spannend. Du fährst. Triffst diese Menschen. Du lernst sie kennen. Du fängst an, sie zu mögen. Erzählst ihnen aus deinem Leben. Sie dir aus ihrem. Ihr teilt ein Stück Leben miteinander. Ist doch nett. Offline. Online. Ein heilloses Durcheinander. Ihr teilt Momente. Alles vermischt sich. Ein einziger großer Momentesmoothie.

Stell dir vor, diese Erlebnisse häufen sich. Du fährst immer öfter an fremde Orte und lernst immer mehr Menschen kennen. Die Jahre vergehen. Diese Menschen lernen deine Kinder kennen und du ihre. Du teilst dein Leben und sie teilen ihres. Du triffst so viele Menschen, mit denen du dich sofort verstehst, obwohl du sie gar nicht kennst. Aber du liest sie. Und sie lesen dich. Und ihr habt gemeinsame Gedanken. Interessante Gedanken. Witzige, beflügelnde, kritische. Stell dir vor, dir macht das soviel Spaß, dass du mit immer mehr Menschen Momente teilst. Und du teilst die Momente dieser Menschen mit anderen Menschen. Online, offline, da gibt es keine Unterschiede mehr. Es ist alles ein großes Gewurschtel. Es macht dir Vergnügen, dieses Gewurschtel. Du magst diese Menschen und hast so gern an ihren Momenten teil und teilst gern deine eigenen Momente mit ihnen. Manchmal verschwimmen die Momente, weil es so viele sind. Du kannst nicht alles richtig einordnen, aber das gehört doch dazu? Das passiert doch jedem einmal?

Stell dir vor, du denkst sehr viel an diese Menschen. Sehr oft. Es sind gute Gedanken. Sie beflügeln dich, inspirieren dich, machen Spaß. Und so beschäftigst du dich sehr viel damit. Innerlich und äußerlich. Du schreibst, teilst, lässt Menschen rein, lässt Menschen raus.  Immerzu gehen Türen auf und zu. Aber insgesamt kommen mehr rein als rausgehen. Immer mehr Menschen. Immer mehr Momente. Und immer mehr Gedanken. 

Und dann gibt es da diesen einen Moment, da ist was komisch.
Da willst du abschalten und dann geht das plötzlich nicht mehr.
Dann willst du auf dein Zimmer und die Tür hinter dir zuknallen und merkst: 
Damit kommste wohl auch nicht weiter. Tut aber trotzdem manchmal ganz gut.



Montag, 31. Oktober 2016

Das muss es sein, das Elternparadies

Manchmal erlebt man als Eltern einen Moment mit seinen Kindern, ganz indirekt aus der Ferne, in dem man denkt, ach wenn ich jetzt eine Kamera hätte, das wäre doch schön, dann könnte ich diesen Moment festhalten und dann fällt einem mitten im selben Moment ein, dass das gar nicht festhaltbar ist, so schön wie das ist und dass man den Moment nicht ruinieren will mit dem Wühlen nach dem passenden Endgerät und mit dem Verschwenden der eigenen Gedanken an die richtige Perspektive für die Verewigung des Moments. Und deshalb schaut man einfach hin, ganz genau. 

So wie wir heute nach dem Mittagessen. Auf unseren Sesseln im Restaurant. Vor einem Espresso und einem Stück lauwarmen Schokokuchen, mit Blick auf den Spielplatz direkt vor dem Restaurant. Das klingt, als dächte ich mir das aus, das kann so schön gar nicht gewesen sein, aber doch, das war es tatsächlich. 
Wir saßen da vor dieser Kulisse und schauten zu, wie Sohn I und Sohn II Tochter I helfen wollten in die Kleinkindschaukel zu klettern, damit diese schaukeln kann. Sie besprachen miteinander die Strategie, denn schnell stellte sich heraus, dass keiner der beiden stark genug wäre, sie hinein zu heben, fanden aber einen Stuhl und befanden, dass Tochter I über diesen in die Schaukel klettern sollte. Stellten sodann fest, dass der Stuhl nicht hoch genug war, aber man müsste noch mehr Stühle haben und diese stapeln, das würde doch dann sicher einen höheren Turm ergeben. 

Und so ergab es sich, dass alle Stühle übereinander gestapelt tatsächlich ausreichten und Sohn I mit viel Wirtschafterei und auch etwas Durchwürgerei Tochter I in die Schaukel half, um sie dann vollständig zu beglücken, indem er sie noch anschubste. Sohn I und Sohn II gratulierten sich noch zu erfolgreichem Teamwork. Und die Eltern schauten aus der Ferne zu, schlürften Espresso, ließen sich Eis und Schokokuchen mit flüssigem Kern auf der Zunge zergehen und dachten, dass muss es sein, dieses Elternparadies.

Übers Tragen oder über große Wäscheberge

"Wenn du zwei oder drei hättest, könntest du das auch nicht machen", spricht der Opa zu mir, seiner Tochter, die seine Enkeltochter im Tragetuch (aus dem die Autokorrektur gerne Tagebuch machen will, weil alles andere etwas eigenwillig erscheint) vor dem Bauch hat und versucht, sie möglichst wenig mit Hühnerfrikassee zu bekleckern, weniger deshalb, weil das Baby nicht schmutzig werden soll, als vielmehr, damit es nicht aufwacht, denn das wäre doch denkbar ungünstig, wenn sie die eigene Mahlzeit unterbrechen müsste, um eine für das Kind zu organisieren. 

Ich hörte diesen Satz und überlegte lange daran herum. Nicht weil er so schlimm ist oder ich mich so darüber aufrege, denn das tue ich nicht. Ich bin, was solche Anmerkungen angeht, ganz altersmilde geworden, wenn sie von den eigenen Eltern kommen, erst recht. Woher das kommt, weiß ich nicht. Vielleicht bin ich alt, weil im Grunde 40. Aber ich finde es nicht mehr so lohnenswert wie früher, immer gleich zum Protestmarsch zu aktivieren. Da kommt dann alles in Wallung und am Ende regt man sich noch so sehr auf, dass man Mahlzeiten unterbrechen muss. Oder gar abbrechen. Ein Frevel wäre das. Und der wunderbare Tragetucheffekt - der mit dem schlafenden Baby - wäre am Ende gar auch weg. Das hat keinen Sinn. 

Nachdenklich hat mich der Kommentar dennoch gemacht. Mein erster Gedanke war, was für ein Unsinn. Last time I checked, saßen da drei andere Kinder mit am Tisch. Ich habe also "zwei oder drei" und trage das jüngste Exemplar dennoch im Tuch. Weil dieser Gedanke ein sehr plötzlicher war und dabei ein sehr unüberlegter, wie die meisten dieser Art, polterte er heraus wie ein Kleinkind in den Spielzeugladen hinein und wurde direkt väterlich zurecht gerückt: Es ginge dabei ja um zwei oder drei Babys, die man nicht gleichzeitig tragen könne. 
Auch daran dachte ich noch eine Weile herum, selbst das könne man ja irgendwie, es gibt ja auch Menschen, die behaupten, man könne nicht zwei Kinder gleichzeitig stillen, und doch habe ich das mehrere Monate getan, ohne irgendwie besonders zu sein. Nacheinander halt. Wie man eben auch zwei oder drei Kinder tragen kann. Nacheinander. Wie bei allen anderen Aktivitäten, bei denen es dazu kommt, dass Kinder sich eben abwechseln müssen. Das soll ja vorkommen. Das diskutierte ich aber nicht mehr aus, hier setzte meine Altersmilde bezüglich solcher Kommentare ein. Stattdessen überlegte ich, woher kommt dieser Kommentar, warum muss der raus? Was soll er bedeuten und warum kann er nicht drin bleiben? Vielen würde das gut tun, wenn Kommentare dieser Art einfach drin blieben, denn nicht alle sind ja alt. Oder milde. Oder ...Sie wissen schon. Aber das scheint oft nicht zu gehen. Was raus muss, scheint rauszumüssen.

Hier prallen offenbar Welten aufeinander. Welten, die sich so massiv unterscheiden, dass man geneigt ist, aus Studien zu zitieren oder wenigstens aus dem Internet, um den anderen von der eigenen Sache zu überzeugen. Ich kann mich da beherrschen, ich schlucke das herunter und lasse meine Gedanken ein wenig wachsen, bevor ich sie herausschieße. Manchmal schieße ich auch gar nicht mehr. Sogar sehr oft. Deswegen denke ich aber nicht weniger. Eigenartige Sache, das.

Und so kam es, dass ich an diesem Wochenende herausfand, warum ich mein viertes Kind soviel herumtrage, statt es abzulegen, so schnell wie möglich. Warum ich soviel mit ihr herum sitze und kuschele, statt sie herumzuschieben oder was anderes zu tun. Warum ich lieber zwei Stunden mit ihr im Sessel sitze, als eine halbe Stunde was wirklich, wirklich Wichtiges zu tun. 

Ein Baby zu tragen macht Spaß. Ein Baby nicht abzulegen ist so viel schöner, als es abzulegen. Mit dem Baby im Tragetuch Mittag zu essen ist mitunter so viel stressfreier, als mit dem Gedanken zu speisen, es könnte jederzeit aufwachen und dann muss die Mahlzeit unterbrochen werden. Einfach sitzen zu bleiben mit dem Baby ist manchmal die größte Entspannung auch für mich. Und warum dann nicht? Wenn nach dem Aufstehen und Ablegen doch bloß der Wäscheberg wartet? Wozu dann aufstehen? 

Warum aber gibt es Menschen, die das anders sehen? Warum gibt es Menschen, die das Baby lieber schnell ablegen, um sich dem Wäschehaufen zu widmen? Oder die zumindest der Ansicht sind, dass man dies tun müsste? Der Gedanke, den ich mir an diesem Wochenende dazu zurecht gelegt habe und mit dem ich mich wohl fühle, in meiner ganzen altersmilden Ignoranz, ist denkbar simpel: Die Wäschehaufen dieser Menschen sind (oder waren) einfach zu groß. Ich kann das ein bisschen nachvollziehen. Auch wenn ich mich derzeit lieber mit meinem Baby zum Kuscheln auf einem unserer Wäscheberge treffe.

Montag, 8. August 2016

Gedanken zum Schwangerschaftsstatus

Aktueller Schwangerschaftsstatus: Ich glaube, ich bin echt schwanger. Es ist mittlerweile ziemlich eindeutig, obwohl ich noch gar nicht wirklich dazu gebloggt habe, insofern kann man ja nicht ganz sicher sein. Wenn es keinen Text dazu gibt, ist die Erfahrung vielleicht gar nicht real, sondern doch nur imaginär. Dazu kommt, dass ich mittlerweile so lange schwanger bin, dass nicht mal mehr die Kinder daran glauben, dass da noch ein Baby rauskommt. Ich habe schließlich was von "in den Ferien" erzählt und dann war der erste Ferientag da und kein Baby kam. Spätestens da habe ich meine Glaubwürdigkeit bei ihnen vollends verloren. 

Ich denke/glaube allerdings, da kommt schon noch was. Drei Wochen hab ich, auch wenn es mir so vor kommt, als wäre ich schon 45 Wochen schwanger, immer noch und so warten wir hier tatsächlich zum vierten Mal auf ein Kind. Ein echtes Kind. Das ist eigentlich sehr schwierig zu begreifen. 
Die Kinder fragen, wie kommt das Bébi in deinen Bauch, ich sage, "nunja, das haben der Papa und ich da halt irgendwie reingebastelt, lasst uns die Details ein anderes Mal besprechen". 
Die Kinder sagen "wenn das Baby nicht bald rauskommt, dann müssen wir halt zu ihr rein" und fragen mich in der Folge, welchen Eingang ich für den praktikableren halten würde. 
Die Kinder sagen, sie freuen sich auf "ihre schöne Schwester", aber es wäre noch schöner, wenn wir noch fünf weitere Geschwisterchen "basteln" könnten, denn wenn wir sowieso einen Bus kaufen wollen/müssen, dann könnten wir ja auch gleich so einen großen nehmen, wie der, mit dem sie immer die Kindergartenausflüge machen, das wäre doch fein. 
Das AuPair fragt, ob das Baby nicht doch schon früher kommen könnte, es wäre doch jetzt soweit und sie würde so gern noch ein bisschen mit ihr spielen, es bestaunen. 
Die Kinder sagen, wie kann das denn sein, mit diesem Baby da in meinem Bauch? Das wäre doch ganz und gar eigenartig und wo käme das denn bitte raus und ob man es nicht vielleicht irgendwie rausdrücken könne?! 
Der Mann sagt, er habe keine Illusionen, was die Ankunft dieses Babys betrifft, plant seinen Urlaub ab ET+X. Er sei schließlich der erfahrene Geburtshelfer und kenne sich aus, ich müsse nur Vertrauen haben und das Irrsinnige ist, das habe ich sogar.
Die Oma sagt, sie würde so gern helfen, jetzt schon und auch danach und überhaupt wäre es doch schön, wenn wir einfach näher zusammen sein könnten und nicht alles immer so kompliziert wäre durch die Entfernung, aber wie schön doch der Name wäre. 
Der Opa sagt, "Na, da seid ihr bald zu sechst, wa? Biste schon uffjereecht?" und ich sage, "Nee, gar nicht, warum auch? Naja, vielleicht doch ein ganz kleines bisschen. Also wenn ich ehrlich bin, hab ich..." und dann breche ich ab, weil ich nicht gerne über meine Ängste rede. Das machen die anderen schon genug. Die Nachbarin zum Beispiel, die mir zu einem neuen Anschluss-AuPair nach Geburt raten will, was etwas misslingt, indem sie formuliert, dass ich das nie allein schaffen werde, NIE, und darüber sollte ich mir doch im Klaren sein. Und ich überlege, was wohl dieses Nichtschaffen bedeutet und wie das dann genau aussieht, damit ich das dann auch im richtigen Moment erkenne und vor allem, was man in einem solchen Fall tut. Ein neues AuPair, das wächst nämlich auch nicht einfach so auf dem Baum. Und schon gar keins, das vier Kinder wuppt (die Autokorrektur wollte hier "wippt" schreiben und auch das käme der Wahrheit nicht unnah.)
Der ungarische Opa fragt, wie es mir gehe und wann wir wieder nach Budapest kommen, er hätte solche Sehnsucht und ich denke, 'och Mensch, ich auch'. Was die ungarische Oma sagen würde weiß ich genau und ich habe gestern, als ich den zehnten Hochzeitstag mit dem Mann bei einem Besuch von STOMP gefeiert habe, ausführlich an sie denken müssen. Wie schön sie waren, die vielen gemeinsamen Theaterabende. Und dann kullerten da auch Tränen. Weil sie von der Schwangerschaft zu Weihnachten ("Mensch, ihr Verrückten!") noch erfuhr, das Kind aber nicht mehr erlebt. 

Und was sage ich? Ich sage, das ist meine anstrengendste Schwangerschaft und auch ganz sicher meine letzte (oder nicht? Ach doch, ganz sicher.) Aber es ist auch die schönste irgendwie, weil die Kinder sie so bewusst erleben und weil sie trotz aller körperlichen Beschwerden so richtig erscheint. Weil wir inzwischen ein Haus, ein Heim gefunden haben, in das wir im nächsten Jahr einziehen werden und weil sich die Sechs-Personen-Familie so goldig anfühlt. Schon jetzt. Mit der großen Tochter, unserem aktuellen AuPair, das uns mit, vor oder kurz nach der Geburt verlassen wird, weil sie nur für den Sommer kommen konnte, und die wir schmerzlichst vermissen werden. 
Auch weil sie uns vor Augen geführt hat, wie schön das sein kann, wenn man in der Erziehung alles richtig macht. Wenn man einen Menschen schafft, der ein gutes Herz hat, der in sich ruht, der offen für viele neue Dinge ist, der geduldig ist und neugierig auf die Welt. Ein Mensch, der immer gute Laune hat und wenn er keine gute Laune hat, das offen ansprechen kann und auf die eigenen Bedürfnisse Rücksicht nimmt und sie formuliert. Wenn es gelingt, einen solchen Menschen zu schaffen, dann hat man viel richtig gemacht, in der Erziehung oder im Leben ganz allgemein. 

Ich bin mir nicht sicher, ob uns das gelingen wird. Weder bei unseren ersten drei Kindern noch bei dem Baby in meinem Bauch. Aber wir müssen es einfach versuchen. Es ist so schön zu sehen, wenn das jemand anderes geschafft hat.

Montag, 9. Mai 2016

Ein Spiel zum Muttertag #ichschenkdireinwort

Es ist kein Geheimnis, dass ich Wörter mag. Ich bin Sprachenlehrerin, alles andere wäre sicher eigenartig. Und ich bin auch nicht so streng bei der Auswahl, mir gefallen sehr viele Wörter. Auch die vermeintlich "bösen" Wörter kann ich mir im richtigen Moment mit dem passenden Getränk dazu sehr genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Aber wie so oft im Leben muss man sich um diese Wörter nicht so kümmern. Sie sind einfach da und laden sich selbst ein.

Die anderen Wörter aber, die sind sehr stille Geister. Häufig haben wir für sie keine Zeit oder auch gar keine Lust. Viele von ihnen sind uns zu kitschig, zu schleimig und zu flauschig. Ihre Verwendung macht uns nervös, weil sie Dinge transportieren, die uns nervös machen. Gefühle, Unsicherheit, Ängste. Das fängt als Kind an und wird manchmal richtig kompliziert, wenn die Kindheit zu Ende geht. Deswegen kümmere ich mich gern um diese Wörter und spiele dazu gern ein Spiel, das ich einmal in diesem Buch gefunden habe und seit Jahren immer wieder in verschiedenen Gruppen in der Muttersprache und sehr gern auch in der Fremdsprache spiele. Manche nennen das Psychohygiene, manche nennen das Blödsinn. Ich nenne das Spaß.

Ich schenk dir ein Wort. 

Bei diesem Spiel schenken sich die Mitglieder einer Gruppe, die sich gut kennen oder gut kennen gelernt haben, weil sie vielleicht eine sehr intensive Zeit miteinander hatten, die zu Ende geht oder vielleicht pausiert (man kann das auch sehr schön in Klassen am Jahresende spielen), ein schönes Wort. Ein Wort, das ihnen in den Sinn kommt, wenn sie an die jeweilige Person denken. Ein Wort, das ein Geschenk für diese Person sein soll. Und wie das mit Geschenken so ist - man gibt sich Mühe, etwas Schönes auszusuchen. Genau deshalb mag ich dieses Spiel. Weil es Menschen dazu bringt, sich mit Wörtern auseinanderzusetzen. Mit der Botschaft dahinter. Mit den Gefühlen, die das Wort vielleicht bei mir selbst auslöst oder damit, wie das Wort bei dem/der anderen vielleicht ankommt.

Besonders für Schülergruppen ist das häufig nicht leicht. "Muss das unbedingt positiv sein?", ist eine der häufigsten Fragen zu Beginn des Spiels. Ich habe dafür viel Verständnis. Wer mag schon alle Menschen? Und wem fällt schon zu jedem gleich als erstes was Nettes ein? Oft ist es ja eher andersherum. Aber genau darin liegt der Reiz des Spiels. Es kommt dabei im Verlauf des Spiels immer auch zu denselben ablehnenden Reaktionen: "Was soll die Schleimerei?", "Was soll das bringen?", "Mir fällt nichts ein?", "Mir fallen nur Schimpfwörter ein!", "So ein beklopptes Spiel!" Und das ist auch völlig ok. Was aber auch immer dabei passiert: Es werden Wörter verschenkt, die man ohne das Spiel dem/der anderen vielleicht nie gesagt/geschrieben hätte. Häufig sind es Wörter, die gut tun. Die überraschen, glücklich machen, sich besonders anfühlen. Wörter, die dir selbst nicht zu dir eingefallen wären. 

Gestern am Muttertag hatte ich Lust, das Spiel mit Müttern auf Twitter zu spielen. Denn ich lese sehr viel von Druck, von Konkurrenz, von Neid unter Müttern. Sehr harte Wörter. Dem wollte ich was entgegensetzen mit #ichschenkdireinwort. Hier sind ein paar der Wörter, die im Verlauf des Spiels gestern verschenkt worden sind. 


Vielen Dank an alle, die mitgespielt haben und viel Spaß noch mit euren Wörtern. 
Ich mochte meine jedenfalls sehr.

Mittwoch, 27. April 2016

Wohnraumsuche oder lebenslanges Lernen

Eine Wohnung zu finden, das war früher mal ganz einfach. Das stimmt natürlich nicht ganz, denn dieses Früher, wann soll das schon gewesen sein und auf wen soll sich das beziehen? Wenn ich auf mein eigenes Leben schaue, dann stelle ich fest, eins der größten Probleme war immer schon und wird es vielleicht hoffentlich auch bleiben, das Finden einer geeigneten Behausung für mich und inzwischen eben für meine Familie und mich. 

Als Studentin war die Wohnungssuche auch nicht einfach, denn da hatte ich keine Einnahmen. Und keine Sicherheiten. Mein popeliges Bafög interessierte Vermieter nicht besonders und für Makler hatte ich kein Geld. Aber wenigstens fand ich was. Denn es gab was. Das war rückblickend irgendwie doch ganz ein wenig erleichternd. 

Dann schloss ich mein Studium ab und, wild und ungestüm wie ich war, ging ich direkt nach dem ersten Staatsexamen nach Budapest, um dort zu unterrichten. Und ich lernte den Wohnungsmarkt in Budapest kennen. Das war ganz interessant zu sehen, ich habe dort viel gelernt. Zum Beispiel, dass man Wohnungen auch ganz ohne Mietvertrag mieten kann und dass man das Mieten einer ebenerdigen Wohnung ohne Sicherheitstüren vielleicht lieber vermeidet, weil es dann sein kann, dass man nachts, während man im Schlafzimmer - ein wenig unruhig zwar - aber dennoch unbekümmert schlummert, ausgeraubt werden kann, sodass man morgens aufsteht und vergeblich Handy, Laptop und Fotoapparate sucht. Und vor einer offenen Tür steht. Ich habe gelernt, dass man zur Not innerhalb weniger Stunden irgendwo ausziehen kann. Ich habe auch gelernt, dass man sich zu zweit sehr gut in einem Zimmer arrangieren kann. Und dass Alpträume, die man wegen Einbrechern hat, die einen im eigenen Heim um mehrere Tausend Euro erleichtern, irgendwann verschwinden. Ich habe gelernt, dass man sehr gut mit den eigenen Schwiegereltern unter einem Dach wohnen kann, ja sogar, dass man dies als großen Luxus empfinden kann. Und ich habe auch gelernt, dass eine Alarmanlage manchmal durch Katzen ausgelöst werden kann. Alles in allem eine sehr spannende Zeit. 

Dann sind wir nach Bayern gekommen. Die erste Station war Regensburg. Dort hab ich gelernt, dass man Immobilienmaklern um den Bart gehen muss. Ich habe gelernt, dass Kinder nicht so gern gesehen sind, wenn man sich nach Wohnungen umschaut und dass man eher eine Wohnungsvertrag unterschreibt, wenn man einen Hund hat, aber Single ist, als wenn man keine Haustiere hat, aber ein Kind im Bobbycaralter. Ich habe gelernt, dass man Wohnungen auch ohne Makler besichtigen kann, dass es dann aber manchmal ein Mietercasting gibt, für das man sich hübsch machen muss und am besten irgendwo sichtbar die aktuellen Einkommensnachweise ans Jackett pinnt. Ich habe gelernt, dass ein schnell wachsender Wohnungsmarkt durchaus Wohnraum bietet, dieser aber gerne mal schimmelt, weil schnell und billig gebaut, aber teuer vermietet werden soll, für Details in diesem Prozess aber eben manchmal die Zeit abhanden kam. Ich habe gelernt, dass man Innenwandtemperaturen mit Lasergeräten messen kann und dass man Wohnungen über Tiefgaragen vielleicht lieber nicht mietet. Ich habe gelernt, dass man mit vier Personen in einer Dreiraumwohnung von 73 qm gut zurecht kommt, dass die 1000 Euro Miete dafür dennoch irgendwie schmerzen. Ich habe gelernt, dass man sich darüber nicht beschweren darf, denn in München, also da wäre das ein Traum! Ich habe außerdem gelernt, dass viele Makler der Ansicht sind, Wohnungen von 120 qm wären für eine Familie von 4 Personen zu klein, sie mir aber die Wahrheit - dass ich unvermittelbar bin - einfach aus Höflichkeit verschweigen wollen. Ich habe gelernt, dass man auch in einer baubedingt schimmeligen Wohnung leben kann. Dass das Wohnfeeling dadurch zwar ein wenig reduziert ist, man sich aber vielleicht doch besser fühlt als im Zelt.


Unsere zweite Station auf dem bayerischen Wohnungsmarkt war ein kleines Dorf am Rande der Oberpfalz. Hierhin hat es uns verschlagen, weil mich das Ministerium versetzt hat, in eine Schule 80 km von meinem damaligen Wohnort entfernt. Ich habe darüber an anderer Stelle ausführlich berichtet. Pendeln wäre kein Problem, sagte man mir, Umzug auch nicht, ich müsse mich halt nur entscheiden. Wir entschieden uns für den Wohnortwechsel und wohnten nun auf dem Land. Auf dieser Station meiner Wohnraumreise habe ich gelernt, dass man Häuser mittlerweile gerne mit Belüftungsanlagen baut. Dann muss man die Fenster nicht mehr aufmachen. Wenn man ganz viel Pech hat, kann man das gar nicht, weil irgendein Schlaumeier die Belüftungsanlage für so dermaßen abgefahren hält, dass er dir Fenster einbaut, die nicht zu öffnen sind. Ich habe gelernt, dass die Luft in solchen Häusern gerne sehr trocken ist und dass man keine Heizungen hat, auf die man die nassen Sachen legen kann. Ich habe gelernt, dass Schimmel bei einer Luftfeuchtigkeit von 34 % keine Chance hat. Das ist eigentlich ganz schön. Weiterhin habe ich gelernt, dass meine Vorstellung nie mehr als 1000 Euro Miete zu zahlen ein naiver, absurder Traum war, von dem ich mich besser verabschiede. Außerdem habe ich gelernt, dass es Zeitverträge für Wohnraum gibt und dass man sich ganz genau überlegen sollte, ob man solche Verträge unterschreibt. Ich habe gelernt, dass mir 200 qm viel zu viel sind und ich mich auf 120 qm (auch mit vier Kindern) sehr wohl fühlen würde. Ich habe gelernt, dass mir 750 qm Rasenfläche zu viel zum Mähen sind, auch wenn es schön anzuschauen ist. Und ich habe gelernt, dass man auch auf 200 qm den Eindruck entstehen lassen kann, man bräuchte den ganzen Platz. 

Zur Zeit bin ich auf der Suche nach unserer nächsten Station, das haben sicher einige verfolgt. Was meine Lebenssituation angeht, habe ich derzeit Spitzenkarten.
- Ich habe einen Zeitvertrag für ein Haus, den ich frühestens im April 2017 kündigen kann. 
- Ich habe drei Kinder und das vierte sieht man mir an.
- Ich habe ein sehr gutes Beamtengehalt, bin aber schwanger und bekomme bald Elterngeld (Und wer weiß, ob ich danach je wieder arbeiten gehe!)
- Ich muss einen Versetzungsantrag stellen, kann dies im Oktober oder April tun. Der im Oktober würde im Januar bewilligt, der im April Mitte Juli.
- Egal, wo ich lande, ich muss einen Krippenplatz und zwei Kindergartenplätze finden, vorzugsweise in einer Einrichtung (ich träume schon wieder, lassen Sie mich!)
- Für den Versetzungsantrag brauche ich eine neue Adresse. Sonst wird der nicht genehmigt. Also erst Wohnung, dann Antrag. Es kann aber sein, dass ich dann wieder eine Schule bekomme, die 80 km weit weg ist vom selbst gewählten Wohnort. (Pech gehabt.)
- Miete ich eine Wohnung vor April 2017, zahle ich Doppelmiete.
- Kaufe ich eine Wohnung/ ein Haus vor April 2017, zahle ich Miete und Finanzierung.
- Ein Finanzierungsantrag zum jetzigen Zeitpunkt ist angeraten, denn ich bin zwar schwanger, aber ich habe noch echte Einkünfte (bloß die Raten kann ich dann nicht bezahlen, aber dafür kann ich ja einen Kredit aufnehmen)

Mit diesen Karten suche ich derzeit Wohnraum für meine Familie in einem Ort 140 km entfernt von unserem jetzigen Wohnort, was im Grunde einer Vollzeittätigkeit entspricht. Das Schöne daran: Ich lerne wieder so wahnsinnig viel. Heute habe ich zum Beispiel bei der dritten Finanzberatung diese Woche gelernt, dass mein Bauch zu dick ist, um ihn noch zu verstecken. Dass man aber bei großen Banken anonyme (im Sinne von die sehen mich ja nicht) Finanzierungsanfragen stellen kann und das vierte Kind dann gar nicht auffällt. Ist doch schön, dieses lebenslange Lernen, oder?

Dienstag, 26. April 2016

Zu schön, um geplant zu sein

Ich lese hier in diesem Internet immer mal wieder von Kinderplanung. Häufiger von geplanten, weniger häufig von ungeplanten Kindern. Einen Plan zu haben im Leben, das scheint mir ganz allgemein sehr wichtig zu sein. Ich finde das spannend. Sauspannend. 

Einfach drauf los oder erst planen? Wie macht ihr das so?
Bei uns ist die Sache mit der Kinderplanung ganz einfach. Sohn I kam 2010 auf die Welt. Geplant, Ende 2006 zum ersten Mal. Wir waren jung und romantisch und frisch verheiratet und überlegten in zahlreichen Gesprächen so laut zusammen herum, wann denn dieses, unser Kind kommen dürfte, könnte, sollte. Der Mann witzelte, er wolle Fußballmannschaften, mindestens aber einen Vierer-Kajak und ich überlegte viel daran herum, wie das wohl sei mit dem Schwangersein. Was ich mir gar nicht überlegte, war, ob es eventuell schwierig für mich werden könnte, auf dem Wohnungs-, Arbeits- oder sonst irgendwelchen Märkten. Ich romantisierte naiv herum und war dabei sehr glücklich. 
Ich machte mein Staatsexamen. Unschwanger. Ich fing an zu arbeiten. Unschwanger. Ich arbeitete das erste Jahr. Und blieb weiterhin unschwanger. Ich machte mir aber keine Gedanken. Wir hatten ja einen Plan. Ich romantisierte weiterhin naiv herum und amüsierte mich halt währenddessen sehr auf meinen Arbeitsstellen in Budapest. Nebenbei dachte ich manchmal, so in ganz stillen Momenten: Mensch, diese Kinderplanung, das ist aber auch nicht so leicht, wie man denkt. Aber ich ließ mich nicht verunsichern. 

Irgendwann 2009 erwähnte ich mein Nichtschwangerwerden einmal beim Frauenarzt. Zwei Jahre ohne Ergebnis? Dann sind sie eigentlich unfruchtbar, sagte man mir. Da müssen wir was machen. Relativ schnell landete ich in einer Kinderwunschklinik. Dort bot man mir einen Plan an. Einen Untersuchungsplan, der uns 2000 Euro kosten sollte, ohne Kinderwunschbehandlung wohlgemerkt und aus eigener Tasche. Ich lehnte das Angebot ab und wurde einfach weiter nicht schwanger. Das dritte Jahr. Wir hatten zwar ein Kind geplant. Aber offenbar war da irgendein Fehler im Konzept. Ich verdrängte und dachte, das wird schon. Und dann wurde es. Was wir im Jahr 2006 anfingen zu planen, wurde 2010 endlich Wirklichkeit. Vier Jahre von der ersten Planung bis hin zum fertigen Ergebnis: Ein hungriges, liebebedürftiges kleines Häufchen Glück. Klingt eigentlich nach einem schönen Ergebnis, aber der Plan, der war ja offenbar nicht so dolle. Ich meine, vier Jahre? 

Über diese Wartezeit haben wir uns so dermaßen erschrocken, dass wir resümierten, das mit der Planung hat ja nicht besonders funktioniert. Sohn I war 14 Wochen alt, da wurde ich schwanger mit Sohn II.  "Das war doch nicht geplant?", wurde ich gefragt und dachte: "Ach, ihr mit eurer Planung, wir machen das schon!" 
Mit 6 Monate altem Sohn II und 20 Monate altem Sohn I zogen wir von Budapest nach Deutschland. Nach weiteren 8 Monaten wurde ich - mitten im Referendariat - schwanger. Mit unserer Tochter. "Das war jetzt aber ganz sicher nicht geplant, oder? Das kannst du mir nicht erzählen!" Nun, was soll ich sagen, sie kam überraschend, das stimmt wohl. Aber wir hatten mit der Kinderplanung auch nicht so besonders gute Erfahrungen gemacht. Man möge das verstehen.

2015 wurde die Tochter ein Jahr alt und ich nahm mir Anfang des Jahres - ein wenig flapsig-scherzhaft, aber doch auch irgendwie ernsthaft vor, 2016 nicht schwanger zu werden. Gleichzeitig merkte ich von Woche zu Woche mehr, wie mich die Babysehnsucht packte. Hier liefen alle Kinder, hielten ihre Löffel selbstständig und schliefen nächtelang durch und ich arbeitete. Und irgendwann stellte ich fest: Es wird Zeit, dass wir unsere Kinderplanung abschließen. Mit einem geplanten Kind.  Und ich dachte noch so bei mir: Ohje, das können wir ja nicht so gut. Das mit dem Planen. Ein unschwangerer Zyklus reichte, um mir den Mut meiner eigenen Planung zu nehmen. Ich hatte sie noch gut in Erinnerung, diese dreieinhalb Jahre Kinderwunsch. Ich kann das nicht, sagte ich zu meinem Mann. Wenn es nächsten Monat nicht klappt, dann lassen wir das. Es klappte natürlich. Gut geplant, oder?

Wir planen nun, dass wir komplett sind, wenn wir zu sechst sind. Und als Paar und als Familie blicken wir zurück und denken dabei ganz oft: Das hätten wir niemals so planen können. Das ist viel zu schön, um geplant zu sein.

Samstag, 12. März 2016

12 von 12 im März

Dreimal in der Geschichte dieses Blogs habe ich es vielleicht schon geschafft. Bei 12 von 12 mitzumachen. Heute ist es wieder soweit.

1 - Der Blick aus unserem Wohnzimmerfenster heute Morgen. Ein sehr schöner Blick, wie ich finde. Aber langsam werde ich schon melancholisch, wenn ich da rausschaue. Der Countdown zum nächsten Umzug läuft. 


2 - Kind A ist nun zwei Jahre alt und spielt selbstständig mit den tiptoi Büchern der großen Brüder. Es stimmt, was man über dritte Kinder sagt. Heute Morgen im Schwimmbad hat sie einen Köpper gemacht. Manchmal macht sie mir Angst.


3 - Ich war gestern beim Zahnarzt und hab nun die Zähne wieder schön. Da bin ich ganz begeistert. Entschuldigen Sie, wenn ich Sie damit belästige.



4 - Die Wochenenden verbringen wir meistens im Schwimmbad. So auch heute. Kind A rennt vor. Und wenn sie nicht vorrennen kann/darf, gibt's Ärger.


5 - Im Auto läuft die Kinder Playlist. Verrückte Mischung. Aber die Rücksitzkids sind begeistert. 


6 - Auf dem Rückweg kam es zu etwas Geschwisterplüsch. Das muss man festhalten. Wer weiß, wann das wieder kommt.


7 - Kind A bleibt auch gern mal zurück. Sie ist recht angstfrei. Aber das sagte ich schon.



8 - Während der Papa mit den Kindern Mittagsschlaf machte, war ich einkaufen. Ganz oben auf die Fischstäbchen, die sich Kind P heute früh zum Abendessen gewünscht hat.


9 - Zum Nachmittagskaffee gab's Kuchen und Obstmixgetränke. Seit mir nicht mehr schlecht ist, brauche ich Obst in rauen Mengen. Na und die Kinder ja sowieso.


10 - Während ich das hier tippe, läuft am Esstisch der Legonachmittag mit dem Papa. 



11 - Treppe hoch gehen dauert hier manchmal ein bisschen. Alle Buchstaben und Tiere müssen benannt werden. 



12 - Ganz hoch im Kurs steht hier seit ein paar Wochen die Triola. Ich mag den Ton. Für ein Plastikinstrument unheimlich angenehm.


Und damit beende ich auch meine 12 von 12 im März. Bis zum nächsten Jahr. Oder so.

Mittwoch, 9. März 2016

Aupair - hin oder her

Aupair oder nicht. Eine Frage, über die ich immer wieder grübele. Bevor ich das das erste Mal versucht habe, gab es da gar keine Frage. Da war die Entscheidung ganz klar. Ich war versetzt worden, wollte erst mit 75% und dann Vollzeit arbeiten. Der Mann war (und ist) an 3 von 5 Tagen nicht zu Haus und mein Lehrerinnenjob ist - entgegen der landläufigen Vorstellung vieler Menschen - nicht ganz so easy-peasy mit Familie vereinbar, wie man denkt. Elternabende, Klassenfahrten, Besprechungen, von denen man nie genau weiß, wie lange sie dauern, Theateraufführungen, Exkursionen und vieles andere, das außerhalb der üblichen Kinderbetreuungszeiten liegt. Mit drei Kindern in der Kita von 7-16 Uhr bleiben da immer noch zu viele Problemstellen.

Im Ref - mit damals zwei Krippenkindern - hieß unsere Lösung Babysitterin. Eine besonders elegante Lösung, weil wir sehr viel Glück hatten mit unserer. Sie war flexibel, die Kinder liebten sie und wir lagen (und liegen bis heute) mit ihr absolut auf einer Wellenlänge. 

Dann kam meine Tochter (2014) und ich wurde versetzt. 80 km. Wir wohnten in einer Drei-Raum-Wohnung, ich sollte 80 km fahren und dennoch täglich 7.55 Uhr in der Schule sein. Ich fand keine Tagesmutter, fand keine Babysitterin, die morgens um halb sechs bei mir sein kann und ich fand auch sonst nur eine Lösung: Umziehen. 

Wir zogen also um. 80 km weiter. In ein großes Haus mit Garten im Dorf. Das war eine ganz schöne Umstellung, aber die Kinder gingen zum ersten Mal alle in eine Kita und ich doktorte anfangs mit einer Leihoma rum, die aber wenig flexibel war und für bestimmte Dinge gar nicht zur Verfügung stehen wollte. Tagesmütter, die nur für Randbetreuungszeiten zu uns aufs Dorf fahren würden, gab es nicht, andere Leihomas, Babysitter auch nicht. Ich wollte/musste auf 100% aufstocken und brauchte eine Lösung. Eine Hilfe, die flexibel ist. Wir hatten plötzlich ein Haus und viel zu viele Quadratmeter übrig (wir waren von 73qm  in 200 qm gezogen) und viel teurer als immer spontan jemanden zu bezahlen, würde ein Aupair auch nicht, rechneten wir uns aus. Dazu kommt, wir wollten gern die Zweisprachigkeit unserer Kinder weiter fördern und unterstützen, mein Mann war aber für das Ungarische zu selten da. Also war schnell für uns klar: Ein ungarisches Aupair muss her.

Wir hatten dann sehr schnell ein Mädchen, die nur 6 Wochen bei uns blieb, weil es so gar nicht ging. Sie war schüchtern, unbeholfen, sie wusste mit so vielen Dingen nichts anzufangen und hatte keinerlei Ideen, was die Kinder anging. Ihr Verständnis vom Umgang mit den Kindern bestand darin, die Kinder zu bewachen und aufzupassen, dass sie keinen Blödsinn machen. Wer kleine Kinder kennt, weiß, dass man ohne Angebote für das Kind so sehr schnell anfängt, dem Kind mit Verboten hinterher zu rennen und dass die Stimmung häufig sehr schnell eskaliert. Vor allem mit drei Kindern (damals 1, 3 und 4 Jahre alt). Sie lag meistens hier im Wohnzimmer oder im Garten herum, spielte mit ihrem Telefon und wenn die Kinder anfingen, Dummheiten zu machen, fing sie an, diese zu verbieten. Die Tochter fiel recht zügig aus dem Kinderwagen ("Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte"), die Jungs testeten Grenzen und fanden nie welche und ich fing schon nach zwei Wochen an, mich quasi in meinem Haus vor ihr zu verstecken. Uns war relativ schnell klar, dass das so nicht ging und wir kündigten ihr noch in der Probezeit. 

Wenig später bekamen wir von der Agentur ein neues Angebot, das wir auch annahmen, weil wir uns von einem missglückten Versuch nicht abschrecken lassen wollten. Wir kauften wieder Willkommensgeschenke, richteten das Zimmer noch wohnlicher ein und empfingen Aupair Nr. 2 voller Freude und Zuversicht. Diese blieb dann 8 (statt der geplanten 12 Monate oder von unserer Seite auch gerne länger), weil sie vor vier Wochen plötzlich kündigte. Die plötzliche Kündigung von ihrer Seite und die Art und Weise, wie diese ablief, hat mich sehr schockiert. Und auch viele andere Aspekte, die sich in so einer langen Zeit von ihrer ehrlichen Seite zeigen, haben mich nachdenklich gestimmt. Ich kann mir dieses Nachdenken zur Zeit erlauben, weil ich zu Hause bin und nicht arbeiten muss/darf. Aber das wird ja nicht ewig so sein. Was dann?

Die @Mama_Mia_Sommer hat mich nach einer Pro/Contra-Liste Aupair gefragt 

Hier nun mein Versuch:

Pro
Flexibilität: Ein Aupair ist im Grunde die flexibelste Lösung, die man sich vorstellen kann. Man wohnt zusammen. Man findet zusammen Lösungen. Und es sind plötzlich drei Menschen da, die im Problemfall bei der Lösung helfen können. So viel Flexibilität (nachts, am Wochenende, abends, morgens, spontan) bekommt man sonst nicht oder nahezu nicht.

Kosten: Die Kosten sind steuerlich absetzbar, das ist ein Vorteil. Absolut. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass man unter 600 Euro mit allem drum und dran nicht wegkommt. Wenn man es doch versucht, geht es auf Kosten des Aupairs und der Stimmung. Das kann man natürlich machen und das machen auch viele. Aber deshalb gibt es auch so viele Aupairs, die Familien wechseln wollen. Man muss an dieser Stelle großzügig sein, da bin ich mir sicher. Und das lohnt sich auch. Denn es kommt zurück.

+1 Bezugsperson: Die Kinder haben eine Bezugsperson mehr. Im Idealfall ist dies eine fröhliche, aufgeschlossene, begeisternde, gelassene und geduldige Bezugsperson. Wenn man Pech hat, fehlen halt ein paar Eigenschaften. Für mich ein sehr wichtiger Aspekt. Man sollte sich darüber im Klaren sein, auf welche Dinge man in diesem Zusammenhang Wert legt. Bei mir ist zum Beispiel, sollten wir nochmal ein Aupair zu uns nehmen, Sportlichkeit kein Plus, sondern ein klares Muss. Unser erstes Aupair konnte nicht richtig laufen (sie war frisch operiert). Das war ein echtes Problem und zuletzt der Kündigungsgrund, weil ich sah, wie sie den Kinderwagen ohne Bremse stehen lassend, den Jungs hinterher rannte, aber sie nicht einholen konnte. Ein Nogo für mich. Aber damals in der Situation war ich erst voll von Verständnis. Das zweite Aupair war etwas sportlicher, aber sie konnte nicht wirklich Fahrrad fahren und nicht schwimmen. Etwas, das ich beim nächsten Aupair gerne abfragen, am liebsten aber vorher testen würde (ich wusste nicht, dass das bei Mädels aus Ungarn ein Problem sein könnte, ich kann so naiv sein) Wir verbringen die Wochenenden im Schwimmbad, laufend oder auf den Fahrrädern. Da muss ein Aupair natürlich nicht mitmachen, aber je mehr Dinge man zusammen tut, desto besser eben der Kontakt zwischen allen. Schließlich wohnt man zusammen. Und wir wollten Familienleben und keine Angestellte. 

Bereitschaft: Es ist immer jemand da. Besonders jetzt, wo ich schwanger bin und die Kinder an drei Tagen allein auf mich angewiesen sind, mache ich mir große Sorgen. Was ist, wenn was passiert? Was ist, wenn es mir nicht gut geht? Was ist, wenn ich mal länger ins Krankenhaus muss? Wir haben keine Hilfe von außen und das wäre in der Tat ein Riesenproblem. Als unser Aupair noch da war, stellte sich die Frage nicht so akut. Sie wäre zwar nicht in der Lage gewesen, alles allein zu managen, aber zumindest für Notfälle war sie eben immer da. Und für Geschichten wie Arzttermine mit nur einem Kind (was mach ich mit den anderen beiden), Sport- oder andere Aktivitäten für nur ein Kind (zum Beispiel Puppentheater, in das ich allein mit drei Kindern noch weitere drei Jahre nicht hätte gehen können, weil immer eins dabei wäre, das zu klein ist) Mit einem Aupair hat man die Möglichkeit Aktivitäten viel breit gefächerter und spontaner zu gestalten. Man kann sich die Kinder aufteilen und hat so viel mehr Möglichkeiten. Und das nahezu immer. Das ist ein ganz klares Plus.

Kultur: Da ist jemand in deinem Haus, der aus einer anderen Kultur kommt. Nichts ist so bereichernd für ein Kind wie das. Diese Andersheit war bei uns nun nicht so der Fall, weil wir bisher nur Aupairs aus Ungarn hatten und auch weiterhin haben wollen, dennoch kann ich da aus Erfahrung sprechen. Ein Aupair bringt andere Essgewohnheiten, andere Lieder, Geschichten, auch Gewohnheiten im Umgang mit Kindern mit, die für die Kinder bereichernd sein können. Sie können Fragen stellen, ihren Horizont erweitern und Neues erfahren. Aber auch hier liegen Gefahren, über die man sich Gedanken machen muss (Thema Erziehung z.B.: Was erwartet man vom Aupair selbst, wie viel gibt man vor. Die eigenen Erfahrungen können hier stark variieren und man sollte das thematisieren. Wir haben hier unheimlich viel schöpfen können. Ein absolutes Plus für uns. Ich bin mir heute sicher, dass meine Tochter den Großteil ihrer aktuellen Ungarischkenntnisse unserem Aupair zu verdanken hat. Und dafür bin ich dankbar. (Leider muss ich annehmen, dass das einer der Kritikpunkte auf Aupairseite war (Ungarisch mit den Kindern reden).)

Kommen wir zum

Contra:
Kosten: Die Kosten sind höher als man denkt. 260 Euro Taschengeld, Sprachkursunterstützung und Verkehrsmittelbeihilfe (bei uns n Riesenproblem, weil wir auf dem Dorf wohnen und die Öffentlichen ein schlechter Witz sind). Wir haben letztendlich 90 Euro gezahlt. Eine wirkliche Lösung im Sinne eines regelmäßigen Tickets gabs aber erst am 140 Euro und dann nicht für beide Regionen. Nunja. Es war kompliziert. Ich würde heute auf jeden Fall auf einem echten Führerschein bestehen. Einem mit Fahrpraxis. Denn wir hatten nun zweimal ein Mädchen mit unbrauchbarem Führerschein.
Dazu kommen meiner Meinung nach Telefon (darüber muss man sich Gedanken machen - wir haben 30 Euro für ne All-Inclusive-Flatrate bezahlt, damit wir uns keine Gedanken machen müssen über eventuelle hohe Telefonkosten), Essen, Geschenke, Fahrtkosten, wenn man das Aupair irgendwohin fährt, etc. Es kommt einiges zusammen. Wir waren insgesamt sicher bei 600 Euro, von denen man  nicht alles absetzen kann.

Zusammenleben: Es ist noch eine Person da, die im Haus Unordnung hinterlässt, die Sachen nicht wegräumt, die nicht die Verantwortung für viele, viele Dinge übernehmen kann und will. Für mich war dieser Teil sehr belastend. Wenn Menschen Dinge nicht sehen, das regt mich auf. Messer, die nicht zurück in den Messerblock gesteckt werden, sondern erreichbar für Kinder herumliegen. Milchkartons, die nicht den Mülleimer finden und auf dem Küchentresen gesammelt werden, Kaffeemaschinen, die nicht gereinigt werden, sondern immer nur benutzt werden, Jacken, die nicht an die Haken gehängt werden. Das ist alles kein Problem. Man hält das aus. Man muss sich aber im Klaren darüber sein, dass ein Aupair Angewohnheiten haben kann, die einen dann eben doch stören. Und dann muss man in der Lage sein, das anzusprechen und aus dem Weg zu räumen oder eben runterzuschlucken. Ich habe beides versucht. Es gab dennoch immer wieder sehr unangenehme Phasen. 

Anwesenheit: Es ist immer jemand da. Diese Person, die am Anfang eine Fremde ist, und sich vielleicht auch sehr lange so fühlt, ist immer in deinem Haus. Sie sitzt mit auf dem Sofa, sitzt mit am Tisch und ist bei fast allem dabei. Oder das Gegenteil ist der Fall und die Person verschwindet sofort nach getaner Arbeit, ist am Wochenende immer ausgeflogen, kommt nachts spät und hat einen völlig anderen Rhythmus als du. Für beides muss man Verständnis haben können, bzw. zumindest so damit zurecht kommen, dass man sich in seinem eigenen Haus noch wohlfühlt. Wir sind hier ziemlich oft an unsere Grenzen gestoßen, weil wir sehr viel gegeben haben, aber im Gegenzug zu wenig kam. Dazu kommt, dass ich mich sehr schwer damit tue, die Launen anderer Menschen auszugleichen. Ich muss das hier für drei Kinder regelmäßig tun. Als ich dies noch für einen vierten Menschen immerzu tun sollte, war ich überfordert. Ich habe mir einfach mehr Fröhlichkeit gewünscht. Aber ein Mensch ist das eben oder er ist es nicht. In unserem Fall, nunja.

Arbeitszeit: Wann ist Arbeitszeit, wann ist diese zu Ende? Es gibt eine theoretische Regelung von 30 Stunden die Woche, am Wochenende ein Tag oder ein Abend Babysitten etc. Aber in Wirklichkeit ist das doch viel schwieriger. Sind die gemeinsamen Mahlzeiten am Wochenende Arbeitszeit oder ist das Freizeit? Wenn man plötzlich abends Zeit hat und dem Aupair freigibt, weil man die Kinder selbst ins Bett bringen will, ist das dann Freizeit und kann man verlangen, dass sie ein andermal dafür länger Zeit hat? Wenn man das Aupair zum Wochenendausflug einlädt, empfindet sie das dann als Arbeit? Oder ist das etwa so? Es kann und sollten hier keine Aufstellungen gemacht werden. Aber es muss halt für beide Seiten passen. Aus meiner Erfahrung ist es hier insbesondere die Zeit für Hausarbeit, die ein Problem darstellt. Wie lange dauert sie, was ist der eigene Anteil und was Mithilfe (ich finde, ein Aupair ist auch ein Mitbewohner und hat Verantwortung als solcher vor allem für seine eigenen Dinge, aber eben auch anteilig für den gesamten Haushalt). Aus meiner Erfahrung heraus ist es besser, wenn man an dieser Stelle nicht viel verlangt. Dann wird man nicht enttäuscht. 

Persönlichkeit: Viel hängt für mich von der Persönlichkeit des Aupairs ab. Das ist eine schwierige Sache, denn die kann man ja nicht verändern und da hat man auch nicht viel Einfluss. Ein Aupair ist ein Familienmitglied, das schlechte Laune hat, die auch mal an dir auslässt, die auch zu den Kindern mal ungeduldiger ist, die Frust haben kann, weil sie keine Kontakte findet oder die auch mal wegen dir Frust hat, weil du genauso eine Persönlichkeit bist und wo es menschelt, nunja da menschelt es eben. Das ist ganz normal und auch nicht schlimm. Ich habe das nur häufig als Zwickmühle empfunden. Denn unser letztes Aupair war nach anfänglicher Motiviertheit sehr schnell, sehr unmotiviert und hat viele Fehler gemacht. Das hat mich sehr genervt, ich habe das angesprochen, aber es hat sich nichts geändert oder nur phasenweise. Ich war aber auf sie angewiesen. Wenn ich kein Beschäftigungsverbot hätte, wäre ich das jetzt noch, und zwar massiv. Sie hat uns hängen gelassen, in der denkbar schlechtesten Zeit. Auch darauf muss man vorbereitet sein. Es kann sein, dass ein Aupair nicht ehrlich ist, nicht ausspricht, was los ist, nicht in der Lage ist, mit Konflikten umzugehen und sich einfach eine neue Familie oder einen neuen Job als Lösung für sich selbst sucht. Dann steht man da. Hätte ich im Moment der Kündigung gearbeitet, ich hätte nicht gewusst, wie ich das lösen soll. Ich habe bis heute kein neues in Frage kommendes Angebot der Agentur bekommen, die Aupairs auf Aupair-World habe ich alle mehrmals durch und es gibt einfach keinen garantierten Ersatz. 
Die Angst, dass ein Aupair so etwas macht, schwingt mit, wenn sie zum Beispiel sehr umkommunikativ ist, viel schweigt und auf Nachfragen immer sagt: "Alles ist gut". Das ist ja auch sehr schwierig, als Aupair, wenn du Kritik an deiner Familie ausüben willst. Wir haben hier darüber sehr viel gesprochen. Wie macht man das? Das ist nicht leicht. Das ist auch für ein Aupair ein Drahtseilakt. 

Befristung: Ein Aupair bleibt nur eine bestimmte Zeit. Und dann kommt ein neues. Ich stelle mir immer vor, da kommt jetzt jedes Jahr (im Idealfall) ein neuer Mensch in meine Familie. Jedes Mal stellen sich die Kinder darauf ein, jedes Mal bauen sie eine Bindung auf und jedes Mal geht es irgendwann zu Ende. Meine Kinder sind derzeit arg getroffen vom Verschwinden unseres letzten Aupairs. Sie haben sehr viel Zeit mit mir und das freut sie. Aber sie verstehen nicht, was da passiert ist und ich kann es ja nicht mal erklären, weil mir keine Erklärung gegeben wurde. So muss es nicht laufen. So kann es aber eben auch laufen. Wir versuchen es sicher noch einmal. Aber ich mache mir eben viele Gedanken darüber, wie das langfristig auf die Kinder wirkt, wenn Aupair die ständige Lösung ist.

Betreuungsqualität: Unser erstes Aupair hat die Kleine aus dem Kinderwagen fallen lassen, unser zweites Aupair hat zwei Jungs auf dem Spielplatz verloren. Extremfälle? Kann sein. Ich denke inzwischen, man darf eben nicht so viel erwarten. Mein Vertrauen war am Anfang enorm und ich habe viel darauf gesetzt, dass die Mädels selbst auskundschaften, wie und was mit den Kindern geht. Ich habe beiden lange Eingewöhnungsphasen gelassen, in denen ich dabei war und mitgemacht habe, bzw. mich Stück für Stück zurück gezogen habe. Ich habe Angebote gemacht, Hinweise gegeben, was mir gefallen würde, aber auch viele Freiheiten gelassen. Dazu habe ich mich, immer wenn ich konnte, in die Freizeitbeschäftigung mit eingebracht, damit die Belastung nicht zu groß ist und man mehr machen kann. Aber meine Erwartungen waren offenbar trotzdem zu hoch. Ich habe Anregungen erwartet, zum Basteln, zum Singen, zum Spaß haben, zum Toben, zum Kuscheln, zum Bewegen, zum Sport. All das habe ich in so begrenztem Ausmaß bekommen, dass ich nur dann nicht unzufrieden war, wenn ich so viel zu tun hatte, dass mir die Arbeit aus den Ohren kam - also quasi den ganzen Herbst. Als ich wieder mehr Zeit hatte (oder sie mir nehmen musste), mehr zu Hause war und sah, wie manches ablief, erschrak ich mich. Da fand einfach nichts statt. An den meisten Tagen lief wieder das ab, was bei Aupair I schon ablief. Aufpassen, dass sie nichts kaputt machen. Und selbst das klappte eben schlechter und schlechter. Da waren aber wahrscheinlich alle Züge schon längst abgefahren. Das hatte ich nur nicht gemerkt, weil ich so viel gearbeitet habe. 

Ob man für ein Aupair der Typ sein muss, oder nicht, wie @meworkingmom heute auf den obigen Tweet reagierend feststellte, weiß ich nicht. Ich will das nicht völlig ausschließen, weil ich sehr viel darüber nachgedacht habe. Ich werde wohl vermutlich aber bald Gelegenheit haben, das noch einmal auszuprobieren. Denn ich halte mich da einfach an die bekloppte, aber beliebte Regel: Aller guten Dinge sind drei. Oder so.

Dienstag, 8. März 2016

Mein Frauenleben 2015/16 in Kommentaren

Ich habe ja hier schon lange nichts mehr geschrieben. Das kommt schon mal vor, in einem Frauenleben, dass frau zu viel zu tun hat, um zu schreiben. Oder um überhaupt irgendwas zu tun.  Aber heute hat mich die @_DrMo_ aufgefordert, über mein Leben als Frau zu schreiben. Am Weltfrauentag. Und da lass ich mich nicht lange bitten.
Gerade heute, am Weltfrauentag 2016 besteht mein Leben mal wieder aus dem, was von mir von weiten Teilen der Gesellschaft erwartet wird: Ich betreue ein Kind zu Hause. Noch dazu ein krankes. 
Aber ich will mich nicht beschweren, ich mache das gerne. Und freiwillig. Und außerdem bin ich ja sowieso gerade zu Hause. Weil ich ein weiteres Kind erwarte und weil das nun zumindest zeitweise nicht ganz leicht ist. Es wäre dennoch zumindest heute ein dermaßener Unsinn, sich über die aktuelle Situation zu beschweren, dass ich mich damit auch gar nicht länger aufhalten werde. Was mir aber auch an Tagen wie diesen durchaus auffällt, ist die Tatsache, dass es in der Gestaltung von Frauenleben auch 2016 noch leichten Spielraum gäbe, was meine persönliche Freiheit als Frau angeht. Ich will das anhand einiger Kommentare verdeutlichen, die mir gegenüber im letzten Jahr, in dem ich das erste Mal mit drei Kindern wieder Vollzeit gearbeitet habe (was jetzt nicht gerade ein Zuckerschlecken war, ich gebe das zu), getätigt wurden und die hängen geblieben sind.

Ich lasse diese Kommentare einfach da. Zum Genießen. Zum Sackenlassen. Zum Aufregen. Zum Ignorieren. Je nachdem. Mein Frauenleben 2015/16 in Kommentaren. 

"Wer kümmert sich denn da jetzt um die Kinder?"
"Drei Kinder? Und Vollzeit? Warum tust du dir das an?!
"Verdient dein Mann nicht genug?"
"Was verdient eigentlich Ihr Mann? Warum müssen Sie denn arbeiten?"
"Wollen Sie nicht lieber zu Hause bleiben, das wäre doch auch eine Möglichkeit!"
"Sie machen Ihren Job schon ganz gut. So gut, wie Sie ihn als Mutter eben machen können."
"Sind die Kinder nicht traurig, wenn sie immer allein sind?"
"Achso, du bist ja aus dem Osten, stimmt! Da war das ja normal."
"Aber wenn das vierte Kind da ist, gehst du nicht so schnell wieder arbeiten, oder?"
"Ich staune immer wieder, wie du das schaffst. Ich schaff das ohne Kinder kaum."
"Wie machst du das? Irgendwas bleibt doch da auf der Strecke. Sind das nicht die Kinder?"
"Sie können nicht alles wollen. Sie müssen sich das klar machen."
"Also meine Frau, die ist ja 16 Jahre mit den Kindern zu Haus geblieben."
"Was machen Sie denn jetzt, wenn Sie nicht mehr arbeiten?"
"Ach, da bist du aber froh, dass du zu Hause sein kannst, oder? Dann kannst du dich endlich um deine Kinder kümmern"
"Ist das nicht langweilig zu Haus, jetzt?"
"Eine Schwangerschaft ist eine ziemliche Belastung für den Schulbetrieb. Das müssen Sie verstehen."
"Das vierte Kind war jetzt aber nicht geplant, oder?"
"Vier Kinder - da ist aber der Körper dann auch hinüber, oder?"

Die Liste ist lang und ich könnte noch viele, viele andere Kommentare notieren. Aber ich muss mich gerade um eins meiner vielen Kinder kümmern. Es ist krank. Sie entschuldigen mich also. Denn ich muss diese Aufgabe gut machen. Das ist wichtig. Der Gesellschaft und mir.