Samstag, 12. März 2016

12 von 12 im März

Dreimal in der Geschichte dieses Blogs habe ich es vielleicht schon geschafft. Bei 12 von 12 mitzumachen. Heute ist es wieder soweit.

1 - Der Blick aus unserem Wohnzimmerfenster heute Morgen. Ein sehr schöner Blick, wie ich finde. Aber langsam werde ich schon melancholisch, wenn ich da rausschaue. Der Countdown zum nächsten Umzug läuft. 


2 - Kind A ist nun zwei Jahre alt und spielt selbstständig mit den tiptoi Büchern der großen Brüder. Es stimmt, was man über dritte Kinder sagt. Heute Morgen im Schwimmbad hat sie einen Köpper gemacht. Manchmal macht sie mir Angst.


3 - Ich war gestern beim Zahnarzt und hab nun die Zähne wieder schön. Da bin ich ganz begeistert. Entschuldigen Sie, wenn ich Sie damit belästige.



4 - Die Wochenenden verbringen wir meistens im Schwimmbad. So auch heute. Kind A rennt vor. Und wenn sie nicht vorrennen kann/darf, gibt's Ärger.


5 - Im Auto läuft die Kinder Playlist. Verrückte Mischung. Aber die Rücksitzkids sind begeistert. 


6 - Auf dem Rückweg kam es zu etwas Geschwisterplüsch. Das muss man festhalten. Wer weiß, wann das wieder kommt.


7 - Kind A bleibt auch gern mal zurück. Sie ist recht angstfrei. Aber das sagte ich schon.



8 - Während der Papa mit den Kindern Mittagsschlaf machte, war ich einkaufen. Ganz oben auf die Fischstäbchen, die sich Kind P heute früh zum Abendessen gewünscht hat.


9 - Zum Nachmittagskaffee gab's Kuchen und Obstmixgetränke. Seit mir nicht mehr schlecht ist, brauche ich Obst in rauen Mengen. Na und die Kinder ja sowieso.


10 - Während ich das hier tippe, läuft am Esstisch der Legonachmittag mit dem Papa. 



11 - Treppe hoch gehen dauert hier manchmal ein bisschen. Alle Buchstaben und Tiere müssen benannt werden. 



12 - Ganz hoch im Kurs steht hier seit ein paar Wochen die Triola. Ich mag den Ton. Für ein Plastikinstrument unheimlich angenehm.


Und damit beende ich auch meine 12 von 12 im März. Bis zum nächsten Jahr. Oder so.

Mittwoch, 9. März 2016

Aupair - hin oder her

Aupair oder nicht. Eine Frage, über die ich immer wieder grübele. Bevor ich das das erste Mal versucht habe, gab es da gar keine Frage. Da war die Entscheidung ganz klar. Ich war versetzt worden, wollte erst mit 75% und dann Vollzeit arbeiten. Der Mann war (und ist) an 3 von 5 Tagen nicht zu Haus und mein Lehrerinnenjob ist - entgegen der landläufigen Vorstellung vieler Menschen - nicht ganz so easy-peasy mit Familie vereinbar, wie man denkt. Elternabende, Klassenfahrten, Besprechungen, von denen man nie genau weiß, wie lange sie dauern, Theateraufführungen, Exkursionen und vieles andere, das außerhalb der üblichen Kinderbetreuungszeiten liegt. Mit drei Kindern in der Kita von 7-16 Uhr bleiben da immer noch zu viele Problemstellen.

Im Ref - mit damals zwei Krippenkindern - hieß unsere Lösung Babysitterin. Eine besonders elegante Lösung, weil wir sehr viel Glück hatten mit unserer. Sie war flexibel, die Kinder liebten sie und wir lagen (und liegen bis heute) mit ihr absolut auf einer Wellenlänge. 

Dann kam meine Tochter (2014) und ich wurde versetzt. 80 km. Wir wohnten in einer Drei-Raum-Wohnung, ich sollte 80 km fahren und dennoch täglich 7.55 Uhr in der Schule sein. Ich fand keine Tagesmutter, fand keine Babysitterin, die morgens um halb sechs bei mir sein kann und ich fand auch sonst nur eine Lösung: Umziehen. 

Wir zogen also um. 80 km weiter. In ein großes Haus mit Garten im Dorf. Das war eine ganz schöne Umstellung, aber die Kinder gingen zum ersten Mal alle in eine Kita und ich doktorte anfangs mit einer Leihoma rum, die aber wenig flexibel war und für bestimmte Dinge gar nicht zur Verfügung stehen wollte. Tagesmütter, die nur für Randbetreuungszeiten zu uns aufs Dorf fahren würden, gab es nicht, andere Leihomas, Babysitter auch nicht. Ich wollte/musste auf 100% aufstocken und brauchte eine Lösung. Eine Hilfe, die flexibel ist. Wir hatten plötzlich ein Haus und viel zu viele Quadratmeter übrig (wir waren von 73qm  in 200 qm gezogen) und viel teurer als immer spontan jemanden zu bezahlen, würde ein Aupair auch nicht, rechneten wir uns aus. Dazu kommt, wir wollten gern die Zweisprachigkeit unserer Kinder weiter fördern und unterstützen, mein Mann war aber für das Ungarische zu selten da. Also war schnell für uns klar: Ein ungarisches Aupair muss her.

Wir hatten dann sehr schnell ein Mädchen, die nur 6 Wochen bei uns blieb, weil es so gar nicht ging. Sie war schüchtern, unbeholfen, sie wusste mit so vielen Dingen nichts anzufangen und hatte keinerlei Ideen, was die Kinder anging. Ihr Verständnis vom Umgang mit den Kindern bestand darin, die Kinder zu bewachen und aufzupassen, dass sie keinen Blödsinn machen. Wer kleine Kinder kennt, weiß, dass man ohne Angebote für das Kind so sehr schnell anfängt, dem Kind mit Verboten hinterher zu rennen und dass die Stimmung häufig sehr schnell eskaliert. Vor allem mit drei Kindern (damals 1, 3 und 4 Jahre alt). Sie lag meistens hier im Wohnzimmer oder im Garten herum, spielte mit ihrem Telefon und wenn die Kinder anfingen, Dummheiten zu machen, fing sie an, diese zu verbieten. Die Tochter fiel recht zügig aus dem Kinderwagen ("Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte"), die Jungs testeten Grenzen und fanden nie welche und ich fing schon nach zwei Wochen an, mich quasi in meinem Haus vor ihr zu verstecken. Uns war relativ schnell klar, dass das so nicht ging und wir kündigten ihr noch in der Probezeit. 

Wenig später bekamen wir von der Agentur ein neues Angebot, das wir auch annahmen, weil wir uns von einem missglückten Versuch nicht abschrecken lassen wollten. Wir kauften wieder Willkommensgeschenke, richteten das Zimmer noch wohnlicher ein und empfingen Aupair Nr. 2 voller Freude und Zuversicht. Diese blieb dann 8 (statt der geplanten 12 Monate oder von unserer Seite auch gerne länger), weil sie vor vier Wochen plötzlich kündigte. Die plötzliche Kündigung von ihrer Seite und die Art und Weise, wie diese ablief, hat mich sehr schockiert. Und auch viele andere Aspekte, die sich in so einer langen Zeit von ihrer ehrlichen Seite zeigen, haben mich nachdenklich gestimmt. Ich kann mir dieses Nachdenken zur Zeit erlauben, weil ich zu Hause bin und nicht arbeiten muss/darf. Aber das wird ja nicht ewig so sein. Was dann?

Die @Mama_Mia_Sommer hat mich nach einer Pro/Contra-Liste Aupair gefragt 

Hier nun mein Versuch:

Pro
Flexibilität: Ein Aupair ist im Grunde die flexibelste Lösung, die man sich vorstellen kann. Man wohnt zusammen. Man findet zusammen Lösungen. Und es sind plötzlich drei Menschen da, die im Problemfall bei der Lösung helfen können. So viel Flexibilität (nachts, am Wochenende, abends, morgens, spontan) bekommt man sonst nicht oder nahezu nicht.

Kosten: Die Kosten sind steuerlich absetzbar, das ist ein Vorteil. Absolut. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass man unter 600 Euro mit allem drum und dran nicht wegkommt. Wenn man es doch versucht, geht es auf Kosten des Aupairs und der Stimmung. Das kann man natürlich machen und das machen auch viele. Aber deshalb gibt es auch so viele Aupairs, die Familien wechseln wollen. Man muss an dieser Stelle großzügig sein, da bin ich mir sicher. Und das lohnt sich auch. Denn es kommt zurück.

+1 Bezugsperson: Die Kinder haben eine Bezugsperson mehr. Im Idealfall ist dies eine fröhliche, aufgeschlossene, begeisternde, gelassene und geduldige Bezugsperson. Wenn man Pech hat, fehlen halt ein paar Eigenschaften. Für mich ein sehr wichtiger Aspekt. Man sollte sich darüber im Klaren sein, auf welche Dinge man in diesem Zusammenhang Wert legt. Bei mir ist zum Beispiel, sollten wir nochmal ein Aupair zu uns nehmen, Sportlichkeit kein Plus, sondern ein klares Muss. Unser erstes Aupair konnte nicht richtig laufen (sie war frisch operiert). Das war ein echtes Problem und zuletzt der Kündigungsgrund, weil ich sah, wie sie den Kinderwagen ohne Bremse stehen lassend, den Jungs hinterher rannte, aber sie nicht einholen konnte. Ein Nogo für mich. Aber damals in der Situation war ich erst voll von Verständnis. Das zweite Aupair war etwas sportlicher, aber sie konnte nicht wirklich Fahrrad fahren und nicht schwimmen. Etwas, das ich beim nächsten Aupair gerne abfragen, am liebsten aber vorher testen würde (ich wusste nicht, dass das bei Mädels aus Ungarn ein Problem sein könnte, ich kann so naiv sein) Wir verbringen die Wochenenden im Schwimmbad, laufend oder auf den Fahrrädern. Da muss ein Aupair natürlich nicht mitmachen, aber je mehr Dinge man zusammen tut, desto besser eben der Kontakt zwischen allen. Schließlich wohnt man zusammen. Und wir wollten Familienleben und keine Angestellte. 

Bereitschaft: Es ist immer jemand da. Besonders jetzt, wo ich schwanger bin und die Kinder an drei Tagen allein auf mich angewiesen sind, mache ich mir große Sorgen. Was ist, wenn was passiert? Was ist, wenn es mir nicht gut geht? Was ist, wenn ich mal länger ins Krankenhaus muss? Wir haben keine Hilfe von außen und das wäre in der Tat ein Riesenproblem. Als unser Aupair noch da war, stellte sich die Frage nicht so akut. Sie wäre zwar nicht in der Lage gewesen, alles allein zu managen, aber zumindest für Notfälle war sie eben immer da. Und für Geschichten wie Arzttermine mit nur einem Kind (was mach ich mit den anderen beiden), Sport- oder andere Aktivitäten für nur ein Kind (zum Beispiel Puppentheater, in das ich allein mit drei Kindern noch weitere drei Jahre nicht hätte gehen können, weil immer eins dabei wäre, das zu klein ist) Mit einem Aupair hat man die Möglichkeit Aktivitäten viel breit gefächerter und spontaner zu gestalten. Man kann sich die Kinder aufteilen und hat so viel mehr Möglichkeiten. Und das nahezu immer. Das ist ein ganz klares Plus.

Kultur: Da ist jemand in deinem Haus, der aus einer anderen Kultur kommt. Nichts ist so bereichernd für ein Kind wie das. Diese Andersheit war bei uns nun nicht so der Fall, weil wir bisher nur Aupairs aus Ungarn hatten und auch weiterhin haben wollen, dennoch kann ich da aus Erfahrung sprechen. Ein Aupair bringt andere Essgewohnheiten, andere Lieder, Geschichten, auch Gewohnheiten im Umgang mit Kindern mit, die für die Kinder bereichernd sein können. Sie können Fragen stellen, ihren Horizont erweitern und Neues erfahren. Aber auch hier liegen Gefahren, über die man sich Gedanken machen muss (Thema Erziehung z.B.: Was erwartet man vom Aupair selbst, wie viel gibt man vor. Die eigenen Erfahrungen können hier stark variieren und man sollte das thematisieren. Wir haben hier unheimlich viel schöpfen können. Ein absolutes Plus für uns. Ich bin mir heute sicher, dass meine Tochter den Großteil ihrer aktuellen Ungarischkenntnisse unserem Aupair zu verdanken hat. Und dafür bin ich dankbar. (Leider muss ich annehmen, dass das einer der Kritikpunkte auf Aupairseite war (Ungarisch mit den Kindern reden).)

Kommen wir zum

Contra:
Kosten: Die Kosten sind höher als man denkt. 260 Euro Taschengeld, Sprachkursunterstützung und Verkehrsmittelbeihilfe (bei uns n Riesenproblem, weil wir auf dem Dorf wohnen und die Öffentlichen ein schlechter Witz sind). Wir haben letztendlich 90 Euro gezahlt. Eine wirkliche Lösung im Sinne eines regelmäßigen Tickets gabs aber erst am 140 Euro und dann nicht für beide Regionen. Nunja. Es war kompliziert. Ich würde heute auf jeden Fall auf einem echten Führerschein bestehen. Einem mit Fahrpraxis. Denn wir hatten nun zweimal ein Mädchen mit unbrauchbarem Führerschein.
Dazu kommen meiner Meinung nach Telefon (darüber muss man sich Gedanken machen - wir haben 30 Euro für ne All-Inclusive-Flatrate bezahlt, damit wir uns keine Gedanken machen müssen über eventuelle hohe Telefonkosten), Essen, Geschenke, Fahrtkosten, wenn man das Aupair irgendwohin fährt, etc. Es kommt einiges zusammen. Wir waren insgesamt sicher bei 600 Euro, von denen man  nicht alles absetzen kann.

Zusammenleben: Es ist noch eine Person da, die im Haus Unordnung hinterlässt, die Sachen nicht wegräumt, die nicht die Verantwortung für viele, viele Dinge übernehmen kann und will. Für mich war dieser Teil sehr belastend. Wenn Menschen Dinge nicht sehen, das regt mich auf. Messer, die nicht zurück in den Messerblock gesteckt werden, sondern erreichbar für Kinder herumliegen. Milchkartons, die nicht den Mülleimer finden und auf dem Küchentresen gesammelt werden, Kaffeemaschinen, die nicht gereinigt werden, sondern immer nur benutzt werden, Jacken, die nicht an die Haken gehängt werden. Das ist alles kein Problem. Man hält das aus. Man muss sich aber im Klaren darüber sein, dass ein Aupair Angewohnheiten haben kann, die einen dann eben doch stören. Und dann muss man in der Lage sein, das anzusprechen und aus dem Weg zu räumen oder eben runterzuschlucken. Ich habe beides versucht. Es gab dennoch immer wieder sehr unangenehme Phasen. 

Anwesenheit: Es ist immer jemand da. Diese Person, die am Anfang eine Fremde ist, und sich vielleicht auch sehr lange so fühlt, ist immer in deinem Haus. Sie sitzt mit auf dem Sofa, sitzt mit am Tisch und ist bei fast allem dabei. Oder das Gegenteil ist der Fall und die Person verschwindet sofort nach getaner Arbeit, ist am Wochenende immer ausgeflogen, kommt nachts spät und hat einen völlig anderen Rhythmus als du. Für beides muss man Verständnis haben können, bzw. zumindest so damit zurecht kommen, dass man sich in seinem eigenen Haus noch wohlfühlt. Wir sind hier ziemlich oft an unsere Grenzen gestoßen, weil wir sehr viel gegeben haben, aber im Gegenzug zu wenig kam. Dazu kommt, dass ich mich sehr schwer damit tue, die Launen anderer Menschen auszugleichen. Ich muss das hier für drei Kinder regelmäßig tun. Als ich dies noch für einen vierten Menschen immerzu tun sollte, war ich überfordert. Ich habe mir einfach mehr Fröhlichkeit gewünscht. Aber ein Mensch ist das eben oder er ist es nicht. In unserem Fall, nunja.

Arbeitszeit: Wann ist Arbeitszeit, wann ist diese zu Ende? Es gibt eine theoretische Regelung von 30 Stunden die Woche, am Wochenende ein Tag oder ein Abend Babysitten etc. Aber in Wirklichkeit ist das doch viel schwieriger. Sind die gemeinsamen Mahlzeiten am Wochenende Arbeitszeit oder ist das Freizeit? Wenn man plötzlich abends Zeit hat und dem Aupair freigibt, weil man die Kinder selbst ins Bett bringen will, ist das dann Freizeit und kann man verlangen, dass sie ein andermal dafür länger Zeit hat? Wenn man das Aupair zum Wochenendausflug einlädt, empfindet sie das dann als Arbeit? Oder ist das etwa so? Es kann und sollten hier keine Aufstellungen gemacht werden. Aber es muss halt für beide Seiten passen. Aus meiner Erfahrung ist es hier insbesondere die Zeit für Hausarbeit, die ein Problem darstellt. Wie lange dauert sie, was ist der eigene Anteil und was Mithilfe (ich finde, ein Aupair ist auch ein Mitbewohner und hat Verantwortung als solcher vor allem für seine eigenen Dinge, aber eben auch anteilig für den gesamten Haushalt). Aus meiner Erfahrung heraus ist es besser, wenn man an dieser Stelle nicht viel verlangt. Dann wird man nicht enttäuscht. 

Persönlichkeit: Viel hängt für mich von der Persönlichkeit des Aupairs ab. Das ist eine schwierige Sache, denn die kann man ja nicht verändern und da hat man auch nicht viel Einfluss. Ein Aupair ist ein Familienmitglied, das schlechte Laune hat, die auch mal an dir auslässt, die auch zu den Kindern mal ungeduldiger ist, die Frust haben kann, weil sie keine Kontakte findet oder die auch mal wegen dir Frust hat, weil du genauso eine Persönlichkeit bist und wo es menschelt, nunja da menschelt es eben. Das ist ganz normal und auch nicht schlimm. Ich habe das nur häufig als Zwickmühle empfunden. Denn unser letztes Aupair war nach anfänglicher Motiviertheit sehr schnell, sehr unmotiviert und hat viele Fehler gemacht. Das hat mich sehr genervt, ich habe das angesprochen, aber es hat sich nichts geändert oder nur phasenweise. Ich war aber auf sie angewiesen. Wenn ich kein Beschäftigungsverbot hätte, wäre ich das jetzt noch, und zwar massiv. Sie hat uns hängen gelassen, in der denkbar schlechtesten Zeit. Auch darauf muss man vorbereitet sein. Es kann sein, dass ein Aupair nicht ehrlich ist, nicht ausspricht, was los ist, nicht in der Lage ist, mit Konflikten umzugehen und sich einfach eine neue Familie oder einen neuen Job als Lösung für sich selbst sucht. Dann steht man da. Hätte ich im Moment der Kündigung gearbeitet, ich hätte nicht gewusst, wie ich das lösen soll. Ich habe bis heute kein neues in Frage kommendes Angebot der Agentur bekommen, die Aupairs auf Aupair-World habe ich alle mehrmals durch und es gibt einfach keinen garantierten Ersatz. 
Die Angst, dass ein Aupair so etwas macht, schwingt mit, wenn sie zum Beispiel sehr umkommunikativ ist, viel schweigt und auf Nachfragen immer sagt: "Alles ist gut". Das ist ja auch sehr schwierig, als Aupair, wenn du Kritik an deiner Familie ausüben willst. Wir haben hier darüber sehr viel gesprochen. Wie macht man das? Das ist nicht leicht. Das ist auch für ein Aupair ein Drahtseilakt. 

Befristung: Ein Aupair bleibt nur eine bestimmte Zeit. Und dann kommt ein neues. Ich stelle mir immer vor, da kommt jetzt jedes Jahr (im Idealfall) ein neuer Mensch in meine Familie. Jedes Mal stellen sich die Kinder darauf ein, jedes Mal bauen sie eine Bindung auf und jedes Mal geht es irgendwann zu Ende. Meine Kinder sind derzeit arg getroffen vom Verschwinden unseres letzten Aupairs. Sie haben sehr viel Zeit mit mir und das freut sie. Aber sie verstehen nicht, was da passiert ist und ich kann es ja nicht mal erklären, weil mir keine Erklärung gegeben wurde. So muss es nicht laufen. So kann es aber eben auch laufen. Wir versuchen es sicher noch einmal. Aber ich mache mir eben viele Gedanken darüber, wie das langfristig auf die Kinder wirkt, wenn Aupair die ständige Lösung ist.

Betreuungsqualität: Unser erstes Aupair hat die Kleine aus dem Kinderwagen fallen lassen, unser zweites Aupair hat zwei Jungs auf dem Spielplatz verloren. Extremfälle? Kann sein. Ich denke inzwischen, man darf eben nicht so viel erwarten. Mein Vertrauen war am Anfang enorm und ich habe viel darauf gesetzt, dass die Mädels selbst auskundschaften, wie und was mit den Kindern geht. Ich habe beiden lange Eingewöhnungsphasen gelassen, in denen ich dabei war und mitgemacht habe, bzw. mich Stück für Stück zurück gezogen habe. Ich habe Angebote gemacht, Hinweise gegeben, was mir gefallen würde, aber auch viele Freiheiten gelassen. Dazu habe ich mich, immer wenn ich konnte, in die Freizeitbeschäftigung mit eingebracht, damit die Belastung nicht zu groß ist und man mehr machen kann. Aber meine Erwartungen waren offenbar trotzdem zu hoch. Ich habe Anregungen erwartet, zum Basteln, zum Singen, zum Spaß haben, zum Toben, zum Kuscheln, zum Bewegen, zum Sport. All das habe ich in so begrenztem Ausmaß bekommen, dass ich nur dann nicht unzufrieden war, wenn ich so viel zu tun hatte, dass mir die Arbeit aus den Ohren kam - also quasi den ganzen Herbst. Als ich wieder mehr Zeit hatte (oder sie mir nehmen musste), mehr zu Hause war und sah, wie manches ablief, erschrak ich mich. Da fand einfach nichts statt. An den meisten Tagen lief wieder das ab, was bei Aupair I schon ablief. Aufpassen, dass sie nichts kaputt machen. Und selbst das klappte eben schlechter und schlechter. Da waren aber wahrscheinlich alle Züge schon längst abgefahren. Das hatte ich nur nicht gemerkt, weil ich so viel gearbeitet habe. 

Ob man für ein Aupair der Typ sein muss, oder nicht, wie @meworkingmom heute auf den obigen Tweet reagierend feststellte, weiß ich nicht. Ich will das nicht völlig ausschließen, weil ich sehr viel darüber nachgedacht habe. Ich werde wohl vermutlich aber bald Gelegenheit haben, das noch einmal auszuprobieren. Denn ich halte mich da einfach an die bekloppte, aber beliebte Regel: Aller guten Dinge sind drei. Oder so.

Dienstag, 8. März 2016

Mein Frauenleben 2015/16 in Kommentaren

Ich habe ja hier schon lange nichts mehr geschrieben. Das kommt schon mal vor, in einem Frauenleben, dass frau zu viel zu tun hat, um zu schreiben. Oder um überhaupt irgendwas zu tun.  Aber heute hat mich die @_DrMo_ aufgefordert, über mein Leben als Frau zu schreiben. Am Weltfrauentag. Und da lass ich mich nicht lange bitten.
Gerade heute, am Weltfrauentag 2016 besteht mein Leben mal wieder aus dem, was von mir von weiten Teilen der Gesellschaft erwartet wird: Ich betreue ein Kind zu Hause. Noch dazu ein krankes. 
Aber ich will mich nicht beschweren, ich mache das gerne. Und freiwillig. Und außerdem bin ich ja sowieso gerade zu Hause. Weil ich ein weiteres Kind erwarte und weil das nun zumindest zeitweise nicht ganz leicht ist. Es wäre dennoch zumindest heute ein dermaßener Unsinn, sich über die aktuelle Situation zu beschweren, dass ich mich damit auch gar nicht länger aufhalten werde. Was mir aber auch an Tagen wie diesen durchaus auffällt, ist die Tatsache, dass es in der Gestaltung von Frauenleben auch 2016 noch leichten Spielraum gäbe, was meine persönliche Freiheit als Frau angeht. Ich will das anhand einiger Kommentare verdeutlichen, die mir gegenüber im letzten Jahr, in dem ich das erste Mal mit drei Kindern wieder Vollzeit gearbeitet habe (was jetzt nicht gerade ein Zuckerschlecken war, ich gebe das zu), getätigt wurden und die hängen geblieben sind.

Ich lasse diese Kommentare einfach da. Zum Genießen. Zum Sackenlassen. Zum Aufregen. Zum Ignorieren. Je nachdem. Mein Frauenleben 2015/16 in Kommentaren. 

"Wer kümmert sich denn da jetzt um die Kinder?"
"Drei Kinder? Und Vollzeit? Warum tust du dir das an?!
"Verdient dein Mann nicht genug?"
"Was verdient eigentlich Ihr Mann? Warum müssen Sie denn arbeiten?"
"Wollen Sie nicht lieber zu Hause bleiben, das wäre doch auch eine Möglichkeit!"
"Sie machen Ihren Job schon ganz gut. So gut, wie Sie ihn als Mutter eben machen können."
"Sind die Kinder nicht traurig, wenn sie immer allein sind?"
"Achso, du bist ja aus dem Osten, stimmt! Da war das ja normal."
"Aber wenn das vierte Kind da ist, gehst du nicht so schnell wieder arbeiten, oder?"
"Ich staune immer wieder, wie du das schaffst. Ich schaff das ohne Kinder kaum."
"Wie machst du das? Irgendwas bleibt doch da auf der Strecke. Sind das nicht die Kinder?"
"Sie können nicht alles wollen. Sie müssen sich das klar machen."
"Also meine Frau, die ist ja 16 Jahre mit den Kindern zu Haus geblieben."
"Was machen Sie denn jetzt, wenn Sie nicht mehr arbeiten?"
"Ach, da bist du aber froh, dass du zu Hause sein kannst, oder? Dann kannst du dich endlich um deine Kinder kümmern"
"Ist das nicht langweilig zu Haus, jetzt?"
"Eine Schwangerschaft ist eine ziemliche Belastung für den Schulbetrieb. Das müssen Sie verstehen."
"Das vierte Kind war jetzt aber nicht geplant, oder?"
"Vier Kinder - da ist aber der Körper dann auch hinüber, oder?"

Die Liste ist lang und ich könnte noch viele, viele andere Kommentare notieren. Aber ich muss mich gerade um eins meiner vielen Kinder kümmern. Es ist krank. Sie entschuldigen mich also. Denn ich muss diese Aufgabe gut machen. Das ist wichtig. Der Gesellschaft und mir.