Dienstag, 26. April 2016

Zu schön, um geplant zu sein

Ich lese hier in diesem Internet immer mal wieder von Kinderplanung. Häufiger von geplanten, weniger häufig von ungeplanten Kindern. Einen Plan zu haben im Leben, das scheint mir ganz allgemein sehr wichtig zu sein. Ich finde das spannend. Sauspannend. 

Einfach drauf los oder erst planen? Wie macht ihr das so?
Bei uns ist die Sache mit der Kinderplanung ganz einfach. Sohn I kam 2010 auf die Welt. Geplant, Ende 2006 zum ersten Mal. Wir waren jung und romantisch und frisch verheiratet und überlegten in zahlreichen Gesprächen so laut zusammen herum, wann denn dieses, unser Kind kommen dürfte, könnte, sollte. Der Mann witzelte, er wolle Fußballmannschaften, mindestens aber einen Vierer-Kajak und ich überlegte viel daran herum, wie das wohl sei mit dem Schwangersein. Was ich mir gar nicht überlegte, war, ob es eventuell schwierig für mich werden könnte, auf dem Wohnungs-, Arbeits- oder sonst irgendwelchen Märkten. Ich romantisierte naiv herum und war dabei sehr glücklich. 
Ich machte mein Staatsexamen. Unschwanger. Ich fing an zu arbeiten. Unschwanger. Ich arbeitete das erste Jahr. Und blieb weiterhin unschwanger. Ich machte mir aber keine Gedanken. Wir hatten ja einen Plan. Ich romantisierte weiterhin naiv herum und amüsierte mich halt währenddessen sehr auf meinen Arbeitsstellen in Budapest. Nebenbei dachte ich manchmal, so in ganz stillen Momenten: Mensch, diese Kinderplanung, das ist aber auch nicht so leicht, wie man denkt. Aber ich ließ mich nicht verunsichern. 

Irgendwann 2009 erwähnte ich mein Nichtschwangerwerden einmal beim Frauenarzt. Zwei Jahre ohne Ergebnis? Dann sind sie eigentlich unfruchtbar, sagte man mir. Da müssen wir was machen. Relativ schnell landete ich in einer Kinderwunschklinik. Dort bot man mir einen Plan an. Einen Untersuchungsplan, der uns 2000 Euro kosten sollte, ohne Kinderwunschbehandlung wohlgemerkt und aus eigener Tasche. Ich lehnte das Angebot ab und wurde einfach weiter nicht schwanger. Das dritte Jahr. Wir hatten zwar ein Kind geplant. Aber offenbar war da irgendein Fehler im Konzept. Ich verdrängte und dachte, das wird schon. Und dann wurde es. Was wir im Jahr 2006 anfingen zu planen, wurde 2010 endlich Wirklichkeit. Vier Jahre von der ersten Planung bis hin zum fertigen Ergebnis: Ein hungriges, liebebedürftiges kleines Häufchen Glück. Klingt eigentlich nach einem schönen Ergebnis, aber der Plan, der war ja offenbar nicht so dolle. Ich meine, vier Jahre? 

Über diese Wartezeit haben wir uns so dermaßen erschrocken, dass wir resümierten, das mit der Planung hat ja nicht besonders funktioniert. Sohn I war 14 Wochen alt, da wurde ich schwanger mit Sohn II.  "Das war doch nicht geplant?", wurde ich gefragt und dachte: "Ach, ihr mit eurer Planung, wir machen das schon!" 
Mit 6 Monate altem Sohn II und 20 Monate altem Sohn I zogen wir von Budapest nach Deutschland. Nach weiteren 8 Monaten wurde ich - mitten im Referendariat - schwanger. Mit unserer Tochter. "Das war jetzt aber ganz sicher nicht geplant, oder? Das kannst du mir nicht erzählen!" Nun, was soll ich sagen, sie kam überraschend, das stimmt wohl. Aber wir hatten mit der Kinderplanung auch nicht so besonders gute Erfahrungen gemacht. Man möge das verstehen.

2015 wurde die Tochter ein Jahr alt und ich nahm mir Anfang des Jahres - ein wenig flapsig-scherzhaft, aber doch auch irgendwie ernsthaft vor, 2016 nicht schwanger zu werden. Gleichzeitig merkte ich von Woche zu Woche mehr, wie mich die Babysehnsucht packte. Hier liefen alle Kinder, hielten ihre Löffel selbstständig und schliefen nächtelang durch und ich arbeitete. Und irgendwann stellte ich fest: Es wird Zeit, dass wir unsere Kinderplanung abschließen. Mit einem geplanten Kind.  Und ich dachte noch so bei mir: Ohje, das können wir ja nicht so gut. Das mit dem Planen. Ein unschwangerer Zyklus reichte, um mir den Mut meiner eigenen Planung zu nehmen. Ich hatte sie noch gut in Erinnerung, diese dreieinhalb Jahre Kinderwunsch. Ich kann das nicht, sagte ich zu meinem Mann. Wenn es nächsten Monat nicht klappt, dann lassen wir das. Es klappte natürlich. Gut geplant, oder?

Wir planen nun, dass wir komplett sind, wenn wir zu sechst sind. Und als Paar und als Familie blicken wir zurück und denken dabei ganz oft: Das hätten wir niemals so planen können. Das ist viel zu schön, um geplant zu sein.

Kommentare:

  1. Wie wahr! Wir haben es auch nicht so mit dem Planen und irgendwie soll es dann auch einfach so sein.
    LG, Micha

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  2. Hallo,

    Ich bin aktuell auch mit unserem 4. Kind schwanger.

    Diese Frage: "Das war jetzt aber so nicht geplant, oder????" Die kenne ich nur zu gut. Hinzu kommt bei uns noch die Aussage: "Das war jetzt aber das Letzte!!!" Sogar von völlig Unbeteiligten.

    Mittlerweile antworte ich nur noch ausweichend auf Fragen nach der sogenannten Familienplanung. Wie soll man vorher wissen, ob man als Familie komplett ist. Ob nicht doch noch mal der Wunsch nach einem Kind aufkommt. Schließlich ist es nicht verwerflich seine Meinung zu ändern.

    Solange man mit seiner Familie glücklich ist, hat man am Ende alles richtig gemacht. Egal was die anderen denken.

    Ich wünsche dir viel Spaß mit deiner kleinen Rasselbande und eine wunderbare Geburt.

    Viele Grüße
    Mama Maus

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  3. <3

    (Und der letzte Satz ganz besonders!)

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  4. Durch Zufall bin ich grade über diesen wunderschönen Text gestolpert... natürlich ungeplant ��

    Nun werde ich wohl hier noch weiter stöbern und lesen.

    Mfg September-Juni

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  5. Ja, ja die Babysehnsucht. Herzlichen Glückwunsch!

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