Montag, 9. Mai 2016

Ein Spiel zum Muttertag #ichschenkdireinwort

Es ist kein Geheimnis, dass ich Wörter mag. Ich bin Sprachenlehrerin, alles andere wäre sicher eigenartig. Und ich bin auch nicht so streng bei der Auswahl, mir gefallen sehr viele Wörter. Auch die vermeintlich "bösen" Wörter kann ich mir im richtigen Moment mit dem passenden Getränk dazu sehr genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Aber wie so oft im Leben muss man sich um diese Wörter nicht so kümmern. Sie sind einfach da und laden sich selbst ein.

Die anderen Wörter aber, die sind sehr stille Geister. Häufig haben wir für sie keine Zeit oder auch gar keine Lust. Viele von ihnen sind uns zu kitschig, zu schleimig und zu flauschig. Ihre Verwendung macht uns nervös, weil sie Dinge transportieren, die uns nervös machen. Gefühle, Unsicherheit, Ängste. Das fängt als Kind an und wird manchmal richtig kompliziert, wenn die Kindheit zu Ende geht. Deswegen kümmere ich mich gern um diese Wörter und spiele dazu gern ein Spiel, das ich einmal in diesem Buch gefunden habe und seit Jahren immer wieder in verschiedenen Gruppen in der Muttersprache und sehr gern auch in der Fremdsprache spiele. Manche nennen das Psychohygiene, manche nennen das Blödsinn. Ich nenne das Spaß.

Ich schenk dir ein Wort. 

Bei diesem Spiel schenken sich die Mitglieder einer Gruppe, die sich gut kennen oder gut kennen gelernt haben, weil sie vielleicht eine sehr intensive Zeit miteinander hatten, die zu Ende geht oder vielleicht pausiert (man kann das auch sehr schön in Klassen am Jahresende spielen), ein schönes Wort. Ein Wort, das ihnen in den Sinn kommt, wenn sie an die jeweilige Person denken. Ein Wort, das ein Geschenk für diese Person sein soll. Und wie das mit Geschenken so ist - man gibt sich Mühe, etwas Schönes auszusuchen. Genau deshalb mag ich dieses Spiel. Weil es Menschen dazu bringt, sich mit Wörtern auseinanderzusetzen. Mit der Botschaft dahinter. Mit den Gefühlen, die das Wort vielleicht bei mir selbst auslöst oder damit, wie das Wort bei dem/der anderen vielleicht ankommt.

Besonders für Schülergruppen ist das häufig nicht leicht. "Muss das unbedingt positiv sein?", ist eine der häufigsten Fragen zu Beginn des Spiels. Ich habe dafür viel Verständnis. Wer mag schon alle Menschen? Und wem fällt schon zu jedem gleich als erstes was Nettes ein? Oft ist es ja eher andersherum. Aber genau darin liegt der Reiz des Spiels. Es kommt dabei im Verlauf des Spiels immer auch zu denselben ablehnenden Reaktionen: "Was soll die Schleimerei?", "Was soll das bringen?", "Mir fällt nichts ein?", "Mir fallen nur Schimpfwörter ein!", "So ein beklopptes Spiel!" Und das ist auch völlig ok. Was aber auch immer dabei passiert: Es werden Wörter verschenkt, die man ohne das Spiel dem/der anderen vielleicht nie gesagt/geschrieben hätte. Häufig sind es Wörter, die gut tun. Die überraschen, glücklich machen, sich besonders anfühlen. Wörter, die dir selbst nicht zu dir eingefallen wären. 

Gestern am Muttertag hatte ich Lust, das Spiel mit Müttern auf Twitter zu spielen. Denn ich lese sehr viel von Druck, von Konkurrenz, von Neid unter Müttern. Sehr harte Wörter. Dem wollte ich was entgegensetzen mit #ichschenkdireinwort. Hier sind ein paar der Wörter, die im Verlauf des Spiels gestern verschenkt worden sind. 


Vielen Dank an alle, die mitgespielt haben und viel Spaß noch mit euren Wörtern. 
Ich mochte meine jedenfalls sehr.