Montag, 23. Januar 2017

Eins noch. Und dann vielleicht noch eins.

Eigentlich hatte ich versprochen, mich vom Bloggen zu verabschieden. Ich hatte mir sogar die Mühe gemacht, diese Verabschiedung anzukündigen. Das gibt ein wenig dramatischen Schliff. Soweit habe ich dabei natürlich nicht gedacht, ich wollte den Laden nur einfach tatsächlich zumachen, denn irgendwie waren sind die Schaufenster schon so angestaubt und es wollte auch niemand mehr so recht hereinschauen, was viel damit zu tun hat, dass die Auslage immer dieselbe ist und die Menschen sowieso nicht mehr so häufig in die örtlichen Geschäfte gehen. Aber noch mehr hat es damit zu tun, dass es meistens an vernünftiger Ware fehlt. Aber wie es manchmal so ist im Leben, hatte ich nun nicht mal genug Zeit, um den Laden richtig abzuwickeln und dann hatte ich plötzlich doch wieder das Bedürfnis, was anzubieten und das tue ich nun eben. Seien Sie dabei, es geht um Fakten. Alternative.

Ein Begriff, der an diesem Wochenende geprägt wurde. Wenn Ihnen das entgangen ist, dann hatten Sie vermutlich ein sehr schönes, winterliches Wochenende auf irgendeinem Skihang, fernab von digital und ich beglückwünsche Sie dazu. Denn das ist wohl ein Begriff, der einem einen Schauer über den Rücken jagt. Im gegebenen Kontext. Von nun an in jedem Kontext vermutlich. Oder schon immer, ich weiß gar nicht, so richtig trennen lässt sich das ja nun nicht mehr. Mein heimischer Kontext ist der der Kindererziehung, darauf wollte ich den Begriff gern übertragen. Manchmal hilft das, die Dinge im Kleinen zu durchdenken, um sie im Großen besser zu begreifen. Obwohl, das hier ist eigentlich ziemlich offensichtlich. Oder doch nicht?

Sie müssen wissen, ich habe ein Kind im Vorschulalter. Das müssen Sie nicht wissen, aber für die Übertragung des Bildes hilft es. Das ist dieses Alter, in dem die Kinder anfangen, mein Kind anfängt, Dinge zu sagen wie "Ich mach das nicht. Das kannst du alleine machen, du machst hier sowieso nie was!" Oder "Räum doch alleine auf!" oder "Ist mir total egal, was du von mir erwartest." oder oder oder. Ich will Sie nicht weiter belästigen, Sie merken selbst: Das Kind ist auf seiner ersten großen Reise. Es weiß nicht so genau, wohin es geht, aber es hat eine leise Ahnung, dass es aufregend wird. Sehr aufregend. Und dass nichts mehr so sein wird wie vorher. Und weil das so ist, ist es unsicher. Und versucht deswegen, sehr sicher aufzutreten. Und jetzt muss ich irgendwie von diesem verflixten es wegkommen, das macht einen ja meschugge. 

Also der Junge, um den es da geht, er ist sehr forsch. Er tobt. Er schimpft. Aber das ist gar nicht so besonders spannend, das kennt man ja. Spannender sind die zahlreichen Tests meiner Geduld, meiner Güte. Meiner Ausdauer. Meiner, naja alles, was man eben bei Eltern so testen kann, wie das so funktioniert. Man probiert was, merkt, oh, da wird sie laut, dann probiert man was anderes und merkt, oh, da passiert gar nichts, das is ja langweilig und dann probiert man einfach im Restaurant auf den Tisch zu klettern und schaut, was dann passiert. Oh. Es gibt da so einiges, was man testen kann, überlegen Sie doch ruhig mal kurz, was sich da bei Ihnen gut testen ließe.

Aber zurück zu den alternativen Fakten. Mit denen ist es ja so, man kann sich mit ihnen die Wahrheit so hübsch machen. Und dann muss man im gegebenen Fall weniger handeln. Man muss eigentlich gar nicht handeln. Man stellt sich einfach die hübsche Wahrheit vor und baut darauf auf. Den Rest machen dann die anderen.

Fakt:
Das Kind setzt sich im Restaurant auf den Tisch. 
AF:
Was Sie da als Tisch verkaufen, war in Wirklichkeit ein großer Stuhl. Wenn das zu erkennen, Sie nicht in der Lage sind, liegt das Problem bei Ihnen und nicht bei mir oder meiner Erziehung. Das war ein Stuhl. Warum der gedeckt war? Keine Ahnung. Aber das ist auch nicht relevant. Das ist mein Kind. Und wenn das auf dem Tisch sitzen will, dann darf es das.

Fakt:
Das Kind spuckt auf den Boden.
AF:
"Das Kind hat die Spucke verloren. Das kommt manchmal vor. Selten. Sehr selten. Aber das kann passieren. Manchmal kann es dabei so wirken, als wäre es aktiv beteiligt gewesen, aber das wirkt nur so. Die Wahrheit ist alternativ."

Fakt:
Das Kind haut ein anderes Kind.
AF:
"Das Kind hat sehr feste gestreichelt. Was Sie da als Hauen interpretieren, war eine lieb gemeinte Geste. Wenn man darauf aus ist, einen Skandal aus etwas zu machen, das keiner ist, dann könnte man behaupten, das Kind hätte gehauen. Hat es aber nicht. Es hat feste gestreichelt. Und überhaupt, das andere Kind, das wollte das so."

Sie sehen, worauf ich hinaus will. Alternative Fakten sind keine Fakten. Sie sind nicht mal eine Alternative. Aber das wussten Sie sicher schon. Wie sehr mich der Begriff aber gruselt, das nicht. 


Kommentare:

  1. Also ich gehe nach wie vor gerne in örtlichen Geschäften einkaufen und würde es auch noch öfter tun, wenn ich dafür Zeit hätte...
    Dank für Deinen Beitrag und ich fände es schade, wenn Dein "laden" dicht macht.
    Liebe Grüße von der Küste.

    AntwortenLöschen
  2. Alternative Fakten - dieser "Begriff" erschreckt mich dermaßen,daß ich lange darüber reden könnte.
    Ältestes Kind zu sein ist nicht leicht-mein Sohn behauptet immer,er hätte viel weniger gedurft.Stimmt sogar.Beim jüngeren Sohn hatte ich mehr Erfahrung und war nachsichtiger.Ich hatte auch das Gefühl,jetzt ist er (Sohn1)im richtigen Alter,es muss etwas Neues anfangen.Mit 6 war er noch zu jung,mit 7 war es für ihn richtig.Und dann endlos Diskussionen,Grenzen austesten+erweitern.
    Aber auch eine schöne Zeit.Nur anstrendgend.
    Wenn ihr zwei gut durch diese Zeit kommt,wird es in der "richtigen"Pubertät leicht.Oder ich hatte Glück.
    Schön,etwas von Dir gehört zu haben.Und zweifle nicht an Dir,es wird schon richtig werden.
    Liebe Grüße aus dem Münsterland kerstin

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Heike,
    auf Ungarisch schreiben, dann gibt es kein Problem mit ihm. Alternative Form!
    Liebe Grüße
    Heike

    AntwortenLöschen
  4. Ich fand deinen Beitrag sehr witzig! Du bist immer noch in meinen Lesezeichen gespeichert!

    AntwortenLöschen