Mittwoch, 1. März 2017

Ein Termin wäre doch fein

Sie glauben ja gar nicht, wie einsam so ne Elternzeit sein kann. Diese Stille immerzu im Haus. Mit vier Kindern, mag man sich fragen, wie kann das da still sein? Und ja, das stimmt: Die Stille, die ist oft eher innen als außen. Jetzt gerade ist sie auch im Haus, denn es ist 3.45 Uhr und alle schlafen. Das tun sie um die Zeit eigentlich immer und ich höre mir das manchmal aktiv an. Das macht Spaß. Denn in diesen Momenten passt die Stille zueinander, innen wie außen. Das ist eine ziemlich ehrliche Angelegenheit.

Ich bin ja nun zum vierten Mal in Elternzeit. Und die Abstände zwischen den Zeiten waren nicht besonders lang, weil die Kinder, nun ja, sie wollten nicht aufhören zu kommen. Eines witziger als das andere, wer könnte da nicht noch eins wollen? Also blieb ich zuhause und kümmerte mich. Und ich kümmere mich nicht auffallend gut. Ich bin eine ganz durchschnittliche Mutter, das kann ich wohl sagen. Das ist nicht schlimm und ich schreibe das auch nicht aus Fischereigründen. Ich fühle mich, was die Mutterrolle angeht, ganz wohl im Durchschnitt. Mir wird oft gesagt, ich wäre sehr entspannt und immer so locker. An guten Tagen verstehe ich das als Kompliment, an schlechten halte ich es mit alter Referendariatsüberinterpretation und denke, das soll sicher heißen, ich habs nicht im Griff. (im Griff haben - das ist zum Beispiel was, darüber denke ich viel nach. Die Kontrolle ist ja eine meiner schlimmsten Baustellen. Alles kontrollieren zu wollen, obwohl ich es gar nicht unbedingt besser kann oder besser weiß. Aber es ist doch besser, man weiß Bescheid.)

Ich weiß übrigens auch gar nicht, was eine besonders gute Mutter ist, wie will ich mich da glaubwürdig abgrenzen, aber man hat ja so Vorstellungen, Sie kennen das vielleicht. Die variieren ja ganz stark, deswegen schreibe ich sie lieber nicht auf. Eigentlich will ich aber darauf hinaus, dass mich in jeder dieser Elternzeiten irgendwann der Gedanke beschlich, ich müsste raus. Raus aus dieser watteweichen, terminlosen Zeit. Um eine bessere Mutter sein zu können. Auch das ist ja ganz normal. Solche Gedanken hat man eben. Dieses Mal kamen sie viel später (das Kind ist nun ein halbes Jahr alt, ich habe also für meine Verhältnisse ziemlich lange durchgehalten und ich habe aktiv genossen - dieses Baby ist mindestens so goldig wie die anderen drei Babys unserer Baureihe und ich habe jetzt sechs Monate intensiv hingeschaut. Sehr intensiv! Man munkelt, zu intensiv
Aber mit mir ist es nach der Geburt wie mit dem Laufenlernen. Sobald ich sicher stehen kann, will ich auch loslaufen. Sobald ich mich sicher fühle in meinem Terrain, sobald ich mein Kind kenne, sobald ich die Zeichen des Kindes im Halbschlaf, im Dunkeln, draußen, drinnen, hinter schlimmsten Geräuschkulissen, zu allen Zeiten sicher deuten kann. Sobald sich unsere Familie sortiert hat, sobald alle wieder ihren Platz gefunden haben und sobald ich angekommen bin in der Rolle als Mutter mit xy Kindern, will ich aufs nächste Level. Denn was ich jetzt noch verbessern kann, das kann ich nur, wenn ich nicht immerzu 24/7 die Herrin meiner eigenen Zeit bin. Die einzigen Termine, die ich in den letzten - ich schreibe lieber nicht wie vielen - Monaten hatte, waren Arzttermine mit den Kindern. Und ab und an ein nicht besonders erfreulicher Kita-wir-haben-leider-keinen-Platz-für-Sie-Besprechungstermin. Und jetzt bin ich an dem Punkt, an dem das Gefühl - Muttersein, Frausein, Menschsein - deutlich angenehmer wäre, wenn es da mal wieder was anderes gäbe, da bin ich mir sicher, da kenne ich mich gut. 

Zum Glück kommt ein großer Umzug, alles neu, alles von vorn. Das kennen wir schon, das haben wir 2012 und 2015 schon einmal gemacht. Da habe ich dann vermutlich ganz schnell so viele Termine, dass die Ohren wackeln und ich mich zurückwünsche in diese terminlose Kaugummigzeit. Aber jetzt gerade, hier in diesem dunklen Wohnzimmer, um 5.05 Uhr am 1.3.2017, da denke ich: Mal wieder ein richtiger echter Termin, das wäre doch fein.


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